Jahr: 2017

Das geheime Seelenleben eines Bauern

Ich weiß jetzt nicht, ob dieser Artikel ein Bestseller wird. So wie ‚“Das geheime Leben der Bäume“. Vermutlich nicht, aber trotzdem muss ich das (aus gegebenem Anlass) mal schreiben. Aber Achtung: es wird ein Rundum-Schlag… Was viele Bauern, so auch mich, umtreibt ist die nicht nachlassende Kritik an ihrer Arbeit. Kritik ist ja zulässig, aber wenn diese zu Schuldzuweisungen werden, trifft es nicht mehr nur den Beruf, sondern den Menschen. Das schmerzt. Es geht dann nicht mehr nur um die Sache, sondern darum, den einen Schuldigen auszumachen, den man dann in kollektivem Aufschrei verantwortlich machen kann. So auch bei der Insektenstudie, die von allen Medien sofort aufgegriffen wurde und in Überschriften wie „Ökologisches Armageddon“ und ähnlich starken Worten beschrieben wurde. Diejenigen, die nur das Zustandekommen und die Bewertung der Zahlen kritisch hinterfragen, werden geradezu reflexartig als „Realitätsleugner“ oder „Gekaufte Freunde der Konzerne“ diskreditiert. Wenn gefordert wird, die möglichen Hintergründe und Ursachen zu erforschen, so wird diese Reaktion als blamabel dargestellt, es ist von polemischen Verrissen die Rede und vulgärem Lobbyismus. Das ist harte Kost und verletzend. Geht …

Tödliche Fallen…

„Männer umschwirrn mich wie Motten um das Licht“ lautet eine Textzeile eines Songs von Marlene Dietrich im dem Film „Der blaue Engel“. Jeder von uns kennt das, wenn er an einem lauen Sommerabend nachts bei Beleuchtung auf der heimischen Terrasse sitzt. Wir alle nehmen das unbeteiligt zur Kenntnis, machen uns aber keine Gedanken darüber, welche Folgen Kunstlicht auf die Insektenwelt hat. Ich bin der Sache mal nachgegangen. Zuerst einmal die Feststellung, dass es erstaunlich wenig Literatur zu diesem Thema gibt. Ein paar Quellen habe ich unten mal angegeben. Festzustellen ist aber, dass die bloße Zahl von künstlichen Lichtquellen in Europa deutlich zugenommen hat. Jede Versiegelung der Landschaft führt meist auch dazu, das Wohn- und Gewerbegebiete mit Beleuchtung ausgestattet werden, die dann die ganze Nacht über eingeschaltet bleiben. Forscher aus Mainz haben einmal hochgerechnet, dass so jede Nacht alleine in Deutschland etwa 1 Milliarde Insekten diesen Lichtfallen zum Opfer fallen. Entweder sie fallen erschöpft zu Boden oder sie verbrennen schlichtweg an den heißen Birnen. Aber auch indirekte Folgen hat das Licht: Aufgrund der Ablenkung durch das …

Streuobstwiesen und Hecken…

Hier ist der Alois. Neulich habe ich eine Mail bekommen, wo mich jemand nach Streuobstwiesen gefragt hat und ich habe ihm so geantwortet: Natürlich habe ich selbst eine solche Streuobstwiese. Aber erst seit 1990. Das war die erste Investition, als ich den Hof übernahm. Eine Streuobstwiese und dazu meine erste Hecke an der Bachböschung. Weil ich Windschutz für den Hof haben wollte und weil ich eine „Buind“ haben wollte, wie ich sie in meiner Kindheit hatte. Die Hecke pflanzte ich damals noch nicht mit dem „System Benjes“. Auf diese geniale Idee hat mich erst später ein Biologe gebracht, der Kartierungen machte und bei mir vorbei kam. Er sah, dass viele der angepflanzten Sträucher kaputt gingen. Er klärte mich auf, dass die Pflanzen aus den Baumschulen für den Standort (Berglandwirtschaft und rauheres Klima) nicht geeignet waren. Seine Lösung: Einfach mit Schnittholzabfällen einen „Verhau“ machen. Danach würden Vögel und anderes Getrier einziehen und diese brächten ganz automatisch die standortgerechten Samen mit. Und dann bräuchte es noch zwei oder drei Jahre Geduld. Und schon wurde die passende Hecke von …

Immer mehr NGO´s

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Der Masterplan!

Der Bürger möchte mehr Tierwohl, weniger „Pestizide“, weniger Nitrat, mehr Biodiversität usw: Der Verbraucher wünscht sich sichere und preiswerte Lebensmittel, dem Bauer liegt viel an der gesellschaftlichen Akzeptanz und einem stabiles Einkommen. Das müsste doch zu machen sein! Hier der Masterplan: Der Wunsch des Bürgers In einer Selbstverpflichtungs-Erklärung haben sich die Bauern auf folgende Maßnahmen geeinigt: Der Einsatz von Pflanzenschutzmittel und Dünger wird limitiert. Aber nicht durch Steuern sondern durch festgelegte Höchstmengen. Lässt sich einfach erfassen und kontrollieren. Thema „Pestizide“ erledigt. Für die Tierhaltung gibt es eine Höchstgrenze pro Hektar (z.B. 2 Großvieheinheiten = GV pro Hektar, Großvieheinheiten kann man googeln), die Tiere müssen auf Stroh gehalten werden, Kühe dürfen nicht angebunden sein und es ist allen Tieren Auslauf ins Freie zu garantieren. Eingriffe am Tier sind verboten. Thema Tierwohl erledigt! Weil es mit 2 GV/ha keine Probleme mit den Nährstoffmenge gibt und die Tier auf Stroh gehalten werden (es fällt keine Gülle an), ist das Thema Nitrat und Dünger auch erledigt. Jetzt müssen noch 5% der Flächen eines jeden Betriebes für Hecken, Grünstreifen, kleine Gehölze und Brachflächen bereitgestellt …

Intuitive eating

Neulich war ich auf einem Erntedankempfang. Den gibt es schon seit Jahrzehnten und er lief ab wie immer: Grußwort vom Landrat, von der Politik, von den Landfrauen und so weiter. Dann noch eine launige Rede und der Männerchor hat auch gesungen. Doch dann endlich das erlösende Wort: „Das Buffet ist eröffnet“. Insgeheim hatten darauf doch alle gewartet, denn das Buffet, von den Landfrauen selbst gemacht, ist wirklich toll. Und so stellte sich jeder in die Reihe und bediente sich an dem, was dort aufgetischt wurde: Kasseler und Rinderbraten, Brat- und Rosmarinkartoffeln, grüne Bohnen, selbstgemachter Nudelsalat, Fleischsalat, Mehrkornbrötchen und viele Käsesorten. Und zum Schluß  noch was Süßes. Einfach lecker! Laktosefrei, glutenfrei, kalorienarm, halal? Ich habe niemanden gehört, der an diesem Abend danach gefragt hätte. Was ist eigentlich dran an den vielen Ernährungs-Trends? Íst nicht im Augenblick „clean-eating“ in? Paläo war ja gestern und vegan soll ja angeblich auch schon wieder auf dem Rückzug sein. Und nachdem Chia-Brötchen jetzt auch schon eingeschweißt beim Rewe zu bekommen sind, haben die auch irgendwie ihren Reiz verloren. Wir haben alle …

Margarine steigert die Scheidungsrate

Auf Grund des starken Rückgangs bei den Bevölkerungszahlen in den westlichen Industrienationen haben sich nun die Sozialminister zahlreicher Länder entschlossen, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Mit ebenso erschütternden wie verblüffenden Ergebnissen. In einer aufwändigen Langezeitstudie haben namhafte Wissenschaftler aus aller Welt nun herausgefunden, daß die eine mehr als 99%ige Verbindung besteht zwischen dem Pro-Kopf-Verbrauch von Margarine und der Scheidungsrate in Industrieländern. Der US-Bundesstaat Maine wurde als Untersuchungsobjekt ausgewählt, weil er – nach Aussage jener Sozialminister die diese Studie in Auftrag gegeben haben – am besten den notwendigen hoch-repräsentativen Querschnitt der Bevölkerungsverteilung der meisten Industrieländer abbildet. Über 10 Jahre wurde seither daran intensiv geforscht. Auf Grund der zugrunde gelegten Vermutung, daß die Hauptschuld an den immer höheren Scheidungsraten mit dem übermäßigen Margarinekonsum in Zusammenhang stehen könnte, wurde in Maine zeitgleich eine medial intensiv begleitete Kampagne gestartet. Dabei wurden die Nachteile von Margarine etwa auf die Gesundheit und den Regenwald plakativ ins Gedächtnis gerufen und für ein Verwendung von heimischer Butter geworben. Und was die Forscher zuvor nur als These postulieren konnten, wurde im Zuge …

Die Wahrnehmung der anderen…

Der Autor des nachfolgenden Artikels schreibt für die FAZ und GEO und beschäftigt sich mit den doch recht unterschiedlichen Reaktionen zu den Berichten über das Insektensterben. https://www.riffreporter.de/flugbegleiter-insektenschwund-studie-reaktionen/ Nachdem er die unterschiedlichsten Positionen von Medien und Verbänden dargestellt hat, kommt er ganz am Schluss zu folgender Aussage: „Bauer Willi gehört offenbar nicht dem post-faktischen Lager an, er will die ungute Polarisierung überwinden, der Sache gemeinsam mit der vermeintlich „anderen Seite“ auf den Grund gehen. Nur so kommt man zu dem, was das Ziel sein sollte: ländliche Regionen, in denen Naturschutz und erfolgreiches bäuerliches Wirtschaften keine Gegensätze mehr sind, sondern sich gegenseitig bedingen. Und eine Gesellschaft, die nicht den Trumpschen Weg der Polarisierung geht, sondern den Weg von Empirie und Kooperation in einem fairen Wettstreit der Meinungen. Schade nur, dass Bauer Willi extra dazuschreiben musste, sein Beitrag sei keine Satire.“ Ich kann damit ganz gut leben 🙂  andere sollten sich ein paar Gedanken machen, warum sie nicht so gut wegkommen. Was Alois und mich besonders freut: Wir werden seit einer ganzen Weile auch außerhalb der Agrar-Szene wahrgenommen. …

Englische Insekten – 30 Jahre Beobachtung

Mir lässt die Diskussion über das Insekten-Sterben irgendwie keine Ruhe. Zumal sich jetzt auch schon das ORF auf die Daten aus dem Rheinland beruft. Wenn ich jetzt darüber schreibe, wird mir wahrscheinlich wieder vorgeworfen, ich wollte das Thema verniedlichen. Will ich nicht, aber ich will es mal von einer anderen Seite beleuchten und eine andere Quelle (aus England) nennen. Das ist ja wohl erlaubt, wenn man dem Problem gerecht werden will. Da ist erst einmal der Begriff: Insektensterben. Das bedeutet ja, dass alle Insekten weniger geworden sind. Die immer wieder zitierte Studie der Krefelder Entomologen hat aber nur die fliegenden Insekten erfasst. Genau genommen auch nur die, die sich in dem verwendeten Tpp von Fallen (Malaise-Fallen) auch fangen lassen. Über alles, was nicht fliegt, kann also keine Aussage gemacht werden. Zum Beispiel über Laufkäfer. Weil die normalerweise laufen und nicht fliegen. Oder auch Heuschrecken, die zwar auch fliegen können, sich aber meist hüpfend vorbewegen. Von daher müsste es in allen Artikeln zu diesem Thema eigentlich „Fluginsekten-Sterben“ heißen. Ist jetzt nicht spitzfindig, sondern beschreibt das, was die Krefelder untersucht haben. …