Alois
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Streuobstwiesen und Hecken…

Hier ist der Alois. Neulich habe ich eine Mail bekommen, wo mich jemand nach Streuobstwiesen gefragt hat und ich habe ihm so geantwortet:

Natürlich habe ich selbst eine solche Streuobstwiese. Aber erst seit 1990. Das war die erste Investition, als ich den Hof übernahm. Eine Streuobstwiese und dazu meine erste Hecke an der Bachböschung. Weil ich Windschutz für den Hof haben wollte und weil ich eine „Buind“ haben wollte, wie ich sie in meiner Kindheit hatte.

Die Hecke pflanzte ich damals noch nicht mit dem „System Benjes“. Auf diese geniale Idee hat mich erst später ein Biologe gebracht, der Kartierungen machte und bei mir vorbei kam. Er sah, dass viele der angepflanzten Sträucher kaputt gingen. Er klärte mich auf, dass die Pflanzen aus den Baumschulen für den Standort (Berglandwirtschaft und rauheres Klima) nicht geeignet waren. Seine Lösung: Einfach mit Schnittholzabfällen einen „Verhau“ machen. Danach würden Vögel und anderes Getrier einziehen und diese brächten ganz automatisch die standortgerechten Samen mit. Und dann bräuchte es noch zwei oder drei Jahre Geduld. Und schon wurde die passende Hecke von ganz allein wachsen. Ohne weitere Kosten und Mühen!

Das habe ich dann an meinen anderen Bachböschungen ausprobiert. Es hat wunderbar geklappt. Die Böschungen anzupflanzen waren übrigens der einzige Weg, meinen Vater davon zu überzeugen, dass man doch ein paar Quadratmeter wertvolle Feldfläche „opfern“ kann für einen solchen Zweck. Denn mit der Anpflanzung brauchten wir auch die Böschung nicht mehr in anstrengender Handarbeit mähen…

Bei meiner Jägerprüfung wurde der Wert solcher Gehölze und Remisen sehr in den Vordergrund gestellt. Sie sind die Lebenswelt einer Vielzahl von Tieren. Im Jägerkurs erfuhr ich auch, dass eine Windschutzhecke durch den Windschatten ein Kleinklima erzeugt, was sich auf das Wachstum der Feldkulturen positiv auswirken würde. Und weiters seien die Hecken der Schutzraum der Vögel. Auch die Entfernung der Hecken untereinander sei entscheidend, weil ein flüchtender Vogel nur kurze Strecken mit hoher Geschwindigkeit fliegen könne. Eigentlich ganz logische Sachen. Was mich wundert, dass es nirgends öffentlich thematisiert wird. Also falls Du da gute Infos hättest, dann her damit.

Aber zurück zu den Streuobstwiesen. Selbst auf den Alpen und Viehweiden am Grünten (mein Hausberg)  haben irgendwann in frühreren Zeiten die Bauern dort Apfel-, Birnen und Kirschbäume gepflanzt. Ich habe viel überlegt, welchen Sinn das hatte? Denn für die Obsternte waren und sind diese Bäume, teilweise sogar im Steilgelände, viel zu weit von den Höfen entfernt. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass es auch wegen den Weidetieren gemacht wurde. Denn auf das Fallobst sind diese richtig gierig. Die Bauern in den früheren Jahrhunderten hatten kein Mineralfutter, wie heute üblich. Also gehörte das Obst dann als natürliches Ergänzungsfutter dazu. Auch als Jäger weiss ich diese alten Bäume zu schätzen, denn auch das Wild klaubt gerne Fallobst. Ja sogar Füchse fressen Äpfel – habe ich selbst beim Ansitz schon gesehen.

Alles in allem wäre ich froh, wenn wir Bauern noch so „ticken“ würden, wie unsere vorhergehenden Generationen. Doch sie taten es auch nicht uneigennützig, sondern weil es für sie irgendwie nützlich war. Und heute ist dieses Handeln eben alles nicht mehr nützlich. Im Gegenteil, wenn ich als Bauer mir Äpfelbäume in meine Felder stelle oder Hecken anlege, dann baue ich mir Hindernisse ein. Nur das Effiziente und das Produktive zählt. So wird dies auch überall in den Schulen seit Jahrzehnten unseren jungen Landwirten beigebracht. Und auch die Bänker fragen jeden Landwirt nach Umsatz und Wirtschaftlichkeit – nicht ökologischen Glanzleistungen. Deshalb brauchen wir uns auch nicht wundern, dass immer mehr „Agri-Kultur“ verloren geht.

Euer Alois

 

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35 Kommentare

  1. Friedrich sagt

    Ich habe mit einigen Getreuen auch Hecken gepflanzt vor 20/30 Jahren . Mit dem Ergebnis , daß die heute keiner mehr pflegen will. Diese Hecken haben heute Bestandsschutz und es eine Straftat ohne Erlaubnis etwas zu entfernen. Da wachen heute Naturschutzleute der Städte und Gemeinden drüber. Ohne Genehmigung läuft da nichts mehr. Ein Bauer hatte auch einige Bäume gepflanzt und hat die später auf den Stock gesetzt. Darauf kam er vor Gericht und ist nur unter der Bedingung eine Ersatzpflanzung zu machen straflos davon gekommen. Ja man kann heute von einer Naturschutz- und Umweltdiktatur sprechen. Heute pflanzt hier keiner mehr Bäume oder Büsche , weil alles in den Baumschutzsatzungen kartiert wird und man bekommt es nie wieder weg. Auch die Pflege , die meistens die Gemeinden machen müßten , unterlassen das. Das hat dazu geführt , daß wir uns für 12.000 Euro eine Schlepperkreissäge für den Frontlader gekauft haben um so der Sache versuchen Herr zu werden und so die Wege und den Acker freihalten. Den jährlich Zuwachs darf man ja entfernen. Bei uns sitzen in der Stadt Verwaltungsbeamte , die nur ihr Universitätswissen zum Besten geben und Meinungen und Vorschläge von uns Bauern nicht gelten lassen. Also völlig praxisfern sind. So kann das mit der Biodiversität nichts werden.

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    • Stocker sagt

      Ich habe ebenfalls als erster in unserer Gegend eine Hecke durch unsere Felder gepflanzt, weil es damals hieß, nach sieben Jahren kann ich entscheiden ob diese bleiben kann oder ob Sie entfernt werden soll.
      Doch bereits nach fünf Jahren war Schluss mit Lustig – die Hecke war Landschaftselement und muss bleiben. Unabhängig davon dachte ich mir, wir Leben doch in einem Land, in dem Verträge mit dem Staat gelten. Weit gefehlt. Ein paar Jahre später konnten wir nur mit einem öffentlichen Bericht in der Top Agrar, erreichen, dass die Bewirtschaftungsabstände nicht umgesetzt wurden. (Beidseits der Hecke 20m Abstand – keine Bewirtschaftung). Wir überschrieben damals den Bericht mit – Der Natur einen Bärendienst erwiesen…
      Wie in den anderen Berichten, ist auch meine Erfahrung: Mach keine „Geschäfte“ mit Naturschützern.
      Traurig, Traurig, Traurig………..
      Das ist eben Deutschland. Auch mein Fazit lautet leider: Ich Pflanze keine Hecke mehr, und meine Nachkommen denken genauso.
      Grüße aus Niederbayern

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  2. Wir haben früher selbst schon Hecken gepflanzt, werden mit Sicherheit aber keine neuen mehr anlegen.
    Denn als „Dank“ dafür darf ich jetzt bei PS-Maßnahmen bis zu 20m Abstand halten.

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  3. Mausschubser sagt

    Hallo Alois, das mit den Jägern ist aber in unserer heutigen Gesellschaft sowas von hundepfui. 😉

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      vielleicht bei den Jagdgegnern. Fakt ist, die Jägerprüfung machen immer mehr Menschen. Das ist gut so, denn es wird ganz viel Wissen um Zusammenhänge in der Ökologie vermittelt. Viel mehr, als bei der Ausbildung zum Landwirt!

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        • Alois Wohlfahrt sagt

          Es gibt ganz viel Überschneidungspunkte zwischen Bauern und Jägern, weil beide sind im Prinzip „Landbewirtschafter“. Darum ist ein gutes persönliches Verhältnis zueinander eine gute Basis. Am Besten ist es, wenn auch Landwirte selbst die Jägerprüfung machen und mit auf die Jagd gehen.

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          • Das haben ja bestimmt auch viel Bauern, wie mein Opa und andere!

            Aber die „Landbewirtschaftung“ im Wald macht doch eher der Förster, oder?

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      • Mausschubser sagt

        Stimmt, war bei mir im Jagdkurs auch so. Der Veranstalter hatte viel Wissen um Natur und Ökologie. Da hat man viel gelernt.

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