Jahr: 2016

Nitrat und Protein – natürlich

Aus Stickstoff (Nitrat) bilden die Pflanzen Eiweiß (Protein). Das machen die Pflanzen so seit Millionen von Jahren. Es ist eine Binsenweisheit für alle, die was von Pflanzenbau verstehen.  Hat der Weizen viel Stickstoff, bildet er viel Eiweiß, um den Keimling (Embryo) im Korn optimal zu ernähren und so für die erfolgreiche Fortpflanzung zu sorgen. Denn dafür wird das Korn ja eigentlich gebildet… In Dänemark hat man vor Jahren mit massiven staatlichen Eingriffen die Stickstoff-Düngung reglementiert und so die erlaubten Mengen immer weiter zurückgefahren. Die Folgen sind in der obigen Abbildung zu sehen: der Proteingehalt ist in Dänemark mittlerweile auf unter 9% gefallen. Die Ausschläge sind übrigens durch die unterschiedliche Witterung je nach Jahr begründet. Der Trend ist jedoch eindeutig: Wenig Stickstoff = wenig Protein. Dänischer Weizen ist als Brotweizen nicht mehr zu vermarkten, weil er kein backfähiges Mehl ergibt. Ich kann dies auch aus eigener Erfahrung berichten: wir haben mal auf einer Brachfläche (also ohne Düngung) das Ausfallgetreide geerntet: Der Proteingehalt betrug 8,5% und konnte nur noch als Futterweizen mit entsprechendem Preisabschlag vermarktet werden. Ein Blick über die Grenze macht die Unterschiede deutlich: …

Die bösen Bauern verharmlosen…

Da sind sie wieder, die bösen Bauern. Sie „verseuchen“ nicht nur das Grundwasser, nein, sie wollen darüber auch nicht mit sich reden lassen. Sind sie also dumm und stur? Wenn man diesen Artikel liest, müsste man ja fast zu dieser Erkenntnis kommen. Übrigens: Wenn man auf den Namen der Autorin klickt, kann man ihr eine Nachricht schreiben. Die freut sich bestimmt über jede Mail. Euer Bauer Willi, der gerade überlegt, wie viel Stickstoff er jetzt in seinem Weizen düngen soll… http://www.sueddeutsche.de/wissen/nitratbelastung-landwirte-verharmlosen-problem-der-nitratbelastung-1.2992517

Nitrat – natürlich

Über kaum einen Nährstoff wird so heftig diskutiert wie Nitrat. Besonders heftig dann, wenn es im Wasser vorkommt. Dazu ein paar Gedanken und Zahlen. Einige dieser Daten habe ich von der Seite des Landesamtes für Verbraucherschutz in Niedersachsen. Nitrat kommt im Boden natürlich vor. Pflanzen benötigen Nitrat zum Wachstum und nehmen es über das im Boden vorkommende Wasser auf. Ohne Nitrat gibt es kein Pflanzenwachstum. Es wird in der Pflanze gespeichert, wobei dies je nach Kultur, aber auch nach Jahreszeit unterschiedlich ist, weil die Pflanzen seit jeher ein unterschiedliches Aneignungs- und Speichervermögen haben. Nitrat ist für den menschlichen Körper relativ unbedenklich, kann aber durch Bakterien im Mundraum und Magen in Nitrit umgewandelt werden. Gleiches geschieht auch bei erneutem Aufwärmen von nitratreichen Lebensmitteln wie z.B. Spinat. Was kaum einer weiß: Nitrat hat positive Effekte auf den Blutdruck sowie den Blutzuckerspiegel. Für Produkte pflanzlichen Ursprungs hat die EU Nitrathöchstgehalte festgelegt. Dieser Wert beträgt für frischen Spinat 3.500 mg/kg, für Rucola je nach Jahreszeit 6.000 bis 7.000 mg/kg. In allen Proben, die das LAVES (Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) …

Im Dialog: mit Johann Lafer

Ich habe Herrn Lafer bei einer Veranstaltung kennengelernt. Danach waren wir Willi und Johann. Lieber Johann, Du bist auf einem Bauernhof in der Steiermark groß geworden. Ihr habt doch auch sicher Hausschlachtungen gemacht? Was ist da vom Schwein übriggeblieben? Wie sah die Speisekarte bei euch damals aus? Das Ziel bei der Hausschlachtung war es, das Tier komplett zu verarbeiten. So wurden die Därme gesäubert, diese wurden dann mit einer Mischung aus frischem Schlachtfleisch und Hirse gefüllt und dann in einer warmen Schlachtsuppe gegart und gegessen. Natürlich wurden auch leckere Bratwürste im Naturdarm hergestellt. Aus dem frischen Blut hat man den sogenannten Blutdommerl – eine Art Omelett – aus frischem Blut, Ei, Mehl , Speck und Kräutern zubereitet. Ich könnte noch viele Beispiele aufzählen, man hat damals einfach versucht aus dem Schwein viele unterschiedliche Spezialitäten zu erzeugen, die dann auf mehrere Monate verteilt gegessen wurden. Es ist wirklich schade, dass heute häufig nur noch nach den edelsten Teilen des Schweins Ausschau gehalten wird.  Mit Geschick, Können und Kreativität lässt sich aus den meisten Teilen des Tieres …

Wir wollen so gerne gut sein…

Ein Gastbeitrag von Sabine. Irgendwie wahr… Dass wir alle in den Himmel wollen, aber mit unserem Handeln die Hölle zementieren, ist eine Erkenntnis, die schon älter als 2000 Jahre ist. Man könnte es auch so sehen: Wir leben z.Z. in einem Wirtschaftssystem, dass weder besonders ressourcen-, noch besonders menschenfreundlich ist. Die tatsächlichen Kosten sind vom Preis schon lange entkoppelt und spiegeln damit nicht den faktischen Wert einer Ware. So haben wir uns nicht nur jede Menge Umweltprobleme eingehandelt, sondern auch soziale und politische Konflikte. Philosophisch ist es wohl kaum begründbar, warum die Arbeitszeit und damit auch das Leben eines Arbeiters oder Angestellten sehr viel geringer ist, als der eines CEOs. Denn schließlich ist es Lebenszeit, die wir auf der Arbeit verbringen. Geht man in den internationalen Vergleich, geht die Schere noch mehr auseinander. Wir leben also alle von der Ungleichheit und von vielen kleinen und großen Ungerechtigkeiten. Das tun wir schon sehr lange und meist sehr erfolgreich, wenigstens hier im „Westen“ und jeder großer oder kleiner Crash in diesem System wurde bisher irgendwie überwunden, auch …

Frohe Pfingsten – auch vom Metzger

Ein überraschender Preisvergleich zwischen Handwerks-Metzger und Supermarkt. Eine Mail von einem guten Freund. Auch Alois und ich  wünschen euch allen ein Frohes Pfingstfest. Auch wenn es etwas kühl ausfallen sollte.. Lieber Bauer Willi, wir waren gerade in unserem schönen Nachbar-Örtchen  einkaufen. Wir haben hier im nächsten Umkreis noch drei Metzger, die ihre Tiere von Bauern aus der Nachbarschaft beziehen und einmal in der Woche schlachten. Alles wird selbst im eigenen Betrieb verarbeitet und direkt ohne Zwischenhandel verkauft. Und Wurst können die machen… Aaaahhh… Eine Offenbarung! Und zwei wunderbare kleine Bäcker gibt es auch noch.  Wir leben durch den Umzug (du weißt!)seit etwa einem Monat hier und sind grenzenlos begeistert, welche niederknienenswerte Qualität diese Handwerks-Betriebe liefern. Wir sind Koch- und Essfetischisten, und bezahlen auch gerne etwas mehr dafür. Heute wollte ich mal Preise vergleichen. War also erst beim Schlachter  und habe dort eingekauft, und anschließend beim Rewe-Supermarkt drei Straßen weiter, um Preise zu vergleichen. Die folgenden Preise sind Kilopreise, immer erst Schlachter, dann Rewe: Schweinenacken 5,90/7,90/ +34 %!! Bauchfleisch       3,99/7,49/ +88 %!!! Bratwurst grob  7,00/7,90/ +13 %! durchwachsener Speck …

Nicht als die Wahrheit – oder doch nur ein Gerücht?

Höchst interessant ist es, wenn man sich als Landwirt unter „Normal-Verbraucher“ mischt, ohne sich zu outen und man teilhaben kann an der Informations-Rally der Leute. Wir wissen ja selbst, dass „Tratschen“ einen nicht unerhebliche Anteil an der gesellschaftlichen Meinungsbildung hat. Sowas erlebte ich vor einigen Wochen nach einer Weiterbildungsveranstaltung, als meine Teilnehmergruppe beim Anstehen in der Kantine über Landwirtschaft zu diskutieren begann. Der Anstoß war eine vegane Speise.  Sehr schnell kamen von fast jedem Zweiten Argumente, warum man denn kein Fleisch mehr essen sollte.  Den einen taten einfach die Schweine so leid, wenn sie in den Mastanlagen „so eingepfercht“ ihr Leben fristen. Und dann natürlich die „Mast mit Antibiotika“, vor allem bei den Puten und den Schweinen. Die Rinderhalter kamen erstaunlich gut weg. Kein Wunder, im Allgäu stehen immer noch „nette Moggele“ (das sind nette, junge Rinder) auf der Weide, welche wohl wirklich gute Botschafter der Landwirtschaft sind. Aber ganz mies bekamen die „Agrarfabriken im Osten“ ihr Fett weg. So ein Allgäuer Normalo stellt sich scheinbar die „Riesenbetriebe“ in Thüringen und Co. fürchterlich vor und …