Bauer Willi
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Nitrat und Protein – natürlich

Aus Stickstoff (Nitrat) bilden die Pflanzen Eiweiß (Protein). Das machen die Pflanzen so seit Millionen von Jahren. Es ist eine Binsenweisheit für alle, die was von Pflanzenbau verstehen.  Hat der Weizen viel Stickstoff, bildet er viel Eiweiß, um den Keimling (Embryo) im Korn optimal zu ernähren und so für die erfolgreiche Fortpflanzung zu sorgen. Denn dafür wird das Korn ja eigentlich gebildet…

In Dänemark hat man vor Jahren mit massiven staatlichen Eingriffen die Stickstoff-Düngung reglementiert und so die erlaubten Mengen immer weiter zurückgefahren. Die Folgen sind in der obigen Abbildung zu sehen: der Proteingehalt ist in Dänemark mittlerweile auf unter 9% gefallen. Die Ausschläge sind übrigens durch die unterschiedliche Witterung je nach Jahr begründet. Der Trend ist jedoch eindeutig: Wenig Stickstoff = wenig Protein. Dänischer Weizen ist als Brotweizen nicht mehr zu vermarkten, weil er kein backfähiges Mehl ergibt. Ich kann dies auch aus eigener Erfahrung berichten: wir haben mal auf einer Brachfläche (also ohne Düngung) das Ausfallgetreide geerntet: Der Proteingehalt betrug 8,5% und konnte nur noch als Futterweizen mit entsprechendem Preisabschlag vermarktet werden.

Ein Blick über die Grenze macht die Unterschiede deutlich: Schleswig-Holstein erntete im statistischen Mittel 90,1 dt/ha Weizen mit 12,0% Protein = 10,81 dt/ha Protein.

Dänemark hat im gleichen statistischen Mittel 7,07 dt/ha Protein, also 35% weniger geerntet. Auf der gleiche Fläche von einem Hektar.

Zum Mindererlös aufgrund der Fehlmenge kommt noch der Preisabschlag aufgrund minderer Qualität. Derzeit (Mai 2016) beträgt die Preisdifferenz zwischen Brotweizen und Futterweizen rund 70 Cent pro Dezitonne (dt).

Dänemark muss Brotweizen importieren, da der eigene Weizen nur für den Futtertrog geeignet ist. Muss Deutschland diesen Großversuch wiederholen?

Dänemark hat ihn übrigens jetzt beendet…Es darf wieder mehr gedüngt werden…

Euer Bauer Willi

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28 Kommentare

  1. EDI sagt

    Was mir in dieser Diskussion fehlt ist, dass Stickstoff in vielen Formen in den Boden kommen kann. Nitrat ist nur eine Möglichkeit. Dazu kommt noch Ammonium und Carbamid und Leguminosen.
    Nitrat ist schnell Pflanzenverfügbar und mobil im Boden. Es benötigt aber in der Pflanze mehr Energie um in Protein umgewandelt zu werden. Durch die Mobilität im Boden entstehen aber Verluste. 1. Durch Auswaschung, 2. durch Abgabe in die Luft.
    Ammonium wird schwerer von der Pflanze aufgenommen aber wird in der Pflanze schnell verwertet. Zudem sind die Verluste weitaus geringer.
    Carbamid (Harnstoff) ist nicht Pflanzenverfügbar, wird aber im Boden umgewandelt. Daher ist diese Version als Langzeitdünger geeignet.
    Pur Nitrat zu düngen macht also keinen Sinn.

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  2. Friedrich sagt

    Lieber Stadtmensch. Der Betrieb wird sehr extensiv bewirtschaftet. Der Arbeitskräftebesatz
    mit mehr als 10 Voll-Ak ist sehr hoch . Der Stickstoff kommt über das Luzerne-Gras und die
    anderen Legominosen in den Boden. Die Erträge sind niedrig . Das kann man auch an den
    Verkaufsmengen sehen. Die Viehhaltung ist bei der Betriebsgröße sehr gering .Die Einnahmen des Betriebes sind bei dem Aufwand der betrieben werden muß auch sehr gering. Ein Gewinn wie er sein sollte , kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Bei der
    Bodenart und den stickstoffsammelnden Früchten hätte ich bedenken mit der Auswaschung
    über Winter, aber die Niederschläge sind ja auch gering. Der Betrieb hat sicherlich die
    Aufgabe für das Wasserwerk, zu dem er gehört, um den ersten Ring, um die Wasserförderbrunnen gutes Wasser sicherzustellen. Genauere Angaben wären hier von
    Vorteil.Für eine Landwirtsfamilie würde ich bei der Bewirtschaftung kaum ein Einkommen erkennen können, aber durch den Hintergrund des Wasserwerkes ist das
    anders zu sehen.Fest steht , daß alle biologisch wirtschaftende Betriebe, die ich kenne,
    besser und intensiver wirtschaften. Ein Beispiel für die normale Landwirtschaft kann das
    nicht sein.

  3. Schweinebauer Piet sagt

    Also düngen wir so viel wie die Pflanzen brauchen und nicht mehr, dann passt auch die Düngebilanz und und die BodenProben sind auch in Ordnung.

  4. Friedrich sagt

    Wir sollten nicht immer auf Nitrat schimpfen. Es ist der Baustein für unser Leben. Ohne
    Eiweiß geht es nicht. Es ist , wie immer im Leben, eine Frage der Menge. Es ist egal ob ich
    den Stickstoff aus Minealdünger oder aus organischer Masse für die Pflanzen zur Verfügung
    stelle. Die Pflanze kann immer nur Eiweiß bilden bei entsprechenden Angebot.Auch noch
    einmal zum Export. Ohne den Export würden wir in schlechten Jahren zu wenig für die
    Ernährung haben. Auch laufen Im-und Export in Europa teilweise wechselseitig, je nach
    Transportkosten. Wir exportieren z.B. nach Italien und importieren am Rhein aus Frankreich. Unsere Exporthäfen sind Rostock und Hamburg. Endsprechend wird das Getreide mehr aus dem Norden nach Nordafrika, Südafrika , Kenia, Iran usw. exportiert.
    Außerdem weiß ich garnicht warum derExport so negativ gesehen wird. Wir leben in
    Deutschland doch vom Export. Wir müßen z. B. Fleisch exportieren , weil hier die
    Verbraucher die “Minderwertigen Teile” garnicht kaufen und esssen.

  5. Friedrich sagt

    Meine liebe/r Pflanzenwurzeln. Schau mal bitte unter Beiträge :Staatliche Manipulation! Da geht es um Grundwasser und Nitrat ! Ohne Nitratstickstoff kein Pflanzenwachstum. Das muß nun langsam mal verstanden werden. Keine Mühle kauft Weizen unter 12% Eiweiß!
    Punkt! Auch die Futtermühlen wollen möglichst 11,5 %Eiweiß, da sonst mit teurem Soya
    ausgeglichen werden muß.Bei weniger Eiweiß wird auch weniger bezahlt. Unsere Umwelt-
    diktatoren (Gast höre zu !) sollten sich nicht nur von den NGOs leiten lassen, sondern das WArum und Wieso mal hinterfragen.Das würde doch sehr zur Sachlichkeit beitragen. In
    Dänemark hat man auch Gewässerrandstreifen angelegt, wegen Nitratschutz. Alles vergessen ,
    weil es nichts gebracht hat.

    • Stadtmensch sagt

      Lieber Friedrich
      In eine sachliche Debatte gehören weder die Begriffe „Umweltdiktatoren“ noch „sich von NGOs verleiten lassen“ noch „und Punkt“.
      So wie ich die laufende Debatte verstehe, ist es große Kunst, den Stickstoffbedarf für die Kulturpflanzen zielgenau bereitzustellen (technokratisches Worthülsengeklimper Ende).
      Der Erfolg der Stickstoffdüngung ist von vielen Einflussfaktoren abhängig (Boden, Witterung, Kultur, Fruchtfolge). In dem Zusammenhang würde mich mal die Meinung der versammelten Profis zu dieser Strategie interessieren:
      https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/ina/vortraege/2013/2013-Leguminosen-Goetze.pdf

      • bauerhans sagt

        in unserer wasserkoop sind leguminosen als zwischenfrucht verboten,ackerbohnenanbau als hauptfrucht gibts durchs greening in geringem umfang.
        Nmin beprobung und gülleN bestimmung gibts im frühjahr und düngeempfehlung dazu.
        wird durch die wasserwerke gesponsert.

        • Christian sagt

          bauernhans
          warum sind Leguminosen verboten als Zwischenfruchtanbau? da gibts wahrscheinlich ein Problem, weil man dies im herbst einfach a)abfrieren lässt und und keine winterharten Begrünungen in der Mischung hat b) man häckselt sie und/oder pflügt sie unter. Und dann ist es klar, dass alles ins gw geht.
          die Kunst ist es, die Energie+Nährstoffe einer fetten Begrünung für die Nachfolgekultur zur Verfügung zu stellen.
          oder eine Begrünung damit man (sinnvolle/sinnlose) Vorschriften erfüllt: Senf anbauen und abfrieren lassen = Grundwasserschutz (saugt N heraus) und Geldverschwendung (=N geht beim abfrieren in die Luft)

          • bauerhans sagt

            es gibt sogar zuschuss,wenn der rapsaufschlag nach der ernte erst kurz vor aussaat des nachfolgenden getreides mit glyphosat gespritzt wird,um die Nmin werte im herbst nicht zu erhöhen.
            zwischenfrucht muss bis zum frühjahr stehen bleiben,seit 2016 sind auch winterharte zwischenfrüchte erlaubt.
            die laufenden Nmin beprobungen haben eine klare fallende tendenz.
            geldverschwendung ist es nicht.

  6. Stefan Knapp sagt

    http://www.aktiongrundwasserschutz.de/fileadmin/user_upload/PDF_Download/Fachinfos_Veranstaltungen/agws_111207_getreide_Linnemann.pdf

    Wenn ich diese Untersuchung richtig lese, ist wohl ein hoher RP Gehalt (14%) im Weizen für gute Backqualitäten nicht Entscheidend ! Sondern eher Sorte mit Klebergehalt (Fallzahl). Das sind Qualitätsvorgaben von der verarbeitenden Industrie! Heißt für mich, den Preis drücken, wenn die Vorgaben nicht erfüllt werden und natürlich die Industrie noch “etwas” N Dünger verkaufen lassen !! Und trotzdem einen Weizen zu erhalten der völlig ausreichend ist für gutes Mehl !! Warum wird denn der E-Weizen >14% RP dann mit A-Weizen <14 %RP gemischt ?
    So, oder so, der Bauer ist gerade immer der Dumme!!

  7. Gast sagt

    Hafer hat 12,6 % Eiweiss, dann backt doch mal Brot damit!

    Backfähigkeit hat doch nicht nur mit reinem Proteingehalt zu tun!

    Und nebenbei:
    Dinkel Oberkulmer Rotkorn auf 900m ohne jeden Dünger von aussen: > 13% backfähiges Eiweiss

    Also mal wieder nix, ausser dumpfe Parolen bei Bauer Willi.

    • Jungbauer Alex sagt

      1. Hat die Backfähigkeit sehr wohl etwas mit dem Proteingehalt zu tun, welcher übrigens auch bei der Verfütterung hoch sein sollte, da man damit weniger andere Proteinquellen wie bspw. Soja zufüttern/ importieren muss.
      2. Hafer hat nicht denselben Flächenertrag/ha und kann sich damit den höheren Proteingehalt leisten, wobei die Aussage “Hafer hat 12,6% Eiweiß” ziemlich aus der Luft geholt ist. Wie steht der Hafer in der Fruchtfolge und was wurde zugedüngt (Gülle + Mist sowie Leguminosen sind auch Dünger)?
      3. Beim Dinkel dasselbe

      Grüßle

      • Gast sagt

        schön, da will der Jungbauer dem Hofbäcker mit 15 Jahren Backerfahrung und Anbauer von Biogetreide erklären, wie Landwirtschaft funktioniert.

        Es gibt keinen wesentlichen Zusammenhang zu der in Deutschland üblichen Überdüngung und in deren Folge die Nitratprobleme und Grundwasserkosten entstehen und der Backfähigkeit von Getreide.

        Wir haben bei Getreide in D ein SV Grad von 115%, schmeissen Getreide in BGA und verschwenden Flächen für Mais etc. Demnach haben wir viel Luft für Getreideanbau von Sorten, die bei geringer Düngung hohe Backqualität bringen, wie Dinkel, aber auch Emmer u.a.

    • Bauer Willi sagt

      Jawoll, Andreas weiß alles besser. Und Bauer Willi erzählt nur Unsinn. Tolle Kommentare…
      Aber blamiere dich ruhig weiter, mich belustigt das.

  8. Junkenbur sagt

    Es kommen nur noch Steine aus dem Backofen. In der “Guten alten Zeit” hat übrigens Jahre gegeben in denen es nur ‘Steine’ statt Brot gab. z.B. 2010 in Willis Grafik. Heute würden die Kunden den Bäcker damit wahrscheinlich erschlagen.

  9. Pflanzenwurzeln sagt

    Willi hat vollkommen Recht, das einzige Problem ist, das die Pflanzenwurzeln für Ihr Wachstum das wertvolle Nitrat im Grundwasserhorizont nicht erreichen können.
    Wir haben Regionen mit massiv erhöhten und steigenden Nitratwerten im Grundwasser.
    Den Düngerbedarf der Kulturen kennen wir aufgrund der fachlichen Möglichkeiten sehr genau.
    Die EU hat jetzt ein Verfahren gegen Deutschland eingeleitet weil der zulässige Nitratüberschuss nicht eingehalten wird, spinnen die in Brüssel die neiden uns diesen Schatz, nehme ich an!

  10. Peer sagt

    “Dänischer Weizen ist als Brotweizen nicht mehr zu vermarkten, weil er kein backfähiges Mehl ergibt.”
    =>
    Was heißt das konkret, wenn man damit backen will. Ergibt das dann nur noch krümeliges Brot? Müssen dann Eier aus Ausgleich zugegeben werden, damit es noch zusammenbappt?

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