Alle Artikel in: Bauer Willi

Proteste umsonst ? Bericht aus Brüssel

Am 24. März 2024 wurde hier im Blog die Frage gestellt: “Und nun, waren die Proteste umsonst?“ und bereits 6 Tage vorher war die EU-Kommissionspräsidentin Ursula v. d. Leyen zu einem Moratorium der EU-Gesetzgebungsarbeit aufgefordert worden. Beide Artikel und die jeweils anschließenden Diskussionen waren ein Ausdruck von Sorge, Wut, aber auch Hilflosigkeit, Unverständnis und Fehlinformationen sowie mangelnder Transparenz politischer Entscheidungsprozesse. Arnold Krämer (parteilos) hatte kürzlich die Gelegenheit, anlässlich einer von der FDP Niedersachsen organisierten 3-tägigen Studienreise nach Brüssel einen ganz aktuellen Eindruck von der Arbeitsweise der EU sowie den gegenwärtigen Diskussionen zur Weiterentwicklung der agrarpolitisch relevanten Politikbereiche zu bekommen. Hier sein (subjektiver) Bericht: Neben dem obligatorischen Besuch des EU- Parlaments standen mehrere gut abgestimmte Vorträge mit Diskussionen in der Vertretung des Landes Niedersachsen bei der EU auf der Tagesordnung. Dort berichteten sowohl klassische Lobbyisten (Dt. Bauernverband, Euroseeds, Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels) wie auch der FDP- MdEP Jan-Christoph Oetjen, ein Mitarbeiter der EU- Kommission und ein Mitarbeiter des EU-Parlaments (letztere jeweils Österreicher) über ihre Arbeit und Erfahrungen. Spezielle Themen waren u.a. GAP ab 2028, Wolfsproblematik, carbon-farming, …

„Vergessene Nachrichten“ – worüber die Medien nicht berichteten

Nein, es geht nicht um das „Manifest“ von Mitarbeitern der ARD, ZDF und Deutschlandfunk, das mangelnde Meinungsfreiheit beklagt: https://www.morgenpost.de/politik/article242028016/Filmriss-bei-ARD-und-ZDF-Manifest-fuer-mehr-Meinungsfreiheit.html Der Deutschlandfunk hat die 10 Meldungen benannt, über die – ihrer Meinung – nach nicht oder zu wenig berichtet wird. https://www.deutschlandfunk.de/vergessene-nachrichten-2024-100.html Auf Platz 10: Allein auf dem Acker – Suizide in der Landwirtschaft Die Liste findet sich auch hier: http://www.derblindefleck.de/top-ten-der-vergessenen-nachrichten-2024/ Dort heißt es: „Landwirtinnen und Landwirte leiden aufgrund ihrer hohen Arbeitsbelastungen immer öfter an Depressionen und Burn-outs. Bis zu 4,5-mal häufiger als in anderen Berufsgruppen soll das Risiko eines Burn-outs sein, der in einigen Fällen auch zum Suizid führt. Offizielle Zahlen gibt es hierfür allerdings nicht, obwohl zwei Prozent der erwerbstätigen Deutschen in der Landwirtschaft arbeiten. Fachzeitschriften und Verbände warnen schon länger vor einem berufsspezifischen Suizid-Risiko und versuchen aufzuklären. Doch die Berichterstattung in überregionalen Medien bleibt aus, genauso wie eine Datenerhebung aus öffentlicher Hand.“ Danke an Arnold Krämer für den Hinweis auf diese aktuelle Meldung, die sonst auch wieder vergessen worden wäre.

Strukturwandel…

Die DZ-Bank hat eine Branchenanalyse durchgeführt und daraus Zahlen generiert, wie sich die Struktur der Landwirtschaft bis 2040 entwickeln wird. Die DLG hat dies kommentiert. https://www.dlg.org/de/mitgliedschaft/newsletter-archiv/2024/13/zum-wachstum-gezwungen Im Ergebnis kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass Deutschland im Jahr 2040 noch über 100.000 landwirtschaftliche Betriebe verfügt (Aktuell rund 265.000). Die durchschnittliche Betriebsgröße steigt von heute rund 65 ha auf dann 160 ha. Das Modell des bäuerlichen Familienbetriebes wird sich dann überlebt haben. Branchenanalysen_Landwirtschaft im Umbruch Wie schon in der Vergangenheit, so werden sich die Landwirte den Gegebenheiten anpassen. Das Gesetz von Wachsen oder Weichen hat zu allen Zeiten und unter allen politischen Konstellationen gegolten. Es gibt keinen logischen Grund, warum sich daran etwas ändern sollte.  

Wolf oder Naturschutz – Maienfelder Erklärung

Fachleute aus Biologie und Naturschutz, Vertreter aus Biosphären- und Naturparks sowie aus Forschung und Lehre der Länder Schweiz, Österreich und Deutschland haben gemeinsam am 26. März die Maienfelder Erklärung herausgegeben, in der sie auf die Problematik hinweisen, die durch eine weitere Zunahme der Wolfspopulation für die Ziele des Naturschutzes entstehen. Maienfelder Erklärung_Medienmitteilung In der Einführung dieser Erklärung heißt es: „Die extensiv bewirtschafteten Kulturlandschaften Europas mit ihren Wiesen und Weiden beherbergen einen gewaltigen Artenreichtum und stellen eine weltweite Besonderheit dar. Eine Nutzungsauflassung solcher Landschaften führt zu einer zunehmenden Gefährdung seltener und geschützter Arten. Nötig sind ein regional differenziertes, aktives Wolfsmanagement, und die Rückstufung des Wolfs von „streng geschützt“ zu „geschützt“. Dies dient auch der Tierart Wolf, die auf Dauer nur akzeptiert wird, wenn die Konflikte gelöst werden.“ Hier die Erklärung im Wortlaut: Maienfelder Erklärung 26032024 Dort heißt es: Die extensiv bewirtschafteten Kulturlandschaften Europas mit ihren Wiesen und Weiden beherbergen einen gewaltigen Formen- und Artenreichtum und stellen eine weltweite Besonderheit dar. Im Berggebiet und in Hanglagen ist die Artenvielfalt noch heute sehr hoch. Die Bewirtschaftung ist dort …

Wieviel Eier sind gesund?

Ernährung ist eigentlich eine Wissenschaft. Zunehmend wird sie aber zum Gegenstand der Politik. So wurde kürzlich von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE e.V.) verkündet, dass zukünftig nur noch ein Ei pro Woche „richtig“ sind. Diese Empfehlung hat aber nichts mit der Ernährung zu tun. https://www.ksta.de/ratgeber/gesundheit/nur-noch-ein-ei-pro-woche-was-ist-eigentlich-so-schlecht-an-eiern2-761881 Hier ein Zitat: „Dass die alte Empfehlung von bis zu drei Eiern pro Woche nun auf nur noch ein Ei heruntergeschraubt wurde, hat auch gar keinen gesundheitlichen Hintergrund – sondern einen ökologischen. Im Hinblick auf CO₂-Ausstoß und Landnutzung schneiden tierische Produkte überwiegend schlechter ab als pflanzliche“ Was sagen nun wirkliche Ernährungswissenschaftler? https://www.oekotest.de/essen-trinken/Wie-viele-Eier-sind-wirklich-gesund_11218_1.html Hier ein Zitat: „Studienteilnehmer, die täglich mindestens ein Ei aßen, hatten keine erhöhten Blutfette und litten nicht häufiger an Herz-Kreislauferkrankungen als die übrigen Teilnehmer. Auch die Sterberate lag beim täglichen Eierkonsum nicht höher.“ Eier essen ist gesund, und zwar anders als gedacht: https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/gesundessen/cholesterin-bomben-oder-superfood-die-wahrheit-ueber-eier-wie-viele-gesund-sind-und-wann-sie-dem-koerper-schaden_id_10582790.html Hier ein Zitat: „Allerdings zeigen neuere Studien, dass Eier das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt sogar senken können. Demnach hatten Probanden, die bis zu fünf Eier pro Woche gegessen hatten, ein rund zehn Prozent …

Ostern – ein Frohes Fest

Der Gastbeitrag eines oberpfälzischen Landwirts Wer nichts mit Religion, Gott oder der Landwirtschaft am Hut hat, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen. Als Willi mich bat einen Artikel zu Ostern aus Sicht eines Landwirts zu schreiben, war ich zunächst ratlos. Erst ein Gespräch mit meinem 87-jährigen Vater brachte mich weiter. Er erzählte mir von seiner Gemütslage um die Osterzeit. Es begann mit dem Palmsonntag, den Jubeltag. Als die Menschenmenge Jesus als ihren Retter, als Messias empfingen und huldigten. Auch mein Vater wurde nach dem Krieg als Landwirt hofiert und gewürdigt, aber auch gefordert um möglichst schnell den Hunger der Bevölkerung zu stillen. Die Erwartungen waren hoch. Die EWG wurde gegründet, um die Basis für europäischen Frieden zu schaffen aber auch mit einer gemeinsamen Agrarpolitik den Hunger zu besiegen. So wurde er als Landwirt in vielen Bereichen umworben und unterstützt. Staatliche Stellen planten und berieten in Richtung Flurbereinigung, Flußbegradigung, Trockenlegungen, Düngeberatung, Leistungssteigerung. Auch die Märkte wurden reguliert. Es gab zunächst Zölle für Waren aus dem Ausland, zum Schutz der eigenen Produktion. Sogar ein Mindestpreissystem (Interventionspreis) …

Aufräumen…

Es ist die Kar-Woche. Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen Deutschlands waren die letzten Tage bei uns im Rheinland kühl, trüb und regnerisch, also irgendwie passend zu Stimmung der Karwoche. Düngung und Pflanzenschutz war nur an wenigen Stunden möglich, an eine Aussaat von Zuckerrüben oder das Pflanzen von Kartoffeln ist auch in den nächsten Tagen nicht zu denken. Was macht man an solchen dunklen Tagen? Aufräumen. Im Dezember haben wir unsere Mutter beerdigt, die die Wohnung in Parterre bewohnte. Die Räume stehen noch so da, wie sie unsere Mutter im Dezember verlassen hat. Irgendwie fehlt uns der Antrieb, etwas daran zu ändern, zu sehr haben wir uns an den Anblick gewöhnt, wollen es bewahren. Lediglich im Keller habe ich in den letzten Tagen denjenigen Raum in Angriff genommen, den unsere Mutter nutzte. Zwei große Kisten mit leeren Marmeladengläsern sind im Glascontainer gelandet. „Die Einmachgläser kann noch jemand gebrauchen“, meinten mehrere Frauen in meiner unmittelbaren Umgebung. Auch diverse Plastikbehältnisse wie ehemalige Margarine-Dosen oder gespülte Heringsverpackungen könnten noch zum Einfrieren gebraucht werden. Also bleiben die auch noch …

Zukunftsprogramm Pflanzenschutz…

Fast hätte ich es vergessen. Das BMEL hat am 14. März 2024 eine Meldung herausgegeben, wonach es zu einem geplanten Zukunftsprogramm Pflanzenschutz ein Beteiligungsverfahren geben soll. Hier die Meldung, von der man in den Medien nicht viel gehört hat. Ich jedenfalls nicht. https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/pflanzenbau/pflanzenschutz/zukunftsprogramm-pflanzenschutz.html Hier das Aktionsprogramm im Detail: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Landwirtschaft/Pflanzenbau/Pflanzenschutz/diskussionsgrundlage-zukunftsprogramm-pflanzenschutz.pdf?__blob=publicationFile&v=4 Ein Auszug aus dem Papier: „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel im Umgang mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, der Akzeptanz und Unterstützung erfordert. Wir brauchen hierfür einen breiten Konsens. Darum gestaltet das BMEL einen umfassenden Beteiligungsprozess, bei dem alle mit ihren Vorstellungen zu Wort kommen können.“ Die Idee mit dem Beteiligungsprozess finde ich gut. Schreibt in die Kommentare, was ihr von den Maßnahmen haltet, eventuell kann ich das zusammenfassen und ans Ministerium schicken. Steht ja nirgends, dass man das nicht darf…

Australische Bananen…

Woran erkennt man australische Bananen? Ganz einfach, die Krümmung ist anders herum, denn Australien ist ja auf der Südhalbkugel… 🙂 Im Ernst, bei dem nachfolgenden Link geht es um Gentechnik und Bananen. In Australien wurden Bananen zugelassen, die mittels Gentechnik so verändert wurde, dass ihr eine bestimmte Krankheit nichts anhaben kann. https://www.zdf.de/nachrichten/wissen/banane-gentechnik-forschung-australien-100.html Panamakrankheit wird es genannt, wenn der Pilz „Fusarium oxysporum TR4“ Stauden der Cavendish-Banane, der mit Abstand wichtigsten Handelssorte weltweit, absterben lässt. Bananenbauern können dann nur noch hilflos zusehen, wie ihre Plantage stirbt. Ein Gegenmittel gibt es nicht. Bis jetzt. Die Wissenschaftler haben ein Gen – das Resistenzgen RGA2 aus einer Wildbanane – in Pflanzen der Sorte Cavendish eingefügt, also aus der gleichen Art in die Kulturpflanze. Gegner der Gentechnik können jetzt Vorschläge machen, wie eine Alternative aussehen könnte.

Dürre in Deutschland?

Im Bild ist die nutzbare Feldkapazität bis in 2 Meter Tiefe in unserer Gemeinde zu sehen. In den letzten 6 Monaten (also seit dem 1. Oktober 2023) hatten wir an unserem Standort 600 mm Niederschlag. In anderen Teilen Deutschlands ist es nicht viel anders. Lediglich in Teilen Süddeutschlands und im Regenschattengebiet des Harzes ist es etwas trockener, wie der Bodenfeuchteviewer des DWD zeigt https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/landwirtschaft/appl/bf_view/_node.html;jsessionid=654CE1696B9426C67689B63F5526E299.live21063 Wieder einmal wird aktuell die „Dürre“ von den Medien thematisiert. https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2024-03/gesamtwasserspeicher-deutschland-duerren-niederschlag Hier ein paar Aussagen, die mich etwas ratlos zurücklassen Der sogenannte Gesamtwasserspeicher in Deutschland fasst trotz einer Erholung im vergangenen Jahr weniger Wasser als im langjährigen Vergleich. Die Angaben basieren auf Daten der Grace-Satellitenmissionen. Genau sind die Satellitendaten jedoch nicht: Laut einer GFZ-Studie vom April 2023 verlor Deutschland demnach in den vergangenen 20 Jahren im Schnitt 760 Millionen Tonnen Wasser pro Jahr. Weil die Studie mehrere Auswertemethoden nutzte, kam sie auf einen deutlich niedrigeren Wasserverlust als Auswertungen von Satellitendaten, die einen dreimal höheren Verlust ermittelt hatten. Für Europa ist seit Beginn der Messungen im Jahr 2002 kein Rückgang des Gesamtwasserspeichers …