Bauer Willi
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Ostern – ein Frohes Fest

Der Gastbeitrag eines oberpfälzischen Landwirts

Wer nichts mit Religion, Gott oder der Landwirtschaft am Hut hat, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen.

Als Willi mich bat einen Artikel zu Ostern aus Sicht eines Landwirts zu schreiben, war ich zunächst ratlos. Erst ein Gespräch mit meinem 87-jährigen Vater brachte mich weiter.

Er erzählte mir von seiner Gemütslage um die Osterzeit. Es begann mit dem Palmsonntag, den Jubeltag. Als die Menschenmenge Jesus als ihren Retter, als Messias empfingen und huldigten. Auch mein Vater wurde nach dem Krieg als Landwirt hofiert und gewürdigt, aber auch gefordert um möglichst schnell den Hunger der Bevölkerung zu stillen. Die Erwartungen waren hoch. Die EWG wurde gegründet, um die Basis für europäischen Frieden zu schaffen aber auch mit einer gemeinsamen Agrarpolitik den Hunger zu besiegen. So wurde er als Landwirt in vielen Bereichen umworben und unterstützt. Staatliche Stellen planten und berieten in Richtung Flurbereinigung, Flußbegradigung, Trockenlegungen, Düngeberatung, Leistungssteigerung. Auch die Märkte wurden reguliert. Es gab zunächst Zölle für Waren aus dem Ausland, zum Schutz der eigenen Produktion. Sogar ein Mindestpreissystem (Interventionspreis) wurde eingeführt. Die eigene Versorgungssicherheit war das oberste Ziel, dem sich nach den schlimmen Erlebnissen des Hungers alles andere unterordnen musste. Und mein Vater erfüllte die Erwartungen, die in die Landwirtschaft gesetzt wurden. Er spezialisierte, er expandierte, er rationalisierte und konnte damit beste Lebensmittel immer effizienter und günstiger herstellen. Was für eine Leistung! Die Menschen mussten sich nicht mehr selbst um die Herstellung ihrer Nahrungsmittel kümmern, und konnten als dringend benötigte Arbeitskräfte in der schnell wachsenden Industrie anderen Berufen nachgehen. Zudem blieb durch die preisgünstigeren Lebensmittel sogar immer mehr Haushaltsgeld für andere Konsumgüter übrig. So fühlte sich mein Vater in der Landwirtschaft als Heilsbringer wertgeschätzt– wie am Palmsonntag. Auch am Gründonnerstag und dem Letzten Abendmahl schien noch alles in Ordnung. Es wurde reichlich gegessen, getrunken und gefeiert. Was konnte jetzt noch schief gehen? Aber man ahnte schon, dass es einige gab, die diesen Erfolg so nicht tatenlos zusehen konnten.

Wie in Willis Buch „Satt und Unzufrieden“ gut beschrieben, verblassten die Erinnerungen an die karge Zeit der Entbehrung und Hungers schnell. Die gute und günstige Versorgung mit Nahrungsmittel wurde als Selbstverständlichkeit angesehen. Andere Interessen, Erwartungen traten in den Vordergrund. Und wie so oft in der Menschheitsgeschichte, bei allen Hochkulturen, werden die Anstrengungen für den Erfolg nicht mehr wertgeschätzt, vernachlässigt und anderen Sehnsüchten nachgejagt. Man konzentriert sich nicht mehr auf die grundlegenden Dinge, man schafft sich Luxusprobleme und wird zunehmend dekadent. Und an dieser Dekadenz sind bisher alle Hochkulturen gescheitert und zugrunde gegangen.

Andere Interessen und Protagonisten machen sich breit. Wollten zunehmend die Deutungshoheit übernehmen, ihre Ideologien schützen und mehren. Jesus hingegen blieb bodenständig und hielt mit Sanftmut und Nächstenliebe dagegen. Das missfiel aber dem Machtsystem und Hierarchie der Glaubensführer und Priester. Wie sollte man ein Volk auf Dauer gefügig halten, wenn sie nicht mehr unter Angst den Anweisungen folgten? Als am Karfreitag sogar ein offensichtlicher Verbrecher, von Pilatus als Wahlmöglichkeit zu Jesus zur Freilassung dem Volk vorgestellt wurde, entschied sich das Volk inzwischen lieber für den Verbrecher.

War das Volk zu naiv, zu dumm um die Hintergründe und Absichten der Flüsterer, der Interessensvertreter eines Kastensystems, den Anhängern des radikalen Verbrechers Barabbas zu folgen? Wahrscheinlich war das Volk einfach zu faul sich wirklich mit den Hintergründen zu befassen und folgten lieber den lautesten Schreibhälsen und den einfachen Lösungen. Barabbas versprach ja eine schnelle und radikale Änderung durch Gewalt, da konnte die sanfte Persönlichkeit Jesu nicht mithalten. Auch damals gab es Ausschreitungen und Volksaufstände gegen die römische Besatzung. Die Unterdrückung und Demütigung der Juden waren einfach zu viel und nicht mehr auszuhalten. Die Aufständischen wollten Veränderung zu jedem Preis und schnell – das war die Devise.

Zeitlebens haben mein Vater und ich versucht der manipulierten Menschenmenge im Bereich Landwirtschaft entgegen zu treten, aufzuklären. Vergebens. Die Rufe nach „kreuzigt ihn“ wurden immer lauter. Und so wurden alle Probleme der Zeit auf jemanden geladen, der eigentlich die Lösung, das Heil war.

Es schmerzt meinen Vater und mich ungemein, zusehen zu müssen, wie unsere guten Absichten so in das Gegenteil verkehrt wurden, und die Landwirtschaft als Verbrecher öffentlich an das Kreuz genagelt wird. Wie man meinem Sohn, der eigentlich nur mit guten Absichten die Bevölkerung mit guten und günstigen Nahrungsmitteln versorgen wollte, die Existenz raubt.

Wo stehen wir derzeit? Gefühlt unter dem Kreuz und sehen machtlos beim Sterben des Betriebes zu. Ostern bedeutet aber auch „loslassen“. Loslassen vom Materiellen, vom Irdischen, von dieser Welt. Unserer „Welt“, oder „Blase“ wie man heute so schön sagt. War doch bisher „unsere Welt“ seit Generationen begrenzt auf die Landwirtschaft, mit all ihren täglichen Vorgaben. Denn als Tierhalter gehst du der Verpflichtung „24/7“ zum Wohlergehen der Tiere nach. Die Frage es nicht zu tun stellt sich gar nicht – von Kindesbeinen an. Egal ob Geburtstage, Weihnachten oder Wochenende, die Verantwortung gilt 365 Tage im Jahr. Die anstehenden Arbeiten bestimmen dein Leben. Und man kennt den unverschuldeten Misserfolg. Wenn man zwar sein Bestes gegeben hat, und dann doch durch Wetterkapriolen, Krankheiten die Früchte der Arbeit eines ganzen Jahres beraubt wird. Die Vergänglichkeit wird einem im täglichen Kleinem, als auch im Großen des Lebenswerkes als Landwirt immer wieder vor Augen geführt. Die Zwänge des Arbeitsrhythmus, die Widrigkeiten der Natur, die fehlende Wertschätzung, die Machtlosigkeit gegenüber den Marktteilnehmern – all das nagt an dem Ideal des „Bauern-leben“. Solange bis vom Bauernstolz und Freude nur noch andauernde Last und Überforderung bleiben. Dann ist die Aufgabe des Hofes oftmals kein Leiden mehr, sondern Erlösung.

Mein Schwiegervater, selbst Landwirt, blickte einmal auf einer Anhöhe um sich und zeigte auf all die umliegenden Gehöfte die inzwischen aufgegeben wurden. Die Landwirte hatte sich alle inzwischen eine Arbeit in der Industrie gesucht. „Keiner von denen“ so sprach mein Schwiegervater, „ist hinuntergefallen. Sie sind alle nach oben gefallen im Lebensstandard, in Freizeit, im Ansehen. Ich kann es keinem verdenken. Schau, wie sie inzwischen Zeit und Geld hatten ihre Höfe herzurichten. Ihre Heimat zu geniessen, die wir vor lauter Arbeit gar nicht mehr wahrgenommen haben. Warum also soll man noch weiterkämpfen und sich den Buckel krumm machen?“.

Als Christ glaube ich, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist. Und dies gilt in diesem Falle nicht nur für den physischen Tod, sondern auch im übertragenen Sinn. Es gibt ein Leben nach dem Tod. Ein Leben das so ganz anders ist als bisher. Und auch dieses Leben nach dem „Bauernleben“ hat seine Reize. Eben nicht 24/7 und 365 Tage für die Tiere verantwortlich zu sein. Nicht angstvoll den Wetter- oder Marktbericht zu lesen. Vielleicht eine neue Aufgabe/Beruf zu finden, bei dem man auch einmal ein „Dankeschön“ erfährt. Nicht mit schlechtem Gewissen krank zu sein, weil man weiß, dass andere Familienmitglieder jetzt um so mehr arbeiten müssen um meinen Ausfall zu kompensieren. Den versprochenen Lohn trotzdem zu erhalten, auch wenn man wegen Burnout mal eine längere Auszeit benötigt.

Aber das bisherige Leben, meine Landwirtschaftsblase zu verlassen ist nicht so einfach. Wie soll ich mir dieses neue Leben vorstellen? Ich kenne es noch nicht, und das macht mir Angst. Alles was mir bisher Halt gab, mir wichtig war und mein Leben ausfüllte, muss ich zurücklassen. Einen Beruf, der mehr als ein „Job“ war – es war eine Lebensphilosophie, eine Berufung. Es bleibt die Frage für mich/uns also: Vertraue ich darauf, dass dieser schmerzliche Abschied der Neubeginn von etwas neuem, einem besseren Leben sein kann?

An Ostern feiern wir etwas Undenkbares – die Auferstehung von den Toten. Etwas, was wir in unserer „Lebens-Blase“ nicht kennen und schlecht vorstellen können. Und trotzdem hoffen und vertrauen wir Christen darauf, halten daran fest und feiern es. Sind wir also dumm, naiv oder mutig? Zumindest haben wir eine mögliche Option – wir können also nur gewinnen, wenn es zutrifft. Wenn nicht, dann haben wir nichts verloren – denn es gibt ja nichts zum Verlieren. Theologisch nennt man das: Die Pascalsche Wette.

Gastbeiträge stellen die Meinung des Autors dar.

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33 Kommentare

  1. LW-Pneuma sagt

    Ich finde es interessant, welche Kommentare reflexartig ausgelöst werden durch Begriffe wie: Kirche, Religion oder auch Landwirtschaft.
    Solange wir immer sofort unreflektiert so darauf reagieren, ohne tiefer in die Materie einzusteigen, brauchen wir Landwirte uns auch nicht über unreflektierte Reaktionen von “Nicht-landwirten” wundern.

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  2. Maria Schmider sagt

    Gesegnete Ostern,
    ein guter Vergleich von Bauer Willi mit der biblischen Geschichte, ich bin Bäuerin im Schwarzwald den Glauben an die Göttlichkeit in allem will ich mehr und mehr verstehen,gerade im Frühjahr wo uns das Leben den Neubeginn in allen Farben schenkt, zu der Kirche habe ich den Glauben verloren, sie hat uns alle in den Ängsten stehen gelassen, und somit kann weiter manipuliert, die Gier und der Geldmamon vermehrt weden.
    Den Bauern sehe ich als den, den man abhängig gemacht hat, Wissensvermittlung unterschlagen hat, das fängt in den Schulen und zunehmend jetzt auch schon in den Kindergärten an, Kind du musst was werden und viel Geld verdienen, am Besten wo man nicht schmutzig wird und andere Bevormunden kann dann bist du der Klügste,
    In einem System das auf Ausbeutung basiert wo es um immer mehr ,immer höher und schneller geht, indem viele nicht mehr mithalten können und auch krank werden so krank wie das System eben selbst ist.
    Sind wir nicht an einem Punkt angelangt wo wir eine Kehrtwende vollziehen müßten,
    zu mehr Menschlichkeit verantwortungsvollem Umgang mit all unseren Kreaturen und der Natur und hier käme wohl Jesus wieder hinzu, wenn wir nach den Lehren der geistigen Gesetzmäßigkeit leben würden, eine gesegnete Zeit wünsche ich und hoffe dass wir geistig reifen und uns der Verantwortung bewusst werden wie wir Probleme lösen können.

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    • LW-Pneuma sagt

      “….zu der Kirche habe ich den Glauben verloren, sie hat uns alle in den Ängsten stehen gelassen, und somit kann weiter manipuliert, die Gier und der Geldmamon vermehrt weden.”
      Wer ist “die” Kirche? Es gibt genügend Gläubige, Laien, Kleriker die dieser Wertung nicht entsprechen!

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  3. Sonja Dengler sagt

    DANKE für diesen Beitrag. Sie haben so gut beschrieben, auf WAS es am Ende ankommt: an Gott zu glauben und trotz Existenz-Angst nicht aufzugeben. Und das ist viel mehr als die Pascal’sche Wette – aber er war halt Mathematiker und hat die Gottesfrage auf seine Weise sehr gut geklärt.
    Vielen geht es so wie den Bauern – und wir dürfen gewiss sein, dass das allerletzte Wort von Gott gesprochen wird. Das gilt für die Welt und das gilt insbesondere für jeden von uns. Besonders dann, wenn wir annehmen, dass wir ans Ende der Sackgasse kommen und wenn wir annehmen, dort ginge es nicht weiter. Gehen wir trotzdem voll Glauben in die Sackgasse hinein, dann sehen wir eine Tür. Aber nicht im voraus, erst dann nach dem gegangenen Weg. Verlassen Sie sich weiter auf Gott – und gemeinsam halten wir das Unerträgliche in der Welt aus, es wird sich am Ende zum Guten wenden, ob wir das erleben oder nicht. Es WIRD so kommen.
    Ich mache mir oft klar, was ich einmal von einer Freundin hörte, als ich daran zweifelte, dass Gott helfen würde – und da sagte sie ganz nüchterne Mathematikerin: “Och, wer die Auferstehung hingekriegt hat, für den ist dieses Problem doch ein Kinkerlitzchen!” Und sie behielt recht: spät, aus meiner Sicht fast zu spät, kam Gottes Hilfe.
    Nach unserem Tod werden wir das Gute und Gott sehen. Verlassen Sie sich darauf…. 🙂 Meistens sehen wir es aber sogar noch auf Erden.

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    • LW-Pneuma sagt

      Gott wird nicht alles automatisch richten, denn dann würde er uns unseren freien Willen beschneiden. Gott ist auch kein Automat, bei dem man oben Gebete einwirft und unten das Gewünschte zieht. Dann wäre Gott nicht Gott, sondern ein Diener.

      • Peter sagt

        …und ich werde Großhändler für Ablassbriefe…und bin mir sicher, die Bio – Hostie ist schon gebacken.

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  4. Ludwig sagt

    Frohe Ostern an alle hier ! Besonders für Willi , der seit fast zehn Jahren diesen Blog betreibt. Das ist bäuerliches Durchhaltevermögen ohne Gewinnermittlungsabsicht , also aus lauter Idealismus heraus. Ja , so ist das bei uns Bauern. Nahezu jeder hat ein Ehrenamt ohne Vergütung und nur so kann es in unserem Gemeinwesen auch nur laufen. Wenn so mancher Kollege seine Ehrenamtszeiten zusammenzählt , dann kommen da schon mal schnell 50 – 100 Jahre zusammen , denn die örtlichen Wasser- und Bodenverbände, Jagdgenossenschaften , Forstgenossenschaften, Realverbände , Schützenvereine , Freiwillige Feuerwehren , usw. wollen verwaltet und geführt werden. Gerade wir Bauern sind an unsere Dörfer stark über Generationen gebunden und so mancher Kollege ist mal schnell 20/30 Jahre Vorsitzender in einer der dörflichen Organisationen. Erfahrungsgemäß ist das weniger der Fall bei den Zugezogenen , die nur mal ein oder zwei Wahlperioden ein Amt übernehmen und so schnell mal eine Organisation in Probleme bringen. In den Städten ist die Bindung zum Gemeinwesen sehr oft geringer und so erwartet der gemeine Bürger eben jede Dienstleistung von der Kommunalverwaltung , während Feuerwehr- , Schützen-Sporthäuser , usw. auf den Dörfern von den Mitgliedern selbst gebaut werden. Das unterscheidet die Stadt vom Lande und das zeigt auch die unterschiedlichen Gesichtspunkte auf die Landwirtschaft , denn kaum ein Städter hat sich einmal mit den Problemen der Bauern und insgesamt der Landbevölkerung befasst und meint mit idealistischen Vorstellungen über Verordnungen und Gesetze die Landnutzer zu reglementieren. Doch jetzt wehrt sich die Landbevölkerung und man ahnt auch in der Stadt , daß hier einiges falsch läuft.

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    • LW-Pneuma sagt

      @Ludwig – da hast du mit “Allgemeinwohl” treffend etwas angesprochen, dass theologisch eigentlich unser Grundverständnis sein sollte. Im Johannes-Prolog wird es beschrieben mit: “Am Anfang war das Wort…”
      Bedeutet: Alles entstand/wurde aus Gott – ergo sind wir alle ein Teil Gottes – ergo sind wir alle mit einander verbunden – ergo ist das Allgemeinwohl unzertrennlich mit dem eigenen Wohl verbunden.

  5. Smarti sagt

    Der Vergleich mit der Bibel ist sehr stimmig und lädt ein zum Nachdenken. Das Thema ist traurig oder auch nicht – je nachdem welche Person mit welchem landwirtschaftlichen Hintergrund davon betroffen ist.
    Was mich gerade beschäftigt ist das unglaublich kurze Gedächtnis derjenigen, die jetzt gerade die Landwirtschaft abschaffen – pardon bio-links-grün machen. Ist aber schlussendlich das Gleiche, abschaffen wäre aber ehrlicher und vor Allem auch sehr viel günstiger.
    Der Grossvater kannte Hunger nicht nur vom Hörensagen, fast alle Deutschen waren sich einig: Landwirtschaft rettet Leben und muss unterstützt werden.
    Jetzt, nur ein Arbeitsleben später, sind sich wieder viele Deutsche einig : Landwirtschaft vernichtet leben und muss massivst runter reguliert und die Tierhaltung ,welche die Hälfte der Nahrungsproduktion in D ausmacht, gleich ganz abgeschafft werden.
    Was nützen die ganzen Erzählungen, die Bücher und schwarz-weiss-Filme, wenn unser Gedächtnis so schwach ist ?
    Sind in der nächsten Generation dann wieder die Kreuzzüge dran ? Oder glauben wir daran, dass uns irgendwer schon Nahrung für zig Millionen anspruchsvoller hungriger Menschen abgeben kann ? Immer ?

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    • LW-Pneuma sagt

      @Smarti – Du hast Recht, wir denken immer wir sind so weit entwickelt und funktionieren doch immer wieder nach dem alten Prinzip der persönlichen Erfahrungen. Der Hinweis der vergangenen Hochkulturen im Artikel drücken es aus. Immer wieder läuft es nach dem gleichen Muster ab – im Großen wie im Kleinem. Auch bei Firmen und Betriebe sagt man: “Erste Generation baut es auf, die zweite verwaltet es und die dritte richtet es zugrunde.”

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  6. Paul Werner sagt

    Abgesehen von dem religiösen Geschwurbel frage ich mich was dieser Beitrag bezwecken soll. Die Bauern die aufgegeben haben sind doch angeblich alle “nach oben gefallen”. Ich konnte das übrigens auch feststellen. In vielen bäuerlichen Familien wollte doch kein in Frage kommender Nachfolger den Betrieb übernehmen; die haben lieber studiert und sind in andere Berufe ausgewichen. Nur der Dümmste blieb bei den kleineren Bauern auf dem Hof. Ich frage mich auch, aus welchem Grund eine Hofaufgabe so dramatisch ist. Der Grund und Boden bleibt erhalten und kann – zumindest in halbwegs günstigen Lagen – zu exorbitanten Preisen verpachtet werden. Ich bin ein grosser Freund der Bauern, habe für dieses ewige Gejammere allerdings kein Verständnis mehr.

    • Reinhard Seevers sagt

      “Ich bin ein grosser Freund der Bauern, habe für dieses ewige Gejammere allerdings kein Verständnis mehr.”

      Keine Angst, wenn kein Bauer mehr da ist, dann jammern sehr viele mehr…..👍

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    • Smarti sagt

      Paul Werner sagt: “ich bin ein grosser Freund der Bauern” – bei Ihnen trifft dieser Spruch voll ins Schwarze:
      wenn man solche Freunde hat, braucht man keine Feinde mehr.
      Was Sie als jammern titulieren, würde ich als warnen bezeichnen. Eine Gesellschaft mit Leuten wie Ihnen, die gerne Ihre Meinung kundtun und “ihr Recht” einfordert ( denn die andern sind dümmer ) “nur der Dümmste blieb auf dem Hof” – oder kriegen den Hals nicht zu ( “zu exorbitanten Preisen verpachten”).
      Herr Werner, was denken Sie was passiert, wenn von einem Monat auf den andern plötzlich Nahrungsmittelimporte ausfallen, die Lager leer werden und Nachschub fehlt ?
      Landwirte jammern nicht um ihren Hof – sie spüren da eine Entwicklung, die nicht wirklich gut ist. Und mit dieser selbstgefälligen, faulen und ellbogenkämpfenden Mentalität vieler Konsumenten schon dreimal nicht.
      Trotzdem viel Spass beim Eier suchen.

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    • LW-Pneuma sagt

      @Paul Werner – wurde bei ihnen der Knopf “Neid” gedrückt oder hat sie als Kind beim Fahrradfahren ein Landwirt mit dem Traktor abgedrängt? Woher diese abgrundtiefe Abneigung und Unverständnis?

  7. Helga Oberwittler sagt

    Wenn die Eräpfel aus dem Boden geholt sind und der Mastbulle den Stall verläßt, ist noch längst nicht das Essen auf dem Teller. Wir haben so viele fleißige Menschen und trotz mancher Mißernte doch reichlich ( es landet soviel im Mülleimer). Können wir noch reflektieren, was unser Beitrag ( darf man Schuld sagen? ) an den Krisen ist ? Gier, Aufhäufen von Reichtum, Streben nach noch höher, schneller, weiter; Beherrschung und Ausnutzung der Natur, statt sie dankbar zu nutzen und auch zum Wohle der Natur zu handeln.

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    • Reinhard Seevers sagt

      “Beherrschung und Ausnutzung der Natur, statt sie dankbar zu nutzen und auch zum Wohle der Natur zu handeln.”

      Wie nutzt der Nicht-Bauer die Natur dankbar?
      Wer sät und pflanzt, wenn es der Bauer nicht tut, der Influencer?

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      • Helga Oberwittler sagt

        Er ernährt sich ? Er isst Natur . Regional? ökologisch? solidarisch? Er gibt Energie(Geld, Engagement) zurück ? Er vergißt die Grundlagen des Lebens nicht, auch wenn er in seinem Beruf arbeitet, seine Freizeit verbringt, mit Freunden Spaß hat.

    • Stadtmensch sagt

      Wohl der Natur, Dankbarkeit, Gier, Reichtum,…

      Der Bauer würde ja gern säen und pflanzen nur leider ploppen überall auf weiter Flur täglich neue Logistikzentren, Gewerbe- und Siedlungsgebiete und Autobahnen hoch.

      Verlust an Landwirtschaftlicher Nutzfläche somit täglich 130 ha seit 1991. Das entspricht pro Jahr der Ernährungsbasis für 240000 Menschen. Siehe Friedrich Kuhlmann, Entwicklung der Landwirtschaft in Deutschland, S. 31.

      Leute, gebt euch etwas mehr Mühe bevor ihr Zeugs schreibt!

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      • Helga Oberwittler sagt

        Wohl der Natur, Gier, Größenwahnsinn, damit sind alle gemeint, Stadtmensch oder Landmensch. Oder wir sitzen statt in unseren Palästen wieder in armseligen Hütten, wenn das überhaupt noch geht ………..?

    • Inga sagt

      Die NATUR ist verschwenderisch

      dennoch sollten wir respektvoll damit umgehen und von ihr lernen.

  8. Klartexter sagt

    Frohes Fest.
    Ich habe mich von der Kirche verabschiedet und konnte den sehr langen Text flüchtig überlesen.
    Die Verantwortlichen der christlichen Kirchen sind die schlimmsten Bauernhasser. Sie missbrauchen naive Landfrauen für Erntedank etc. und alles sehr ärgerlich.

    Ich habe die christliche Lehre immer als Grundgesetz des Guten angesehen. Leider fehlt es den Kirchen an guten Fachkräften als Bodenpersonal.

    Positiv aber die Feiertage, wo Menschen etwas runterschalten können um einen Gastbeitrag bei Bauer Willi zu lesen.

    In diesem Sinne Danke, das Sie mich zum Nachdenken gebracht haben.

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    • LW-Pneuma sagt

      @Klartexter – “Die Verantwortlichen der christlichen Kirchen sind die schlimmsten Bauernhasser.”
      Woher dieses pauschale Urteil? Wer sind “die Verantwortlichen”? Der Papst? Die Bischöfe? Die Priester? Der Pfarrgemeinderat? Der Küster?

  9. Heidrun S sagt

    Frohe Ostern von einer Nicht-Landwirtin. Der Text passt auch auf Kleingärten und “Selbstversorger”! Da fällt mir eine Rita ein, die früher den Garten zur Aufbesserung bestellen musste und regelmäßig mit Neuen aneinander gerät – Permakultur, kein Pflanzenschutz…

    Solawi – Mit einer Halbtagsstelle glücklich die Freizeit im Garten nutzen. Ist es toll, solange man es nicht muss und dann nicht nur Vierbeiner nachts die Ernte rauben? Ich hoffe es nicht erleben zu müssen.
    Genießen wir wenige Stunden Sonne. Ob das Jahr so feucht bleibt?

    Lieber Bauer Willi und alle anderen: ich lese und lerne hier gerne und viel.

    Herzliche Grüße vom südlichen Rand der Köln-Bonner Bucht.

    Heidrun

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    • Bauer Willi sagt

      @Heidrun
      Klingt nach Voreifel! Freut mich, das es Dir gefällt, was hier so abgeht.

      Wir haben im Februar und März je 80 mm Regen bekommen. Und die Vorhersage ist nicht besser. Im Feld zu arbeiten geht nicht und wenn dann doch, ist es alles andere als optimal.

      Selber Lebensmittel im Garten anzubauen ist prima. Solange der Supermarkt um die Ecke ist und man dort einkaufen kann, wenn es dann doch nicht geklappt hat.

      Irgendwie kommt man an uns Bauern nicht vorbei…😉

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      • Georg Schätzle sagt

        Jeder Glaubende kommt an der Osterbotschaft von Jesus nicht daran vorbei, aber auch nicht an den Pharisäer und Judas der Verräter sowie Pilatus. Heute ist es nicht anderst! Stehen wir im Glauben an Jesus Christus? Oder stehen wir im Dreieck von Pharisäer (Kirche u. Religionen),Pilatus ( Politik) und Judas (der jeder Mensch in seiner meschlichkeit sein kann). Ja, heute leben sehr viele mit einem Posttraumatischen” Judassyndrom” das ausgenutzt wird von Politik, Kirchen u. Religionen den Bürger wie auch die Bauernfamilien mit Schuld und Schamgefühlen zu bedrängen zu belegen. Es wird aber auch der Neid sichtbar,wie andere auf Geschaffenes bzw. auf Eigentum sehen von Bauernfamilien.
        Wenn NEID die höchste Anerkennung von anderen Menschen ist, dann ist STOLZ das stärkste GIFT das aus der Anerkennung destilliert wird!!! Und uns selbst zum Fall bringen. Hochmut und Überheblichkeit kommt vor dem Fall. Oder ist es die Eifersucht die alles Vergiftet, in der Darstellung der Beste zu sein, in der Klima Politik., und wo bleibt die Sozialpolitik sowie die Würde der Bauern, wenn dem alleinstehende Rind mehr Rechte zugestanden werden als dem Bauer/in, die nicht im Mittelpunkt stehen in dieser Dominanzgesellschaft sondern auf dem Land lebt (solidär selbstbestimmt mit der Deutungshoheit über die natürlichen Gesetzmäßigkeiten)
        Falscher Stolz und falscher Eifer gehört an das Kreuz genagelt, für das Auferstehende die Wahrheit zu neuem Leben. Die Wahrheit macht euch frei. Ehre dem, dem Ehre gebührd. Anerkennung dem, der sie verdient hat.
        Natürlich nehme ich mich nicht heraus aus diesen Menschlichen Verfehlungen. OSTERN, im Heidetum Ostra (Frühlingsfest)ist Neuanfag für Mensch und Natur

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  10. Christian Bothe sagt

    Ein schöner Beitrag eines gläubigen Landwirts, der mich als Katholik auch nachdenklich macht in diesen Tagen…

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  11. Christina sagt

    Schöne Ostern 🐣🐇💐 an alle und besonders auch an Willis oberpfälzischen Freund und dessen Vater…
    … ein sehr nachdenklich stimmender Beitrag zur Osterzeit!!!

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  12. Reinhard Seevers sagt

    Sehr berührender Text. Ich glaube aber nicht, dass “wir” Christen die Auferstehung als Hoffnung ansehen. Die Mehrheit der “wir” wissen nichts damit anzufangen, freuen sich, dass sie frei haben und am Osterfeuer ein Bier trinken können.
    Ostern ist die Verknüpfung mit der Hoffnung auf das Frühjahr, neues Leben …..das ist einfach der Kreislauf der Natur. Religion hat da eigentlich nix verloren, Glaube wohl.

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  13. Frikadellen piet 45 sagt

    guten Morgen wünsche auch frohe Ostern und hoffe dass die Politik bald zu Erkenntnis kommt dass wir Bauern wissen wie man produziert
    und natürlich auch viele andere Schlaumeier

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