Alle Artikel in: Bauer Willi

Öffentliches Geld…

…für öffentliche Leistungen. Das ist eine häufig gehörte Forderung, die einhergeht mit dem Vorschlag einer Streichung der bisherigen Flächenprämien. Wie könnte das gehen, ist das eine gute Idee und welche Folgen hätte das? Ich habe mir dazu mal Gedanken gemacht. Wenn wir Bauern ehrlich mit uns selbst sind, bringt das Greening für die Artenvielfalt nicht wirklich viel. Klar, die blühenden Zwischenfruchtfelder sehen schön aus, aber Zwischenfrüchte haben wir auch schon in der Zeit vor dem Greening angebaut. Ähnliches gilt für die Brache und andere Greening-Maßnahmen der ersten Säule. Die freiwilligen Agrarumweltmaßnahmen, die in der zweiten Säule angesiedelt sind und die sicherlich viel mehr für die Umwelt und Biodiversität bringen würden, werden von den Landwirten wenig in Anspruch genommen. Die Gründe sind vielfältig: die meisten Landwirte, ich auch, scheuen den bürokratischen Aufwand und die daraus folgenden Kontrollen. Außerdem ist der finanzielle Ertrag doch recht „übersichtlich“ und eigentlich nicht viel mehr als eine Aufwandsentschädigung bzw. ein Entgelt für die aus der Maßnahme einhergehende Produktionsminderung. Subventionen abschaffen – ja, das geht Jetzt soll die Gemeinsame Agrarpolitik, kurz „GAP“ genannt, reformiert …

„Wir haben es satt“

Es ist fast schon ein Ritual: Am 19. Januar 2019 wird zum 9ten Mal die Demonstration „Wir haben es satt“ durch Berlins Straßen ziehen. Zusammengefasst sind es folgende Forderungen, die aufgestellt werden: Weltweites Höfesterben stoppen +++ Für gesundes Essen für alle +++ Für Klimaschutz und Artenvielfalt +++ Für artgerechte Tierhaltung und weniger Fleischkonsum +++ Für Ernährungssouveränität und gerechten Welthandel +++ Für eine Digitalisierung ohne Konzerne und Datenklau +++ Für eine Landwirtschaft ohne Ackergifte +++ Für Entwicklungszusammenarbeit mit ökologischen Grundsätzen +++ Für eine sozialgerechte bäuerliche und ökologische EU-Agrarreform (GAP) +++ Nein zur neuen Gentechnik wie Crispr und Gene Drives +++ Für ein solidarisches Europa – Geflüchtete willkommen +++ https://www.wir-haben-es-satt.de/informieren/aufruf/ Im Wesentlichen sind es die gleichen Überschriften wie in den Vorjahren. Auch die Redner werden wohl die gleichen sein wie all die Jahre zuvor. Es sind die, die auch dem Trägerkreis angehören. https://www.wir-haben-es-satt.de/ueber-uns/traegerkreis/ Die Demo erinnert irgendwie an das Böllerschießen zu Neujahr. Das hat sich so eingebürgert, kaum einer weiß wie es dazu gekommen ist, es ist eigentlich ein überholter Brauch, ein sinnentleertes Ritual, degeneriert zum Selbstzweck …

Ein Gedicht aus Österreich

Das nachfolgende Gedicht schickte uns eben Thomas aus Leoben in Österreich.   Im Schnee stecken geblieben Ein LKW mit frischen Lebensmitteln ins Gebirge fuhr, vom Süden kommend kannte er verschneite Straßen nur, vom Hören nicht vom Sehen, und plötzlich blieb der vor mir stehen. Der Kaufhausleiter dachte sich, bekomme ich heute frische Ware nicht, wird’s eng werden die nächsten Tage, zu verschneit scheint die Wetterlage. Und hungrige Augen schauen durch den Laden, nichts frisches da, was soll man sagen, den Nahversorger um die Ecke, gibt’s nicht mehr seit Jahren. Ein einstiger Bauer den Parkplatz vom Schnee befreit, denkt er sich, was machen heit die Leit?‘ Alle stampfens wild nach Hause, keiner Einziger mit nur einer Jause, „na, machens jetzt schon Fastenpause?“ fragte der Bauer im Schneegesause. „Wos willst den du, du bleda Hund, wenn kein LKW mit Essen kummt.“ „I hätt a Idee, die wird dir gefallen, verzicht aufs Essen aus riesigen Hallen, kaufs lieber beim Bauern bei dir im Ort, dann fährt dein Essen erst gar nicht fort. Kosten wird’s sicher ein bisschen mehr, dafür …

Der menschliche Wert einer Eierschachtel

Worte, die unter die Haut gehen. Geschrieben von Mirjam Lechner, deren Beruf Tiersignale & Beratung sind, aber „Schweineseelsorge“ ihre Berufung, weil sie sich nicht nur um die Schweine kümmert – sondern auch um die Menschen, die von und mit Tieren leben. Hier ihr Text. Eines der schönsten Geschenke die ich im letzten Jahr erhalten habe – war eine Schachtel Eier und ein Wurstglas von einer Bäuerin, als Dank für eine Beratung im Schweinestall. Es geht mir dabei um die Wertschätzung des Gegenübers, dem zutiefst bäuerlichen Ausdruck von Dankbarkeit, in dem sie die Eier aus der eigenen Hühnerhaltung  und die Wurst aus eigener Hofschlachtung mit mir teilt. Und für die Bäuerin, dass ich diesen „Wert“ erkenne und dankbar annehme und damit auch Tierhaltung als ihren Lebensinhalt. Es stellt für mich den Wert einer neuen geschaffenen Beziehung dar, in Augenhöhe, in Vertrauen. Vertrauen gerade dann, wenn mal Not und Ratlosigkeit herrschen. Wenn man dann den Mut hatte, in einer Situation die Stalltür zu öffnen, wo es eben mal nicht so rosig ausschaut und man auf Hilfe hofft. Wer ein „Kümmerer“ ist, hat …

75% Insektenbestäubung?

Gerade neulich habe ich im Fernsehen bei einer Reportage über das Insektensterben wieder mal gehört, dass „75% unserer Nahrung von Insektenbestäubung abhängig ist“. Irgendwie kam mir das komisch vor. Darum habe ich mich auf die Suche nach belastbaren Daten gemacht. Bei Wikipedia habe ich eine Statistik der FAO mit den 20 wichtigsten Nutzpflanzen und ihren Erntemengen 2016 weltweit gefunden. Das Ergebnis für die 10 Wichtigsten seht ihr oben. Rot markiert sind die Arten, bei denen die Insektenbestäubung eine Rolle spielt. Auf den Plätzen 11 bis 20 folgen: Wassermelonen (Insektenbestäuber) Bananen (Selbstbestäuber, parthenokarp) Süßkartoffeln (vegetativ) Zwiebeln (vegetativ, Insekten für Samen) Hirse (Selbstbestäuber) Äpfel (Insektenbestäubung) Gurken (Insekten oder parthenokarp) Weintrauben (Selbstbestäuber) Orangen (Selbst- und Fremdbestäuber) Kohl (Insekten- und Fremdbestäuber) Parthenokarp bedeutet „Jungfernfrüchtigkeit“, dass heißt, es ist keine Bestäubung notwendig, damit Früchte gebildet werden. In der Aufstellung oben fehlt der Raps. Er ist – weltweit gesehen – eine eher kleinere Kultur. Auch Raps wird durch Wind bestäubt, allerdings hilft die Insektenbestäubung. mehr Früchte auszubilden. Und von daher sind Honig- und Wildbienen und überhaupt alle Insekten wichtig. Gerade für uns Bauern. Nach …

Mit Vollgas vor die Wand

Zuckerrüben-Anbauer haben es zur Zeit nicht leicht. Die Quote existiert nicht mehr und so ist der Zucker dem scharfen Wind des Weltmarktes ausgesetzt. Die Preise sind weit unter die Referenzschwelle von 404 €/t gefallen. https://ec.europa.eu/agriculture/sites/agriculture/files/market-observatory/sugar/doc/price-reporting_en.pdf Die Idee bei der Festlegung der Referenzschwelle war damals, dass die EU diese Schwelle als ein Warnsignal für ein mögliches Eingreifen in den Markt ansieht. Aktuell liegt der Preis für Weißzucker in der Region 2 (Benelux, Frankreich, Deutschland, UK) bei 307 €/t, aber die Kommission sieht keine Notwendigkeit, einzugreifen. Da fragt man sich dann, was eine solche Schwelle überhaupt soll. Einen Sinn hat sie ja offensichtlich nicht. Mit schlechten Preisen kennen wir Bauern uns ja aus. Man kann auch ein oder zwei Jahre eines Preistiefs „mit Schrammen“ überstehen, wenn denn die anderen Rahmenbedingungen stabil bleiben. Aber auch das ist nicht der Fall. Ab dem nächsten Jahr sind die insektiziden Beizen verboten, die als Wirkstoff Neonicotinoide enthalten. Die wirksame Bekämpfung von Bodenschädlingen ist damit faktisch ausgeschlossen, Blattläuse und Rübenfliege können mehr schlecht als recht nur noch mit Flächenspritzungen erfasst werden, was nicht nur …

Darf man stolz sein…?

…wenn man vom Westermann-Verlag gefragt wird, ob man an einem Schulbuch mitschreiben möchte? Vor ein paar Monaten rief der Verlag an und fragte, ob ich was über den Weizenanbau in Deutschland und der Ukraine schreiben könnte. Das Erdkundebuch „Diercke Praxis“ ist für die Klassen 7 und 8 Gymnasium (13 bis 14jährige) konzipiert, von daher soll es die groben Zusammenhänge in verständlicher Form darlegen. Im Band 2 geht es vor allem um unsere Erde und ihre Lebensräume. Beim Band 3, der noch nicht erschienen ist, wird vor allem das Thema Wirtschaft und Welthandel behandelt. Hier wird die Entwicklung in der Industrie und der Landwirtschaft erläutert, wobei der Einfluss der EU und Deutschlands auf die Länder Afrikas sehr detailliert beschrieben wird. Auch hier durfte ich „meinen Senf dazugeben“. Beim Durchblättern der anderen Kapitel musste ich feststellen, dass die Darstellung der Zusammenhänge eine gewisse Tendenz aufweisen. Ich würde mich daher sehr freuen, wenn der Sicht der Landwirte in den nächsten Ausgaben noch etwas mehr Raum eingeräumt werden könnte. Die Idee, die Adresse unseres Blog bauerwilli.com in das Heft aufzunehmen und …

Journalisten-Schelte

Es ist ja heute schick, sich über Journalisten aufzuregen. Heute will ich das auch mal tun. Es geht um den Artikel „Empörungskultur“ in der Agrarzeitung in der unter der Rubrik Agrarspitzen Horst Hermannsen zur Anbindehaltung schreibt. Hier ein paar Auszüge: Mitleid mit armen Kleinbauern und fragwürdige Traditionen dürfen diese Tierquälerei nicht legitimieren. Als kürzlich der Bund der Deutschen Landjugend (BDL) forderte, die Anbindehaltung von Rindern gesetzlich zu verbieten, zeigte sich die gesteuerte Empörungskultur, angefeuert von haupt- und ehrenamtlichen Landsknechten des Berufsstandes, in ihrer vollen Pracht. Herzzerreißende Geschichten über redliche Kleinbauern, die ihre Kühe lieb haben und namentlich kennen, wurden fabuliert. Der BDL ist die Jugendorganisation des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Dort werden künftige Verbandsfunktionäre auf Einheitslinie gebracht. In unserer „freien Marktwirtschaft“ bekommen Milcherzeuger Zuwendungen, von denen andere Wirtschafszweige nur träumen können Solche Zeilen in einem Flyer einer Tierschutz-Organisation zu lesen, hätte mich nicht überrascht. Mir ist rätselhaft, warum ein agrarisches Fachblatt solche Texte schreibt, zumal Herr Hermannsen seit vielen Jahren Mitglied der Redaktion  ist. redaktion@agrarzeitung.de Man kann ja über Inhaltliches trefflich streiten, die Wortwahl finde ich persönlich schon …

Bio schädlich für die Umwelt…?!

Auch ökologisch erzeugte Produkte können Nachteile für die Umwelt darstellen. Dies ergab eine Studie der Chalmers University of Technology. Ein Beitrag von Galileo.tv Vorher aber 30 Sekunden Werbung aushalten… https://www.galileo.tv/video/studie-wer-das-klima-retten-will-sollte-keine-bio-lebensmittel-kaufen/?utm_source=facebook&utm_medium=social&utm_term=social_post_buzz&utm_campaign=Galileo&utm_content=Health+Food_studie-wer-das-klima-retten-will-sollte-keine-bio-lebensmittel-kaufen&fbclid=IwAR2O4rDHnrA_HbVJ3j3g6uR9-ah8v2DBNyEAQubnm5-OXwWu9trKDY6GVqA Hier der Link zum Original: https://www.chalmers.se/en/departments/see/news/Pages/Organic-food-worse-for-the-climate.aspx  

Effekte von Glyphosat bzw. Bodenbearbeitung auf die Unkrautflora

In der Diskussion um Glyphosat wird immer wieder herangezogen, dass dieser Wirkstoff einen negativen Einfluss auf die Biodiversität hat. Um diese Aussage zu untersuchen, wurde in einem dreijährigen Feldversuch der Universität Rostock (2014-2016) der Einfluss von Glyphosat (volle und halbe Aufwandmenge) und zwei verschiedenen Formen der Bodenbearbeitung (Tiefgrubber, Streichbeetpflug) auf die Unkrautflora verglichen. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0167198718309590 Zur Versuchsanlage: Es wurde über drei Jahre hinweg keine Kultur angebaut! Die Verfahren wurden zwei- bis dreimal pro Jahr angewandt, so dass jeweils eine Spanne von 8 bis 11 Wochen zwischen den Behandlungen/Bodenbearbeitungen blieb. Dies entspricht  nicht der gängigen Praxis sondern wurde so geplant, damit im Versuch bewusst Unterschiede provoziert werden sollte. Die Erhebung der Unkrautflora wurde im Juni, August und Oktober vorgenommen. Hier ein Ausschnitt aus dem Text: „The most important result of our study is that the weed community significantly differs depending on the type of disturbance, but at the same time they become much less divergent in true diversity or number of individuals. The difference in weed community clearly shows itself when the plant community with its species and proportion of species are considered …