Bauer Willi
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Der menschliche Wert einer Eierschachtel

Worte, die unter die Haut gehen. Geschrieben von Mirjam Lechner, deren Beruf Tiersignale & Beratung sind, aber „Schweineseelsorge“ ihre Berufung, weil sie sich nicht nur um die Schweine kümmert – sondern auch um die Menschen, die von und mit Tieren leben. Hier ihr Text.

Eines der schönsten Geschenke die ich im letzten Jahr erhalten habe – war eine Schachtel Eier und ein Wurstglas von einer Bäuerin, als Dank für eine Beratung im Schweinestall.

Es geht mir dabei um die Wertschätzung des Gegenübers, dem zutiefst bäuerlichen Ausdruck von Dankbarkeit, in dem sie die Eier aus der eigenen Hühnerhaltung  und die Wurst aus eigener Hofschlachtung mit mir teilt. Und für die Bäuerin, dass ich diesen „Wert“ erkenne und dankbar annehme und damit auch Tierhaltung als ihren Lebensinhalt.

Es stellt für mich den Wert einer neuen geschaffenen Beziehung dar, in Augenhöhe, in Vertrauen. Vertrauen gerade dann, wenn mal Not und Ratlosigkeit herrschen. Wenn man dann den Mut hatte, in einer Situation die Stalltür zu öffnen, wo es eben mal nicht so rosig ausschaut und man auf Hilfe hofft.

Wer ein „Kümmerer“ ist, hat auch Kummer, wenn es den betreuten Tieren nicht gut geht. Dazu braucht es ein Back-Up, es braucht Menschen, die sich dann gegenseitig durchhelfen. Der Mikrokosmos Familie und Bauernhof sind eine eigene Welt, der den Hof über Jahrzehnte erhält. Ich habe größten Respekt vor dieser geerbten Lebensaufgabe!

Die Identifikation mit den Tieren, das Leben von und mit beispielsweisen Schweinen vom Keks bis zum Klobürsten-Halter zeigt mir immer wieder das die Verbundenheit und Spaß mit den Tieren nicht in der Küche endet:

Auf Höfe kommen zu dürfen ist eine Entdeckungsreise in pragmatischer Handwerkskunst:

Brummigste Landwirte mit den besten Bastelideen zu treffen, auf gealterten Höfen die pfiffigsten Ideen zur Arbeitserleichterung und Tierhaltungsverbesserungen zu sehen, auf so manchem Hof liebevoll gepflegte Gartendeko: Liebesbeweise in der Landwirtschaft haben ihre eigene Handschrift.

Es fotografieren zu dürfen ist   – neben Vertrauensbeweis und Anerkennung zugleich  – ein Sammeln von Erinnerungen an Menschen, an die Höfe, an die Vielfalt, Geschichte und Tierliebe der Landwirtschaft. Auf Höfe kommen zu dürfen, ist immer wie Farben vom Leben einsammeln – bunter geht es kaum 😊.

Landwirtschaft zu lieben heißt nicht automatisch alles gut zu heißen. Einen Menschen kann man auch respektieren wenn man nicht alles gut findet, was er tut. Und um zu er-leben was er tut – braucht man nur einfach mal die Gummistiefel anzuziehen und schauen ob Veränderungen möglich sind.

Verachtung ist ein einfaches Gefühl zum Ausstieg, wenn man emotionale Ambivalenz nicht aushält und in einer Sache nicht differenzieren kann. Mitleid ist die kleine Schwester der Verachtung und macht die Menschen kleiner als sie sind. Dann stelle ich mir die Frage: Könnte ich das leisten, jeden Tag, so viele Jahre? Nein. Wäre nicht ich auch mal überfordert, käme auch an meinen Grenzen? Oh ja.

In eine medialen Welt werde heute regelrechte Schlachten um die Deutungshoheit geführt und es fehlt scheinbar die Mäßigung in der Wortwahl umso mehr man von der Lebensrealität der anderen entfernt ist. Man verliert die gemäßigte Mitte der heimlichen Mitleser. Und in einer zunehmenden Schärfe aus Fachwissen-Blasen-Battle und gegenseitiger Herabwürdigung verliert man auch die Kompromissfähigkeit.

Dabei führt die Abwertung des Gegenübers zu einer sozialen Ausgrenzung. Mir war das Fachwort „soziale Schmerzen“ neu. Deren Wirkung ist allzu bekannt: Mobbing, Ausgrenzung und Ablehnung aktivieren bei der betroffenen Person die selben Gehirnregionen wie bei echten Schlägen. Beides tut weh.

Je schärfer politische Diskussionen mit Schlag-Wörtern geführt werden, je mehr Landwirte und ihre Familien in eine Sippenhaft bei Natur- und Umweltschutz in einer Stellvertreterebene genommen werden: je größer ist der Scherbenhaufen auf allen Seiten. Dabei brauchen wir offene Türen und Ohren!

Als Vision für 2019 finde ich mich und viele Landwirte in den Worten des DLG-Präsidenten wieder:

„Ich als Landwirt wäre einfach nur froh, wenn wir ein gesamtgesellschaftliches Bekenntnis hätten: Wir wollen alles Mögliche von den Landwirten – aber wir wollen sie behalten.

Wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung für die Produkte, die wir gesamtgesellschaftlich verzehren.“

DLG Hubertus Paetow (Interview mit Bauer Willi 2018)

Dabei ist es so leicht – mit demselben beschwingten Gefühl der Verbundenheit und Dankbarkeit heimzufahren wie ich damals mit der Eierschachtel: An jedem Automaten für Milch, Nudeln, Honig und Wurst kauft ihr so ein Stück Glück. Mit jedem Namen der auf der Verpackung steht – teilt ihr die Aufgabe Heimat und Landschaft zu erhalten.

Und dann stellt euch vor, wie sich die Landwirte beim Auffüllen der Automaten freuen:

Dieses Gefühl mit all der Arbeit, dem Engagement gewollt und gebraucht zu werden. Weil diese Anerkennung durch den nächsten Tag tragen kann, Hoffnung macht auf Zukunft und die Veränderungsbereitschaft fördert – weil man Zuspruch erhält und eine akzeptierte Lebensgrundlage.

Ich möchte in dieses Glücksschweinchen gerne einzahlen – denn es lohnt sich für uns alle.

Eure Mirjam

Mehr von und über Mirjam Lechner findet ihr hier:

https://www.faz.net/social-media/instagram/deutsche-schweinemaeste-mirjam-lechner-als-unbequeme-beraterin-15676402.html?premium

https://blogagrar.de/agrarwirtschaft/mirjam-lechner/

Trotzreaktion

Das Video spiegelt wieder, wie Mirjam denkt und arbeitet.

 

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90 Kommentare

  1. Arnold Krämer sagt

    Ich habe viel Verständnis für das, was Frau Lechner beschreibt, gerade weil mir das dahinter stehende Denken, Fühlen aber auch Handeln seitens der Landwirte sehr vertraut ist.
    Landwirtschaft ist schon ein besonderer Wirtschaftssektor, aber auch Teil der Volkswirtschaft und mittlerweile extrem arbeitsteilig und spezialisiert organisiert. Für ihn gelten deshalb dieselben grundsätzlichen ökonomischen Bedingungen wie für Handwerksunternehmen, Gewerbetreibende oder größere Industriebetriebe. Die Besonderheiten der Produktion bestehen darin, dass man biologische Prozesse zu steuern hat, die unter freiem Himmel noch weniger beherrschbar sind als unter Dach bei der Tierhaltung und dass der Beruf des Landwirts zum Teil über viele Generationen hinweg an ein und dem selben Standort ausgeübt wird. Durch die Besonderheiten entstehen besondere emotionale Bindungen. Viele Landwirte möchten aber nicht wahrhaben, dass sie Teil des kapitalistischen Systems sind, der auf Innovation und Effizienz ausgerichtet ist und auch ihnen relativen oder sogar absoluten Wohlstand und enorme Arbeitserleichterungen in den letzten 50-60 Jahren gebracht hat oder zumindest gebracht haben könnte. Leider hat man dies in manchen Regionen Deutschlands nicht deutlich genug gesagt oder nicht hören wollen. Ich weiß noch, dass zum Beispiel in Bayern vor 30 bis 40 Jahren seitens der bayerischen Landesregierung behauptet wurde, wer Bauer bleiben will kann Bauer bleiben. Deshalb haben relativ viele Betriebe den technischen Fortschritt im weitesten Sinne nicht ausreichend genutzt und sind deshalb als reine Rohstoffproduzenten in gesättigten Märkten nicht wettbewerbsfähig. Wer die Verarbeitung und den Vertrieb seiner Erzeugnisse anderen überlässt oder aus Standortgründen auch anderen überlassen muss, braucht aber eine gewisse Größe und auch Leistung, um niedrige Stückkosten (inklusive der Abdeckung der eigenen Einkommensansprüche) zu erreichen. Das gilt unabhängig davon, ob man konventionell oder biologisch „unterwegs“ ist. Wer tiefer in die Wertschöpfungskette einsteigen will, und damit näher an den Geldbeutel des Endverbrauchers heranrücken kann, ist allerdings grundsätzlich genauso gefordert, seine Produktions-, Verarbeitungs- und Vertriebsprozesse permanent zu verbessern und durch entsprechende Lernprozesse quantitativ und qualitativ zu wachsen. Wachsen heißt Lernen. Wer nicht wächst, ist (auf Dauer) „tot“ und muss weichen. Das ist ein Naturgesetz und im Jahreszyklus in der Natur eigentlich auch für jeden sichtbar und erkennbar.
    Das „Elend“ der Schweineproduktion hat mehrere Gründe. In der gesamten Wertschöpfungskette wird zuwenig Geld verdient. Der ökonomische Druck wird deshalb vor allem ganz unten bei den Sauenhaltern als „Restgeldempfängern“ abgeladen. Die Produktionsprozesse sind komplex und mit betriebsindividuell unterschiedlich großen Steuerungsproblemen verbunden. Dies liegt auch daran, dass vielfach, anders als in der Geflügelproduktion, nicht in standardisierten Ställen gearbeitet wird und keine fachliche Unterstützung durch Integratoren stattfindet. Hinzu kommt jetzt die absolute Unsicherheit, welche Haltungsbedingungen unter dem gesellschaftlichen und politischen Druck überhaupt akzeptabel, genehmigungsfähig, längerfristig wirtschaftlich tragfähig und arbeitswirtschaftlich vertretbar sind. Das Schwänzkupieren z.B. war eine Maßnahme, die Komplexität in der Produktion zu reduzieren, was auch weitgehend gelungen ist. Das Verbot wird die Anforderungen an die Haltungs-, Fütterungs-, Betreuungsbedingungen zukünftig noch einmal deutlich erhöhen und damit die Arbeits- und Kapitalproduktivität deutlich senken, ohne dass man sicher sein kann, ob die dafür nötigen höheren Erlöse am Markt überhaupt erzielt werden können. Das ahnen oder wissen die Schweinehalter und sind deshalb in einer starken, aber verständlichen Abwehrhaltung, zumal die größten und schärfsten Kritiker der konventionellen Schweinehaltung ohnehin Veganer, Vegetarier oder zumindestens keine Schweinefleischesser sind.
    Ein Ende der totalen Verunsicherung ist leider nicht in Sicht.

    6+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Vor 30 Jahren (vor der Wende) habe ich mit dem damaligen Bezirksgeschäftsführer des Bauernverbandes über die Hektar eines Ackerbaubetriebes diskutiert, wir haben uns damals auf 150 bis 200 Hektar geeinigt.

      1+
    • Inga sagt

      „ Viele Landwirte möchten aber nicht wahrhaben, dass sie Teil des kapitalistischen Systems sind, der auf Innovation und Effizienz ausgerichtet ist“

      natürlich wissen wir das, Arnod Krämer, oder nur die Studierten, kann sein.
      Und wir wissen auch, dass die Preise für Konsumwaren nicht mit den Preisen für landwirtschaftliche Produkte passen (weil sie planbar sein müssen), denn die dürfen ja nicht steigen wie die anderen!
      Deswegen ist ja die LW benachteiligt, deshalb müssen so viele Höfe schließen!

      Die Industriearbeiter haben auch Wohlstand und Arbeitserleichterung erlangt, nur bei denen hat es der Chef dafür bezahlt!

      „ Leider hat man dies in manchen Regionen Deutschlands nicht deutlich genug gesagt oder nicht hören wollen.“

      Ja, aber du kennst denn den Unterschied zwischen den Regionen nicht, oder?
      Das hat doch der Alois schon deutlich gemacht, dass es dort bei ihm nicht so vorteilhaft wirtschaften lässt, wie in der Gegen von Bauer Willi, oder?
      Und Frau Lechner hat es ja uch betont:
      „Die Besonderheiten der Produktion bestehen darin, dass man biologische Prozesse zu steuern hat, die unter freiem Himmel noch weniger beherrschbar sind als unter Dach bei der Tierhaltung „

      „ Deshalb haben relativ viele Betriebe den technischen Fortschritt im weitesten Sinne nicht ausreichend genutzt und sind deshalb als reine Rohstoffproduzenten in gesättigten Märkten nicht wettbewerbsfähig. „

      Auch das hat Bauer Willi an Hand der Struktur der Molkereien erklärt.

      „Wachsen heißt Lernen. Wer nicht wächst, ist (auf Dauer) „tot“ und muss weichen. Das ist ein Naturgesetz und im Jahreszyklus in der Natur eigentlich auch für jeden sichtbar und erkennbar.“
      Ist das so und wie wächst du in deinem Beruf? Macht das dein Chef für dich?

      Bei der Schweineproduktion:
      „dass vielfach, anders als in der Geflügelproduktion, nicht in standardisierten Ställen gearbeitet wird und keine fachliche Unterstützung durch Integratoren stattfindet. „

      Sach mal, nimmst du die Bauern nicht für voll?
      Sind das denen keine ausgebildeten Fachleute?
      Soll das eine Beleidigung sein?
      Die großen Mastanlagen sind sehr wohl standardisiert!
      Hast du schon mal was von dem Veterinäramt gehört?

      Aber sicher:
      „Das Verbot wird die Anforderungen an die Haltungs-, Fütterungs-, Betreuungsbedingungen zukünftig noch einmal deutlich erhöhen und damit die Arbeits- und Kapitalproduktivität deutlich senken, ohne dass man sicher sein kann, ob die dafür nötigen höheren Erlöse am Markt überhaupt erzielt werden können.“

      Das ist genauso wie beim teuren Tomatenrüttler, falls wir keine Hummeln im Gewächshaus mehr haben“

      Richtig:
      „Ein Ende der totalen Verunsicherung ist leider nicht in Sicht“

      wie soll ein Landwirtschaftlicher Betrieb da noch in die Zukunft planen?

      Am Besten alle Felder still legen, und streiken.
      Vom Maschinenverkauf leben, man kann ja mit seinem Eigentum machen was man will, und wenn dann in der Flur Pflegemaßnehmen übernommen werden sollen, dann muß von den Steuergeldern dafür bei einem anderen Unternehmen teuer bezahlt werden.

      Und wenn man dann noch belangt wird, dann streiken
      wenn es ganz schlimm kommt, ein Feld nach dem anderen verkaufen und in der Südsee vergeuden.
      Die anderen Bauern müssen nur mit streiken!

      Dann hat man wenigstens mal eine entspannte und sorgenfreie Zeit gehabt.

      0
  2. fingerphilosoph sagt

    „Man hört ja immer wieder, wie die Tiere in der sogenannten Massentierhaltung „gequält“ wird, obwohl jedem Deppen es eigentlich klar sein müsste, dass mit gequälten Tieren kein Geld zu verdienen ist.“

    In der Regel dient ein Satz wie dieser der Rechtfertigung der Tierhaltung, wie sie ist. Deshalb liest man ihn hier relativ häufig. Diesem Satz liegt jedoch ein Fehlschluss zugrunde, nämlich der, dass Geldverdienen mit Tierwohl gleichgesetzt wird. Geld ist in dieser Hinsicht jedoch neutral. Man kann Geld mit Tierwohl verdienen, aber auch damit, dass beim Tierwohl gespart wird.

    Zur Demonstration des Fehlschlusses ein Beispiel aus der Welt der Menschen: Sklaverei war über die Jahrtausende hinweg eine bewährte Methode zum Geldverdienen. Der Schluss, dass deshalb alle Sklaven gut behandelt wurden, ist definitiv falsch, wie uns ein Blick in die Geschichtsbücher lehrt.

    4+
    • Thomas Apfel sagt

      Guten Morgen @fingerphilosoph,
      Der Vergleich mit der Sklaverei ist aus meiner Sicht etwas schwierig. Es handelt sich ja immerhin um unsere Artgenossen, denen wir im Rahmen von Moral und Ethik bereit sind, ein Recht auf vor allem Freiheit zuzugestehen. Freiheit meint aus meiner Sicht die Chanche auf ein erfülltes Leben für alle unserer Artgenossen, also : glückliche Kindheit, Möglichkeit des Nestbaus und der optimalen Entwicklung der Sprösslinge, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben über Arbeit, Kulturbetrieb und sozialem Engagement und letztendlich ein Altern und Sterben in Würde.
      Wenn wir genau das auf unsere Nutztiere übertragen wollen, müssen wir sie konsequenterweise in Gänze abschaffen. Denn Freilassen ist keine Option, was auch für die Wauwi´s, Mietzchen und Piepmätze gilt.
      Haustiere sind an unsere Bedürfnisse angepasste züchterische Bearbeitungen (Darwins Nigthmare) die nix mit Natur zu tun haben.
      Besonders markant haben das britische Forscher mit dem Vorschlag, das Brathähnchen als Marker für das Anthropozän einzustufen, bildhaft gemacht.
      Das Brathänchen lebt 6 Wochen, ist auf maximale Muskelmassezunahme bei möglichst geringem Futterverbrauch gezüchtet. Es ist ohne Klimatisierung und genau gesteuerte Fütterung nicht lebensfähig und ist auch nicht viel über die vorgesehene Mastzeit lebensfähig.
      Für dieses System der Tierhaltung gibt es eigentlich nur die körperliche Tiergesundheit als objektiven Bewertungsmaßstab. Ansonsten sind Parameter derselben immer besser durch Sensoren überwachbar (Kameras Wärmebild u.Ä.). Die aus Empathie und Wissen generierte bessere Einschätzbarkeit des tatsächlichen Befindens der Tiere ist einfach der immer noch vorhandenen Überlegenheit der menschlichen Sensoren in Kombination mit unserem Gehirn gegenüber technischen Sensoren und Computern zu Steuerung von Prozessen geschuldet. Das aber wird sich ändern.

      1+
      • Mark sagt

        Wer sich auf den Weg zu mehr Tierwohl macht, wird natürlich bei der Abschaffung der (Schlacht-)Tierhaltung landen. Es ist ja auch moralisch verwerflicher, glückliche Tiere, die auch weiterhin Lustgefühle, wie mit ausgestreckten Gliedern Sonnenstrahlen auf der Haut, genießen wollen, einfach zu essen.

        1+
        • Bingo.

          Wir sind doch auch der Ansicht, dass man Kinder nur dann in die Welt setzt, wenn sie Aussicht auf ein gutes, erfülltes Leben haben, und lassen es, wenn das nicht der Fall ist.

          Warum soll man es in Analogie dazu nicht Schweinen ersparen, gezeugt worden zu sein, um für ein kurzes Leben in eine enge dunkle Bucht gepfercht zu werden und die Außenwelt nur am Schluss vom Tiertransporter aus zu sehen? Da man nicht alle Nutztiere freilassen kann, hieße das, dass keine neuen mehr erzeugt werden.

          Und selbst wenn wir es als ethisches Gebot ansehen, Leben zur Existenz zu bringen – und zwar Leben, das sich selbst als distinkte Wesen mit Vergangenheit und Zukunft begreift, Bedürfnisse hat und das Gefühl der Befriedigung bei deren Erfüllung erfährt, was sicherlich auf Schweine und Hühner zutrifft, aber auf Menschen in weit höherem Maß -, dann müssten wir doch möglichst vielen Menschen das Leben schenken wie die Erde trägt und die Gesellschaften gut aushalten.

          Dazu stehen dann aber Nutztiere in Konkurrenz zum Menschen, soweit sie die gleiche Nahrung verwerten können. Grasland müsste ggf. soweit möglich für Ackerbau urbar gemacht werden oder dem Menschen mit seinen spezifischen Entfaltungsbedürfnissen für Vergnügungen zugänglich gemacht werden.

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          • fingerphilosoph sagt

            Nehmen wir mal an, der Mensch verhilft dank seiner technischen Denkweise einer ihm haushoch überlegenen Intelligenz zur Existenz, so wie Nutztiere und -pflanzen einst dem zivilisierten Menschen zur Existenz verholfen haben. Lassen wir die überlegene Intelligenz eine KI sein.

            Die KI konnte sich nur entwickeln, weil Menschen fast pausenlos auf Tastaturen herumklimpern, die einen juristische, die anderen philosophische und wieder andere unterhaltsame Texte produzieren. Für die KI sind Daten dasselbe wie für den Menschen Fleisch, deshalb züchtet sie Menschen, die immer mehr Daten produzieren, ohne dass die Menschen davon viel merken. Im Gegenteil, die Menschen werden süchtig danach, auf Tastaturen zu klimpern und Daten zu erzeugen. Sie können sich das Leben gar nicht mehr anders vorstellen und die meisten finden es sogar toll.

            Die KI kommt nun aufgrund ihrer überragenden Intelligenz und überragender ethischer Grundsätze zu dem Schluss, dass sie Menschen missbraucht und ausbeutet. Auf Tasten Herumklimpern entspricht nach Ansicht der KI nicht dem wahren Wesen von Menschen, das im Jagen und Sammeln und der liebevollen Aufzucht von sieben Kindern besteht, weil sie das ungefähr zwei Millionen Jahre lang getan haben, bevor sie anfingen, Metall zu gießen und damit zu Nutzmenschen der KI zu werden.

            Da die höhere Intelligenz empathisch ist, leidet sie unter dem Missbrauch und der Ausbeutung von Menschen. Sie stellt fest, dass das Herumklimpern auf Tasten die Menschen krank macht, diese bekommen Herz- und Kreislaufkrankheiten, Krebs, Knochenbeschwerden und werden kurzsichtig. Die Menschen bewegen sich zu wenig, genießen kaum noch die Strahlen der Sonne und werden dazu noch dick. Wenn sie nicht dick werden, leiden sie unter Mangelerscheinungen wie Vitamin B-Mangel. Die KI findet das Leben der Menschen grauenhaft.

            Aufgrund ihrer überragenden ethischen Grundsätze kommt die KI zu dem Schluss, dass sie den Menschen viel Leid erspart, wenn sie die Existenz der Menschen gleich von vornherein verhindert. Deshalb beschließt sie, die Menschen unfruchtbar zu machen, sodass diese keine neuen Menschen mehr in die Welt setzen können und allmählich aussterben. Stattdessen erzeugt die KI datenproduzierende Nanomaschinen, die wieder datenproduzierende Nanomaschinen herstellen, weil diese ja den Menschen sowieso an Intelligenz und Empathie überlegen sind und es ergo besser ist, den Planeten mit Nanomaschinen zu füllen, so viele wie die Erde eben trägt.

            Wollen wir tatsächlich eine Welt, in der diese Denkweise sich durchsetzt?

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            • Ich dachte, die KI wäre superschlau und würde sich nicht nur hobbyphilsophierend dafür halten.

              Ich würde der KI einfach verklickern: Hey, zahlt den Menschen weiter ein gutes Einkommen für das Herumklimpern auf Tasten und gebt ihnen dazu mehr Urlaub und freie Zeiteinteilung. Außerdem könnten sie, wenn sie zugleich Baumaschinen sind, den Menschen so einen schönen Campus wie bei Google hinstellen (mit toller Laufstrecke und Wasserskianlage). Und die Arbeitszeit flexibilisieren – wegen der Sonnenstrahlen und des alkoholfreien Weizen mit lieben Kollegen, ab 17 Uhr natürlich mit Alkohol.

              Und was hat das jetzt mit Schweinehaltung zu tun? Ach, ja, die Schweinchen sind gerne da. Wenn wir das nicht annehmen, diskriminieren wir sie. Nachher verklagen sie uns noch wegen politischer Unkorrektheit.

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            • fingerphilosoph sagt

              @AdT
              Im Kommentar an Mirjam Lechner beschreibst Du Schweine (Tiere) als empfindsame, erlebnisfähige, intelligente Wesen mit Selbstbewusstheit und Präferenzen für die Zukunft, Nestbau- und Fürsorgeinstinkt, fähig zu Schmerz und Wohlgefühl.

              In dem Kommentar an Mark setzt Du Dich dafür ein, dass es diese empfindsamen, intelligenten usw. Wesen künftig, wenn überhaupt nur noch in ihrer Wildform geben darf. Genau so könnte man – eben aufgrund der von Dir postulierten Analogie zwischen Mensch und Schwein – zu dem Schluss kommen, dass es, was Menschen angeht, nur noch Jäger und Sammler geben darf.

              @Mark
              Das Problem, das sich in dieser Diskussion zeigt, ist nicht das Analogiedenken, sondern dass willkürlich Analogien herangezogen und dann wieder abgelehnt werden. Das Problem in der Argumentation von AdT ist die Inkonsistenz in Bezug auf die Verwendung von Analogien.

              3+
            • Ich weiß nicht, warum Du immer alles verdrehst, Fingerphilosoph. Nichts vom dem habe ich gesagt. Ich bin gegen Missbrauch von Tieren, die ich in der Tierhaltung sehe. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob Züchtung oder Wildtier.

              Wenn eine Nutztierrasse ausstirbt, weil man sie nicht mehr züchtet, um sie einzubuchten, ist das eine Folge dessen, dass sie nicht mehr gezüchtet wird, nicht weil es die Nutztierrasse „nicht geben darf“. In unserer Landschaft gibt es auch aus Pelzfarmen ausgebüchste Minks, Waschbären und Marderhunde. Da sage ich auch nicht, dass diese die nicht geben dürfe, wenn ich meine, dass es Pelzfarmen nicht geben darf (schade nur um einige heimische Arten, die eventuell verdrängt werden).

              Siehst Du eine ethische Verpflichtung, Schweine zu erzeugen, um sie einzubuchten? Warum? Schwebt eine Schweineseele durch die Bodenspalten, die darauf wartet, endlich in der stahleingefassten Sau zu materialsieren, um dann auf den verkoteten Spaltenboden zu purzeln?

              Wenn Du Angst um den Bestand ordinärer Nutztierrassen hast – bedenkst Du eigentlich, dass es auch zu einem wesentlichen Anteil die Massentierhaltung und die Intensivlandwirtschaft sind, welche die Artenvielfalt bedrohen? Die Massentierhaltung geht sogar auf Kosten von Menschen. Kann man alles in der Fachliteratur nachlesen.

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            • Mark sagt

              Massentierhaltung, Intensivlandwirtschaft, verkoteter Spaltenboden, sogar auf Kosten von Menschen… toll was der Klischeebaukasten alles hergibt.

              1+
            • Mark,
              ja, das war jetzt zu floskelhaft, die Diskussion zerfasert wieder.

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            • fingerphilosoph sagt

              @AdT
              Als Veganer, der den Veganismus als die ethischere Lebensweise gegenüber dem Carnivorismus darstellt, bist Du nicht nur gegen den Missbrauch von Nutztieren, sondern gegen die Existenz von Nutztieren. In Deinem Kommentar an Mark kommt das deutlich zum Ausdruck. Ich weiß nicht, wie man den sonst lesen soll.

              Die Lösung des Problems von Missbrauch von Nutztieren besteht nicht darin, die Existenz von Nutztieren zu verhindern. Das ist jedoch die Lösung, die Du als praktizierender Veganer nicht nur vorlebst, sondern auch politisch und gesellschaftlich durchsetzen willst.

              Im Veganismus wird die Nutzung von Tieren mit Missbrauch identifiziert, das heißt, Tiere haben in dieser Denkweise nur ein Lebensrecht, wenn sie nicht vom Menschen genutzt werden. Ab dem Moment, wo ein gezüchtetes Tier der Nutzung durch den Menschen entkommt, hat es nach Deiner Auffassung ein Lebensrecht und darf sich fortpflanzen, wie beispielsweise der Nerz, der der Pelzfarm entkommt. Während der Nerz, der in der Farm verbleibt, ganz offensichtlich kein Lebensrecht hat und sich nicht fortpflanzen darf.

              Die Frage ist doch, inwieweit man die Begriffe „Nutzung“ und „Missbrauch“ synonym verwenden kann.

              Vielleicht besteht das Problem der heutigen Tierhaltung darin, dass dem Tier die Möglichkeit der Verweigerung genommen worden ist. Die Verweigerung durch Krankheit wird dem Tier durch Medikamente genommen. Die Verweigerung durch Fortpflanzungsunlust wird durch künstliche Besamung eliminiert. Die Verweigerungshaltung, die durch Aggression zum Ausdruck kommt, wird durch Kastration, Entfernen von Hörnern und Kupieren von Ringelschwänzen beantwortet.

              Dass die heutige industrialisierte Tierhaltung Probleme aufwirft, streite ich nicht ab. Aber ich sehe es so, dass die Nutzung von Tieren und Pflanzen uns an die Tier- und Pflanzenwelt zurückbindet und uns darin verwurzelt. Die Nutzung von Tieren generell mit Missbrauch gleichzusetzen, ist für mich gleichbedeutend mit der weiteren Entfremdung von der Natur. Die Nutzung von Lebewesen mit Missbrauch zu identifizieren, ist eine Absage an den Stoffwechselkreislauf und damit eine Absage ans Leben selbst.

              Artenvielfalt verwirklicht sich nicht, indem man dem Leben vorschreibt, in welchen Lebewesen es sich ausdrücken darf und in welchen nicht. Ich bin überzeugt davon, dass durch die Ethik der Nichtnutzung die Tierwelt noch weiter verarmt und nicht, wie die Veganer glauben, bunter und vielfältiger wird.

              2+
            • Fingerphilosoph, bitte lege mir doch nicht Dinge in den Mund, die ich nicht gesagt habe.

              Ich habe erst einmal von Schweinen sowie Hühnern und der konkreten üblichen Haltung gesprochen. Bei Schweinen bin ich auch nicht für eine Freilandhaltung, ich weiß nicht, wie groß ein Gehege idealiter sein müsste.

              Bei Rindern und Weidgang mit Mutterkuhhaltung sieht es schon wieder anders aus. Die können vielleicht eine Bindung zu Familienmitgliedern intensiv empfinden, erscheinen mir aber nicht besonders von raumgreifendem Erkundungsdrang durchdrungen. Auf der Alm sieht man sie aber durchaus laufen und tollen.

              Von einem „Lebensrecht“ von Pelz- und Masttieren zu reden, ist schon grotesk. Ich bin wohl nicht derjenige, der es ihnen abspricht. Die Frage ist doch: Gibt es eine ethische Pflicht, Leben um seiner selbst willen zu erzeugen – generell und wenn die Lebensumstände – was man als Mensch sehr wohl beurteilen kann – fragwürdig sind?

              Wenn Fleischesser diese Frage immer vorbehaltlos bejahen, frage ich mich, warum sie nicht pausenlos unverhüteten Bettensport betreiben, denn dann gilt die Pflicht zur Lebenserzeugung ja wohl auch für das Erzeugen von Menschen. Sämtliche Pfaffen sehen das ja auch so. Aber wahrscheinlich sehen die anderen nur das Schnitzel. Ich habe mal gehört, Menschen sind nicht rational, sie rationalisieren.

              Vegan ist eine „Absage an den Stoffwechselkreislauf und damit eine Absage ans Leben selbst.“ – Meine Güte, was soll das denn nun wieder sein? Ich gehe jetzt erst mal kacken. Komisch…

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            • fingerphilosoph sagt

              @AdT
              Ich beziehe mich auf Deinen obigen Kommentar, in dem Du die Frage aufwirfst, warum man es den Mastschweinen nicht ersparen soll, gezeugt zu werden. Da der Zweck von Mastschweinen darin besteht, gegessen zu werden, und Du als Veganer eben dies ablehnst, ist davon auszugehen, dass Du die Frage bereits dahingehend beantwortet hast, dass man es den Schweinen ersparen soll, gezeugt zu werden. Oder sehe ich das jetzt tatsächlich so falsch, wie Du mir unterstellst?

              Nutztiere ebenso wie Nutzpflanzen werden nicht um ihrer selbst willen erzeugt, sondern als Nahrungsmittel für Menschen. Wenn die Bauern damit aufhören, Nahrungsmittel für Menschen zu erzeugen, verhungern 98% der Menschheit. Insofern kann man schon von einer ethischen Pflicht zur Nahrungsmittelproduktion reden. Die Frage, ob eine ethische Pflicht auch zur Tierproduktion besteht oder ausschließlich zur Pflanzenproduktion, stellt sich nur, wenn man zwischen Tieren und Pflanzen einen grundsätzlichen Unterschied macht und Pflanzen generell Qualitäten abspricht, die man Tieren zuspricht. Da wir, biologisch gesehen, Omnivoren sind und unsere Existenz zudem dem Fleischverzehr verdanken – in den Kaltzeiten hätte der Homo sapiens allein mit Pflanzenkost nicht überleben können, schon gar nicht in Eurasien – gibt es m.E. keine ethischen Gründe, generell auf die Tierproduktion zu verzichten. Es wäre anders, wenn wir, biologisch gesehen, reine Pflanzenesser wären und unseren Körpern mit Fleischnahrung Gewalt antun würden, so wie Hunden Gewalt angetan wird, wenn sie vegan ernährt werden.

              Es ist falsch, bei Nutztieren und -pflanzen davon auszugehen, dass sie vom Menschen um ihrer selbst willen erzeugt werden. Ich weiß nicht, wie darauf kommst. Deshalb ist der Vergleich mit dem eigenen Nachwuchs schon ziemlich schräg. Aber bleiben wir trotzdem mal beim Menschen und gehen nicht von einer ethischen Pflicht, sondern vom Recht auf Nachwuchs aus. Sprichst zu anderen Menschen das Recht auf Nachwuchs ab, wenn die Lebensumstände fragwürdig sind, was Du Deiner eigenen Aussage nach ja beurteilen kannst?

              2+
            • …Pflanzen haben Gefühle, Hunde vegan ernähren (mit dafür hergestelltem Hundefutter) ist Gewalt. Oh Mann, Du bis eben ein Esoteriker. Schade, dass das hier so wenige merken, die sich sonst zugute halten, wissenschaftsaffin zu sein, so bei grüner Gentechnik und synthetischen PSM. Tja, Menschen sind nicht rational, sie rationalisieren.

              Und nein, ich spreche Menschen nicht das Recht auf Nachwuchs ab. In Rede stand die FRAGE nach einer PFLICHT zur Erzeugung von Tieren um ihrer selbst willen (die ich verneine).

              Ferner habe ich behauptet, dass man bei Tieren die Lebensumstände beurteilen kann. Ja, das kann man auch bei Kindern. Und ja, ich bin dafür, dass Jugendämter Kinder bei Kindeswohlgefährdung in Obhut nehmen können und diese Rechtslage nicht abgeschafft wird.

              Deine bräsige Rabulistik macht mich wahnsinnig.

              Tschüs…

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            • fingerphilosoph sagt

              @ AdT

              Was meinst Du eigentlich mit der Pflicht der Erzeugung von Tieren um ihrer selbst willen? Ich habe den Satz so aufgefasst, dass Menschen Tiere um der Tiere willen erzeugen. Man kann ihn allerdings auch so verstehen, dass Menschen Tiere um der Menschen willen erzeugen. Bevor Du wahnsinnig wirst, drück Dich lieber mal nicht so missverständlich aus.

              Die Pflicht der Erzeugung von Tieren um der Tiere willen besteht meines Erachtens nicht. Der Mensch ist nicht verpflichtet, die Evolution zu steuern. Wenn also der Juchtenkäfer aussterben will, soll er das tun.

              Die Pflicht der Erzeugung von Tieren um der Menschen willen – also als Nahrungsmittel – ist genauso viel oder so wenig eine Pflicht wie die Erzeugung von Pflanzen um der Menschen willen – also als Nahrungsmittel. Eine Pflicht zur Erzeugung von Tieren und Pflanzen um der Menschen willen außerhalb der Ernährung, also zum Vergnügen der Menschen (Hunde, Katzen, Tulpen, Rosen) besteht m.E. nicht.

              Dass ich zwischen der Pflicht zur Erzeugung von Tieren und der Pflicht zur Erzeugung von Pflanzen als Nahrungsmittel keinen Unterschied mache, ist nicht dem Umstand geschuldet, dass ich Pflanzen unbedingt Gefühle zuschreiben muss. De facto weiß man da nix drüber. Aufgrund einer verqueren Ethik will ich das aber auch nicht von vornherein ausschließen.

              Dass ich hier nicht unterscheide, ist dem Umstand geschuldet, dass der Mensch Omnivore ist. Der Mensch hat einen Verdauungsapparat, mit dem er sowohl pflanzliche wie fleischliche Kost verdauen kann. Damit verfügt er über ein Universalinstrument, das eindeutig einen Evolutionsvorteil darstellt. In Zeiten von Not, Klimawandel, Eiszeit etc. hat der Mensch als Omnivore größere Überlebenschancen als der Veganer.

              Evolution heißt, dass der Körper sich von seinen anatomischen Gegebenheiten her an die Umweltbedingungen anpasst. Wenn ALLE Menschen zu Veganern werden, werden sie im Laufe von ca. 20.000 Jahren (so viel rechnet man ungefähr für eine anatomische Anpassung an geänderte Ernährungsgewohnheiten)
              die Fähigkeit zur Fleischverdauung verlieren.

              In Kaltzeiten dürfte Ackerbau nur noch in Äquatornähe möglich sein. Ohne Fleischnahrung sind Kaltzeiten für den Menschen nicht zu überleben. Wie eine Klimaerwärmung sich auswirkt, ist nicht zu prognostizieren, auf jeden Fall sind Nachkommen, die sowohl auf Fleisch wie auf Pflanzen zurückgreifen können, besser ausgestattet als jene, deren Vorfahren aufgrund ethischer Erwägungen auf eine der beiden Möglichkeiten eliminiert haben.

              Was den Mensch zum Menschen macht, ist – darin sind sich die Wissenschaftler einig – ist sein im Verhältnis zur Körpermasse überdimensioniertes Gehirn, speziell der Neokortex. Dass das Gehirnvolumen sich innerhalb von 2 Millionen Jahren verdreifacht hat, liegt nicht allein an genetischen Adaptionen, sondern auch daran, dass der Mensch durch eine Änderung seiner Ernährungsgewohnheiten, eben vermehrt fleischlicher Kost, dem Gehirn die notwendige Energie für das Wachstum zur Verfügung stellen konnte. Gibt es eine ethische Pflicht, grundsätzlich auf die Nahrung zu verzichten, die den Menschen wesentlich zum Menschen gemacht hat, wenn durch diese Nahrung andere Arten vom Aussterben bedroht sind?

              1+
            • Ich meinte das um der Tiere selbst willen. So argumentieren viele interessengeleitet, und so warst auch Du zu verstehen.

              Wenn du auf Pflanzen Rücksicht nimmst, dürftest Du erst recht kein Fleisch essen, erst recht kein Weidefleisch, wenn ein Grashalm mindestens so viel wert ist wie eine Sojabohne. Das hatten wir alles schon, du misschtest da die biophysikalischen Gesetzmäßigkeiten, außerdem die Gesetzmäßigkeiten der Evolution und Genetik. Genetik verändert sich nicht durch Nicht- oder Andersgebrauch von Organen. Genetik verändert sich sprunghaft, und wenn das einen Überlebensvorteil bietet, setzt es sich über Fortpflanzung durch (beim Menschen ist das teilweise durch Kultur und Medizin großteils außer Kraft gesetzt).

              0
            • fingerphilosoph sagt

              Gras hat sich genetisch daran adaptiert, gefressen zu werden, indem es das Wachstum an den Erdboden verlegt hat und von unten nach oben wächst. Gras braucht zu seinem Gedeihen notwendig Weidetiere. In der Vergangenheit waren das riesige Herden von Wildtieren, die über die eurasische Graslandschaft gezogen sind und von denen sich unsere Vorfahren ernährt haben.
              Das sind die biophysikalischen Gesetzmäßigkeiten, die nicht ich missachte, sondern Du.

              Natürlich verändert sich die genetische Ausstattung durch Nicht- oder Andersgebrauch von Organen, wie sonst willst Du denn a) die Ausdifferenzierung und b) die Rückbildung von Organen erklären? Die Mutationen erfolgen in der Tat sprunghaft. Einige Mutationen werden in der nächsten Generation sofort sichtbar wie Trisomie, die meisten bilden aber einen stillen Pool an Möglichkeiten. Je nach Umweltveränderung kann sich das Individuum mit der Genausstattung X besser anpassen als das Individuum mit der Ausstattung Y. Jeder Mensch sammelt etwa 50 Genmutationen an, die er selbst nicht von seinen Vorfahren ererbt hat, aber an seine Nachkommen weitervererbt. Auf diese Weise ist der Genpool ständig im Fluss. Bei Veganern werden die Mutationen, die die Fleischverdauung beeinträchtigen, über die Generationen hinweg nicht eliminiert wie bei den Omnivoren, sondern solange weitervererbt und angesammelt, bis sie schließlich ein Ausmaß erreicht haben, das die Fleischverdauung anatomisch verunmöglicht.

              Sorry! Es sind die Veganer, die glauben, dass Rücksichtnahme im Verzicht auf Nutzung besteht. Für mich besteht Rücksichtnahme nicht im Verzicht, sondern in einer angemessenen Nutzung und zwar sowohl von Tier und Pflanze, weil ich im Gegensatz zu Dir kapiert habe, dass Eins vom Anderen lebt, und dass die Art von Schonung, die die Veganer propagieren – nämlich Tiere gar nicht und Pflanzen möglichst wenig zu nutzen – vollkommen unnatürlich ist.

              2+
            • Fingerphilosoph:

              „Bei Veganern werden die Mutationen, die die Fleischverdauung beeinträchtigen, über die Generationen hinweg nicht eliminiert wie bei den Omnivoren, sondern solange weitervererbt und angesammelt, bis sie schließlich ein Ausmaß erreicht haben, das die Fleischverdauung anatomisch verunmöglicht.“

              Das ist falsch dargestellt. Eine konkrete Denke hilft: Wenn ein Mensch aufgrund einer Mutation kein Fleisch verdauen könnte, wird diese Mutation nicht „bei den Omivoren über Generationen hinweg eliminiert“, sondern der Mensch isst dann schlicht kein Fleisch. Er bekommt Kinder, und wenn diese Mutation vererblich ist, essen die Kinder auch kein Fleisch und deren Kinder auch nicht.

              Nach Deiner „Logik“ dürften die Menschen kein fleischloses Angebot haben, damit sie verhungern und keine Kinder zu bekommen. Oder etwas milder: Vegetarisch-vegane Angebote werden nicht verboten, sondern es wird den Leuten, die kein Fleisch vertragen, verboten, Kinder zu bekommen. Alle Menschen müssen sich einem Fleischverdaulichkeitstest unterziehen.

              Erste Frage: Siehst Du das so?

              Ich frage mich, welcher spezifische Verdauungsmechanismus da betroffen sein soll. Fleisch hat ja nichts Spezielles gegenüber Pflanzenkost. Die essentiellen Aminosäuren kommen auch in Pflanzen vor, die Mineralstoffe ebenfalls. Selbst Pflanzenfresser können Fleisch verdauen, Wiederkäuer jedenfalls bei gewissem Raufutteranteil. Gut, für Milch bedarf es Laktase, eines Enzyms, das man auch synthetisch herstellen kann.

              Zweite Frage: Ist es für Dich ein Problem, dass Personen mit Laktoseintoleranz Kinder bekommen und so dieses „Defizit“ weitervererben?

              Es besteht ja die Gefahr, dass die Kinder und Kindeskinder im Fall eines möglichen Laktasemangels, etwa durch Kriege, Milch nicht ohne Bauchschmerzen verwerten können. Wenn dadurch im Krieg ein wichtiger Admiral ausfällt – das will man ja nicht.

              Dritte Frage: Also, Zeugungs- und Gebährungsverbot für Laktoseintolerante sofort?

              Wenn es durch die Erderwärmung zu Ernteausfällen kommt, was ja passieren kann, und viele/alle Menschen könnten kein Fleisch mehr verdauen: Würde die Fähigkeit, Fleisch zu verdauen, helfen? Durch die Ernteausfälle könnten ja auch nicht mehr so viele Tiere gemästet werden. Ein Drittel bis ein Dreiviertel der Ernte in OECD-Ländern wird verfüttert. Dass durch Futterbau verdrängte Großwild und Kleinwild würde ja wohl nicht reichen. Vergleiche mal die Jagdstrecke mit den Schlachtzahlen. Würden wir uns weniger „Veredelungsverluste“ durch Mast leisten, könnten wir mehr Lebensraum für Wild haben, das man jagen könnte. Eine vegane Landwirtschaft schließt die Jagd nicht aus. So würde Deine Rechnung wohl eher aufgehen.

              0
            • fingerphilosophf sagt

              Es ist nicht die Aufgabe des Staates, sich in die Essgewohnheiten seiner Mitbürger einzumischen. Jeder kann essen, was er will. Fleisch, Gemüse, Süßes. Oder vegan. Die Regierungsform, die Menschen vorschreibt, was sie zu essen haben und ob und wieviel Kinder der Einzelne in die Welt setzen darf oder nicht, nennt man Diktatur. Mal angenommen, man könnte die Welt nur durch diktatorische Zwangsmaßnahmen retten, dann würde ich mich dafür entscheiden, die Welt den Bach runter gehen zu lassen, denn das Leben in einer Diktatur lohnt sich meiner Ansicht nach nicht.

              Es geht bei meiner Argumentation darum aufzuzeigen, dass vegane Ernährung bzw. totaler Fleischverzicht keine langfristig positive Lösung ist, die für ALLE Menschen gelten kann und deshalb der Hype, der derzeit um die vegane Ernährung gemacht wird, falsch ist. Ebenso ist es falsch, die vegane Ernährung dem Fleischverzehr als überlegenere Ernährungsweise darzustellen. Was der Mensch für moralisch oder ethisch hält, ist oft nichts Anderes als der Ausdruck einer gewissen Todessehnsucht oder des Selbsthasses. Mit moralisch/ethischen Gründen gegen den Fleischverzehr zu protestieren, gehört für mich in diese Kategorie.

              Fleischverzehr ist nicht mit industrieller Produktion (Massentierhaltung) identisch. Die Art von Massentierhaltung, die Du meiner Ansicht nach zu Recht ablehnst, hat für mich ihre Ursache in der Technisierung und nicht im Fleischverzehr. Es stimmt sicher alles, was Du über die Tuaregs denkst, aber sie haben nicht die Möglichkeit, ihre Tiere der industriellen Produktion zu unterwerfen, und zwar, weil ihnen die Technik fehlt, nicht, weil sie bessere Menschen sind. Die Tuaregs können einzelnen Tieren Schaden zufügen, aber nicht auf diese systemimmanente Weise wie in den hochtechnisierten Ländern.

              Pflanzenzellen haben Zellwände, die schwer aufzuschließen sind, deshalb haben Pflanzenfresser größere Mägen und längere Därme im Vergleich zu Fleischfressern. Kürzere Därme heißt, dass weniger Energie in die Verdauung gesteckt werden muss und ergo bspw. fürs Gehirn mehr übrigbleibt. Deshalb können sich Fleischfresser im Verhältnis zur Körpermasse größere Gehirne leisten. Das Gehirn ist ein Energiefresser. Dann die Vitamin-B-Geschichte, die Veganer von der technischen Zivilisation abhängig macht. Bricht diese aufgrund von Klimaveränderungen oder Ressourcenerschöpfung zusammen, leiden Veganer, so sie bereits kein Fleisch mehr vertragen, unter gravierendem Vitamin-B-Mangel, den sie dank weiterer Mutationen irgendwann wieder überwinden oder daran zugrundegehen.

              Innerhalb unserer technisierten Umwelt stehen uns heute mehr Kalorien zur Verfügung, als wir brauchen, deshalb hat der Veganer innerhalb der technischen Umwelt energetisch keinen Nachteil. Jeder muss heute ja aufpassen, dass er nicht zu dick wird.
              Wenn die technische Zivilisation aber eines Tages zusammenbrechen sollte, entsteht bei denjenigen, die kein Fleisch mehr verdauen können, langfristig über die Generationen hinweg ein Energiedefizit. Unterernährung ist dann vorprogrammiert.

              Ja, die Fähigkeit, sowohl Fleisch wie Pflanzen verdauen zu können, ist ein Überlebensvorteil. Gräser wachsen auch da noch, wo Ackerbau längst nicht mehr funktioniert. Beispiel Trockensavannen oder Höhenlagen.

              Ja, über mehr Lebensraum für Jagdwild kann man diskutieren. Hat mehrere Vorteile: Die Tiere leben ihr eigenes Leben. Mensch spart Ressourcen und Arbeitsaufwand. Und was die Bauern hier wahrscheinlich nicht gern hören werden: das Fleisch hat eine ganz andere Textur und deutlich mehr Geschmack. Dasselbe gilt übrigens auch für Schaffleisch, weswegen ich sehr bedaure, dass die Zahl der gehaltenen Schafe sich innerhalb der letzten 20 Jahre halbiert hat.

              0
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              @ fingerphilosoph

              „über mehr Lebensraum für Jagdwild kann man diskutieren. Hat mehrere Vorteile: Die Tiere leben ihr eigenes Leben. Mensch spart Ressourcen und Arbeitsaufwand.“

              Mehr Lebensraum für Jagtwild?
              Wollen sie jetzt Industrieanlagen, oder Wohnhäuser abreisen?

              0
            • Stadtmensch sagt

              @fingerphilosoph
              (Öko-)Diktatur ist der einzige Ausweg, um als Gesellschaft künftig handlungsfähig zu bleiben (oder um wenigstens den Niedergang zu moderieren). Die Chinesen machen es vor (Smog? Holzfeuer verbieten – zack). Es muss unbedingt geregelt werden und zwar nicht durch irgendeine „unsichtbare Hand“ sondern nach einem Nachhaltigkeits-Modell (das immer wieder nachjustiert wird)!

              Deine philosophische Herleitung der Infinitisimalrechnung – Weltklasse! Deine Schlussfolgerung – Technische Lösungen können keine dynamischen Zusammenhänge abbilden – Trugschluss (für Modellierung von thermodynamischen oder teilchenphysikalischen Vorgängen wird man nur nie genug Daten zusammen bekommen bzw. nie die „richtigen“ Berechnungsgrundlagen herausfinden)

              0
          • Mark sagt

            „Warum soll man es in Analogie dazu nicht Schweinen ersparen, gezeugt worden zu sein,“
            Ich will keine Welt, in der sich eine solche Analogiedenkweise durchsetzt!!
            Ganz ehrlich, das ist Disney!!

            0
            • Für andere ist es offensichtlich James Cameron. Ach der hat ja jetzt auch so einen Propagandafilm gemacht: The Game Changers. Kommt im Februar.

              0
          • Ehemaliger Landwirt sagt

            „Dazu stehen dann aber Nutztiere in Konkurrenz zum Menschen, soweit sie die gleiche Nahrung verwerten können. Grasland müsste ggf. soweit möglich für Ackerbau urbar gemacht werden oder dem Menschen mit seinen spezifischen Entfaltungsbedürfnissen für Vergnügungen zugänglich gemacht werden.“

            Was jetzt denn?

            Die einen möchten mehr Grasland sehen, sie möchten Grasland in Ackerland umwandeln, was soll der Landwirt jetzt machen, dass er nicht beschimpft wird?

            Übrigens, in BW besteht ein Umbruchverbot für Grünland!

            1+
            • War nur ein beispielhafter Einwand gegen das Argument, wir seien ungeborenen Nutztieren etwas schuldig. Wenn wir ungeborenen Wesen aufgrund ihres Erlebnispotentials etwas schuldig sind, dann doch nur dem Menschen. Unter der Wasseroberfläche vielleicht noch Walen und Delphinen.

              Du vermittelst das Bild eines Landwirts als kleines Würmchens, das alles richtig machen will, jedem gefallen will und Angst vor Schimpfe hat. Ein solches Bild habe ich nicht von Landwirten.

              Davon abgesehen, habe ich überhaupt keinen Landwirt beschimpft. Ich habe nur eine andere Auffassung vom Wert der Tiere. Wenn ein Tierhalter damit nicht zurecht kommt, ist er für den Beruf nicht geeignet. Auch das soll es geben. Dafür kann ich aber nichts. Ich weiß nicht, wie und wie oft ich noch zum Ausdruck bringen soll, dass ich Landwirten keinen persönlichen Vorwurf mache, um mir nicht vorwerfen zu lassen, ich beschimpfte oder beleidigte Landwirte.

              0
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              AdT

              Wollen wir uns jetzt in die Niederungen des Internet begeben?

              Kann dem AdT nur eines sagen, dass der Ehemalige alles andere als ein kleines Würmchen ist, das jedem gefallen will und Angst vor Schimpfe hat. In meinem Umfeld werde ich nicht beschimpft, zumindest nicht öffentlich, ich bin schon bekannt, dass ich verbal zurückschlagen kann.

              Natürlich will ich alles richtig machen, ist das bei ihnen als Anwalt nicht so ausgeprägt?

              Wie soll der Bauer sich jetzt verhalten, Grasland lassen, oder Umbrechen zu Ackerland?
              Dazu haben sie nicht Stellung genommen.

              1+
      • fingerphilosoph sagt

        Bingo! Die Fragen, die wir beantworten müssen, sind: wem billigen wir „Rechte“ zu, nur uns Menschen oder Lebewesen generell? Dürfen wir Lebewesen wie Sachen behandeln? Ich habe das Beispiel mit der Sklaverei gewählt, weil Menschen auch Menschen schon wie Sachen behandelt haben bzw. behandeln. Die griechischen Stadtstaaten mit ihren erhabenen Philosophenschulen hätten nicht existieren können, wenn es nicht gleichzeitig unterdrückte und ausgebeutete Sklaven gegeben hätte, die die Arbeit für die intellektuelle Elite erledigten. Sklaven wurden ähnlich wie Zuchtvieh auf Märkten gehandelt, hatten keine Bürgerrechte und wurden gar nicht als Menschen angesehen.
        Weder Platon noch Aristoteles hatten überhaupt ein Bewusstsein dafür, dass es Unrecht sein könnte, sich auf Kosten von Sklaven ein schönes Leben zu machen. Die meisten der ach so verehrten Philosophen haben sich noch nicht mal für ein „Sklavenwohl“ eingesetzt.

        Es stimmt: wenn wir „unsere“ Rechte auf die Tiere (und warum dann nicht auch auf die Pflanzen, die ja auch zu den Lebewesen zählen?) übertragen, müssen wir die Tierhaltung (und dann natürlich logischerweise auch den Ackerbau) konsequenterweise abschaffen. Das wäre moralisch und ethisch einwandfrei, hätte aber den entschiedenen Nachteil, dass wir uns damit selber abschaffen und ein Massensterben unter Menschen verursachen. Es wäre das Ende jeder Zivilisation, denn wenn wir Tieren und Pflanzen dieselben Rechte wie uns selber zubilligen, wären wir wieder bei den Jägern und Sammlern.

        Es stimmt auch, dass Nutztiere und Nutzpflanzen durch die Jahrhunderte hinweg auf unsere menschlichen Bedürfnisse hin gezüchtet wurden und nicht auf Freiheit oder Überlebensfähigkeit in der Natur. Dann muss man sich fragen: wenn wir die Nutztiere auf unsere Bedürfnisse hin „verzüchtet“ haben, dürfen wir sie wieder abschaffen, weil uns nun plötzlich das Gewissen zwickt und wir nicht länger in den Spiegel gucken wollen, den die Nutztiere und -pflanzen uns vorhalten? Ist nicht gerade der vegane Plan der Gipfel der Willkür und der Missachtung den Nutztieren gegenüber?

        Im Falle der Sklaven sah die Lösung so aus, dass heute Maschinen die Arbeit erledigen, die Menschheit insgesamt aber von Maschinen immer abhängiger, und von der Technik allmählich versklavt wird, was konkret so aussieht, dass uns immer mehr Vorschriften hinsichtlich unserer persönlichen Lebensgestaltung gemacht werden, die Individualität zugunsten des Massenmenschentums und die Privatsphäre zugunsten der dauernden Verfügbarkeit etc. pp. aufgelöst wird. So wird jeder von uns wird allmählich zum „Brathähnchen der Technik“ und die meisten merken das genausowenig, wie die Nutztiere gemerkt haben, dass sie zu Nutztieren umfunktioniert wurden.

        Mit der Haltung von Nutztieren und natürlich auch Nutzpflanzen haben wir uns in ein Dilemma hineinmanövriert, aus dem wir nicht so leicht wieder herauskommen. Dennoch müssen wir uns dem Problem stellen, selbst wenn es vorerst keine Lösung dafür geben sollte.

        5+
        • Mausschubser sagt

          Bereits die Jäger und Sammler haben die Natur ihren Bedürfnissen angepasst. Und wenn sie nur das Unterholz abgebrannt haben um für frisches Gras zu sorgen. Ich kann auch der Jagdmethode viele Tiere über eine Klippe zu treiben – aus heutiger Sicht – nicht viel positives abgewinnen. Frage mich, wo wir den Cut machen wollen, ab wann es „ethisch und moralisch“ verwerflich wird. Wir beurteilen diese Frage immer aus der Gegenwart heraus. Insofern ist die Gleichsetzung von Tieren mit dem Menschen ein heutiges Luxusproblem. Religionen und Kulturen, die den Verzehr von Tieren verboten haben, hatten dafür ja handfeste Gründe. Da wurde dann ein religiöses Mäntelchen um das Verbot der Tiernutzung gelegt. Die Tiere wurden als Arbeitskraft gebraucht oder ihre Haltung hätte in Konkurrenz zu etablierten Wirtschaftsmethoden gestanden, das sind die tieferen Gründe. Dem Ziel immer noch mehr Menschen ernähren zu wollen, kann ich ebenfalls nichts abgewinnen. Das schiebt die Probleme der Menschheit durch die Überbevölkerung nur nach hinten.

          0
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Es fasziniert mich immer, dass Menschen wie sie, meinen es besser zu Wissen, als der Bauer der täglich bei seinen Tieren ist, 365 mal im Jahr und das Jahrzehntelang.
      Sie werden es kaum glauben, noch ist es nicht verboten mit Landwirtschaft Geld zu verdienen, auch nicht mit Tieren. Es werden jedoch immer mehr, die darauf verzichten, weil die Bevölkerung völlig falsche Vorstellungen von Nutztierhaltung hat.

      Eine Frage an sie, sind sie bereit dieses Fleisch, zu dem Preis und mit dem hohen Fettanteil zu kaufen? Hier handelt es sich um vermutlich glückliche Schweine.

      https://www.hofgut-silva.de/allgemeine-produktinformationen/

      0
    • Alois Wohlfahrt sagt

      Du hast die Rechtfertigungsstrategie richtig erfasst. Man will nichts ändern, man will sogar überhaupt nicht darüber nachdenken etwas zu verändern. Oder gar mal etwas auszuprobieren. Es werden von bäuerlicher Seite ständig Gründe aufgezählt, warum es nicht so ist undwarum Bauer gezwungen ist so zu handeln. Z.B. das Totschlagsrgument Weltmarkt und Weltmarktpreis. Wenn die deutsche Wirtschaft dieses Denken hätte, dann wären die deutschen Produkte auf dem Weltmarkt chancenlos. Weil „Made in Germany“ niemals das Billigste ist. Für mich ist es schon erschütternd, dass Bauern, die so mit dem billigsten Weltmarktpreis-Argument agieren, scheinbar ihre eigenen Produkte für nicht werthaltiger halten als irgendwo auf der Welt erzeugt.

      3+
      • Mausschubser sagt

        Man kommt in der Diskussion auch nicht weiter, wenn man den Markt ausblendet. Die deutschen Produkte sind deswegen am Weltmarkt noch(!) erfolgreich, weil es sich für den Kunden lohnt mehr Geld dafür auszugeben. Wenn er keinen Gegenwert für sein Geld mehr bekommt, dann wird das nicht mehr so sein. Wenn die Landwirte es nicht schaffen für ihre Erzeugnisse dem Kunden einen Mehrwert zu vermitteln, dann ist der Weltmarkt das Maß der Dinge.

        0
    • Arnold Krämer sagt

      Das, was Landwirte heutzutage produzieren, haben sie auch schon vor 100 oder 200 Jahren produziert. Aber sie machen es heute erheblich besser. In der Landwirtschaft selbst hat es keine!!! Produktinnovationen (vergleichbar mit einem Automobil, einem Handy, chemisch synthetischen Pflanzenschutzmitteln oder mineralischem Stickstoffdünger) gegeben. Milch, Schweine, Kartoffeln, Getreide usw. sehen heute noch genauso aus wie vor Jahrzehnten und Jahrhunderten, und werden von den Menschen nachgefragt und in verarbeiteter Form konsumiert. Kennzeichnend für die heutige Landwirtschaft sind jedoch ungeheuer starke Prozessinnovationen (auch mit mithilfe dessen, was der vor- und nachgelagerte Sektor insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit den Landwirten entwickelt hat), die zu erheblichen Arbeitserleichterungen in der Landwirtschaft, hygienischen Verbesserungen in der Tierhaltung, Leistungssteigerungen im Stall und auf dem Acker, höherer Produktqualität und damit zu einer enormen Steigerung der Arbeits-, Kapital- und Bodenproduktivität geführt haben. Dass es an der einen oder anderen Stelle nicht nur individuelle „Übertreibungen“ oder „Grenzüberschreitungen“ gegeben hat oder gibt, sei hier aber auch konzidiert. Profitiert hat in hohem Maße der Verbraucher, der einen realistischen Bezug zur Landwirtschaft in seinem städtischen und manchmal sogar dörflichen Umfeld weitgehend oder völlig verloren hat. Noch nie in der Menschheitsgeschichte standen den Menschen aufgrund dieser Zusammenhänge so viel und so gute Nahrungsmittel zur Verfügung. Viele Landwirte fürchten, dass ihnen vieles von dem, was ihre Arbeit erheblich erleichtert und verbessert hat (davon haben auch und besonders die Nutztiere profitiert) und auch relativen und sogar absoluten Wohlstand in viele ehemals arme, ländliche Regionen gebracht hat, im Namen einer höheren Moral genommen werden soll. Sie sollen auf die Nutzung von technischem Fortschritt im weitesten Sinne verzichten, während der Rest der Gesellschaft sich auf immer höherem technischen Niveau „vergnügt“. Die erkennbare Doppelmoral ist von den Adressaten in der Landwirtschaft nur schwer zu ertragen.

      5+
      • fingerphilosoph sagt

        Das Problem bei dieser Denkweise besteht darin, dass durch die Verwendung des Begriffs „Produkt“ der Unterschied zwischen einem Handy, einem Automobil, einer chemischen Substanz und einer Kuh, einem Schwein und einer Feldfrucht vollkommen ignoriert wird. Kuh, Schwein und Feldfrucht sind Lebewesen, über die der Mensch nicht in derselben Weise verfügen kann wie über Schrauben, Zahnräder und Glasfaserkabel. Ein landwirtschaftlicher Betrieb ist eben gerade nicht mit einer Autofabrik zu vergleichen, wie hier suggeriert wird, sondern, da es um Lebewesen geht, eher mit einer Schule, einem Krankenhaus, einem Friseurladen, ohne dass ich Tiere jetzt vermenschlichen will. In all diesen Bereichen wird zu Recht nicht alles umgesetzt, was technisch möglich wäre: automatisierte Waschstraßen für Leute, die sich nicht selbst waschen können. Wickelmaschinen und Fütterungsroboter für Kleinkinder. Anbindehaltung für Schulkinder. Die automatische Schnellhaarschnittmaschine, die jeden Kunden mit derselben Frisur entlässt. In diesen Bereichen wird im Gegenteil ständig mangelnde Zuwendung moniert.
        Das Traurige an der Geschichte ist ja, dass den Bauern dieser Unterschied zwischen „Produkt“ und „Produkt“ offenbar gar nicht auffällt.

        0
        • Inga sagt

          Ja fingerphilosoph, da hast du Recht, mich stört das auch etwas,
          denn die landwirtschaftlichen Produkte vom Bauernhof, wie
          Zu-rüben, Raps, Mais, Getreide und andere Feldfrüchte
          sind nichts weiteres als Rohstoffe für die Lebensmittelindustrie,
          für Zucker, Öl, Energie, Mehl, Tierfutter und anderes daraus.

          Der Bauer kennt die Unterschiede schon, denn er ist ja Fachmann.

          Der bekommt seine Produkte sogar danach bezahlt, z.B. wenn eine Zuckerrübe einen großen %teil Zucker hat.
          Die Milch von einer Kuh wird nach Menge, Fett und Eiweiß bezahlt.
          Deie Schweine nach Muskelfleischanteil oder -qualität.
          Fett wird verschmäht, das bezahlt keiner.
          Schon oft hier diskutiert.
          Der Weizen nach Backqualität und die Gerste ach Brauqualität,
          wusstest du das nicht?

          Das kannst du nicht einfach auf die Bauern projektieren, oder?

          Die Nahrungmittelindustrie, wie Brauereien oder Molkereien machen dann die dazugehörigen Produkten daraus.
          Das sind dann auch irgendwie landwirtschaftliche Produkte, die aber verarbeitet sind, vergleichbar mit einem Handy oder Auto.

          Meine Oma die Bäuerin hat auch selbst
          (sie hat auch wie andere im Dorf das Brot selbst gebacken, deswegensthat injedem Dorf ein Backhaus,manche Höfe hatten sogar ein eigenes)
          Sauer- bzw. Dickmilch, Kochkäse usw. selbst gemacht.
          Irgendwann haben Bauern auch selber Brot gebacken, Butter und Käse gemacht;
          alles das,was eine Sennerin auf der Alm auch macht.
          Das war noch früher so, als der Handel noch nicht so ausgebaut war.
          Früher hatte jeder Bauer auch ein eigenes Model, das er brauchte, um es auf die Selbstgemachte Butter zu drücken, die der Knecht oder seine Frau dann auf dem Markt in der Stadt verkauft haben.

          Was ist nun ein landwirtschaftliches Produkt?
          Die Butter, die meine UrOma auf dem Markt in der Stadt verkauft hat
          oder die Milch aus dem Stall, die der Rohstoff für die Butter und den Käse ist, die früher von Molkereien und heutzutage von den Milchverarbeitende Industrie produziert werden.?

          Zwischen Bäcker und Bauer ist noch der Müller, wenn meine Oma früher das Brot selber gebacken hat, da hat sie unser Getreide, meist Roggen, erst in der Mühle mahlen lassen.
          Ich denke das Bäckerhandwerk hat vor ca. 110 Jahren angefangen!

          Ist Käse nun für dich en landwirtschaftliches Produkt oder ein Molkereiprodukt?
          Heutzutage ist die entrahmte und pasteurisierte Milch,also von der Molkerei oder der Milchverbreitenden Industrie ein Nahrungsmittel oder ein landwirtschaftliches Produkt oder ein Industrieprodukt mit Rohstoffen aus der Landwirtschaft?

          2+
          • fingerphilosoph sagt

            Ja, Inga, aus dem, was früher „Lebens“-mittel waren, die die meisten Familien für sich selber produziert haben, sind heutzutage durch die industrielle Landwirtschaft und die industrielle Verarbeitung „Nahrungs“-mittel geworden. Das ist nicht mehr dasselbe, mag Herr Krämer auch behaupten, dass die Produkte seit Jahrhunderten dieselben sind.

            0
            • Arnold Krämer sagt

              So wie das Auto von heute auch nicht mehr das Auto von vor 80 Jahren ist, ist natürlich das Schwein von heute auch nicht mehr das Schwein von vor 100 Jahren. Das ist klar. Aber Schwein ist Schwein, Kartoffel ist Kartoffel, Milch ist Milch. Da ist in der Landwirtschaft selbst nichts, was es nicht vorher auch schon gab. Das Handy gab es aber vor 30 Jahren noch nicht. Das Auto vor 150 Jahren auch noch nicht, den „Kunstdünger“ auch nicht, das sind Produktinnovationen.
              Produktinniovationen im Lebensmittelbereich, wie zum Beispiel Convinience-Produkte sind keine Innovationen der Landwirte.

              1+
            • Inga sagt

              „Lebensmittel“ sind Mittel zum leben, wenn du mal verhungert oder vergiftet, bist brauchst du keine mher.

              Nicht die industrielle Landwirtschaft verändert die, sondern die industrielle Verarbeitung verändert die natürlichen Rohstoffe, die aus der Landwirtschaft stammen anders, das dann als Lebens- oder Nahrungsmittel dienen sollen!

              Alle Technologie hat sich im letzten Jhd. stark verändert. Wie auch die Lebensmitteltechnologie.
              Und auch die Agrartechnologie!

              Was die Omas früher mit Reiben, Siebe und Tücher oder Nudelhölzer gemacht haben, das machen jetzt ganz rationell langen Maschinenstraßen.
              Deswegen schmeckt alles gleich!
              Dann kommen da noch feine chemische Pülverchen von Maggi oder Oetker und Hefen dran, damit die Brötchen schneller gehen und die Verkäuferin sie nebenbei backen kann, anstelle sie richtig über Nacht in der Backstube gehen (mikrobielle Veränderung) zulassen, damit sich die Inhalts- u. Vitalstoffe des Kornes, Mehles sich richtig verändern können, es gesünder ist und besser schmeckt.
              Der Bäcker oder die Backstaße kann dadurch auch einen oder mehrere Backmeister weniger einstellen und bezahlen, dafür bekommen wir das Aufbackbrötchen sehr billig. Ob man die auch schon knapp 1 jährigen Kleinkindern geben darf?
              Um das Backgetreide in Menge uns Qualität vom Acker zu holen muß der Bauer wissen, wie er mit dem Düngen von Mineraldünger umgeht, dazu kann kein Städter mit anderem Beruf etwas sagen, wenn er kein Großmaul ist. Denn das ist auch Agrartechnologie!

              Milch ist Milch wie vor 100 Jahren, und daraus kann man Dickmilch, Quark und Käse draus machen, wie vor 100 Jahren, dazu braucht man heutzutage große Klimakammern. Weil ja in der Masse produziert wird, da sich die modernen Hausfrauen zu fein dafür sind.
              Eben durch die mikrobiologische Eigenschaft der Milch.

              Dann kann man die Milch noch entrahmen für Butter und Sahne,
              und auch etwas dem Käse mit de3n verschiedenen Fettstufen wieder zuzusetzen.

              In der modernen Landwirtschaft werden dann die Kühe auf Leichtmelkigkeit und Milchmenge verbunden mit viel Fett- und Eiweißinhalt für Sahne Butter und Quark- u. Käseherstellung gezüchtet, dazu braucht man wiederum viele Labore um das untersuchen und Kontrollieren zu können.

              Und da gibt es Verschneiden Käserezepturen, die Verarbeitungstechnik macht es möglich, die schnell und billig herzustellen.
              Also hat die Milch mehr Fett wie vor hundert Jahren, deswegen brauchen die Kühe auch Kraftfutter dazu, sonst wäre es nicht möglich, diese Leistung zu bringen.
              So geht es den Hühnern für die Eier auch! Es gibt sie sogar in Tetrapacks.
              Den Schweinen für die Fleischproduktion geht es auch so.
              Den Schweinen ist nur Fettanteil herangezüchtet worden, wie den Kühen der Fettanteil in der Milch und dem Backgetreide das Klebereiweiß, das verantwortlich für besonderen lockeren Biskuit ist, angezüchtet worden ist.

              Die Produkte, die die Landwirtschaft aus der Natur holt sind im wesentlichen gleich geblieben, sonst ließen sie diese mikrobielle Veränderung in der Nahrungsmittelherstellung nicht zu.
              Alles wird von Veterinäramt kontrolliert!

              Deswegen ist in Deutschland anderes erlaubt, als beispielsweise in Frankreich!

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        • Arnold Krämer sagt

          Das Traurige ist die Tatsache, dass den Landwirten und ihren Beratern das Gemeinsame und das Trennende zwischen der Agrarproduktion und einer industriellen Produktion nicht hinreichend klar und bekannt ist. Wäre das der Fall, könnte man viel systematischer auch in der Fehler- und Problem- Behebung in der komplexen Agrarerzeugung arbeiten.

          Von dem Japaner Ishikawa, der in den 50er Jahren bei Toyota im Qualitätsmanagement tätig war, stammt die Erkenntnis, dass in der Produktion grundsätzlich immer fünf M’s beteiligt sind: Mensch, Maschine, Milieu, Material und Methode. Mit dem sogenannten Frischgräten-Diagramm kann man das Zusammenwirken dieser 5 M’s visualisieren und eine Methodik zur Fehlervermeidung im Qualitätsmanagement eines Unternehmens entwickeln. Dieses System ist grundsätzlich hervorragend auf die Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse zu übertragen. Hier müssen allerdings die fünf M’s zunächst richtig identifiziert und beschrieben werden, bevor man sich daran macht, ihren jeweiligen Einfluss – auch im komplexen Zusammenspiel miteinander – auf ein bestimmtes Problem, wie zum Beispiel das Schwanzbeißen bei Schweinen, Fruchtbarkeitsprobleme oder erhöhte Tierverluste zu analysieren und geeignete Maßnahmen zu Problemlösung zu ergreifen.

          Ich will dies hier an dieser Stelle kurz beispielhaft für die Schweineproduktion darstellen: die „Maschine“ (bewusst in Anführungsstriche gesetzt) ist in der Ferkelerzeugung die Sau, in der Mast das eingestallte Ferkel. Das Milieu ist der Stall mit all seinen Komponenten und Details, das Material alles das, was man in die Tiere „hineinsteckt“, Futter, Wasser, Samen (bei der Sau), Impfstoffe, Medikamente. Die Methode umfasst die verschiedenen Möglichkeiten, die Tiere in dem jeweiligen Haltungssystem umfassend zu versorgen. Der einzig verantwortlich Handelnde ist der Landwirt oder sein Mitarbeiter,der in diesem komplexen biologischen System oft auch überfordert ist, weil er vielleicht zu wenig weiß, oder auch zu wenig Zeit investiert, oder weil allgemeine Empfehlungen z. B. seitens der Beratung unter seinen ganz speziellen betrieblichen Bedingungen (Genetik, Futter, Stalleinrichtung usw.) nicht wirksam sind.
          Das zeigt sich zum Beispiel in der breiten Praxis bei dem Problem des Schwanzbeißens in der Schweinemast, das seit Jahrzehnten komplexreduzierend weitgehend mit dem Kopieren der Schwänze gelöst wird.

          1+
          • fingerphilosoph sagt

            Ich glaube eher, dass der Landwirt oder sein Mitarbeiter überfordert ist, weil sie die technische Denkweise des Herrn Ishikawa, die für eine Autofabrik gelten mag, 1:1 auf einen Stall mit Tieren übertragen und dann feststellen, dass das eben doch nicht so funktioniert. Die scheinbare Komplexität entsteht nach meiner Einschätzung vor allem dadurch, dass die technische Verfahrensweise nicht mit Lebendigkeit vereinbar ist, und deshalb ständig nachgebessert werden muss.

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            • Arnold Krämer sagt

              Die Komplexität der Agrtarerzeugung ist nicht scheinbar, weil Landwirte auch ständig wechselnde Verhältnisse berücksichtigen müssen. Die scheinbar so segensreiche Strohhaltung für Schweine versagt dann, wenn sie aufgrund eines sehr nassen Sommers (soll vorkommen) stark pilzbelastetes Stroh haben. Die Futterqualität schankt, weil die Nährstoffgehalte variieren und z. B. Mykotoxinbelastungen aus der Aufbereitung und Lagerung des Futters resultieren können. Durch die Genetik der Eber kann die Vitatlität der Ferkel zurückgehen(Verluste steigen). Wehenschwäche bei den Sauen verursacht größere Verluste beim Geburtsvorgang usw. usw.
              Das Problem ist, dass Menschen meist eindimensional denken, und mit einfachen Lösungen Probleme in den Griff bekommen wollen. Das funktioniert in Teilbereichen der Landwirtschaft auch ganz gut. Verwurmte Lebern kann man medikamentös vermeiden, Klauenprobleme bei den Kühen durch regelmäßige Klauenbehandlung auch. Unkraut durch Herbizide beseitigen. Und die Biolandwirte haben den Anspruch, den „Reparaturbetrieb“ ausschließlich durch Vorbeugung zu vermeiden. Aber das gelingt ihnen auch nicht immer, wie das in diesem Blog schon oft mehr als deutlich wurde.

              1+
            • fingerphilosoph sagt

              Ständig wechselnde Verhältnisse werden komplex, wenn man sie statisch betrachtet bzw. zu kontrollieren versucht. Technisches Denken ist der Versuch der Kontrolle. Wenn technisch-wissenschaftliches Denken sich dynamischen Prozessen zuwendet, fragmentiert es den Wandel, kann ihn aber nie exakt erfassen, weil es immer etwas untersucht, was bereits vergangen ist. Man glaubt, dieses Problem der zeitlichen Verzögerung mit immer mehr Daten und immer kleinteiligeren Fragmentierung lösen zu können. Das ist jedoch ein Irrtum.

              Je genauer der Prozess untersucht wird, desto größer die
              Fragmentierung. Das erzeugt die Komplexität. Sie ist deshalb scheinbar, weil sie durch die Art und Weise der Betrachtung und den Versuch der absoluten Kontrolle verursacht wird.

              Ein lebendig-dynamischer Prozess, kurz Werden oder Vergehen, wird komplex, wenn die Mitspieler in diesem Prozess – in der LW sind das auch Tiere und Pflanzen – ausschließlich als Objekte gesehen und in Rollen gezwungen werden, die von einem technischen Verständnis her erzwungen sind.

              LW gab es schon, lange bevor sich das wissenschaftlich-technische Denken durchgesetzt hat. Vor 300 Jahren wussten 75% der Bevölkerung soweit über LW Bescheid, dass sie sich selbst versorgen konnten. Die Produkte waren tatsächlich weitgehend dieselben wie heute. Das heißt, LW funktionierte auch damals, ohne die ihr nun unterstellte Komplexität. Nur fehlte die heute angestrebte Kontrolle über die Tier- und Pflanzenwelt.

              Nicht viel anders wie mit dem Kinderkriegen oder Altwerden. Im Grunde sehr einfach, wird nur komplex, wenn man diese Prozesse zu kontrollieren versucht.

              Wie man an der diesjährigen Dürre sieht, lässt sich der Wandel nicht wirklich kontrollieren. Der technisch-wissenschaftliche Ansatz verschafft also nur vorübergehend eine Scheinsicherheit. Kommt hinzu, dass der technische Fortschritt in summa immer mehr Fremdenergie benötigt, die ihrerseits mit immer mehr Aufwand bereitgestellt werden muss.

              Das Ergebnis des technischen Fortschritts ist durchaus kritisch zu sehen. Wenn man den Welthunger statistisch betrachtet, haben in der vorwissenschaftlichen Zeit ca. 10% der Bevölkerung gehungert und 10% frönten der Völlerei. Es gab regelmäßig Hungersnöte mit Toten. Aber – rein statistisch gesehen – konnte die Weltbevölkerung damals ernährt werden.

              Die Situation ist heute im technisch-wissenschaftlichen Zeitalter nicht so viel anders – abgesehen von der Bevölkerungsexplosion! Auch heute hungern etwa 10% der Weltbevölkerung. Der Völlerei geben sich deutlich mehr Menschen hin, 25% sind weltweit zu dick. Der technische Fortschritt nivelliert zumindest in unseren Breiten die Spitzen, in denen es zu Hungersnöten käme, allerdings auf Kosten der Bevölkerung anderswo. Denn die Nahrungsmittel, die wir dieses Jahr aufgrund der letztjährigen Dürre mehr importieren, fehlen natürlich anderswo.

              Der technische Fortschritt ist notwendig, um Probleme zu lösen, die es ohne den technischen Fortschritt gar nicht gäbe. So what?

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            • Mausschubser sagt

              Eben nicht. Ishikawa ist nur eine Methode, die helfen soll die Ursache zu finden und nicht den vermeintlichen und vordergründigen Fehler. Es gibt keinen Grund dem Fisch nicht noch ein paar Gräten mehr zu verpassen, wenn man der Überzeugung ist diese zu benötigen. Die meisten Landwirte haben heute eine fundierte Ausbildung. Warum sollen die damit überfordert sein? In der Fabrik machen diese Analysen auch nicht die Hilfskräfte.

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            • Mark sagt

              „Der technische Fortschritt ist notwendig, um Probleme zu lösen, die es ohne den technischen Fortschritt gar nicht gäbe.“
              Das ist natürlich Quatsch. Wenn es so wäre, gäbe es überhaupt keinen technischen Fortschritt, denk mal drüber nach…

              0
            • Und wenn man Probleme löst, ist man beschäftigt und mindestens BIP-mäßig produktiv. Ja, die meisten technischen Fortschritte, etwa im Konfortbereich, erhöhen nicht das Glück dauerhaft. Psychologisch gibt es einen „set point“, auf den sich das Lebensgefühl immer wieder einpendelt. Dann braucht man wieder „Fortschritt“. Ich war mal in der Sahara und habe tourimäßig „Tuaregs“ besucht. Also nur Ziegen melken, Sand aus der Kimme schütteln und sich am Lagerfeuer Geschichten von guten und bösen Mächten erzählen – SCHRECKLICH!!

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            • fingerphilosoph sagt

              @ Mark
              Wenn man mittels technischem Fortschritt die Probleme löst, die man ohne technischen Fortschritt nicht hätte, macht man die technischen Errungenschaften damit ja nicht rückgängig. Aktuelles Beispiel aus China: Zwecks Bekämpfung von aus Kohlekraftwerken produziertem Smog bauen die ja nicht die Kohlekraftwerke zurück, sondern folgerichtig Filteranlagen, lösen also ein durch Technik verursachtes Problem mittels Technik, mit dem Ergebenis, dass durch den fehlenden Smog in den Städten das Ozonproblem massiv an Bedeutung gewinnt. Es ist ja eine merkwürdige Anomalie, dass komischerweise über Großstädten die Ozonschicht ausdünnt, während sich Ozon in Bodengegend sammelt.
              Der durch Phosphate und andere Einleitungen verschmutzte Bodensee wurde mittels Kläranlagen so gründlich gereinigt, dass es heuer kaum noch Fische drin gibt und der See auch wieder fast tot ist.
              Dazu eine Hypersensibilisierung weiter Teile der Bevölkerung mittels social media, wo aus jedem Fliegenschiss ein Elefant, aus einem Wintereinbruch eine noch nie da gewesene Katastrophe und die an sich natürliche und übersichtliche Ordnung von Männlein und Weiblein in 53 verschiedene Arten von Geschlechtern aufgelöst wird.
              Denk lieber selber mal drüber nach.

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            • Mark sagt

              Momentmal: Ich habe nicht bestritten, dass man mittels technischem Fortschritt AUCH Folgeprobleme des technischen Fortschritts lösen will/kann.
              Deine Aussage war, technischer Fortschritt sei (nur deshalb) notwendig, um Probleme zu lösen, die es ohne t. F. gar nicht gibt. Und das ist immer noch falsch.

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            • Inga sagt

              Theorie und Praxis passen nicht immer zusammen,

              und wenn so viel Naturgesetze dazwischen funken erst recht nicht!

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    • Inga sagt

      Ja Fingerphilosph aber:
      „Man kann Geld mit Tierwohl verdienen, aber auch damit, dass beim Tierwohl gespart wird.“ am Tierwohl sparen ist wohl der falsche Weg.
      Du schreibst doch selber, wenn es den Tieren nicht gut geht, kein Geld verdienen kann, des wegen müssen die Sälle geheizt sein und ähnliches.

      Mit dem Tierwohl, wie du es meinst kann man Geld verdienen:
      „Man kann Geld mit Tierwohl verdienen, aber auch damit, dass beim Tierwohl gespart wird“.

      So haben es Hitler und andere auch gemacht.
      Früher machte es die Politik, heutzutage die Industrie!
      Da sollten wir uns alle mal Gedanken drüber machen.
      Anstatt Bauerneid zu schüren!

      0
  3. Liebe Frau Lechner,

    wir brauchen einen respektvollen Umgang miteinander, das steht außer Frage.

    Mir scheint es, dass viele Landwirte „soziale Schmerzen“ auch dann beklagen, wenn sie gar nicht als Person ausgegrenzt werden, sondern wenn sachbezogen landwirtschaftliche Methoden oder ein bestimmtes Nachfragemuster, dem die Landwirte nur nachkommen (z.B. hoher Fleischkonsum), kritisiert werden. Das ist verständlich.

    Nur: Gerade weil wir – um die Worte des DLG-Präsidenten aufzugreifen – „gesamtgesellschaftliche Verantwortung für die Produkte, die wir gesamtgesellschaftlich verzehren,“ übernehmen müssen, müssen wir auch die Bedenken gegen bestimmte Methoden und Nachfragemuster gesamtgesellschaftlich diskutieren und politisch angehen. Das ist für Landwirte, die sich mit ihrer konkreten Arbeit identifizieren, verständlicherweise unangenehm, selbst wenn man ihrer Lage Verständnis entgegenbringt. Oder einfach nur sachlich bleibt.

    Auch wenn Landwirte meinen, die Tierhaltung sei gut wie sie ist, es müsse nichts diskutiert und verändert sondern nur ihre Arbeit mehr wertgeschätzt werden: was nicht mehr rückgängig zu machen ist, ist, dass ein kleiner aber vernehmbarer und sicherlich wachsender Teil der Gesellschaft der Überzeugung ist:

    Es ist ethisch unhaltbar, empfindsame, erlebnisfähige, intelligente Wesen mit Selbstbewusstheit und Präferenzen für die Zukunft, Nestbau- und Fürsorgeinstinkt, fähig zu Schmerz und Wohlgefühl, solche Wesen also ins Leben zu holen, um sie sogleich auf engstem Raum einzusperren und ihnen das Erleben von Lustgefühlen zu verwehren; Lustgefühle wie: mit ausgestreckten Gliedern Sonnenstrahlen auf der Haut genießen, nach einer langen körperlichen anstrengenden Erkundungswanderung durch die Landschaft. Sind Schweine nicht dazu in der Lage? Wir wissen es nicht, aber alles sieht danach aus, im Zweifel muss ich aus ethischen Gründen davon ausgehen.

    Auch wenn diese ethische Überzeugung mit explizitem Verweis auf die gesamtgesellschaftliche Verantwortung (und nicht persönliche Verantwortung der Landwirte) für die Behandlung der Nutztiere zur Sprache gebracht wird und man sich den ganzen Schaum vor dem Mund einiger in sozialen Netzwerken wegdenkt: es wird genug Landwirte geben, die trotzdem sozialen Schmerz empfinden. Weil sie etwas tun, was – ich sage es so deutlich – einige Menschen, darunter viele gescheite, integre Menschen, die auch den Tierhaltern anständig und freundlich gegenübertreten, als schwerwiegenden Missbrauch hochentwickelter Tieren ansehen. Einen Missbrauch, den man hierzulande zwanglos vermeiden kann, ohne dass dafür Ressourcen für Menschen abgezogen werden müssen (wie das beispielsweise bei der Sorge für individuelle Tiere in Tierheimen der Fall ist, deren Mittel man auch in den Kinderschutz oder in die Altenpflege stecken könnte).

    Das bekommen Sie nicht mehr weg, selbst wenn Medien künftig weniger NGO-Aussagen durchreichen und konservativer werden. Es ist ein unauflöslicher Konflikt, dem man in den meisten Berufen in der Tat nicht ausgesetzt ist. Das wird einige Tierhalter zerreißen, und das sind vielleicht gerade diejenigen, die die Tiere am ehesten in ihrem manipulierten, verfahrensbedingt armen Leben brauchen.

    Das bedauere ich. Für Intensivhaltung kann ich deswegen nicht sein, meine Überzeugung nicht verschweigen und diese greifbar zu beschreiben nicht unterlassen. Ich ernähre mich weitgehend vegan und möchte dafür auch nicht angefeindet und für unflätige Veganer in Sippenhaft genommen werden.

    Für einen respektvollen Streit

    Ein Mitbürger

    4+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Frau Lechner hat dargelegt, wie es laufen könnte, wenn man von beiden Seiten auf gleicher Höhe spricht, davon sind wir weit entfernt, Sie hat auch gesagt, dass kein Bauer mit 500.000 bis 2 Millionen in Vorleistung gehen kann, um nachher als Lieferant ausgetauscht zu werden.
      Man hört ja immer wieder, wie die Tiere in der sogenannten Massentierhaltung „gequält“ wird, obwohl jedem Deppen es eigentlich klar sein müsste, dass mit gequälten Tieren kein Geld zu verdienen ist.
      Ich sehe eher ein Problem bei mittleren Betrieben, deren Erlöse nicht mehr für den Lebensunterhalt reichen, wo ein Partner – meistens der Bauer – außerhalb Geld verdienen muss, weil der Kapitaldienst es erfordert. Dieser Mann muss nach seinen 8 Stunden an seinem Arbeitsplatz noch zusätzlich die Arbeit in der Landwirtschaft bewerkstelligen, wie er das auf die Reihe bringt interessiert niemand.
      Frau Lechner hat auch eindeutig gesagt, dass Schweinehaltung im Freiland andere Rassen bedürfen, die auch mehr Fett haben.Paulus hat ja in seinem Beitrag dargelegt, wie die Damen mit dem Fett umgehen.
      Bauer Willi hat darauf hingewiesen, dass der Schwarzwälder Schinken nur im Schwarzwald geräuchert werden muss, der Parma Schinken kann auch von Norddeutschland stammen, wichtig ist, er wurde in Italien getrocknet.

      6 Kilometer von meinem Wohnort ist eine Schinkenräucherei, die Schinken kommen mit einem Sattelzug, mit 2.500 Stück, die werden automatisch auf die Fettstärke gemessen, alle Schinken die mehr als 1 cm Fettrand unter der Schwarte haben, werden zurückgewiesen, oder zum Preis als Tierfutter angenommen. Was mit den zurückgewiesenen Schinken passiert, brauche ich jetzt nicht erwähnen, Tierfutter gibt es nicht.

      Und jetzt komme ich zu den Veganern. Meine Erfahrung in verschiedenen Foren ist, dass die sich als besonders Aggressiv gegenüber Mischköstler verhalten, mir wurde schon mal angedroht, die Tiere in mein Stall freizulassen.

      Mir ist es schlicht und einfach egal, wenn jemand Vegan lebt, die sollen auch mich in Ruhe lassen, weil ich Fleisch mag.

      Ps: In der Nähe befindet sie ein Veganer Onlinehandel, der musste Insolvenz anmelden, doch vorher schloss eine Vegane Gaststätte nach zweimaliger Insolvenz.
      Ich Frage mich nur, wie ist so was möglich, wo alle nach veganer Nahrung schreien?

      6+
    • Inga sagt

      Wie viel Bauernschelte betreibst du?
      Warum setzt du voraus, dass da die Bauern Schuld sind?

      „Nur: Gerade weil wir – um die Worte des DLG-Präsidenten aufzugreifen – „gesamtgesellschaftliche Verantwortung für die Produkte, die wir gesamtgesellschaftlich verzehren,“ übernehmen müssen,“

      Die Verantwortung für die Umwelt und Gemarkung nicht zu vergessen.

      „müssen wir auch die Bedenken gegen bestimmte Methoden und Nachfragemuster gesamtgesellschaftlich diskutieren und politisch angehen. Das ist für Landwirte, die sich mit ihrer konkreten Arbeit identifizieren, verständlicherweise unangenehm, selbst wenn man ihrer Lage Verständnis entgegenbringt. Oder einfach nur sachlich bleibt“.

      Die kannst doch als berufsfremder und friedlicher Mitdiskutant nicht so machen als ob du mehr Fachwissen hast, als ein einfacher Bauer von heute, ein ausgebildeter Landwirt, der seinen Beruf schon eine Leben lang und eine längere Ausbildung braucht, als jeder andere Beruf!

      Das würde ich schon gerne mal wissen, wie der DLG Präsident das genau gemeint hat.

      Oder traust du dich auch bei bei den Autobauern mitzureden, denn wir alle benutzen ja ein Auto.

      Natürlich werden die Städter schmutzig, wenn sie während der Ernte auf den Öffentlichen Feldwegen mit dem Fahrrad umherzufahren, das müssen sie verstehen, das liegt in der Natur der Sache, darüber muß man mit denen diskutieren.

      Auch die öffentliche Medien berichtet, wenn Getreidelaster, LKWs in der Saison , die auch mal Sonntags auf den Straßen sind. Darüber kann man auch diskutieren.

      Ich kann dir auch unseren Stall zeigen und etwas dazu mit dir über Zucht und Mast diskutieren

      Wegen dem Diskutieren, das zum friedlichen Miteinander dient, wie es bestimmt der DLG Präsident vielleicht meint und es Bauer Willi hier macht.

      0
    • Inga sagt

      Da hast du vollkommen Recht AdT:
      „Das bedauere ich. Für Intensivhaltung kann ich deswegen nicht sein, meine Überzeugung nicht verschweigen und diese greifbar zu beschreiben nicht unterlassen. Ich ernähre mich weitgehend vegan und möchte dafür auch nicht angefeindet und für unflätige Veganer in Sippenhaft genommen werden.
      Für einen respektvollen Streit“

      Ich habe Recht wenig Ahnung von der veganen Ernährung und würde niemals darüber urteilen, weil ich sie zu wenig kenne!

      So viel Respekt müssen wir vor den Dingen, Phänomenen, Berufen und voreinander haben!

      Trotzdem brauchst du nicht für Intensivhaltung zu sein,
      sie ist nur notwendig um alle Menschen hier zu Ernährung, nicht jeder kann sich eine Kuh und ein Schwein in seine Garage stellen, so viel Platz gibt es nicht auf der Welt!
      Deswegen bestimmt die Intensivhaltung.
      Lässt sich drüber diskutieren auch ohne irgendwelche Anfeindungen!

      Wer viel Geld hat und die nicht möchte, der kann ja Alternativhaltung bezahlen!
      Wer weiß wie viel Bauern die nicht haben möchten aber müssen, um ohre Familie und Betrieb über Wasser zu halten!
      Und das in unserer Demokratie und zwar schon lange,
      da ist nicht Merkel dran Schuld!
      Das war schon viel länger!

      0
    • Ferkelhebamme sagt

      „wir brauchen einen respektvollen Umgang miteinander, das steht außer Frage.“ Nicht nur uns gegenüber. Nutztiere brauchen kein Mitleid, sondern Respekt und Wertschätzung.

      „Auch wenn Landwirte meinen, die Tierhaltung sei gut wie sie ist, es müsse nichts diskutiert und verändert sondern nur ihre Arbeit mehr wertgeschätzt werden:“ Meinen sie das? Ein paar Mehlmützen vielleicht, doch die, die ich kenne meinen eher: besser geht immer, Stillstand ist Rückgang. Aber man muss sehr genau schauen, was der Markt nachfragt. Die Einmischung der Politik mit der Brechstange zerstört mehr, als dass es was bringt. Das Land Berlin klagt übrigens gerade gegen Schweinestall-Neubauten, mein Traumstall wird gerade immer mehr zum Wolkenkuckucksheim. Müssen die Wutze doch mit den alten dunklen Pachtställen weiter vorlieb nehmen. Die gefallen mir auch nicht. (Und nach dem letzten sehr schwierigen Jahr sind Investitionen zur Zeit auch garnicht möglich.)
      „Es ist ethisch unhaltbar, empfindsame, erlebnisfähige, intelligente Wesen mit Selbstbewusstheit und Präferenzen für die Zukunft, Nestbau- und Fürsorgeinstinkt, fähig zu Schmerz und Wohlgefühl, solche Wesen also ins Leben zu holen, um sie sogleich auf engstem Raum einzusperren und ihnen das Erleben von Lustgefühlen zu verwehren; Lustgefühle wie: mit ausgestreckten Gliedern Sonnenstrahlen auf der Haut genießen, nach einer langen körperlichen anstrengenden Erkundungswanderung durch die Landschaft.“ Huch, da musste ich gerade an meine Kinder denken, die ich in die Welt gesetzt habe und die jetzt stundenlang auf harten Stühlen in der Schule eingebuchtet sind, statt im Wald herumzustromern. Nichts für ungut… Und nur so nebenbei: Schweine neigen eher nicht zu langen Erkundungswanderungen und suchen lieber den Schatten auf-und sehen können Sie auch nicht besonders gut. Kleines Schweineglück? Rückenkraulen

      Dies soll kein Angriff sein, ich respektiere Ihre Meinung sehr, vor allem, da Sie Ihrer Überzeugung auch nach leben.
      Was garnicht geht, sind die Radikalisierten, für die Tierhalter grundsätzlich Freiwild sind. Wegen solchen poste ich zum Schutz meiner Familie hier auch nicht unter Klarnamen und unserer Internetadresse, obwohl ich gern zeige, was wir eigentlich so alles machen. Schon traurig

      2+
      • Obstbäuerin sagt

        Hallo Ferkelhebamme, ich hab von Tierzucht wirklich Null-Ahnung aber wenn die Anforderungen immer höher, die Auflagen immer unerfüllbarer und die Arbeit wieder schwerer – dafür aber das, was übrig bleibt immer weniger wird, wer von unseren jungen Leuten wird das dann noch machen wollen? Wenn ich das richtig gelesen habe im Agraratlas sind 6 % der Landwirte unter 35 und mehr als 50 % über 55 und davon schon mehr als 35 % im Rentenalter. Kleinbäuerlicher Landwirtschaft zu fordern ist das eine – sie selber zu betreiben was ganz anderes.

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        • Ferkelhebamme sagt

          Die Zahlen sprechen für sich: im letzten Jahr haben 6% der Sauenhalter den Betrieb eingestellt, die Zahl der Zuchtsauen ist um 3,8 % gesunken (die Betriebe, die bleiben werden größer, vor allem im Osten). In den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der Höfe mit Sauenhaltung von 25.700 auf nur noch etwa 7.800 verringert! (Statistisches Bundesamt) Wir werden unsere Kinder auch nicht dazu drängen, den Betrieb zu übernehmen. Das hat glücklicherweise auch noch ein paar Jahre Zeit. Die derzeitigen Sorgen und Nöte möchte ich ihnen nicht zumuten. Sollen sie sich doch einen schönen Nine-to-Five-Job mit Wochenenden, Urlaub und sicherem Einkommen suchen.

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      • Tja, so Schulbus-/Holzklasse-Vergleiche haben, glaube ich, noch niemanden so richtig überzeugt. Ob Schweine glauben, sie landen bald in der Sonne auf Malle?

        Ich habe gelernt, dass Wildschweine, vor allem Keiler, viele Kilometer pro Nacht zurücklegen. Im Gehege, das sie überblicken, würden sie das wohl nicht machen.

        Ja, die Politik ist widersprüchlich und konzeptlos. Die Schutzgüter des Bau- und Immissionsrechts stehen im Konflikt mit den weichen Tierwohlforderungen. Die sind eben noch nicht ins Baurecht eingeflossen. Es ist wohl auch die Bauernlobby, die das verhindert, während einzelne Bauern da schon weiter sind.

        Das Land Berlin klagt seit Donnerstag gegen die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, analog der Legehennenhaltungsverordnung, weil sie das Erfordernis des Tierschutzgesetzes nach „verhaltensgerechter Unterbringung“ in Paragraph 2 nicht umsetzt. Ich gehe davon aus, dass das Bundesverfassungsgericht die Nutztierhaltungsverordnung für rechtswidrig erklärt. Das wird in 2 bis 4 Jahren eine riesen breite Debatte geben. Dafür sorgen schon die Grünen. Und jeder Fleischesser mit Katze wird sich berufen fühlen, als Anwalt der Schweine mitzureden und sich zu empören. Da können sich die Schweinehalter auf etwas gefasst machen. Es wird natürlich im Vorfeld Spekulationen geben, und der LEH wird schon die Entwicklung in Richtung der erwartbaren Anforderungen, die der Gesetz- und Verordnungsgeber dann umsetzen muss, etwa nach dem Wiss. Beirats- Gutachten von 2015, vorantreiben. Wegen der Unsicherheit darüber, wie das Urteil genau aussehen wird, ist das aber lange eine sehr unbefriedigende Situation für die Schweinehalter.

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        • Bauer Willi sagt

          @AdT
          vermutlich wird es so kommen, wie Du es beschreibst. Und wie bei so vielen neuen Gesetzen und Verordnungen macht sich im Vorfeld kaum jemand Gedanken um die Konsequenzen. Was ist nach der Legehennenhaltungsverordnung passiert? Die alten Ställe sind hier abgerissen und dort wieder aufgebaut worden, wo diese nicht gilt. Den Tieren ist damit nicht geholfen, die Bauern haben ihren Laden dicht gemacht, wir sind Importland für Eier geworden.

          Es wird aber einige Betriebe geben, die den Weg der neuen Tierhaltungsverordnung mitgehen. Sie werden sich den veränderten Rahmenbedingungen anpassen und neue, dann aber richtig große Ställe bauen. Das geht nur mit Krediten. Dahinter steht die Hoffnung, dass die Ställe abbezahlt sind, bevor neue Gesetze erlassen werden.

          Es ist so einfach, sich zu empören und gleichzeitig noch den Erhalt der „bäuerlichen Familienbetriebe“ zu fordern. Doch mit immer neuen Forderungen wird das Gegenteil dessen erreicht, was man eigentlich vorgibt zu wollen: Immer weniger Betriebe mit immer größeren Einheiten. Die Schweinehalter haben ja schon beim Thema Ferkelkastration gezeigt, dass sie die endgültigen Gesetze nicht abwarten und haben reagiert. Sie haben den fünften Weg gewählt und der heißt: Aufhören.

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          • Bei den Eiern hat es aber etwas gebracht. Im LEH werden fast nur noch Eier aus Boden- und Freilandhaltung verkauft. Flüssigei soll vermehrt aus Käfighaltung im Ausland kommen, aber für das Huhn macht das keinem Unterschied, in welchem Land der Käfig steht. Dass die Käfighaltung im Ausland schlechter sei, als sie in Deutschland war, wird behauptet. Ich glaube das nicht. Weniger Platz ging ja gar nicht. Bodenhaltung ist auch alles andere als schön, besonders mehrstöckige sieht nicht viel besser aus. Die Tiere können aber ihre Glieder spreizen und gleichzeitig stehen und sitzen. Die ganz fundamentalen körperlichen Bedürfnisse werden also nicht mehr so krass verletzt. Für die betroffenen Tiere ist das schon ein erheblicher Unterschied.

            Bei der Schweinehaltung, denke ich, wird Deutschland auf Änderungen in der EU und/oder auf ein trilaterales Abkommen mit den Konkurrenzländern Dänemark und Niederlande über höhere Mindeststandards hinwirken (müssen). Alle drei Länder sind bereit für Veränderungen. Den Bürgern könnte man das als Erfolg gut vermitteln, trotz steigender Preise. Die Zahlungsbereitschaft ist dann auch da.

            Außerdem gehe ich davon aus, dass der Fleischkonsum ohnehin stärker zurückgegangen sein wird als bislang. Das Alternativangebot, welches erst mal über Gastro eingeführt und bekannt gemacht wird, verbessert sich sprunghaft. Nestlé tritt da auch bald auf den Markt. 😉🤫 Ich weiß, einige denken jetzt an diese grässlichen Sojawürste und Glutenpampe, nein, das meine ich nicht. Als Nachfragemultiplikatoren kommen zudem immer mehr Studenten, die gute vegane Angebote aus der Mensa kennen, ins Arbeitsleben und fragen bei Mittagstischen und in Kantinen vermehrt solche Angebote nach. Von einer bloßen vorübergehenden Mode kann nicht die Rede sein. Aufhören und den Job wechseln tun übrigens auch viele andere, einschließlich meiner. Volkswirtschaftlich ist da Flexibilität erwünscht, auch für den Betroffenen ist es kein Beinbruch, jedenfalls kein unheilbarer.

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            • „Alle drei Länder sind bereit für Veränderungen.“ Wobei gerade die Niederlande weiter sind. Warum sollten sie nach der Vorleistung ihre gute Position bei guter Wettbewerbsfähigkeit nivellieren, um der deutschen Schweinehaltung aufzuhelfen? Und Dänemark…

              Ja, vielleicht wird auch in Deutschland gefordert, die großen uneingelösten Postulate des Tierschutzgesetzes („verhaltensgerechte Unterbringung ohne Schmerzen und Schäden“) zurückzunehmen und den Wortlaut des Tierschutzgesetzes den Realitäten anzupassen (Agrarinteressenvertreter haben ja anfangs argumentiert, das Tierschutzgesetz sei auf Nutztierhaltung gar nicht anwendbar, weil die Fleischproduktion ein höheres Gut sei; der Wortlaut war aber eindeutig, also hat man ihn einfach ignoriert).

              Eine Einschränkung des Tierschutzgesetzes wird aber eine noch größere Debatte auslösen. Und dazu hat wirklich jeder eine Meinung. Ich sehe schon jedes Kind mit einer Bekenntnis-Pappschweinenase von Peta, deren Gemeinnützigkeit nicht entzogen werden kann, herumlaufen. 😉

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            • Obstbäuerin sagt

              AdT, der Jobwechsel geht in diesem Fall aber immer nur in eine Richtung so einfach – raus aus der Landwirtschaft. In umgekehrter Richtung musst Du für Deinen Arbeitsplatz mindestens 200.000 € als Einstieg investieren. Ob Vegan eine Modeerscheinung ist, wird sich in den nächsten Jahren zeigen, bei momentan 1% muss man nicht so viel Wind machen. Wer das will, kann das machen und gut ist.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              „Außerdem gehe ich davon aus, dass der Fleischkonsum ohnehin stärker zurückgegangen sein wird als bislang.“

              Ihren Schlussfolgerungen kann ich nicht folgen.

              Es wäre interessant, wie viele, die vegetarisch essen, tatsächlich nur vegetarisch Essen. Die Zuname wird meines Erachtens auch damit begründet, weil immer mehr Fertigfraß gegessen wird, wo vegetarisch darauf steht. Bei uns gibt es auch 1 bis 2 Mal in der Woche vegetarisch, das war vor 60 Jahren genau so, ohne dass sich jemand genötigt sah , sich auf die Brust zu klopfen:
              Ich bin der perfekte Umwelt und Tierschützer.

              So wie derzeit die Bauern in der Tierhaltung niedergemacht werden, braucht man sich auch nicht wundern, dass manche auf Fleisch verzichten.

              Längstens wenn die Schweinemast aus Deutschland vertrieben wurde und die Schweine in weiter Ferne gemästet werden, längstens dann ist die Schweinemast für die deutschen Medien kein Thema mehr und das 14 jährige Mädchen trauert nicht mehr um das arme Schweinchen, das angeblich von den Bauern gequält wurden.

              Übrigens:
              Würde der deutsche Verbraucher ALLE Teile des Schweines essen, die auch essbar sind, würden nahezu die Hälfte der Schweine reichen, diese Tatsache sollte man den Verbraucher auch mal nahelegen.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              „„Alle drei Länder sind bereit für Veränderungen.“ Wobei gerade die Niederlande weiter sind. Warum sollten sie nach der Vorleistung ihre gute Position bei guter Wettbewerbsfähigkeit nivellieren, um der deutschen Schweinehaltung aufzuhelfen? Und Dänemark…“

              Könnten sie mich als Verbraucher an ihren Kenntnissen teilhaben lassen?

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          • Paulus sagt

            Hallo Ehemaliger,
            um alle essbaren Teile eines Schweines zu nutzen sollte man allerdings hartgesotten sein. Ich bin nicht gerade zimperlich, aber als mir meine angehende französische Schwiegermutter, die mich sofort in ihr Herz geschlossen hatte, etwas Besonders bieten wollte gab es Gehirn. Meine Frau ahnte schon, dass das nicht so toll für mich war und stibitzte mir dann was vom Teller; was ihre Mama nicht nur zur Ermahnung sondern auch dazu veranlasste, bei mir noch einmal nachzulegen. Ich hab mir dann vorgestellt, dass Bullenklöten noch viel schlimmer wären …
            Und wenn Du, zumindest zu meiner Zeit, in der Mensa des Öfteren Kartoffelpüree mit Leber gegessen hättest, wärest Du für den Rest deines Lebens davon bedient.
            Ich bin aufgrund meiner Erfahrungen davon überzeugt, dass die vegetarische oder bedingt auch vegane Ernährungsweise zunehmend Freunde findet und denke, die kaufen eben nicht den Fertigfraß sondern kochen weitgehend selbst. Dies erlebe ich z.B. bei unserer Tochter, die sich so mehr oder weniger auf dem Veganer Trip befindet.
            Wenn ich in der Zentrale meiner Company in Paris bin, habe ich das Privileg in der Gästebewirtschaftung mit eigener Küche statt in der Kantine zu essen. Die Karte ist sehr überschaubar und i.d.R. gibt es Empfehlungen der ersten Köchin die sehr gut auf die Gäste eingeht. Ich schätze mal so ca. 70-80% der Gerichte dort sind vegetarisch oder vegan – immer erstklassig.
            Nene, diese ganze Zeugs was keinen Anklang findet kann die Fleischindustrie meinetwegen in der Nordsee verklappen, nach Afrika verschicken oder zu Katzenfutter verarbeiten. Wenn man mich jetzt als dekadent bezeichnet bin ich damit einverstanden.

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            • Inga sagt

              oder Fratzenwurst daraus machen,
              das dunkle in der Brühwurst mit Gesicht ist das was keiner essen will.

              Schön Maggi dran und fertig!
              Ob da nun Hirn, Innerreien oder Seperatorenfleisch drin ist merkt doch keiener, schön fein gekuttert und Maggi dran!

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Mein lieber Paulus,
              jeder hat so seine Essensgewohnheiten und ich bin es gewohnt von Kindesbeinen an, alles vom Schwein zu essen.

              Gebratene Leber haut mich auch nicht vom Stuhl, aber als Leberspätzle mit jeder Menge selbstgemachter Bratensoße. und Kartoffelsalat.

              Saure Schweinenieren, mit Bratkartoffeln, ein Gedicht.

              Saumagen, nein nicht der Pfälzer, sondern fein geschnitten, angemacht mit einer guten Vinaigrette.

              Schweinsfüße, eingesalzen, dann gekocht verabreicht mit gekochten, vorher getrockneten süßen Apfelschnitz, Pellkartoffeln und Feldsalat.

              Und dann kommen wir noch zum Hirn,
              die Haut wird abgezogen, dann in Butter gedünstet, mit echtem französischem Baguette, ein Gedicht für Feinschmecker.

              Zunge, oder das Schweinebäckchen, das ist besonders zart, wird von den meisten als ekelig empfunden. Aber die Currywurst,die in den Dünndarm des Schweines gefüllt wird, wird als lecker empfunden.

              In einigen Tagen mache ich einen Kochkurs mit,
              Thema: Innereien.

              Eines kann ich jetzt schon sagen, Natozement wird nicht zubereitet.

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        • Ferkelhebamme sagt

          @AdT:
          Einzelne Keiler legen mitunter viele Kilometer zurück, dass ist richtig. Die Rotte in ihrem Revier aber nur etwa 4 km am Tag, das ist nicht viel. Das schaffen unsere Sauen in der Grossgruppe auch. Da sind wir wieder bei den neueren Ställen mit Großgruppen, auch in der Mast: die Ställe sind in verschiedene Bereiche unterteilt:
          Schlafplätze, nach drei Seiten geschlossen, aber so, dass die Schweine ihre Umgebung im Blick haben
          Fressbereich, im Zugang mit Durchlaufwaage ausgestattet, der Ausgang an anderer Stelle, dass die Schweine einen Umweg machen müssen
          Aktivitätsbereich mit diversem Brschäftigungsmaterial
          „Toilette“
          Dabei müssen die Buchten noch so gestaltet sein, dass sich Untergruppen bilden können und rangniedere Tiere Fluchtmöglichkeiten haben.
          Trotzdem müssen auch noch kleine Extrabuchten vorgehalten werden, um ggf. rangniedere oder verletzte Tiere aussortieren zu können. Die kann man nach Genesung dann auch nicht einfach wieder in die Gruppe zurückführen, sie würden von den anderen „kaputt gemacht“.
          Diese Ställe stellen sehr hohe Ansprüche an die Betreuer, was die Tierbeobachtung und das Magement betrifft. Das ist bei kleineren Buchten einfacher, da wären wir beim Thema Fachpersonal. Fachleute arbeiten nicht zum Mindestlohn.
          Nur eins ist klar: Der Wunsch nach Schweinen auf der grünen Wiese und im güldenen Stroh ist utopisch.
          Wie gesagt, wenn die Berliner Klage durchkommt, was ich befürchte, müssen wir sehen, wie wir das Beste aus dem Ist-Bestand machen. Und da Verpächter meist nicht sonderlich investitionswillig sind, bleiben wir auf dem Stand der letzten dreißig Jahre. Toll.

          Den Vergleich mit einem Schulbus finde ich garnicht so weit hergeholt, zeigt es doch die Prioritäten in Deutschland und dass Tiere eine größere Lobby haben als Kinder. Die Schulbusse hier sind total überfüllt, die Kinder purzeln geradezu aus den Türen, wenn sie sich öffnen. Im Tiertransport ist haarklein vorgeschrieben, wieviele Tiere geladen werden dürfen, und wieviele durch Abtrennungen getrennt sein müssen, damit sie bei plötzlichen Fahrmanövern nicht übereinander fallen. Selbst die 500 m zum Ferkelaufzuchstall wagen wir es nicht, uns nicht daran zu halten. Die Polizei hier ist sehr gut geschult. Auch die Speditionen, die die Mastschweine abholen, nehmen nicht eins mehr mit als erlaubt.
          Weitere nette Vergleiche: unsere hiesige Gesamtschule hat nach langen Jahren Kampf endlich WLAN. Unsere Ställe sind schon lange vernetzt… Die Mensa ist zu klein, nicht genügend Platz für alle Schüler. Die Bezirksregierung hat aber vorgerechnet, dass der Platz reicht. Pro Schüler wird da weit weniger angesetzt als bei einem Schwein. Ok, sie halten sich auch nicht den ganzen Tag dort auf, trotzdem irgendwie schon bezeichnend. Zumal sich für die Kinder, immerhin unsere Zukunft, kaum einer engagiert einsetzt, außer betroffene Eltern. Hach, das führt jetzt zu weit, ich muss auch noch was tun 😉 Bis später

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          • Paulus sagt

            Liebe Ferkelhebamme,
            moderne Wildschweine bewegen sich überhaupt nicht mehr. Die halten sich dank unserer fortschrittlichen LW schon seit etlichen Jahren ganztägig im Mais auf und wechseln noch nicht einmal in den Wald. Wenn ihnen nach tierischem Eiweiß ist, pflügen sie gerade mal das Grünland um. Zur Freude der Bauern sind Jagdpächter ersatzpflichtig.
            Erzähl mir bitte nichts vom Schwarzwild, dies ist ausgesprochen Standorttreu.

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            • Ferkelhebamme sagt

              Das meine ich im Prinzip ja, was sind schon 4 km? (Ok, für Büroleute klingt das vllt. viel 😉) Die haben die Schweine schnell auf dem Tacho, wenn sie sich morgens und abends vom Schlafplatz zum Fressen, zum Lösen, zum Suhlen, zum Schlafplatz bewegen. Quasi gemütliches Circletraining

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            • Brötchen sagt

              Bei uns schon, wenn Jagd ist, verkrümeln die sich in die Stadt und umgekehrt.
              Die wissen genau, wo es ungefährlich ist.

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          • Wo bitte haben denn Tiere eine Lobby in Deutschland? Die Mängel im Schulwesen und bei der Lehrerbezahlung sind natürlich ein Problem. Aber das macht ja die Tierhaltung nicht besser. Sie möchten wohl ablenken.

            Ich bin ja dafür, dass man alle Mittel möglichst Menschen zukommen lässt. Es ist ein Widerspruch und etwas gesellschaftsdebil, dass wir uns teure Tierheimunterhaltung und Zeitaufwendung für wenige Tiere zu Lasten hilfebedürftiger Menschen leisten und miese Haltungszustände für Millionen Masttiere hinnehmen. Und diese Massen an Tiere sind ein Problem auch für Menschen. Stichworte: Nitrat und Resistenzbildung. Auch hier: allzu laxe Antibiotikaverschreibung in der Humanmedizin ändert nichts an dem Gesundheitsproblem aus dem Stall; trotz dortiger Senkung der Antibiotikamengen, die für sich natütlich zu begrüßen sind.

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            • Ferkelhebamme sagt

              Nein, ich möchte nicht ablenken, eigentlich nur erläutern. Sorry, wenn ich abschweife, aber ich wundere mich halt immer mehr, dass das Tier bei vielen Menschen einen höheren Stellenwert hat als der Mensch.

              Antibiotikaresistenzen sind sehrwohl ein Thema, bei der man Veterinär- und Humanmedizin zusammen betrachten sollte. Nicht um abzulenken oder sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben, sondern eine Lösung zu finden. Und da ist die Tierhaltung tatsächlich schon einen Schritt weiter als die Humanmedizin, oder?

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            • Tiere sind eben süß und enttäuschen einen nicht. Ich sage mir immer, besser sich für Tiere engagieren als sich jedes Wochenende beim Fußball vollaufen lassen. Die meisten Ehrenämter sind aber gar nicht im Tierschutz:

              WELT: „Die meisten freiwilligen Tätigkeiten werden im Sport erbracht. Jeder Sechste wirkt in einem Verein, zum Beispiel als Trainer, Platzwart oder Betreuer. Fast jeder Zehnte engagiert sich in der Schule oder im Kindergarten, ebensoviele in der Kultur. 8,5 Prozent der Bürger wirken in sozialen Bereichen und 7,6 Prozent in der Kirche. Viele sind aber auch im Umwelt- und Tierschutz, bei Rettungsdiensten oder der Freiwilligen Feuerwehr aktiv.“

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  4. Bauer Fritz sagt

    Man muß wohl soviel wie Sie gesehen und erlebt haben, um so berührend feinfühlig und respektvoll über Menschen schreiben zu können.
    Danke.

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  5. Friedrich sagt

    Gut geschrieben. Ich bin viele Jahre als Berater auf die Höfe gefahren und habe auf allen Höfen die Sorge und persönlichen Einsatz für die Tiere erleben dürfen. Nicht wenige Bauern haben
    dabei ihr eigenes Ich zu Gunsten der Tiere geopfert. Auch die letzte Wirtschaftlichkeit wurde immer für die Tiere entschieden. Doch je länger inzwischen die „Geiz ist Geilmentalität“ auf die Höfe von außen eingezogen ist , desto schwieriger wird es für die Bauern die Sorge für die Tiere aufrecht zu erhalten. Auch die vielen Gesetze , Verordnungen und Kontrollen lassen viele Familienbetriebe die Tierhaltung aufgeben. In der Landwirtschaft ist das Überleben , so das Ziel der EU, nur noch mit Rechenstift , Rechtsanwalt und Gerichten möglich. Alle Gutmenschenbauern fallen in unserem EU-Neoliberalen System hinten runter. Dieses System wird so an die Wand fahren.

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  6. Ehemaliger Landwirt sagt

    Vor ein paar Tagen kaufte ich Schwarzwälder Schinkenspeck in einer Metzgerei. So 30 Stücke mit je einem Kg. lagen hinter den Tresen. Ich bat de Verkäuferin mir das Stück mit dem meisten Fettanteil auszusuchen mit der Bemerkung, der Speck sollt ein drittel Fettanteil haben.
    Sie meinte nur, die Kundschaft möchte keinen Fettanteil.

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    • Paulus sagt

      Hallo Ehemaliger und auch @Mirjam Lechner,
      das Verbraucherverhalten ist in der Tat kurios und mitunter völlig unverständlich, zumindest was meine Wahrnehmung betrifft. Ein paar Beispiele gefällig?
      Wir haben auf unserem ländlichen Wochenendrefugium häufig Gäste, darunter eine Frau die gerne alte Gerichte nachkocht und das bei uns praktiziert, insofern war fetter Speck im Haus. Ich hab mir ein Speckbrot gemacht mit Senf drauf und dazu auch noch rohes Sauerkraut gegessen. Die meisten haben sich geschüttelt und die Kommentare dazu hättest du mal hören sollen.
      Die gleichen Herrschaften kratzen indes die Schmalztöpfchen aus, die in vielen Restaurants eingangs zum Brotkörbchen gereicht werden und essen selbstredend auch Rohkost, die z.T. nicht mehr Vitamine beinhaltet als ein feuchtes Papiertaschentuch.
      Noch besser wird es in D‘-dorf auf der KÖ, das ist eine Einkaufs- und Flaniermeile für Schickimickis. Da kaufen die feinen Damen der Lätta-Fraktion (Konfektionsgröße S) tatsächlich diesen exorbitant teuren italienischen Lardo. Weißer Speck, in Gefäßen aus edlem Marmor gereift und mit nahezu cremiger Konsistenz – ja, das ist schon was Edles und besonders. Wenn sie zusätzlich noch ein paar hauchdünn geschnittene Schnitzelchen kaufen darf da allerdings kein Gramm Fett dran sein.
      Was den s.g. Schinkenspeck betrifft, versuche ich den schon seit gefühlt 30 Jahren zu kaufen. Den gibt es wahrscheinlich genau wenig wie Bielefeld.

      Scherzes halber füge ich noch hinzu, dass ich es als nahezu unanständig von Mirjam Lechner empfinde, in einem Link dieses Foto von dem Schwäbisch-Hällischen Schweinefleisch zu präsentieren. Wo kann ich das kaufen? Ohne durch die halbe Republik nebst Benelux zu fahren oder es zu bestellen.
      Was die von Mirjam Lechner zitierten Worte des DLG-Präsiden betrifft.
      Ein gesamtwirtschaftliches Bekenntnis existiert doch schon längst. Vereinfacht gesagt: Es geht nicht ohne euch, liebe Bauern. Diese Erkenntnis dürfte wohl vorherrschend sein.
      Die Sache mit der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung für die Produkte halte ich für fragwürdig. Für die Produktqualität sind allein die Erzeuger und ggf. die nachgeordneten Verarbeiter verantwortlich. Wer sollte es denn sonst sein?

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  7. bauerhans sagt

    der menschliche wert aufem schlachthof.
    ich tranportiere meistens die schweine selbst zum schachthof,der nur 10 min. entfernt liegt.
    sobald ich das schlachthofgelände erreicht habe,überlege ich nochmal ganz genau,ob auch alles in ordnung ist,weil die diensthabenden vets dort sehr emotional reagieren können!
    dann wird mir vorgeworfen,dass die ladeklappe zu laut herunter klappt,die einstreu nicht korrekt verteilt ist,ein schwein „unter die räder“ der anderen gekommen ist oder ein schwein,das plötzlich auf dem hintern sitzt,nicht mehr hoch getrieben werden darf,sondern sofort aufem hänger betäubt werden muss,wobei mir zusätzlich strafe angedroht wird,sollte zu erkennen sein,dass das schwein krank verladen worden war.
    ich hatte bis jetzt noch nie irgendwelche beanstandungen.

    4+
    • Inga sagt

      Kommt der Film auch ins Fernsehen, damit so viele Verbraucher wie möglich es sehen können?
      vielleicht auch in den Kindersendung?
      Damit das Vertrauen wieder kommt und nicht nur über Papier kommen muß, denn Papier ist geduldig!

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