Alle Artikel in: Bauer Willi

Bürokratieabbau? Vergessen Sie es!

Arnold Krämer war auf einer KTBL-Tagung zur Tierhaltung und hat sich dort angehört, was auf die Landwirte in den kommenden Jahren zukommt oder zukommen könnte. Hier seine Ausführungen:  „Politiker und Parteien fordern häufig (wir müssen…, wir sollten…), aber versprechen selten wirklichen Bürokratieabbau. Sie werden mittlerweile ja von allen nicht nur wirtschaftlich aktiven Gruppen mit zunehmend unerträglichen Bürokratielasten konfrontiert.  Und immer wieder gibt es Hoffnung nach Wahlen und enttäuschenden Ergebnissen für die etablierten Parteien, dass endlich gehandelt wird. Es passiert aber nichts, rein gar nichts. Im Gegenteil, es wird immer schlimmer. Warum ist das so? Eine gängige und verständliche Definition für Bürokratie lautet: Bürokratie ist das Ausführen von Verwaltungstätigkeiten nach klaren Vorgaben und innerhalb festgelegter Strukturen. Die Vorgaben existieren in Form von Gesetzen, Verordnungen, Erlassen und Dienstvorschriften; sind vielleicht doch nicht immer so ganz klar und bieten Ermessensspielräume, die dann nicht selten durch Gerichtsurteile bis hin zum Bundesverfassungsgericht „einkassiert“ oder verschärft werden. Nicht wenige Politiker und Interessenvertreter meinen, Bürokratiebelastungen der (Wirtschafts-) Bürger mit Hilfe von Digitalisierung spürbar mindern zu können. Das sieht dann fast immer so …

„Lass ihn. Er ist total verblendet“

Morgen ist Ostern. Vor ein paar Tagen war im Fernsehen eine Umfrage, bei der die Menschen gefragt wurden, ob sie wüssten, weshalb wir Ostern feiern. Wissen Sie es? Wir gehen heute abend in die Osternacht. Wie jedes Jahr. Wir sind Christen. Wir führen eine konfessionsverschiedene Ehe. Seit bald 40 Jahren. Das geht, trotz unterschiedlicher Ansichten. „Lass ihn. Er ist total verblendet“ schreibt ein Kommentator einem anderen Kommentator in meinem Blog und meint damit mich. Weil ich andere Ansichten als die beiden geäußert habe. Es ging um Politik. Was bringt Menschen dazu, einen Dialog in dieser Art und Weise ad absurdum zu führen?  Warum können wir unterschiedliche Meinungen immer weniger tolerieren? Wir müssen sie ja nicht annehmen. Würde es helfen, nicht zu jedem Thema seinen Senf dazu zu geben? Einfach mal nichts sagen? Unmöglich? Nächstes Ereignis: „Willi, wach doch endlich auf“. So versuchte ein von Facebook bekannter Influencer mich – mit lauter Stimme – davon zu überzeugen, dass er „die Wahrheit“ kennt. „Deutschland erwache“ war einmal ein Spruch aus einer düsteren Zeit, die vermutlich keiner von …

Emissionen: Landwirtschaft besser als die Prognose

Das Umweltbundesamt veröffentlicht in regelmäßigen Abständen die Emissionen der verschiedenen Sektoren. https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11850/publikationen/ergebnisse_kompakt_2025_2_auflage.pdf Hier das Ergebnis für die Landwirtschaft: (Zitat) „Der Sektor Landwirtschaft übererfüllt die kumulierten Jahresemissionsmengen zwischen 2021 und 2030 um 21 Mio. t CO2-Äq.. Damit liegen die kumulierten Emissionen in der Periode 2021-2030 um 2,3 Mio. t CO2-Äq. niedriger als in den Projektionsdaten 2024. Seit Festlegung der Ziele im KSG haben neben tatsächlichen Minderungen auch methodische Anpassungen zu einer rechnerischen Verringerung der Emissionen geführt, die bereits in den Projektionsdaten 2023 und 2024 (Harthan et al., 2024, 2023) erläutert wurden. Mit dem Berichtsjahr 2025 gab es weitere methodische Änderungen, z.B. bei den Lachgasemissionen oder der Anzahl der in Deutschland gehaltenen Pferde, welche sich leicht emissionserhöhend auswirken“. (Zitatende)  Den Rückgang sieht der Bericht vor allem in zwei Gründen: (Zitat) „Der Trend eines Rückgangs der Tierbestände (Rinder und Schweine) sowie ein kontinuierlicher Rückgang der Verwendung von Stickstoffdüngemitteln setzt sich aus den Projektionsdaten 2024 fort.“ (Zitatende)  Mein Fazit: wenn wir die Tierhaltung aus Deutschland vertrieben haben und unsere Pflanzen nicht mehr düngen, werden sich die Emissionen noch weiter …

Der Wal, der Wolf und der Mensch

Ich habe lange überlegt, ob ich mich zum Thema „Timmy, der Wal in der Ostsee“ äußern soll. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, es nicht zu tun. Was mir allerdings bei der Berichterstattung aufgefallen ist: die Medien haben mehrheitlich als „Experten“ ganz überwiegend nur Mitarbeiter von Greenpeace befragt. Die wirklichen Experten von Meeresforschungsinstituten etc. standen in der zweiten Reihe oder tauchten erst gar nicht auf. Das ist keine saubere Berichterstattung, denn ich möchte von Menschen informiert werden, die sich mit dem Thema auskennen und keine monetären Interessen haben. Und monetäre Interessen hat Greenpeace unzweifelhaft. Da hilft die kostenlose Unterstützung durch die Medien natürlich beim Spenden einsammeln. Dass unsere Mitbürger am Wohlergehen des Wales interessiert sind (bzw. waren) ist zu begrüssen. Empathie für Mitgeschöpfe ist gut, sollte aber auch für Mitmenschen gelten. Womit wir beim Wolf in Hamburg wären. Wissen Sie, wie es der Frau geht, die vom Wolf gebissen wurde? Ich habe nur lesen können, dass sie wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Empathie für das Opfer? Fehlanzeige. Alles dreht sich nur darum, ob es …

Aktuell: „Frittensteuer“

Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu hören war, sind zum 1. April drei neue Steuern geplant Fettsteuer Salzsteuer Stärkesteuer Mit diesen Steuern will das Bundesgesundheitsministerim (BMG) seiner Aufgabe, für eine „gesunde Lebensführung in der Bevölkerung“ zu sorgen, nachkommen. Im Volksmund wird diese Kombination von Steuern auch „Frittensteuer“ genannt, weil bei der Herstellung der bei der Bevölkerung so beliebten Kartoffel-Spezialität alle drei Substanzen zum Einsatz kommen. Nach den Plänen des BMG soll die Salzsteuer 0,40 €/kg betragen. Bei Fett und Stärke, dass in der Regel nur in verarbeiteten Produkten vorkommt, soll die Steuer pro Prozent Fett erhoben werden, wobei die ersten 5% Fett steuerfrei bleiben. Danach nimmt die Steuer nicht linear sondern progressiv zu, so dass von einer deutlichen Verteuerung auszugehen ist.  100 g Pommes Frittes sollen zukünftig so auf ein Preis von 5,00 € kommen. Die Grünen hatten ja schon vor Jahrzehnten gefordert, dass Pommes 5 Deutsche Mark kosten müssten. Wie nicht anders zu erwarten, haben diverse Verbände gegen die Einführung dieser Steuern Widerstand angekündigt. Desweiteren haben Salzburg und das Salzkammergut Klage wegen Verunglimpfung …

Internationale Handelsabkommen und die Landwirtschaft

Die EU schließt immer wieder Handelsabkommen ab um den Marktzugang für heimische Unternehmen zu verbessern und gleichzeitig die Versorgung mit Rohstoffen und Lebensmitteln zu sichern. In den letzten zwei Jahren (2024 bis Anfang 2026) gab es zahlreiche Abkommen bei denen ich den Bereich Landwirtschaft besonders beleuchtet habe, weil sie oft das sensibelste Thema der Verhandlungen darstellte. Hier eine Übersicht der wichtigsten Abkommen und deren Auswirkungen auf den Agrar- und Lebensmittelsektor: EU-Neuseeland: Das am 1. Mai 2024 in Kraft getretene Freihandelsabkommen gilt als das „grünste“ Abkommen der EU. Deutsche Exporteure profitieren vom Wegfall der Zölle auf hochwertige verarbeitete Lebensmittel wie Schokolade, Zuckerwaren, Wein und Schweinefleisch. Um den heimischen Markt vor Billigimporten zu schützen, wurden für sensible Produkte wie Rindfleisch, Butter und Käse Zollkontingente festgelegt. Das bedeutet, nur begrenzte Mengen dürfen zollfrei oder vergünstigt eingeführt werden. Neuseeland ist einer der weltweit effizientesten Milchproduzenten. Um die deutschen Molkereien nicht zu überrollen, wurden die Quoten über einen Zeitraum von 7 Jahren gestaffelt eingeführt: Butter: Die Quote steigt schrittweise auf 15.000 Tonnen (bei einem reduzierten Zollsatz von 5%). Käse: Hier …

Weltwassertag…und wieder Fehlinformationen

Am 22. März war Weltwassertag. Ich hätte davon nichts mitbekommen, wenn mir nicht ein Freund einen Post von LinkedIn geschickt hätte, in der das Portal landwirtschaft.de schreibt, dass für ein Kilo Kartoffeln 119 Liter Wasser verbraucht werden. Er wollte wissen, ob das stimmt. Ich habe dann im Portal nachgesehen, was dort über den Wasserverbrauch landwirtschaftlicher Produkte geschrieben steht. https://www.landwirtschaft.de/umwelt/natur/wasser/wasserfussabdruck-wie-viel-wasser-steckt-in-landwirtschaftlichen-produkten Und dann habe ich mich sehr geärgert: Dort steht neben der Zahl für Kartoffeln, dass für ein Kilo Rindfleisch 15.400 l Wasser „verbraucht“ werden. Ich habe hier schon mehrfach darüber geschrieben, dass diese Zahl in doppelter Hinsicht falsch ist. Zum einen „verbrauchen“ landwirtschaftliche Kulturen kein Wasser, denn es ist ja nicht weg sondern kehrt in den Wasserkreislauf zurück, zum anderen wird in den sogenannten „Verbrauch“ auch der Regen eingerechnet, der auf die Fläche fällt, auf der die Kultur wächst. Geärgert habe ich mich aber besonders darüber, weil das Portal landwirtschaft.de der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung  gehört, die als staatliche Organisation eigentlich sauber recherchieren und wissenschaftlich argumentieren sollte. Immerhin hat sie 1.800 Mitarbeiter. Was auch unwissenschaftlich …

Anders düngen: Gute Ratschläge…

Das Thema Dünge- und Lebensmittel wird mittlerweile in den Medien breit diskutiert. Hier ein paar Bemerkungen zu Aussagen, die ich so oder ähnlich dort in den Kommentaren gefunden habe Die Bauern sollen jetzt mehr Gülle und Stallmist einsetzen Bereits heute wird sämtliche Gülle und ihre „Derivate“ (Gärrest) in der Landwirtschaft verwertet. Wurde er in manchen Jahren kostenlos abgegeben, ist er aktuell deutlich im Preis angezogen. Wenn er vom Lohnunternehmer ausgebracht wird, muss ein Aufschlag für den höheren Dieselpreis gezahlt werden. Wer „Alt-Kunde“ ist, bekommt die Ware, wer jetzt erstmalig bestellt, muss warten, ob noch was übrig bleibt. Noch etwas gebe ich zu bedenken: Wenn wir mehr Gülle und Stallmist haben wollen, müssen wir mehr Tiere halten. Das geschieht aber nur, wenn sich damit Geld verdienen lässt und das ist im Augenblick sehr schwierig. Stallmist fällt heute nur noch in wenigen Betrieben an und wird selten über weite Strecken gehandelt. Ausnahme: Champost. Das ist Pferdemist, der in einer Mischung mit anderen Substraten zur Anzucht von Champignons verwendet wird. Dieser Markt besteht aber schon seit langem und …

Mindestlohn: Gespaltene Union

Die Diskussion um den Mindestlohn in der Landwirtschaft läuft seit geraumer Zeit. Auf dem Parteitag der CDU wurde gefordert, dass es für Saisonarbeiter in der Landwirtschaft Ausnahmen geben soll. Gerade im Obst-, Gemüse und Weinbau kommen ausländische Arbeitskräfte nur für einige Wochen. https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/cdu-will-weiter-ausnahmen-vom-mindestlohn-agrarministerium-sagt-nein-20023986.html? Nun macht das BMLEH („Landwirtschaftsministerium“) klar, dass es beim Mindestlohn keine Ausnahmen für die Landwirtschaft geben wird. Interessant ist dies deshalb, weil das Ministerium mit Alois Rainer durch ein Mitglied der CSU besetzt ist. Die Sprecherin wird wie folgt zitiert. „Ausnahmen vom gesetzlichen Mindestlohn sind nicht möglich. Der Mindestlohn ist als absolute Lohnuntergrenze gesetzlich verankert. Damit sind Ausnahmen für bestimmte Branchen – wie die Landwirtschaft – nicht vereinbar“, Es könne auch keine Ausnahmen für geringfügig Beschäftigte – wie Saisonarbeitskräfte – geben. Dies ergebe sich aus dem Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes.“ Völlig unverständlich wird es, wenn man weiterliest: (Zitat aus top agrar) „Dass der bundesweite Mindestlohn zur Belastung für viele deutsche Höfe wird, sieht auch das Agrarministerium. Kostensteigerungen könnten wegen der knappen Gewinnspannen häufig nicht oder nicht vollständig von den Betrieben kompensiert werden. Laut …

Bauern düngen jetzt nur noch die Hälfte

Dünger ist innerhalb weniger Wochen extrem teuer geworden. Mittlerweile ist dies auch ein Thema in den Medien. Am 18. März war es ein separates Thema im Morgenmagazin, aber auch andere Portale berichten darüber. https://www.zdfheute.de/video/zdf-morgenmagazin/diesel-landwirtschaft-kosten-100.html Einen Tag vorher hat mich das Portal EuroNews zum Thema befragt. Unter anderem wollte die Redakteurin wissen, was die Regierung nun wohl machen würde um die Situation für die Landwirte zu entspannen. Ich fand die Frage „interessant“. https://de.euronews.com/2026/03/20/landwirte-dungemittel-russland Wie sollen und können Bauern jetzt reagieren? Mein Vorschlag: alle Bauern weltweit düngen in 2026 die Hälfte des Bedarfes, vor allem bei Stickstoff. Dieser Nährstoff ist essentiell für das Wachstum, von daher wird eine Halbierung der Ernährung zu dem führen, zu dem es auch beim Menschen führt: zu Hunger. Eine hungernde Pflanze wird nicht nur zu weniger Ertrag sondern auch zu deutlich schlechterer Qualität führen. Möglicherweise wird der geerntete Weizen nur noch als Tierfutter verwendet werden. Sollte es eine (geringe) Menge an Qualitäts-Backweizen geben, wird dieser deutlich im Preis steigen. Wenn alle Kulturen nur noch die Hälfte des notwendigen Düngers erhalten, wird es …