Bauer Willi
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Bürokratieabbau? Vergessen Sie es!

Arnold Krämer war auf einer KTBL-Tagung zur Tierhaltung und hat sich dort angehört, was auf die Landwirte in den kommenden Jahren zukommt oder zukommen könnte. Hier seine Ausführungen: 

„Politiker und Parteien fordern häufig (wir müssen…, wir sollten…), aber versprechen selten wirklichen Bürokratieabbau. Sie werden mittlerweile ja von allen nicht nur wirtschaftlich aktiven Gruppen mit zunehmend unerträglichen Bürokratielasten konfrontiert.  Und immer wieder gibt es Hoffnung nach Wahlen und enttäuschenden Ergebnissen für die etablierten Parteien, dass endlich gehandelt wird.

Es passiert aber nichts, rein gar nichts. Im Gegenteil, es wird immer schlimmer. Warum ist das so? Eine gängige und verständliche Definition für Bürokratie lautet:

Bürokratie ist das Ausführen von Verwaltungstätigkeiten nach klaren Vorgaben und innerhalb festgelegter Strukturen.

Die Vorgaben existieren in Form von Gesetzen, Verordnungen, Erlassen und Dienstvorschriften; sind vielleicht doch nicht immer so ganz klar und bieten Ermessensspielräume, die dann nicht selten durch Gerichtsurteile bis hin zum Bundesverfassungsgericht „einkassiert“ oder verschärft werden.

Nicht wenige Politiker und Interessenvertreter meinen, Bürokratiebelastungen der (Wirtschafts-) Bürger mit Hilfe von Digitalisierung spürbar mindern zu können. Das sieht dann fast immer so aus, dass

  1. Verwaltungsverfahren ins Digitale, sprich 0 und 1 (richtig oder falsch) gepresst und
  2. die Erfassungsarbeiten an den direkt betroffenen Bürger delegiert werden.

Dieser quält sich meist mit der EDV-Eingabe ab, weil er so arbeiten muss, wie sich der Programmierer das gedacht hat. Und weil keine Routine/Übung da ist und bei einmaligen Vorgängen (selbst wenn sie 1-mal jährlich wiederkehrend sind) auch nicht entstehen kann, wird entweder viel Zeit verplempert oder man muss einen externen Dienstleister beauftragen und bezahlen. Die meisten Landwirte kennen das z.B. von den Antragstellung auf EU-Prämien (und dem, was noch dazu gehört) sowie auf Gasölbeihilfe.

Das alles ist KEIN Bürokratieabbau. Oft passiert sogar das Gegenteil, weil mit Hinweis auf die Möglichkeiten der Digitalisierung Politik gesetzestechnisch maßlos wird, also noch mehr einfordert.

 

Echten Bürokratieabbau kann es nur geben, wenn gesetzliche Vorschriften abgeschafft oder massiv vereinfacht werden.

Das ist erkennbar, von sehr, sehr wenigen Beispielen abgesehen, bisher nicht der Fall. Immer wieder werden neue Vorschriften „produziert“, insbesondere bei der EU in Brüssel. Dort „arbeitet“ eine „Gesetzesmaschinerie“, die scheinbar nicht zu bremsen ist. Manches davon ist dann direkt geltendes Recht in den Mitgliedsstaaten, manches muss in nationales Recht überführt werden. Bei Letzterem macht sich Deutschland meist mit besonderem Eifer ans Werk.

Nachfolgend soll ein für die Landwirtschaft nicht unwichtiges Beispiel näher betrachtet werden. Es geht um die (ja Sie lesen richtig!) Industrie-Emissions-Richtlinie (IE-RL) der EU. Zur Darstellung der landwirtschaftlichen Betroffenheit zitiere und verlinke ich einen Text von Stefan Neser und Ewald Grimm, in dem der Inhalt ihres Vortrages, gehalten bei den KTBL-Tagen 2026 vor rund 14 Tagen in Bamberg, zusammengefasst ist:

https://www.ktbl.de/fileadmin/user_upload/Allgemeines/Download/Tagungen_2026/KTBL-Tage/KTBL-Tage_2026.pdf   S.38ff

„Die Neufassung der IE-Richtlinie (EU 2024) ist im August 2024 in Kraft getreten. Nach den Erwägungsgründen ist mit der Neufassung der Richtlinie aus 2010 (EU 2010) das Ziel verbunden, u. a. die Emissionen der Tierhaltung vor allem von Ammoniak und Treibhausgasen zu vermindern und die Qualität von Luft, Wasser und Böden zu verbessern. Dazu sollen sämtliche potenziellen Umweltauswirkungen berücksichtigt werden, was auch Staub- und Geruchsemissionen einschließt.

Abweichend von der Richtlinienfassung 2010 werden in der Neufassung die genehmigungsrechtlichen Anforderungen an die Schweine- und Geflügelhaltung in einem eigenen Kapitel VI a bzw. in den Art. 70 a-i geregelt, um mit angepassten Vorschriften die Besonderheiten des Tierhaltungssektors im Vergleich zu Industrieanlagen zu berücksichtigen.

Um die umweltentlastende Wirkung der Regelungen zu erhöhen, wurde der Geltungsbereich im Vergleich zur bisherigen Richtlinie auf kleinere Anlagen der Schweine- und Geflügelhaltung ausgedehnt. Ob auch die Rinderhaltung einbezogen wird, soll bis Ende 2026 im Rahmen einer Studie geprüft werden. Die Haltung von Schweinen in Biobetrieben oder im Freiland mit einer Besatzdichte < 2 GVE/ha sind ausgenommen. Bei Sauen ist die Zahl der „typischen“ Anzahl von Ferkeln pro Sau mit einzukalkulieren. Grundlage der Genehmigungsschwellen ist die Anlagenkapazität in GVE gemäß der Statistikverordnung der EU (2018). Der Schlüssel weicht erheblich von dem im Bereich Immissionsschutz bislang angewendeten GV-Schlüssel ab.

Im Rahmen des von der EU-Kommission vorgeschlagenen Umwelt-Omnibus (EU 2025) soll zur Vereinfachung die EU-Richtlinie so angepasst werden, dass nur noch die abgesetzten Ferkel bei der Genehmigungsschwelle angerechnet werden und auch die Bio-Geflügelhaltung aus dem Geltungsbereich der Richtlinie herausgenommen wird“.

Weitere Details können dem Gesamttext (siehe Link) entnommen werden.

 

Auch darauf nehme ich nachfolgend wertend Bezug:

  1. Besonders ärgerlich ist zunächst wieder einmal die Ideologie, die wie so oft Eingang in gesetzliche Regelungen findet. Bio-Schweine und Bio-Geflügel sind nämlich nicht Teil der Richtlinie bzw. sollen ausgenommen werden. Als wenn diese Tiere nicht stinken, nicht Ammoniak und Treibhausgase verursachen. Ob nachträglich die Rinder einbezogen werden, wird noch geklärt.
  2. Die Genehmigungsschwellen liegen deutlich unter den Werten aus der alten IE-RL von 2010 und erfassen z.B. Mastschweine bereits ab 1.167 Plätzen. Das ist keine Massentierhaltung und weit unter dem, was in normalen landwirtschaftlichen Familienbetrieben arbeitswirtschaftlich geleistet werden kann. Statt wie bisher ca. 2.500 Ställe/Anlagen der Tierhaltung werden geschätzt ca. 6.000 in Deutschland betroffen sein.
  3. Die EU arbeitet mit anderen Schlüsselzahlen als das deutsche Immissionsschutzrecht. Aber selbst in Deutschland war es bisher nicht möglich, unterschiedliche Schlüsselzahlen aus verschiedenen nationalen Rechtsbereichen mit dem Ziel einer Bürokratievereinfachung zu vereinheitlichen. Da gibt es diverse GV-Schlüssel, ursprünglich abgeleitet vom Gewicht der Tiere, aber auch den VE-Schlüssel, abgeleitet aus dem Futterbedarf der Tiere und insbesondere im Steuerrecht relevant.
  4. Mit einer Aggregationsregel (Art. 70 b der RL) soll verhindert werden, dass mit „Abspaltungen“ die Genehmigungsschwellen unterschritten werden. Dazu wird die EU-Kommission wiederum Leitlinien bis 2028 formulieren. Rechtsstreit ist also vorprogrammiert.
  5. Neben Genehmigungen sollen auch „vereinfachte“ Registrierungsverfahren in den einzelnen Mitgliedstaaten möglich sein. Was Deutschland mit dieser Vorschrift (Art. 70 c der RL) macht, kann man sich schon denken.
  6. Einheitliche Bedingungen für Betriebsvorschriften (nach Art. 70 i der RL) werden ausgearbeitet im Rahmen eines Informationsaustausches zwischen den Mitgliedstaaten, der Kommission, den betreffenden Sektoren und (man lese und staune) NGO’s, die sich für den Umweltschutz einsetzen. Diese Vorschriften sind eigentlich bis zum 1. September 2026 durch die EU-Kommission in geltendes Recht zu überführen. Sie sollen die gesamte Verfahrenskette der Tierhaltung (Fütterung, Stallhaltung, Dungbehandlung und -ausbringung) abdecken.
  7. Die Umsetzung der Vorschriften soll dann ab September 2030 für sehr große Anlagen und bis September 2032 für alle Anlagen erfolgt sein. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bereits heute die TA Luft (= nationale Verwaltungsvorschrift) emissionsmindernde Maßnahmen in D verlangt, die bestehenden Anlagen also nicht im luftleeren Raum betrieben werden.
  8. Obwohl anders gedacht, werden die Betriebsvorschriften nur einen europäischen Rahmen setzen, in dem dann unterschiedliche Anforderungsniveaus, unterschiedliche Produktionsbedingungen und nationale Besonderheiten (Stichwort Tierwohl) Berücksichtigung finden. All dies wird sicherlich auch wieder den Wettbewerb in der EU verzerren.

Das Fazit der Autoren Neser und Grimm lautet sachlich kühl u.a. wie folgt:

Für den mit der Umsetzung der neugefassten IE-Richtlinie verbundenen (Bürokratie-) Aufwand in Deutschland werden neben den Betriebsvorschriften und Monitoringanforderungen für die Maßnahmen auch die zukünftige Ausgestaltung der Anzeige- bzw. Registrierungs- oder Genehmigungsverfahren im Kontext der geltenden Zulassungsverfahren nach Bau- und Immissionsschutzrecht sowie die Leitlinien zur Anwendung der Aggregationsregel maßgeblich sein.

 

Ich kann nur feststellen: Die EU sorgt auf vielen Gebieten unablässig für massiven „Bürokratienachschub“ und (daraus resultierend) national unterschiedlichen Anstieg der Produktionskosten. Ein Ende ist nicht in Sicht, solange man der EU-Kommission nicht das Mandat entzieht. Es wird aber höchste Zeit, sonst kommen in absehbarer Zeit nicht nur die Ostereier zu großen Teilen aus dem Ausland und die deutschen ländlichen Räume verlieren noch mehr Einkommensmöglichkeiten.

Gastkommentare stellen die Meinung des Autors dar.

Lesenswert sind die Vorträge, die im Link oben nachzulesen sind. 

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78 Kommentare

  1. Kemetbauer sagt

    In einer repräsentativen Umfrage (yougov) bestätigen 88% der Befragten, dass der Abbau der Bürokratie bisher nicht stattgefunden hat, bzw. die Bürokratie sogar noch zugenommen hat. Mir scheint, dass Merz und Co. die Unfähigkeit der Ampel noch toppen wollen.

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  2. Rathje Clasen sagt

    Marian , du bist mir zu volkswirtschaftlich unterwegs .
    Wir Landwirte leben aber von Betriebswirtschaft.
    Ob beim Gurkenanbau , oder der Schweinehaltung , ist dabei völlig egal.
    Uns wird seit gefühlt 10 Jahren mit jeder Mondphase ein neues Gesetz , eine neue Verordnung , ein neuer Erlass um die Ohren gehauen , wo man irgendwann nicht mehr hinterherkommt, oder nicht mehr hinterherkommen will.
    Ergebnis dieser Gesetzesorgien aus Brüssel und Berlin werden Importe unserer Grundnahrungsmittel aus aller Welt sein , damit wir Deutschen Technik exportieren können .

    Problem dabei wird sein , das die gehandelten Lebensmittel auf dem Weltmarkt dort landen , wo am besten bezahlt wird, also Asien.

    Und hier in Deutschland ?
    Hier werden Moore vernässt, Wölfe betätschelt ,
    Krötenwanderwege gebaut , Igel über den Winter gebracht , Vogelzählungen für den Nabu gemacht und mit Hundi Gassi gegangen , wenn man nicht gerade im Urlaub ist.
    So, das war mal ein bisschen spitz formuliert,
    Mir ist dabei nur wichtig , das die Landwirtschaft in Deutschland nicht durch ideologische und sachkundefremde Politiker und Drehstuhlpiloten verheizt wird .
    Wir sind auf dem besten Weg.

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  3. Arnold Krämer sagt

    @ Finger, Donhauser , Severs, Firedragon u.a.

    Herr Donhauser schrieb:
    „Die ständig steigenden Anforderungen (einhergehend mit bürokratischen Aufwand) erzeugt parallel steigende Zahl von Betriebsaufgaben. Führt man diese Entwicklung weiter, ist das Resultat letztendlich die Abschaffung der Tierhaltung in unserem Einflussreich (Land).“

    Dieser Satz ist vollkommen richtig.

    Man muss ihn allerdings ergänzen.
    Die Kostensteigerungen und behördliche Behinderungen führen dazu, dass relativ wenig neu gebaut wird. Es gibt insbesondere im Bereich der Schweineproduktion einen deutlichen Investitionsstau. Die gewünschte Modernisierung in Richtung Tierwohl kommt einfach nicht voran.

    Der eigentliche Grund ist bisher hier aber nicht ausgesprochen worden. Deutschland möchte die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 unbedingt erreichen und weltweit vorbildlich wirken (deutsche Maßlosigkeit eben!). Das Bundesverfassungsgericht hat dem Klimaschutz sogar quasi einen Verfassungsrang gegeben.
    Die meisten Wissenschaftler schreiben den Parteien und der Gesellschaft seit vielen vielen Jahren ununterbrochen ins Stammbuch, dass der Sektor Landwirtschaft seinen Beitrag im Wesentlichen durch eine Wiedervernässung der Moore und eine Halbierung der Tierhaltung erreichen könne.
    Lesen Sie die Beiträge von Prof Grethe und Prof. Lotze-Campen im verlinkten Text.
    Die Wiedervernässung der deutschen Moore ist in nennenswertem Umfang zeitlich und finanziell nicht zu erreichen, die Halbierung der Nutztierhaltung aber schon. Und Politik und Verwaltungen arbeiten offen oder versteckt auf Letzteres hin oder nehmen es stillschweigend in Kauf. Dafür muss kein Steuergeld ausgegeben werden.
    Den volkswirtschaftlichen Schaden tragen viele einzelne Landwirte, die in verschiedenen Konstellationen den ökonomischen aber auch psychischen Druck nicht aushalten sowie die Menschen in den ländlichen Räumen, denen Einkommenpotentiale auch in Verbindung mit dem vor- und nachgelagerten Sektor verloren gehen.

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    • Stadtmensch sagt

      „deutsche Maßlosigkeit eben!“

      Ich persönlich halte es für absolut ratsam, in Anpassungsstrategien an den Klimawandel zu investieren. Da müssen volkswirtschaftlich nur die Prioritäten anders verteilt werden. Anstatt das Geld in Rüstung zu versenken, könnte man in großartige Projekte zur Grundwasserbildung oder Stadtumbau investieren. Dann bekäme die Bürokratie auch mal vernünftige Aufgaben, anstatt Landwirte beim Stallumbau zu quälen.

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    • Heinrich Steggemann sagt

      „Den volkswirtschaftlichen Schaden tragen viele einzelne Landwirte, die in verschiedenen Konstellationen den ökonomischen aber auch psychischen Druck nicht aushalten sowie die Menschen in den ländlichen Räumen, denen Einkommenpotentiale auch in Verbindung mit dem vor- und nachgelagerten Sektor verloren gehen.“
      Dem kann ich nur zustimmen.
      Bei mir ist Anfang März das Fass endgültig übergelaufen. Seit Mitte März lassen wir die Sauenhaltung auslaufen. Ohne potenziellen Hofnachfolger war dieser Schritt aber erst in 10 Jahren geplant. Die vorzeitige Aufgabe hat keinen finanziellen Hintergrund, da wir ein finanzielles Polster trotz finanzieller Benachteiligung als kleiner Sauenhalter am Markt der vergangenen Jahre durch Nutzung der Stallungen und Einrichtung deutlich über die Abschreibungen hinaus bewerkstelligt haben. Grund für die Aufgabe ist ein Mix aus gesundheitlichen Problemen in der Familie und die ständig zunehmende Fremdsteuerung durch Gesetze und privatwirtschaftliche Kontrollen bzw. das Damoklesschwert Verlust des ausländischen Mitarbeiters oder Ausfall der eigenen Arbeitskraft, da anders als vor Jahrzehnten immer weniger bis gar keine Personen zur Überbrückung einer Krise greifbar sind. Diese Personen fehlen auch zur Bewältigung der Mehrarbeit im Seuchenfall.
      Das Deckzentrum wurde 2012 grosszügig neu gebaut und der erhöhte Platzbedarf wäre durch Wegfall von Kontrollgängen und Eberplätzen etc. ab 2029 umsetzbar. Selbst der Umbau des Abferkelstalles wäre als ein Projekt über mehrere Jahre in den vorhandenen Altgebäuden mit leerstehender Platzreserve unter Verwendung von gut erhaltener gebrauchter Stalleinrichtung mit Flex und Schweissapparat bei leichter Reduzierung des Sauenbestandes auf den vorhandenen Güllekanälen und durch Reduzierung der Ganganteile möglich. Eine bis zwei Stunden Mehrarbeit pro Sau und Jahr muss bei dieser Kompromisslösung dann ins Verhältnis gesetzt werden zu den anteiligen Jahresmehrkosten eines Komplettneubaus des Abferkelstalles mit oder ohne Förderung.
      Die Ställe werden demnächst erst mal eingemottet, damit nichts unnötig kaputt geht. Im weiteren Umfeld gibt es noch einige Sauenhalter. Vielleicht lassen sich ja noch einige Gebäude auf Dauer verpachten. Dafür brauchen die dortigen potenziellen Hofnachfolger
      aber eine Perspektive für die Zukunft.

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  4. Jürgen Donhauser sagt

    Ich versuche es extrem kurz zu fassen:
    Die ständig steigenden Anforderungen (einhergehend mit bürokratischen Aufwand) erzeugt parallel steigende Zahl von Betriebsaufgaben. Führt man diese Entwicklung weiter, ist das Resultat letztendlich die Abschaffung der Tierhaltung in unserem Einflussreich (Land). Wir müssen deshalb zukünftig wohl tierische Produkte aus Ländern außerhalb unseres Einflussreiches importieren. Dort würden aber unsere hohen Anforderungen nicht gelten. Fazit: Wir haben letztendlich das Gegenteil von dem bewirkt, das wir ursprünglich begonnen haben (höhere Standards) und sind zusätzlich Abhängig von Importen. War das jetzt einfach genug erklärt?

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    • Marian E. Finger sagt

      Dem steht gegenüber, dass der Selbstversorgungsgrad in Sachen Fleisch in Deutschland 114,6% beträgt, bei Schweinefleisch sind es anscheinend immer noch 139%. Was Schinken und Filet angeht, beträgt der Selbstversorgungsgrad allerdings nur rund 80%, was aber kein Problem der Bürokratie, sondern des Wohlstands ist, der es den Menschen in Deutschland erlaubt, nur die besten Stücken auszuwählen und den Rest vom Tier zu verschmähen, der dann exportiert wird. Insgesamt wird aber mehr Fleisch exportiert als importiert, was also konkret heißt, dass in Deutschland ein Überschuss produziert wird.

      Der negative Trend scheint überdies gestoppt zu sein, denn insgesamt haben die Schweinehalter ihre Bestände im Jahr 2025 nicht weiter abgebaut, während das Schlachtgewicht pro Tier sich erhöht hat. In Sachen Schweinefleisch ist also ein leichter Zuwachs von 1,1% zu beobachten. So zumindest geht es aus dem Bericht des BMEL hervor. Ein bisschen anders sieht es bei Rind und Geflügel (Stichwort: Vogelgrippe) aus.

      So gesehen, scheint die Bürokratienicht die „tödliche Rolle für die Tierhaltung“ zu spielen, die hier unterstellt wird, sondern lediglich der Überproduktion an Fleisch einen gewissen Riegel vorzuschieben. Und da frage ich mich, was daran jetzt so falsch sein soll?

      Hier im Blog wird im Allgemeinen die Meinung vertreten, dass die heimische Landwirtschaft vor (Billig-)Importen geschützt werden sollte. Implizit schwingt diese Vorstellung auch im Kommentar von Herrn Donhauser mit, wenn er sagt, dass die Abhängigkeit von Importen das Gegenteil von dem bedeutet, was ursprünglich gewollt war.
      Wenn Deutschland aber mehr Fleisch ex- als importiert, dann ist es in diesem Fall doch die deutsche Landwirtschaft, die andere Länder von Importen abhängig macht.

      Die Argumentation von Herrn Donhauser erzeugt die Vorstellung, als würde in Deutschland bereits jetzt oder zumindest demnächst zu wenig Fleisch erzeugt, um die Nachfrage zu decken. Diese Vorstellung entspricht aber doch offenbar nicht der Realität.

      Mit meinem Kommentar geht es mir nicht um eine Bewertung der Sachlage, also nicht darum, ob der Auf- oder Abbau der Tierhaltung, ob Ex- oder Importe gut oder schlecht sind. Als Pseudo-Philosoph geht es mir um die Qualität der Argumente, die in diesem Fall nur dann gültig wären, wenn sich die Tierhaltung realiter bereits soweit reduziert hätte, dass die heimische Nachfrage nach Fleisch und nicht nur nach Filet/Schinken nicht mehr gedeckt werden kann. Was nicht der Fall ist.

      • Reinhard Seevers sagt

        Marian, es gibt einen Markt, einen europäischen und einen globalen. Dort wird Handel betrieben. Der Erzeuger von Schweinefleisch ist Akteur in diesem Markt. Seine Produktion richtet sich nach der Nachfrage des Handels. Wenn ihm der Marktzugang durch unerfüllbare Auflagen und Gesetze verwehrt wird, dann kann er nur die Ware liefern, die er noch in der Lage ist zu liefern, oder aufhören. Seit wann ist eigentlich Export schlecht? Ich dachte immer wir leben vom Export.
        Neuseeland z.B. hat einen Exportüberschuss bei Kiwi von mehreren 100%…..und nun?

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        • Marian E. Finger sagt

          Reinhard, dein Kommentar zeigt, dass du meinen entweder nicht richtig gelesen oder nicht verstanden hast. Wie gesagt, geht es mir nicht darum, ob Export gut oder schlecht ist, sondern vielmehr darum, dass, wer im Glashaus sitzt, lieber nicht mit Steinen um sich werfen sollte. Warum nur beschleicht mich in letzter Zeit mehr und mehr das Gefühl gähnender Langeweile, wenn ich auf Bauer Willis Blog lese? Liegt das vielleicht an dir?

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          • Reinhard Seevers sagt

            Komisch, ich habe den Eindruck, dass du es nicht verstehst, oder verstehen willst. Der Markt lässt Im- wie Exporte zu. Der Markt fragt nach. Wenn also billiges Fleisch minderer Qualität importiert werden darf und kann, dann ist der hiesige Erzeuger aufgrund der Bedingungen im Land eben nicht in der Lage am Markt teilzunehmen und der Importanteil steigt. Was ist daran nicht zu verstehen? Und wo ist das Glashaus?

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        • firedragon sagt

          Herr Seevers, Herr Finger und Herr Donhauser,

          Sie haben alle Drei recht.

          Herr Donhauser beschreibt den möglichen Werdegang in Deutschland, ich würde sagen – regionenbezogene Betroffenheit. Große Betriebe sind eher in der Lage bürokratische Auflagen zu verwalten, als kleine Betriebe, die keine Bürokraft abstellen können. Was dazu kommt, das darf nie vergessen werden, Auflagen müssen von kleinen Betrieben genauso erfüllt werden, was bedeutet, keiner kann mal eben so „klein anfangen“, weil es zu viel Kapital frisst und Geldinstitute sehr zurückhaltend sind. Das betrifft nicht nur die Landwirtschaft, Handwerksbetriebe aller Bereiche sind davon ebenso betroffen.

          Herr Finger offeriert Zahlen einer Bundesbehörde. Wenn man nur nach diesen Zahlen geht, mag das alles stimmen. Die Zahlen zeigen allerdings nicht den aktuellen Istzustand und schon gar nicht die Zukunft, wie es aussehen wird. Da die nachzulesenden Zahlen keinen Einblick auf die derzeitige Liquidität der Betriebe geben und auch nicht auf betriebliche Entscheidungen.

          Herr Seevers, Sie weisen auf den globalen Markt hin. Was viele anscheinend gerne Ausblenden, wenn man einfach nur Statistiken betrachtet.
          Deutschland, wie alle Länder dieser Welt, leben vom Globalhandel.

          Fazit: Wir leben alle in einem großen ‚Getriebe‘ mit vielen ‚Zahnrädern‘. Wenn eines ‚defekt‘ ist, läuft es ‚unrund‘.

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          • Marian E. Finger sagt

            Wenn große Betriebe eher in der Lage sind, den Bürokram zu bewältigen, als kleine Betriebe, dann geht es nicht um die „Abschaffung der Tierhaltung“, wie Herr Donhauser suggeriert, sondern um die Zentrierung der Tierhaltung in Großbetrieben. Dann trägt die Bürokratie mit zu dieser Zentrierung bei, aber nicht zur Abschaffung.

            Was die Zukunft bringt, weiß niemand, auch Herr Donhauser und Herr Seevers nicht. Was man aber weiß, ist, dass derjenige, der lediglich Ist-Zustände linear in die Zukunft verlängert, so gut wie immer falsch liegt.

            Nochmal für die, die schwer von Begriff sind: Ich beziehe hier nicht Stellung zu Ex- oder Importen, sondern ich weise darauf hin, dass eure Argumentation in sich nicht konsistent ist. Wenn es um Importe nach Deutschland geht, verwendet ihr Argumente, die denen widersprechen, wenn es um Exporte aus Deutschland geht. Ihr widersprecht euch selber, ohne es zu merken, und das macht eine Diskussion auf Dauer langweilig.

            • Reinhard Seevers sagt

              „Wenn große Betriebe eher in der Lage sind, den Bürokram zu bewältigen, als kleine Betriebe, dann geht es nicht um die „Abschaffung der Tierhaltung“, wie Herr Donhauser suggeriert, sondern um die Zentrierung der Tierhaltung in Großbetrieben. Dann trägt die Bürokratie mit zu dieser Zentrierung bei, aber nicht zur Abschaffung.“

              DAS ist falsch und auch undifferenziert. Ich arbeite auch für wirkliche Großbetriebe im Osten, welche in großem Stil ab 2035 die Türen zumachen werden, weil sie die Anpassung der Tierhaltung nicht stemmen werden. Es geht bei uns um die Betriebe, die weiterleben wollen.
              Ich habe gerade eine Baugenehmigung für einen Sauenhalter erwirkt, der lediglich seine Tierhaltung nach Tierwohl umgestalten will.
              Es handelt sich um einen neuen Abferkelstall für sage und schreibe 96 Abferkelplätze. Keine Erhöhung des Tierbestandes!
              Die Anforderungen an die Bauvorlagen sind u.a. ein Artenschutzrechtliches Gutachten. einen Landschaftspflegerischer Begleitplan, ein Immissionsgutachten zur Beurteilung der Auswirkung auf Fauna und Flora…..keine Tierplatzerhöhung wohl gemerkt!
              Die Genehmigung hat 15 Monate gedauert.
              Parallel kommt Schweinefleisch aus Spanien, deren Genehmigungsverfahren eben nicht diesen Bedingungen unterworfen ist. Und hier geht es lediglich um die Genehmigung, die Produktion und Verwertung des organischen Düngers außen vor.

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            • firedragon sagt

              „… Ihr widersprecht euch selber, ohne es zu merken, und das macht eine Diskussion auf Dauer langweilig. …“

              Nein, Herr Finger.

              „Wir“, die Landwirtschaft, widersprechen uns nicht.
              Es mag wohl so kommen, dass sich die Tierhaltung in Deutschland mehr und mehr zentriert.
              Gefordert von „uns“, der „Gesellschaft“, wird allerdings das Gegenteil und ein Mehr an Bürokratie verhindert diesen „Wunsch“.
              Und gleichzeitig ☝️ kommt Importware (Fleisch) aus ausländischen Betrieben nach Deutschland, die noch zentrierter, noch größer sind, als in Deutschland.

              Wer widerspricht sich ?

              Mal was anderes. Herr Finger, wissen Sie, wo Bürokratie beginnt?
              Eine Person, die irgendwo in einem Parlament sitzt, hat eine (theoretische) Frage. Um die Antwort auf diese Frage zu erhalten, werden so viele Hebel in Bewegung gesetzt und am Ende entspinnt sich daraus ein Regelwerk, welches von Praktikern zu erfüllen ist.
              Werfen Sie einen Blick, zum Beispiel, in das Lieferkettengesetz – es wird nicht langweilig, ganz im Gegenteil.

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              • Marian E. Finger sagt

                Nein, firedragon.

                Die deutschen Landwirte wollen, dass möglichst wenig Fleisch nach Deutschland importiert, dafür aber möglichst viel Fleisch in andere Länder exportiert wird, weil sie sich davon finanziellen Gewinn versprechen. Für Landwirte außerhalb Deutschlands gilt das Umgekehrte: die wollen möglichst viele Erzeugnisse nach Deutschland exportieren, ohne dass die Erzeugnisse deutscher Landwirte ihre einheimischen Märkte überschwemmen.

                „Wir“, die Gesellschaft, wollen andererseits möglichst wenig Geld für das Fleisch ausgeben, was Bauer Willi „uns“ mehr als einmal unter die Nase gerieben hat. „Uns“, der Gesellschaft, ist es, wie Bauer Willi bewiesen hat, völlig egal, ob das Fleisch aus großen oder kleinen Betrieben, aus dem In- oder Ausland kommt, Hauptsache, es ist erschwinglich, um nicht zu sagen: billig

                Es geht ausschließlich ums Geld, aber das wird sowohl von den Landwirten als auch von „uns“, der Gesellschaft, hinter einem rhetorischen Schleier aus einander widersprechenden Pseudo-Argumenten verborgen. Statt direkt vom Geld sprechen wir vom Bürokratieabbau, von Lieferkettengesetzen, vom Wachsen und Weichen, vom Tierschutz, vom Globalhandel und was weiß ich, wovon noch.

                Wenn wir den Umgang miteinander vereinfachen wollen, könnten wir es zur Abwechslung mal damit probieren, direkt von dem zu reden, was „uns“ am meisten am Herzen liegt: Geld, Geld und nochmals Geld.

                Bürokratie begleitet die Zivilisation übrigens seit ihrer Entstehung. Die ältesten erhaltenen schriftlichen Zeugnisse der Menschheit sind, ohne Witz, von Bürokraten erstellte Listen landwirtschaftliche Erzeugnisse betreffend. Zivilisation besteht nämlich genau darin, praktische Tätigkeiten mit geistigen Ergüssen zu überbauen, bis die Tätigkeiten bis zur Unkenntlichkeit dahinter verschwinden. Wer die Bürokratie in Frage stellt, stellt die Zivilisation in Frage. Das sollte man sich also schon gut überlegen 🙂

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                • firedragon sagt

                  Herr Finger,

                  ich sehe den Spiegel, den Sie der deutscher/globalen LW vorenthalten, durchaus 🙂.

                  Das mit dem Geld und dem Fleisch und dem Export, trifft nicht auf mich zu, da ‚ich‘ zu den eher kleinen Betriebe zähle. Betriebe, die keine Reichtümer anhäufen und das (in meinem Fall) Rindfleisch direkt vermarkten.

                  Ich bin später im Büro und werde Ihnen hier noch ein „Schmankerl“, was Bürokratie betrifft, einstellen.

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                • Arnold Krämer sagt

                  Niemand stellt Bürokratie in Frage. Ohne sie geht es nicht. In Frage gestellt wird deutsche Maßlosigkeit, Überheblichkeit, „Arbeiten“ gegen eigene (nationale) Interessen.

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                • Reinhard Seevers sagt

                  „Wenn wir den Umgang miteinander vereinfachen wollen, könnten wir es zur Abwechslung mal damit probieren, direkt von dem zu reden, was „uns“ am meisten am Herzen liegt: Geld, Geld und nochmals Geld.“
                  Na Mensch, was für eine Binse…und wie schafft man es seine Existenz zu erhalten in einer Gesellschaft, die sich nicht einmal selber die Schuhe zubinden kann? Essen wir die Baumrinde der umarmten Bäume oder heizen wir die Häuser mit Luft und Liebe?
                  Und nein, die Bürokratie ist mitnichten für eine Zivilisation zum Überleben notwendig, schon gar nicht eine überbordende.
                  Wir können uns lediglich keine andere Form des Zusammenlebens vorstellen und sind auch nicht bereit durch Bürokratie gesicherte Partikularinteressen zu opfern.

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            • Bauer Willi sagt

              @Marian
              „Nochmal für die, die schwer von Begriff sind: Ich beziehe hier nicht Stellung zu Ex- oder Importen, sondern ich weise darauf hin, dass eure Argumentation in sich nicht konsistent ist.“

              Das dürfte der Grund für das Missverständnis sein. Die Landwirte reden über ihre Existenzgrundlage, Du redest über eine inkonsistente Argumentation. Deshalb ist es unmöglich, auf einen Nenner zu kommen, weil auf unterschiedlichen Ebenen diskutiert wird.

              Ich gehe jetzt weiter Kartoffeln pflanzen. Ist herrliches Wetter.

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              • Marian E. Finger sagt

                @ Bauer Willi
                Genau! Die Frage ist doch, was du mit diesem Blog erreichen wolltest. Ursprünglich wolltest du, so wie ich das verstanden habe, vor allem Nicht-Landwirte ansprechen und den „Verbraucher“ auf sein widersprüchliches Verhalten/Denken aufmerksam machen.

                Einige Jahre lang hat das auch wunderbar funktioniert, und der Blog war echt spannend. Aber langfristig ist nun ein Blog herausgekommen, in dem eine Handvoll Landwirte und ein Stall-Architekt in einer mehr oder weniger geschlossenen Blase miteinander diskutieren, sich wechselseitig in ihren Existenzängsten bestätigen und sich unisono auf jeden stürzen, der nicht in der Haut eines Landwirts steckt und dennoch wagt, sich hier zu melden. Deshalb sind die Diskussionen für einen „Verbraucher“ wie mich, der andere Existenzprobleme als Landwirte hat, langweilig geworden.

                Meiner Ansicht nach liegt das an an diesem Missverständnis. Dir, Bauer Willi, erscheint der „Verbraucher“ widersprüchlich oder sogar schizophren, weil du seine Existenzgrundlagen nicht nachvollziehst, und dem „Verbraucher“ als Nicht-Landwirt erscheint die Argumentation auf dem Blog hier widersprüchlich und schizophren, weil er nicht in der Haut eines Landwirts steckt und dessen Existenzsorgen nicht nachvollzieht. Wenn ein Pseudo-Philosoph wie ich daherkommt und versucht, das wechselseitige Nicht-Verstehen auf der dafür notwendigen Metaebene zu diskutieren, wird er ebenfalls nicht verstanden und niedergebügelt, was mir jetzt übrigens nicht zum ersten Mal passiert ist, sondern schon mehrfach. Entschuldige, firedragon, du bist damit nicht gemeint.

                Bauer Willi, oben auf deiner Seite steht: „Den Horizont erweitern. Über den Tellerrand schauen“. Das war nicht von Anfang an das Motto dieses Blogs, aber es bestätigt meine „Leitbild-Theorie“, die lautet: „Was als Leitbild gewählt wird, ist in der Regel das Gegenteil von dem, was in Wirklichkeit stattfindet. Als dieses Motto noch nicht da oben stand, haben die Diskussionsteilnehmer über den Tellerrand geschaut und den Horizont erweitert, aber seit dieses Leitbild aufgetaucht ist, geht es mit den Diskussionen bergab. Wobei es sich dabei natürlich nur um eine Korrelation handelt, nicht um eine Kausalität.

                Das sind harsche Worte, ich weiß, und sie gelten auch nicht für dich, Bauer Willi, schließlich hast du „das Missverständnis“ ja erkannt, sowie zwei oder drei Ausnahmen unter den Kommentatoren. Was aber nichts daran ändert, dass die Kommentarrunden sich hier nur noch im Kreis drehen und einem vorhersehbaren Muster folgen. Gähn!!! Da ist dann in der Tat wesentlich interessanter, wenn man Kartoffeln pflanzt oder in den Garten geht.

                • Reinhard Seevers sagt

                  Wenn man selber nicht mehr durchzudringen meint, die Schuld anderen in die Schuhe zu schieben, finde ich ziemlich arm. Vielleicht auch die eigene Position in Frage stellen kommt nicht in Frage?

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                • firedragon sagt

                  Mädels (Herr Seevers), immer mit der Ruhe !

                  Herr Finger,

                  es ist total in Ordnung, wenn Sie die „Blasenbildung“ monieren und danke, dass Sie „uns“ gelegentlich „den Kopf waschen“. Für die, die das nicht einordnen können – das nennt sich Diskussion.

                  Ich wollte Ihnen noch etwas zum eigentlichen Thema nachreichen, was ich gestern nicht mehr geschafft habe.

                  Die LW hat ein Schreiben erhalten, ich zitiere einige Passagen:
                  „… wurde Ihr Betrieb zur Teilnahme ausgewählt. …“
                  „… Erhebung … (dann viele Pragraphen) … wahreitsgemäß, vollständig und innhalb der gesetzen Fristen …“
                  “ … muß auf elektronischem Wege erfolgen. …“
                  „… Danke, dass Sie mit Ihrer Meldung Verantwortung für unsere informierte und demokratische Gesellschaft übernehemen. “ (dies ist der Schlußsatz des Schreibens)

                  Herr Finger,
                  was denke Sie von woher kommt dieses Schreiben und was ist dort zu melden?

                  Wir bekommen diese Schreiben seit Jahren, jedes Jahr. Also kann von „auserwählt“ nicht die Rede sein, zumal jeder Betriebsinhaber, dem ich davon erzählte sagt, er hat das ebenfalls erhalten. Für mich bedeutet das, es ist eine Zwangsauskunft, die gegeben werden muß.
                  Die LW soll also Daten liefern. Das sind im Übrigen Zahlen, die alle im E-Antrag stehen, dem Finanzamt vorliegen oder in der TEM usw zu finden sind, weil die LW sie dort schon angeben hat.

                  Die Textausschnitte stammen aus dem Schreiben ‚Agrarstrukturerhebung 2026‘ vom Statistischen Landesamt Rheinland Pfalz.

                  Die Arbeit, den bürokratischen Aufwand, den ich dafür dafür leisten muß, bekomme ich erstens nicht bezahlt, zweitens ist es blanker Hohn, da alle Daten zwischen den Ämtern augetauscht werden könnten, da wir überall ankreuzen, dass wir Datenaustausch einverstanden sind.
                  Gerade in diesem Fall, Statistisches Lansesamt, handelt es sich um Bürokratie, die uns mehr aufhält, als sie uns bringt, weil alle Daten bereits an verschieden Stellen gegebn wurde.

                  Es ging ja hier um Bürokratieabbau, das währe so ein Fall.

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                • Arnold Krämer sagt

                  Landwirt und Verbraucher haben selten direkt miteinander zu tun. Der Verbraucher wird jedoch politisch und medial missbraucht, um mit seinen angeblichen Mehrheitsinteressen die konventionelle Landwirtschaft in eine Transformation zu zwingen, die ökonomisch viele (nicht nur Landwirte) arm, aber wenigen ein angeblich gutes Gewissen macht.
                  Auch darauf weisen die Landwirte und der Architekt hier im Blog immer wieder hin, in der Hoffnung mit Verbraucheraufklärung letztlich die Politik von ihren Irrwegen abzubringen. Das Wahlvolk Landwirtschaft ist in der Tat viel zu klein.

                  Ich sehe nicht, dass hier keine Verbraucheraufklärung mehr betrieben wird.
                  Die landw. Themen, die Produktion betreffend, wiederholen sich eigentlich jährlich. Da ist auch in 10 Jahren so ziemlich alles „durchgekaut“. Im Fluß sind allerdings die Rahmenbedingungen seitens der großen und kleinen Politik sowie die Demographie.
                  Mit Corona, dem Ukrainekrieg und jetzt dem Irankrieg sowie dem „unbarmherzigen“ Festhalten an der deutschen Energiewende sind aber auch alle volkwirtschaftlichen Gewissheiten ins Rutschen geraten. Das Volk wird ärmer, im Kopf, im Geldbeutel. Da kommt jetzt viel ins Rutschen. Landwirte haben viel Gespür für Fehlentwicklungen, was auch bei etlichen Kommentatoren hier zum Ausdruck kommt. Gleichzeitig wird die Hilflosigkeit spürbar.

                  4
      • Bauer Willi sagt

        @Marian
        „Hier im Blog wird im Allgemeinen die Meinung vertreten, dass die heimische Landwirtschaft vor (Billig-)Importen geschützt werden sollte.“
        Mein Eindruck ist, dass die Landwirte sich vor Importen von Produkten wehren, die zu Konditionen erzeugt werden, die nicht den deutschen oder europäischen Standards entsprechen. Damit ist der Wettbewerb unfair. Das war und ist ja auch die Diskussion bei Mercosur und anderen Handelsverträgen.
        Beispiel: Mindestlohn Deutschland 13,90 €/h, Polen 7,46 €/h. Wer in Frankfurt/Oder Spargel, Erdbeeren oder Äpfel produziert, muss sich diesem Wettbewerb stellen. Wie soll das gehen?

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        • Reinhard Seevers sagt

          Marian schrieb:
          „Wenn Deutschland aber mehr Fleisch ex- als importiert, dann ist es in diesem Fall doch die deutsche Landwirtschaft, die andere Länder von Importen abhängig macht.“

          Solche Aussagen verdeutlichen doch die komplette Fehleinschätzung von Ökonomie im europäischen oder globalen Sinn. Und außerdem ist DAS doch eine explizites „Schlechtreden“ von Exporten, was ja ausdrücklich nicht erwähnt werden soll von uns.

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          • Inga sagt

            Ja,
            wenn die anderen Länder weniger und weniger gutes Schweinefleisch haben, müssen sie importieren,
            von uns oder wo anders her ist egal, aber sie machen sich nicht deswegen abhängig von unseren Angeboten, bzw Exporten!

            Die können frei entscheiden.

      • Elisabeth Ertl sagt

        Der Selbstversorgungsgrad allein sagt nichts. Stellen Sie sich vor, Südeuropa würde seine Gemüse- und Obstproduktion auf Selbstversorgung zurück fahren. Dann müssten die Deutschen um 39% mehr Schweinefleisch essen, um nicht zu hungern.
        In Deutschland wächst das Schwienefleisch bessre, und in Südeuropa das Obst und Gemüse. Das hat sich in der EU irgendwann herumgesprochen.
        Die Frage ist, ob ganz Europa bzw. die ganze Welt weniger Schweinefleisch essen soll oder nicht.

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        • Elisabeth Ertl sagt

          In Österreich wachsen übrigens Milch und Rindfleisch besonders gut, weil man auf der Alm keine Zucchini anbauen kann. Drum beträgt bei uns der Selbstversorgungsgrad von Milch 178% und bei Rindfleisch 147%. Die Italiener freuts. Ein Rind lebt in Kalabrien nicht so gern ohne Klimaanlage.

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        • Elisabeth Ertl sagt

          Das südeuropäische Gemüse ist ja auch nicht nur deswegen billiger, weil dort Arbeitskräfte ausgebeutet werden, sondern weil im frostfreien Gebiet die Flächen ganzjährig nutzbar sind und temperaturbedingt die Erträge höher.

          1
  5. Kemetbauer sagt

    In den Bundesländern kommen zwischen 170 und 230 Einwohner auf einen Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Im Osten ist der Besatz mit ÖDlern etwas höher. Seit 2014 sind die Zahlen bei den ÖDlern um ca. 13% gestiegen; also gut 1% jedes Jahr. Diese Wachstumsrate wird zukünftig eher größer als kleiner. Wie könnte sich ein Normaldenker da eine Abnahme der Bürokratie vorstellen? Jede kleine unwirksame Vorgabe, die gestrichen wird, wird von der Politik gefeiert. Gleichzeitig erscheinen schon zwei neue, gravierend gängelnde Vorgaben am Horizont. Wer der Politik das Gewäsch von der Reduzierung der Bürokratie abnimmt, der sollte sich auf seinen Geisteszustand hin untersuchen lassen,

    19
  6. Elisabeth Ertl sagt

    Wie man sagt:
    In Deutschland ist alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist.
    In England ist alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist.
    In Italien (Österreich?) ist alles erlaubt, was ausdrücklich verboten ist.
    Deutschland ist das mächtigste Land der EU. Es setzt nicht nur besonders gewissenhaft um, was von dort kommt. Es setzt dort Vorgaben auch besonders energisch durch – siehe Mercosur.
    Warum genau ist eigentlich Großbritannien aus der EU ausgetreten? 🙂
    In Österreich hat vor kurzem der Salzburger Landesjägermeister einen Vortrag gehalten, der sehr viel Staub aufgewirbelt hat. Er habe einem Vertreter des Naturschutzbundes gesagt: wenn ein Wolf meine Schafe nur dumm anschaut – ich leg ihm um. Darauf warnte ihn der NGOler, dass ihm dass der Jagdschein weggenommen wird. Darauf meinte Mayr-Melnhof: Dann schieß ich den nächsten ohne Jagdschein.
    https://www.youtube.com/watch?v=SdY8U3EvH_E&t=1582s
    Natürlich hat Tierschutz Austria ihn daraufhin angezeigt. Mayr-Melnhof blickt der Verhandlung gelassen entgegen. Er wird sich auf die Verfassung berufen, wonach jeder Bürger das Recht hat, sein Leib, Leben und Eigentum zu schützen.
    Dazu fällt mir ein italienisches Sprichwort ein, von welchem ich nur die deutsche Übersetzung kenne: Kaum ist das Gesetz gemacht, ist der Ausweg schon gefunden.

    10
  7. Frikadellen piet 47 sagt

    moin und frohe Ostern. Bürokratie Abbau, da wir es nicht verstehen müssen wir auch weniger schreiben! ich hoffe jeder hat aufgeschrieben wie viel Ostereier her gegessen hat! schönen Tag

    1
    • Inga sagt

      wieviel hartgekochte Ostereier sind schädlich?
      ist Privatdache.

      Aber was wir unseren Pflanzen uns Tieren geben,
      müssen wir weshalb dokumentieren?

      1
  8. Werner Knödler sagt

    Bemerkung zur Entbürokratisierung eines vor
    nun beinahe 25 Jahren verstorbenen Beamten im
    gehobenen Dienst :
    Bürokratieabbau geht nur mit Feuer und Schwert .

    Hinweis : Dies ist kein Aufruf zu illegaler Gewalt !

    13
  9. Jek sagt

    Frohe Ostern und einen schönen Ostermontag
    Wie sieht es eigentlich in Argentinien aus? Da hat doch einer mit der Motorsäge dem Bürokratie Monster den Kampf angesagt.
    Ich habe jetzt schon lange nichts mehr über Argentinien gehört.
    Mein letzter Stand war, die Gesellschaft der Arbeiter hat dem Mann noch mehr zugestimmt. Allerdings die Beamten die durch den Bürokratie Abbau ihre hochbezahlten Jobs verloren haben sind nicht glücklich.
    Wer weiß wie der heutige Stand ist?

    8
    • Arnold Krämer sagt

      Das 1. Parkinsonsche Gesetz gilt nicht nur für öffentliche Verwaltungen. Wer ehrlich zu sich selbst ist, wird zugeben müssen, dass es auch für den eignen privaten Bereich gilt. „Eine Arbeit/Tätigkeit dauert immer solange, wie Zeit zur Verfügung steht.

      Das Hauptproblem für den Agrarsektor ist
      1. die massive Ausweitung aller Vorschriften
      2. die Einbeziehung von immer mehr Betrieben in den Gültigkeitsbereich von Vorschriften
      3. die „Verkomplizierung“ der Vorschriften
      4. die zunehmende Überforderung der Verwaltungen
      5. die „Vermischung“/Überschneidung von Eigenkontrollsystemen (QS, ITW, u.ä.) mit staatlichen Vorschriften
      6. immer schnellere Abfolge von Änderungen

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      • Heinrich Steggemann sagt

        Wieviel zusätzliche Talente muss ein aktueller oder zukünftiger Landwirt noch auf sich vereinigt haben um den Wahnsinn bewältigen zu können oder auch zu wollen?

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        • Arnold Krämer sagt

          Ja, Landwirte müssen schon heutzutage verdammt gut funktionieren. Wer dann den Rücken nicht frei hat, was das Private betrifft, kann sehr schnell ins Schlingern geraten.

          7
  10. Otto Loewl sagt

    wenn man Bürokratie abbauen möchte
    müsste man die Anzahl der Bürokraten
    mindestens halbieren .
    Um dies zu schaffen bräuchten wir eine
    große Verwaltungsreform, mit dem Ziel
    das Berufsbeamtentum abzuschaffen .
    Es kann nicht sein dass man eine gesicherte
    Anstellung auf Lebenszeit hat mit super
    Pensionen ohne etwas eingezahlt zu haben
    Ein krasses Beispiel vom Beamtenturm
    Ist das Wehrbeschaffungsamt der Bundeswehr in Koblenz mit über 10000
    Beschäftigten. jede Kleinigkeit geht über
    dieses Amt
    Das nennt man Dienstweg.
    Würde man die Bundeswehr abschaffen
    würde man es dort vielleicht gar nicht merken.
    Das gleiche gilt für die Gesundheitsämter.
    bei Corona waren sie total Überfordert
    weil immer noch mit Faxgeräten und
    Zettelwirtschaft gearbeitet wurde.
    Uns Bürger macht man relataetsfremde
    Vorschriften weil man in der Regel keinen
    Sachverstand hat und nicht weiß wie s
    im normalen Arbeitsleben zugeht.
    Um daß zu ändern muss es erst so schlimm
    wie in Griechenland kommen. Die haben
    dass in ihrer Not begriffen.

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    • Heinrich Steggemann sagt

      Aufgrund des demografischen Wandels haben wir aktuell die einmalige Chance von zwei frei werdenden Beamtenstellen wegen Ruhestand nur eine neu zu besetzen.

      6
    • Arnold Krämer sagt

      Das Problem in der Bürokratie können Beamte sein, die besonders eifrig, kreativ und im vorauseilenden Gehorsam tätig sind. Keine Frage.

      Das eigentliche Problem sind jedoch die Personen, die Gesetze/Verordnungen veranlassen und beschließen
      1. auf Initiative von (auch kleinen) Interessengruppen,
      2. aus eigenen Antrieb,
      3. auf Hinweise aus dem Behördenapparat,
      dass irgenwo „Lücken“ zu füllen sind. Es sind also die Politiker, die auch in der Gesetzesarbeit arbeitsteilig unterwegs sind und längst nicht mehr alles überschauen , wofür sie bei Abstimmungen die Hand heben.

      Die vermeintlichen, aber auch gelegentlich realistischen Lücken bzw. Mängel/Defizite haben mit den Sicherheits-, den Gerechtigkeits- und den Moralempfindungen der Menschen zu tun.
      Da die Deutschen zu Übertreibungen neigen, nimmt das oft entsprechende Formen an.

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        • Arnold Krämer sagt

          Da ist es der kreative Kommissionsapparat, dem das meist zustimmungspflichtige EU- Parlament nicht folgen kann. Auch in Brüssel kommen viele Impulse von NGO’s, also von außen.
          So wie in D die Bundesgesetze nicht immer einheitlich umgesetzt werden, (die Länder sind meist zuständig für die Agrarverwaltung), wenden auch die Mitgliedstaaten der EU die Brüsseler Vorgaben nicht einheitlich an. Teilweise werden ihnen dafür ja auch die Freiräume gesetzlich zugestanden.

          4
          • Reinhard Seevers sagt

            Man kann es wenden, wie man möchte, die Verknüpfungen und Diversifizierung/Aufspaltung der Verantwortungsebenen führt zu einem Gordischen Knoten, der in meinen Augen nur durch eine Zerschlagung aber niemals durch eine Entwirrung gelöst werden kann. Ich warte nur noch auf den Zeitpunkt, an dem irgendjemand die Axt anlegen wird….wahrscheinlich wird das ein unendliches Warten werden.

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            • Arnold Krämer sagt

              Das sehe ich genauso! Die Probleme dürfen nicht angesprochen werden, weil das freie Reisen mit der Einheitswährung gefährdet ist, und die AfD das Thema schon adressiert hat mit einer Radikalforderung nach EU-Austritt. So geht das aber immer weiter bis zur totalen Erschöpfung.

              9
      • Elisabeth Ertl sagt

        Vorbemerkung:
        In Wien ist das Phänomen Arbeit psychologisch negativ besetzt. Wenn ein Wiener mit einem anderen Menschen „eine Rechnung offen“ hat, dann rächt er sich, indem er dem anderen Arbeit macht.

        Wenn nun Bürger sich bei einem Wiener Ministerialbeamten beschweren, dass die ihm Unterstellten sich nicht an Vorschriften halten, dann sieht sich der Beamte zum Einschreiten, zur Kontrolle, also zur Arbeit, genötigt und sinnt auf Rache. Er verfasst einen Erlass, der auf eine Weise in den Arbeitsablauf der ihm unterstellten Beamten eingreift, dass hinkünftig Bürger jenen selber lästig werden und nicht ihm.
        Erreicht nun ein solcher Erlass eine Wiener Behörde, dann wird er lieblos mit einem schiefen Reißnagel an das Anschlagbrett geheftet. Nach und nach werfen passierende Beamte einen Blick auf das Papier, nicken wissend und gehen weiter. Wenn genügend Personen den Anschlag gelesen haben, trifft man sich gemütlich im Kaffeezimmer, und dann beginnt das angeregte Rätsellösen: Wer von den Anwesenden weiß denn, wer es diesmal war, der sich bei dem Ministerialbeamten beschwert hat, und worüber er sich beschwert hat, sodass der Ministerialbeamte eines dieser Papiere ausgesendet hat mit der immer gleichen dahinter liegenden Botschaft: Ihr könnt gerne weiter machen wie bisher, nur sollte sich jemand beschweren, dann rechnet nicht mit mir!
        In Wien werden diese Vorgänge als das gesehen, was sie sind: ein lustiges Gesellschaftsspiel.
        Und dann macht man eben weiter wie bisher, und erst im doch immerhin seltenen Fall, dass das schiefgeht, hält man sich halt fortan ausnahmsweise an einen Erlass.

        Nur leider erreicht der Erlass ganz Österreich und löst jeweils lokaltypische Kulturschocks aus:

        Die Oberösterreicher beispielsweise als die „Preußen Österreichs“ sind es gewohnt, von Vorgesetzten sinnvolle und durchdachte Anweisungen zu bekommen, und sie sind jederzeit bereit, diese auch auszuführen. Im Zuge der Umsetzung des Erlasses fällt ihnen aber auf, dass er in mancherlei Hinsicht für sie undurchführbar ist. Das versetzt diese Leute in erheblichen Stress, sind sie es doch gewohnt, von ihren Vorgesetzten zu vorher unbekannten Zeitpunkten kontrolliert zu werden. Sie wissen nicht, dass einem Wiener Ministerialbeamten nichts ferner liegt, als in Oberösterreich Nachschau zu halten, denn das wäre schließlich wieder Arbeit.
        Die Frustration schaukelt sich hoch zu immer heftigeren Ressentiments gegenüber Wien.

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        • Bauer Willi sagt

          @Elisabeth
          Ich wette, dass Du nicht in Oberösterreich lebst.
          Erinnert mich an die „Freundschaft“ zwischen Köln und Düsseldorf. Düsseldorf liegt ja auf der rechten Rheinseite und damit (für den Kölner) in Vorderasien, kurz vor dem Ural….

          1
          • Elisabeth Ertl sagt

            Ich bin in Oberösterreich geboren und habe 28 Jahre dort gelebt, aber auch 15 Jahre in Wien, 5 Jahre in Salzburg und 2 Jahre in Saalfelden (BL Salzburg) Jetzt lebe ich an einer Kulturgrenze: zwischen dem einst ungarischen Burgenland und der Steiermark (dem Territorium des wilden Bergvolkes hinter dem Semmering). Mit Tirol, Vorarlberg und Kärnten habe ich auch Erfahrungen …
            Ich dachte, die große Moschee steht in Köln, nicht in Düsseldorf ….

            • Elisabeth Ertl sagt

              Kann schon sein, dass für einen Kölner auch Oberösterreich längst alles andere als preußisch ist! Für einen Ostösterreicher aber schon! Die Wiener sind peinlich berührt, wenn sie irgendwann trotz ihrer Abgeschottetheit (befindest du dich mitten in Wien, siehst du ja rings um dich nichts anderes als Wien!) draufkommen, dass die Oberösterreicher wörtlich nehmen, was man ihnen sagt.

  11. MarK sagt

    „Echten Bürokratieabbau kann es nur geben, wenn gesetzliche Vorschriften abgeschafft oder massiv vereinfacht werden.“
    Und ganz wichtig: wenn die Zahl der dafür zuständigen Beamten entsprechend vermindert/ersatzlos gestrichen wird! Ohne dies wird es nie wirklichen Bürokratieabbau geben!

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    • Ex-Baumschuler sagt

      Die beim KTBL Vortragenden sind übrigens ebenfalls fast alle Bürokraten (die sich mit der aktuellen Bürokratie befassen und großteils damit ihren Lebensunterhalt verdienen) und zudem Beamte.

      Alles ein Moloch. Und streicht man das Wörtchen „CO2“, ist die Hälfte davon sofort arbeitslos.

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  12. Polymesos sagt

    Vorschlag zum Bürokratieabbau:

    Ein neuer Paragraph im Grundgesetz vor allem anderen:
    § 0 Jedes Gesetz benötigt einen Zweck.
    Wenn in einem möglichen Anwendungsfall der Zweck
    nicht erreicht werden kann, gilt das Gesetz in diesem Fall nicht.

    Ok, das dürfte einen endlosen Bürokratiewahn der Zweck Definition
    nach sich ziehen.

    Oder man könnte § 0 rückbezüglich auf sich selbst anwenden.

    1
    • Peter sagt

      Ja. Wenn ich erkenne, dass die Zahlungen an Steuern und Abgaben zu welcher ich verpflichtet bin, zweckentfremdet werden, dann darf ich die Zahlungen einstellen. 😜

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  13. Promberger Konrad sagt

    Dieser ganze Mist ist immer noch besser als totale Korruption, und Gewaltherrschaft.
    Kommt es zu Knappheiten ist das sehr schnell auf Eis gelegt. Da genügen 1-2% Markt-
    unterdeckung. Das hat man bei der Milch gesehen. Jahrelang hingen die 40cent Tafeln
    an der Wand,alles obsolet .Konvi-Milch sprang auf 60cent. Kein Muks in der Zeit von der
    Molkerei oder sonst wem zu Öko-Fußabdruck, Anbindehaltung oder sonst was. Dreht sich
    der Markt, dann dauert es 2-3 Monate dann geht es von vorne los. Greenpeace, Tierärzte-
    kammer usw. beenden den Ruhemodus und geben Pressemitteilungen ab, die sogar in den
    Hauptnachrichten kommen.
    Ärgern tut mich wenn zusätzlich ein “ Bauturbo“ gezündet wird. Flächenfrass und ein
    Rundumschlag mit Beton,Stahl und Glas passen nicht zu den Anforderungen.

    13
    • Reinhard Seevers sagt

      „Dieser ganze Mist ist immer noch besser als totale Korruption, und Gewaltherrschaft.“

      Diese Extreme sind die Alternativen zur Lage? Dann kann es ja ruhig noch erheblich schlimmer werden und im Endeffekt genau dorthin führen…..ehrlich? 😳

      8
  14. Gerhard sagt

    Interessant wäre einmal zu erfahren, viel Energie für den ganzen Digitalisierung Wahn verbraucht wird.
    Die ganze Bürokratie mit ihren Helfern (Vetwaltungsangestellten usw.) die den ganzen Tag vor Computern sitzen in Räumen die dafür gebaut wurden und auch beheizt werden müssen.
    Und die Energie die verbraucht wird um das ganze System zu füttern, sprich die Dateneingabe derjenigen die dazu per Gesetz verpflichtet sind.
    Mann sollte die Bürokratie als massiven CO2 Produzenten somit als Klimakiller framen.

    31
    • Bauer Willi sagt

      @Gerhard

      Das sagt die KI:

      – Wirtschaftliche Belastung: Die Bürokratie kostet die deutsche Wirtschaft bis zu 146 Milliarden Euro pro Jahr.
      – Volkswirtschaftliche Auswirkung: Diese Kosten entsprechen etwa 3,4 % bis 1,5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP).
      – Verwaltungsaufwand: Die öffentliche Verwaltung in Deutschland wendet jährlich über 400 Milliarden Euro für Personal auf.“

      Jetzt kann man zurückrechnen, wieviel Strom man für 400 Milliarden Euro bekommt. 🙂

      1
  15. Heinrich Steggemann sagt

    Wir versuchen durch zusätzliche Bürokratie, zusätzlichen Technikeinsatz und zusätzlichen Bauaufwand negative Folgen für die Umwelt zu reduzieren.
    Alle Massnahmen verursachen erst mal zusätzliche Umweltbelastungen pro Produktionseinheit.
    Ammoniak und unangenehme Gerüche entstehen durch mikrobielle Fäulnisprozesse.
    Vor Erfindung von Kühlschrank und Gefriertruhe hat man Lebensmittel mit höheren Wassergehalten durch Fermentation für eine gewisse Zeit haltbar gemacht. Fäulnisbakterien hat man z.B. durch Milchsäurebakterien etc. zurückgedrängt.
    Warum verfolgt man diesen Ansatz nicht bei Gülle und Mist???
    Ich habe viele Jahre positive Erfahrungen damit gesammelt.
    Gleichzeitig hat sich die Arbeitsqualität im Stall für mich und meinen Mitarbeiter deutlich verbessert.
    Beim Abluftwäschersystem wird eine schlechtere Stallluft erst beim verlassen des Stalles mit viel Technik und Energieaufwand verbessert. Mensch und Tier im Stall profitieren nicht davon. Ebenso gast eine Fäunisgülle mehr Ammoniak und unangenehme Gerüche bei der Lagerung und Ausbringung aus.
    Weitere positive Nebeneffekte sind ein deutlich reduzierter Fliegenbefall und eine fliessfähigere Gülle.

    7
    • Reinhard Seevers sagt

      Die Ansäuerung von Gulle ist schon lange ein Thema,vsie wird aber nicht als emissionsmindernde Maßnahme anerkannt. Das KTBL, die DLG, uvm. müssen erst eine rechtlich sichere Form finden, die der Verwaltung eine Kontrolle- und Verifizierung -Möglichkeit geben. Alles,vwas nicht nachprüfbar oder glaubhaft umsetzbar ist, wird nicht anerkannt. Biowäscher sind berechenbar und kontrollierbar….

      7
        • Heinrich Steggemann sagt

          @ Reinhard Servers
          Die Ansäuerung von Gülle bereits im Stall sehe ich eher kritisch.
          Passende Mikrobiologie könnte schon dem Futter zugemischt werden und wie die etablierte N und P reduzierte Fütterung anerkannt werden.
          Ebenso wäre eine zertifizierte Sprühanlage für Mikrobiologie im Stall mit Verbrauchsmengennachweis aus meiner Sicht ein praktikabler Weg.

          1
          • Reinhard Seevers sagt

            Wie gesagt, die „Experten“ müssen sich lediglich auf eine anerkannte Verfahrensweise einigen. 🤔

            4
          • Peter sagt

            „Ebenso wäre eine zertifizierte Sprühanlage für Mikrobiologie im Stall mit Verbrauchsmengennachweis aus meiner Sicht ein praktikabler Weg.“
            …na klar doch…noch was zu Zertifizieren und Dokumentieren. Genau darum das Fragezeichen im Titel heute🤡

            7
    • Heinrich Steggemann sagt

      Wer tiefer in das Thema Mikrobiologie einsteigen möchte, dem empfehle ich beispielhaft folgende Namen zu googlen: IG-gesunde-Gülle / Gülleanalyse-Ingrid Bauer / Dr. Birgit Schwagerick

      3
      • Stadtmensch sagt

        Danke Herr Steggemann, sie bringen hier schon seit Jahren immer wieder konstruktive Vorschläge. Schade, dass Politik und Verwaltung so festgefahren scheinen.
        Das Potential von „Gesunde Gülle“ oder eben auch menschlicher Stoffwechselendprodukte wird bisher ziemlich vernachlässigt. Gibt nicht mal Bemühungen, entsprechende Verfahren zu zertifizieren, so dass Produkte und Lösungen Einzug halten können in den Alltagsgebrauch, die dabei helfen, Verschwendung zu beenden und Stoffkreisläufe besser zu organisieren.

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      • Ex-Baumschuler sagt

        Ja ja, Herr Steggemann, so ist das mit der Güllemikrobiologie. Es erinnert mich daran, dass mein übergärter Kimchi noch auf den Kompost muss, und schön einarbeiten, sonst gibt das eine Riesenschweinerei. So was im Industriemaßstab darf man sich gar nicht vorstellen.

  16. Rathje Clasen sagt

    Schaut euch mal an ,was Karl Lauterbach auf N-TV für Empfehlungen gibt !!
    Wenn wir die Wissenschaft nicht hätten ……

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  17. Thorens sagt

    „Die Bürokratie ist ein gigantischer Mechanismus, der von Zwergen bedient wird.“

    Honoré de Balzac
    wusste dies schon in der ersten Hälfte des 19. Jhds.

    Es ist seitdem eher schlimmer geworden und es kommt der Tag, an dem Bürokraten nur noch Bürokraten verwalten, wenn die anderen längst aufgegeben haben.

    Frohe Ostern.

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  18. Reinhard Seevers sagt

    Die Genehmigungsbehorden sind heute bereits überfordert mit der Bearbeitung von Anlagen. Der Generationswechsel und der damit verbundene Personalwechsel ( inkl. fehlender Erfahrung) führen bereits heute dazu, dass die Verfahren mehr als 2 Jahr dauern. Der Bauturbo steht in den Sternen….damit die Verwaltung sich etwas Luft verschaffen kann, wurde u.a. die Rucknahmefiktion eingeführt, die die Pflicht zur vollständigen und zeitnahen Unterlagen – Beibringung dem Antragsteller zuschiebt, derweil man unablässig Nachforderungen stellt oder formale Fehler findet.
    Wenn Betriebe dann noch mehrere Betriebsformen besitzen, wird’s komplett konfus.

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  19. Rathje Clasen sagt

    Die Politik weiß , was für uns richtig ist. Wir haben es nur noch nicht verstanden .
    Ironie off.

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  20. Bergamasca sagt

    „… wie sich der Programmierer das gedacht hat.“

    Dazu passend, gestern gehört:
    Eine Frau schickt ihren Ehemann, von Beruf Programmierer, zum Einkaufen. Er solle Folgendes besorgen: „Eine Flasche Milch, und wenn es Eier gibt, dann bring bitte 6 mit.“ Der Programmier geht und kommt nach Hause mit 6 Flaschen Milch. Auf die erstaunte Nachfrage der Frau, warum er 6 statt 1 Flasche gekauft habe, lautet die Antwort: „Weil es Eier gab!“

    Frohe Ostern!

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