Autor: Bauer Willi

Emotionen und moderne Mythen um Landwirtschaft

Ich weiß nicht, ob ihr es wisst: ich bin ein heimlicher Fan von Urs Niggli, dem ehemaligen Leiter des Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FibL). Er hat neulich in Wien einen Vortrag gehalten, der mir gefallen hat, auch wenn es dabei um natürlich auch um Bio-Landwirtschaft geht. Trotzdem ist Urs Niggli in meinen Augen ein Brückenbauer, der die Dinge wissenschaftlich und ohne ideologische Scheuklappen sieht. Das gefällt mir. Übrigens durfte mit ihm auch schon in einem Podcast des Handelsblatt diskutieren und habe ihn da genau so erlebt: offen und wissenschaftlich orientiert. Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren

Was für ein statistischer Schwachsinn…

Wieder ein Artikel aus dem IFES (Institut für erfundene Statistiken, Institutsleiter Bauer Willi) Ob dem „Journalisten“  Rene Bocksch von Statista (rene.bocksch@statista.com) wirklich nicht auffällt, was für einen statistischen Blödsinn er da schreibt? https://de.statista.com/infografik/31319/pestizidnutzung-auf-anbauflaechen-in-europa/ Hier ein Auszug: „Auf jedem Hektar Acker sind in Deutschland im Jahr 2021 rund 4,1 Kilogramm Pestizide versprüht worden. Das zeigt die Statista-Grafik auf Basis von Schätzungen der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO). Damit liegt Deutschland deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 1,75 Kilogramm pro Hektar Anbaufläche. Einen besonders hohen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln registriert die FAO in Andorra (17 Kilogramm/Hektar) und den Niederlanden (10,9 Kilogramm/Hektar). Weniger häufig kommen Pestizide in Osteuropa und Skandinavien zum Einsatz. Eines der am häufigsten genutzten Pestizide ist der Unkrautvernichter Glyphosat. Das Mittel steht unter Verdacht krebserregend zu sein und weitere Umweltrisiken mit sich zu bringen. Die EU-Zulassung von Glyphosat wäre Mitte Dezember 2023 ausgelaufen, die EU-Kommission erteilte jedoch kürzlich eine Freigabe für weitere zehn Jahre.“ Zum Glück hat der Herr seine Mailadresse hinterlassen und so kann man ihm erklären, warum diese Form von …

Wir sind (stolze!) Obstbauern, Gärtner und Landwirte

Ein Zwischenruf von Jens Stechmann und Jörg Hilbers (Fachgruppe Obstbau) „Die Diskussion und die Kommentare nach der erleichternden EU-Entscheidung (z.B. Tagesschau: „Pestizidgesetz gestoppt: Schwarzer Tag für Verbraucher“) machen wieder einmal deutlich, dass der allergrößte Teil der Bevölkerung ein grundlegend falsches Verständnis von der Landwirtschaft hat. Offensichtlich muss man Landwirtschaft und Gartenbau erleben um zu wissen: Jede Kulturarbeit, jeder Spatenstich und jeder Baumschnitt, den wir machen, beeinflusst die Flora und  Fauna. Es liegt in der Natur der Sache, dass, egal ob eine mechanische, biologische oder chemische Maßnahme erfolgt, diese Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt hat. Wir wägen ab: Kulturmaßnahme (in unserem Fall zur Nahrungsmittelproduktion) gegen Auswirkung auf Flora und Fauna. Und Menschen müssen essen. In der komplexen Mensch-Natur-Beziehung haben wir Obstbauern also eine besondere Verantwortung. Wenn aber, wie in den heutigen Kommentaren von einem „schwarzen Tag für Verbraucher“  geschrieben wird oder wenn, wie z.B. in einigen Schulen Nordrhein-Westfalens Theaterstücke aufgeführt werden (Apfelkomplott), in denen Pflanzenschutz pauschal als Vergiftung dargestellt wird oder die „Zeit“ einen Bericht über einen interessanten, aber nicht wirtschaftlichen und nicht wissenschaftlichen Versuch, …

Laborfleisch – ein Science-Talk

Wer sich dafür interessiert, kann sich hier ein Interview mit einer Forscherin an Laborfleisch ansehen. Ich habe es getan und fand es nicht wirklich weiterführend https://www.swr.de/swr2/wissen/das-fleisch-der-zukunft-laborfleisch-petra-kluger-swr-science-talk-100.html Da für Laborfleisch ja ein Ausgangsstoff benötigt wird, nachfolgend einige Links, die sich mit dem eher „unappetitlichen“ Teil der Geschichte befassen: dem fötalen Kälberserum (FBS). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8349753/#:~:text=Searching%20an%20alternative%20for%20FBS,immensely%20available%20invertebrate%20fluids%2C%20etc Abstract In der Vergangenheit wurden mehrere Ansätze vorgeschlagen und angewendet, aber keiner ist so weit verbreitet wie FBS, und jede Ergänzung hat ihre eigenen Nachteile. (…) Das Potenzial von vier verschiedenen alternativen Quellen für FBS, nämlich Rinderaugenflüssigkeit, Sericinprotein, menschliches Blutplättchenlysat und hitzeinaktivierte Zölomflüssigkeit von Regenwürmern, wurde bewertet. Abschließend präsentieren wir die konzeptionelle Perspektive unter Verwendung der Kombination aus menschlichem Blutplättchenlysat (HPL) und hitzeinaktivierter Zölomflüssigkeit (HI-CF) von Regenwürmern, um FBS und seinen Kontext in wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen abzuwechseln. Schlussfolgerungen Anschließend könnte die umfassend verfügbare und reproduzierbare tierische Flüssigkeit von Wirbellosen ein potenzieller Kandidat für eine FBS Alternative sein. Obwohl der Regenwurm HI-CF über die Faktoren verfügt, die das Zellwachstum unterstützen, kann die Kombination von HPL und HI-CF das Potenzial haben, die Zellen in …

Bio-„Papst“: Wir brauchen die neue Gentechnik

Der Link ist schon in der Überschrift bemerkenswert: Bio-„Papst“ (!) in der „Evangelischen“ Zeitung. Urs Niggli war lange Jahre der Leiter des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FIbL).  Er hat es sich mit der Bio-Branche etwas verdorben, als er die neuen Züchtungsmethoden für sinnvoll auch im Bio-Landbau hielt. https://www.evangelische-zeitung.de/bio-papst-niggli-brauchen-auch-gentechnik-fuer-welternaehrung Auch mit einem anderen Narrativ räumt er auf: Wir können mit Bio nicht die Welt ernähren und brauchen die konventionelle Landwirtschaft. https://www.diegruene.ch/artikel/politik-maerkte/bio-papst-urs-niggli-im-kreuzverhoer-ueber-pestizide-gentech-crisprcas-und-den-unruhestand-390820

Kennen Sie den „Böhmischen Asselfresser“? – Neue Arten entdeckt

Wer sucht, der findet. In der Steiermark hat sich jetzt ein Forscherteam aufgemacht, in den Wirtschaftswäldern die Arten zu bestimmen. Dabei passiert etwas sehr Erstaunliches: man findet neue Arten, darunter den Asselfresser und den Scherenspringer, ein Pseudo-Skorpion. https://steiermark.orf.at/stories/3228307/? Und was man auch noch nicht weiß: wieviel Zecken gibt es eigentlich https://www.krone.at/3107530? Die Experten kommen zu dem Ergebnis: wir wissen es nicht.  

Wenn die Welt verrückt spielt…

Heute ist Sonntag. Meine Frau und ich sind heute morgen nach Dresden aufgebrochen, wo ich am Donnerstag einen Vortrag halte. Wenn wir schon eine so weite Fahrt unternehmen, wollen wir uns diese Stadt, von denen viele Bekannte schon geschwärmt haben, einmal in Ruhe anschauen. Weil heute Sonntag ist, habe ich „im Angebot“ eine Predigt von Jürgen Donhauser, die er heute in der Kirche halten wird. Ich bin der Meinung, dass diese Predigt auch für Nicht-Christen viel Nachdenkenswertes beinhaltet. Dauert etwa 8 Minuten, und die hat man am Sonntag hoffentlich „übrig“    

Was ist Glyphosat und was nicht. Eine fachliche Einordnung

Herr Vahlefeld von Kontrafunk hat ein Gespräch mit mir geführt. Es ging um die fachliche Einordnung von Glyphosat aus meiner Sicht als Landwirt. (Beginn etwa Minute 31:40, das Hochladen kann etwas dauern) https://kontrafunk.radio/de/sendung-nachhoeren/kultur-und-wissenschaft/leib-und-speise Ich würde mir wünschen, dass sich viele Mitbürger das Interview vorurteilsfrei anhören. Ja, ich weiß, das ist bei Glyphosat nicht einfach.

Kompetenzzentrum Rewe – und Landwirtschaft

Es ist schon vor einiger Zeit gegründet worden, aber bisher wenig bekannt: Das „Kompetenzzentrum Landwirtschaft“, in dem Rewe Personen aus Wissenschaft, Handel, Verarbeitern und Landwirtschaft an einen Tisch zusammenbringt. https://www.kompetenzzentrum-landwirtschaft.de Was sind die Ziele? Hier zitiere ich aus der Homepage: Auf Augenhöhe, mit neuen Partnerschaften und ohne Denkverbote: Mithilfe der gebündelten Expertise im Kompetenzzentrum Landwirtschaft wollen wir konkrete Verbesserungen für Landwirt:innen und Erzeuger:innen schaffen – und einen spürbaren Beitrag zu einer nachhaltigeren Agrarbranche leisten. Vom Reden ins Handeln kommen: Durch den Schulterschluss von der REWE Group und Agrarexpert:innen werden aus frischen Impulsen und innovativen Ideen konkrete, wegweisende Projekte und Produkte. Durch die Platzierung in REWE- und PENNY-Märkten werden diese für Verbraucher:innen erlebbar. Was uns dabei wichtig ist: Im Kompetenzzentrum Landwirtschaft geht es darum, die grundsätzlichen Ziele für die Transformation der Landwirtschaft mit konkreten Projekten zu unterstützen, dabei können Best Practice Beispiele als Blaupause für Maßnahmen dienen. Wir wollen nicht alles neu erfinden oder auf den Kopf stellen. Mein erster Eindruck: Ein weiterer Arbeitskreis, der in diesem Fall dazu dient, sich das Mäntelchen des fairen und …

Weniger Insekten – durch früheres Frühjahr

Eine weitere Studie, die einen weiteren Grund für den Rückgang von Insekten herausgefunden hat: das Frühjahr, dass immer früher beginnt und so den Entwicklungszyklus vieler Tiere, also auch der Insekten beeinflusst. https://www.sueddeutsche.de/wissen/tiere-klimawandel-weniger-insekten-bei-fruehem-fruehlingserwachen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-231107-99-853317 Hier ein Textauszug: „Die Klimaerwärmung trägt wahrscheinlich zum Teil über diesen Pfad zum dramatischen Insektenrückgang bei“, schreibt das Forschungsteam aus Süddeutschland im Fachjournal „Communications Biology“. Die Ursache liegt demnach im Zusammenspiel: Schlüpfen pflanzenfressende Insektenlarven deutlich vor dem Blattaustrieb, drohen sie zu verhungern. Schlüpfen sie aber weit danach, kann die Nahrungsqualität merklich schlechter sein, weil frische Blättchen am verdaulichsten und proteinreichsten sind und häufig die wenigsten Schutzstoffe enthalten. Eine weitere mögliche Erklärung sei, dass sich bei früherem Ergrünen die Baumkronen eher schließen und den Bewuchs darunter beschatten – mit niedrigeren Temperaturen dort als Folge. Für andere Landschaftsarten wie Wiesen, Äcker und Siedlungen waren die Ergebnisse dem Team zufolge weniger eindeutig.“