Bauer Willi
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Kompetenzzentrum Rewe – und Landwirtschaft

Es ist schon vor einiger Zeit gegründet worden, aber bisher wenig bekannt: Das “Kompetenzzentrum Landwirtschaft”, in dem Rewe Personen aus Wissenschaft, Handel, Verarbeitern und Landwirtschaft an einen Tisch zusammenbringt.

https://www.kompetenzzentrum-landwirtschaft.de

Was sind die Ziele?

Hier zitiere ich aus der Homepage:

Auf Augenhöhe, mit neuen Partnerschaften und ohne Denkverbote: Mithilfe der gebündelten Expertise im Kompetenzzentrum Landwirtschaft wollen wir konkrete Verbesserungen für Landwirt:innen und Erzeuger:innen schaffen – und einen spürbaren Beitrag zu einer nachhaltigeren Agrarbranche leisten.

Vom Reden ins Handeln kommen: Durch den Schulterschluss von der REWE Group und Agrarexpert:innen werden aus frischen Impulsen und innovativen Ideen konkrete, wegweisende Projekte und Produkte. Durch die Platzierung in REWE- und PENNY-Märkten werden diese für Verbraucher:innen erlebbar.

Was uns dabei wichtig ist: Im Kompetenzzentrum Landwirtschaft geht es darum, die grundsätzlichen Ziele für die Transformation der Landwirtschaft mit konkreten Projekten zu unterstützen, dabei können Best Practice Beispiele als Blaupause für Maßnahmen dienen. Wir wollen nicht alles neu erfinden oder auf den Kopf stellen.

Mein erster Eindruck: Ein weiterer Arbeitskreis, der in diesem Fall dazu dient, sich das Mäntelchen des fairen und ehrlichen Kaufmanns umzuhängen. Tatsächlich schreibt Rewe ja selbst auf der Seite “Milch” und dort unter “Preisbildung” folgendes:

“Die REWE Group erkennt den Bedarf, einen Diskurs rund um das Thema Erzeugerkosten anzustoßen, weist aber darauf hin, dass sie als einzelner Händler die Einkommenssituation der Landwirtschaft nicht verbessern kann. Es braucht aber in der Tat Prozesse, um die Transformation der Landwirtschaft zu begleiten. „Wenn wir resiliente Versorgungsstrukturen heimischer Lieferanten auch in Zukunft sicherstellen wollen, müssen wir uns der Diskussion zum Ansatz des Orientierungspreises stellen“.

Ähnliches dürfte auch für Fleisch sowie Obst und Gemüse gelten, den weiteren Schwerpunkten des Kompetenzzentrums. Hier muss auf jeden Fall noch nachgebessert werden, denn letztendlich geht es doch um das Einkommen der Landwirte, mit dem sichergestellt werden kann, dass Rewe auch in Zukunft noch von heimischen Lieferanten bedient werden kann.

Ich war vor einigen Jahren zu einem Gespräch bei Rewe, bei dem ein Einkäufer wörtlich sagte “Entschuldigen Sie, aber was gehen uns von Rewe denn eure Kosten an?” Ein Mitglied des Vorstandes war anwesend und hat nicht widersprochen. Mit einer solchen Einstellung macht die Arbeit des Kompetenzzentrums wenig Sinn.

Der vierte Schwerpunkt “Regionalität”, erscheint mir hingegen praktikabel. Rewe hat sogenannte “Lokalitätsbeauftragte” benannt, an die man sich als Erzeuger (auch als kleiner Betrieb) wenden kann, um möglichst von einen Rewe-Laden gelistet zu werden.

https://www.kompetenzzentrum-landwirtschaft.de/aktuelles/rewe-lokalitaetsbeauftragte/

Das ist sehr konkret und anfassbar.

Fazit: Man sollte zuerst einmal unvoreingenommen zur Kenntnis nehmen, dass Rewe als einer der Big Four dieses Gremium in´s Leben gerufen und auch relativ hoch im Unternehmen aufgehängt hat. Auch wenn nur wenige Praktikerinnen (Dagmar, Gesa)  und  Praktiker Mitglied sind, so halte ich diese für so durchsetzungsstark, dass sie den Positionen des jeweiligen Segmentes Gehör verschaffen. Sie werden sich sicherlich auch zurückziehen, wenn sie Eindruck gewinnen sollten, dass sie instrumentalisiert werden oder die diskutierten Lösungsansätze nicht praktikabel sind.

Anders als bei der Borchert-Kommission oder der Zukunftskommission Landwirtschaft besteht bei diesem Gremium die Möglichkeit, eine Partnerschaft hinzubekommen, denn schließlich ist ja der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) das Bindeglied zwischen Erzeuger und Konsument.

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20 Kommentare

  1. André sagt

    Ich traue dem „Hokuspokus“ nicht weiter als ein Schwein sch***en kann.
    Sorry wenn der nachfolgende Kommentar keinen Beitrag zur Sache an sich leistet, aber alleine die Tatsache, dass in dem Artikel gegendert wird, wird für mich der Ernsthaftigkeit des Gesamkontextes nicht gerecht.

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  2. Jürgen Donhauser sagt

    Bei meinen bisherigen Erfahrungen mit dem LEH Da mir nur der Spruch ein: „wer einmal lügt, den glaubt man nicht“!

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    • Christian Bothe sagt

      Sehr gut J.Donhauser! So sehe ich das auch! Habe ja einiges mit diesen „Brüdern“ vom LEH erlebt! Was sich allerdings rechnete war der Direktverkauf an REWE Märkte der Region und deren Franchaisenehmern! Waren allerdings nicht die Mengen wie man sie als Neugründer eines Unternehmens der Kartoffelverarbeitungsbetrieb gebraucht hätte!

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  3. Wolfsfeind sagt

    das Ökologische Sendungsbewusstsein des Lebensmitteleinzelhandel auf Kosten anderer ist in meinen Augen noch schlimmer ausgeprägt als in der Landwirtschaftspolitik.
    Ich glaube die fahren die Tierhalter als erstes an die Wand.

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  4. Ludwig sagt

    Für mich heisst diese ganze LEH-Monopolartigkeit nur noch zerschlagen.Dieses Oligopol wurde von der Politik per Ministererlaubnis gegen das Kartellamt erschaffen und muß rückabgewickelt werden. Es hilft weder dem Verbraucher , Bauern oder sonstigen Leuten . Mit der Zentralisierung hat die Politik beste Einflußmöglichkeiten und wenn es stimmen sollte , daß die Regierenden mit jährlichen Geheimgesprächen dies auch tut , dann ist es höchste Zeit zur Tat zu schreiten. Wie unsere Politik auch mit Corona umgegengen ist , kann jeder bei der jetzigen EU-Befragung mit den EMA-Empfehlungen zum Umgang mit dem Coronaimpfstoff erleben. Leider muß man nach diesen Imformationen unserer Politik alles zutrauen. Damit hat für mich unsere Politik der letzten 18 Jahre jegliches Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren.

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    • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

      KK – kleines Korrektürlichen:

      LEH-Monopol(abartig)keiten…

      DU, BAUER, lieferst – DU, KUNDE zahlst!!! – Passt nach wie vor.

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  5. Reinhard Seevers sagt

    Es bildet sich eine sog. Parallel- Politik-Verantwortlichkeit. Die Ökonomie übernimmt jetzt offen die Arbeit der Politik. Regionale Wertschöpfung großer Agrarbetriebe wird sich vertraglich an den LEH binden. Das ist eigentlich die logische Folge des Wandels des Agrarbereiches. Der LEH ist wieder einmal schneller, als Politik und Landwirtschaft. Sie behalten die Zügel fest in der Hand.

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    • Ferkelhebamme sagt

      Sie müssen der Planlosigkeit der Politik etwas entgegensetzen. Wenn uns als Urproduktion nicht ganz bald Perspektiven aufgezeichnet werden, gibt es nur eine Konsequenz.
      Seitens des LEH besteht Interesse, sich die Rohware vertraglich zu sichern und die Verarbeiter (Schlachter/Molkereien) als Dienstleister zu nutzen, nicht mehr als Zwischenhändler.
      Kundenbindung durch Qualitätsstandards (Deutschlandsiegel, Tierwohl, bei Tönnies kann man sich jetzt seine CO2 Bilanz ausrechnen lassen., etc..) ist das neue Ziel, nicht mehr der reine Preiskampf. Dass die reine Vermarktung über den Preis die deutschen Erzeuger vernichtet, ist da wohl inzwischen angekommen.
      Für uns planbar ist momentan gar nichts.

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    • Arnold Krämer sagt

      Dagegen ist wenig einzuwenden, wenn
      1) in der Wertschöpfungskette genug Geld verdient wird/werden kann, um Allen eine Vollkostendeckung und Unternehmergewinne zu ermöglichen. Das ist in der Kette Milch und Schweine nicht oder nur temporär gegeben.
      2. Der Staat nicht noch Eins obendrauf setzt und Doppelbürokratien entstehen (z.B. HI-Tier mit 4 Stufen, Tierhaltungskennzeichnungsgesetz Schwein 5 Stufen.

      Die Alternative für Kuh- und Schweinbauern wäre (unrealistisch), dass sie sich verweigern mit dem Hinweis, dass sie nach Recht und Gesetz produzieren. Die Hoffnung, durch Marktabgrenzung in strukturell überfüllten Märkten noch einen Vorteil zu erlangen ist aber einfach zu groß. Die Kosten werden aber bei ihnen abgeladen.

  6. unkomplizierter Wurzelwicht sagt

    Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründ’ ich einen Arbeitskreis!

    GLEICHE unter GLEICHEN!?

    Aus biblischen Erzählungen weiß man, dass Adam und Eva sich eines Feigenblattes bedienten in ihren Räumen paradiesischer Herrlichkeiten, aber aus jenem vertrieben wurden, nachdem eine Schlange sie zu verlocken vermochte…

    Der deutsche Renaissance-Meister Lucas Cranach des Ältere, Albrecht Dürer -um hier vielleicht die Berühmtheiten der Malerzunft zu nennen- neben vielen anderen, die sich damit forthin zu verewigen versuchten, setzten diese Märchenszene der Vertreibung aus dem Paradies mehr oder weniger gelungen in Szene.

    Jetzt müssen wir/die Leser uns nur noch einig darüber werden, wer in vorstehendem Arbeitskreis die Rolle von Adam und Eva, die des Feigenblattes und jene der Schlange (symbolisiert Macht, List und Weisheit u.a.) einnehmen darf!?

    Dieses Rätsels Lösung ist natürlich seeeehr schwer zu erahnen!? 😉

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    • Joachim Kaiser sagt

      Sehr geehrter unkomplizierter Wurzelwicht

      Die Antwort wer die Schlange ist, ist doch einfach.
      Lösung: LEH

      Das beste für die Landwirtschaft ist, nicht von diesen Abnehmern abhängig zu sein.

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      • Dann müsste sie so finanzkräftig sein und den Handel selbst in die Hand nehmen,
        wenn Aldi Ackerland kaufen kann,
        dann müssten Bauern Aldi kaufen, um mit ihrer Ideologie für den Erhalt des Bauernstandes weiterzuführen.
        Der Erhalt des Bauerstandes ist auch besser für die Ökologie

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        • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

          Liebe Inga, die Bauern-Milliarde ist dem Sparkorsett infolge des 60-Mrd.-Haushaltslochs zum Opfer gefallen.

          “Bauer” ist mithin nicht solvent, ALDI aufzukaufen… 🙂

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  7. Christian Bothe sagt

    Alles nur „Schall und Rauch…“Hört sich alles gut an für ein nachhaltiges Marketing….REWE würde es besser zu Gesicht stehen, wenn man weitere Ostprodukte auch im Westen listen würde! Entscheidend ist aber was dieses Kompetenzzentrum ( übrigens eines von vielen in der BRD…) mehr an die Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte zahlen möchte und sollte! Alles andere sind Worthülsen des LEH und nichts weiter…

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  8. Mit einem Umsatz von 26,5 Mrd. Euro (2020), bundesweit 161.000 Mitarbeitern und 3.700 Märkten gehört die REWE Markt GmbH zu den führenden Unternehmen im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.

  9. Hans Gresshöner,Landwirt sagt

    Die Landwirtschaft wird sich weiter verändern,viele Betriebe werden noch aufgeben,andere weiter wachsen und damit an Marktmacht gewinnen! Zusammenarbeit wird zunehmen,weil es sich rechnet und damit die Angebotsseite stärken.Der Politik wird es nicht gelingen,die Landwirtschaft auszubremsen,weil dann die Versorgungssicherheit gefährdet ist. REWE positioniert sich dafür jetzt schon,auch TÖNNIES macht das.

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  10. Frikadellen piet 45 sagt

    guten Morgen jetzt mal eine ganz einfache Frage wie viel Produkte die in der Landwirtschaft produziert werden gehen überhaupt direkt an den Einzelhandel oder sind davon betroffen ich meine Getreide z.B nicht Kartoffeln die für die Industrie sind auch nicht und das Fleisch steht meistens im Wettbewerb oder also was bleibt überhaupt noch rüber und wie viel Prozent der Produktion macht das aus

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