Autor: Bauer Willi

Post von Wagner…

Der Journalist Franz-Josef Wagner ist heute gestorben. Er hat mir vor einigen Jahren einen Brief geschrieben. Damals waren Umweltaktivisten durch Felder unserer Gemeinde gelaufen, unter anderem auch quer durch ein Möhrenfeld. Es war aber nicht mein Möhrenfeld. https://m.bild.de/politik/kolumnen/franz-josef-wagner/post-von-wagner-lieber-bauer-willi-62848262.bildMobile.html?t_ref=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F Mir ist der Link zugeschickt worden. Ich gehöre zu den Millionen von Menschen, die die Bildzeitung nicht lesen…

Weltmesse ANUGA – was gibt es Neues?

Weil die ANUGA vor unserer Haustür in Köln stattfindet, war ich in diesem Jahr  wieder dort. Hier ein paar – subjektive – Eindrücke. 1. Es war unglaublich voll. Und die Besucher sind tatsächlich international, an den Ständen wird fast ausschließlich englisch gesprochen 2. Bei den Ausstellern haben Asiaten die Nase vor. China füllt fast eine Halle für sich. Unter dem großen Logo sind dort viele kleine Firmen vertreten. 3. Fast eine ganze Halle ist gefüllt mit Firmen, die „alternative Produkte“, meist auf pflanzlicher Basis, herstellen: Alternativen zu Milch, Käse, Eier und Fleisch. Firmen, die „Laborfleisch“ (cultured meat) herstellen, habe ich nicht gefunden. „Pflanzliches Omelett habe ich probiert. Mit Gewürz ist es vom Original kaum zu unterscheiden. 4. Es gibt sehr viele Firmen, die von der Fleischverarbeitung kommen und jetzt auch vegetarische und vegane Alternativen zu Fleisch anbieten. Auf Nachfrage bei einem sehr großen deutschen Unternehmen, die seit längerem in diesem neuen Markt unterwegs sind, habe ich erfahren, dass der Markt – entgegen anderslautenden Nachrichten – weder steigt noch fällt. Man bleibt aber aus Imagegründen („wir …

Das Brötchen-Preis-Paradoxon

Eine Analyse der Wertschöpfungskette von Weizen zu Brötchen Ich habe mich gefragt, wie viele Brötchen  ein Bauer mit dem Erlös aus dem Verkauf von 100 kg Weizen kaufen kann. Die anfängliche Fragestellung, wie viele Brötchen zum Preis von 0,45 € mit dem Erlös aus 100 kg Weizen zu 16 € gekauft werden können, führt zu einem vordergründig einfachen Ergebnis. Nach einer rein arithmetischen Berechnung, bei der die 16 € aus dem Weizenverkauf durch den Einzelpreis des Brötchens dividiert werden, ließen sich 35,56 Brötchen erwerben. Dieses Ergebnis ist jedoch fundamental irreführend und offenbart eine verbreitete Fehleinschätzung über die moderne Lebensmittelproduktion. Der Preis eines fertigen Brötchens spiegelt nicht den Wert seines landwirtschaftlichen Rohstoffs wider, sondern ist das Ergebnis einer komplexen, kapital- und arbeitsintensiven Wertschöpfungskette. Der vorliegende Bericht zerlegt diese Wertschöpfungskette systematisch und demonstriert, dass der Wert eines Brötchens zu über 98 % aus den Kosten für Verarbeitung, Personal, Energie, Kapital und Vertrieb besteht. Das Fazit ist klar: Die 16 € aus dem Weizenverkauf können nicht direkt in fertige Brötchen umgerechnet werden, da die gesamte Wertschöpfung von der …

Wert-Schöpfungs-Kette

In den Kommentaren tauchen immer mal wieder die Vorschläge auf, „dass sich die Bauern doch zusammentun sollten, um so unabhängiger vom Handel zu werden“. Ich durfte 14 Jahre als ehrenamtlicher Vorstand der Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft strategische Entscheidungen für die Zukunft des Unternehmens treffen. Ich habe durch Zufall eine Homepage einer Genossenschaft gefunden, die das Getreide ihrer Bauern bis zum Brot weiterverarbeitet. Sie haben nicht nur eine Bäckerei sondern mehrere Filialen. https://www.hohenloherbauerngenossenschaft.de/ueber-uns/ Eine gute Sache.  

Wozu noch ackern? Landwirtschaft in Gefahr

Ich kenne Patricia Schäfer  (Journalistin und Moderatorin) seit rund einem Jahr. Wir haben seitdem viel mit einander gesprochen und ich konnte ihr – hoffentlich – neben Namen und Adressen, auch einiges über Fakten und Hintergründe zur Landwirtschaft mitgeben. Am kommenden Wochenende startet eine Serie von Beiträgen, wie ich es im öffentlichen Fernsehen in dieser Dichte und dieser Länge noch nicht gesehen habe. Und das schreibt mir Patricia: „Lieber Willli, vielen Dank für unser ausführliches Gespräch vorhin – war wie immer sehr inspirierend und informativ! Das Interessante an der Mediatheks-Variante fürs ZDF Streamingportal: 5×20 Minuten ausschließlich von den Protagonisten erzählt. Heißt: Ohne einordnenden Text. Eine neue Erzählform, mit der Haltung: wenn eine Geschichte gut erzählt ist, braucht es keinen Kommentar der Autorin. Die Zuschauer können und sollen sich selbst ihre Meinung bilden. Zusätzlich gibt es – leicht abgewandelt, aber aus dem gleichen Dreh-Material – 5×15 Minuten, die vom 6.-10.10. im ZDF-Mittagsmagazin gesendet werden (also im TV). Jeweils um ca. 12:40 Uhr.   Zusätzlich machen wir noch eine ZDFreportage – Länge ca. 30 Minuten – der Sendetermin ist aber …

Warum ist Butter billig und Rindfleisch teuer?

Diese Frage habe ich gestellt bekommen und konnte sie nicht beantworten. Die Recherche im Internet hat folgendes ergeben: Zu Rindfleisch: https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/rindfleisch-teuer-kilo-preis-rinderhaltung-bauern-mercosur-100~amp.html Zu Butter: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/senkung-butter-preise-100.html Die Erklärung, warum Butter in den letzten Wochen billiger geworden ist, liefert die Tagesschau nicht. Was ich in Erfahrung bringen konnte: Das Rindfleischangebot ist sehr gering, daher sind die Preise für Rindfleisch hoch. Es wurden und werden für Kälber derzeit Preise bezahlt, wie sie noch vor wenigen Monaten für Kühe gegolten haben. Dies zeigt, wie eng die Versorgung ist. Trotz der hohen Preise stellen auch jetzt weiter Betriebe die Produktion ein. Somit ist nicht von einer grundlegenden Entspannung der Situation auszugehen. Im Gegenteil: es ist derzeit nicht erkennbar, dass landwirtschaftliche Betriebe aufgrund der positivien Preisentwicklung in die Milchviehhaltung investieren. Wie sagte ein Gesprächspartner: „Auf den Betrieben sind keine Baukräne zu sehen“. Den Unternehmern fehlt die langfristige Perspektive, die auch von der derzeitigen Regierung nicht vermittelt wird. Somit wird sich der Markt nicht entspannen, die Preise werden weiterhin hoch bleiben, wobei eine kleine Delle nicht auszuschließen ist. Aber warum ist Butter billiger geworden? …

Realismus statt Schwärmerei und Utopie

Arnold Krämer war auf einer Konferenz zum Thema „Agrar und Ernährung“ und berichtet in diesem Gastkommentar über einen unerwarteten Verlauf… Die bekannte große Wochenzeitung „Die Zeit“ organisiert und veranstaltet Konferenzen zu verschiedenen Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, erstmalig offensichtlich auch zum Thema „Agrar und Ernährung“. https://studiozx.de/events/zeit-konferenz-agrar-ernaehrung-2025/ Die Initiative für eine solche Veranstaltung, die am 24. September 2025 in Berlin stattfand, ging nach meinen Informationen von der DLG (Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft) bzw. den DLG-Mitteilungen aus. Partner waren die BASF, die Firma Krone, Spelle (den Landwirten bekannt) und das Berliner Startup „Food Campus Berlin“ (https://www.foodcampus.berlin/) An dieser Veranstaltung konnte ich teilnehmen und bin mit positiven Eindrücken wieder ins Emsland zurückgefahren. Warum? Wie selbstverständlich hatte der Veranstalter mit den üblichen Floskeln von Bio, Nachhaltigkeit, Verzicht, Klimafreundlichkeit, Regionalität u. ä. für seine Veranstaltung geworben. Entsprechend war wohl auch die Erwartungshaltung vieler Teilnehmer, zu denen u.a. auch die frühere Landwirtschaftsministerin Renate Künast und die FDP-Agrarpolitikerin Carina Konrad gehörte. Mit der Themensetzung, der Auswahl der Diskutanten und der Moderatoren war es jedoch möglich, manchen Teilnehmer aus dem nicht-landwirtschaftlichen Umfeld (diese stellten …

Familie oder Staat?

Ich habe neulich einen Podcast verlinkt mit dem Titel „Realität gegen Alarmismus“. Darin wird mehr Markt statt staatlicher Eingriffe gefordert. Aber in Diskussionen wird immer wieder der Anspruch geäußert, „dass das doch der Staat regeln muss“. Doch wer ist der Staat? Wie sollen die Ansprüche finanziert werden? Und wer hat diese Aufgaben eigentlich „früher“ wahrgenommen? Und was ist mit Kündigungsschutz, Mindestlohn und dem Sozialsystem?  Ich habe mich darüber mit Jürgen Donhauser unterhalten, der Landwirt war und jetzt Diakon ist. Den Betrieb hat er an die nächste Generation weitergegeben. Jürgen, wie viele Generationen leben bei euch? Und wo leben Sie? Im Haus zusammen direkt am Hof derzeit nur 2 Generationen – meine Eltern mit fast 88 und 89 Jahren und meine Ehefrau und ich. Simon, als Hofnachfolger, hat sich mit seiner Frau und zwei Kinder vergangenes Jahr in der Nähe ein eigenes Haus gekauft. Auch als Kapitalanlage, denn in Sachen Geldsicherheit und Inflation wollte er lieber sein Erspartes in physische Werte anlegen. Aber alle unsere Söhne wohnen in unmittelbarer Umgebung. Nur Josef, der Mittlere, ist vor …

Deine Meinung ist gefragt! Mitmachen!

Die EU macht eine Umfrage zur Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit. Diese ist seit dem 16. September geöffnet. Antworten kann man bis zum 14. Oktober. Bisher (26.9. um 15 Uhr) sind EU-weit 21 Antworten eingetroffen, davon nur eine Handvoll aus Deutschland. https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/14824-Lebensmittel-und-Futtermittelsicherheit-Omnibus-Vereinfachungspaket_de Darum geht es konkret: „Mit dieser Initiative soll die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte und der Lebens- und Futtermittelindustrie in der EU gestärkt werden; außerdem soll der Verwaltungsaufwand für die Zulassung von Produkten verringert werden, der den Behörden der Mitgliedstaaten entsteht. Geplant ist, den Zugang zum EU-Markt für biologische Wirkstoffe und Pflanzenschutzmittel zu beschleunigen die regulatorischen Anforderungen an Pflanzenschutzmittel, Biozidprodukte, Futtermittelzusatzstoffe, Lebensmittelhygiene und amtliche Kontrollen sowie andere Maßnahmen zur Vereinfachung des EU-Lebensmittelrechts zu vereinfachen und klarer zu gestalten“ Mir fällt dazu einiges ein, was ich nun in die Umfrage einstellen werde. Ich hoffe doch, dass bis Montag morgen die Zahl der Beiträge auf über 100 gestiegen ist. Schön wäre es auch, wenn auch die Berufsvertretungen (DBV, LsV) auf diese Umfrage aufmerksam machen würden. Sind ja noch ein paar Tage Zeit….

Oktoberfest: Alles wird teurer. Wirklich alles?

Wie dem nachfolgenden Artikel zu entnehmen, kostete die Maß Bier 1992 umgerechnet 4,40 €. Heute sind es 15,80 €. Die prozentuale Steigerung mag jetzt jeder selbst ausrechnen https://www.focus.de/panorama/oktoberfest/4-40-euro-fuer-mass-bier-alte-karten-zeigen-ausmass-der-oktoberfest-preisexplosion_53d6245d-ea1e-4f03-8776-2df67b4efc2f.html Das Wiesn-Hendl kostete damals rund 6,50 €, heute sind es 17 €. Aktuell kosten 100 kg Braugerste rund 17,50 €. Laut Statistischen Landesamt Baden-Württemberg lag der Preis im September 1992 bei 33,70 DM/100 kg, also umgerechnet rund 17,28 €/100 kg. Die Preissteigerung von 17,28 auf 17,50 mag sich jeder selbst ausrechnen. https://www.statistischebibliothek.de/mir/servlets/MCRFileNodeServlet/BWHeft_derivate_00016759/4111_92009.pdf Und jetzt eine Frage: wieviel Hendl kann sich ein Bauer von 100 kg Braugerste heute kaufen? Wieviel waren es 1992? Ja, ich weiß, alles ist teurer geworden. Energie, Geräte, Personal und so weiter. Aber eben auch für die Bauern…