Bauer Willi
Kommentare 18

Wert-Schöpfungs-Kette

In den Kommentaren tauchen immer mal wieder die Vorschläge auf, „dass sich die Bauern doch zusammentun sollten, um so unabhängiger vom Handel zu werden“. Ich durfte 14 Jahre als ehrenamtlicher Vorstand der Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft strategische Entscheidungen für die Zukunft des Unternehmens treffen.

Ich habe durch Zufall eine Homepage einer Genossenschaft gefunden, die das Getreide ihrer Bauern bis zum Brot weiterverarbeitet. Sie haben nicht nur eine Bäckerei sondern mehrere Filialen.

https://www.hohenloherbauerngenossenschaft.de/ueber-uns/

Eine gute Sache.

 

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18 Kommentare

  1. Ex-Baumschuler sagt

    Direkt hier „umme Ecke“ im Multikulti-Kiez (andere nennen es Shithole) haben wir auch eine Bäckerei-Genossenschaft:

    – Gegründet 2018, nachdem der letzte alteingesessene handwerkliche Bäcker im Bezirk aus Altersgründen ausgeschieden war.
    – Vorher gab es noch zwei Vollkornbäckereien im Kiez, danach nur noch eine.
    – Die andere Bäckerei bot täglich auch verbilligtes „Stadt-Teil-Brot“ an, zusammengemischt aus verschiedenen übriggebliebenen Teigen. Sehr sozial. Diese Bäckerei ist dem Konkurrenten gewichen.
    – Ab 2018 wurden 180 Anteilsscheine à 300 € vergeben, laut Presse zur Renovierung der Bäckerei.
    – Eine Dividende gibt’s nicht.
    – Anteilsscheine können weiterverkauft werden, aber nur an bestehende Anteilseigner.
    – Jeder Anteilseigner hat genau ein Stimmrecht, unabhängig von der Zahl seiner Anteilsscheine.
    Niemand ist daran interessiert, den Investoren jemals ihr eingesetztes Kapital zurückzuerstatten, und es gibt noch nicht mal Zinsen.
    – Was an Gegenleistung für die investierten 300 € bleibt, ist das Stimmrecht.
    – In der Satzung steht, das Mehl könne von den regionalen Genossenschaftsmitgliedern oder auswärtig eingekauft werden.
    – Vermutlich gibt es für die rund 180 Genossen auch nicht viel mehr abzustimmen, und sie haben mangels Informationen keine andere Wahl, als den Empfehlungen der Eigentümer zu folgen.
    – Die Genossen dürften großteils aus Kiez-Anwohnern und -Sympathisanten bestehen, die auch schon mal Kleidung aus der Natur-Boutique tragen oder sich auch mal als Unternehmer und als Investor für einen guten Zweck fühlen wollten.
    – Der Laden erlangte Kultstatus an den Champs Elysées du Linden-Nord.
    – In der Außengastronomie traf man morgens oder sonntags den besseren Teil des Packs, darunter regionale Stars und Sternchen – wer sich einen Capuccino ab zuletzt 3,80 € überhaupt noch leisten konnte.
    – Abends wurde auf der unkomplizierten, berühmten Flaniermeile „gelimmert“, und bevorzugt trafen sich die Bekannten vor der Szene-Bäckerei.
    Es gab Nachbarschaftsbeschwerden, die aber nicht so schlimm gewesen sein konnten, denn die Szene dort war sogar besonders zivilisiert.
    – Dort saßen abends die Bekannten und andere auf den schmalen Fensterbänken, um auf der Limmerstr. traditionell zu „limmern“, das heißt, Kiosk-Bier zu trinken, Kontakte zu knüpfen. Sowohl morgens zu Kaffee als auch abends zum Bier war das ein angesagter Treffpunkt des besseren Packs.
    – Und dann hatte die angeblich gemeinnützige Genossenschaft (von der man das jedenfalls annahm) nicht nur die Brot- und Kaffeepreise rapide erhöht, sondern letztens auch noch Stahlgerüste über den ohnehin schmalen Sitzflächen angebracht.
    – So kann sich die Szene, die dort überwiegend aus eben Sympathisanten besteht, dort nicht mehr entspannt treffen. Kontakte reißen ab.
    – So ist ein weiterer Teil der örtlichen, schon besser situierten Stadtteil-Szene zerstört und entfernt worden, zusätzlich zu kommunalen städtebaulichen Maßnahmen.

    Meiner Meinung nach war „Linden backt!“ eine Genossenschaftsnachahmung zum Zwecke des Crowdfundings. Auch Abgreifing genannt. Das könnta ja selbst per KI checken und das mit eurem IQ nach Bedarf ergänzen.

    – Etwas später übrigens nach dieser besonderen Genossenschaftsgründung, 2019, kam ein alternatives Start-Up hoch, das sich in den neuen, hippen, ehemaligen und neugebauten Binnenhafenanlagen niederlassen und dort täglich frisches Bio-Brot für die gesamte Region backen wollte.
    Sie boten 5-7% Zinsen bei 5-7 Jahren Laufzeit bei vollständiger Rückzahlungen, falls sie bis dann nicht pleitegegangen wären. Vermutlich fühlen sich inzwischen zig Anleger geprellt.

    Damals war ich in Investitionslaune, aber beide Angebote waren mies. Inzwischen mache ich 37% Rendite pro Jahr, und das steuerfrei und ohne Mufflons.

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  2. der Jens sagt

    Man könnte doch Aktien der Handelskonzerne kaufen.
    Wenn keine deutschen verfügbar sind, dann eben internationale.
    Dann ist der Bauer Einzelhändler, und profitiert von deren Geschäftspraktiken.
    Unabhängig davon, ob er einen günstig gelegenen Betrieb hat, der von Direktvermarktung profitieren könnte, oder ob das Personal verfügbar wäre. Mit weniger Investitionsrisiko.

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  3. Polymesos sagt

    Bei Lebensmitteln sind die Größenunterschiede in der
    Wertschöpfungskette enorm.
    Wer den Wert schöpft,
    bekommt nichts davon ab.

    Für eine funktionierende Wirtschaft
    braucht es Augenhöhe.

    Wie aber sollen Kleinunternehmen das hinbekommen?
    Ich denke, man kann das in der Natur sehen.

    Kleine Beutetiere schließen sich zu Verbänden,
    Rudeln, Herden, einem Schwarm zusammen,
    um den stärkeren Predatoren zu trotzen.

    Das ist nicht identisch mit einer Genossenschaft.
    Eine Genossenschaft ähnelt da eher einen Bienenstaat.
    Ein Schwarm ist nicht so fix verbunden.
    Manchmal gehen Einzeltiere weg,
    um sich einem anderen Schwarm anzuschließen.
    Wie sähe etwas vergleichbares in der Marktwirtschaft aus?

    Eine solche Lösung ist natürlich verboten.
    Man nennt sie Kartell, um sie schlechtzureden,
    aber im Prinzip wäre das die Lösung der Natur.
    Das gabs schon mal verbreitet,
    und das hat gut funktioniert,
    wurde aber dann verboten.

    Kartellverbot nützt dem Konzern,
    und Konzerne haben die Macht.

    Was wird aus Heringen,
    denen man irgendwie verbietet im Scharm zu schwimmen?
    Genau. Fischfutter!

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  4. Frikadellen piet 46 sagt

    moin ich glaube es wäre hier sehr interessant zu vergleichen ob der Weizen aus dem Biobetrieb genauso gutes Brot ergibt wie aus dem Schweinemastbetrieb? nur wenn man vergleicht erhält man eine gute Aussage!

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    • Kemetbauer sagt

      @Fp46
      Die qualitative Einordnung ist bei konv. und ökol. Weizen einheitlich. Nur hier im Blog werden häufiger mal Äpfel mit Birnen verglichen.

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  5. Kemetbauer sagt

    Die Wertschöpfungskette im Lebensmittelbereich besteht i.d.R. aus vier Stufen. Primärerzeugung (ldw. Lebensmittelrohstoff), Aufbereitung, Verarbeitung und Vermarktung. Die letzten drei Stufen sind normalerweise außerhalb der Landwirtschaft angesiedelt. Es sind auch die Stufen, die ökonomisch interessant sind. Wer nun die maximale Wertschöpfung in seinen Betrieb holen will, der muss sich für alle Stufen ausrüsten, er muss für alle Stufen eine Kompetenz haben und er muss Kunden für seine Produkte finden. Das ist ein umfangreiches Aufgabenfeld, für das Landwirte i.d.R. keine Ausbildung haben.
    Während man in den 70/80er Jahren in einer Grauzone agierte, gibt es heute klar definierte Vorgaben für die einzelnen Aufgabenfelder. Wer würde solche Investitionen heute noch wuppen wollen. Das Genossenschaftswesen kann man als kollektive Direktvermarktung betrachten. Da lassen sich sicher einige Genossen finden, die die Aufgabenfelder kompetenzmäßig abdecken. Trotzdem ist damit oft nicht die heute notwendige Professionalität gewährleistet. Man muss also Profis einkaufen und da beginnt spätestens das Kostenrad sich erheblich schneller zu drehen.
    Bleibt die Frage nach dem besonderen Wert der Produkte für die Kunden. Ist es ein besonderer Rohstoff oder eine besondere Aufbereitung oder Verarbeitung. Ist es ein besonderes Endprodukte oder sind es die besonderen Umstände der Produktdarbietung? Wir sprechen in diesem Zusammenhang von einem Alleinstellungsmerkmal.
    In den letzten drei Jahren haben die betriebsindividuellen Direktvermarkter harte Zeiten durchlebt und viele haben diese Zeiten dann doch nicht überlebt. Dem Kunden ist letztendlich dann doch das Portemonnaie doch näher als seine Gesinnung oder seine Gutmenschenattitüde.
    Ich habe im Ökolandbau einige Genossenschaften entstehen und wieder zugrunde gehen gesehen. Deshalb ist das für mich kein Zukunftsmodell. Dort, wo man mit einer positiv geprägten Historie im Rücken noch Kunden ansprechen kann, sollte man das tun; so lange es noch funktioniert.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Die dominantesten, globalen Grundnahrungsmittel sind Zuckerrohr, Mais, Reis, Weizen und Kartoffeln. Daraus abgeleitet müssten also deutsche Bauern sich von deren Erzeugung verabschieden und ausschließlich Nischenprodukte herstellen und diese genossenschaftlich vermarkten?

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      • evonik sagt

        Für die Gesundheit der Menschen wäre das wohl gar nicht so verkehrt. Wenn die Leute das Obige essen, dann bitte nicht in Bio- sondern in „Monsanto-Qualität“. Der Grund ist, dass Monsanto und Co. viel gewissenhafter züchten als unsere Bio-Züchter.

        Wir brauchen schon ganz dringend gesünderes Essen. Ich hab es mir neulich wieder gedacht, als der

        https://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Neugebauer

        die einzige Goldmedaille für D bei der Leichtathletik – WM geholt hat. Der lebt nämlich in den USA und dort gibt es Monsanto-Qualität.
        Gesundes Essen ist ja nicht nur für die körperliche, sondern auch für die geistige Leistungsfähigkeit entscheidend. Ich denke da primär an die Leistungsfähigkeit unserer Politik.

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  6. Rolf Sieling sagt

    Über Wertschöpfung denken nur die ehrlichen und anständigen Menschen nach. Den Produzenten jeglicher Gewerke geht es in Europa schlecht und die Aktienbörsen feiern Höchststände. Wenn Konzerne Mitarbeiter entlassen und Produkte billig importieren geht der Kurs hoch. Wir haben selbst Technik und Fachwissen nach China usw. verkauft. Jetzt bekommen wir neben qualitativ schlechten und umweltschädlichen Produkten sogar die politische Breitseite ab. Und niemand ist bereit dieses Geschäftsmodell aufzugeben. Ich bin gerade in Holland und kann mich garnicht sattsehen an den Schokoladen Böden und den Kartoffeln. Die Landwirte stehen von allen Seiten unter Druck, bei locker 12t Getreide Ertrag. Dafür haben wir Börsenpreise, die sich an der Ernte in Russland orientieren!! Dort wird der Torf in der Tundra beackert mit 3t/ ha Ertrag. Soviel zur Wertschöpfung/ Wertschätzung

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  7. Ludwig sagt

    Das war ja mal der Genossenschaftsgedanke , aber die haben sich überwiegend selbstständig gemacht. Hier denke ich speziel an die Baywa und AGRAVIS. Je kleiner eine Genossenschaft ist , desto ehr funktioniert es , weil noch der bäuerliche Einfluß zu spüren ist. Sowie diese Betriebe den Kontakt zu den Bauern verloren haben ist die Wertschöpfungsquelle für die Bauern erloschen. Da brauchen wir nur noch zu den Zuckerfabriken (Nord- und Südzucker) schauen , die den Bauern gehört , aber von Managern geführt wird und so die Bauern nur noch Spielball dieser Leute sind , denn unsere sehr gut bezahlten bäuerlichen Aufsichtsräte nicken meistens zwecks Gelderhalts alles ab . Diese Manager wollen „wachsen“ statt für die Bauern etwas raus zu holen und dem Gründungsgedanken wird der Stinkefinger gezeigt. Der Umsatz wächst , aber auch im allgemeinen das Risiko und natürlich die Verschuldung , sowie die Zinsbelastung. Plötzlich wird der nichtlandwirtschaftliche Teil hoch gejubelt und der bäuerliche Teil fällt hinten runter. Exemplarisch läst sich das bei der Baywa besichtigen. Der Laden wurde unter der Aufsicht der bäuerlichen Aufsichtsräte in den Abgrund gewirtschaftet und jetzt sind es natürlich wieder andere gewesen. Auch der DBV unter Rukwied macht hier als hochbezahlter Aufsichtsrat keine gut Figur. Ich fordere schon lange , daß 20% vom Aufsichtsratgeld in unabhängige Beratung außerhalb des Unternehmens nur für die bäuerlichen Aufsichtsräte eingesetzt werden sollte, denn dazu fehlt den Bauern einfach die Großbetriebserfahrung. Ja viele Aufsichtsräte können ja noch nicht einmal ihre eigene betriebliche Bilanz lesen und so haben die Manager in den Großunternehmen leichtes Spiel.

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    • Ex-Baumschuler sagt

      ?utm_source=browser&utm_medium=push-notification&utm_campaign=cleverpush-1759510161#?cleverPushBounceUrl=https%3A%2F%2Fwww.ingenieur.de&cleverPushNotificationId=n7rtT9KCAkRaX6wzf

      CleverPush mit ID? Hier in Bauer Willis Forum?

  8. Peter Schubert sagt

    „Unabhängiger von Handel zu werden“ ist natürlich kein Selbstzweck und kein Selbstläufer.
    Von daher wäre es interessant, wie es mit Kosten und Nutzen entlang der eigenen Wertschöpfungskette aussieht und was dabei für Anbieter und Kunden an Vor- und Nachteilen rauskommt.

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