Alle Artikel in: Bauer Willi

Steigt die DLG bei der Eurotier aus?

Heute, am 18. Juni enden in Bernburg die DLG-Feldtage. Sie sind ein Treffpunkt für die Ackerbauern aus nah und fern. Wegen privater Verpflichtungen bin ich in diesem Jahr nicht dort gewesen. In diesem Jahr gibt es eine Besonderheit: PETA, eine Organisation, die die Abschaffung der Tierhaltung fordert, hat auf diesem Feldtag einen Stand. Das ist deshalb etwas besonders, weil die DLG der Ausrichter der Internationalen Messe „Euro-Tier“ ist. Christian Lohmeyer hat in einem Video sein Unverständnis darüber ausgedrückt, dass ein erwiesener Feind der Nutztierhaltung auf den Feldtagen Werbung für die Abschaffung der Nutztierhaltung machen darf. Christian Lohmeyer ist Mitglied der DLG. (Ich bin es nicht, die Gründe dafür sind vielfältig) Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren   Wie PETA die Anwesenheit auf den DLG-Feldtagen kommentiert, kann man hier nachlesen: https://presseportal.peta.de/peta-praesentiert-tierfreie-landwirtschaft-bei-den-dlg-feldtagen-2026/ Dass die DLG bei der Eurotier aussteigt, ist mehr eine rhetorische Frage. …

Geld für Ideen…

Ich habe lange darüber nachgedacht, welchen passende Überschrift ich dem Artikel geben soll. Worum geht es? In einer aktuellen Pressemitteilung vom 8. Juni 2026 hat das BMLEH („Landwirtschaftsministerium“) mitgeteilt, dass „Verbände und Unternehmen für eigene Projekte und Ideen eine Förderung erhalten können. Die Projekte sollen dazu beitragen, der Bedeutung der Außenwirtschaft im Agrar- und Ernährungsbereich Sichtbarkeit zu verschaffen, die Umsetzung der Agrarexportstrategie zu unterstützen und neue Förderansätze im Rahmen des Agrarexportförderprogramms zu erproben. Es können zum Beispiel Studien, Marktanalysen, Marketingmaßnahmen und Veranstaltungen wie Seminare oder Fachkongresse bezuschusst werden.“ https://www.bmleh.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/052-aussenhandel.html Abgabetermin ist der 15. Juli., also ca. 5 Wochen nach Bekanntgabe. Die genauen Modalitäten wurden im Bundesanzeiger veröffentlicht und umfassen 5 Seiten. https://www.bundesanzeiger.de/pub/publication/u5iabiYsbUfAzkjat6c/content/u5iabiYsbUfAzkjat6c/BAnz%20AT%2005.06.2026%20B7.pdf?inline Wer kann einen Antrag auf Zuwendung stellen? Zitat: „Zuwendungsempfänger kann grundsätzlich eine überregionale nichtstaatliche Organisation als juristische Person sein, die im Bereich der deutschen Agrar-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft einschließlich Land- und Forsttechnik sowie der Bioökonomie tätig ist und die eine Niederlassung in der Bundesrepublik Deutschland hat. Zuwendungen können nicht an einzelne Unternehmen und Zusammenschlüsse von weniger als fünf Unternehmen bewilligt werden.“ Ich …

Quo vadis?

Wenn man in den letzten Tagen mit Berufskollegen gesprochen hat, so gab es meist ein  Hauptthema: Was tun mit dem Düngervorkauf für 2027? Die Frage mag dem Nicht-Landwirt banal erscheinen, ist es aber nicht. Seit vielen Wochen ist die Lieferung von nennenswerten Mengen von Dünger durch die Blockade der Strasse von Hormuz unterbunden. Produktionsstätten sollen durch den Krieg zerstört worden sein, aber „nichts genaues weiß man nicht“. Eins dürfte klar sein: selbst wenn morgen der Transport wieder unbegrenzt möglich sein würde, so ist es höchst unwahrscheinlich, dass die erforderlichen Mengen rechtzeitig auf den weltweiten Märkten ankommt. Die Düngesaison ist auf der Nordhalbkugel für 2026 fast durch, auf der Südhalbkugel ist derzeit Winter und in wenigen Wochen beginnt das Frühjahr und damit auch die Düngesaison. Was werden unsere Berufskollegen in Brasilien machen? Werden sie den teuren Dünger kaufen, werden sie den Einsatz reduzieren oder werden sie sogar Flächen nicht bestellen? Schließlich ist auch der Diesel teuer und es könnte lohnend sein, nichts anzubauen. Schließlich will man kein Geld ausgeben, dass man nicht wiederbekommt. Der Düngerpreis liegt …

Zielkonflikte…

Landwirtschaft ist immer ein Eingriff in die Natur. Den größten Zielkonflikt stellt die Frage dar, ob wir Nahrungsmittel erzeugen sollen, so wie wir es bisher getan haben, oder ob wir andere Ziele verfolgen sollen, wie Naturschutz, Artenschutz und Klimaschutz. Das können wir auch machen, wenn die Richtlinien klar festgelegt werden und uns der entsprechende Deckungsbeitrag gezahlt wird. Diese Frage möchte ich von der Gesellschaft beantwortet haben. Weitere Beispiele wären der Konflikt Weidehaltung – Wolf,  bäuerliche Landwirtschaft – Anbindehaltung, Verbot Glyphosat – Humusaufbau oder auch Wohnungsbau – Artenvielfalt. Ganz grundsätzlich ist jedoch der Zielkonflikt Ertrag – Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger, ein Konflikt, der oft diskutiert wird und zu vielen Mißverständnisse führt. Aus meiner Sicht sind diese Zielkonflikte nicht zu lösen, weil das eine Ziel dem anderen diametral widerspricht. Wenn ich Weidehaltung in einer Region mit Wölfen haben möchte, dann geht das nur, wenn ich 1,80 Meter hohe Zäune errichte und diese möglicherweise noch unter Strom setze. Dann sind zwar die Weidetiere geschützt, aber die Wildtiere können das Gebiet natürlich nicht mehr passieren. Wenn ich die …

Konkurrenz für die Tierhaltung? Protein aus dem Fermenter

Heute nur in Hundefutter, morgen vielleicht schon im Müsli-Riegel. Ein Startup hat ein Verfahren entwickelt, um aus Sekundär-Rohstoffen (früher „Abfall“ genannt“) Proteine herzustellen. Den Prozeß hat sich der Gründer patentieren lassen. Derzeit fehlt noch die Zulassung als Nahrungsmittel. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/lebensmittel-proteinwerk-in-leuna-soll-taeglich-150.000-huehnchen-ersetzen/100205080.html So wie es vom Handelsblatt beschrieben wird, könnte dieses Verfahren eine ernsthafte Konkurrenz zu tierischen Proteinen darstellen. Wenn man sieht, wer den Förderbescheid überreicht, scheint es sich nicht um eine Eintagsfliege zu handeln. https://microharvest.com/microharvest-leuna-plant/ Allerdings: Insektenprotein wurde ja auch schon mal eine große Zukunft vorhergesagt….

Strategische Reserve bei Lebensmitteln

Von einem Leser bin ich auf das Thema einer „strategischen Reserve bei Lebensmitteln“ aufmerksam gemacht worden. Nach einen Telefonat haben wir beide festgestellt, dass wir darüber nichts oder nicht viel wissen. Was hat es also damit auf sich? Gibt es diese bei Lebensmitteln überhaupt? Wenn ja, was wird wo gelagert und für wie lange würde diese reichen? Wer würde diese Reserve freigeben und wie würde sie verteilt? Wenn man was nicht weiß, fragt man heute die Künstliche Intelligenz, die dazu folgendes ausspuckt: Viele Staaten halten strategische Reserven für bestimmte Lebensmittel oder landwirtschaftliche Rohstoffe vor — allerdings unterschiedlich organisiert und oft weniger sichtbar als Ölreserven. In Deutschland gibt es vor allem zwei relevante Systeme: Staatliche Notfallvorsorge Der Bund hält sogenannte zivile Notfallreserven. Dazu gehören lagerfähige Grundnahrungsmittel wie: Reis Hülsenfrüchte Kondensmilch Getreide Ziel ist die Versorgung bei: Krieg schweren Lieferkettenstörungen Naturkatastrophen längerfristigen Krisen Pflichtlager / Marktmechanismen Auf EU- und nationaler Ebene existieren teilweise Vorgaben oder Fördermechanismen für Agrarrohstoffe. Viele Reserven liegen indirekt bei: Mühlen Großhändlern Landwirtschaft Futtermittel- und Saatgutlagern Die genaue Größe der deutschen Lebensmittelreserve wird nicht …

Super-Sommer 2026 wegen Super-El Nino?

In den Nachrichten wird aktuell darüber berichtet, dass ein El Nino bevorsteht. Dieses Klima-Phänomen ist seit langem bekannt und spielt sich im Wesentlichen auf der Südhalbkugel zwischen Südamerika und Australien ab, wo dann die Zufuhr von kaltem Tiefenwasser an der Küste Chiles unterbunden wird. Das führt zu starken Niederschlägen dort und großer Trockenheit in Australien. Weil diese Phänomen kalendarisch oft mit dem Weihnachtsfest zusammenfällt, hat man es „El Nino“ (der kleine Junge) getauft. Laut einiger Medien soll dieser Effekt in diesem Jahr besonders stark ausfallen. Welche Auswirkungen könnte es für Westeuropa in den kommenden Monaten haben? Ich habe mal geschaut, was die Medien dazu sagen: Im Artikel der FAZ (hinter der Bezahlsperre) ist zu lesen: „Irgendwann in den nächsten Wochen wird die Unsicherheit über die Zukunft des El Niño 2026/27 verschwunden sein, sagt der Physiker und Klimamodellierer Thomas Jung vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhavener. Das wird der Lackmustest für die Modelle – und für die Klimaforschung überhaupt. Denn treten die frühen, extremen und massiv gehypten Vorhersagen vom Monster-El-Niño nicht ein, so fürchtet jedenfalls Mojib Latif, „könnte …

Wie viel Subventionen bekommt Bauer Willi?

Wer wissen will, wieviel Geld unser Betrieb in 2025 aus dem Agrarfonds erhalten hat, kann dies ganz einfach ermitteln. Er gibt in das nachfolgende Formular den Namen „Kremer-Schillings“ ein. Die Anschrift kann man sich sparen, denn es gibt nur einen Empfänger mit diesem Namen. Dann noch die CSV-Datei herunterladen und man erfährt, dass es 6113,18 € waren. Die müssen allerdings auch versteuert werden. Nimmt man einfach mal 33% an, so bleiben davon nur rund 4.000 € einkommenswirksam übrig. https://www.agrarzahlungen.de/agrarfonds/suche Geben Sie jetzt mal aus Spaß und Dollerei „Bund für Umwelt und Naturschutz“ ein. Richtig toll wird es aber, wenn Sie als Suchbegriff „NABU“ eingeben. Ich zähle dort 166 Einträge für diverse Orts- und Landesverbände. https://www.proplanta.de/agrar-nachrichten/unternehmen/agrarsubventionen-das-sind-die-top-empfaenger-2025_article1780179268.html Auf der nachfolgenden Karte kann man sehen, welche höchste Einzelsumme im jeweiligen Kreis gezahlt wird. https://www.proplanta.de/karten/agrarsubventionen-2025-top-empfaenger-liste-uebersichtskarte1779209005.html Ich möchte jetzt hier keine Diskussion über Sinn oder Unsinn der Agrarzahlungen führen. Nahezu jeder Bürger profitiert ja von staatlichen Subventionen. Sie glauben das nicht? Dann lesen Sie hier mal nach: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/staat-subventionen-finanzhilfen-100.html Zitat: „Den Schwerpunkt der Finanzhilfen des Bundes markierte danach die Umwelt- und …

Greenwashing: REWE und die Eiweißstrategie

Vor ein paar Jahren durfte ich bei einer REWE-Veranstaltung auftreten. Eingeladen wurde ich von Alain Caparros, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden von REWE International. Der Sitz der REWE ist in Köln. Die Veranstaltung fand in Berlin statt. Eingeladen waren alle „Stakeholder“, von Wettbewerbern über NGO bis hin zu Politik. Auch Renate Künast war anwesend. Ich habe mich mit dem Nachhaltigkeitsbeauftragten von REWE über deren Verhalten gegenüber den Lieferanten, insbesondere der Landwirtschaft unterhalten. Ein Thema war auch damals die „Eiweißstrategie“ von REWE. Ich habe mich an dieses Gespräch erinnert, als ich durch Zufall von der „Proteinstrategie“ von REWE erfahren habe. Wie man sieht, wurde aus „Eiweiß“ nun „Protein“, ansonsten hat sich nicht viel verändert. https://www.rewe-group.com/content/uploads/2025/08/proteinstrategie-positionspapier.pdf Es lohnt sich, die vier Seiten zu lesen. Es findet sich einiges über „kultiviertes Fleisch“ (Laborfleisch), eine Absenkung der Mehrwertsteuer für Pflanzendrinks, und weitere Forderungen an die Politik. Ausser ein paar nichtssagenden Phrasen ist über den Bereich Landwirtschaft nicht viel zu lesen. Bei der Veranstaltung musste der Nachhaltigkeitsbeauftrage schließlich auch zugeben, dass es für REWE unerheblich ist, ob die Erbsen oder Bohnen aus …

Ein Lob an die Kommentatoren…

Diese Mail hat mich gefreut: Lieber Willi „Landwirtschaftliche-gesellschaftliche Themen interessieren mich schon immer. Ich bin in einer Nebenerwerbslandwirtschaft auf dem Land großgeworden und nun seit einem Jahr mit einer Vollerwerbslandwirtin verheiratet. Deine Beiträge zu diesem Thema sind für mich stets sehr informativ und zusammen mit den Kommentaren ist Deine Webseite eine Wissensquelle, die ich mittlerweile sehr schätze. Ich bin froh, dass Du Deine Seite betreibst und danke Dir jetzt endlich einmal dafür. Sympathisch an Deinem Forum ist nicht zuletzt eine gepflegte Diskussionskultur, die (meist) auch bei kontroversen Themen herrscht – Einige Personen meinen immer Ausnahme sein  zu müssen. Aber allgemein gilt doch: Fortiter in re, suaviter in modo – und das ist gut. Ich verstehe, dass Dich das Forum auch gelegentlich ansch… und freue mich daher umso mehr, dass Du dennoch weitermachst. Hast ein bemerkenswertes Durchhaltevermögen.“ Dann folgt noch Fachliches. Das Lob an die Kommentatoren, die ja diesen Blog im Wesentlichen ausmachen, wollte ich weitergeben. Übrigens: der lateinische Satz bedeutet übersetzt: „Hart in der Sache, sanft in der Form“  und stammt aus dem Jahr 1606.