Heute nur in Hundefutter, morgen vielleicht schon im Müsli-Riegel. Ein Startup hat ein Verfahren entwickelt, um aus Sekundär-Rohstoffen (früher „Abfall“ genannt“) Proteine herzustellen. Den Prozeß hat sich der Gründer patentieren lassen. Derzeit fehlt noch die Zulassung als Nahrungsmittel.
So wie es vom Handelsblatt beschrieben wird, könnte dieses Verfahren eine ernsthafte Konkurrenz zu tierischen Proteinen darstellen.
Wenn man sieht, wer den Förderbescheid überreicht, scheint es sich nicht um eine Eintagsfliege zu handeln. https://microharvest.com/microharvest-leuna-plant/
Allerdings: Insektenprotein wurde ja auch schon mal eine große Zukunft vorhergesagt….


Noch eine Konkurrenz:
https://ifst.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/fsat.3402_12.x
Wasserstoff-oxidierende Bakterien (leben praktisch von Luft und „fressen“ CO2).
80% Protein in der Trockenmasse. Bessere Aminosäurekombination als Pflanzen.
Bereits zugelassen in Singapur und USA.
Für Europa stehen noch Sicherheitsprüfungen aus.
Trotzdem vielversprechend als umweltschonende Proteinquelle ohne große Landnutzung.
Landwirte sollten langsam anfangen, in ihren Scheunen Fermentoren aufzubauen und eine Fortbildung in Biotechnologie machen!
Die Medizin wird nicht müde, gegen hochverarbeitete Lebensmittel zu wettern, weil die vielfältige Gesundheitsrisiken bergen. Und was sonst sollen diese Proteine sein, als hochverarbeitete Lebensmittel?
Klassischer Zielkonflikt Elisabeth.🤘🙃
Was mich auch verwundert: bestes Futtereiweiss aus der Tierkörperverwertung, wo ja nicht nur Fifi landet, sondern auch Tonnenweise frische Nebenprodukte aus der Schlachtung wird verbrannt. Dies nur, um jedes Risiko auszuschliessen, dass Menschen an Lebensmittel erkranken.
Wie viel Melasse und Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie gibt es in Deutschland wirklich um diese Bakterienstämme zu füttern ? Oder wird dann klammheimlich Bakterienfutter unbekannter Zusammensetzung importiert ?
Aber zur Not könnte man diese kleinen Allesfresserchen ja auch mit ganz anderen „Abfallprodukten“ satt füttern… siehe Biogasanlagen 🙂 . Aber dies ist wohl noch ein langer Weg, die (satten) Menschen davon zu überzeugen.
Protein ist nicht gleich Protein, es ist nicht nur der prozentuale Proteingehalt entscheidend, sondern die Aminosäurestruktur. Nicht umsonst kann man Mastschweine mit Erbsenprotein füttern, Sauen mit hoher Lebensleistung aber nicht. Bzw. wenn, dann mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen.
Außerdem ist Fleisch auch mehr Nährwert, als nur der reine Proteingehalt. Auf die genauen Inhaltsstoffe des Fermentationsproduktes geht der Artikel leider nicht ein.
Irgendwie geht die Entwicklung erschreckend in Richtung „Soylent Green“
Ich habe vor etwa 30 Jahren sehr viele Hunde vermittelt (das darf man heute als Privatperson gar nicht mehr). Die Hunde kamen aus der ganzen Schweiz und teils auch direkt aus Spanien und der Türkei. Gefüttert wurden die vorher fast immer mit Billig-Kroketten aus dem Supermarkt bzw. die Hunde aus privater Hand mit teurem Trockenfutter mit gleichem Billiginhalt aus dem Futterhandel. Die Hunde wurden oft abgegeben wegen Unsauberkeit (Durchfall), Problemen mit den Ohren und dem Fell, Allergien, Arthrosen, zu Dick und zu Dünn… und hatten oft einfach allgemein nicht das glänzende, gesunde Aussehen wie ein mit gutem Fleisch, Knochen und Innereien gefütterter Hund. Schon nach einigen Wochen besserte sich die Beschwerden der Tiere und ich konnte sie mit Futterplan weiter verkaufen. Das waren viele Hunde ! und die Erfolge waren schnell und deutlich sichtbar !
Wie heute bei den Menschen bei den Ernährungsdocs.
Noch immer gebe ich meinen eigenen Hunden sooft es mit möglich ist, je einen Drittel Fleisch, Karotten und Kartoffeln. Die Hunde werden gesund uralt und sehen den Tierarzt nur für gelegentliche Impfungen. Man kann wirklich zuschauen, wie schnell ein „nicht so fitter“ Hund mit gutem Futter nochmals aufblüht. Ich sehe es den Hunden in der Tierarztpraxis oft sogar an, wie sie gefüttert werden.
Auch wenn die Rezeptur in Dosen und Trockenfutter bedarfsgerecht ist, so ist es nur Futter 2.ter Klasse im Vergleich zu frisch gekocht bzw. rohes Fleisch.
Auch im Altersheim und im Spital sind die Mahlzeiten oft aus der Dose… 2.te Klasse eben…
und zukünftig dann auch die Nahrung unserer nächsten Generation. Denn diese werden sich begeistern für „gut und günstig – Pampe“. Für nicht vegane Feinschmecker steht dann auf der Dose/ Plastikschale: mit mindestens 7 Prozent Kalbsfleisch. Guten Appetit.
Hier ein paar Nachteile dieses Verfahrens der Fermentation:
1. absolute Hygiene. Bringt man andere Erreger in das System, dann züchtet man diese unter diesen optimalen Bedingungen ebenfalls an. Die Tiere hingegen haben ein Immunsystem, dass permanent zur Suche und Bekämpfung bereit steht, und zusätzlich lernfähig ist.
2. Prozess-Energieaufwand und Regulierung des pH-Wertes – die Tiere machen es selbstständig.
3. Aufbereitung der (Abfall)Stoffe eventuell durch Sterilisation oder Enzymbeigabe.
4. intensiver Reinigungsaufwand um schädliche Erreger auszuschließen.
5. hochwertiges Protein z.B. aus Gras herzustellen ist durch dieses System deutlich teurer als über einen Kuhmagen.
Ich hoffe das reicht…..
Bei längerem Nachdenken, finde ich es befremdlich, dass mit Hühnern verglichen wird. Warum nicht mit Schafen? Das hat sich schon so eingeprägt: Hähnchenbrust als Proteinlieferant. (was ich sehr tierverachtend finde). Ich meine, sie können ja gerne ein Proteinpulver herstellen, aber „Tierersatz“ ist das nicht. Da wird das Tier echt degradiert als „Rohstoff“. Zuviel Protein ist eh nicht gut…. War letztens mal wieder ein netter Artikel im Spiegel.
warum ist Hähnchenbrust als notweniger Eiweiss- bzw. Proteinlieferant in unserem Körper tierverachtend?
Wofür werden Hähnchen gezüchtet und gehalten?
Wenn wir sie als unsere Nahrung nicht bräuchten, wären sie gar nicht auf der Welt.
Dann würden sie kein Geld kosten und dann würde sie niemnd aufstallen.
Vielleicht taugt das nicht für Menschen, aber als Hunde- und Katzenfutter? Zusatzstoff für Tierfutter ist es ja schon. Die brauchen Proteine, und vielleicht ist man da nicht so heikel mit Geschmackszusatzstoffen. Täglich werden zurzeit 1,8 Mio. Hühner gegessen…..
Und das in Leuna etwas Neues entsteht, ist natürlich super.
Und da stand, sie brauchen weniger Energie als bei der Umwandlung von Erbsen. Und eigentlich haben wir viel Energie. Sicher kann man den Prozess so steuern, dass man das tagsüber macht.
„MicroHarvest plant in Leuna, Nebenprodukte der Agrar- und Lebensmittelindustrie, vorwiegend Melasse, als Rohstoff zu nutzen“ heisst es im Beitrag.
Als die ersten Landwirte ein Fahrsilo für Silage bauten und das Gras fermentierten statt es als Heu zu konservieren haben auch viele den Kopf geschüttelt. Silage ist heute Standard da nährstoffreicheres Futter im Vergleich zu Heu. Heu gibt es natürlich auch noch aber eher dort wo Nährstoffe weniger wichtig sind z.B Pferdehaltung. Kenne es noch aus der Zeit als Heu für Ackerpferde gewonnen wurde. Die geringerwertigen Gräser von der Sauerwiese wurden an Pferde verfüttert.
Interessant ist das Leuna für die Produktion vorwiegend Melasse nutzen will, wohl weil diese besonders nährstoffreich ist. Melasse = Zuckersirup wird in unseren Breiten überwiegend aus Zuckerrüben gewonnen. Eine Chance für die Zuckerrübe.
Am Ende wird die Wirtschaftlichkeit entscheiden aber positiv ist doch das in Deutschland kreative Köpfe sich Gedanken machen über neue Technologien und Unternehmen und Investoren bereit sind ihr Geld ein zu bringen.
Schau mer mal ob es eine Rendite gibt oder es ein Abschreibungsmodell wird.
@ RS
Guten Morgen
Wie viel Prozent von der Investitionssumme sind diese 5,46 Millionen Euro?
Ich hoffe einfach das es nicht gleich läuft, wie beim Batterie-Werk das noch bevor die erste Halle steht schon wieder Geschichte ist.
Schönen Tag allen.
“ MicroHarvest, das deutsche Biotechnologieunternehmen, das Proteinbestandteile durch Biomassefermentation mit regionalen Agrar-Lebensmittel-Nebenströmen produziert, gab heute bekannt, dass es den Industriepark Leuna (Sachsen-Anhalt) als Standort für seine zukünftige Produktionsanlage ausgewählt hat. Die geplante Anlage ist für eine jährliche Kapazität von 15.000 Tonnen ausgelegt, mit einer geplanten mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Investition in die Region und der Schaffung von rund 25 Arbeitsplätzen bei MicroHarvest. MicroHarvest hat einen EEW-Zuschuss in Höhe von bis zu 5,46 Millionen Euro vom deutschen Bundesförderprogramm für Energie- und Ressourceneffizienz in der Industrie erhalten. Die Finanzierung wird die Beschleunigung des Ausbaus energie- und ressourceneffizienter industrieller Bioproduktion unterstützen.“
Hoffentlich hat der mütterliche Staat hier nicht wieder in eine große Geldkiste für eine falsche Richtung gegriffen….ich habe ein ungutes Gefühl.
@RS
In ST hat man ja Erfahrungen mit „zukunftsträchtigen“ Sparten. Mir scheint, dass es hier einzig um Publicrelations für die bevorstehende Wahl geht. 23 Arbeitsplätze sind natürlich beträchtlich. Wahrscheinlich müssen wir da Hochqualifizierte aus anderen Bundesländern anwerben. Nach der Wahl ist es ja egal, was draus wird. Intel lässt grüßen.
„
Ich finde es immer wieder bezeichnend, dass man politisch-medial eine Zukunftstechnologie mit Riesenpotential derart bewerben und mit Steuermitteln anschieben muss. Wenn es so innovativ und perspektivisch positiv sein sollte, dann muss sich das Produkt am Markt beweisen und eine Skalierung über eine finanzielle Grundlage z.B. über Investoren gelingen. Wenn sich aber alle unsicher scheinen, dann lassen sie es sich lieber vom Steuerzahler absichern, oder wie?
Interessant ist das framing der Bezugnahme auf die bereits vorhandene Verwendung als Zusatz im Tierfutter. Über die Schiene: Innovation, Heiteietei-Verwendung beim Kuscheltier, vegan, umweltfreundlich, weniger Tierleid usw. wird versucht, die Geschichte größer zu machen und kostenlose öffentliche Aufmerksamkeit zu generieren. Für mich ein durchsichtiges Geschäft. Aber wie sagt unser Fritze: Nicht immer so pessimistisch……seid hoffnungsvoll. 🤡🤘
Staatsubventionen für neue Technologien als (teilweise) Anschubfinanzierung sind grundsätzlich o.k.
Staatsubventionen für etablierte Produkte wie z. B. Wärmepumpen , E-Autos, Pflanzenschutzspritzen sind eine Katastrophe, weil sie die Produktpreise nach oben treiben und den Wettbewerb verzerren. Das Fenster für die Förderung ist nie und für alle dauerhaft offen, so dass diejenigen, die nicht „durchkommen“, erhöhte, verzerrte Preise zahlen müssen.
@RS
In Deutschland ist man seitens der privaten Unternehmen nicht bereit, an Startups Wagniskapital zu geben. Warum: es könnte ja ein Risiko sein. So denkt der Deutsche.
Folglich übernimmt das in kleinem Rahmen der Staat. Wenn er es nicht macht, gehen die hellen Köpfe ins Ausland.
Was der Hinweis auf Tierfutter angeht: hier ist die Zulassung wesentlich einfacher als bei der Human-Ernährung.
„Wahrscheinlich müssen wir da Hochqualifizierte aus anderen Bundesländern anwerben.“
Wenn ich den blog hier verfolge sind bereits in der Vergangenheit selbsternannte „Hochqualifizierte aus anderen Bundesländern“ nach Sachsen Anhalt eingewandert und haben sich dort finanziert mit Steuergeldern Land gekauft und rühmen sich das sie mit noch weiteren Steuergeldern die sie erhalten weiterhin noch mehr Land kaufen werden. Ja sie fordern sogar noch mehr Kohle vom Staat für ihr Geschäftsmodell. Einem Geschäftsmodell ohne Innovationsmodell und relevantem Nutzen ausser Eigennutz.
@L
Neid?
Das ist doch nur schon wieder eine neue, also die heutige, Sau, die durchs Dorf getrieben wird und die morgen schon wieder out ist…. die Menschen essen das nicht, weder essen sie vegetarisch in ihrer Mehrheit, noch vegan, noch die ach so wunderbaren Insekten, das sog.Superfood bleibt ebenfalls in den Regalen liegen – ermüdend und nur wieder eine Ablenkung von was auch immer….
Am Ende ernährt doch Deutschland die Welt.🤓
Und es muss auch kein Wert mehr auf Qualität des Ausgangsproduktes gelegt werden, Reste sind die Lösung. Sachsen Anhalt wählt, da kommt diese Nachricht doch zur rechten Zeit.
Wenn das ein skalierbarer industrieller Prozeß ist, könnte das durchaus eine Alternative für tierisches Eiweiß sein. Bevor aus „Pampe“ ein Hähnchen wird, ist allerdings noch ein weiter Weg. Rein theoretisch könnte (Lieschen Hausfrau´s Milchmädchenrechnung) mit dieser Anlage 620.000 t Hähnchenfleisch (24 % Proteine) ersetzt werden. Das wären schon mal 40 % der deutschen Erzeugung (1,5 mio t). Könnte also schon Potential haben.
@TB
An keiner Stelle wird über den Energieeinsatz für den Prozeß berichtet. Das ist ja auch bei vielen anderen Alternativen ein Knackpunkt.
die Technologie ist längst serienreif 😁😉: https://www.youtube.com/watch?v=swpMfopVEJE