Alle Artikel in: Bauer Willi

Folgenabschätzer

Ein sperriges Wort und von mir erfunden. Bei Google findet man das jedenfalls nicht. Was ist ein „Folgenabschätzer“? Hier meine Interpretation: Es handelt sich dabei um eine Person oder Institution, die vor einer Entscheidung lange überlegt und vordenkt, welche Folgen zu erwarten sind. Hier ein paar Beispiele: Die Förderung von Biomasse zur Energiegewinnung hat zur Folge, dass es Menschen gibt, die diese Förderung annehmen und Biogas-Anlagen bauen. Deshalb gibt es ja diese Förderung. Diese Anlagen werden dann mit Silomais „gefüttert“. Die Folge: es wird mehr Mais angebaut. Die Folge? Die Produktion von Ökostrom ist teuer als konventioneller Strom. Die Folge: der Konsument muss mehr für den Strom ausgeben. Will man auf Atom- und Kohlestrom ganz verzichten, benötigt man Stromspeicher. Große Stromspeicher. Große Stromspeicher kosten Geld. Die Folge: Strom wird noch teurer. Ohne Speicher sinkt die Versorgungssicherheit und es kann zu Stromausfällen kommen. Die Folge? Mehr Bio-Landwirtschaft bedeutet geringere Erntemengen. Die Folge: die Preise für Lebensmittel steigen, weil die Produktionskosten pro Einheit höher  sind. Gleichzeitig müssen mehr Lebensmittel importiert werden, weil die Fläche begrenzt ist. Die …

Filmprojekt Burnout im Stall – Wege aus der Krise

Der WDR sucht für eine Reportage mit dem Titel „Burnout im Stall – Wege aus der Krise“ Bäuerinnen und Bauern, die bereit sind darüber zu sprechen und die sich von der Kamera begleiten lassen würden. Der bekannt Filmemacher Valentin Thurn, mit dem ich auch schon sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet habe, legt „seine Hand dafür“ ins Feuer, dass diese Filmproduktion sehr seriös ist. Und dass mit dem Thema und den Menschen sehr sensibel umgegangen wird. Das Ziel ist, dass Bauern sich äußern zu finanziellen Schwierigkeiten, zu viel Arbeit und mangelnde Wertschätzung. Mit den Interessenten wird zunächst ein persönlicher Termin zum Kennenlernen gemacht werden. Danach kann jeder frei entscheiden. Kontakt zur verantwortlichen Redakteurin: Heidrun Seeger, mail-an-burnout@web.de/ Tel.:  0176-525 888 21 Euer Bauer Willi  

Von Österreich lernen heißt…

…ne, nicht siegen lernen. Schließlich sind wir (Deutsche) ja Weltmeister… 🙂 Aber wusstet ihr, dass Österreich im Sojaanbau in Europa ganz weit vorne ist? Und dass ein Österreicher die Sojapflanze nicht nur in Europa „gesellschaftsfähig“ gemacht hat? Und das schon 1878! Soja hat Potential! Dies und mehr lest ihr im folgenden Artikel. https://ooe.lko.at/weltkultur-mit-österreichischen-wurzeln+2500+2624441

Chronik eines Skandals

Ein immer wieder bemerkenswerter und zu bemerkender Dreiteiler aus dem Alltag. Erstaunend in seinem konformen Ablauf und noch erstaunlicher in seinen nicht konformen Konsequenzen. So geschehen in Österreich im Jahr 2017 und zusammengefasst von Bauer Fritz. Teil 1: Der Skandal 27.9.2017: Alles beginnt mit der Meldung „Greenpeace-schlägt-Alarm-Gesundheitsgefahr-durch-Palmöl“ (http://www.greenpeace.org/austria/de/News/Aktuelle-Meldungen/Konsum-News/2017/Greenpeace-schlagt-Alarm-Gesundheitsgefahr-durch-Palmol/) Elf Lebensmittel wurden getestet. Drei davon enthalten kein Palmöl. Die Greenpeace-Testergebnisse zeigen bei Produkten mit Palmöl derart hohe Konzentrationen von 3-MCPD-Ester, dass vor allem bei Kindern die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge von 0,8 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht rasch überschritten wird. Auch bei Glycidyl-Ester wurden hohe Konzentrationen gefunden. Setzen auch Sie sich für den Schutz des Regenwaldes ein und unterzeichnen Sie unsere Petition. 27.9.: Auf den Online-Seiten der diversen etwa 10 größten österreichischen Tagezeitungen erscheinen je nach Qualitätsanspruch, Blattlinie und Format Headlines in unterschiedlichen Schriftgrößen, Aufrüttelungsgrad und Menge an Rufzeichen. Im Folgenden gebe ich daher immer nur eine Überschrift exemplarisch wieder. „Palmöl-Test: Handel nimmt belastete Produkte aus Regal“ (https://kurier.at/genuss/greenpeace-gesundheitsgefahr-durch-palmoel/288.637.638) 28.9.: Die Gesundheitsministerin wird befragt und berichtet im Radio, daß die ständigen Lebensmittelüberwachungen ihrer Behörden bisher nichts Beanstandenswertes ergeben hätten, man sich …

Exporte Hühnerfleisch Afrika

Welche Mengen an Geflügelfleisch exportiert Deutschland eigentlich nach Afrika? Das wollte ich mal wissen und habe mir beim Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft die Zahlen besorgt. Zu Geflügel zählen nicht nur Hühner, sondern auch Puten, Gänse und Enten. Und die Summe von allem habe ich genommen. Das waren 2016 rund 491.000 t. 2014 exportierte Deutschland davon 40.967 t nach Afrika, 2016 waren es 17.219 t. Von dieser Menge gingen 3.942 t nach Südafrika, das sind rund 23%. Weitere größere Importländer sind Ghana und Benin. In nahezu allen  Ländern hat die Menge abgenommen, lediglich Mauretanien und die Kapverden verzeichnen eine Zunahme. Da die Kapverden mittlerweile ein beliebtes Urlaubsziel geworden ist, könnte die Zunahme damit erklärt werden. Im Jahr 2016 betrug die Bevölkerung von Afrika 1,216 Milliarden Menschen. Auf den Markt gelangt das Fleisch durch Händler, die Geflügelfleisch in Deutschland aufkaufen. Exporterstattungen werden nicht gezahlt. In Ländern wie Kamerun, Nigeria und Senegal, die ein Importverbot ausgesprochen haben, ist die Produktion von einheimischen Geflügel zwar geringfügig gestiegen, es besteht seitdem aber eine Versorgungslücke, die zum einen zu Schmuggel aus den …

Nüchtern betrachtet…

Nüchtern ist man dann, wenn man vorher nichts gegessen hat. „Kommen Sie zur Blutabnahme bitte nüchtern“ heißt es beim Arzt. Nüchtern ist man auch, wenn man keinen Alkohol trinkt. Nüchtern zu sein ist für uns also eine bewusste Entscheidung. Für uns! Nicht für alle Menschen, denn rund 800 Mio. Menschen weltweit sind unterernährt. Doch die Zahl ist ständig weniger geworden, trotz wachsender Weltbevölkerung. Mehr als die doppelte Zahl, nämlich rund 2 Milliarden (mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung!) sind übergewichtig. Wie werden in Zukunft alle satt? Eine Überschrift und eine Frage, die wir oft in den Medien finden. Es gibt unzählige Beiträge, Analysen, Dokumentationen und Meinungen zu diesem Thema. Dabei ist die Frage eigentlich falsch gestellt: Warum werden heute nicht alle satt? Denn bevor wir uns Gedanken darüber machen, was passiert, wenn 10 Mrd. den Planeten bevölkern, sollten wir doch dafür sorgen, dass heute alle satt werden. Nüchtern betrachtet ist das ganz einfach: das, was die einen zu viel essen, sollten die bekommen, die zu wenig haben. Damit würde die Zahl der Unterernährten und der …

Bruchteilsgemeinschaft – was ist das denn?

Wer häufiger hier auf dem Blog ist, wird wissen, dass ich eine Kooperation mit unserem Nachbarn habe. Die hat schon mein Vater 1970 begonnen und jeder kann sich jetzt ausrechnen, wie alt die nun ist. Angefangen hat alles mit einem Mähdrescher, der zusammen angeschafft wurde. Jeder hat seinen alten Mähdrescher verkauft und für den neuen Mähdrescher 50% des Kaufpreises überwiesen. Wenn Reparaturen fällig waren, ging das genau so. Jeder von uns beiden hat eine Rechnung über die Hälfte der Reparaturkosten bekommen. Nach dem Mähdrescher ging es weiter mit dem Trecker (Traktor, Schlepper). Auch hier wieder fifty-fifty. Dann kamen zwei Nachbarn auf uns zu, denen wir erzählt haben, dass wir eine neue Sämaschine mit Kreiselegge kaufen wollten. Sie fragten, ob sie sich daran beteiligen könnten. Weil es beim Säen von Getreide oder Raps nicht auf die Stunde oder den Tag ankommt, haben wir das gemacht. Um aber nicht jedes Jahr die Anteile neu ausrechnen zu müssen, haben wir als Schlüssel für die Aufteilung der Kosten nach der Betriebsgröße gemacht. Es spielt also keine Rolle, wieviel Getreide/Raps …

Die Amnesie der Grünen

Amnesie (altgriechisch μνήμη mnémē, deutsch ‚Gedächtnis‘, ‚Erinnerung‘ mit Alpha privativum) bezeichnet eine Form der Störung des Gedächtnisses für zeitliche oder inhaltliche Erinnerungen. (Quelle: Wikipedia) So eine Erkrankung muss wohl in den letzten Monaten bei dem überwiegenden Teil der Grünen eingesetzt haben. Aber worum geht es? Es geht um das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) Dieses Bundesinstitut wurde 2003 von der damaligen Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) ins Leben gerufen um dem damaligen BSE-Skandal angemessen zu begegnen. Ihre damalige Rede ist sehr beachtenswert und hier nachzulesen: http://www.bfr.bund.de/cm/343/rede_der_bundesministerin.pdf Für den eiligen Leser hier ein paar Auszüge: Der gesundheitliche Verbraucherschutz in Deutschland und in der ganzen EU musste neu organisiert werden. Hinter dieser funktionellen und strukturellen Trennung steckt der Gedanke, dass die Bewertung von Risiken unabhängig erfolgen muss. Erstens unabhängig von politischen Erwägungen, zweitens unabhängig von wirtschaftli chen Interessen und drittens auch unabhängig von den Anforderungen des Krisenma nagements. Wer Risiken bewertet, muss in erster Linie zwei Dingen verpflichtet sein: Den Grundsät- zen der Wissenschaft und der Verantwortung gegenüber den Menschen. Wer Risiken bewertet, muss das unvoreingenommen tun können – ohne …

Nach dem Sturm…

Da bin ich wieder. Weil mir doch noch was eingefallen ist. Aber nicht so was Aufregendes wie gestern. Nach dem Sturm vom Wochenende sind unheimlich viele Blätter gefallen. Und weil ich ein gehorsames Kind bin, bin ich dem Wunsch meiner Mutter (94) gefolgt und habe die zusammengekehrt und auf den Komposthaufen gebracht. Aber warum eigentlich? Warum lassen wir die Blätter nicht einfach liegen? Mit „wir“ meine ich euch und mich. Die Blätter würden doch im Laufe des Winters sicherlich von den Regenwürmern in die Erde gezogen, von ihnen verdaut und zur Humusbildung beitragen. So wie ich das auch mit den Zwischenfrüchten auf dem Feld mache. Unser Problem ist doch, dass das nicht ordentlich aussieht (s.o. Mutter:  „Willi, mach mal die Blätter weg“). Und genau das ist es, was unserer Natur fehlt. Unordnung, Dreck, Mist, Schutthaufen, ja selbst Kadaver, die in der Natur vergehen. Das alles darf aber heute nicht mehr sein. Auch wir Landwirte haben es gerne ordentlich. Also bitte nur eine Kultur auf dem Acker und keine „Unkräuter“. Warum ist klar: wir wollen nur die …

Verbieten! Sofort! Weltweit!

Liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen! Ihr habt es geschafft. Nach etwas mehr als zweieinhalb Jahren und über 50.000 Kommentaren werfe ich das Handtuch. Ihr habt mich zwar nicht überzeugt, aber ich gebe auf. Ich bin es einfach leid, mir ständig anhören zu müssen, ich würde euch vergiften. Ich bin es leid, euch Nachhilfe in Bodenbearbeitung, Fruchtfolge, Düngung und all den anderen Dingen meines Alltags geben zu sollen. Ich will auch nicht mehr der Schuldige für alle Mißstände dieser Welt sein, angefangen vom Klimawandel, dem Aussterben von Insekten, Pflanzen, Vögeln und was sonst noch allem. Ich bin nicht mehr euer Prügelknabe. Schluss, Ende, Aus. Wozu brauchen wir Wissenschaft? Ihr könnt ja jetzt Arbeitsgruppen bilden und Volksbegehren und Unterschriftensammlungen in Gang setzen, bei denen ihr basis-demokratisch abstimmt, was in Zukunft erlaubt ist und was nicht. Studien, Grenzwerte, Analysen, Zeitreihen, Risikobewertung? So ein Quatsch! Fakten stören das Volksempfinden. Wie sich die Menschen fühlen steht im Vordergrund. Und wer was anderes behauptet, wer versucht, sachlich aufzuklären, ist von der Industrielobby gekauft. Nur die Mehrheit kann entscheiden, was richtig und was …