Bauer Willi
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Nach dem Sturm…

Da bin ich wieder. Weil mir doch noch was eingefallen ist. Aber nicht so was Aufregendes wie gestern.

Nach dem Sturm vom Wochenende sind unheimlich viele Blätter gefallen. Und weil ich ein gehorsames Kind bin, bin ich dem Wunsch meiner Mutter (94) gefolgt und habe die zusammengekehrt und auf den Komposthaufen gebracht. Aber warum eigentlich? Warum lassen wir die Blätter nicht einfach liegen? Mit „wir“ meine ich euch und mich.

Die Blätter würden doch im Laufe des Winters sicherlich von den Regenwürmern in die Erde gezogen, von ihnen verdaut und zur Humusbildung beitragen. So wie ich das auch mit den Zwischenfrüchten auf dem Feld mache. Unser Problem ist doch, dass das nicht ordentlich aussieht (s.o. Mutter:  „Willi, mach mal die Blätter weg“). Und genau das ist es, was unserer Natur fehlt. Unordnung, Dreck, Mist, Schutthaufen, ja selbst Kadaver, die in der Natur vergehen. Das alles darf aber heute nicht mehr sein. Auch wir Landwirte haben es gerne ordentlich. Also bitte nur eine Kultur auf dem Acker und keine „Unkräuter“. Warum ist klar: wir wollen nur die eine Kultur ernten und kein buntes Gemisch von allen möglichen Pflanzen. Das sieht übrigens mein Kollege im Bio-Landbau nicht anders. Wenn der in seinem Gemüse nicht für ein wenig „Ordnung“ sorgen würde, käme da auch nicht viel hoch. Er macht es halt nur mit anderen Mittel. Er flammt die Unkräuter mit Gas ab. Auch nicht sooo doll.

Auch auf dem Wanderweg, der am Hof vorbei geht, habe ich die Blätter entfernt und mit dem Laubbläser in die Wiese daneben geblasen. Ja, mit dem Laubbläser! Macht einen Höllenlärm, verbraucht Benzin und verpestet die Umwelt. Asche auf mein Haupt! Den Laubbläser habe ich erst seit zwei Jahren und ich habe festgestellt, dass es damit wesentlicher schneller geht und den Rücken schont.

Die Spaziergänger machen sich jetzt nicht mehr die Schuhe schmutzig und ausrutschen können sie auf dem feuchten Laub auch nicht. Nennt sich „Verkehrssicherungspflicht“. Ihr könnt euch ja mal die Maschinen in den Großstädten ansehen. Das sind richtige Profis im „sauber machen“.

Und so entziehen wir der Natur immer mehr „dreckige Ecken“, in denen sich Mikroben, Würmer und Käfer so richtig wohlfühlen würden. Die Würmer und Käfer werden dann von den Vögeln gefressen usw. Halt die ganze Nahrungskette.

Ich will ja ein besserer Mensch werden und deshalb habe ich mir vorgenommen, das Laub jetzt liegen zu lassen. Und die Brennessel will ich im Frühjahr auch meterhoch wachsen lassen und wenn ein lieber Mitbürger wieder mal Schutt am Wegesrand entsorgt, müsste der eigentlich da auch liegen bleiben. Wegen der Artenvielfalt, die das eigentlich braucht.  Aber es stört, und so wird der Schutt halt weggeholt. Oder ich mache ihn weg.

Ich habe mir fest vorgenommen, in Zukunft unordentlicher, dreckiger zu werden. Die Natur ist es auch.

Morgen muss ich unbedingt mal mit meiner Mutter reden….Morgen… oder übermorgen…irgendwann…

Und lest mal diesen Artikel. Der Mann ist nicht der einzige, der das so sieht.

https://kurier.at/wissen/insektensterben-von-der-tugend-des-nichtstuns/294.194.159

Euer Bauer Willi

 

 

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66 Kommentare

  1. Ja, ein paar interessante Ansätze trägt Lödl vor. Schade nur, ohne stupide Polemik kommt auch er nicht aus:
    „Nikotin wirkt auf Insekten wie Zyankali auf den Menschen“, sagt Lödl. Im Frühling könne auch jeder Laie das Massensterben beobachten, nachdem zum ersten Mal gespritzt wurde“ Ja, ich bin Laie und ich würde mich freuen, wenn Herr Lödl mich mal dazu einladen würde, das Massensterben von Bienen und Hummeln, verursacht durch den sachgerechten Einsatz von Neonikotinoiden(darum gehts hier), zu beobachten. Nach Glyphosat werden die Neonikotinoide zum Feindbild aufgebaut. Dabei war der große Vorteil ihrer Einführung gerade die selektive, nützlingschonende Wirkung dieser Mittel im Gegensatz zu den bis dahin gebräuchlichen Präperaten. Ein zweifelhafte Studie hat es geschafft, diese Neonikotinoide in Verruf zu bringen. In Laborveruchen hat man Bienen und Hummeln Konzentrationen ausgesetzt, wie sie im Freiland niemals vorkommen. Dann hat man festgestellt, dass die Bienen zunächst ihren Orientierungssinn verlieren, bei weiterer Steigerung auch toxische Reaktionen auftreten. Zu diesem Versuch ein anschaulicher Vergleich: Wenn jemand in einer Gaststätte ein Glas Rotwein trinkt, tut er u.U. sogar etwas Gutes für seine Gesundheit. Trinkt er zwei Flaschen Rotwein, hat er beim Nachhause gehen sehr wahrscheinlich erhebliche Orientierungsschwierigkeiten. Bei 4 Flaschen zeigt er massive toxische Reaktionen. Muss Wein deshalb verboten werden?? Neonikotinoide haben einen 1000- fach höheren LD50 Wert als DDT. Der fachkundige BUND-Bayern schliesst daraus, dass Neonikotinoide 1000 mal so giftig seien als DDT.

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    • Zenzi sagt

      Mit dem Blick eines Insektenkundlers sieht man eben mehr als ein Laie. Neonikotinoide sind nun mal Insektizide und wirken auch auf „Nichtzielorganismen“ Das wurde nicht in 1 Studie festgestellt sondern in -zig. Die Grenzwerte können auch nicht angewandt werden wie es so gern von Bayer und Konsorten reklamiert wird, da bereits minimale Werte das Orientierungsverhalten der Arbeiterinnen und die Brut in der Entwicklung stört. Der LD50 ist damit obsolet, da schon viel weniger zu einer Schwächung der Völker führt. https://www.sciencemediacenter.de/alle-angebote/research-in-context/details/news/wirkung-von-neonicotinoiden-auf-bienen-freiland-experimente-auch-in-deutschland/
      Bei diesen Studien geht es auch nur um die so wichtigen Honigbienen. Wie es bei nicht Staaten bildenden Wildbienen aussieht kann nur vermutet werden. Dort reicht es aus, um die 1 Kö. (ohne Staat) im Frühjahr zu schwächen. Dann entwickelt sich kein Volk.
      Da die Neonics an Honigbienen relativ gut erforscht sind, kann davon ausgegangen werden, dass der Kollateralschaden auf die Nichtzielorganismen groß ist.
      Wie das nun in den Medien dargestellt wird, ist eine andere Sache. Dort dürften die wenigsten Insektenkundler sein, sondern eben eine „Story“ ganz Journalistenlike, d.h. populistisch formuliert und in Extremen dargestellt (wie Willi das auch schon gut kann 😉

      Persönlich kehre ich nur die Eichenblätter von Beet und Wiese. Alles andere kann bleiben, bzw wird zu schönen „Moderecken“ gebracht. Dort krabbelt es vermehrt und mein Kompost ist eine große Wurmkiste par excellence…

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      • Danke für den hochinteressanten Link .“Unsere SMC-Redaktion findet heraus, wer wir klich Experte auf dem jeweiligen Themengebiet ist. “ Da wird also Wissenschaft für die Journalisten vorsortiert, ob ich das gut finden soll, weiss ich noch nicht.
        Zum Thema: Es ist zu vermuten, es ist anzunehmen, man kann davon ausgehen … ist so ziemlich der einhellige Tenor der Experten, nur einer der sich nicht als Experte ausgibt weis ziemlich genau bescheid.
        „Die Grenzwerte können auch nicht angewandt werden wie es so gern von Bayer und Konsorten reklamiert wird, da bereits minimale Werte das Orientierungsverhalten der Arbeiterinnen und die Brut in der Entwicklung stört.“ Sorry, dieser Satz mag vielleicht als Totschlagargument dienen, falsch bleibt er trotzdem, da die Grenzwerte bereit minimale Werte sind.

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  2. Hans-Jürgen Gresch sagt

    Moin Willi, ich habe vor kurzem eine Studie gelesen wo uns Menschen vorgeworfen wird ,wir seien zu reinlich. Man kann viele Krankheiten verhindern ,wenn wir uns etwas „dreckiger Verhalten “ würden. Muß ich am Tag zweimal duschen???. Ist nicht nur Wasser Verschwendung schadet auch der Haut. Erinnere Dich einmal an Deine Kindheit,wir sind ja fast ein Alter. Gebadet wurde am Samstag in der Zinkwanne und alle ,bei mir waren es 5 Geswchwister und anschließend meine Eltern. Und wir sind daran nicht gestorben.

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    • Bauer Willi sagt

      Im Gegenteil. Stärkt das Immunsystem. Und Dir kann ich es ja verraten. Ich dusche auch heute noch nicht jeden Tag. 🙂
      Bauer Willi

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  3. Friedrich sagt

    Seid dem die Grünen in der Politik sind haben wir Insektensterben . Hat unser verordneter Umweltschutz dies verursacht ? Wir haben Kläranlagen gebaut , sodaß sich heute die Fischer am Bodensee über zuviel Reinheit des Wassers und damit weniger Fischen beschweren. Wir wollen den Hamster schützen , aber lassen Krähen, Elstern, Bussarde usw. sich uferlos vermehren. Wir müßen den Stallmist einarbeiten , nehmen aber damit den Insekten die Lebensgrundlage.Ebenso muß die Gülle sofort eingebuddelt werden. Es wird alles verschlossen und abgedeckt. Haben wir das alles übertrieben ? Wir haben mehr Schutzgebiete, Gewässerrandstreifen, Vertragsnaturschutz,Greening , Ausgleichsflächen usw. und trotzdem sollen es weniger Insekten sein, oder liegt es an der versiegelten Landschaft , die jeden Tag mit fast einem Quadratkilometer für Häuser, Straßen usw. mehr wird ? Ist unser verordneter Umweltschutz falsch im Ansatz ? Müßen wir das Fliegen reduzieren o.ä. ?oder ist es einfach die Masse Mensch die den Lebensraum vernichtet ?

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    • Hans-Jürgen Gresch sagt

      Friedrich,ich gebe Dir Recht,es ist die Masse Mensch,die nicht nur alles in Frage stellt,sondern auch dafür sorgt das täglich 66 Hecktar Lebensraum für die Bauern und die Natur so einfach verschwinden. Wahr haben will das allerdings keiner.

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  4. Friedrich sagt

    Früher haben die Bauern die Nachgeburten oder tote Ferkel auf den Misthaufen geworfen und das kam dann mit dem Miststreuer aufs Feld. Heute wird alles nach Vorschrift mind. einmal in der Woche vom Entsorger abgeholt. Heute müßen die Misthaufen im Feld abgedeckt und auf dem Hof überdacht sein. Da kommt also keine Fliege mehr dran. Auch die Fliegen und Schwalben haben keine Chance mehr in die Hühner- und Schweineställe zu kommen weil die heute hermetisch verschlossen sind. Selbst die Tierbetreuer müßen sich komplett umziehen. Dies alles dient natürlich der Seuchenvorsorge aber für die Insekten ist das natürlich schädlich. Auch Komposthaufen sind heute eher selten . Wie oft findet man Rasen- und Gartenschnitt im Feld oder Wald entsorgt , damit die Wohngrundstücke wie aus dem Ei gepellt sind mit hauptsächlich Rasen und einigen wenigen Büschen (ohne Laub). Wo soll sich da ein Igel oder Insekt wohlfühlen. Von den Steinwüsten auf den wohngrundstücken wollen wir garnicht erst reden. Selten sieht man in den Wohnsiedlungen noch blühende Bäume oder Büsche. Auch Blumen- oder Staudenbeete sind selten geworden. Auch unsere Kinder sind heute mehr zu Stubenhockern geworden und viele haben überhaupt keinen Naturkontakt mehr. Das wird folgen haben !!

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    • bauerhans sagt

      „Selten sieht man in den Wohnsiedlungen noch blühende Bäume oder Büsche“

      hier gibts die variante,büsche und blumen ausserhalb des eigenen zauns zum acker wachsen zu lassen,was dem mähdrescher schwierigkeiten macht.
      da helfen nur mulcher,scheibenegge oder glyphosat.

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