Brot haben…
Ein Text von Anke Lautner Alle reden über Bio. Mein Vater nicht. Er ist 95. Er hat Krieg, Hunger und echte Knappheit erlebt. Ihm ist egal, ob das Brot bio-zertifiziert ist. Ihm ist wichtig, dass das Brot da ist. Das ist der Teil, den viele Salon-Moralisten nicht mehr verstehen. Bio ist für einen Teil der Gesellschaft ein Lifestyle. Für den anderen Teil ist Essen immer noch Überleben. Während hier darüber philosophiert wird, ob die Möhre „rein genug“ ist, steht woanders jemand vor dem Regal und rechnet. Reicht das Geld bis Monatsende. Oder nicht. Für die einen ist Bio eine Haltung. Für die anderen ist Bio ein Luxus. Und Luxus steht nicht auf der Prioritätenliste, wenn der Kühlschrank leer ist. Wer dann von „böser“ Landwirtschaft redet, weil nicht alles bio, regional, saisonal und moralisch maximal steril ist, zeigt nur eines: Wie weit er sich von der Realität entfernt hat. Landwirtschaft hat zuerst eine Pflicht. Menschen satt machen. Alle. Nicht nur die, die genug Geld und Zeit haben, um über Ideale zu diskutieren. Mein Vater misst Landwirtschaft …










