Jahr: 2016

Weißes Wasser

Neulich war ich beim Netto. Das ist aus verschiedenen Gründen nicht so mein Laden, aber es ist die nächstgelegene Einkaufsmöglichkeit. Also geht man da halt auch mal hin. Ich habe zufällig eine Frau beobachtet, die aus dem Regal bei den verschiedenen H-Milchsorten mehrere Milchpackungen herausnahm. Nun bin ich ja ein neugieriger Mensch und habe genauer hingeschaut. Es war H-Milch der Marke „Leichter Genuss“ mit höchstens 0,3% Fett für 55 Cent/Liter und sogar mit dem goldenen Preis der DLG ausgezeichnet. Ein Woche zuvor hatte sich bereits eine Freundin beim gemeinsamen Kaffeetrinken (Ich habe ja jetzt – ohne Kühe- mehr Zeit!) darüber aufgeregt, dass sie beim Milcheinkauf nicht ganz genau hingesehen hatte und nun eine „Frühstücksmilch“ mit 0,7% Fettgehalt erwischt hatte. Ja geht´s noch? Jetzt haben wir schon zuviel Milch auf dem Markt und baden-württembergische, bzw. bayrische Molkereien verkaufen sie als weißes Wasser? So werden wir die Milch niemals los! Wobei, ist das weiße Wasser überhaupt noch weiß, wenn die Fett-Tröpfchen nicht mehr drin sind? Schmeckt das dann noch nach irgendwas? Ich konnte mich ehrlich nicht überwinden …

Trotzreaktion

Mirjam Lechner ist Erzeugerberaterin bei der UEG Hohenlohe-Franken. Tierwohl ist ihr täglicher Job. Sie macht sich dabei so ihre Gedanken. Heute Morgen hat es mich schier zerrissen. Seit zwei Tagen bereite ich einen Vortrag für Landwirte vor, wie man Beschäftigungsmaterial für Schweine, also Raufutter gut und sinnvoll einsetzen kann. Konkret heißt dies derzeit, Tierhaltern die aktuell bei der Tierhaltung drauf legen (also rote Zahlen aufgrund der Preissituation schreiben) zu erklären, wie sie noch mehr Miese machen können, in dem sie Geld und Zeit für Tierschutz- und Tierwohlmaßnahmen ausgeben sollen: Was sie beides nicht übrig haben. Da meldet sich bei mir im Autoradio fröhlich die Werbungsstimme von REAL: „Nur bei uns! Und nur bei REAL!“ Frischer Schweinenacken für 4,99 Euro/kg und „Eingefrorene Lende für 5 Euro/kg“ Tierwohl gibt’s nicht im Sonderangebot und in der Schnäppchenabteilung. Landwirtschaft und Tierhaltung ist kein austauschbarer Sonderposten! Und diese Werbung kommt in dem Zeitraum wo sich Massen von Menschen in Berlin zusammen tun um gegen „Massentierhaltung“ (auch explizit Schwein) zu protestieren. Da zerreißt es nicht nur mich, sondern da zerlegt es …

Artgerecht

Die alte Dame lebt in einer Ein-Zimmer-Wohnung im vierten Stock eines Altbaus im Vorort einer Großstadt. Sie ist nicht mehr sehr beweglich, das Haus hat keinen Aufzug und so verlässt sie die Wohnung nur noch selten. Ihre Nachbarn kennt sie kaum, sie wechseln auch oft und somit hat sie kaum soziale Kontakte. Sie hat nur eine kleine Rente, wovon das meiste für die Miete draufgeht. Deshalb ist sie auf preiswerte Lebensmittel angewiesen, die sie beim Discounter um die Ecke einkauft. Doch auch da hat sie niemanden, mit dem sie reden könnte. An der Kasse muss es ja schnell gehen, die Kassiererin hat keine Zeit mehr für ein Gespräch, so wie früher im Tante-Emma-Laden. Mit ihrem Trolley bringt sie die Sachen nach Hause und wenn sie Glück hat, hilft ihr jemand, die nach oben zu tragen. Sie ist halt nicht mehr so gut auf den Beinen. Dann ist sie wieder allein, mit sich und dem Fernseher, der ihr einziger Kontakt zur Außenwelt ist. Mittags macht sie sich eine Suppe warm, warum soll sie groß kochen? Sie ist ja …

FAO – Lebensmittels-Preisindex fällt weiter

Die FAO hat vor wenigen Tagen die aktuellen Zahlen für 2015 veröffentlicht. Die Daten beruhen auf einer Vielzahl von einzelnen Produkten und wurden weltweit erhoben. Die Zusammenfassung gibt somit die Produktart wieder. Beispiel: bei Fleisch wurden 2 Typen Geflügelfleisch, 3 Typen Rindfleisch und 3 Typen Schweinefleisch zu einer Zahl zusammengefasst. Bei Getreide Mais, Reis und weitere Körnerfrüchte, darunter auch Weizen. In den Originaldaten wird als Bezug das Mittel von 2002-2004 herangezogen. In den hier gezeigten Abbildungen wurde das Jahr 2011 als Referenz gleich 100 gesetzt. In der Betrachtung des Jahres 2015 stellt der Juli-Wert das Jahresmittel dar. Wie unschwer zu erkennen, fällt der Index in der zweiten Jahreshälfte weiter. Wer sich für weitere Daten interessiert, findet den Link hier:

Weltuntergang?

Wo sind sie nur geblieben, die Weltuntergangsszenarien der letzten Jahrzehnte? Das Waldsterben ist gestorben, der Waldzustandsbericht weist auch dieses Jahr wieder erfreuliche und gute Zahlen aus. Zumindest in NRW, wo ja bekanntlich ein Grüner der zuständige Minister ist. Wahrscheinlich aus deshalb. Das Ozonloch hat wieder jemand zugenäht, weil wir Deutschen die richtigen Kühlschränke gekauft haben. So schnell geht das. BSE, Hühnergrippe, Schweinepest sollten die Menschheit innerhalb kürzester Zeit ausrotten. Wir leben immer noch. Und an EHEC können sich auch nur noch die wenigsten erinnern. Auch der Rhein ist so sauber wie nie zuvor, mit ihm auch die Nebenflüsse. In den Städten werden mehr Vogelarten gezählt als in so manchem Naturschutzpark. Amseln brüten in alten Autos und fliegen im Herbst nach Süden. Oder auch nicht, je nachdem, wie es ihr gerade in die Versorgungslage passt. Wildschweine lassen es sich in städtischen Parks und Gärten gut gehen, Waschbären richten sich häuslich auf unseren Dachböden ein, Nutrias vermehren sich geradezu unbegrenzt, riesige Gänseschwärme fressen in wenigen Stunden ein Weizenfeld kahl. Auch wenn das so manch einem Schützer nicht passt: die Natur …

Happy Birthday – 1 Jahr Bauer Willi

Genau vor einem Jahr, am 12. Januar 2015 bekam ich um 13:09 Uhr folgende EMail: Hallo Alois Habe eure Seite „Frag den Landwirt“ gesehen und finde die sehr gut. Da ich mich gerne aufrege, habe ich immer mal wieder Artikel zu der Thematik Landwirt und Gesellschaft geschrieben.  Zwei davon schicke ich dir zu. Vielleicht kannst du sie ja online stellen. Gerade der Brief an den (fiktiven) Nachbarn passt m.E. zu der derzeitigen Diskussion gut. Gruß 4 EMails später um 21:55 Uhr habe ich Willi’s ersten Artikel „Lieber Nachbar“ mit ein paar Bilder „aufgehübscht“ und ins Netz gestellt. Der Brief war brav. Dafür gab es viel Beifall. Eine Woche später, am 19.Januar 2015 haben wir den „Lieber Verbraucher“ veröffentlicht. Dafür gab es erstmal mächtig Gegenwind. Aber du warst der Meinung, „nur mit Gegenwind kann ein Flugzeug starten.“ Von da an war „Bauer Willi“ nicht mehr zu halten. So einfach begann unsere Zusammenarbeit. Erst am 6. Mai haben wir uns dann mal persönlich getroffen. Danke „lieber Willi“ für diese tolle „Blogger-Jahr“. Wenn es Dich nicht wirklich gäbe …

Falsches Feindbild Bauer

Das schreibt der FOCUS: „Den Verbänden an der Spitze der Anti-Agrar-Bewegung geht es nicht darum, etwas zu verbessern. Sie stellen die modernen Landwirte unter den Generalverdacht, Giftmischer und Tierquäler zu sein. Als Alternative preisen sie kleine Biohöfe in Familienhand an. Doch wer möchte auf solchen Zwergbetrieben arbeiten? …..Es ist abzusehen, dass der Strukturwandel hin zur arbeitsteiligen, technisierten Landwirtschaft voranschreiten wird.“ Wie gesagt, der Text ist nicht von uns, sondern stammt vom FOCUS…

Bin ich ein richtiger Bauer?

Nein, das bin ich nicht, denn ich bewirtschafte meinen Betrieb im Nebenerwerb, so wie rund die Hälfte aller deutschen Landwirte, die ein Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland beackern. Nein, ich sitze nicht jeden Tag auf dem Trecker, weil ich in einer gut funktionierenden Kooperation eingebunden bin. Ja, ich kann es mir erlauben, auch mal zwei Wochen in Urlaub zu fahren, ohne dass im Betrieb was anbrennt. Nein, ich habe kein Vieh auf dem Hof, weil das mit dem „anderen“ Beruf nicht vereinbar gewesen wäre, wenn nicht die Ehefrau oder die Kinder die Tiere versorgt hätten. Das wollte ich nicht. Ja, ich kann aus dem „anderen“ Beruf Geld in den Betrieb stecken und so Gebäude erhalten, die es dringend nötig haben. Der Hof steht unter Denkmalschutz und man hat ja eine Verpflichtung gegenüber der nächsten Generation. Und die steht schon in den Startlöchern. Nein, ich zahle keinen Beitrag in die landwirtschaftliche Alterskasse, dafür bekomme ich aber auch kein Altersgeld (wie die Rente bei den Landwirten heißt). Ja, der „andere“ Beruf hat mir ein gutes Einkommen gebracht, dafür habe ich …

Wir und das Tier

Die „Zeit“ ist ja nicht gerade bekannt dafür, dass sie immer unvoreingenommen über landwirtschaftliche Themen berichtet. Diese Diskussion über ethische Fragen bezüglich unserer Einstellung zu Tieren ist eine Ausnahme. Es diskutieren ein Zoodirektor, ein Hirnforscher (der Tierversuche macht) und Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein.  Danke an Herrn Sentker und Frau Klöckner, die dieses Interview geführt haben. Aus meiner Sicht sehr lesenswert.