Bauer Willi
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Bin ich ein richtiger Bauer?

Nein, das bin ich nicht, denn ich bewirtschafte meinen Betrieb im Nebenerwerb, so wie rund die Hälfte aller deutschen Landwirte, die ein Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland beackern.

Nein, ich sitze nicht jeden Tag auf dem Trecker, weil ich in einer gut funktionierenden Kooperation eingebunden bin.

Ja, ich kann es mir erlauben, auch mal zwei Wochen in Urlaub zu fahren, ohne dass im Betrieb was anbrennt.

Nein, ich habe kein Vieh auf dem Hof, weil das mit dem „anderen“ Beruf nicht vereinbar gewesen wäre, wenn nicht die Ehefrau oder die Kinder die Tiere versorgt hätten. Das wollte ich nicht.

Ja, ich kann aus dem „anderen“ Beruf Geld in den Betrieb stecken und so Gebäude erhalten, die es dringend nötig haben. Der Hof steht unter Denkmalschutz und man hat ja eine Verpflichtung gegenüber der nächsten Generation. Und die steht schon in den Startlöchern.

Nein, ich zahle keinen Beitrag in die landwirtschaftliche Alterskasse, dafür bekomme ich aber auch kein Altersgeld (wie die Rente bei den Landwirten heißt).

Ja, der „andere“ Beruf hat mir ein gutes Einkommen gebracht, dafür habe ich aber auch meist mehr als 10 Stunden pro Tag gearbeitet. Auch im Winter.

Nein, mein Land kann man nicht pachten, weil ich den Betrieb für den Nachfolger erhalten will. Er soll die Chancen haben, die ich auch hatte.

Ja, mit meinem unsozialen Verhalten verhindere ich eine Strukturbereinigung auf Kosten der Vollerwerbsbetriebe. Tut mir leid, aber ich will nicht weichen. Noch gehöre ich zu den wenigen Bauern, die in unserem Dorf übrig geblieben sind. Und kümmere mich, außer um den Hof, auch noch um soziale Aufgaben in unserer Gemeinde. Wie viele meiner Berufskollegen auch.

Nein, ich will nicht wachsen um jeden Preis und zahle auch keine 1000 € Pacht pro Hektar im Jahr, nur um den Betrieb zu vergrößern. Und rechnen kann ich auch, zumindest beherrsche ich die Grundrechenarten. Deshalb wirft mein Betrieb auch immer noch was ab und ist eben kein teures Hobby.

Ja, den vollen Beitrag zur Berufsgenossenschaft zahle ich regelmäßig, auch als „halber“ Landwirt. Und den EU-Antrag fülle ich auch aus und den Antrag auf Dieselrückvergütung und das Formular zur Nachbauregelung und die Schlagkartei und die Nährstoffbilanz. Alles so wie ein “richtiger” Bauer.

Nein, ich schäme mich nicht, dass ich ein „Studierter“ bin. Ich bin meinen Eltern sogar dankbar dafür, sonst hätte ich den „anderen“ Beruf nicht ausüben können.

Ja, ich gehe zu Fortbildungsveranstaltungen und habe sogar den Sachkundenachweis Pflanzenschutz. Genau wie ein “richtiger” Bauer.

Nein, ich habe nicht jedes zweite Jahr die Anhänger neu gestrichen, weil ich dafür keine Zeit hatte. Mit schönen Anhängern kann ich nicht mehr verdienen wie mit schäbigen.

Ja, ich bin jetzt im Vorruhestand und werde in diesem Winter wohl die Anhänger mal wieder streichen, so wie ein “richtiger” Bauer. Soll ja nicht heißen, der Willi kümmert sich nicht um seinen Kram. Aber weiter schreiben will ich auch noch.

Nein, ich bin nicht frustriert, sondern nur über die Vorurteile gegenüber Nebenerwerbslandwirten verärgert. Als wenn wir Landwirte nicht andere Probleme hätten, als uns auch noch untereinander zu kritisieren.

Ja, ich denke und fühle wie ein „richtiger“ Bauer. Ich kann nicht anders. Hab ich mit der Muttermilch aufgesogen, auch wenn da möglicherweise Glyphosat drin war. Vielleicht liegt es ja daran….

Euer Bauer Willi

P.S.: Und jetzt bin ich auf die Kommentare gespannt…

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61 Kommentare

  1. Hans Coenen sagt

    Bitte nicht so “dünnhäutig”, ein gesundes Selbstbewußtsein gehört zu jeder Tätigkeit, auch zu der eines Bauern. Neid steht nicht hinter jeder Kritik und abweichenden Gedanken. Es geht nicht nur um die Arbeit auf einem Bauernhof. Nebenerwerbslandwirte treten auch auf Märkten als Anbieter auf, und da kann es durchaus Probleme gehen. Die Kostenstrukturen sind nun mal anders. Kritisch wird es, wenn Nebenerwerbslandwirte ihr Betriebsmodell als generelle Lösung für landwirtschaftliche Unternehmen ansehen. Landwirtschaftliche Unternehmen haben das Recht auf einen vollwerigen Arbeitsplatz mit entsprechenden Arbeitszeiten und Arbeitsentgelten.

    • Alois Wohlfahrt sagt

      Im ehemaligen Museeum im Schafshof in Weihensephan (gibt’s leider nicht mehr) war mal eine Ausstellung zur Geschichte des Bauertums in Bayern. Die Quintessenz war, dass es den Vollerwerbsbetrieb, so wie wir ihn heute kennen, jahrhunderteland gar nie gab. Sondern jeder war Bauer und dann noch was anderes. Bauer war er einfach aus der Selbstversorgung heraus. So war der Pfarrer genauso Bauer wie der Lehrer. So einem Lehrer wurde daher einfach ein Grundstück zugewiesen, dann konnte er ja schon mal sich selbst versorgen. Vor allem bei Lehrer und Journalisten sollte man heute wieder so verfahren. Dann hätten diese ganz schnell wieder Basiswissen. 😉

      • Stadtmensch sagt

        Ganz früher (Antike) waren sogar die Könige Bauern. Wenn man die griechische Mytologie als Infoquelle hernimmt. Zumindest beim Vater von Odysseus – Laërtes soll es noch so gewesen sein. Irgendwann bei den alten Römern haben es die freien Bauern mit der Bodennutzug übertrieben und in dessen Folge kam es zu Kriegen um Ressourcen.
        Nachdem viele Bauern dabei umgekommen waren, heimsten sich die Kriegsherren die freigewordenen Parzellen ein und der Großgrundbesitz war erfunden. Darauf wurde dann von Sklaven oder Unfreien Lohnarbeit verrichtet und der Landarbeiter als Knecht – als niederster Stand war erfunden. Die Römer brachten dieses Modell dann nach Germanien, wo es kultiviert wurde. Steht alles im großen Buch der Landwirtschaft. Germanisten, Philosophen und sonstige weltfremde Gelehrte können sich zwar nicht selbst ernähren, aber sie haben einen Blick dafür wo wir herkommen und wo es hingehen könnte und sie schreiben unsere Geschichte auf.

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Gestern 14 Uhr kam in 1 Plus die Sendung “Deutsche in Sibirien”.

        Unter anderem kam eine Deutsch Lehrerin zu Wort.

        Ihr Gehalt ca. 200 Euro im Monat. da das Gehalt kaum reicht zum überleben, mästet sie noch Schweine, für ihre Familie und verkaufen tut sie auch.

        Je 100 Kg Schwein und jetzt hört mal genau zu, bekommt sie 200 Euro, in Worten ZWEIHUNDERT EURO, oder ein Monatslohn!

        Eine Massentierhaltung hat diese Lehrerin nicht. 😉

  2. Altbauer Jochen sagt

    Hallo Stadtmensch !
    Die Hecke wurde vermutlich mit einem Schlegelmulcher zurückgestutzt.
    Mittlerweile bei uns in SH verboten (Robert Habeck lässt grüßen)
    Zugegeben, nach dem Zurückschnitt im Februar kein schöner Anblick,
    man muss einfach am 10. Juni ,- in Süddeutschland vielleicht früher –
    sich die Hecke wieder ansehen ,dann ist alles wieder dichtbegrünt.
    Zum Thema Nebenerwerbslandwirt kann man nur sagen, jede Bauernfamilie
    die noch im Dorf vorhanden ist eine Bereicherung für unseren ländlichen Raum.
    Der Run auf immer mehr (Fläche) ist wie ein Rennen auf einen Berggipfel.
    Und erst wenn man Oben ist merkt man das da nur Platz für Einen ist.

    • Stadtmensch sagt

      Ich habe ja wie gesagt auch Landwirte in der Verwandschaft und die haben sich ihren 3 Seiten Hof auch (u.a. mit staatlicher Förderung) wieder hübsch hergerichtet. Das Auge ackert schließlich mit 😉
      Nochmal zur Hecke: ich finde, wenn der Schlegelmulcher für den Heckenschnitt verboten wurde, ist das sicher nicht aus purer Lust an der Bevormundung geschehen. Es ist wie immer alles sehr kompliziert…

  3. Ehemaliger Landwirt sagt

    Willi,
    ein richtiger Bauer ist für mich derjenige, der über 50 % des Einkommens in der Landwirtschaft verdient, das habe ich schon mal geschrieben.

    Neid auf die Nebenerwerbsbetriebe kann ich bei uns nicht erkennen, natürlich sind manche froh, wenn sie Gelände bekommen, 1000 Euro je ha. diese Pacht wird höchstens für Rebgelände bezahlt.

    Warum sollte man sich schämen, wenn man Studiert hat, unsere Eltern haben uns nicht diese Chose gegeben, dafür haben alle 7 Enkel das Abi, 4 ein abgeschlossenes Studium und unser Jüngster studiert noch.

    Intelligenz ist das einzige, das gerecht verteilt wurde, oder hat schon mal einer gesagt, er wäre als Dumm geboren wurde. 🙂

    • Mirjam Lechner sagt

      Ich find die Definition schwierig, bei uns gibt Rechtsanwälte die nebenher über 100 ha bestellen, sind das dann keine “richtigen Bauern”? Spannend finde ich vor allem – von den 80 bis 2000er Jahren hat man versucht das “Schimpfwort Bauer” in Landwirt aufzuwerten. Jetzt in den Idyllsehnsuchtzeiten ist nur “small beautiful” und Bauer wird als Abgrenzung zur “Industrie” benutzt. Ich bin mal auf 2020 und die Definitionen dort gespannt!

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Was für eine Berufsbezeichnung haben die, Bauer oder Rechtsanwalt?

        Ich bin nach wie vor der Meinung, Bauer oder Landwirt ist derjenige, der über 50 % des Einkommens aus der Landwirtschaft verdient. Vermutlich verdient er als Rechtsanwalt mehr als in der Landwirtschaft, deshalb ist er Nebenerwerbslandwirt.

        Dem Einkommen nach, – im Bereich Landwirtschaft – , konnte ich mich als Winzer bezeichnen, nachdem einige Prominente sich Weinberge zulegten und stolz waren sich Winzer nennen zu dürfen, waren wir nach Definition der meisten Mitbürger Bauern, auf die lässt sich gut schimpfen.

        In den Augen der meisten Städter, auch der dörflichen Mitbewohner, ist jeder der Landwirtschaft betreibt, ein Exot, ein Hinterwäldler der nur sein eigenes Dorf kennt.

  4. Uli49 sagt

    Ich hatte das schon früher mal geschrieben: klüger als Bauer Willi kann man es nicht machen!
    Ich kenne mich mit dem Ehrgefühl der Bauern nicht aus, aber aus unternehmerischer Sicht ist es absolut sinnvoll, ein zweites Standbein zu haben. Auch die Kooperation mit anderen Bauern, um die teuren Maschinen gemeinsam zu nutzen, zeigt betriebswirtschaftliche Kompetenz. Auch große Firmen streben, im Rahmen ihrer Kernkompetenz, nach Diversifikation um von Markt- und Preisschwankungen unabhängiger zu werden. Willi war in seinem “anderen” Beruf ja nicht z.B. Rechtsanwalt, sondern ist in der Agrartechnik geblieben.
    Grüße Uli

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Uli 49,
      es kommt immer auf den jeweiligen Betrieb an, um solche Entscheidungen zu treffen, mit Ehrgefühl hat das nichts zu tun. Wenn der Berieb den Lebenunterhalt nicht finanzieren kann muss man nach Alternativen suchen. Das viel zitierte zweite Standbein, darf aber nicht zur Mehrarbeit führen, sonst ist es besser den Betrieb zu verpachten.

  5. Palla sagt

    Willi:
    Vielen Dank für deine privaten Gedanken. Warum trifft dich das so, dass Irgendwer meint, du seist kein richtiger Bauer?
    Glaubst du das vielleicht doch ein bißchen selbst?

    Persönlich kann ich das verstehen, dass du meinst, du müsstest dich rechtfertigen.
    Aber: TU DAS NICHT!

    Ich müsste ja sonst auch rechtfertigen warum wir eine Hochleistungsherde im Vollerwerb hatten oder warum ich einen Landwirt mit samt seiner Ursprungsfamilie geheiratet habe. Für mich waren das bewusste Entscheidungen und ich werde mich da niemals rechtfertigen, nur erklären!

    Ich finde, diese Nebenerwerbslandwirtediskussion ist eine reine Neiddiskussion, ähnlich wie die Biogasdiskussion: Vollerwerbslandwirte sind neidisch auf andere, die finanziell möglicherweise besser zurecht kommen, was eigentlich ein deutlicher Hinweis auf die Einkommenlage der Vollerwerbsbetriebe ist.

    Und am Ende ist mir in den letzten Wochen Eines so klar wie nie geworden: Alles was wir tun dient am Ende nur dazu unseren Lebensunterhalt zu finanzieren! Wie wir das tun ist eigentlich zweitrangig.

    Ich tu mich da auch schwer zu verstehen was ein “richtiger Bauer” eigentlich sein soll? Nur der Spezialisierte? Nur Betriebe ab einer bestimmten Hektarzahl? Gehören Biogasanlagen- und Ferien-auf-dem-Bauernhof-Betriebe auch dazu? Was ist mit dem Schwarzwaldbauer, der von seinen 20 Kühen etwas Ackerbau, Ferienwohnungen, Wald und Kommunalarbeiten lebt und dessen Frau woanders arbeitet? Landwirtschaft ist doch so vielfältig! Ich glaube ein Nichtlandwirt versteht gar nicht worum es hier geht!

    Man sollte eigentlich mal über die Zwangsmitgliedschaft in der SVLFG überhaupt diskutieren. Die Strukturen sind doch eigentlich katastrophal und wenn der Bund da nicht soviel Geld reinpumpen würde, wären die schon längst pleite. Es ist also müssig darüber zu diskutieren, ob und in welchem Umfang Nebenerwerbslandwirte oder Ehefrauen mit außerlandwirtschaftlichem Einkommen da auch noch einzahlen sollten; das hilft auch nicht mehr!

    Wirft man dir dein Studium vor? Ich finde es ist ein Vorteil für die Diskussion Landwirt-Verbraucher, wenn Du als Bauer Willi einen Doktortitel hast. Erfahrungsgemäß werden Menschen mit Doktortitel doch häufig, ganz unabhängig von ihrem Fachgebiet, automatisch als kompetent und sachlich empfunden!

    Ich würde mir an deiner Stelle eine Antwort auf die “richtige Bauer”-Frage überlegen, die positiv ist und nicht rechtfertigt. Warum nicht einfach antworten: Damit habe ich mehr Zeit für diese Öffentlichkeitsarbeit und bin trotzdem noch Mittendrin!

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      @ Palla

      Landwirte, deren Ehegatten und mitarbeitende Familienangehörige können sich auf Antrag von der Versicherungspflicht befreien lassen, solange sie regelmäßig Arbeitsentgelt, Arbeitseinkommen, vergleichbares Einkommen oder Erwerbsersatzeinkommen beziehen, das ohne Berücksichtigung des Arbeitseinkommens aus Land- und Forstwirtschaft jährlich 4.800 € überschreitet, hierbei ist der Rhythmus der Zahlung maßgebend, bei monatlichem Einkommen müssen 400 € überschritten werden, bei Selbständigen ist das zu versteuernde, jährliche Einkommen zu Grunde zu legen.

      Die Bäuerinnenrente wurde massiv von Bäuerinnen verlangt, trotz erheblicher Bedenken der Ehemänner.

    • Bauer Willi sagt

      Hallo Palla
      Nein, ich glaube das nicht selbst. Dieser Artikel ist schon über drei Monate alt und Alois und ich haben lange gezögert, bis wir ihn jetzt doch gebracht haben. Er ist entstanden, als ich persönlich angegangen wurde, dass mir doch eigentlich nicht das Recht zustehen würde, mich öffentlich als “richtiger” Bauer darzustellen. Wo ich doch…(und dann kamen halt die Argumente im Artikel) Und irgendwo bin ich auch Mensch und muss das für mich “abarbeiten”. Und da es vielleicht anderen auch so geht, hab ich das jetzt mal öffentlich gemacht. Das mit dem Doktortitel wissen nur ganz wenige (bisher) und ich habe das nie als was besonderes empfunden. Mir hat es bisher nur geholfen, wenn ich mal ins Krankenhaus musste. Da wirst Du als Dr. aber gleich anders angesprochen und behandelt, ich könnte ja ein Dr. med. sein 🙂 🙂
      Bauer Willi

      • Palla sagt

        Spätestens seit dem Link zu deinem Buch wissen wir alles! 🙂

        Ich erinnere mich da an ein Interviw mit einer Journalistin, die die Sendung MIT der Maus nicht kannte…

  6. Michael Reber sagt

    Diese Sätze habe ich von Berufs”kollegen” auch schon oft gehört: “Der hört nicht auf und blockiert damit mein Wachstum!”
    Noch blöder geht es nicht. Meistens sind die Nebenerwerbsbetriebe die besseren Bindeglieder zum Verbraucher, weil sie meist noch im Dorf sind und auch noch Zeit haben, überhaupt Kontakt zu halten.
    Aber lass sie reden. Solche “Kollegen” haben meist irgendein persönliches Problem. Mach bitte weiter so, Deine Argumente sind alle stichhaltig genug.

    • Andreas Schmid sagt

      Interessant wird es, wenn Du zum Kaffee eingeladen wirst, sein Berufskollege bei dir anruft, er will aber beim Pachten mitmischen, weil er vom anderen gehört hat du würdest verpachten. Und wieder ein anderer Kollege zu dir sagt, du hast ja schon so gut wie fest verpachtet.
      Ich mache aber trotzdem als Kleiner weiter, weil ich viele Fussgänger und einen “Fahrradhighway” vor dem Stall habe. Und ich habe durch meine andere Arbeit noch guten Kontakt zur Bevölkerung.

  7. Schweinebauer Piet sagt

    Ja, bist Du! Du ackerst und verdienst damit Geld. Der Rest, wie zum Beispiel Alterskass ist kein Maßstab.

    Du setzt Dich mit Alois für uns ein! !! Das zählt mehr! !

  8. Sandra Harms sagt

    Moin Willi !!!
    ich mach dann mal den anfang !

    ” Und kümmere mich, außer um den Hof, auch noch um soziale Aufgaben in unserer Gemeinde. Wie viele meiner Berufskollegen auch. ” Tolles stichwort !
    Viele menschen grad in den städten können sich nicht vorstellen wie so ein dorf funktioniert… Du, ich und viele viele kollegen sind immer wenns darum geht etwas zu tranportieren, zu heben, zu ziehen, zu sägen, zu bauen, die ersten die vor ort sind wenn etwas gemacht werden muss, sei es :
    das zusammen fahren von strauchschnitt fürs osterfeuer
    vieler orts das ausschneiden öffentlicher wege
    das abfahren von laub aus dem dorf
    das pflegen von wegen
    das fahren von brennholz für die leute im dorf
    und noch viele viele sachen mehr… und das machen wir in den aller meisten fällen kostenlos, weil auch wir was davon haben, und wenns nur ne flasche bier und ein klönsnack nach getaner arbeit ist !
    Genauso ist es mit dem engagement in Vereinen, den feuerwehren oder der kommunalpolitik, ohne landwirte wird es dort meist schwierig

    Ich bin der meinung , das man diese dinge ruhig öfter mal beim namen nennen muss ! damit die leute die nicht vom dorf kommen mal einen eindruck bekommen wie hier die das tägliche leben aussieht !

    • bauerhans sagt

      sandra,bei uns hier im reichen owl haben die gemeinden nen bauhof,der solche arbeiten erledigt!
      die haushaltslage bei vielen gemeinden ist zwar defizitär,bis zur haushaltssicherung,aber eine partei hat die absolute mehrheit und die bestimmt!

      • Sandra Harms sagt

        wir haben hier auch einen bauhof, blos die jung´s sieht man nur in den großen dörfern… halt da wo keiner mehr eigenleistung erbringt… ist halt örtlich verschieden.

      • Bauer Willi sagt

        Unser Bauhof hat drei Personen. In einer Flächengemeinde wie der unseren ein Witz. Und jetzt rate mal, wer im letzten Winter den Wanderweg in unserer Aue wieder in Ordnung gebracht hat? Der Name beginnt mit einem “W”.
        Bauer Willi

        • Stadtmensch sagt

          Hallo Willi,
          alles richtig – keine Einwände von meiner Seite. Aber weil es vielleicht zum Thema passt, muss ich hier mal “breitenwirksam” meckern: Neulich bei einer Radtour (Städter sind ja satt und haben Freizeit), habe ich gesehen, dass eine lange Hecke (so eine Art Knick), auf hunderte Meter mit dem Mähwerk mehr oder weniger “zerdroschen” wurde. D.h., die Stockenden glichen nach dieser Maßnahme Pinseln. Dieser “Pflegeschnitt” ist zwar sicher sehr effizient, aber meiner Meinung nach eine Katastrophe für Sträucher. Mir geht es nicht um das Aussehen, sondern um die Funktion, die diese Hecken eigentlich haben sollen. Ich finde, Knickpflege ist gar nicht so einfach und man muss sich da mehr Mühe geben. Eventuell kann man ja die “Stadtflüchter”, die sich ihre Eigenheime ins Grüne setzen, zu solchen Maßnahmen verdonnern (wg. Eigentum verpflichtet usw.).
          Als Ökofuzzi neige ich leider totalitären Ansätzen 😉

          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Vieleicht sollte man mal nachfragen, was der Eigentümer/Gemeinde mit dieser Maßnahme bezweckt.
            Städter neigen in dieser Beziehung manchmal jenseits der Realität zu denken.

          • Sandra Harms sagt

            @Stadtmensch
            wie bauerhans schon sagt, die hecke wurde auf den stock gesetzt, warscheinlich ist direkt daneben ein weg, der warscheinlich schon durch die hecke bzw knick eingeengt wurde, oder es absehbar war.
            die büsche werden wie bauerhans es sagt wieder neu ausspriessen , und in 2 jahren ist nicht mehr zu sehen das überhaupt etwas gemacht wurde.
            die ausgefranzten äste bzw triebe werden an den stellen nicht weiter wachsen, und das hat mehrere vorteile, zum einen werden aus den büschen so keine bäume, zum anderen bleibt die hecke als solche erhalten und schützt vor wind. in den abstebenden und abgeschnittenen ästen und trieben(totholzhaufen), können kann jede menge insekten, würmer und maden leben die dort ihr fütter finden, was widerum dazu führt das viele singvögel dort nahrung und durch den neuen aufwuchs auch deckung und nistplätze finden.

            • Stadtmensch sagt

              Naja – es sah eher aus wie Kastenform. Alles 4m hoch und 4m breit. Irgendwo in den Weiten des INetz hatte ich mal ein ziehmlich langes Dokument zur Knickpflege gefunden und überflogen. Da stand drin, dass die Knicks früher für Brennholzgewinnung und allerlei Beerenobst angelegt und somit intensiv genutzt wurden. Man bemängelte die heutige Praxis des “Abmähens” und des Auf-Stock-Setzens über große Distanzen. Nach allem was bei mir hängen geblieben ist, handelt es sich um eine “Wissenschaft”. Saubere Schnittkanten an den richtigen Stellen und so eine Art Praxis des Auslichtens seinen sehr wichtig.

            • Sandra Harms sagt

              gar keine frage, man kann es von hand machen, dann hat man saubere schnitte.. aber wer will sich noch hinstellen und das machen, wenn ich dran denke was meine mutter mir so erzählt hat, buschvasen binden zum kartoffel und rüben kochen für die schweine, jedes jahr 800 stück…
              wenn eine kasten form hat, dann ist das ein rück schnitt und kein auf den stoch setzen… wird seine gründe haben das so zu machen…die sich mir aber so nicht erschliessen.
              nach dem was ich dazu sagen kann, sollte man wenn man sowas macht auf lücke arbeiten, sprich 20 meter auf den stock setzen, die nächsten 20 m bleiben unberührt, dann wider 20 m bearbeiten usw

            • Stadtmensch sagt

              @Ehemaliger Landwirt: Nee – die Schnittkante bei 1:24 sieht viel besser aus als das was ich gesehen habe. Da war alles wie mit dem Flugzeugpropeller abgehauen (Stiele am Ende 15 bis 20 cm ausgefranst). Egal – wenn das wieder passiert melde ich eine Demo an! 😉

            • Sandra Harms sagt

              @ stadtmensch
              das wurde mit einer schere gemacht, quasi heckenschere wie sie jeder kennt in groß.
              https://www.youtube.com/watch?v=-2aG6ZPH5AY
              das ist ganz normal das das so aussieht, und hat auch seine vorteile, die ich oben breits nannte. und eines darf man nicht vergessen, es kostet geld, wie ehemaliger landwirt schon sagte.
              also wirklich kein grund zur beunruhigung. im sommer ist das alles wider grün.

          • Bauer Willi sagt

            Leute, fahrt nach Berlin und haltet Transparente hoch: Ich habe Knickschnitt satt! Gegen kapitalistische Heckenscheren und Motorsägen!. Freiheit für die Blätter, nieder mit den Förstern! Schweigt nicht weiter und schickt eine Petition raus!
            Ich kann doch nicht alles machen…
            Bauer Willi

            • Sandra Harms sagt

              willi, du musst mir unbeding mal erzählen , wo du satire gelernt hast ! das will ich so auch können !

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Jawoll, Förster entlassen.

              Bei jedem Baum, der gefällt werden soll, verlange ich eine Volksbefragung.

              Ob das Volk sieht, ob ein Baum zb. einen Stammschaden hat, nein, um dies festzustellen braucht man einen Gutachter.

              Wer soll das Gutachten erstellen?

              Der entlassene Förster, der ist jetzt Gutachter. 🙂

        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Es ist ja schön und gut, wenn Du Wanderwege herrichtest, aber nur, wenn Du als alleiniger auf diesem Weg wanderst. Wenn nicht, dann kannste gleich noch die Hundekakke entfernen.

          Die Kommunen versuchen immer freiwillige für diese Arbeiten, da sind die Bauern Recht, die haben die nötigen Gerätschaften, die darauf wandern, werden es dir nicht danken.

          • Stadtmensch sagt

            Mit Hundekacke kenne ich mich aus. Ich pflege selbst eine 3000m² Brache mitten in der Stadt mit Wildsträuchern und Brombeeren. Da hängt das Zeug dann in Folietüten verpackt im Gestrüpp -köstlich!

            • bauerhans sagt

              “Da hängt das Zeug dann in Folietüten verpackt im Gestrüpp -köstlich! ”

              adresse herausfinden und an die haustür hängen,
              nicht in den briefkasten,was hier einer gemacht hatte…..

          • Bauer Willi sagt

            Das weiß ich , dass es mir keiner dankt. Ich mach es trotzdem. Schön blöd, oder? Nein, ich muss das einfach tun.
            Bauer Willi

  9. Walter Parthon sagt

    Bauer Willi wie du richtig schreibst,
    “Nein, ich zahle keinen Beitrag in die landwirtschaftliche Alterskasse, dafür bekomme ich aber auch kein Altersgeld (wie die Rente bei den Landwirten heißt).”
    Weil du keine Rente aus der Alterskasse bekommst, kannst du deinen Betrieb bis zum Schluss (Tot) mit allen Vor und Nachteile weiterführen.
    Ich bin jetzt 65 Jahre und muss meinen Betrieb abgeben, um meine Rente zu bekommen.

    • Sandra Harms sagt

      ja, walter, das ist die blödeste regelung die es gibt, war aber schon mal im gespräch diesen passus abzuschaffen.
      aber die kasse ist eh eine sackgasse, es sind ja immer weniger die dort einzahlen und immer mehr die leistungen bekommen… normalerweise sollte man das abschaffen und ganz normal wie jeder andere auch in die normalen rentenkassen einzahlen. zu mal man von dem was unsere kasse an rente zahlt eh nicht leben kann, ich seh es ja bei meiner mutter, zum sterben zu viel zum leben zu wenig…

  10. bauerhans sagt

    ich denke gerade an einen nachbarn,der als junge ins heim gesteckt worden war,weil die eltern nichts geregelt bekamen,der eine handwerksausbildung gemacht hatte,später den herunter gekommenen hof mit 3-4ha fläche übernahm,von 7-16 uhr als fabrikarbeiter malochte,danach zuhause seinen kleinen betrieb mit kühen und schweinen bewirtschaftete,am wochenende eine direktvermarktung betrieb(1960er jahre!)und seinen hof 100% vergrössert,seine gebäude komplett erneuert hatte.
    leider war er schon mit ca. 70 verstorben,weil er sich nie um seine gesundheit gekümmert hatte.

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