Alle Artikel in: Bauer Willi

Brillenschaf? Villnöss!

Ich bin ja im Urlaub. Eigentlich wollte ich nichts schreiben, aber was ich am Samstag gehört habe, war so positiv, dass ich das einfach mal in die Tastatur hämmern musste. Es ist das absolute Gegenmodell zu Aldi. Es zeigt, wie Landwirte einen Markt entwickelt haben und ihnen heute ein Einkommen ermöglicht, das unabhängig von großen Lebensmittelketten funktioniert. Es geht um das Villnösser Brillenschaf. Hatte ich vorher noch nie von gehört, aber die laufen ja bekanntlich rund um unsere Ferienwohnung. Was ich auch nicht wusste, dass diese Rasse beinahe ausgestorben wäre. 1998 gab es noch 200 Tiere. Bis ein paar engagierte Menschen auf die Idee kamen, das Aussterben zu verhindern. Einer davon war Günther, der Zuchtwart für die Region zwischen Bozen und Brenner (ich hoffe, das stimmt so) Günther ist aber nicht nur Zuchtwart, sondern auch ein Typ. Anfang 40, Bart, wettergegerbte Haut, Frauentyp. Und kann einem einen Knopf an die Backe reden. Nicht aufdringlich sondern überzeugend. Einen eigenen Webauftritt hat er natürlich auch http://www.villnoesser-brillenschaf.eu/ Drei Bauern gab es 1998 noch, die diese Rasse hielten. Heute …

Aldi und die Milch – Ein Aufruf zum handeln

Aldi Süd schreibt auf seiner Homepage, dass das Unternehmen sich für Nachhaltigkeit und Tierschutz einsetzt und senkt gleichzeitig ohne erkennbaren Grund die Erzeugerpreise für Milch. Verstehen Sie das? Ich nicht. Tatsache ist auch, dass für die Initiative Tierwohl, an der sich Aldi beteiligt, nicht genügend Geld zusammenkommt. Ein großer Teil der Landwirte bleibt -zumindest vorerst – auf den Kosten sitzen. Und Aldi zahlt weniger für die Milch. Finden Sie das gerecht? Wenn Sie ein Verbraucher sind, der nicht versteht, warum der Landwirt jetzt 4 Cent pro Liter weniger für seine Milch bekommt als noch im April, der möchte, dass der Landwirt für mehr Tierwohl einen finanziellen Spielraum bekommt dann schreiben Sie eine Mail an Aldi: mail@aldi-sued.de oder impressum@aldi-nord.de Ein Textvorschlag: Ich bin ein verantwortungsvoller Verbraucher und bitte Sie: Nehmen Sie die Preissenkungen bei Milchprodukten wieder zurück und zahlen Sie den Landwirten einen fairen Preis. Sorgen Sie für eine solide Finanzierung der Initiative Tierwohl, die die Landwirte nicht auf ihren Kosten sitzen lässt. Noch mehr Tierschutz gibt’s nicht zum Nulltarif. Schicken Sie diesen Aufruf auch an …

„Wut“bauer – ratlos

So langsam könnten die Medien ja mal aufhören mit dem Begriff „Wutbauer“. Obwohl ich am Sonntag bei Jauch im Gasometer kurz davor war, mal wieder aus der Haut zu fahren. Was Schinken-Abraham und „Experte“ Roeb da vom Stapel ließen, war schon derb. Dass die Bauern an den niedrigen Preisen selbst schuld sind, darauf war ich, ehrlich gesagt, noch nicht gekommen. Da muss der Ehrenpräsident des BVE die Statistik schon ganz schön verbiegen, um behaupten zu können, dass wir Bauern überall Überschüsse produzieren um dann bei der Nahrungsmittelindustrie zu betteln, dass die doch bitte unsere Produkte kaufen. Nachdem ich mir im Netz die Sendung noch zweimal angeschaut habe, erschließt sich mir immer noch nicht, was Experte Roeb meint, wenn er sagt, das wir Landwirte immer „haben, haben, haben wollen, aber ansonsten auf dem Stand von 1970 stehen geblieben sind“. Eigentlich ein persönliche Beleidigung, da er mich dauernd dabei anschaut. Gleichzeitig schimpft er dann, dass ich Besitzer eines halben Fendt bin. Das es nur ein halber ist, hätte er erfahren können, denn es ist nachzulesen, dass ich …

Liebe Verbraucher – ich brauche euren Rat.

Wer mich nicht kennt: ich bin ein „normaler“ Ackerbauer im Rheinland, bewirtschafte 40 Hektar, was nicht sonderlich viel ist und baue dort derzeit Zuckerrüben, Raps und Getreide an. Ab und an denke ich darüber nach, ob ich meinen Betrieb auf Bio umstellen soll. Diese Überlegung kommt immer dann hoch, wenn mal wieder in einer Talk-Show ein mehr oder weniger bekannter Schauspieler davon berichtet, dass er sich jetzt einen kleinen Bauernhof gekauft hat auf dem er seine Lebensmittel selber, natürlich ganz biologisch, anbaut. Worauf hin dann der nächste erklärt, dass er ja jetzt auch möglichst auf Fleisch verzichtet, weil das ja gesünder ist und hilft, dem Hunger in der Welt zu begegnen. Und dann wird eifrig darüber geschimpft, dass ja die heutige Form der Nahrungsmittelproduktion unbedingt geändert werden müsste. Und alle sind sich einig. Das fällt ja nicht schwer, denn der Produzent der Lebensmittel, der Bauer, sitzt ja nicht mit in der Talkrunde. Ich kann mir mittlerweile diese Talkrunden und Fernsehberichte auch nicht mehr ansehen. Ich schalte um oder gehe in’s Bett. Ich bin nicht nur …

Der Hähnchen-Faktor

Habt ihr euch mal überlegt, wie viele Kalorien in euren Lebensmittel sind und was die kosten? Auf den Gedanken bin ich erst gekommen, als ich mich so über den Preis eines Hähnchens aufgeregt habe. Das kostet beim Discounter 2,79 €, wiegt 1250 g und somit pro Kilo 2,23 €. In so einem Kilo Hähnchenfleisch stecken rund 2290 kcal, was so ungefähr den Faktor 1 ausmacht, einen kleinen Rundungsfehler nach dem Komma mal geflissentlich übersehen. Jetzt habe ich das auch mal für andere Lebensmittel durchgerechnet und in Relation zum Hähnchenfleisch gesetzt. Nur exemplarisch mal ein paar Beispiele, wie dazu andere Lebensmittel stehen. Bei Tiefkühlpommes kostet die Kilokalorie ungefähr die Hälfte, das gleiche bei Brot: Vollkornbrot, Schwarzbrot oder Laugenstangen liegen preislich gleich wie Pommes. Schweineschnitzel und Rotkohl sind pro kcal doppelt so teuer, Veggieburger oder Äpfel viermal teurer als ein Hähnchen. Tomaten haben den 8,6 –fachen Preis. Den Spitzenplatz nehmen Paprika ein. 12mal mehr als Hähnchen, weil Paprika pro kg nur 210 kcal enthalten und relativ teuer sind. Ihr glaubt das nicht? Hier könnt ihr die Rechnung …

Lieber Herr Präsident…

…ganz ehrlich: Ihren Job möchte ich nicht haben. Einen Sack Flöhe hüten ist wahrscheinlich einfacher, als es allen Bauern Recht machen zu wollen. Ich habe mit großem Interesse das Interview im Westfälischen Wochenblatt Westfalen-Lippe Ausgabe 16/2015 gelesen. Besonders die Aussagen zur professionellen Öffentlichkeitsarbeit haben mich zum Nachdenken gebracht. Erlauben Sie mir, dazu meine persönliche Meinung zu äußern. Unsere Antwort an die Kritiker unserer Arbeit als Landwirte kann sich – meiner persönlichen Meinung nach – nicht in Argumentationshilfen und Modulbaukästen für Orts-, Kreis-, und Landesverbände alleine erschöpfen. Eine bundesweite Kampagne habe ich bisher noch nicht ausmachen können. Dass der Facebook-Auftritt des DBV seit einigen Wochen flotter und die Kommentare selbstbewusster geworden sind, ist sehr wohl (positiv) aufgefallen. Glückwunsch! An der Zahl der Follower kann aber noch gearbeitet werden, da ist noch Potential nach oben.  Das liebe Geld: Ein zusätzlicher Betrag von 0,50 € pro Hektar für Öffentlichkeitsarbeit ist eine Möglichkeit, die aber nach Ihrer Aussage im Verband umstritten ist. Das verstehe ich, weil es ja ein Zwangsbeitrag wäre, oder? Eine andere Möglichkeit sollte überlegt werden: …

Spargel, Erdbeeren… Mindestlohn

Jetzt beginnt wieder die Spargel- und Erdbeerzeit. Neu ist in diesem Jahr der Mindestlohn, der gesetzlich vorgeschrieben ist. Deshalb müssen Spargel und Erdbeeren teurer werden, ohne dass der Erzeuger etwas davon hat. Er muss diese Preiserhöhung an den Verbraucher durchreichen, sonst verdient er weniger. Dabei berücksichtigt sind noch nicht die zusätzlichen Aufwendungen, die der Landwirt durch die neuen Dokumentationspflichten hat. Seine Mindestarbeitszeit ist auch nicht auf 10 Stunden begrenzt, er kann die Dokumentation ja noch spät abends oder nachts machen. Den Verbraucher mitnehmen Mein Vorschlag: Wir Landwirte machen diesen einfachen Sachverhalt unseren Kunden deutlich, in dem wir den, durch den Mindestlohn verursachten, Mehrpreis ausweisen. So wie das die Tankstellen auch machen, die an der Zapfsäule stehen haben, dass soundsoviel Cent Mineralölsteuer sind. Möglichkeiten dies zu tun: nur Beispiele, keine realen Zahlen 1 kg Spargel = 10 € incl. 1,00 € Mindestlohn 1 kg Spargel = 10 € incl. 10% Mindestlohn 1 kg Spargel = 9 € + 1 € Mindestlohn = 10 € Diese Zahlen kann jeder für sich individuell anpassen. Allgemein ist aber zu …

Liebe Bauern – was ich verstanden habe.

Die Kommentare auf den Artikel „Liebe Bauern“ haben mich nachdenklich gemacht. Wenn ich von Konfrontation (lat. confrontatio = Gegenüberstellung) gesprochen habe, dann sicherlich nicht in Bezug auf unsere Kunden, unsere Verbraucher. Da ist nur Aufklärung angesagt, weil ein großer Teil unserer Mitmenschen einfach nicht mehr wissen, wie wir heute Landwirtschaft betreiben. Woher denn auch? Dieses Wissensdefizit müssen wir füllen, und zwar so, dass wir verstanden werden. Dort, wo Vertrauen verloren gegangen sein ist, müssen wir dieses wiederherstellen. Wir sollten unseren Kritikern offen gegenübertreten und mit ihnen den Dialog suchen. Vorige Woche habe ich mit Greenpeace-Mitarbeitern gesprochen, das war nicht lustig. Es waren von beiden Seiten sehr unversöhnliche Positionen, die gegenüberstanden. Ich habe sie schließlich auf meinen Hof eingeladen und ihnen die Kontaktdaten gegeben, aber bis heute keine Antwort erhalten. Dialog muss halt auch von beiden Seiten gewollt sein. Ein Kommentator hat Martin Luther King zitiert: „Auge um Auge macht schließlich alle blind“. Recht hat er. Allzu oft reagieren wir Landwirte auf die – aus unserer Sicht unberechtigten -, Vorwürfe mit den immer gleichen Argumenten. So …

Liebe Bauern

Wie zufrieden seid ihr mit der Öffentlichkeitsarbeit für uns Landwirte? Ich bin es nicht. Wenn es um Öffentlichkeitsarbeit geht, beschäftigen sich unsere Vertreter gerne mit sich selbst. Die diversen Wochenblätter sind voll mit Bildern in der der jeweilige Präsident dem ein oder anderen Politiker die Hand schüttelt, den Tag des offenen Hofes bei Familie xy mit einer überschaubaren Anzahl von Besuchern eröffnet oder eine Rede vor dem lokalen Zuchtverband hält. Das ist ganz nett. Nur: Öffentlichkeitsarbeit ist das nicht. Sind wir doch mal ehrlich: So wie wir Bauern dieses Geschäft betreiben, erreichen wir keine Verbraucher. Ich wiederhole: keine! Denn alles unter 3% ist nichts. Wir existieren in den Medien einfach nicht. Zu den Medien zähle ich Tageszeitungen (FAZ, Welt), Wochenjournale (Zeit, Spiegel, Focus) -> für Senioren über 50 und besser Gebildete Fernsehen -> für breite Bevölkerungsschichten zwischen 30 und 60, alle Bildungsgrade Internet, Facebook etc. -> für die Jugend von 12 bis 35 Jahren, meist in Ausbildung und Studium In keiner dieser Medien sind wir Landwirte präsent. Und wenn, dann negativ. Wo sind die Zeitungsanzeigen …

Massentierhaltung – Organisierte Tierquälerei?

Massentierhaltung: Ein wunderschöner Begriff um in den Medien Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie ist ein Kampfbegriff gegen jede Form der bäuerlichen Tierhaltung geworden. Und der Chor der Kritiker ist groß: Parteien, Prominente, Tierrechtler, Umweltschützer, Fernsehköche, Pfarrer: alle sind sich einig, dass es „so ja nicht weitergeht“. Jedem Nutztierhalter stehen 80 Mio. sachkundige Tierhaltungsexperten gegenüber, denn jeder unserer Mitbürger glaubt, sich ein Urteil erlauben zu können. Deshalb möchte ich mal meine Sicht der Dinge erzählen, falls ihr die überhaupt hören wollt… Gestern und heute Zugegeben: Moderne Tierhaltung ist nicht „schön“ und „nostalgisch“ anzusehen. Sie ist hochspezialisiert, sie ist effizient, sie ist hygienisch. Und deshalb nennen wir sie auch „Intensivtierhaltung“ Es gibt keine Misthaufen mehr, auf denen der Hahn kräht, keine Weide, auf der sich die Schweine im Schlamm suhlen. Und kaum noch Kühe, die in einem dunklen Stall an der Kette stehen. Ich habe das selber alles noch auf unserem Hof erlebt, das ist gerade mal 50 Jahre her. Und es stank nach Ammoniak, die Wände waren voller Fliegen und die Kühe auch. Auch die Schweine liefen …