Bauer Willi
Kommentare 45

Lieber Herr Präsident…

…ganz ehrlich: Ihren Job möchte ich nicht haben. Einen Sack Flöhe hüten ist wahrscheinlich einfacher, als es allen Bauern Recht machen zu wollen.

Ich habe mit großem Interesse das Interview im Westfälischen Wochenblatt Westfalen-Lippe Ausgabe 16/2015 gelesen. Besonders die Aussagen zur professionellen Öffentlichkeitsarbeit haben mich zum Nachdenken gebracht. Erlauben Sie mir, dazu meine persönliche Meinung zu äußern.

Unsere Antwort an die Kritiker unserer Arbeit als Landwirte kann sich – meiner persönlichen Meinung nach – nicht in Argumentationshilfen und Modulbaukästen für Orts-, Kreis-, und Landesverbände alleine erschöpfen. Eine bundesweite Kampagne habe ich bisher noch nicht ausmachen können. Dass der Facebook-Auftritt des DBV seit einigen Wochen flotter und die Kommentare selbstbewusster geworden sind, ist sehr wohl (positiv) aufgefallen. Glückwunsch! An der Zahl der Follower kann aber noch gearbeitet werden, da ist noch Potential nach oben.

Das liebe Geld: Ein zusätzlicher Betrag von 0,50 € pro Hektar für Öffentlichkeitsarbeit ist eine Möglichkeit, die aber nach Ihrer Aussage im Verband umstritten ist. Das verstehe ich, weil es ja ein Zwangsbeitrag wäre, oder? Eine andere Möglichkeit sollte überlegt werden: Auf der Facebook-Seite steht, dass sich der DBV als Nicht-Regierungs-Organisation versteht. Andere NGO’s haben ganz oben und nicht zu übersehen, einen Spenden-Button stehen. Stop, jetzt nicht abschalten! Überlegen Sie einen Moment lang. Auch wenn viele Landwirte sparsam sind, wären sie möglicherweise doch bereit, für eine gut gemachte Öffentlichkeitsarbeit ihren persönlichen Beitrag zu leisten und so ihre Solidarität bekunden. Allerdings muss der Verbleib des Geldes für jeden transparent sein. Und vielleicht spenden ja auch Firmen, die mit uns und an uns Landwirten ihr Geld verdienen?!

Es gibt bereits Initiativen, die von der Basis ins Leben gerufen wurden. Dazu gehört z.B. www.heimischelandwirtschaft.de, die bereits seit 2011 auf privater Basis genau diese 0,50 € pro Hektar einsammeln und gut gemachte Radiospots senden. In diesen Spots reden Verbraucher positiv über uns, das macht es sympathisch. Da diese Spots auf lokalen Sendern in den einzelnen Bundesländern ausgestrahlt werden, können die einzelnen Landesverbände selbst entscheiden, ob sie sich beteiligen wollen oder nicht. Unterstützen Sie doch bitte jetzt diese und andere Initiativen, die bereits von der Basis in‘s Leben gerufen wurden und Erfolge vorweisen können. Eine größere Imagekampagne kann ja folgen. Was deren Inhalte angeht, so würde ich mir wünschen, dass eine solche Kampagne zeigt, dass wir Landwirte (und zwar alle Landwirte, groß oder klein, bio oder konventionell, Franke, Hesse, Schwabe oder Niedersachse, jung oder alt) durchaus zur Selbstkritik fähig sind und dies mit einem gewissen Augenzwinkern rüberbringt. Die Aussagen können durchaus auch doppeldeutig sein, wenn sie frisch, knackig und sympathisch vermittelt werden. Auch keine Angst vor Tabu-Themen, die Wahrheit kommt – früher oder später – sowieso raus. Wir Landwirte sind nicht alle Engel. Wohl die meisten .

Diese Gedanken umsetzen können aber nur Profis, die etwas von Kommunikation verstehen. Wir verstehen viel von Landwirtschaft. Deshalb müssen die Aussagen dem Verbraucher gefallen, nicht uns Bauern. Die Sorge, dass Landwirte deshalb aus dem Verband austreten, würde ich nicht zu hoch hängen.

An die Landesverbände gerichtet: Basisdemokratie ist gut, kann aber auch die Arbeit lähmen. Wenn immer alle Entscheidungen in endlosen Sitzungen von allen zuständigen Gremien durchgekaut werden, dauert es nicht nur endlos lange, bis eine Entscheidung gefällt wurde. Zum Schluss bleibt auch nur noch wenig von einer guten Idee übrig.

Wer arbeitet, macht Fehler, wer nichts tut, macht keine Fehler. Ich wünsche mir, dass unsere Verbände mehr Mut finden, Fehler zu machen. Wenn einige Landesverbände eine Entscheidung nicht mittragen wollen, sollten sie nicht andere an der Umsetzung hindern. Auch das zeichnet die Demokratie aus.

Sie äußern sich in dem Interview kurz zur Werbung von Lidl: Zum Inhalt der Werbung kein Kommentar, sie ist relativ inhaltsleer. Sie hat aber einen sehr hohen Aufmerksamkeitswert. (https://www.lidl-lohnt-sich.de/) Lidl will weg vom Billig-Image und für diesen Zweck ist die Kampagne mit den schönen Bildern gedacht. Dass die Wirklichkeit im Lidl-Laden den Szenen in den TV-Spots nicht entspricht, wird der Kunde spätestens dann merken, wenn er in der unveränderten Umgebung des Ladens die unveränderte Ware an der Scannerkasse wie immer in atemberaubender Geschwindigkeit in den Einkaufswagen schaufeln muss. Von daher kann diese Kampagne für Lidl auch als Schuss nach hinten losgehen. Weil Werbe-Versprechen und Realität eben nicht zu einander passen.

Ich wollte das nur mal aus meiner Perspektive zeigen, nur zum Nachdenken…

Ihr Bauer Willi

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45 Kommentare

  1. Ina müller sagt

    Ach Willi, wenn’s wirklich so einfach wäre, dann könnte sich die Projektseite „Bauernhöfe statt Bauernopfer“ vor Spenden nicht retten, oder sind die Projekte SPÖ schlecht? „Heimische Landwirtschaft“? Sorry, über Aufmerksamkeit braucht sich die Landwirtschaft nicht zu beklagen! Dafür brauchen wir keine Radiospots, oder?

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  2. Joachim Rukwied sagt

    Liebe Kollegen, liebe Diskutanten, natürlich habe ich ein halbes Auge in der Online-Welt, hauptsächlich bin ich aber bei der Vertretung der Anliegen der Bauernfamilien aktiv, so dass ich mich in der Regel nicht in laufende Diskussionen aktiv einbringe. Bei dieser Diskussion möchte ich mich dennoch noch einmal einbringen, da ein paar Fragen gestellt wurden und ich Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit als ein zentrales Thema sehe.
    Das Problem, dass wir Bauern haben, ist die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Die mediengesteuerte Wahrnehmung der Landwirtschaft steht im Gegensatz zum weitgehend unkritischen Konsumverhalten, das ist richtig. Das heißt aber gerade nicht, dass wir nichts tun müssen! Denn die negativ geführte Diskussion um unsere Landwirtschaft hat auch andere Folgen als die an der Ladenkasse. Sie führt zu Stimmungen in unseren Dörfern und zu gesellschaftlichen Debatten, bei denen die Bauernfamilien Gefahr laufen, am Pranger zu stehen. Sie führt zu Aktionen von Aktivisten, zu Stalleinbrüchen und anderem. Und nicht zuletzt führt sie zu politischen Entscheidungen, die oftmals nicht die Konsequenzen für uns als Bauern im Blick haben. Unsere Aufgabe ist es daher, der publizierten Meinung Aufklärung entgegenzusetzen. Unsere Aufgabe ist es nicht, Essgewohnheiten zu verändern. Das kann und soll jeder für sich entscheiden. Dialog ist für mich ein ganz wichtiger Ansatz. Aber erst einmal gilt es, überhaupt wieder Interesse zu wecken für Informationen, die von Landwirten und aus der Landwirtschaft kommen. Da sind wir im Hintertreffen, da müssen wir ansetzen und die Basis dafür schaffen. Dafür braucht es neben Altbewährtem neue Kommunikationsformen und auch Humor. In diesem Sinne müssen wir alle kommunizieren, auf Verbandsebene ebenso wie getragen durch die vielen Bauernfamilien in unserem Land!

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    • Bauer Willi sagt

      Lieber Herr Rukwied,
      Sie haben Recht mit der Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Wir Landwirte haben es meiner Meinung nach aber auch lange versäumt, unsere Mitbürger auf dem Weg zu größeren, moderneren und vor allem immer spezialisierten Betrieben mitzunehmen. Gegen negative Stimmungen sollten wir aber mit positiven Stimmungen antworten, da Faktenvermittlung oft damit endet, dass der einen Studie eine andere entgegengehalten wird. Stimmungen sind ein Gefühl, sind Emotionen. Mit genau diesen Emotionen arbeiten auch unsere Kritiker. Allzu oft wird eine Parallele zwischen Mensch und Tier gezogen, was bei vielen Haustierhaltern glaubhafter ankommt als jedes noch so gute und richtige Sachargument. Vertrauen ist auch ein Gefühl. Und deshalb finde ich die Radiospots der Initiative http://www.heimischelandwirtschaft.de auch so passend, weil sie zum einen den Verbraucher positiv über uns reden lassen, zum anderen immer mit dem einprägsamen Satz enden: „Ich vertraue der heimischen Landwirtschaft“. Dass diese Initiative von Bauern in’s Leben gerufen wurde macht sie noch glaubhafter. Ich habe mich in der vergangenen Woche dort angemeldet und es würde mich und wahrscheinlich auch viele unserer Berufskollegen sehr freuen, dort auch bald den Namen des Landwirten Rukwied lesen zu können. Wäre ein tolles Signal. Geben Sie sich doch einen Ruk (Ruck) 🙂
      Ihr Bauer Willi

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      • Andreas H. sagt

        Ich denke, das ist jetzt nicht ganz fair, Willi, den Repräsentanten einer so großen Organisation aufzufordern sich irgendwo anzumelden. Die Radiospots sind doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Kein Langfristkonzept. Spot 1 „Vertrauen Schweinemast, Spot 2 Vertrauen Milch, Spot 3 Vertrauen Gemüse, Spot 4 Vertrauen Wein und so weiter. Diese Aktion endet mit dem letzten Agrarprodukt. Aber ja, natürlich eine gute Sache unter vielen Dingen die zu tun sind.

        Muss man sich nicht erst mal überlegen wer und wie viele überhaupt unzufrieden sind? Ich würde auch nicht so oft betonen, dass Verbraucher von moderner Landwirtschaft nichts verstehen.

        Ich möchte den Bauerpräsident bitten, das Internet dazu zu nutzen sozusagen per E Learning Bauern fit zu machen wie man sich verhält in bestimmten Situationen in der realen und virtuellen Welt.
        Fachleute müssen erklären, ob es sinnvoll ist, wenn z.B. RTL auf dem Hof ist sich über twitter Kommentare zu empören, oder nicht. Ich denke es ist nicht professionell. Man kann nicht einen unüberlegten twitterer zum Thema machen. Es fehlt schlicht die Relevanz.
        Es gibt so viel zu tun…

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        • Bauer Willi sagt

          Hallo Andreas
          bitte genau lesen…dort den Namen des Landwirt R. zu lesen…Das ist eine einzelne Person, keine Organisation.
          Ich möchte wiederholen: viele, sehr viele Verbraucher verstehen nichts oder nicht viel von Landwirtschaft.
          Zu den Spots: Hast Du mit den Leuten gesprochen, die die seit Monaten jeden Tag im Radio hören? Hast Du nicht! Die Spots sind ein 10 l-Eimer auf den heißen Stein, kein Tropfen!! Nicht kritisch drüber reden, sondern, wenn Du Landwirt bist, morgen anmelden.
          Bauer Willi

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          • Andreas H. sagt

            Ja, dann muss ich mich mal anmelden, wenn das DER 10 Liter Eimer ist.

            Für mich sind zwei Tatsachen ernüchternd
            1. Nur ein ARD Report Mainz Bericht, mit Videomaterial von Stalleinbrüchen, lassen diesen Stein wieder auf Hochtemperatur kochen. Und deshalb sollte Herr Rukwied in anderen Dimensionen denken. Wir müssen Rundfunkanstalten, Vertreter von Printmedien, Kirchen und Bauern an einen Tisch bringen. Die Belastung der Bauernfamilien hat ein so bedenkliches Niveau erreicht, dass man verabreden muss, wie es weiter gehen soll. So geht es jedenfalls nicht weiter.
            2. Die Mentalität der Bauern selbst.

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    • Schweinebauer Piet sagt

      Herr Rukwied, jetzt haben Sie zweimal etwas geschrieben. Es ist 5 vor 12 haben Sie gesagt und sonst nur …….. Leider höre ich so etwas zu oft aus dem Verband. Weiter kommen wir so aber nicht. Herr Prof Spillers Interview in der dlz ist gut und den Gedanken sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen und umsetzen. Da wünsche ich mir u
      Unterstützung von Ihnen.

      1+
      • Uli49 sagt

        Besten Dank für den Hinweis auf Prof. Spiller, den ich noch nicht kannte.
        Ich habe weiter unten schon geschrieben, daß ich als Verbraucher mir ein Label zwischen konventioneller Landwirtschaft und Bio wünsche. Genau das schlägt Prof. Spiller mit dem Tierwohllabel vor. Siehe http://www.agrarheute.com/interview-geld-fuer-gesellschaftlich-akzeptierte-tierhaltung-umschichten
        Klasse! Hoffentlich gibt es bald dieses Label, das würde auch das „lemon problem“ lösen, weil Qualität dann erkennbar wird.
        Grüße
        Uli

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      • Andreas H. sagt

        Einspruch ! Schweinebauer Piet
        Ich kann aus zeitlichen Gründen das Interview nicht lesen. Wenn dort aber gesagt wird, dass man mit Geld die „gesellschaftlichen Anforderungen“ erfüllen könne, ist das grundfalsch. Erst wirft man der Gesellschaft vor kein Fachwissen zu haben und dann will man deren Anforderungen erfüllen?

        Wer kann uns denn noch sagen, wie z.B. Legehennen zu halten sind? Was ist besser, tausenden durcheinander in Bodenhaltung mit gestutzten Schnäbeln oder Kleingruppen in ausgestalteten Käfigen mit fester Hackordnung und vollständigen Schnäbeln? Kann die Gesellschaft diese Frage beantworten?

        Wir brauchen eine Initiative Tierwohl die auf eigenen Füßen steht. Die finanziert sich über tatsächlich mehr Platz pro Tier, also weniger Produktion und höheren Erlösen. Weniger Schweine – mehr Scheine!

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        • Schweinebauer Piet sagt

          Stark, die Faktenlage nicht kennen und Einspruch einlegen. Genau so kommen wir weiter.

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            • Schweinebauer Piet sagt

              Hey Sportsfreund das ist doch nicht ruppig! Schade nur, dass Du etwas nicht liest, aber ein Urteil darüber aussprichst. Falls das drin steht ist es doof.
              Jetzt habe ich die Idee, ich gehe zu Günther Jauch und klicke immer etwas an mit dem Satz: Aber nur wenn es richtig ist.

              Das sollte jetzt ulkig sein.

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        • Sandra Schobel sagt

          „Die Gesellschaft“ hat doch auch keine Ahnung – aber „die Gesellschaft“ hat Vorstellungen, nämlich die, dass Hühner im Mist scharren, Schweine sich am Schlamm suhlen und Kühe auf Löwenzahnwiesen stehen. DAS sind „gesellschaftliche Anforderungen“!!
          Die sind nicht effizient zu erfüllen, also was nun?
          Man muss „die Gesellschaft“ langsam und behutsam wieder in die Richtung Realität bringen. Tierhaltung ist nicht romantisch (war sie auch noch nie) und tatsächlich müssen Bauern damit auch ihr Leben bestreiten.
          Man muss versuchen, dass die Verbraucher wieder Interesse an der Landwirtschaft bekommen und das Thema positiv besetzt ist. Von daher denke ich, dass die Radiospots ein guter Anfang sind.

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          • Schweinebauer Piet sagt

            Genau! Radiospots oder eine andere Form des offenen Dialogs. Als wir vor einem Jahr über einen Zeitungsartikel interessierte in unseren Stall eingeladen haben, haben wir uns gut unterhalten und bestimmt alle gelernt.

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            • Andreas H. sagt

              Ich habe mir das mal schnell durchgelesen. Die Fragen sind schlecht gestellt und wie zu erwarten noch schlechter und theoretisch beantwortet worden. Es wird zum Beispiel gesagt, dass in der Veredlungshochburg in Niedersachsen der Stallbau stockt. Der Stallbau stockt dort trotz(!) hoher Akzeptanz in den speziellen Landkreisen.
              -Es stockt dort, weil das Baurecht geändert wurde (Bundesweit)
              -Es stockt dort, weil die Bodenpreise so hoch sind, dass sie mit Gewerbegrund vergleichbar sind
              -Es stockt dort, weil Bauern in die Arbeitsfalle laufen
              -Es stockt dort., weil die Güllevermittlung sehr teuer geworden ist
              -Es stockt dort. weil man für aktuell 1,40€ kein kg Schwein produzieren kann

              Es kommt nun zu einer Marktregulation. Die wäre dann gefährlich, wenn Konzerne in die Lohnmast einsteigen.

              Wir müssen abstocken. Wir müssen die Dinge selbst in die Hand nehmen. Es ist ein Märchen, dass die Welt auf deutsches Fleisch wartet. Das ist nur richtig wenn wir billig genug sind. Sind wir aber nicht.

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            • bauerhans sagt

              andreas h,die marktregulation ist doch schon in vollem gange,viele bauern sind doch schon lohnmäster,viele haben ihr grundbuch so beliehen,dass sie selbst nix mehr entscheiden können.
              aber es gibt auch welche,die im schnitt mit schweinen geld verdienen,die ställe pachten oder bauen.
              jeder kann nur für sich entscheiden und die dinge für sich in die hand nehmen. alles andere ist wunschdenken.

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            • Alois Wohlfahrt sagt

              Dialog ist etwas fortlaufendes. Nicht einmal klarstellen und gut. Sondern im Dialog zu sein, heisst, wir können über alles reden oder kommunizieren. Das geht heute vielfach nicht. Zu sehr sind die Schubladen mit verfestigten Meinungen schon gefüllt. Ein aktuelles Beispiel ist die Diskussion über die Bullenkälber im Spiegel. Wenn alle Seiten immer sofort „aufmunitionieren“ und losschießen bleiben am Ende nur Vorwürfe übrig.

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            • Uli49 sagt

              Ich habe den Artikel im Spiegel gelesen. Was an den Zahlen ist denn falsch? Für echte Aufklärung wäre ich dankbar. Könnten Sie dafür einen neuen Thread aufmachen?

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            • Alois Wohlfahrt sagt

              Hallo Uli,
              Dein Wunsch wird bald Wirklichkeit werden, weil wir vor haben, das Thema mit der Autorin Tanja Busse hier im Blog zu besetzen. Sie ist vom Spiegel falsch zitiert worden.
              Alois

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            • Schweinebauer Piet sagt

              Den Artikel habe ich gerade gelesen. Ich freue mich schon auf den Gedankenaustausch.

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            • Alois Wohlfahrt sagt

              Hallo Uli,
              wir sind von mehreren Lesern auf das Buch aufmerksam gemacht worden. Zunächst war ich, aufgrund des reißerischen Titels „Wegwerfkuh“, sehr skeptisch.
              Aber dann habe ich das Buch gelesen. Und schon am Anfang kommt ganz klar rüber, dass Tanja Busse keinesfalls sich einreiht in die Pauschalkritiker der Tierschützer und NGO’s, die gerne die Bauern als die Schuldigen ausmachen. Und das zieht sich durch das ganze Buch durch. Im Buch werden Fakten und Zusammenhänge beleuchtet und viele kritische Fragen gestellt. Das ist OK. Und das ist auch etwas, worauf wir als Landwirte antworten und einen Dialog beginnen können.
              In den Medien, siehe Spiegel, kommt die behutsame und sachliche Art der Frau Busse leider nicht zum Zug. Als Gegenreaktion formiert sich dann natürlich wieder massiver Widerstand. Sprich: Kein Dialog.
              Da wollen wir ein bisschen helfen.

              Alois

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          • Andreas H. sagt

            Hallo Sandra Schobel, kann 100% zustimmen. Diese Einschränkung allerdings.
            Sie sprechen von „…behutsam…“ Ich möchte etwas Ehrlichkeit hinzufügen. Wenn ich mir anschaue wie Bäuerinnen und Bauern diskutieren und sich damit nach außen präsentieren, fallen mir viele Adjektive ein aber nicht behutsam.

            Des weiteren sind nun mal Medien nicht behutsam. Bauern sind Menschen. Jeder Mensch macht Fehler. Einige machen große Fehler. Wenn nun per Video ein Fehler eines Landwirtes nachgewiesen wird und dies Millionen Fernsehzuschauern vorgelegt wird, haben wir ein fast nicht lösbares Problem. Das Problem nennt sich Verallgemeinerung.

            Mein Appell daher, man muss sich erst mal in die Lage der Kritiker versetzen. Man kann tausend mal erklären, dass das Eindringen in Ställen illegal ist. Bringt nichts, weil Gerichte das so sehen, dass der Zweck die Mittel heiligt.
            Wir sollten die Arbeit der Tierrechtler kritisch begleiten aber nicht attackieren. Ein Bauernpräsident muss die gesamte Landbevölkerung ansprechen und zur Wachsamkeit aufrufen. Wenn ein Landwirt, oft alleinstehend, persönliche oder sonst welche Probleme hat, ist Nachbarschaftshilfe angesagt. Ich denke, das wäre ein kleiner Baustein schlechte Videos zu vermeiden.

            Ich habe mir den Beitrag des Herrn Rukwied ein zweites Mal durchgelesen. Da ist mir zu wenig „Behutsamkeit“ drin. Zu viel schwarz/weiß – Denken. Auch der Bauernverband hat die Landwirtschaft selbst so stark unter Druck gesetzt, dass wir eine extrem angespannte Lage auf den Höfen haben. Stichwort: Biogas – Pachtpreise , das Predigen, dass die Weltbevölkerung wächst und wir expandieren können/müssen um diese „satt zu machen“ sind zwei Beispiele über die Herr Rukwied mal nachdenken könnte. Da ist viel falsch gelaufen besonders im Hinblick selbst verursachter Kostensteigerungen im globalen Wettbewerb.

            2+
            • Sandra Schobel sagt

              Andreas,
              das „Behutsam“ liegt sicherlich nicht allen, das stimmt ;o)
              Aber man sollte (muss?) versuchen, das durchzusetzen, sonst kommt man nicht weiter. Ich kann „den Verbraucher“ nicht an den Haaren in den Stall schleifen und ihn anbrüllen, „So sieht das aus!“
              Es wäre schön, wenn man den Anreiz schaffen könnte (Neugier erzeugen), dass die Menschen von sich aus auf die Landwirte zukommen und sagen, „hey, zeig‘ mir doch mal, wie es bei dir läuft“
              Und dann kommt auch die Ehrlichkeit. Man muss in der Lage sein, zuzugeben, dass es nicht das Beste ist, aber das mehr leider nicht bezahlbar ist, dass man gewillt wäre (wenn man es denn ist!), mehr zu machen, aber der Verdienst nicht ausreicht, Stichwort hier wäre auch die Initiative Tierwohl.
              Der recht große Andrang zeigt ja auch, dass Interesse an Verbesserungen vorhanden ist.

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        • bauerhans sagt

          …die hygienisch besten eier kommen aus der legebatterie(gibt viele untersuchungen dazu)

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  3. Bauer Heinrich sagt

    Sehr geehrter Herr Ing. Uli
    Mit großem Interesse habe ich ihre Ausführungen gelesen. Insbesondere den Teil, wo sie eine Beziehung zwischen quälerischer Käfighaltung und Rüstungsindustrie herstellen. Sind ihre Ausführungen doch symptomatisch für alle die uns erklären wollen, wie wir unsere Betriebe zu führen haben.
    Informieren sie sich doch bitte sachlich vor Ort und nicht aus den Medien. Denen geht es nur um Auflagen und Einschaltquoten, alles andere zählt nicht.
    Wenn sie offenen Auges durch unsere Dörfer fahren werden sie bemerken, dass es auf den Höfen keine Hühner mehr gibt. Der Betrieb Zweig Eierproduktion ist der Landwirtschaft längst verloren gegangen. Eier werden nur noch in Großunternehmen produziert und die werden sie doch wohl nicht allen Ernstes den Bauern zu ordnen?
    Also zuerst informieren, dann posten.
    Bitte Herr Ingenieur Uli 49 halten sie sich und ihre Kollegen fern von der Rüstungsindustrie die Tot und Verderben über die Menschheit bringt.
    Halten sie sich fern von der Nahrungsmittelindustrie die mit ihren künstlichen Aromen, mit Klebeschinken, mit Konservierungsstoffen etc.. uns die Lebensfreude verderben.
    Halten sie sich fern von der Energieindustrie die mit ihren Kohlekraftwerken das Klima versauen, mit den Atomkraftwerken uns mit einem unkalkulierbarem Risiko belasten und unseren Kinder und Enkeln unglaubliche Entsorgungskosten aufbürden.
    Oder habe ich da vielleicht etwas nicht mitbekommen?
    Dann nichts für ungut.
    Ihr Bauer Heinrich

    2+
    • Alois Wohlfahrt sagt

      Ach Bauer Heinrich,
      ich glaub, der Uli49 hat so einen Anschiss jetzt nicht verdient.
      Der Uli hat doch nur als Beispiel gesagt, dass er sich als Ingenieur entscheiden muss, ob er für die Rüstungsindustrie arbeiten will oder nicht?
      Und wir Bauern können uns auch entscheiden für wen wir produzieren, oder?
      Ich weiss allerdings sehr wohl, dass z.B. die Entscheidung einen neuen Stall zu bauen für 20 Jahre bindet. Aber trotzdem. Ist halt eine Entscheidung mir großer Reichweite.
      Entscheiden tut da aber der Bauer, sonst niemand. Auch wenn sich da jede Menge Berater tummeln und flüstern. Das sind nur Berater, ob staatlich oder von der Industrie.
      Der Bauer ist der Unternehmer!
      Ist irgendwie wie beim Heiraten. Da ist auch nicht der Pfarrer Schuld wenn’s schief geht. 😉

      Alois

      3+
    • Uli49 sagt

      Hallo Bauer Heinrich,
      wenn Sie die Kommunikation mit dem Endkunden verbessern wollen, dann ist das Wichtigste, daß Sie genau zuhören und sorgfältig lesen. All das, was Sie mir unterstellen, habe ich nicht gesagt. Ich habe doch geschrieben, daß ich mitten zwischen den Bauern wohne und täglich mitbekomme, wie die arbeiten. Meine Eier kaufe ich seit Jahren von einem Hof in der Nachbarschaft. Die haben rechtzeitig auf Freilandhaltung umgestellt, erzielen einen guten Preis und können gut davon leben.
      Mein Punkt war, daß ich ganz alleine entscheiden muß, in welcher Firma ich arbeiten will. Genauso muß der Bauer entscheiden, ob er an Tönnies liefert und sich ausquetschen läßt, oder ob er sich einer bäuerlichen Erzeugergemeinschaft anschließt, seine Spaltböden abschafft und dafür einen besseren Preis für seine Schweine bekommt. Es gibt Bauern, denen es gut geht und die nicht klagen. Die haben halt beizeiten die richtige Investitionsentscheidung getroffen. Wenn Sie unzufrieden sind, können Sie nur sich selbst für die falsche unternehmerische Entscheidung einen Vorwurf machen. Der Endkunde ist die falsche Adresse.
      Ich finde diesen Blog von Bauer Willi sehr lehrreich. Ich hoffe, es geht Ihnen auch so und sie verstehen meine Argumente.
      Beste Grüße, Uli

      5+
      • Bauer Willi sagt

        @Uli49 und Bauer Heinrich, ja, so geht Dialog. Und dazu gehört, lieber Heinrich, sich ernsthaft mit den Argumenten der Kritiker auseinanderzusetzen. Draufhauen ist kein Dialog sondern Kampf. Und Selbstkritik auf beiden Seiten! Da bekommt jetzt Uli sein Fett weg: Auch der Verbraucher sollte sich ernsthaft fragen, ob er mit seinem Einkaufsverhalten nicht alles in der Hand hat. Du kaufst Eier beim Bauern ein. Wenn das alle tun würden (was utopisch ist) würden die Supermärkte das bald merken und sich andere Geschäftsmodelle einfallen lassen (siehe Rewe mit Landmarkt). Doch, auch der Verbraucher ist ein Adressat in der Kette: Erzeuger-Handel-Verbraucher! Und nochmal an Heinrich: Der Kunde ist nicht unser Feind! Zu den Investitionen: Alois hat es ja sehr plastisch beschrieben: Der Pfarrer kann nichts dafür, wenn es mit der Ehe nicht klappt.
        Bauer Willi

        2+
  4. Andreas H. sagt

    Also ich bin auch platt, dass sich Herr Rukwied auf diese Weise direkt meldet. Ich denke, viele tausende Bauern haben auf diese „Nähe“ in der Diskussion gewartet. So etwas kann man im Prinzip „Größe“ nennen.

    Was ich diesmal vom „Bauern Willi“ lese, ist für mich wenig hilfreich. Die Landwirtschaft kann jährlich eine Milliarde in Öffentlichkeitsarbeit investieren, ohne einen positiven Effekt zu erzielen.

    Ohne Problemanalyse geht eh nichts. Dazu muss man erst mal feststellen, wer uns die Arbeit und das Leben schwer macht. Da gibt es eine lange Liste. Nein noch schlimmer, die Liste wird immer länger weil immer mehr Leute immer weniger Bauern den Job erklären wollen. Und diese Menschen leben davon.
    Ich zähle mal die Gruppen auf die mir so auf Anhieb einfallen.
    – politische Parteien
    – Umweltverbände
    – Umwelt“forschung“ Universitäten
    – Tierrechtler mit dem Ziel die Tierhaltung abzuschaffen
    – VW Konzern
    – Bildungseinrichtungen regional unterschiedlich
    – Massenmedien
    – Ämter wie Umweltbundesamt etc.
    – Behörden z.B. Naturschutz
    – EU
    und viele andere
    Man müsste nur mal grob überschlagen, wie viele Arbeitsplätze da oft hauptberuflich gegen uns aktiv sind. Oder besser nicht.
    Und dann kommt noch erschwerend hinzu, dass die meisten sich von Berufswegen sich niemals überzeugen lassen „können“, dass wir die Umwelt NICHT verpesten und Verbraucher NICHT vergiften. Die leben von diesen negativen Aussagen.

    Meine Frage an die Herren Rukwied und Willi, wie wollt ihr wo was bewirken? Glaubt wirklich einer, dass man mit Anton Hofreiter zu Ergebnissen kommen kann? Und wenn dieses Unmögliche mit zu Hilfenahme von gutem Wein gelingen sollte, wird dann die CDU die Grünen links überholen wenn eine Wahl damit zu gewinnen ist?

    Sicher brauchen wir gute PR und faire Medien um überhaupt weiter arbeiten zu können.
    Aber als allererstes müssen Bauern an sich selbst arbeiten und sich gegenseitig respektieren. Herr Rukwied, fragen Sie Ihren Kollegen Herrn Schwarz zu den „Sitten“ auf facebook. Aber auch hier kann man nur appellieren, mit vermutlich schwacher Wirkung.

    Ich denke, dass sich der Bauernpräsident hier gemeldet hat, ist ein Anfang der trotz alledem Mut und Hoffnung macht.
    Anpacken!

    6+
    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Andreas,
      mit der „Nähe zum Präsidenten“ sprichst Du etwas ganz Wesentliches an. Das Wahlmänner- oder Wahlfrauensystem der Bauernverbände ist antiquiert.
      Was kann ich als Bauernverbandsmitglied mitbestimmen?
      Wer Ortsobmann wird. Sonst nichts.
      OK, ich kann so einen Blog aufsetzen und der Willi spricht den Präsidenten persönlich an. Und dann? Schon Jesus sagte: „An Ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen“
      Ich war auch in Berlin bei der Demo „Wir machen Euch satt“ und habe ne 1-Minuten-Rede gehalten. Habe einen Halbsatz kritisch in Richtung Bauernverband gesagt – und bekam gleich sofort eine „Gelbe Karte“ gezeigt.
      Lieber Herr Rukwied: Ich wünsche mir Kritikfähigkeit und Nähe zu den Mitgliedern beim Bauernverband.
      Ihre direkte Antwort hier war ein schöner Anfang. Bitte machen Sie das weiter so. 🙂

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu
      Alois Wohlfahrt

      4+
      • Andreas H. sagt

        Ich fürchte, das mit dem Verband und den Bauern ist sehr kompliziert. Ich kenne auch keine andere Gruppe Selbständiger die so hart zu sich selbst ist und von so viel Misstrauen geprägt ist. Ich bin ratlos wie die Kuh vom Eis zu kriegen ist. Beim Milchlieferstopp 2008 hat mal einer gesagt: „Die Einen demonstrieren – die anderen investieren“. Heute könnte man sagen: Die Einen diskutieren – die anderen …

        Ich versuche mal diesen Denkansatz. Du sprachst mal von der Psyche etc. und ihr wollt was machen wie Bauern ticken. Gestern habe ich ja eine Liste angefangen über unsere Kritiker. Eine Liste von Unterstützern ist sicher auch interessant, auch wenn sie kurz ist:
        http://www.swp.de/crailsheim/lokales/landkreis_schwaebisch_hall/Das-ewige-Schimpfen-auf-die-Bauern-macht-sie-krank;art5722,3032374

        Ich denke, der meint es ernst mit uns.
        Gruß
        Andreas

        0
    • Schweinebauer Piet sagt

      Das ist wirklich toll, dass der Präsident sich gemeldet hat. Bei der Öffentlichkeitsarbeit gibt es sicherlich etwas zu tun, mich würde aber auch interessieren, wie viel Prozent der Bevölkerung den Schwachsinn glauben, der in den Medien manchmal verbreitet wird. Viele meiner Freunde und Bekannten, die nicht aus der Landwirtschaft kommen nämlich nicht. Wer weiß was sich tut, wenn das auf dem Bundesgebiet auch so ist! Die Bevölkerung dann noch gut informiert haben vielleicht die Medien ein Problem. Ob man sie dann wegen Rufmord verklagen kann?
      Herr Rukwied was sagen Sie dazu?

      1+
  5. Uli49 sagt

    Sehr geehrter Bauer Willi,
    Ihre Analyse der Lidl-Werbung ist absolut scharfsinnig: wenn sich im Laden nichts ändert, bleibt die Werbung wirkungslos. Genau so wird es den Bauern gehen. Wenn die ihr Verhalten nicht ändern, wird der Schuß nach hinten losgehen. Ein Negativbeispiel waren die roten Holzrahmen, die die Bauern hier bei uns vor einigen Jahren in die Landschaft gestellt haben.
    Ich frage mich allerdings, warum Ihnen die Werbung beim Verbraucher so wichtig ist. Der großen Mehrheit der Bevölkerung ist es doch völlig egal, woher ihre Nahrung kommt; genau so egal wie die Frage wie bei VW die Zulieferer ausgepresst werden oder wer in Bangladesh die Klamotten näht. Hauptsache die Ware ist billig. Sie werden durch noch so gute Werbung Ihre Einnahmen um keinen Cent erhöhen. Was also bleibt als Grund für mehr Webung? Ist es die fehlende Wertschätzung? Ist Ihnen das so wichtig? Viele Berufe erfahren nur geringe Wertschätzung. Ich wohne im Außenbereich, mitten zwischen Hofstellen. Ich bin Ingenieur und in den Augen der Bauern nur ein „Sesselfurzer“. Das lassen die mich auch spüren. Soll ich deswegen heulen und Werbung schalten?
    Es gibt in der Bevölkerung einen kleinen Teil, der sich für die Herkunft der Nahrung interessiert. Die sind auch bereit etwas mehr für ihr Essen auszugeben. Es fehlt eine Zwischenstufe zwischen dem teuren Bio und der konventionellen Qualtierhaltung. Ich zahle gerne einen höheren Fleischpreis, wenn ich weiß, daß die Tiere gut gehalten wurden. Es gäbe sicherlich auch in anderen Regionen einen Markt für Erzeuger wie http://www.besh.de/
    Wenn Sie höhere Preise erzielen wollen, müssen Sie solche Leute wie mich erreichen. Leute, die Ihren Blog lesen, selber kochen und bei FENEBERG einkaufen. Mich erreichen Sie aber nicht, wenn Sie von der Käfighaltung von Hennen schwärmen, damit stoßen Sie mich nur vor den Kopf.
    Beste Grüße
    Uli

    2+
    • Bauer Willi sagt

      Lieber Uli, dass mit dem Sesselfurzer ist ein gutes Beispiel. Diese Bezeichnung ist aber nicht wirklich ernst gemeint, weil jeder weiß, dass Ihre Arbeit wichtig ist und sie eine gute Arbeit machen. Werbung ist aber der falsche Begriff. Ich habe die vielleicht irrige Ansicht, dass eine Imagekampagne, so wie sie jedes andere Unternehmen auch macht, die aus meiner Sicht, zunehmend negative Berichterstattung wieder ins rechte Licht rücken kann. Die Käfighaltung, die in Deutschland verboten ist, hat einen Hintergrund, warum es zu dieser Tierhaltungsform gekommen ist. Diese Geschichte will ich erzählen ohne zu werten. Wenn die Bürger bereit sind, für einen andere Haltungsform mehr Geld auszugeben, sind wir Landwirte sofort mit dabei, wenn wir damit unsere Betriebe damit wirtschaftlich betreiben können. Nicht mehr Geld, sondern nur das gleiche Niveau. Die Initiative Tierwohl ist so ein Beispiel. Es wollen so viele Landwirte mitmachen, dass jetzt das Los entscheiden soll, wem die finanziellen Aufwendungen erstattet werden. Ich könnte noch sehr viel mehr schreiben, könnte darauf hinweisen, dass ein Großteil der Bevölkerung nicht genug Geld hat, sich teurere Lebensmittel zu leisten und und und.
      Ich hoffe, ich konnte Sie in einigen Punkten mitnehmen.
      Bauer Willi

      2+
      • Uli49 sagt

        Danke für die Mühe, die Sie sich machen. Dazu möchte ich direkt antworten:

        „Diese Geschichte will ich erzählen ohne zu werten“ – Sie sollten aber den Mut haben zu werten, Werte sind wichtig! Jeder Bauer sollte für sich entscheiden, was er ethisch vertreten kann und wo die für ihn die Grenze zur Tierquälerei überschritten ist. Ich muß mich als Ingenieur auch entscheiden, ob ich in der Rüstungsindustrie (extrem gute Bezahlung) arbeiten will oder nicht.

        „Wenn die Bürger bereit sind, für einen andere Haltungsform mehr Geld auszugeben, sind wir Landwirte sofort mit dabei“ – Diese Alternative wird Ihnen nicht auf dem silbernen Teller serviert, die muß man sich erkämpfen. Dazu brauchen Sie eine Vermarktungsgesellschaft wie die zitierte http://www.besh.de. Das Fleisch der BESH können wir hier leider nur Freitags morgens auf dem Wochenmarkt kaufen. Berufstätige haben da keine Chance. Mehrere Freunde lassen sich von meiner Frau Fleisch mitbringen. Hier wären Absatzmöglichkeiten vorhanden, wenn der Handel mitziehen würde. Nach dem Neuland-Skandal ist das Vertrauen in die alten Handelsketten allerdings erschüttert.

        PS.: mit Ihrer Lidl-Kritik bin ich einverstanden. Lidl bezieht sein Fleisch von Tönnies. Da können die noch so schöne Filme machen, das kaufe ich nicht.
        Bei mir gibt es nur 1-2 mal die Woche Fleisch, dadurch kann ich etwas mehr dafür ausgeben.
        Grüße, Uli

        2+
    • Bauer Willi sagt

      Uli, noch was. Das Beispiel mit Lidl war gezielt so gewählt. Das steckte eine Botschaft drin. Ich hätte auch noch schreiben können: „Machen wir nicht den gleichen Fehler wie Lidl“ Einverstanden?
      Bauer Willi

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  6. Theo sagt

    Fünf vor zwölf! Ganz genau und gerade dann sollte man schnell sein!! Warum schaffen es andere Vereine, selbsternannte Tierschutzvereine schnell, negative, tier-und menschverachtende (bauernverachtende) Nachrichten zu verbreiten?? Richtig, sie nutzen Fernsehen, Radio und Zeitungen und lassen ihre Beiträge von „Profis“ anfertigen!! Warum kann verdammt nochmal der Bauernverband diesen Bereich nicht Profis überlassen, anstatt immer wieder selber rumzudoktern! Wir brauchen dringend die Radio Spots von Heimische – Landwirtschaft. de und zwar in ganz Deutschland!! Radio kommt an!! Es muss eine Aufforderung des DBV an alle Landwirte ergehen! Macht mal was, anstatt zu quatschen.!

    2+
    • bauerhans sagt

      theo,brot und spiele ist die devise,wie im alten rom.der gemeine verbraucher ist materiell satt,muss sich keine sorgen machen und ist gelangweilt und fährt deshalb auf die negativwerbung der ngo`s und spendengeneriervereine ab,die sender machen quote und die werbeeinnahmen sprudeln. ich glaube nicht,dass eigene werbespots irgendetwas für die landwirtschaft verbessern,auch werden diese nicht billig in der herstellung sein.

      0
      • Theo sagt

        Es wird kostengünstig, wenn alle mitmachen. Höre Dir (evtl. auch übers Internet-Radio wenn möglich) mal einen Radiosender aus Thüringen an. Dort laufen fast täglich diese Spots. Einfach vorurteilsfrei wirken lassen! Wir hatten für eine 3 Wochenkampagne vor der letzten Landtagswahl in SH diese Spots laufen. War echt gut! Das sind auch keine eigenen Werbespots, damit wird dem Hörer suggeriert, es ist nicht „negativ“ bei der heimischen-landwirtschaft einzukaufen und man kann dieser vertrauen!

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  7. Bauer Willi sagt

    Lieber Herr Rukwied,
    da bin ich aber platt! Mit so einer schnellen Reaktion hätte ich, ehrlich gesagt, nicht gerechnet. Und prima, dass Sie jetzt Gas geben wollen. (Kann auch ruhig Biogas sein, das passt doch zu uns Landwirten.) 🙂
    Ihr Bauer Willi

    6+
  8. Joachim Rukwied sagt

    Lieber Bauer Willi,

    Sie schreiben mir einen Brief, vielen Dank. Darauf möchte ich Ihnen gerne antworten.
    Ich sehe, wir haben im Grundsatz einen ähnlichen Blick auf Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Einzelheiten bewertet natürlich jeder etwas anders. Ich darf Ihnen versichern, dass ich sehr offen für neue Themen und Innovationen in der Kommunikation bin. Das ist es auch, was wir im DBV und mit den Landesverbänden diskutieren und voranbringen. Dabei gibt es verschiedene Ansätze und Ideen, die ich gerne aufnehme und die wir diskutieren. Das ist nicht allein demokratisch, sondern auch wichtig in einem Dachverband und in einer Branche, die von Vielfalt geprägt ist. Ich verstehe Ihren Wunsch voranzukommen, denn es ist sicherlich nicht mehr nur ‚5 vor 12‘, was das Bild und die Vorurteile gegenüber der Landwirtschaft in gesellschaftlichen und politischen Debatten angeht. In den vergangenen zwei Jahre hat sich deshalb schon einiges getan. Und wir werden diesen Weg weiter und schneller voranschreiten. Da können Sie sicher sein.

    Ihr Joachim Rukwied

    15+

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