Alle Artikel in: Bauer Willi

„Wir sollten doch eigentlich alle“…

Leute, ihr glaubt gar nicht, wie mir solche Begriffe so langsam auf den Geist gehen. „Wir sollten doch alle weniger Fleisch essen, wir sollten die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, wir sollten weniger fliegen, wir sollten weniger hiervon und davon.“ Und was passiert? Nichts, oder fast nichts. Und dabei nehme ich davon gar nicht aus. Ich höre auch die Reden von Politikern, lese die ach so schlauen Artikel, schaue mir Fernsehberichte an, die vom Übel in der Welt berichten. Und denke vielleicht noch „Das ist ja alles schlimm, da müsste man doch was dagegen unternehmen und warum tut das keiner?“ Dabei bleibt es dann auch, weil in der nächsten Sendung, im nächsten Artikel, in der nächsten Rede schon wieder eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird. Und der nächste Aufreger gesetzt wird, bevor man den letzten noch richtig verdaut hat. Warum ich das schreibe? Weil es in der Diskussion um Landwirtschaft, Lebensmittel und Ernährung ähnlich ist. War gestern noch die Bananendiät die richtige, ist es heute doch eher die Paläo-Diät, die alle Probleme mit der Figur lösen …

„Bauer Willi“ – Die Organisation…

Ob in Kommentaren oder bei persönlichen Begegnungen: immer wieder werden wir gefragt, wie wir eigentlich arbeiten, wie wir organisiert sind und wie wir es schaffen, fast jeden Tag etwas Interessantes, Neues, Provokantes oder Lehrreiches auf unserem Blog oder bei Facebook zu bringen. Und jetzt die ehrliche Antwort: Wir wissen es auch nicht! Wir machen es einfach. Die Themen fliegen uns eigentlich zu, weil jeder Tag so viele neue Kommentare bringt, dass uns dann spontan die Idee kommt: „das könnte man doch auch mal bringen“. Aktuell haben wir 23 Artikel im Blog und 43 Entwürfe bei Facebook, die darauf warten, veröffentlich zu werden. Da sind „Gelbe Karten“ mit frechen Sprüchen ebenso dabei wie längere Aufsätze. (Die „Gelben Karten“ mit den kurzen Sprüchen werden übrigens besser gelesen als die tiefgründigen Aufsätze.  Gedankliches „Fast Food“ eben!) Alois und ich telefonieren täglich mehrmals miteinander. Wirklich persönlich getroffen, so von Auge zu Auge, haben wir uns in den letzten 18 Monaten genau vier Mal. Von den Skype-Sitzungen einmal abgesehen, da schaut man sich ja auch ins Auge 😉 Nach dem morgendlichen Telefonat geht …

Ein Skandal von dem niemand redet…

Wer will nicht, dass sein Eigenheim lange schön aussieht. Dazu wird es mit Fassadenfarben gestrichen. Diese enthalten „Biozide“, was sich mit dem Zusatz „Bio“ ja auch irgendwie gut anhört. Was kaum einer weiß: Biozide sind Wirkstoffe, die auch in Pflanzenschutzmitteln vorkommen. Allerdings unterliegen die gleichen Wirkstoffe in Fassadenfarben geringeren Anforderungen an die Zulassung. Doch der eigentliche Skandal ist ein anderer: Wirkstoffe wie Diuron, Terbutryn und  Carbendazim sind in der Landwirtschaft verboten, und das, je nach Wirkstoff bereits seit vielen Jahren. In Fassadenfarben dürfen sie nach wie vor eingesetzt werden und gelangen so über das Regenwasser oft direkt in das öffentliche Kanalnetz und somit in die Kläranlagen. Wenn es dort gefunden wird, wird als Erklärung oft herangezogen, dass die Landwirte ihre Restbestände aufbrauchen. Drei Beispiele eines Herstellers: In der technischen Information Nr. 161 des Herstellers Caparol vom August 2016 ist für das Produkt PermaSilan NQG zu lesen: „enthält Carbendazim, Isoproturon, Terbutryn und 2-Octyl-isothiazol-3-on“. Die technische Information Nr. 150 von August 2016 beschreibt das Produkt Duparol, dass neben Diuron auch Carbendazim und andere Wirkstoffe enthält. In der …

Kollateralschaden

In einer Diskussion auf unserem Blog fiel mir der obige Kommentar besonders in´s Auge. Hat der Kommentator nicht recht? Den Steinkohlen-Bergbau, die Textil-Industrie und andere Branchen gibt es in Deutschland ja schließlich auch nicht mehr? Mit welchem Recht soll es dann noch eine heimische Landwirtschaft geben? Nehmen sich die heimischen Bauern nicht viel zu wichtig? Jetzt könnt ihr ja mal antworten. Ich bin gespannt… Euer Bauer Willi

Ein Textvergleich…Zufälle gibt es…

Ein Text-Vergleich „SAUEREI!“ erschienen Februar 2016 (Dr. Willi Kremer-Schillings) S. 270 Kennen Sie „Gut Ponholz“? Klar, das ist der Bauernhof, von dem Netto seine Fleisch- und Wurstwaren bezieht. Bei Aldi Nord kommen die vom „Gut Drei Eichen“ und vom „Güldenhof“. Penny kauft auf dem „Mühlenhof“ ein und Tengelmann auf dem „Birkenhof“. Macht doch einen guten Eindruck, wenn auf der Packung wahlweise ein Gutshaus oder auch ein Fachwerkhaus zu sehen ist… Auf Nachfrage geben alle Supermärkte zu, das die Höfe nicht existieren.   „Fleischfabrik Deutschland“ erschienen Juni 2016 (Dr. Anton Hofreiter) S. 136 Wenn ich in einen Supermarkt gehe, um mir etwas zu essen zu kaufen, bekomme ich als Kunde von den Marketingabteilungen bestimmte Bilder vorgegaukelt. Hackfleisch von herrschaftlichen „Gut Ponholz“, Wurst vom fachwerkgeschmückten „Gut Drei Eichen“, Rindfleisch der Marke „Bauerngut“. Welche Bilder werden wohl damit im Kopf erzeugt? …. Nur existiert in der Wirklichkeit keines dieser „Güter“.   Fällt euch was auf? Ist sicher nur ein Zufall… 😉 Euer Bauer Willi

Die Sicht der Wissenschaft – Hühner

Frau Dr. Inga Tiemann ist Leiterin des Wissenschaftlichen Geflügelhofes in Rommerskirchen-Sinsteden. Ich habe sie gebeten, uns ihre Erkenntnisse zu zwei viel diskutierten Themen in der Geflügelhaltung mitzuteilen. Hier ihre Antworten: Schnäbel kürzen, Federpicken und Kannibalismus Für die derzeitige Hühnerhaltung wurden in aller Regel die Schnäbel gekürzt. Dies sollte dazu dienen, das Federpicken und in der Folge daraus, den Kannibalismus, also das „Fressen“ von Artgenossen zu verhindern. In der Wissenschaft sind die daraus resultierenden physiologischen Folgen insbesondere in Bezug auf damit verbundene Schmerzen nicht unumstritten. Nun wird 2017 der Schnabel nicht mehr gestutzt und auf den Halter und Produzenten kommen große Herausforderungen im Tiermanagement zu. Doch wie entsteht Kannibalismus? Das Auftreten von Kannibalismus lässt sich nicht monofaktoriell erklären. Die Meinung, dass alleine mit einem größeren Platzangebot für die Tiere das Federpicken und der Kannibalismus beendet sind, trifft nicht zu. Weitere Einflussfaktoren sind u.a. die Genetik (es gibt aggressive und weniger aggressive Rassen, ähnlich wie z.B. bei Hunden), das Futter und das Wetter. Selbst wenn pro Huhn 10 qm Auslauffläche zur Verfügung stehen, kommt es zu solchen …

#schweinebesserhalten

Unter diesem Hashtag können und sollen möglichst viele Landwirte Bilder und Geschichten rund um ihre Schweine zeigen. Die Seite ist vor kurzem online gegangen. Die vier Urheberinnen Mirjam, Jutta, Nadine und Gabi freuen sich sicher über viele engagierte Ferkelerzeuger und Mäster, die einen Einblick in ihren Stall geben. So eine positive Idee kann man nur unterstützen. Also: Smartphone raus, draufdrücken und absenden. Ist doch nun wirklich keine Arbeit!!! Und natürlich das Liken nicht vergessen https://www.facebook.com/schweinebesserhalten https://twitter.com/ITWSchweine Euer Bauer Willi

Der öffentliche Schlachthof

Am Donnerstag hat Vion, Deutschlands zweitgrößtes Schlachtunternehmen nach Tönnies, einen bemerkenswerten Schritt getan: auf der Seite http://vion-transparenz.de sind Videos von der Schlachtung von Rindern und Schweinen zu sehen und zwar so, wie es im Schlachthof passiert. http://www.vion-transparenz.de/Einblicke/ Zugegeben, wer etwas sensibel ist, wird sich an den Anblick gewöhnen müssen, vielleicht auch wegschauen. Es ist aber der ehrliche Weg, wie (Zitat) „aus einem lebenden Tier ein Lebensmittel wird“. Etwas, was viele von uns verdrängt haben, wenn wir das Schnitzel über die Verkaufstheke gereicht bekommen. Doch nicht nur diese Videos sind bemerkenswert. Es werden auch so sensible Daten wie die Befunde der amtstierärztlichen Untersuchungen veröffentlicht. Daten, für die Kritiker bisher aufwändig recherchieren mussten. http://www.vion-transparenz.de/kontrollergebnisse/ Gezeigt werden die unter anderem die Befunde der Untersuchungen auf Antibiotika, der Lebensmittelsicherheit und der Organe. Mich persönlich haben die Befunde der Organe sehr erstaunt, denn bei Schweinen waren 34%, bei Rindern knapp 24% der Organe auffällig. Bemerkenswert die Zahlen der Antibiotika-Untersuchungen, die ein ganz anderes Bild zeigen, als es in den Medien transportiert wird: Die positiven Befunde liegen noch unterhalb des Promille-Bereichs (Schwein: 0,002%, Rind 0,041%) …

Moderner Landwirt…

Heute mal was Philosophisches. Als ich diesen Artikel schreibe ist es Sonntag, draußen ist es neblig und kalt. Da kommt man schon mal ins Grübeln. Und ich habe mich gefragt, ob ich eigentlich ein moderner Landwirt bin… Was versteht man unter „modern“? Wenn man was nicht weiß, fragt man den allwissenden Google, aber der kann mir diesmal nicht weiterhelfen. Auf einer anderen Seite werde ich fündig: da steht dann als Synonym: aktuell, auf dem neuesten Stand, fortschrittlich, neuartig, zeitgemäß. (wenn man das Wort auf der ersten Silbe betont (modern), steht es auch für vergammeln und verfaulen, aber das wollte ich ja nicht wissen). „Auf dem neuesten Stand, fortschrittlich, zeitgemäß“. Ja, ich habe ein Smartphone, fahre einen relativ neuen Trecker, mache die Buchhaltung mit dem PC. Aber wer von meinen Berufskollegen macht das nicht? Das alles trifft auch für Bio-Bauern zu. Die sind nach dieser Definition auch moderne Landwirte. Das ist so, denn ich kenne welche. So komme ich auch nicht weiter… Vielleicht versuche ich es mal mit der Umkehrung: wenn ich ein „moderner“ Landwirt bin, wer ist dann ein „unmoderner“ Landwirt? Der steht für …

Nahrung von der Hauswand

Mitten in Berlin, an einer grauen Hausfassade, wachsen Algen. Auf dem Euref-Campus in Schöneberg steht die weltweit einzig urbane Anlage, in der Algen für die Lebensmittelindustrie gezüchtet werden. Algen und Lebensmittel – zumindest für uns in Europa, trotz Sushi, immer noch eine gewöhnungsbedürftige Vorstellung. Dabei werden Algen bereits als Bindemittel für Pudding, Eis oder Joghurt eingesetzt. Auch in Kosmetik oder in Zahnpasta finden sie Verwendung und ersetzen dort das teure Biokarotin. Algen sind außerordentlich proteinreich, bilden Omega-3-Fettsäuren aus und enthalten Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Deshalb werden die beiden Berliner Sorten, die Chlorella vulgaris und die Spirulina platensis, im EUREF-Campus-eigenen Restaurant weiterverarbeitet und angeboten, vor allem als Smoothies und als Saucen. https://www.facebook.com/derbauerwilli/videos/1790985731174339/ Der Begriff „Landwirtschaft“ passt jetzt aber nicht mehr… Mehr unter: http://foodculturenet.newsmarket.com/NEWS/algen–von-der-hausfassade-zum-sternekoch/s/6cd3f824-62d8-49a8-8ddc-48a6a7862cdd