Bauer Willi
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Die Sicht der Wissenschaft – Hühner

Frau Dr. Inga Tiemann ist Leiterin des Wissenschaftlichen Geflügelhofes in Rommerskirchen-Sinsteden. Ich habe sie gebeten, uns ihre Erkenntnisse zu zwei viel diskutierten Themen in der Geflügelhaltung mitzuteilen. Hier ihre Antworten:

Schnäbel kürzen, Federpicken und Kannibalismus

Für die derzeitige Hühnerhaltung wurden in aller Regel die Schnäbel gekürzt. Dies sollte dazu dienen, das Federpicken und in der Folge daraus, den Kannibalismus, also das „Fressen“ von Artgenossen zu verhindern. In der Wissenschaft sind die daraus resultierenden physiologischen Folgen insbesondere in Bezug auf damit verbundene Schmerzen nicht unumstritten. Nun wird 2017 der Schnabel nicht mehr gestutzt und auf den Halter und Produzenten kommen große Herausforderungen im Tiermanagement zu. Doch wie entsteht Kannibalismus? Das Auftreten von Kannibalismus lässt sich nicht monofaktoriell erklären. Die Meinung, dass alleine mit einem größeren Platzangebot für die Tiere das Federpicken und der Kannibalismus beendet sind, trifft nicht zu. Weitere Einflussfaktoren sind u.a. die Genetik (es gibt aggressive und weniger aggressive Rassen, ähnlich wie z.B. bei Hunden), das Futter und das Wetter. Selbst wenn pro Huhn 10 qm Auslauffläche zur Verfügung stehen, kommt es zu solchen folgenreichen Ereignissen. Das Bepicken von Artgenossen ist und bleibt ein natürliches Verhalten zur Einordnung in die Rangfolge der Herde.

Da auf das Schnäbelkürzen nun verzichtet wird, ist leider damit zu rechnen, dass die Verlustrate durch Kannibalismus in der Nutztierhaltung wieder zunehmen wird. Die Frage nach der Ethik und moralischen Grundlage für oder gegen sogenannte zootechnische Eingriffe kann nur von jedem selbst, und damit der Gesellschaft beantwortet werden. Die höhere Verlustrate wird jedoch in der Preisfindung berücksichtigt werden.

Töten von männlichen Küken

Dies ist wohl das derzeit am meisten diskutierte Thema, wenn von der gegenwärtigen Hühnerhaltung die Rede ist. Wie konnte es dazu kommen? Die derzeitig praktizierte Hühnerhaltung unterscheidet zwei Hochleistungslinien: zum einen für die Produktion von Eiern, zum anderen für die Produktion von Geflügelfleisch. Unter dem wirtschaftlichen Druck der Industrialisierung hat die Züchtung seit 1950 Rassen entwickelt, die das jeweilige Ziel am besten verfolgen. Legeleistungen von 300 Eier pro Jahr bei Legelinien und Mastzeiten von etwas mehr als 30 Tagen bei Mastlinien sind heute die Norm. Doch jede mit Futter aufgenommene Kalorie kann nur entweder für die Produktion von Eiern oder den Aufbau von Muskeln eingesetzt werden – und das ist in der Genetik verankert. Deshalb können die männlichen Küken von Legelinien nicht wirtschaftlich für die Mast eingesetzt werden und werden kurz nach dem Schlüpfen mit Gas getötet. Zwar finden diese toten Küken noch Verwendung in der Verfütterung in Zoologischen Gärten, für den normalen Bürger ist dieses Vorgehen dennoch intuitiv erschreckend.

Welche Möglichkeiten gibt es, dieses massenhafte Kükentöten abzustellen? Es ist mittlerweile gelungen, das Geschlecht schon im Ei zu bestimmen. Das grundsätzliche Verfahren ist seit kurzem bekannt, jedoch funktioniert es derzeit nur im Labor und nicht flächen- (und Kosten-)deckend für ca. 100 Millionen Bruteier deutscher Legehennen. Die oft geäußerte Meinung, dass „das Problem gelöst ist“, ist nur bedingt richtig, da bisher die technische Umsetzung nicht gegeben ist. Richtig und fair wäre es daher, ein Verbot oder vergleichbaren politischen Druck erst dann auszusprechen, wenn das Problem auch in der Breite gelöst ist (Gleiches gilt übrigens auch für das Problem des Kannibalismus).

Die zweite Möglichkeit, auf das Töten von männlichen Küken zu verzichten, könnte sich durch die Aufzucht von Zweinutzungsrassen bieten. Diese Tiere legen sowohl relativ viele Eier und haben gleichzeitig bei der Schlachtung ein akzeptables Schlachtgewicht und eine gute Fleischqualität. Nachteil dieser Rassen ist die schlechtere Futterverwertung, so dass sie mehr Zeit und damit mehr Platz und mehr Futter in Anspruch nehmen. So liegen die Legeleistungen heute je nach Rasse zwischen 180 und 250 Eier (derzeit 300 und mehr) und das Mastendgewicht wird erst nach 10 statt nach 4-5 Wochen erreicht. Nach Angaben aus Praxisbetrieben, die Eier und Hühnerfleisch als Direktvermarkter anbieten, betragen die Verkaufspreise von Eiern zwischen 40 und 60 Cent. Für das Fleisch werden derzeit je nach Rasse und Größe der Herde zwischen 16 und 24 € verlangt. Unter diesen Preisen ist die Nutzung von Zweinutzungsrassen derzeit wirtschaftlich nicht darstellbar. Diese doch deutlich höheren Preise sind wohl auch der Grund, warum Zweinutzungsrassen bisher nur von Direktvermarktern oder einigen wenigen Fachgeschäften angeboten werden. In den Kühltheken der großen Lebensmittelketten sucht man sie derzeit vergebens.

Ich hoffe, mit diesem kleinen Einblick in die aktuelle Thematik rund ums Huhn etwas zur Versachlichung der Diskussion beitragen zu können.

Ihre Inga Tiemann

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49 Kommentare

  1. Schweizer Bauer sagt

    Wieviel Prozent der Bevölkerung sind tatsächlich bereit für nachhaltigere Nahrungsmittel mehr auszugeben? Je nach Label bezahlt man in der Schweiz 20-50% mehr für die Nahrungsmittel, egal ob Fleisch oder anderes. Das machen nicht alle mit, fragen Sie doch mal die Bevölkerung von Lörrach oder Weil am Rhein wer tagtäglich in die Lebensmittelgeschäfte kommt. Wenn sich sehr schnell etwas ändern soll braucht es in erster Linie einen Tierwohlzuschuss, der vielleicht auf Kosten der Flächenbeiträge geht.

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    • Mitleserin sagt

      Ich sehe da noch ein anderes Problem: man muss sich auch mal fragen, warum Verbraucher nicht bereit sind, mehr für Nahrungsmittel zu bezahlen. Klar, einige setzen sicher einfach andere Prioritäten, wofür sie ihr Geld ausgeben, aber ich könnte mir vorstellen, dass es den vielen Geringverdienern, Leiharbeitern, Teilzeitkräften, Alleinerziehenden, Arbeitslosen etc. etc. auch einfach an Geld fehlt. Von daher sind Nachhaltigkeit und Tierwohl auch ein auf anderen Ebenen systemisches Problem unserer Gesellschaft. Wenn mehr Leute von ihrem Gehalt vernünftig leben könnten, oder nicht den Großteil davon für die Wohnungsmiete abtreten müssten, könnten auch die Lebensmittel mehr kosten. Leider habe ich das Gefühl, dass die Politik hier bisher nur halbherzig ansetzt.

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      • Anwalt der Tiere sagt

        Es wird ja derzeit nicht einmal Fleisch aus besserer Haltung mit der Garantie höherer Erzeugerpreise wahrnehmbar vermarktet, z.B. im Fernsehen. Die Initiative Tierwohl ist zu schwach.

        Die Strategie „weniger, dafür faires Fleisch“ ist für die Schlacht- und Vermarkungsunternehmen (Tönnies, Wiesenhof, Vion etc.) und den LEH problematisch. Denn die Vorteile solcher Produkte hervorzuheben, lenkt unweigerlich den Blick auf die Nachteile der herkömmlichen Produkte. So werden viel mehr Menschen mit hohem Werbebudget und gemütlich auf der Couch erst in die vegetarische und vegane Lebensweise getrieben, zumal wenn sie dann merken: Ich brauche gar nicht täglich meinen Fleischgeschmack, nicht einmal am Wochenende. Denn Fleischessen ist nur eine Gewohnheitssache. Und diese Gewohnheiten möchte die Fleischbranche auf keinen Fall kaputt machen.

        Da aber andere, z.B. NGOs, daran arbeiten, bauen die Fleischkonzerne ihr Veggiesortiment auf.

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        • bauerhans sagt

          „Denn Fleischessen ist nur eine Gewohnheitssache.“

          absolut nicht,siehe china,fleischessen ist status!
          fleisch schmeckt eben,veggizeugs eher weniger,vegan ist sehr aufwändig.

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          • Anwalt der Tiere sagt

            Fleischessen ist Status. Sehr richtig. In Ländern mit hohem Wohlstand wie in Deutschland, wo sich die meisten Menschen sowieso Fleisch leisten können, aber weniger. Und genau hier liegt doch das Potential für „weniger, dafür fairer“ (und damit teurer und prestigeträchtiger).

            Ich gebe Ihnen vollkommen recht, dass diese Veggiewürste nicht so gut schmecken. Ich behaupte aber einmal, dass außer mir auch andere Menschen den Fleischgeschmack nicht 1:1 ersetzen müssen, wenn sie andere leckere Gerichte und Lebensmittel kennengelernt haben. Und es gibt sehr leckere, deftige, kräftige vegane Gerichte. Das darf das „Fleisch-Kaufvieh“ aber niemals erfahren, sondern soll weiterhin denken, dass Veganer nur Salat essen, was in der Tat immer noch viele denken. Sie wahrscheinlich auch.

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        • Sabine sagt

          Naja, ich werd gerade mit Werbung für Fleisch aus alternativer Haltung gerade zu beworfen. Die nicht zuchttauglichen Tiere verlassen langsam aber sicher über Solingen die Ställe.

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  2. Paulus sagt

    In der Natur geht es nach unserem ethischen Verständnis sogar extrem grausam zu. Als Jäger kann ich da über etliche Beobachtungen berichten. Ein Junghase der von einer Krähe langsam zu Tode gehackt wird, oder ein Eichhörnchen, dass von einem Habicht geschlagen wird und minutenlang klagt, sind noch relativ harmlose Beispiele. In Afrika und in Skandinavien habe ich größere sogen. Beutegreifer beim Schlagen ihrer Nahrungstiere hautnah erlebt. Kein schöner Anblick und auch keine angenehmen Geräusche. Das kann man sich in einer Stadtwohnung oder einer Reihenhaussiedlung am Stadtrand allerdings nicht vorstellen. Solche selbsternannten Anwälte für Tiere müssen wir halt ertragen. Aber wer nimmt sie schon ernst? Und ja, so etwas wie Federpicken/Kannibalismus gibt es selbst mitten in Köln im Stadtwald. Schon mal gesehen wie adulte Nilgänse den Gösseln der Weißwangengänse den Garaus machen?

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    • Paulus sagt

      Dies sollte die Antwort auf den Kommentar von Martin Grube vom 07.11.2016 sein. Wurde aufgrund einer Korrektur leider nicht richtig zugeordnet.

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    • Anwalt der Tiere sagt

      Ich habe selbst einen Jagdschein. An der Jagd gibt es viel zu kritisieren. Die Intensivtierhaltung ist aber ein ganz anderes Kaliber. Im Übrigen nehme ich mir keine Krähen und Hühner zum Vorbild. Ich picke auch nicht meine Prau.

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    • Stadtmensch sagt

      Ich bin mal an einer „halbüberfahrenen“ Katze vorbei geradelt. Aus 50m Entfernung habe ich mich noch gefragt, was da vorn für ein roter Gummiball auf der Straße rumspringt und dann musste ich noch vorbei….
      Meinen schönsten Gartenigel habe diese Raser auch überfahren 🙁

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  3. Aus Bauer Willi sagt

    Danke Sabine
    aus meiner persönlichen Erfahrung habe ich Anwälte oft als lebens- und realitätsfern erlebt. Sie haben EIN Thema, mit dem sie dann die Menschheit traktieren, bis diese genervt aufgeben. Aber nicht, weil sie überzeugt worden sind…
    Bauer Willi

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      • Anwalt der Tiere sagt

        Je mehr Spenden, desto mehr Mittel zur Erfüllung des satzungsmäßigen Zwecks. An Sie bin ich aber bislang nicht wegen einer Spende herangetreten. Ich habe ja nicht einmal gesagt, von welcher Organisation ich bin. Ich schaue mich auch nur „privat“ um.

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          • Anwalt der Tiere sagt

            Wie beurteilen Sie das denn? Weil ich Sie nicht mit der Bitte nach einer Spende behellige? Auch wir müssen effizient arbeiten und wenden uns direkt an geneigte Kreise, im persönlichen Kontakt durch ein Gespräch. Das erhält auch die gute Laune. 🙂

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  4. Gepard sagt

    Beim Lesen fragt man sich, ob sie da über Lebewesen redet oder nicht richtig kontrollierbare Maschinen. Klar, eine unaufgeregt und sachlich geführte Diskussion ist wichtig. Sie darf aber nur ein Teil des Ganzen sein. Empathie ist leider nicht sachlich und schwer mit Logik erfassbar. Und sie darf nicht alleine dem „normalen Bürger“ überlassen sein.

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    • Bauer Willi sagt

      Das mit dem „normalen Bürger“ verstehe ich jetzt nicht. Bitte um Aufklärung.
      Bauer Willi

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  5. Was die 2Nutzungshühner bzw. EIER WIRKLICH kosten entscheiden nicht die Aufzuchtkosten sondern die Zahlungsbereitschaft der Kunden. Der jetzige Supetluxuspreis mi nicht mal Promilleanteil ist kein Maßstab. Wieviel DB muss ich pro m2 Stallfläche haben das kann jeder Fachschüler mti exel wunderbar berechnen. Dieser aktuelle Preis ist derzeit das Argument:Seht her das kosten die Eier also bleibt friedlich Ihr seht ja es geht nicht!!!!

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    • Bauer Willi sagt

      Ich haben mich mit mehreren Hühnerhaltern unterhalten, die, je nach Betriebsgröße sagen, dass es unter 40 Cent ein Zuschussgeschäft ist. Dann halten die aber auch schon ein paar Hundert Hennen. Beim Bruderhahn-Projekt wurden mir 60 Cent genannt. Es gibt Kunden, die diesen Preis bezahlen. Wenn es mehr werden, werden auch die Produzenten mehr.
      Bauer Willi

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      • Hm, wir haben 15.000 Boden- und Freilandhennen. Da kommste aber nicht auf 40 Cent… Da lacht sich der nette Mensch vom Lebensmittelmarkt, oder Restaurantbesitzer aber mächtig eins ins Fäustchen…und kauft die Eier woanders?

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  6. Schweizer Bauer sagt

    Hallo Anwalt der Tiere ich halte 50 Legehennen in Direktvermarktung. Die Tiere haben das ganze Jahr Weidegang 10m2 pro Tier. In der Tat kommt das auch vor so bald ein Tier kränkelt wird es gepickt. Bei Betrieben mit tausenden von Hühnern geht der Mehraufwand natürlich schnell über mehrere Stunden pro Tag. Bei uns ist kupieren übrigens schon lange verboten.

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    • Gepard sagt

      Die Frage war glaub ich anders gemeint. Deine Tiere leben ja weiterhin in Gefangenschaft und du bestimmst die Gruppengröße sowie die Fläche. Es könnte ja auch sein, dass 10 qm nicht für alle Tiere ausreichen.

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      • Schweizer Bauer sagt

        Hallo Gepard, die Fläche ist nicht das Hauptkriterium sondern meiner Meinung nach eher die Rangordnung (neben vielen anderen Faktoren). Die Hühner leben bekanntlich in Gruppen und mit 30 verschiedenen Lauten geben sie ihren Kolleginnen Hinweise wenn sie gute Nahrung, einen guten Legeplatz etc. gefunden haben. Interessant ist doch eher, dass schwache Tiere ausgeschlossen werden. Vielleicht haben Sie recht und in der Natur würden diese Tiere nicht primär von ihren Artgenossinnen gepickt aber sie würden alleine zurückbleiben und von anderen Tieren drangsaliert. In der professionellen Haltung bedeutet dies, schwache Tiere müssen täglich entfernt werden. Hühner die einmal Blut gerochen haben können gar nicht mehr aufhören also muss mit Mehrarbeit gerechnet werden um es gar nie soweit kommen zu lassen.

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  7. Anwalt der Tiere sagt

    Gibt es Federpicken und Kannibalismus auch bei freilebenden Tieren? Oder allenfalls nur Ansätze davon, da ein Ausweichen und Zurückziehen möglich?

    Ansonsten ist die Ursache eindeutig: der Mensch.

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    • Gabriele Lipka sagt

      Mir ist Kanibalismus aus der Hobbyhaltung bei lebhaften, wehrhaften Tieren für den Freilauf bekannt.

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    • Sabine sagt

      Nochmal: Man weiß nicht woran es genau liegt. Populationen von verwilderten Haushühnern und Bankivas werden inzwischen genau unter die Lupe genommen, auch um festzustellen welche Spuren die Co-Evolution bei Haustieren in Genom und im Verhalten genau hinterlassen hat.
      Diese Forschung braucht Geld. Interesse an diesen Forschungen zeigen, wenn ich das richtig mitbekomme, zur Zeit nur die „bösen Tierhalter“ aus der Profi- und der Hobbyfraktion.
      Das ärgert mich ganz ehrlich. Statt mit immer neue Spendensammlungsaktionen aus dem Boden zu stampfen und mit Gruselbildern und Mutmaßungen Lobbyarbeit gegen Tierhaltung im Großen und im Kleinen zu machen, wäre eine Unterstützung von Forschung, die zu einem besseren Verständnis unserer Nutztiere und damit auch zu besseren Haltung führenden, dringend angezeigt.
      Leider gibt es bisher nur eine Tierschutzorganisation die wenigstens ansatzweise begriffen hat, dass verantwortliche Tierrettung auch medizinisches und wissenschaftliches Know-How benötigt.
      Ich hätte mal gerne gewusst, wieviel die selbst ernannten „Anwälte der Tiere“ hier in die Fortbildung von Veterinären und Veterinär-Technikern stecken, um kranken Nutztieren schneller und schonender helfen zu können. Vieviel von den Unsummen aus den Tierrechts-Kampagnen in die Verhaltensforschung fließen und ob und wie Betriebe unterstützt werden, die an verbesserten Haltungssystemen arbeiten. Ich denke, das Budget dafür geht gegen Null und daher habe ich den Verdacht, dass es den Tier-Anwälten nicht um das Wohl der Tiere geht, sondern um ihre Ausrottung.
      Oder, weil es beim Tierrecht ja gerne auch um Emotionen geht:
      In der Morgendämmerung unserer Spezies haben wir uns mit anderen Arten verbündet, um unsern Fortbestand gegenseitig zu sichern. Diesen Pakt einseitig aufzukündigen und so angeblich die Welt zu retten, ist Verrat an unseren ältesten Weggefährten.

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      • Stadtmensch sagt

        >>Unterstützung von Forschung, die zu einem besseren Verständnis unserer Nutztiere >>und damit auch zu besseren Haltung führenden, dringend angezeigt

        Ich verstehe. Unsere „soziale Marktwirtschaft“ mit ihren hehren Lippenbekenntnissen zu einem evolutionärem Humanismus kann das natürlich nicht leisten. Für Tierwohl muss der bewegungsbewegte Moralist schon selber sorgen. Ich hätte es gerne gesehen, wenn auch mein desinteressierter, ebenfalls besserlebender geistig träger Mitbürger per Zwangsabgabe (Steuern) zu einem Beitrag gezwungen wird. Oder eben, dass auch der profitabel arbeitende Tierhalter, einen Teil seines Gewinns darauf verwenden muss. So etwas ließe sich mit politischem Willen sicher organisieren. Die NGO sind jetzt eben dazu da, allen Beteiligten ihre Selbstgerechtigkeit, Unmoral, usw. ständig unter die Nase zu reiben.

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        • Martin Grube sagt

          Die Verbraucher nutzen wohl eher den Selbstzweck und die Selbstgerechtigkeit der NGOs um nicht selber ihr Verhalten zu ändern. Da reicht eine Spende an den der am Lautesten schreit und das Gewissen ist beruhigt. Als Einzelner kann man ja eh nichts machen….
          Ist wie im Mittelalter mit dem Pranger und dem Ablasshandel.

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          • Stadtmensch sagt

            @Martin
            Ich finde das dauernde Vergleichen von NGO mit religiösen Eiferern im Mittelalter nervig. Wie wir ja alle wissen, ist die Haupquelle für Informationen aus der Landwirtschaft der Bauernverband. Das lässt sich schon eher mit Mittelalter vergleichen, wo nur die Kirche die Deutungshoheit hatte. Ohne NGO (und den ihnen zuarbeitenden Wissenschaftlern) gäbe es weder einen Weltagrarbericht noch irgend eine andere Sicht auf die Landwirtschaft als die ökonomische. Und die ökonomische Sicht (produktivität- statt efizienzorientiert, Tiere an an Haltungsbedingungen anpassen, …) ist zwar aus einzelwirtschaftlicher Sicht rational – systemisch aber nicht nachhaltig. Seit 1950 haben wir weltweit 1/3 aller Ackerböden durch Degradation verloren und 2,5% Verlust kommen jährlich dazu…

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        • Bauer Willi sagt

          Immer wieder erstaunlich, wie Sie es immer wieder schaffen, bei jedem Thema die selbstgeschnitzte Moralkeule rauszuholen und mir damit den Tag zu verderben…
          Akzeptieren Sie doch einfach mal dass nicht alle Wünsche der Bürger nicht. gleich am nächsten Tag umgesetzt werden können. Mehr will der Artikel nicht sagen.

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          • Stadtmensch sagt

            Oh – ich habe vergessen den Artikel zu loben. Ich bitte vielmals um Verzeihung. Der Artikel findet meine volle Zustimmung. (ist ernst gemeint)

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        • Sabine sagt

          Das Unter-die-Nase-reiben scheint ein recht einträgliches Geschäft zu sein. Da lässt sich wohl prima von Leben und gerade bei Peta versickern Millionen im vereinseigenen Wasserkopf. Millionen, die in der Forschung für eine bessere Tierhaltung fehlen und auch Millionen, die dem Verbraucher am Ende fehlen bessere Haltungsmethoden zu honorieren. Laut Stiftungwaren Test haben die sechs unwirtschaftlichsten Tierschutz-Orgas zusammen eine Jahreseinnahme von 50 Millionen Euro. Damit könnte man mindestens einen Versuchshof für Nutztierhaltung finanzieren, denke ich.
          Wie wenig Interesse man an den Lebensumständen der Tiere hat, zeigt sich für mich auch daran, dass viele Veggi-und Tierrechts-Grüppchen dazu aufrufen den #schweinebesserhalten mit Gruselbildern zu kapern, statt sich darüber zu freuen, dass es Leute gibt, die sich um Verbesserungen bemühen.

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      • Anwalt der Tiere sagt

        Forschungsmittel sind bei Wiesenhof & Co. sowie dem LEH ausreichend vorhanden. Wenn nur ein wenig Forschung nötig wäre, um Kannibalismus zu beenden, hätte Wiesenhof längst darin investiert, schon allein um die Akzeptanz der maximal effizienten Hühnerproduktion zu sichern.

        NGOs und die Öffentlichkeit erhöhen hier den Druck, dass Verbesserungen vorgenommen werden. Von wem geht denn der Druck aus, dass bald eventuell die in-ovo-Geschlechtsbestimmung kommt?

        Mit anderweitigen Verbesserungen kommt aber die Geflügelwirtschaft nicht voran. Viel wichtiger ist daher die Senkung der Nachfrage nach Fleisch. Dadurch werden nicht nur viele Tiere verschont, d.h. bei einer Senkung des Geflügelkonsums um 10 % 70,1 Mio. einzelne Hühner, Puten, Enten und Gänse (vgl. http://www.bmel.de/DE/Tier/Nutztierhaltung/Gefluegel/gefluegel_node.html). Eine Reduzierung des Fleischkonsums kommt auch den Gewässern, Böden, Grundwasserkörpern und dem Klima zugute. Nicht umsonst gibt es nun das Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission wegen der Nitratprobleme.

        Ich verstehe nicht, dass man das als Tierhalter nicht wahrhaben will.

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        • Sabine sagt

          Wiesenhof gehört ja zur den Lohmännern und, ups, ja die unterstützen eben auch die eher grundsätzliche Forschung. Wobei ich finde, wenn man an der bösen Lebensmittelindustrie was zu meckern hat, dann darf man schon über die Konzentration der Hybridzucht auf nur 4 Firmen weltweit gruseln. Der LEH kauft sich lieber Persilscheine bei den NGO’s…. ist es Penny oder Lidl, die mit dem WWF werben?
          Und nein, ich sehe in der in-ovo Geschlechtsbestimmung keinen Fortschritt für die Tiere, weil sie erst so spät möglich ist, dass es eher eine unschöne Spätabtreibung wird, wenn sie denn je in der genügenden Breite technisch umgesetzt werden kann.
          Die andere Möglichkeit der Geschlechtschimäre wird sich wohl schon deshalb nicht durchsetzten, weil allein das Wort schon schaurig klingt.
          Und nein, dass weniger Tiere grundsätzlich besser gehalten werden, sehe ich nicht und die Möglichkeit Premiumfleisch jeder Art so extensiv oder intensiv selber zu erzeugen hat noch jeder.
          Ich weiß, ich geh damit den Leuten auf den Senkel, aber wenn was nicht so gemacht wird, wie ich das will, muss ich es halt selber machen.

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          • Anwalt der Tiere sagt

            Interessante Aspekte. Eine Geschlechtsschimäre, ein Zwitter? Wie weit ist man denn damit? Das dürfte vielen unheimlicher sein als genveränderte Pflanzen.

            „Wenn was nicht so gemacht wird, wie ich das will, muss ich es halt selber machen.“

            Damit wird aber das Umweltproblem durch den großen Tierbestand in Deutschland und anderen Ländern nicht gelöst.

            Man kann sich drehen und wenden, wie man will. Der hohe Kosum tierischer Produkte ist kurzsichtig und unvernünftig. Selbstverständlich geht es nicht um Verbote. Jeder kann das essen, was und so viel er will. Auch unvernünftiges Handeln ist grundrechtlich geschützt.

            Aber es bedarf Maßnahmen. Externe Kosten der Tierhaltung müssten in den Preis tierischer Produkte einbezogen werden (z.B. Kosten durch nitratbelastetes Grundwasser: neue Grundwasserkörper müssen erschlossen werden und belastetes mit weniger belastetem Wasser gemischt werden). Der ermäßigte Steuersatz hat keine Rechtfertigung mehr. Und es braucht einen gesellschaftlichen Aufbruch, ein Wir-Gefühl: Wir essen jetzt alle etwas weniger Fleisch, dann können wir auf dem Land freier atmen; die Krankenkassen werden weniger Ausgaben für übergewichtsbedingte sog. Zivilisationskrankheiten (Diabetes, Bluthochdruck) haben. Hier könnten wir Vorreiter in der Welt sein wie bei anderen Umweltthemen. Denn wie viel Erden brauchen wir, wenn bald Inder, Chinesen und Russen so viel Fleisch essen wie wir, weil dort Fleisch mit Wohlstand und westlichem Lebensstil in Verbindung gebracht wird?

            Dann gibt es auch weniger Federpicken und Kannibalismus.

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            • Sabine sagt

              Geschlechtschimären…. also, wie bei Säugetieren wird grundsätzlich das Geschlecht über Geschlechtschromosome bestimmt in dem Fall W und Z, wobei allerdings die homozygoten (ZZ) Tiere männlich und die heterozygoten (WZ) Tiere weiblich sind.
              Das kennen wir noch aus der Schule, nur gibt es da noch ein paar andere Faktoren, die bei der Ausbildung des Geschlechts an bzw. abwesend sein müssen. Beim Menschen Anti-Müller…. naja, ich versuch es kurz zu machen.
              Die Aktivität dieser Faktoren können beim Huhn über die Brut-Temperatur beeinflusst werden. Ähnlich wie bei Reptilien. In Fall Huhn ist es wohl gelungen über gezielte Abkühlung des Eis die Faktoren auszuschalten, die zur Ausbildung der männlichen Geschlechtsorgane beim Embryo benötigt werden. So schlüpfen auch aus genetisch männlichen Eier Hennen, die phänotypisch „komplett“ sind und Eier legen können. Die große Kunst ist dabei, das Ei nicht so weit auskühlen zu lassen, dass der Embryo stirbt. Und genau das ist bisher im großen Stil bisher nicht gelungen.
              Auf der anderen Seite ist schon lange bekannt, dass man Hühnerembryonen geschlechtsmäßig umpolen kann, in dem man sie mit Hormonen behandelt. Allerdings müssen diese Hennen auch weiterhin mit Hormonen behandelt werden.
              Das Ganze ist wohl nicht über die aktuelle Diskussion über die Hahnenküken der Legehühner ins Rollen gekommen, sondern über die Untersuchung von natürlich vorkommenden Gynandern. Die sind jetzt nicht gerade häufig, aber sie kommen ab und an vor und gaben bisher Rätsel auf und dem sehr bekannten und häufigen Phänomen des „Verhahnens“ älterer Hennen.
              Das der hoher Fleischkonsum Diabetes verursacht ist übrigens totaler Unsinn. Insulin benötigt man für die Verstoffwechselung von Glucose und ein zu hoher Anteil an Stärke und Zucker in der Diät kann zur Diabetes führen. Anhaltend hohe Insulinwerte durch vermehrte Aufnahme von Stärke und Zucker verhindern den Abbau von körpereigenem Fett und führen daher zu Übergewicht. Was wieder zu Herz-Kreislauferkrankungen und noch ein paar anderen unschönen Erkrankungen führen kann.
              Unser ganzen Zivilisationskrankheiten findet man zudem kaum bei Gesellschaften, die einen traditionell hohen Anteil an tierischen Produkten in der Diät haben. Die Inuit z.B. kannten weder Diabetes noch Karies bevor man sie mit Stärke und Zucker aller Art beglückte.

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            • Anwalt der Tiere sagt

              Vielen Dank. Gynander, Verhahnen alter Hennen, was es nicht alles gibt.

              Was die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2 betrifft, sind die Wirkmechanismen nicht geklärt. Es ist aber neben Veranlagung eine stark durch Ernährung bedingte Krankheit. Hoher Zuckerkonsum als Grund für die Insulinresistenz steht aber nicht fest. Feststeht, dass die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes zu erkranken, signifikant mit dem Übergewicht steigt. Für Übergewicht kommt es aber nur auf eine langfristig positive Kalorienbilanz an, die hat man schnell durch Süßigkeiten oder Fleisch, vor allem rotes Fleisch und Wurst.

              Man kann zwar auch mit hohem Anteil tierischer Proteine eine ausgeglichene Kalorienbilanz erzielen. Mit hohem Fleischverzehr korreliert aber eine hohe Wahrscheinlichkeit für Übergewicht. Vegetarier sind seltener dick, Veganer noch seltener. In der Ernährungswissenschaft (s. z.B. DGE, US Department of Agiculture, Nutrition Guidelines for Americans 2015) ist es gesichert, dass die Grundlage einer ausgewogenen Ernährung Gemüse und Vollkorn bilden und Fleisch, wenn, nur eingeschränkt gegessen werden sollte. Tierische Fette (gesättigte Fettsäuren) sollten möglichst durch pflanzliche Öle (nicht: Palmfett) ersetzt werden. In Deutschland überschreiten die Menschen die empfohlene Höchstmenge für Fleisch um gut das Doppelte, in USA noch mehr. Die Inuit-Studie war ein Mythos und ist widerlegt. 🙂

              Wer viel Fleisch isst, isst auch meist viel Süßigkeiten und umgekehrt, so ist mein Eindruck, und ist auch meist übergewichtig, wie ca. 2/3 der Menschen in Deutschland.

              Ich will Sie aber nicht belehren. 🙂

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            • Anwalt der Tiere sagt

              „Die Inuit z.B. kannten weder Diabetes noch Karies bevor man sie mit Stärke und Zucker aller Art beglückte.“

              Sie kannten es tatsächlich nicht, es wurde nicht gebührend diagnostiziert. Deswegen kann die Studie wegen methodischer Schwächen nicht zugrunde gelegt werden.

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        • bauerhans sagt

          das nitratproblem der landwirtschaft in „die schuhe zu schieben“ und dann auch noch seltsame messmethoden anzuwenden(keckl.de),ist schon stark!
          ich verweise auf marode kanalisationen und kläranlagen,weil uralt und biotope!

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          • Anwalt der Tiere sagt

            Seltsame Messmethoden. Ich habe auch nicht so viel getrunken, wie das Gerät anzeigt. Mag ja sein, aber auch nach Abzug von Messtoleranzen zu besoffen. Es lässt sich nicht leugnen. Wir haben ein Fleischproblem.

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            • Andreas Schmid sagt

              Sie wissen nicht was abgeht. Da werden nur die schlechtesten Messwerte gesammelt und nach Brüssel gemeldet. Zudem findet sich oft unter Bioflächen, Naturschutzflächen oder Wald!!! ein höherer Nitratwert als unter intensiver Lanwirtschaft. Im Wald wird seit es bekannt geworden ist, dass dort höhere Messwerte zu finden sind, nicht mehr gemessen(So was ist eindeutig grüne Lobby.). Diese Fakten sind alle zu finden, da muss man sich aber die Mühe machen und die Messstellen suchen und jede einzeln bewerten. In Rheinlandpfalz haben die Grünen verboten bekommen hohe Grundwassernitratwerte, die eindeutig von einem Müllberg kommen, der Landwirtschaft zuzuschreiben.

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    • Martin Grube sagt

      Die Natur ist nicht nur schön anzuschauen, wer lange genug hinschaut sieht neben Idylle auch viel grausames. Grausam ist die Natur auch ohne Mensch. Das weiss man als Anwalt der Tiere natürlich nicht wenn man sich in Sachen Natur nur auf dem Disney Channel fortbildet.

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      • Ja richtig, die Natur ist grausam aber der Mensch wäre auf Grunde der durch ihn geschaffenen Lebensumstände und seiner gerne selbst hochgelobten Intelligenz und Emotionalität durchaus in der Lage, gewisse Umstände bewusst zu verändern, jedenfalls theoretisch … Und weil der Grossteil unter den Menschen lieber herum meckert und andere kritisiert wird es in Bezug auf die Nutztierhaltung solange nicht zu einvernehmlichen Lösungen kommen können, bis der Wert eines jeden Lebewesens ins Bewusstsein gerufen wird und die Politik den Wert der Tiere, der Umwelt und den davon finanziell abhängigen Personen weiterhin ignoriert und ihre Verantwortung an Konzerne, Spekulanten und Profitgeiern überlässt.

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