Jahr: 2018

Entzaubert

Vor ein paar Tagen kam ich wieder an meinem Zauberwald vorbei. Der Zauberwald wird gefällt. Die von mir damals geschilderte bäuerliche Idylle verschwindet also. All die kleinen und putzigen Landmaschinen sind auch schon in der Schrottsammlung gelandet. Ich habe mich dann mit dem Eigentümer unterhalten und dabei erfahren, dass sein Vater die kleine Landwirtschaft solange aufrechterhalten hat, wie es halt ging.  Er aber hätte schon vor mehr als 30 Jahren einen anderen Beruf erlernt und hat nun den Wald von seinem Vater vererbt bekommen. Nach dem Sturm Frederike „räumt er nun auf“. Darum hat er die alten Maschinen entsorgt und fällt die hiebreifen Bäume. So einfach und nüchtern sind die Geschichten oft, wenn es um Strukturwandel und „Bauernsterben“ geht. Die Weichen dafür, ob ein Bauernhof weiter bewirtschaftet wird oder nicht, werden dann gestellt, wenn die Bauernkinder ihre Berufswahl treffen.  Und sehr viele der Hofnachfolger entscheiden sich schon seit Jahren für außerlandwirtschaftliche Berufe. Die Eltern bewirtschaften dann die Höfe halt noch weiter, so lange es geht. Man spricht dann von sogenannten „Auslaufbetrieben“. Die Befürworter der Agrarwende …

Der Umbau

Wir haben in den letzten Tagen viel darüber diskutiert, wie und wohin sich die Landwirtschaft entwickeln soll. Jetzt habe ich mir mal meine eigenen Gedanken gemacht. Der Ansatz für einen Umbau ist ein völlig anderer als die bisherigen Vorschläge für eine Reform. Da viele Mitbürger der Ansicht sind, dass die derzeitige Form von Ackerbau und Viehzucht nicht umweltgerecht und „enkelfähig“ ist, sollte der in vielen Vorschlägen zu findende Kernsatz „Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ konsequent umgesetzt werden. Alle Vorschläge gelten EU-weit. Folgende Zielsetzungen sollen erreicht werden: Erfüllung der gesellschaftlichen Forderungen zu Natur- und Tierschutz Förderung der aktiven Landwirte, die die gesellschaftlichen Leistungen erbringen Schutz der hohen europäischen Standards vor wettbewerbsverzerrenden Einflüssen des Weltmarktes Steuerentlastung der Bürger Flächen- oder produktionsbezogene Zahlungen (Subventionen) werden EU-weit komplett gestrichen, die dafür erhobenen Steuerzahlungen des Bürgers entfallen. Gelder bekommt nur noch der Landwirt, der Umwelt- oder Tierwohl-Maßnahmen umsetzt. Im Ackerbau sind dies zum Beispiel Aufforstungen, Dauer-Blühweiden ohne Nutzung, Dauer-Gewässerrandstreifen, Anlage von Hecken und ähnliches. Hierdurch soll die Artenvielfalt gefördert werden. Die neu geschaffenen Umweltflächen werden einmalig vermessen, pro Hektar wird ein Betrag von 1.500 € für die …

Lösungen müssen her…

Nachdem ich am Sonntag das Koalitionspapier der GroKo „zerlegt“ habe, habe ich gestern meine Mutlosigkeit zum Ausdruck gebracht. Ich hatte gerade meine „Depri-Phase“ wie sie wohl jeder mal hat. Prompt bin ich dafür wieder kritisiert worden. Ich würde die Bauern in die Opferrolle drängen und selbst jammern. Ja, da ist was dran.  Jammern ist bequem und anderen die Verantwortung zuschieben einfach. Das ist menschlich und da nehme ich mich nicht aus. Andererseits bin ich ständig unterwegs, um meine Berufskollegen mit meinem Vortrag „Mehr Mut zur kreativen Kommunikation“ aufzumuntern,  gerade aus dieser Opferrolle herauszukommen und sich selbst in die gesellschaftliche Diskussion einzubringen. Es ist zwar nur ein kleiner Baustein, aber immerhin „bewege“ ich mich. Im wörtlichen Sinne. Gerade bin ich aus Augsburg zurückgekommen, davor war ich in Zeven (Niedersachsen), dem Westerwald und Fehmarn. Nächste Woche bin ich in Bayern, danach in Ober-Österreich. Ist nicht gerade vergnügungs-steuerpflichtig.  Und was machen derzeit die Kritiker? Der Vortrag dauert eine Stunde, danach sind viele begeistert von dem „Querdenken“, der etwas anderen Perspektive. Ob es was bewirkt? Das kann ich nicht beurteilen. Verhaltensänderungen herbeizuführen …

Enttäuschung, Zorn, Angst…

Was passiert mit der Landwirtschaft in den nächsten Jahren? Nachdem jetzt die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen vorliegen, gehen mir viele Gedanken durch den Kopf. Es ist eine Mischung von Enttäuschung (ich habe mich mit meinen Erwartungen getäuscht), Zorn (warum habe ich nur so gewählt?) und Angst (wie soll ich das alles in meinem Betrieb noch gestemmt kriegen?) Ich muss jetzt mit Bedauern feststellen, dass keine der  Parteien, auch nicht die Oppositionsparteien, offensichtlich ein Interesse daran haben, den Landwirten eine Verschnaufpause von immer neuen Gesetzen, Regelungen und Auflagen zu gönnen. Dabei hatte ich so darauf gehofft. Statt dessen wird wie bisher jede Woche eine neue Sau durchs Dorf getrieben, doch es ist keine Meldung dabei, die uns Landwirten wieder Mut macht, uns aus dem Kreuzfeuer der Kritik herausnimmt. Im Gegenteil: Jedem neuen Trend, jeder Meldung einer agrarkritischen Organisation wird nachgelaufen und überlegt, wie man auch diese Wählerschicht noch bedienen kann. Das gleiche Ziel verfolgen auch unsere Kunden, der Lebensmitteleinzelhandel. Ob nun Aldi oder Lidl, jede Kette „erfindet“ derzeit ein eigesnes Label, das sich natürlich vom Wettbewerber unterscheidet. …

Ergänzungen zum GroKo-Koalitionsvertrag

Mittlerweile werden Einzelheiten des Koalitionsvertrages bekannt. Folgende Aspekte fehlen noch: Importverbot für alle Agrar-Rohstoffe, die mittels Gentechnik hergestellt werden (z.B. Baumwolle, Mais, Soja…) Verbot aller Lebensmittel-Zusatzstoffe, Medikamenten und ähnliches, bei deren Herstellung Gentechnik eingesetzt wird (Insulin, Interferon etc.) Importverbot für alle Agrar-Rohstoffe, bei denen Anbau oder in der Fruchtfolge Glyphosat eingesetzt wird (Baumwolle, Mais, Soja…) Importverbot für alle tierischen Produkte, bei denen die deutschen Regelungen zum Tierwohl nicht beachtet werden Ausgabe von CO2-Zertifikate an Land- und Forstwirte, deren Pflanzen CO2 binden. Die Zertifikate sind handelbar. Sofortige Einrichtung eines Lehrfachs „Ernährung und Landwirtschaft“ in allen Schulformen (mindestens 4 Stunden pro Woche) Pflichtpraktikum in der Landwirtschaft (Minimum 2 Wochen) Ausbildungsinitiative Landwirt/in zur Förderung des bäuerlichen Nachwuchses Verpflichtende Quote für den Kauf von Bio-Lebensmitteln für jeden Bürger. In öffentlichen Einrichtungen, Altenheimen, Kindergärten und Mensen wird Bio Pflicht. Gesetzlicher Preisaufschlag für alle Lebensmittel, der als Erschwerniszulage (für die neuen Auflagen) direkt an die Landwirte weitergeleitet wird. Erfassung durch LEH. (siehe Initiative Tierwohl) Zwangszerschlagung aller Lebensmittel-Ketten mit mehr als 1 Mrd. € Umsatz zur Vermeidung und Abwendung von Konzentrationsstörungen beim LEH. Schaffung einer wirksamen Kartellbehörde. …

Die Wendungen der Wende

Die folgenden Zeilen sind eine (subjektive) Zusammenstellung von Zitaten aus mehreren Schwerpunktbeiträgen zur Energiewende. Sie stellen all den daran Beteiligten, all den dafür Verantwortlichen, all den Studien, all den Prognosen und all den Berechnungen ein Zeugnis aus für die letzten 10-15 Jahre. Und wenn ihr das Wort „Energie“ durch „Agrar“ ersetzt, kommt ihr zu interessanten Erkenntnissen. Höchste Strompreise, keine CO2-Einsparung, wachsende Konflikte mit dem Naturschutz, Gefahren für die Versorgungssicherheit und unveränderte Importabhängigkeit: Die Zwischenbilanz der Energiewende ernüchtert. Tatsächlich ist Versorgungssicherheit das einzige Kriterium, das wirklich zählt. Denn Energie hat keinen Wert und keinen Nutzen, wenn sie nicht überall dort, wo man sie braucht, und immer dann, wenn man sie braucht, in der erforderlichen Form und Quantität zur Verfügung steht. Versorgungssicherheit ist kein Luxusgut, das man ohne größere Folgen aus der Perspektive eines wankelmütigen Zeitgeistes betrachten darf, sondern notwendige Basis für die Aufrechterhaltung einer freien und wohlhabenden modernen Gesellschaft. Die Zuverlässigkeit eines Versorgungssystems ist dabei nicht primär an der Menge der bereitgestellten Energie zu messen, sondern wesentlich an dessen Widerstandskraft gegen Fehler und Störungen. Es sollte …

GroKo-Ergebnis: Verbot von…

Wie top agrar online am Samstag abend (3.2.2018 gegen 20:30 Uhr) berichtet, haben sich die Verhandlungspartner der GroKo beim Thema Landwirtschaft geeinigt. Der Einsatz von Glyphosat soll so schnell wie möglich beendet werden Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen soll verboten werden Einführung eines staatlichen Tierwohl-Labels Verbraucherinformation zu umstrittenen Praktiken bei der Tierhaltung Ende des Kükentötens Verbindliche Ziele zur CO2-Einsparung auch im Bereich Landwirtschaft Gefährliche Wölfe können getötet werden Hier die Meldung im Wortlaut: https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Groko-Einigung-Landwirtschaft-ohne-Ueberraschungen-9022663.html Was soll man dazu sagen? Ich sage da erst einmal nichts zu… Euer Bauer Willi P.S.: Hier noch eine Meldung von Tagesschau.de: https://meta.tagesschau.de/id/131221/groko-einigung-bei-landwirtschaft-und-umwelt

Plauderei aus Berlin

Mit Podcast´s kennen wir uns nicht so auch. Soll aber derzeit wohl ein angesagter Trend sein. Der nachfolgende Podcast ist dann auch nicht von uns, sondern von Peter und Thorsten, die die Seite www. farmcast.de betreiben, in denen Podcast´s rund um die Landwirtschaft veröffentlicht werden. Sie haben mich auf der Grünen Woche getroffen und mich nach meiner Arbeit gefragt. Hört doch mal rein.  

Zeit der Wundertüten

Nur für Landwirte! Und die, die es interessiert 🙂 In den nächsten Wochen und Monaten kommen sie wieder in großer Zahl: die mehr oder weniger beliebten Produktkataloge der diversen Anbieter. Und nicht nur das. Gleich nach Weihnachten beginnt die Zeit wo die verschiedensten Firmen bei den Landwirten ihre Produkte für das Jahr anbieten. Die großen und kleinen Saatgutfirmen versenden Kataloge, Flugblätter und Karten, in denen sie für Neues und Bewährtes werben und für Sorten mit den entsprechenden Versuchsergebnissen darstellen und anpreisen. Und immer steht ihre Sorte ganz oben Im Winter kommen auch die dicken Produktkataloge der verschiedenen Hersteller von Pflanzenschutzmitteln. Verwiesen wird je nach Kultur auf Vorteile, Produktprofil und Wirkungsweise, Praxistipps, Anwendungsmengen und -zeiträume. Dargestellt werden Wirkungsspektren, bei Schwachstellen wird auf sinnvolle Ergänzungen verwiesen und von kurzen oder längeren Erfahrungsberichten von Anwendern begleitet. All diesen Kataloge und Prospekte sind umfangreich und informativ. Keine Frage. Aber… Sex sells? Sie kommen in Unzahl daher (… werden einem fast kiloweise nachgeworfen), sie sind sündhaft teuer gemacht (Hochglanzpapier ist schon fast das unterste Niveau). Auch werden – unaufgefordert – Werbegeschenke …

Die andere Meinung: ein besserer Bauernhof ist nicht käuflich

Wir haben in den letzten Tagen einige Beiträge erhalten, in denen Leser unseres Blogs ihre persönliche Meinung zu Dingen rund um Landwirtschaft und Gesellschaft äußern. Diese Beiträge wollen wir in loser Reihenfolge unter der Rubrik „Die andere Meinung“ veröffentlichen. Und wie heißt es so schön im Presse-Deutsch: „Der Text gibt nicht immer die Meinung der Redaktion wieder“. Er soll aber zur Diskussion anregen. Roland Röder ist Geschäftsführer der Aktion 3. Welt Saar e. V.  (www.a3wsaar.de) die zum Trägerkreis des Bündnis Meine Landwirtschaft gehört, ihren Sitz im Saarland hat und bundesweit tätig ist. Er kennt die NGO´s aus verschiedenen Perspektiven und nimmt wie jedes Jahr an der »Wir haben es satt«-Demonstration teil. Hier sein Beitrag, der zuerst in der Wochenzeitung Jungle World erschien. Danke für die Erlaubnis, ihn hier zu veröffentlichen. Auch in diesem Jahr demonstriert ein großes Agrar- und Umwelt­bündnis für eine »nachhaltige Landwirtschaft«. Über Konsum­empfehlungen und Bauernromantik kommt es dabei jedoch nicht hinaus. Die Rollen sind klar verteilt: hier die gute nachhaltige Landwirtschaft, dort die böse Agrarindustrie. Zum insgesamt achten Mal wollen am kommenden ­Wochenende in Berlin einige …