Jahr: 2018

Tunnelblick…

Gestern, am Samstag nachmittag bin ich von einer dreitägigen Vortragstour, diesmal durch Bayern, wiedergekommen. Wenn dann, wie in Straubing, über 1000 Landfrauen zuhören, ist das schon ein besonderes Erlebnis. Ich hatte den Eindruck, dass sie verstanden haben, was ich ihnen mit meinen Ausführungen „Mehr Mut zur kreativen Kommunikation“ sagen wollte. Dann schalte ich den PC an und lese einen Kommentar bei top agrar online, wo auf eine Vortragsankündigung hin folgendes zu lesen ist: Sein Erfolgskonzept: Kritisiere immer alle anderen, aber nie den Bauernverband. Und genau deswegen kann ich diese Person nicht ernst nehmen. Wer mit Tunnelblick agiert und diese Baustellen bewusst ausklammert, der hat nicht den Blick aufs Ganze und kommt zwangsläufig auch nicht auf die richtigen Lösungen. Das Problem durchzieht den Bauernverband auch selbst und hat uns heute dahingebracht wo wir als Landwirte stehen, leider. https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Bauer-Willi-kommt-ins-Buergerhaus-Espelkamp-9044555.html Tja, frage ich mich da, was mache ich falsch? Soll ich mich in die Reihe all derjenigen einreihen, die den Verbänden die Schuld bzw. die Verantwortung für die Entwicklungen der Landwirtschaft in Deutschland geben? Das wäre einfach, denn zu kritisieren gäbe …

„Neues Lebensmittelgift aus USA“

So titeln gleich mehrere Portale, die alle den gleichen Text verwenden. Es handelt sich dabei um Isoglukose, die bei uns besser bekannt ist als Glukose-Fruktose-Sirup. Unter dieser Bezeichnung findet sich das Süßungsmitteln, das meist aus Maisstärke hergestellt wird,  in vielen verarbeiteten Produkte. https://de.sott.net/article/28916-Neues-Lebensmittelgift-aus-USA-still-und-heimlich-in-Europa-zugelassen-Isoglukose https://www.fischundfleisch.com/hausverstand/neues-lebensmittelgift-aus-amerika-in-europa-angekommen-33343 Anders als im Text angegeben ist Isoglukose nicht neu in der EU zugelassen worden. Und es ist auch nicht aus USA angekommen, sondern wird seit vielen Jahren in Europa produziert. http://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Deutschland-Welt/Wegfall-der-Zuckerquoten-bringt-neue-Konkurrenz Wie beim Zucker aus Zuckerrüben gab es auch für Isoglukose eine Produktionsquote, die im Herbst 2017 aufgehoben wurde. Richtig ist jedoch, das Glukose-Fruktose-Sirup gesundheitlich kritischer zu bewerten ist als der bekannte Haushaltszucker. Der höhere Fruktose-Gehalt führt zu einem geringeren Sättigungsgefühl, was zu negativen Erscheinungen führen kann. https://de.wikipedia.org/wiki/Maissirup Anders als bei Rübenzucker, bei dem der Zucker physikalisch (Erhitzung)  aus der Rübe herausgelöst wird, wird bei Isoglukose die Maisstärke mittels Enzyme chemisch aufgespalten. Ob diese Enzyme gentechnisch hergestellt wurden, muss nicht angegeben werden. http://www.transgen.de/datenbank/zutaten/2531.isoglucose.html Da ich ja Rüben anbaue, werde ich also beim Rübenzucker bleiben. Ist doch logisch! Und ob Zucker dick oder krank macht, hat jeder selbst in …

2018 wieder mehr Wintervögel!

Die Zählung der Wintervögel, veranlasst durch den NABU, hat sehr erfreuliche Ergebnisse zu vermelden. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 11% mehr Vögel gesichtet. Die Zahl der Vögel pro Garten stieg von 34 auf 38 an. Besonders hervorzuheben ist die Zunahme von Staren, die in jedem 13. Garten gesichtet wurden. Im Vorjahr war er nur in jedem 25. Garten gesehen worden. Für den Rückgang an Amseln wird das Usutu-Virus vermutet. https://www.nabu.de/news/2018/02/23924.html

Sätze aus dem Koalitionsvertrag…

…zu den Themen Landwirtschaft, Ernährung, Umwelt, die mir aufgefallen sind. Also eine rein subjektive Auswahl. Den Link zum Volltext findet ihr unten. S.84: Wir wollen eine multifunktional ausgerichtete, bäuerlich-unternehmerische, familiengeführte und regional verwurzelte Landwirtschaft erhalten Wir wollen weniger Bürokratie und mehr Effizienz für eine marktfähige Landwirtschaft, die gesunde Lebensmittel nachhaltig produziert. ..Wir achten auch auf ertragsschwache Standorte mit geringen Bodenwerten. Ein Gentechnik-Anbau-Verbot werden wir bundesweit einheitlich regeln. S. 85: …werden wir den Ökolandbau weiter ausbauen, um einen Flächenanteil von 20% nachfrageorientiert und bei Ausbau der Forschung bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Die Attraktivität des Anbaus von Eiweißpflanzen wollen wir im Rahmen der Weiterentwicklung der Eiweißpflanzenstrategie erhöhen. Die Umsetzung der Ackerbaustrategie für u.a. umwelt- und naturverträgliche Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln werden wir gemeinsam mit der Landwirtschaft vornehmen und adäquat mit Fördermitteln für Maßnahmen zur Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie und insbesondere des Insektenschutzes untersetzen Wir werden die Potentiale der Digitalisierung…fördern S: 86: Grüne Berufe sollen attraktiver und zukunftsfähiger werden. Die Erkennbarkeit von tierischen Lebensmitteln, die über die gesetzlichen Vorgaben der Haltung hinausgehen, wollen wir verlässlich, einfach und …

Bürger gegen Bio-Massentierhaltung

Jetzt wird es echt schwierig. Nördlich von Berlin hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die gegen den Bau von Hühnerställen ist, in denen Bio-Eier produziert werden sollen. Hier der Text eines Briefes an den zuständigen Ministerpräsidenten Woidke: http://www.contra-eierfabrik.de/aktuelles/offener-brief-dietmar-woidke/ Dabei ist das keine neue Entwicklung. Auch in den Niederlanden werden Bio-Eier  (für Aldi Süd) in großen Ställen produziert. Darüber berichtete der SWR: http://www.ardmediathek.de/tv/MARKTCHECK/ALDI-S%C3%BCd-Bioeier-von-gl%C3%BCcklichen-H%C3%BChnern/SWR-Fernsehen/Video?bcastId=1665616&documentId=43530624 Ähnlich auch ein anderer Bericht: http://www.mittelbayerische.de/wirtschaft-nachrichten/bio-eier-aus-massentierhaltung-21840-art1611967.html Laut Aussage des ARD-Beitrages bekommt der niederländische Hühnerhalter für ein Ei 15 Cent. Bei Aldi wird es dann für 26 Cent verkauft, was für ein Bio-Ei günstig ist. Und jetzt die Frage: wie sollen Bio-Eier produziert werden und was dürfen die dann kosten? Wie viele Hühner dürfen in einem Stall sein? Wie viel Auslauf sollen sie bekommen, damit der Bürger damit zufrieden ist? Und eine mehr grundsätzliche Frage: warum müssen Bio-Eier vom Discounter kommen? Warum kauft kaum ein Verbraucher im Hofladen, wo jeder sehen kann, wie die Tiere gehalten werden? Wie war das noch mal mit der Umfrage? „85% der Bevölkerungen würden ja gerne mehr bezahlen, wenn…“ Bisher hatte …

Was will der Kunde?

Diesen Brief schickte mir eine Bäuerin aus Bayern. Er spricht für sich selbst.  Hallo „Bauer Willi“ ich bin eine der weiblichen, stillen Mitleserinnen, die auf einem Hof eingeheiratet haben. Ich komme aus der Landwirtschaft und mein Herz hängt wirklich dran. 2008 haben wir uns entschlossen, in einem rein ackerbaulichen ausgerichteten Ausläufer des bayrischen Gäuboden, einen Hähnchenmaststall zu bauen. Die damalige Genehmigungsphase (2009) war oftmals sehr kräftezerrend – aber letztendlich ging es. Wir hatten keinerlei Probleme mit der Bevölkerung. Damals nicht und auch heute nicht. Wir sind von Anfang an sehr offen mit der -uns durchaus bewussten- Thematik umgegangen. Seitdem versuchen wir den Endverbrauchen, dem Handel, jeglichen Interessierten, Jung und Alt, da abzuholen wo er sich befindet. Bis jetzt ist es uns gut gelungen. Es war für uns wichtig, den neuen Betriebszweig gut in den bereits vorhandenen zu integrieren. Wir wollten wieder eine Kreislaufwirtschaft (Weizen als Futter, dadurch Fleischproduktion und natürlicher Dünger für Feld auf dem dann wieder eine Frucht angebaut wird…..) um ein innerbetriebliches Wachstum generieren, um so weiterhin von unserem Betrieb leben zu können. …

20.000 und weiter unterwegs…

Still und leise hat sich vor ein paar Tagen der 20.tausendste „Bauer Willi“-Abonnent auf unserer Facebookseite registriert. Herzlichen Dank dafür! Wir wissen nicht, wer es war. Ob Mann ob Frau, ob Landwirt oder Angestellter? Wir hätten Ihr oder Ihm auch ein Schnäpschen spendiert – ist ja grad Karneval – da darf man das. Jedenfalls sind wir sehr berührt darüber, dass die Schar unserer Abonnenten immer weiter wächst. Abonnenten sind übrigens nicht gleich „Gefällt mir“-Klicks. Sondern ein Abonnent will definitiv keine Meldung von uns verpassen und bekommt bei jedem Post eine Nachricht. Witzigerweise haben wir sogar einige hundert Abonnenten mehr als „Gefällt-mir-Klicks“. Also scheinen unsere Meinungen, Bilder, Beiträge und Videos im Blog, Facebook und Youtube doch interessant zu sein für unsere Abonnenten. Das ist natürlich auch ein Ansporn für uns. Auch wenn es manchmal Mühe macht, die hohe Schlagzahl aufrecht zu erhalten. Aber wenn wir sehen, dass Lidl 2,5 Mio und Aldi, Rewe und Edeka auch je eine Million Abonnenten hat, dann wissen wir halt auch, dass wir noch „Potential nach oben“ haben. Vielleicht sollten wir …

Die Agrarsubventionen sind in der Kritik.

Prof. Grethe schlägt eine „Gemeinwohlprämie“ vor. Statt Lebensmittel werden Umweltleistungen bezahlt. Zitat: „Das Prinzip ist ganz einfach. Die Gesellschaft muss formulieren, was sie von den Landwirten will – schöne Landschaften, sauberes Wasser, Tier- und Klimaschutz. Und sie muss auch bereit sein, dafür zu zahlen.“ Passt doch ganz gut in die Themenreihe der vergangenen Woche. 🙂Was meint ihr zu dem Vorschlag? http://www.zeit.de/2018/04/landwirtschaft-tierschutz-umweltschutz-eu-harald-grethe

Wenn der „Stoff“ strömt…

Nein, hier geht es nicht um Karneval und den „Stoff“ der dann strömt. Es geht vielmehr um die neue „Stoffstrombilanz“, die nahezu alle Bauern (Ausnahmen siehe Link) ab diesem Jahr erstellen müssen. Zwar habe ich schon seit mehr als einem Jahrzehnt eine sogenannte „Hoftorbilanz“ gemacht, um den Import und Export der Nährstoffe in meinem Betrieb zu belegen, aber das reicht jetzt nicht mehr. Neben dem Dünger, den ich bisher ausgebracht habe (egal, ob mineralisch oder organisch) müssen jetzt auch noch das Saat- und Pflanzgut und andere Faktoren als Nährstoffimport/export aufgeführt werden. Wenn man bedenkt, dass ich etwa 170 kg Weizen auf 10.000 Quadratmeter aussäe (17 g pro Quadratmeter) kann man sich vorstellen, welche ungeheuren Nährstoffmengen da zusammenkommen (Ironie!) Für die Erstellung der Stoffstrombilanz werden etwa 1-3 Bürotage veranschlagt. Im einem Betrieb mit Viehhaltung ist es aufgrund der Futtermittel und des Exportes von Milch, Fleisch, Eiern etc. natürlich wesentlich aufwändiger als in einem reinen Ackerbaubetrieb. Hier mal ein kleiner Einblick. Für den schnellen Leser reicht das Video rechts auf der Seite. http://www.stoffstrombilanz.com/ Wenn ich die Stoffstrombilanz …

Die ultimative App…

…für alle, die mal ihre Bauern vor Ort denunzieren wollen. Und das ganz anonym! https://play.google.com/store/apps/details?id=de.mcimngt.umweltsuenden Und so geht´s: Vorfall eingeben, die App übernimmt den Standort ganz automatisch, Foto hinzufügen und fertig. Dann kann man den Vorgang als pdf-Datei ausdrucken und abschicken. Wer möchte, kann auch noch seinen Namen und die Telefonnummer hinzufügen. Das Ziel: (Zitat)“Es ist Ziel, einen Überblick zu erhalten, wie groß die negativen Einflüsse auf die Natur in den Gemeinden, Landkreisen und im Land sind. Dazu zählen zum Beispiel: Vorkommnisse durch extensive und industrialisierte Landwirtschaft (Einsatz von Pestiziden, Havarien von Gülle, Gärreste und ähnliches, Zerstörung von Wegerainen und anderen Gebieten, die für den Erhalt unserer Umwelt und für den Artenschutz wichtig sind.“ (Zitatende) Geschrieben wurde die App von der Firma mci management concepts (https://www.mci-mngt.de/)  deren Inhaber als Vertreter der Grünen im Gemeinderat von Fintel (Niedersachsen) sitzt. Vielleicht will sich ja jemand bei dem Herrn bedanken… Euer Bauer Willi