Monate: August 2017

Gewöhnungsbedürftig…

…ist das obige Bild sicherlich nicht nur für Landwirte. Habe ich hier in der Nähe aufgenommen. Sieht ja irgendwie „unordentlich“ aus. Hat der Bauer etwa nicht anständig gearbeitet? Nein, es handelt sich um einen mehrjährigen Blühstreifen, der bei einem Kollegen in der Nachbarschaft zu sehen ist und der wissenschaftlich beobachtet wird. (Der Blühstreifen, nicht der Nachbar 😉 ). Die Pflanzen, die dort zu finden sind, wurden alle eingesät. Es ist also keine natürliche Vegetation, die sich von selbst entwickelt hat. Sinn und Zweck einer solchen Maßnahme ist es, Wildbienen, Faltern, Feldlerche und Rebhuhn aber auch Hase und Reh einen Rückzugsort anzubieten. Durch die Aussaat von seltenen Wildkräutern wird auch den Pflanzen wieder die Möglichkeit der Ansiedlung gegeben. Dafür sollte aber der Blühstreifen mindestens 5 Jahre stehen bleiben, damit sich Pflanzen und Tiere etablieren können. Einmal im Jahr, möglichst am Ende des Winters, sollte die Fläche gemulcht werden, damit die Pflanzen wieder neu austreiben können. Dabei ist aber darauf zu achten, dass sich keine dichte Matte von organischem Material bildet, ansonsten ersticken sie. Durch die Auswahl verschiedener Pflanzen blüht ein solches Feld …

Dicker dritter Schnitt

Hier ist der Alois. Der dritte Schnitt steht bei uns im Oberallgäu an – und was für einer! Ein satter und dicker Ertrag – trotz extensiver Bio-Bewirtschaftung. Aber eigentlich auch kein Wunder, denn unterm Strich haben wir im Allgäu einen Super Sommer. Immer warm und immer wieder rechtzeitig Regen. Der Klimawandel macht es möglich. Es gibt also nicht nur negative Seiten des Klimawandel. 😉 0

Interview mit dem WWF: Glyphosat, der Pflug und die Regenwürmer…

Frau Dr. Wilhelm ist beim WWF zuständig für Fragen rund um nachhaltige Landwirtschaft und befasst sich inhaltlich mit zwei Schwerpunktthemen: Soja/Eiweißfuttermittel und Boden. In einem Artikel mit der Überschrift „Bauer Willi und Co. spielen falsch bei Glyphosat“ antwortet sie auf unseren Brief an Ministerin Hendricks. Nachdem wir telefonisch einen Streit über das verwendete Zitat geklärt hatten, haben wir uns aber noch über das Thema Boden und Ökolandbau unterhalten und daraufhin vereinbart, dass wir dieses Gespräch öffentlich führen wollen. Frau Wilhelm, worin besteht der Unterschied, ob ein Bio-Bauer oder ein konventioneller Bauer pflügt? Ein Pflug ist ein Pflug ist ein Pflug. Ich bin zwar keine Bäuerin, aber während meines Studiums waren zum Glück noch zwei Praxissemester notwendig und in diesem Rahmen hab ich auch mal auf einem Biobetrieb gepflügt und während meiner Lehre als Gemüsegärtnerin auch auf einem konventionellen Betrieb. Abgesehen von unterschiedlichen Maschinen konnte ich persönlich keinen Unterschied feststellen. Die Umstände machen den Unterschied beim Pflügen: Wird flach oder tief gepflügt? Sind die Regenwürmer zum Zeitpunkt des Pflügens aktiv oder in Winter- oder Trockenruhe? Gibt …

Auf zwei unterschiedlichen Ebenen…

…diskutieren wir häufig, wenn es um Natur- und Artenschutz geht. Gerade bei den Artikeln der letzten Woche kommt dies in den Kommentaren deutlich zum Ausdruck. Wir alle lesen ja jeden Tag, dass die Zahl der Insekten, der Vögel, der Amphibien von Pflanzen oder sonstiger Arten zurückgeht. Seit Jahren gibt es Rote Listen, die dies belegen. Wir alle finden das schlimm, denn allein schon der Begriff „Arten-Sterben“ alarmiert. Dabei ist vollkommen klar, wer die Schuld am Artensterben hat: es ist die industrialisierte Agrarproduktion. So jedenfalls lesen wir es jeden Tag in der Presse. Mögliche andere Ursachen findet man, wenn überhaupt, „weiter unten“. Schwierige Gespräche Für mich als Bauer sind Diskussionen über Artenvielfalt immer schwierig zu führen, weil sich das Gespräch meist auf zwei Ebenen bewegt. Da ist die engagierte Naturschützerin, die Biologie und Naturschutz studiert hat, die an Biodiversitätsprogrammen mitgearbeitet hat, die Dialoge begleitet und über ein profundes Wissen in Sachen Natur- und Artenvielfalt verfügt. Und die mir immer wieder erklärt, dass die großräumigen Agrarstrukturen, der Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln und vieles andere, was wir Landwirte so tagtäglich machen, negative Auswirkungen …

RegioDay – mitmachen

„Die Leute wissen ja heute nichts mehr über Landwirtschaft und Lebensmittel“  Ja, wie denn auch, wenn sie nicht wissen, wo sie sich mit einem Bauern unterhalten können. Also nicht jammern, nicht auf andere warten sondern Selbst aktiv werden für die Wertschätzung heimischer Lebensmitteln Das ist die Idee, die hinter dem Regio Day, der am Sonntag, 1. Oktober 2017 bzw. in einem Zeitraum vom 20.9. bis 8.10. stattfindet, steht. Mehr Informationen dazu findet ihr auf unserer Homepage www.regioday.com. Hier das Wichtigste in Kürze: Was wollen wir? Dass sich möglichst viele Mitbürger der Vielfalt unserer heimischen Produkte wieder bewusst werden. Die einfache Botschaft: Heimische Produkte sind gut für die Umwelt, die Region, für die Erzeuger, die Verarbeiter, den Handel und natürlich auch diejenigen, die unsere regionalen Produkte verzehren. Wir wollen euch motivieren, mit Aktionen beim Regio Day mitzumachen. Ladet die Leute auf euren Betrieb ein. Zeigt ihnen, was ihr macht und wie ihr es macht. Und beantwortet die vielen Fragen, die unsere Mitbürger haben. Egal ob ihr Landwirt, Obstbauer, Winzer, Bäcker, Metzger, ein Handelshaus, ein sonstiges Unternehmen oder eine Organisation seid, die mit Lebensmitteln in Verbindung …

Schon wieder Brasilianer…

Ganz kurzfristig bin ich gebeten worden, wieder einer Gruppe von brasilianischen Landwirten unseren Hof zu zeigen. Beim letzten Artikel gab es ja einige Fragen von euch. Deshalb hatte ich diesmal die Kamera dabei und habe Daniel Rosenthal, den Übersetzer, dessen Eltern vor dem Krieg nach Brasilien ausgewandert sind und dort einen Bauernhof gegründet haben, interviewt. Es geht unter anderem um Glyphosat, Regenwald, Resistenzen und Fruchtfolgen. Und ich habe erfahren, dass die Betriebe in der Region Parana längst nicht so groß sind, wie ich bisher immer angenommen hatte. Ich hoffe, das Video ist für euch interessant.   0

Zukunft sucht Bauer

So lautet der Titel eines Leitartikels in der Tageszeitung „Die Welt“. Und er lautet eben nicht „Bauer sucht Zukunft“. Er beginnt mit dem Satz „Wir sollten unseren Bauern dankbar sein“. Ich habe gestutzt, als ich diesen Satz gelesen habe. Dank? Den Bauern? In welcher Zeit lebt Frau Ehrenstein, die Verfasserin des Artikels, denn? Und dann beschreibt Sie, was Bauern in den letzten Jahrhunderten alles geleistet haben. Man bedenke: die Frau ist Journalistin, sie ist nicht beim Bauernverband angestellt und wird auch von keiner Lobby bezahlt. Sie schreibt über idyllische Bilder und die Bauern, die die Nase davon voll haben, immer an der Vergangenheit gemessen zu werden. Und sie schreibt über das Verschwinden. Das Verschwinden der kleinbäuerlichen Landwirtschaft ist ebenso ein Thema wie das Verschwinden der Artenvielfalt. Und das beides in einem Zusammenhang steht. Doch Claudia Ehrenstein nimmt die Landwirte auch in die Verantwortung. Sie tut dies aber in einer Art und Weise, bei der diese auch mitgehen können. Und auch heute schon tun. Ja, es gibt – immer noch – Journalisten, die differenzieren können und ein Thema mit …