Jahr: 2016

Lieber Bürger – was würdest Du tun?

Auf dem Bild seht ihr meinen Zwischenfruchtbestand Ende Januar. Er ist dieses Jahr sehr üppig und etwa 50 cm hoch. Wir hatten hier im Rheinland zwar an ein paar Tagen Frost, der aber nicht so stark war, dass er den Ölrettich zum Absterben brachte wie es in einem „normalen“ Winter der Fall ist. (Aber was ist schon normal?) Ab Mitte März sollen hier Zuckerrüben gesät werden und bis dahin muss die Pflanzenmasse irgendwie bewältigt werden. Das Besondere daran ist, dass Ölrettich eine Art Rübe, oder wie der Name schon sagt „Rettich“ bilden kann, aus der die Pflanze immer wieder austreibt. Ist zwar gut für die Einlagerung von Nährstoffen, die so nicht ausgewaschen werden können, schwierig aber bei der Beseitigung der Pflanze. Welche Möglichkeiten habe ich? Erste Möglichkeit: Ich fahre mit der 27 m-breiten Spritze drüber und appliziere Glyphosat. Fahrspuren entstehen, wenn überhaupt, nur alle 27 m. Bei der diesjährigen Fläche von rund 20 ha benötige ich dafür incl. Rüstzeiten etwa 3 Stunden, an Diesel werden rund 16 l verbraucht. Der Wirkstoff dringt in die Pflanze ein und wandert auch in das …

Im Dialog: Der Tierarzt in der Verantwortung

Der Agrarwissenschaftler und Fachtierarzt Ernst-Günther Hellwig ist Leiter der Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) im münsterländischen Horstmar-Leer, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, nach neuester tiermedizinischer und landwirtschaftlicher Wissenschaft Tierärzte und Landwirte fortzubilden. Die stetige Optimierung des Tierschutzes, des Tierwohls und der Tiergesundheit sind  primäre Ziele der AVA Fortbildungen. Ernst-Günther Hellwig, selbst studierter Agrarwissenschaftler und Fachtierarzt bildet sehr erfolgreich seit über 15 Jahren Tierärzte, Berater und Landwirte fort. Im letzten Jahr besuchten rund 4000 Personen die AVA-Fortbildungen. Vom 17. bis 20. März findet wieder die jährliche Haupttagung in Göttingen statt, an der hochrangige Teilnehmer aus Wissenschaft und Forschung, aber auch aus Praxis und Politik erwartet werden. Ich habe Herrn Hellwig ein paar Fragen gestellt Herr Hellwig, im Programm der Tagung liest man sehr häufig den Begriff „Tierwohl“, der ja auch in der öffentlichen Debatte eine große Rolle spielt. Einfache (vielleicht auch blöde?) Frage. Was ist für Sie Tierwohl? Und was glauben Sie, wie „die Gesellschaft“ Tierwohl definiert? Die Frage ist überhaupt nicht „blöde“. Eigentlich ist das eine sehr schwierige Frage, denn die Tiere sprechen (verbal) nicht, …

„Entlarvt“ – Der „Fall“ Herrmannsdorf

Inzwischen sind wir es gewohnt, daß Politmagazine von ARD/ZDF Tierhaltung anprangern. Gerupfte Hühner, Schlachtung tragender Rinder, totgeschlagene Ferkel, man stumpft ab, hakt es ab. So wäre es auch mit der aktuellen Recherche passiert: Herrmannsdorfer. Wenn der nicht ein besonderer Betrieb wäre. Nach dem Verkauf seiner Herta-Wurstfabrik gründete Karl-Ludwig Schweisfurth einen Pionierbetrieb für ökologischen Landbau mit besonders tiergerechter Schweinehaltung. Und jetzt haben sich die Tierrechtler der „SOKO Tierschutz“ ganz gezielt diesen Betrieb ausgesucht, wie üblich mit Hausfriedensbruch heimlich gefilmt und die Aufnahmen an ARD/Fakt weitergeleitet. Und weil ja Skandalbilder von einem Vorzeigebetrieb nicht alltäglich sind, machte der Fall rasch die Runde: Bild, Süddeutsche Zeitung u.a. berichteten. Grund genug hier zwei Bauern zu Wort kommen zu lassen, die unterschiedlicher nicht sein könnten:   Standpunkt Bio Andreas Fendt, Bergbauer, „Bio-Rebell“, 8 ha, 2 Kühe, 15 Ziegen Zunächst hat der Betrieb weder gegen Gesetze noch Biorichtlinien verstoßen. Also fragt man sich, was wollen die „Tierschützer“ dann? Eigentlich wollen sie eine Diktatur des Veganismus! Dass sie keine Tierschützer sondern Tierschader sind steht für mich fest. Durch Bio-Bashing reagieren die oft …

SAUEREI – das Buch

Als der Piper-Verlag anrief, ob ich ein Buch über Landwirtschaft, Lebensmittel und Verbraucher schreiben wollte, habe ich erst einmal abgelehnt. Nach einigen Überlegungen und  ein paar Gesprächen innerhalb der Familie habe ich mich schließlich doch dazu entschlossen. Denn wenn ein renommierter Verlag einem Bauern die Möglichkeit gibt, seinen Mitbürgern seine Sicht der Dinge zu schildern, so darf dieser Bauer, egal wie er heißt, eine solche Chance nicht ablehnen. Jetzt ist es da. Mein erstes Buch. Als ich das gedruckte Exemplar in den Händen hielt und meiner Mutter (93) einige Zeilen daraus vorgelesen habe, hatte ich einen Kloß im Hals. Es war ein Abschnitt, in dem sie vorkommt, als wir noch Schulkinder waren. Es war ein bewegender Moment. Doch warum dieses Buch mit dem provokanten Titel „Sauerei“? Geht es doch wieder nur um Beschimpfung? Nein. Ich treffe häufig Mitbürger, die zu unserer heutigen Landwirtschaft zwar eine feste Meinung haben, aber nicht wirklich viel wissen. Das ist nicht schlimm, woher sollen sie es auch wissen? Da setze ich an und nehme sie mit auf unseren Hof im Rheinland. Im ersten Kapitel „Der Bauer“  erzähle ich, wie sich unser Hof …

„Hilf dir selbst…

…dann hilft Dir Gott.“  So die Erkenntnis des Milchpolitischen Frühschoppen des Milchindustrieverband (MIV) während der Grünen Woche in Berlin. Der Titel der Veranstaltung: „Wer hilft den Milchbauern?“ Auch wenn die Redner es blumig umschrieben haben: helfen wird den Milchbauern keiner. Nicht die EU, nicht die Bundesregierung, nicht die Molkereien, nicht der Lebensmitteleinzelhandel und erst recht nicht der Verbraucher. Und Charles Darwin wird wohl recht behalten mit seiner Erkenntnis „Survival of the fittest“ (Der Fitteste wird überleben). Und das muss nicht unbedingt der Größere oder der Stärkere sein, sondern der, der sich gut und schnell anpassen kann… Vorschläge zur Anpassung wurden genannt (im Video aber nur kurz beleuchtet) aber sie fanden kaum Resonanz. Meine persönliche Erkenntnis: Die Molkerei-Branche steht zur Zeit ziemlich ratlos da. Und auch für sie gilt der Spruch von Darwin. https://www.facebook.com/video.php?v=1671353196470927 http://www.milchindustrie.de/aktuelles/videos/ Danke an den MIV für das Video Produzent: www.stories-unlimited.de

Nur eine Einzelmeinung? – Gedanken einer Tierärztin…

Über Umwege erreichten uns diese Gedanken einer Tierärztin. die seit über 25 Jahren ihren Beruf ausübt. Wir haben es uns nicht leicht gemacht, ihn zu veröffentlichen und ihn deshalb vorher auch von anderen Fachleuten gegenlesen lassen. Da wir Dialog wollen, wollen wir auch kritische Stimmen zu Wort kommen lassen und Leser sollten nicht gleich  – wie es eine Bekannte ausdrückte – „Empörungs-Schnappatmung“ bekommen. Der Artikel enthält viele Fachausdrücke und ist nicht für jeden verständlich. Landwirte, Berater und Tierärzte werden aber hoffentlich verstehen, worum es der Tierärztin geht. Sie ist jedenfalls mit der derzeitigen Situation unglücklich. Oder liegt das nur an ihr? Ist es nur eine Einzelmeinung? Ich bin schon seit längerem der Meinung, dass wir in der Tierzucht viel zu weit gegangen sind, ohne irgendjemand einen Gefallen getan zu haben. Die Tiere bringen völlig überzogene Leistungen, denen wir nicht gerecht werden können. Ein Professor hat anlässlich eines Kongresses in Leipzig versucht, Stoffwechselleistungen zu vergleichen. Kühe, die rund 14.000 Liter Milch geben, bringen über die gesamte Laktation die gleiche Leistung wie ein Tour de France – Radfahrer. Das …