Bauer Willi
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Im Dialog: Der Tierarzt in der Verantwortung

Der Agrarwissenschaftler und Fachtierarzt Ernst-Günther Hellwig ist Leiter der Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) im münsterländischen Horstmar-Leer, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, nach neuester tiermedizinischer und landwirtschaftlicher Wissenschaft Tierärzte und Landwirte fortzubilden. Die stetige Optimierung des Tierschutzes, des Tierwohls und der Tiergesundheit sind  primäre Ziele der AVA Fortbildungen. Ernst-Günther Hellwig, selbst studierter Agrarwissenschaftler und Fachtierarzt bildet sehr erfolgreich seit über 15 Jahren Tierärzte, Berater und Landwirte fort. Im letzten Jahr besuchten rund 4000 Personen die AVA-Fortbildungen.

Vom 17. bis 20. März findet wieder die jährliche Haupttagung in Göttingen statt, an der hochrangige Teilnehmer aus Wissenschaft und Forschung, aber auch aus Praxis und Politik erwartet werden. Ich habe Herrn Hellwig ein paar Fragen gestellt

Herr Hellwig, im Programm der Tagung liest man sehr häufig den Begriff „Tierwohl“, der ja auch in der öffentlichen Debatte eine große Rolle spielt. Einfache (vielleicht auch blöde?) Frage. Was ist für Sie Tierwohl? Und was glauben Sie, wie „die Gesellschaft“ Tierwohl definiert?

Die Frage ist überhaupt nicht „blöde“. Eigentlich ist das eine sehr schwierige Frage, denn die Tiere sprechen (verbal) nicht, können uns aber deutliche Signale geben, ob sie sich wohlfühlen, ob sie gestresst sind, ob sie krank werden bzw. krank sind. In unseren AVA-Kursen sprechen wir viel über diese „Signale“ und üben auch mit Landwirten und Tierärzten diese „Signale zu verstehen“. Ganz einfach: Tierwohl bedeutet, dass sich die Tiere wohl fühlen. Schweine z.B. liegen in einer Seitenlage in normaler Haltung entspannt, die Atmung, ist unverkrampft, die Atemfrequenz ist physiologisch. Kühe liegen bequem in den Liegebuchten und kauen nach dem Fressen ganz entspannt wieder. Kühe sind sehr neugierig und wollen viel schauen. Unsere modernen Laufställe bieten dazu allen Komfort. Und wenn die Kühe noch freiwillig entscheiden können, wann sie gemolken werden wollen (die Robotermelktechnik macht’s möglich), dann ist es eine Freude, diese Kühe zu beobachten. Die Tierbeobachtung steht bei unseren Kursen ganz oben an, damit wir eben früh genug erkennen, wenn „etwas nicht stimmt“. So gut wie heute ging es unseren Tieren noch nie! Denken Sie an dunkle enge Kuhställe in Anbindehaltung, nasse und feuchte Kälberbuchten; enge Schweinekoben.  Die positiven Errungenschaften der letzten 20 Jahre in Sachen Tierschutz, Tierhaltung und Tiergesundheit sind phantastisch. Und ich wiederhole mich gerne: nie ging es den Tieren besser.

Kritische Stimmen sagen, dass unsere heutige Tierhaltung die Tiere überfordert. Stimmt das? Und wie ist es mit den Tierhaltern?

Nehmen wir unsere Kühe. Jede Kuh ist heute genetisch in der Lage 12.000 kg Milch und mehr pro Jahr zu geben. GENETISCH. Wir haben also Hochleitungstiere im Stall stehen, die nichts mehr mit den genügsamen Kühen vor 50 Jahren zu tun haben. Vergleichen wir die Tiere einmal mit einem VW Polo, 40 PS und einem Maserati mit 650 PS. Jedem ist klar, dass nur die Wenigsten den Maserati ohne Probleme beherrschen. Und so ist es auch bei den Kühen mit hohen Leistungen. Wir von der AVA arbeiten mit Spitzenbetrieben in Sachsen und Thüringen zusammen, die über 1.000 melkende Kühe haben. Diese Betriebe haben einen Stalldurchschnitt von weit über 10.000 kg Milch ( und das seit Jahren) und Zellzahlen von 50.000 bis höchstens 100.000 Zellen in der Milch. Die Kühe sind gesund und gebären einmal im Jahr ein Kalb. Die Tierarztkosten, oder besser gesagt „Gesundheitskosten“ (Arzneimittel werden nur im Ausnahmefall gebraucht, denn es wir immer einmal jemand krank), sind äußerst niedrig. Die Betriebe laufen einfach rund. Die Tierbetreuer sagen mir: Wir arbeiten streng nach Arbeitsanweisungen, wir bilden uns laufend fort und diskutieren fachlich mit Berufskollegen und Tierärzten. Jeder kennt seine Rolle und für die TIerbeobachtung planen wir sehr viel Zeit ein. Ein Kuhbetreuer hat nichts auf dem Acker zu suchen. Das machen andere Spezialisten. Ein Kuhbetreuer ist in seiner Arbeitszeit nur für die Kühe da und für nichts anderes. Arbeiten mit und an dem Tier ist die Grundvoraussetzung für Tierwohl und Tiergesundheit.

Massentierhaltung? Ja, es werden „eine Masse von Tieren“ gehalten – aber man sieht förmlich, wie sich die Individuen wohlfühlen. Die negative Besetzung dieses Begriffes trifft heute nicht mehr zu. Doch wir haben es versäumt, dies zu berichtigen.

Wer auf seinem Betrieb alles selbst machen muss (Säen, Düngen, Ernten, Silieren, Melken, Füttern, Trecker fahren…), macht zwar „alles“, aber die Frage bleibt offen, ob alles auch „super“ ist. Beispiel Milchviehfütterung: Die Silagequalität ist ganz wichtig, denn die Kühe brauchen allerbeste Grundfutterqualitäten – ob der Allrounder die benötigte Futterqualität (Silierhilfsmittel, Verdichtung etc.) immer hinbekommt?

Und hier kommen wir eben sehr schnell an die Grenzen des landwirtschaftlichen Managements. Wir können es „Überforderung“ nennen. Wie viele überforderte Landwirte stehen kurz vor dem Burn out? Und der Berater sagt noch: mehr Kühe, höhere Leistung, damit du Geld verdienst – so ein Quatsch. Dieser Landwirt braucht Kühe, mit denen er arbeiten kann. Mit Maseratis, die keinen Fehler verzeihen, tun wir uns gewaltig schwer. Polos sind hier weitaus toleranter. Diese genügsamen Autos stecken auch „Fehler“ mehr oder weniger gut weg. Und so ist das auch mit den Kühen. Hoch leistende Tiere verzeihen keinen Fehler, sei er auch noch so klein. Für den Allrounder ist es eben besser mit Kühen zu arbeiten, mit denen er auch gut umgehen kann. Wir müssen umdenken. Kühe und Manager (Tierwirt) müssen zusammen passen.

Was muss oder was kann denn nun anders werden?

Wir befinden uns derzeit in einem Umbruch. „Mehr Leistung“, wie das Ziel der Züchtung der letzten Jahre war, ist kaum noch in der Praxis realisierbar. Aber: Ein Milchviehbetrieb muss mit der Milch Geld verdienen, ein Ferkelerzeuger mit dem Verkauf von Ferkeln. Er will in dieser schwierigen Zeit der niedrigen Preise möglichst wenig „drauflegen“. Und gleichzeitig sehen die Bürger die Tierhaltung mehr und mehr kritisch. Wir müssen dem gerecht werden und zeigen, dass wir „es können“ und dass es den Tieren gut dabei geht. Und wenn der Tierbetreuer sich überfordert fühlt, müssen wir überlegen, ob er nicht „Golf“ fährt anstatt „Maserati“. Hierüber werden wir auf der AVA-Haupttagung einen Tag mit Tierärzten und Fachreferenten diskutieren, die sich mit dieser Thematik bereits intensiv beschäftigt haben. Wir von der AVA fordern auch die Pflicht zur Fort- und Weiterbildung der Landwirte, um zu zeigen, dass wir alle mit den neuesten Erkenntnissen landwirtschaftlicher Wissenschaft und Forschung arbeiten.

Der Untertitel der Tagung lautet ja: Verantwortung der Tierärzte für Tier, Mensch und Umwelt. Wieso eigentlich auch für Mensch und Umwelt?

Landwirte und Tierärzte sind einer ständigen Kritik ausgesetzt: „Antibiotika fördern Resistenzen für den Menschen, Antibiotika kontaminieren die Umwelt; multiresistente Keime verbreiten sich durch die Luft, allein wenn schon ein Viehanhänger durch Wohngebiete fährt,…“, so höre ich es bald jeden Tag. Und dann die so genannte Massentierhaltung, die der Verbraucher nicht mehr akzeptiert.

Die „14 Weisen“ des Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik (WBA) fordern in einem kürzlich veröffentlichten Gutachten zur Akzeptanz der Nutztierhaltung grundlegende Veränderungen der Nutztierhaltung. Die Autoren machen u.a. sehr deutlich, dass wir den Ansprüchen der Konsumenten nachkommen müssen, die der industriellen Hochleistungslandwirtschaft kritisch gegenüber stehen. Tierärzte und Landwirte dürfen diese Entwicklung nicht ignorieren. Im Gegenteil: Wir müssen auf die Bürger und Verbraucher zugehen und auf deren Wünsche und Forderungen mehr eingehen als bisher. Eine der 14 Weisen wird mit  uns auf der Haupttagung diskutieren und wir wollen gemeinsam Wege suchen, die Nutztierhaltung akzeptabler zu gestalten. Die Aufgabe der AVA, durch Prävention Arzneimittel einzusparen, dient auch dem Umweltgedanken. So kann zum Beispiel mit einer besseren Futterausnutzung eine mögliche zusätzliche Umweltbelastung reduziert werden ( geringere N-Produktion). Auch die „Tiermanager“, also die Landwirte, können durch spezielle tierärztliche Beratung betriebsindividuelle Ziele ihrer Tierproduktion diskutieren und entsprechende Schwerpunkte setzen, die nicht immer nur die Prämisse „mehr und mehr Leistung“ bedeuten muss.

Ich weiß, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Dennoch die einfache Bitte: Nennen Sie mir die aus Ihrer Sicht wichtigsten Faktoren, die zukünftig beim Schwein und Rind beachtet werden sollten.

Unsere moderne Tierproduktion ist tiergerechter denn je. Denken Sie nur im Kuhbereich an die Laufstallhaltung, wo die Tiere selbst entscheiden können, wann sie zum Melken gehen. Wir kennen alle noch die Anbindehaltung in meist dunklen Ställen, wo (in der Regel) die Bäuerin die Kühe gemolken hat. Die Arbeit war damals für die Landwirtschaft sehr mühsam und von Tierwohl konnte man, im Vergleich zum Laufstall, sicher nicht sprechen. Ähnlich bei den Schweinen, die mit Schultergurten bzw. engen Kastenstände ein Leben fristen mussten. Heute laufen die Tiere mit guter Luft, viel Licht und genügend Futter und Wasser. Die Tierhaltung hat sich enorm zum Wohle der Tiere verbessert. Natürlich mag es hier und da Ausnahmen (schlechter geführte Betriebe mit Tierwohlmängeln) geben, das darf allerdings nicht zur Verallgemeinerung und Negierung der Landwirtschaft führen.

Allerdings scheint die schon immer angestrebte Leistungsverbesserung heute an ihren Grenzen angekommen zu sein. Immer mehr, immer schneller, immer weiter… – immer mehr Milch, immer mehr geborene Ferkel, immer höhere Zunahmen… . Diese althergebrachten Ziele sind kritisch zu überdenken.

Doch jetzt konkret zu den Faktoren: Züchterisch müssen wir bei Kühen auf bessere Futterverwertung und Futteraufnahme selektieren, mit guten „Füßen“ und gesunden Tieren. Ganz wichtig ist eine physiologische Futterzusammensetzung verbunden mit bester Futterhygiene. Dem Schwein müssen wir die Möglichkeiten bieten, z.B. mittels physiologie-optimiertem Futter die Darmgesundheit zu stabilisieren. Die Züchtung sollte uns gesunde vitale und möglichst krankheitsresistente Ferkel  liefern, die von „guten“ Müttern (positive Muttereigenschaften) aufgezogen werden. Wir brauchen Züchtungen, bzw. Kreuzungen, die dem Managementgrad des Betriebes entsprechen. Jeder Tierwirt soll diejenigen Tiere in seine Obhut bekommen, mit denen er gut und optimal arbeiten kann und nicht überfordert ist, wie es heute oft der Fall ist.  Jeder Landwirt muss sich fort- und weiterbilden, damit er neue Impulse für die sich in seiner Obhut befindlichen Tiere bekommt und seine tägliche Arbeit kritisch hinterfragen und optimieren kann. Das alles ist dann gelebter Tierschutz.

 Der Tierarzt in der Nutztierpraxis ist der Managementbegleiter des Landwirts, der mehr und mehr auch Wissen über Fütterung, Haltung und landwirtschaftlichem Management haben muss. Und darum kümmert sich die Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA), die dieses Wissen und Know how an die studierten Tierärzte weitergibt, um dann mit der Tierproduktion gemeinsame Fortbildungen besucht. Die Universitäten sollen Tierärzte ausbilden, die wir dann in die  praktischen landwirtschaftlichen Managementaufgaben einarbeiten. Damit schließt sich der Kreis zur großen AVA-Haupttagung 2016 in Göttingen, wo wir rund 500 Tierärzte aus dem In- und Ausland erwarten. Schauen Sie sich das diesjährige Programm an: Über 50 Referentinnen und Referenten, alles Top-Spezialisten der Tiermedizin und Landwirtschaft. Sie haben die Aufgabe, ihr Wissen weiterzugeben. Über 30 Workshops begleiten die  viertägige Veranstaltung, damit Tierärzte in kleinen Gruppen ihre Wunschfortbildungen buchen können. AVA- Fortbildungen helfen Arzneimittel einsparen. Das ist das Ziel der Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA). Denn gesunde Tiere, die aufgrund spezialisierter Prävention nicht erkranken, die sich wohl fühlen und tiergerecht gehalten werden, sind vital und leistungsbereit. Das freut den Landwirt, den Konsumenten gesunder Produkte und dient dem Tier in einer tiergerechten Umgebung.

 

Lieber Herr Hellwig, vielen Dank für die sehr ausführlichen und aufschlussreichen Antworten. Ich wünsche Ihrer Veranstaltung viel Erfolg.

Bauer Willi

 

Wer mehr über die AVA, ihre Zielsetzung,ihre Mitglieder, Publikationen und Termine erfahren will, findet unter www.ava1.de noch mehr Informationen.

 

 

 

 

 

 

 

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54 Kommentare

  1. Stephan Becker sagt

    Noch eine Meinung einer Tiermedizin-/Agraringenieurs-Studentin, vermutlich aus Baden-Württemberg zum Thema Tierwohl von vor einem Jahr:

    Thina, 21.03.2015 22:23
    Also, im Rahmen meines Studiums habe ich eine ganze Menge Kuhställe gesehen. Ich erinnere mich gut an Ställe, in denen weniger als 35 Tiere standen, und an Ställe, in denen zwischen 70-140 Tiere standen. Die Ställe, aus denen man am liebsten rückwärts wieder rausgegangen wäre, waren in aller Regel die Ställe mit weniger als 35 Tieren. Und ich spreche hier ausschließlich vom Tierwohl. Die hygienischen Zustände, der bauliche Zustand der Stallgebäude, die schlechte Luft, der Dreck mit all den Konsequenzen die sich für die Tiergesundheit ergeben (Euterentzündungen, Verletzungsgefahr….). Schwerer Parasitenbefall, aber der Landwirt registriert nicht mal, dass seinen Tieren etwas fehlt. Kälber, noch kein Jahr alt, aber schon trächtig, weil der Landwirt unfähig war, Weibchen und Männchen voneinander zu trennen…. Was ich da so alles gesehen habe, hätte ich vorher nicht für möglich gehalten. Die besten Ställe, die ich gesehen habe, lagen bei Größen zwischen 70 und 140 Tieren. Größere Ställe kenne ich nicht und kann ich deshalb nicht beurteilen. Es gibt immer auch Ausnahmen, kleine gute Betriebe und große schlechte Betriebe. Aber unterm Strich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass kleine Betriebe nicht zwangsläufig die besseren sind, eher im Gegenteil. Zwei Tierärzte haben mir gegenüber die Meinung geäußert, dass im Interesse des Tierschutzes die wirklich kleinen Betriebe verschwinden müssten, so tragisch das auch ist. Ich denke nur, dass man sich davor hüten muss, einen Betrieb nach der Tierzahl zu beurteilen. Man muss danach gucken, wie es den Tieren tatsächlich geht und nur das kann der Maßstab sein.

    Ein späterer Kommentar dazu:
    Schwabe, 22.03.2015 16:48
    @Thina
    “Man muss danach gucken, wie es den Tieren tatsächlich geht und nur das kann der Maßstab sein.”. Das sehe ich genau so!
    Wenn es stimmt was Sie beobachtet haben wollen, was glauben Sie weshalb die Umstände in den kleinen bäuerlichen Betrieben Ihrer Meinung nach oft so schlecht sind?!
    Könnte es nicht sein, das Landwirte von solch kleinen Bauernhöfen durch die betriebene (Preis-)Politik (Molkereien, Großschlachtereien, Discounter, falsche Subventionen, etc) und der daraus resultierenden Industrialisierung ruiniert werden. Vielleicht sogar schon nur mit einem Zweitjob überleben können? Kleinen Höfen somit die Existenzgrundlage entzogen wird?
    Ich warne davor kleine Höfe schlecht zu reden ohne die Hintergründe professionell zu recherchieren!

    Von hier: http://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/207/1000-kuehe-fuer-oberschwaben-2789.html

    Bei mir in der Nähe ist ein Milchviehbetrieb mit 40 Kühen, der vermutlich schon eine ganze Weile existiert. Ein schöner, neu aussehender Stall und den Kühen geht es gut, so wie ich das beurteilen konnte. Sie haben wohl keine finanziellen Sorgen. Die Weiden sind direkt hinter dem Hof.

  2. Andreas sagt

    Ich finde die Erklärungen des Herrn Hellwig sehr gut. Er spricht Problembereiche ehrlich und schonungslos an. Viel zu lange hat man um den heißen Brei herumgeredet. Z.B. die soziale Komponente eines Bauern und Überforderungen. Überforderungen wurden auch durch falsche politische Entscheidungen herbei geführt. Ich nenne nur Pachtpreise durch Biogas und gelebtes Misstrauen durch QS. Alles belastend und das Ergebnis empathieloser Menschen im Bauernverband und befreundeter Gruppierungen.

    Wie kann man den Druck wieder raus nehmen? Wer kann das? Sicher können Medien dabei unterstützen, aber der Zug ist schon sehr weit abgefahren fürchte ich.

    • Stadtmensch sagt

      @Andreas: da stimme ich zu. Der Beitrag vermittelt ein gutes Bild von der “verwissenschaftlichten” Landwirtschaft. Also ich will das keinesfalls schlecht reden, man darf aber auch nicht vergessen, dass man sich als Fachidiot irgendwann auch sehr hilflos vorkommen kann. Bei J. Radkau “Natur und Macht” steht der Satz: “Je komplexer Gesellschaften werden, desto mehr sind sie mit sich selbst beschäftigt und desto größer ist die Gefahr, dass sie unfähig werden auf Naturnotwendigkeiten zu reagieren”.
      Ich interpretiere da jetzt natürlich sofort die Verkennung des Weltuntergangs rein 😉
      Zum Thema Druck raus nehmen, würde ich auf einen schönen (in einem Kommentar vom Alexis verbuddelten) Link verweisen: Selbsterkenntnis https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/der-neoliberale-charakter

  3. Altbauer Jochen sagt

    Ich lese gern bei Bauer Willi die Beiträge und auch die Kommentare.
    Was sich einige allerdings in einem Hick-hack an Meinungen, Überzeugungen und
    Ideologien mit Ignoranz an den Kopf werfen lässt mich nur den Kopf schütteln.
    Wenn es auf dieser Ebene , wo viele schließlich mit Sachkunde diskutieren, zu
    einer Art Intoleranz kommt, wie soll es dann gelingen in unserer Gesamtgesellschaft
    einen Weg zu finden der in Vernunftbezogener Weise zu Problemlösungen beiträgt,
    ohne Vorverurteilung in “gut” und “schlecht” (Bio/Konventionell).
    Unsere Bevölkerung ist mittlerweile weit weg von einem Verständnis
    für Zusammenhänge von Land-und Tierwirtschaft.
    Missstände gehören ausgemerzt .Gesunder Boden ,gesunde Tiere
    sind doch das Ziel aller Bauern.
    Ein Streichelzoo und Gnadenhof ist aber nicht die Alternative.

    • Bauer Willi sagt

      Hallo Altbauer
      wir haben diese Seite ja gemacht, um Meinungsvielfalt zuzulassen. Und es ist ja nicht so, daß die, die am meisten und lautesten schreien, auch im Besitz der allein seligmachenden Weisheit sind. Es ist ein langer Weg von Bewusstseinsänderung zur Verhaltensänderung. Aber wir haben ja Zeit…
      Bauer Willi

  4. Palla sagt

    Prima Beitrag! Mich stimmt das positiv: Spannende Themen in der Weiterbildung!

    Mich würde mal interessieren in wie weit das Tiermedizinstudium derzeit überhaupt die Themen Fütterung, Haltung und landwirtschaftliches Management abdeckt. Im Interview klingt das so, also ob das bisher kaum berücksichtigt wird.

    Vermutlich hättet ihr das Interview deutlich reißerischer führen müssen um mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Da sieht man mal wieder, positive Nachrichten interessieren deutlich weniger. Schade eigentlich!

    • Palla, die Ausbildung bezüglich dieser Themen ist sehr rudimentär. Kommt immer darauf an, wieviel sie an Wissen mitbringen und wie engagiert sie sind. Teilweise sind nicht mal Grundkenntnisse der biologischen Leistungen und der wirtschaftl. Kennzahlen vorhanden. Frage mal einen Tierarzt wieviel man zur Zeit für ein Ferkel oder ein Mastschwein bekommt, oder wie hoch die Futterkosten sind. Das ist natürlich auch nicht vorrangig deren Aufgabe, da ja die Tiermedizin sehr anspruchsvoll und komplex ist.

      VG

    • Gast sagt

      Herr Hellwig “fordert” von Milchbauern hochspezialisierte hochqualifizierte Tierbetreuer zu sein, die auf dem Acker nichts zu suchen haben. Die Konsequenz wäre, ein neues Berufbild zu schaffen und in dieser Richtung auszubilden.

      Da kann man berechtigt die Gegenfrage stellen, warum kann mein Hoftierarzt auch Hufrehen von Pferden behandeln, einen Darmverschluss eines Leguans, weiss wie man Katzen sterilisiert. Lernt aber nichts über Leichengifte durch miteinsilierte Kleinlebewesen in Grassilagen und deren Folgen, usw.

      Sicher ist da Fortbildung der Tierärzte sinnvoll. Wird es irgenwann so sein, daß der hochspezialisierte Milchkuhtierarzt auf den hochspezialisierten Milchkuhtierbetreuer trifft? Das wäre nicht die Zukunft der Landwirtschaft, die ich mir vorstelle. Dann lieber keine “Maseratis” und wieder lauter “Polo´s”, die ich auch als Nebenerwerbslandwirt “fahren” kann, ohne Schaden dabei anzurichten.

      • Gast das gibt es doch schon, das sind die von Dir angesprochenen dummen “Spezialisten aus Ossiland”. “Sie wissen nichts und das erklären sie uns dann noch” Uwe Steimle, Pirna

      • Sind wir unseren tollen Kühen(Schweinen) nicht die hochspezialisierten Kuh-(Schweine)betreuer schuldig? Wir denken darüber nach und forcieren den Standpunkt, dass weniger spezialisierte Tierproduzenten auch dann “weniger spezialisierte” Kühe/Schweine halten sollten. Dann eben auf dem Betrieb nicht mehr das nur und rein milch(über)betonte Milchrind, sondern eine Zwei- Nutzungsrasse (in allen Varianten (50%Fleisch-50%Milch; 70%Milch-30%Fleisch…). Das ist doch fair dem Manager gegenüber und den Kühen. Diese Themen sprechen wir auf der Haupttagung an, damit unsere Tierärzte auch in diesen Dingen beraten können.
        Wir bieten mittlerweile in den AVA-Fortbildungen veschiedene Sektionen der Tierarten an. Kaum ein Tierarzt möchte noch in “gemischte” Tagungen gehen. Entweder Rind oder Schwein. Ich, als Fachtierarzt für Schweine, behandle auch keine Rinder mehr. Und Pferde überlasse ich auch den Pferdespezialisten. Dafür fliege ich in Europa für Schweineberatungen rum (ohne Arzneimittel zu verkaufen). Schuster bleibe bei deinen Leisten. In allen anderen Berufszweigen gibt es die Spezialisierungen. Warum soll das nicht für Landwirtschaft und TZIermedizin gelten? Nichts gegen den Allrounder-Tierarzt, der viel kann und viel weiss – aber je hochleistender, desto spezialisierter halt. (dann weiss der TA aber auch über Fütterung, Erlöse, Betriebswirtschaft… Bescheid.

        • Gast sagt

          “In allen anderen Berufszweigen gibt es die Spezialisierungen. Warum soll das nicht für Landwirtschaft … gelten?”

          Ganz einfach: weil Landwirt nicht ein Beruf wie alle anderen ist.

          Und dass in grossen Einheiten eher selten Zweinutzungsrinder gehalten werden, wissen Sie auch. Wie wollen Sie die “Strategie” hochspezialisierter Kuhbetreuer im Süden, Schwarzwald, Alpenvorland umsetzen, wo Landwirtschaft traditionell bäuerlich kleinstrukturiert ist. Soll der bayrische Milcherzeuger im Nebenerwerb mit Weidegang von 50 Kühen auf Dauergrünland aufgeben? Zugunsten einem 1000er Stall im Osten auf Basis Ackerfutter/Sojaimport/ Transfettsäuren auf Palmölbasis?

          Man muss kein Gnadenhofbetreiber sein, um zu erkennen, daß da irgendwie Argumentationslücken entstehen?

  5. Stephan Becker sagt

    Vielen Dank auch von mir an Herrn Hellwig für diese aktuellen und guten Informationen.

    Als Verbraucher und interessierter Laie hätte ich noch ein paar Fragen:

    Wer auf seinem Betrieb alles selbst machen muss (Säen, Düngen, Ernten, Silieren, Melken, Füttern, Trecker fahren…), macht zwar „alles“, aber die Frage bleibt offen, ob alles auch „super“ ist.

    Ich denke dass bei 1000 Kühen niemand mehr alles selber macht oder besser machen kann. Ich nehme mal, dass es bei einem so großen Bestand, dann entsprechende Fachleute für die jeweiligen Aktivitäten (Melken, Füttern, Silieren, Reinigen, Klauenpflege etc.) gibt?
    Können sich Kühe in einem 1000er Stall völlig frei bewegen (zum Fressen, zum Melken, zum Trinken, zum Liegen)?

    Die Aufgabe der AVA, durch Prävention Arzneimittel einzusparen, dient auch dem Umweltgedanken.

    Gibt es in der Massenhaltung von Schweinen den präventiven Einsatz von Antibiotika noch? Wenn ja wie kann man diesen vermeiden, wenn es genügend Geld für Ferkel und Schweine gäbe?

    Wie ist das bei der Putenhaltung? Ich habe mal gehört, dass Puten sehr viele Medikamente bekommen, weil ihre Massenhaltung ihrem natürlichen Verhalten völlig widerspricht.

    • bauerhans sagt

      behandelt werden darf nur,wenn die tiere krank werden oder krank sind.
      bei puten wohl nur alle,weil eine einzeltierbehandlung nicht möglich ist.
      bei schweinen reicht oft eine einzeltierbehandlung.
      aber, tiere dürfen in D nur zur schlachtung,wenn die wartezeit plus 7 tage eingehalten werden.

      • Stephan Becker sagt

        Ich hatte mal eine Freundin, die war Tierärztin. Während ihres Studiums hat sie auf einem Putenzuchtbetrieb(?) gejobt. Da musste sie im Akkord Puten impfen, also vermutlich so alle zwanzig oder dreissig Sekunden ein Tier. Ich weiß nicht mehr ob das präventiv war wegen einer Seuche in der Umgebung oder weil bei den Tieren etwas festgestellt wurde.
        Zu mir hatte sie gemeint, dass ich mir bezüglich der Fleischqualität (sie meinte wohl von allen Tieren) in Deutschland keine Sorgen machen müsste.

    • Stephan Becker sagt

      Eine Anmerkung und Frage habe ich noch vergessen. Vor einigen Jahren, es sind sicher zehn oder so, hatte ich mal eine Dokumentation über moderne Milchviehbetriebe gesehen. Da wurde einmal auch eine Kuh gezeigt, die hatte seitlich eine Art Katheter implantiert, der in einen Magen (oder den Pansen?) führte. Da hinein wurde jeweils Seife(?) gespritzt, wenn der Magen(?) zuviel Schaum produziert hat.
      Ich weiß nicht mehr ob das die normale Vorgehensweise bei einer Hochleistungskuh in diesem speziellen Betrieb war oder ob das nur ein Versuch mit einer Hochleistungskuh war. Jedenfalls hat mich der Anblick schon ziemlich schockiert.
      Letztlich ist doch die beschriebene Methode auch wieder nur ein Weg, um, im Zuge des Zwanges zur ständigen Effizienzsteigerung, immer mehr zu immer billigeren Preisen zu produzieren.
      Nur wo soll das irgenwann noch führen? Zu Bioreaktoren in die man Heu, Kraftfütter und Enzyme hinein schüttet und wo dann bei irgendeiner Leitung am Schluß Milch heraus läuft – so ähnlich wie beim Bierbrauen?

      • Palla sagt

        Das sind fistulierte Kühe und die gibt es nur im Forschungsbetrieb (bedürfen einer Genehmigung). Man versucht damit herauszufinden wie sich Futtermittel im Pansen auswirken, weil man das sonst nicht simulieren kann. Die Erkenntnisse dienen der Fütterungsoptimierung , damit natürlich der Effizienzsteigerung, aber auch der Gesunderhaltung der Kuh. Obwohl ich verstehe warum man das macht und dass es in der Vergangenheit viele wichtige Erkenntnisse gebracht hat, finde ich, dass das Tierquälerei ist und dass man das dringend beenden muss. Nach so vielen Jahren dürfte der Erkenntnisgewinn nun auch ausreichend sein!

    • Martin Grube sagt

      Moin.

      Ja sie haben recht in großen Betrieben läuft das alles arbeitsteilig ab. In modernen Kuhställen BoxenLAUFstall also ab 1980 kann sich jede Kuh frei bewegen. Zum Melken im Melkstand wird sie dann meistens auf einen Wartehof getrieben. Bei Roboterbetrieben hat sie freie Wahl wann sie zum Melken geht.
      Wir haben 2002 neu gebaut und von 40 Kühen (Anbindehaltung und Weidegang) dann in einen Boxenlaufstall gezogen den wir letztes Jahr nochmal gespiegelt haben, also verdoppelt von 64 auf 128 Plätze.
      Gemolken wird weiterhin im Doppel Achter Melkstand. Um das arbeitswirtschaftlich abzufangen haben wir eigentlich fast alle Arbeiten auf dem Feld ausgelagert. Wir bewirtschaften 98,5ha Acker und 45ha Grünland.
      Die Arbeiten übernimmt ein Dienstleister das sogenannte Lohnunternehmen. Der kommt mit seinen Maschinen und dem Arbeitnehmer.
      Wir vergeben,
      Gülle ausbringen. Vorteil in zwei bis drei Tagen erledigt. Bodennahe Ausbringung bessere Verwertung von Stickstoff es stinkt nicht so… Auf dem Acker wird in einem Arbeitsgang eingearbeitet.
      Gras mähen, Zusammenschwaden, zusammenfahren. Silo verdichten nach Bedarf
      Ernten von Getreide Raps
      Stroh pressen
      Mais legen (aussäen), Mais häckseln und abfahren

      Das kostet zwar fast über 30000 Euro im Jahr aber ich habe immer die neuste Technik am Start inklusive Fahrer und man bekommt noch dazu einen Block und Kugelschreiber… 😉 Mein Maschinenpark (zwei Massey Ferguson, der Fendt des kleinen Mannes) ist ziemlich alt und abgeschrieben. Damit mache ich nur noch die Pflegearbeiten wie Düngen und Pflanzenschutz. Das Pflügen auf das wir auch oft verzichten und das Getreide säen werden bei Bedarf auch vom Lohnunternehmer erledigt.
      Bei uns hat der Stall Vorfahrt bei den Investitionen und der Arbeitseinteilung.

      Wir haben auch noch 600 Schweinemastplätze. Wenn wir früher in 5 Abteilen 120 Ferkel aus 2-3 Betrieben bekommen haben mussten wir oft Antibiotika einsetzen, da die Ferkel oft verschiedene Grippeviren mitgebracht haben und somit bald der ganze Stall hustete.
      Wir haben vor Jahren Abteile zusammengelegt bekommen jetzt 250 Ferkel aus einem Betrieb und kommen die ganze Mastdauer von 120 Tagen nur mit seltenen Einzeltierbehandlungen aus.

      Da wollte man nur kurz beim Hi Tier gerade vermarktete Bullen abmelden und nun schreibt man so einen ellenlangen Text, Ich hoffe ich konnte helfen…

      Munter bleiben

      Martin

  6. Martin Grube sagt

    Danke Bauer Willi für dieses Interview und Herr Hellwig für seine klaren Worte.

    Interresant ist zu beobachten, dass ein Artikel der eine gute Nachricht verbreiten soll, ziemlich wenig aufgerufen wird. Daher muss Willis Buch wohl wirklich Sauerei heißen, sonst nimmt es niemand in die Hand.

    Es wird auch wenig diskutiert. Nur unser Biorebell muß natürlich schreiben “Das nicht sein kann, was aus seiner Sicht nicht sein darf!”
    Und zu behaupten die Angestellten auf Bauernhöfen seien unterdurchschnittlich intelligent und würden schlechte Arbeit abliefern ist schlicht falsch!

    • Gast sagt

      Hör erst mal auf mir die Worte zu verdrehen, ich habe nichts geschrieben von “intelligent” oder “schlechte Arbeit” sondern von Lohnniveau und Qualifikation.

      Ausländische Arbeitskräfte sind z.B. oft intelligent und auch überdurchschnittlich fleissig und arbeiten gut, aber eine Hochleistungsherde von 500 Kühen und mehr gemeinsam mit einem einzigen Betriebsleiter zu managen, dürfte sie doch überfordern.

      Zitat aus iamo . de
      “Den Autoren zufolge werden in Sachsen-Anhalt bis 2020 fast doppelt so viele Arbeitnehmer die Landwirtschaft altersbedingt verlassen wie im gleichen Zeitraum einen landwirtschaftlichen Berufsabschluss ablegen. Nur jedes zehnte Unternehmen bildete im Jahr 2014 Nachwuchskräfte in landwirtschaftlichen Berufsgängen aus und nur jedes vierte Unternehmen hält überhaupt Ausbildungsplätze bereit. Für einen erheblichen Anteil der Betriebsleiter kommen ausländische Fachkräfte zur Abwendung des Fachkräftemangels in Frage. In nahezu jedem zehnten Milchviehbetrieb in Sachsen-Anhalt werden bereits ausländische Fachkräfte eingesetzt. In absoluten Zahlen stellen bisher jedoch lediglich die ausländischen Saisonarbeitskräfte eine bedeutsame Gruppe dar. Sie stammen vor allem aus Polen und Rumänien.

      „In der Landwirtschaft handelt es sich oftmals um Tätigkeiten, für die sich Betriebsleiter teils seit vielen Jahren vergeblich um deutsche Nachwuchskräfte bemühen“, erläutert Prof. Dr. Martin Petrick vom IAMO, einer der Autoren der Studie. „Diese Anstrengungen sollten im Hinblick auf die Gewinnung von Jugendlichen für eine landwirtschaftliche Ausbildung weiter verstärkt werden. Doch gerade im Bereich der Fachkräfte stellen Migranten eine Alternative dar, die die Betriebsleiter bisher nur wenig beachtet haben. Die derzeitige Flüchtlingssituation bietet einen Anlass, hier aktiv zu werden.“”

      weiterer Beleg
      “Die Unternehmen aus den Betriebsgruppen mit vorrangiger Tierhaltung haben unter Neueinstellungen einen deutlich höheren Anteil an Berufsanfänger”

      “In der Summe der Unternehmen wurden Weiterbildungsveranstaltungen in den Bereichen Leitung und Verwaltung sowie Pflanzen- und Tierproduktion von jeweils 9 bis 12 % der Beschäftigten besucht”

      aus demografischer Wandel in Thüriger Landwirtschaft
      http://www.tll.de/ainfo/pdf/demo1107.pdf

      • bauerhans sagt

        die mir bekannte lpg in brandeburg,mit 1600 kühen,hatte schon seit 1980 polnische melker,weil einheimische nicht zur verfügung standen.

    • Bauer Willi sagt

      Hallo Martin
      der Artikel ist anspruchsvoll. Und hat Herrn Hellwig sicher auch einige Arbeit gemacht. Danke dafür.
      Einfache Botschaften sind leichter zu verarbeiten, weil dann die Synapsen nicht so beansprucht werden. Mein Wunsch-Buchtitel hätte übrigens “Das Dilemma der Essensmacher” gelautet. Aber da hätten die Synapsen wahrscheinlich auch gequietscht.
      In Zukunft werden wir einen Wechsel von Anspruch und leichter Kost anstreben. Aber ein gewisses Niveau wollen wir schon halten.
      Bauer Willi

      • Gast sagt

        Mich wundert es schon, wo eigentlich der #Aufschrei der normalen Milchbauern bleibt? Wenn Hellwig schreibt “Ein Kuhbetreuer hat nichts auf dem Acker zu suchen. Das machen andere Spezialisten. ” unterstellt er nicht all jenen Bauern, die noch 30-150 Kühe melken und davon nicht allein leben können und “nebenbei” noch Ackerbau, Direktvermarktung u.a. machen, dass solche Bauern die schlechteren Tierhalter sind? Er fordert letztlich Spezialisierung, man könnte auch “Fachidioten” dazu sagen. Aber ist es nicht gerade die Vielseitigkeit, die unseren Beruf so schön macht? Man kann eben melken, pflügen, schweissen, verhandeln, verkaufen u.v.a.m. oft an einem Tag. Ich kann nur für mich sagen, die Perspektive tagein tagaus ein hochspezialsierter Tierbetreuer in einem 1000er Kuhstall zu sein, hätte mich nie dazu gebracht, Landwirt zu werden.

        • bauerhans sagt

          “Mich wundert es schon, wo eigentlich der #Aufschrei der normalen Milchbauern bleibt?”

          der “normale milchbauer” arbeitet sehr viel und hat keine zeit,in foren zu lesen.

  7. Diese QS-Kontrollen, die Bauerhans nennt, bauen bei den Schweinen auf die Schweinehaltungshygieneverordnung auf. Diese dient primär der Kontrolle von TIerseuchen. Nur 2 Kontrollen pro Jahr wären viel zu wenig für eine tierärzliche Betreuung des Betriebes. Die Tierärztebetreuung mus nach der Gesetzeslage mindestens alle 4 Wochen stattfinden; d.h., der Tierarzt muss den Tierbestand kontrollieren (Bestandsdurchgang, Tiere beobachten) und, falls nötig, “eingreifen”.
    Wird eine Tierbehandlung verlangt (krankes TGier) muss der Tierarzt dieses Tier/ diese Tiere vor der Behandlung untersuchen und eine Diagnose stellen – incl. Dokumantation. Im Kuhbereich kommen die Tierärzte noch öfter als 4 Wochen in den Bestand (auch im gesunden Betrieb). Man sieht doch hieran, dass Tierärzte ihrte Aufgaben erfüllen.

  8. bauerhans sagt

    nach QS richtlinien müssen zwei bestandsbesuche pro jahr durch den tierarzt erfolgen und dieser muss ein protokoll erstellen.
    d.h. ein tierhalter kann gar nicht den zustand seiner tiere “verheimlichen”.
    in meiner gegend können nicht QS zertifizierte betriebe ihre tiere nur für den export abgeben z.b.
    an tönnies.

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