Bauer Willi
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Soja säen im Terra Incognita

Im Frühjahr war ich in Oberösterreich eingeladen. Im Artikel „Terra incognita -Oberösterreich“ hatte ich ganz kurz über den Anbau von Soja in Oberösterreich berichtet.

Dies nahm „Bauer Fritz“ zum Anlaß mir einen Praxisbericht über seinen heurigen Anbau von „Donau-Soja“ zu schicken. Leider habe ich den Bericht bei dem ganzen „Insekten-Trubel“ beinahe vergessen zu veröffentlichen. Das hole ich jetzt noch schnell nach… 😉


 

a) Der Anbau: erfolgte heuer vielfach etwa ab dem 15. April bei schon sehr warmer, ja fast schon heißer Witterung mit Temperaturen bis an die 30 Grad. Die Wetterdienste registrieren den April 2018 als zweitwärmsten in Österreich in der 250jährigen Datengeschichte (Wärmster April war übrigens 1800). Hier im Zentralraum von OÖ liegen die Niederschläge im April rund 40 mm unter dem langjährigen Durchschnitt.

Die Saatvorbereitung wurde auf Grund der schönen und ausreichenden Frostgare nur seicht durchgeführt mittels Zinkenegge oder Spatenrollegge, bei Feldern mit abgefrorener Winterbegrünung mittels Scheibenegge.

b) Das Saatgut: Heuer verwende ich gentechnikfreies Saatgut der „Saatzucht Donau“, einem Zusammenschluß zweier österreichischer Saatzuchtfirmen, die sich speziell auf die Weiterentwicklung von Soja konzentrieren.

Im Video seht ihr die verwendeten Sorten „Bettina“ und „SYLivius“ (https://www.baes.gv.at/pflanzensorten/oesterreichische-beschreibende-sortenliste/mittel-und-grosssamige-leguminosen/sojabohne/ ). Beides Sorten der sogenannte Reifegruppe Dreifachnull mit einem Tausendkorngewicht  TKG von 214,1 – 229,8 kg. Somit ergibt sich eine Saatstärke (bei mindestens  60 Korn/m² = 600.000 Korn/ha = 4 Sack je ha) von rund 135 – 150 kg je Hektar.
Beimpft (= Inokuliert) ist das Saatgut bereits fixfertig mit Rhizobium Leguminosarum, also Bakterien für die Bildung von Knöllchenbakterien.

 

c) Der Prototyp einer Universal-Drillsämaschine im ersten Einsatz:

Das neue Gerät im Video seht ihr vor und bei der Arbeit am Feld.

Es ist eine Eigenentwicklung eines hiesigen Bauernsohnes und  Landmaschinenbau-Spezialisten. 4 Jahre Arbeit stecken da dahinter, viele Abänderungen, Umbauten und Verbesserungen.  Verfügbar ist diese Unikat für Interessenten über den Maschinenring. Und geeignete für alle Drillsaaten von Raps bis Weizen, von Soja bis Begrünung.

Ein paar Eckdaten für  die Technikaffinen unter euch:

  • Arbeitsbreite: 4 m; 24 pneumatische Särohre hinter versetzen Meißelzinken ergeben Saatrillen auch in schwierigen Böden
  • Arbeitstiefe: variabel über Öldrucksteuerung
  • Arbeitsgeschwindigkeit: ca. 10 km/h
  • Flächenleistung: ca. 2 ha/Std
  • Saatkasten-Volumen: ca. 2000 kg
  • Kraftbedarf des Traktors: ca. 120 – 170 PS (je nach Gelände)

Vorne variabel einstellbarer Klutenräumer zur ersten Einebnung.
Minimaler Bodendruck durch Gewichtsverteilung auf die Säscharen und  auf die Nachlaufwalzen. Ideal auch, weil gerade Soja Saatgut  angedrückt werden soll.

Zweite Einebnung ohne Hügelbildungen (Vorteil später beim Drusch).
Dritte Einebnung durch Schlußstriegel.

Resümee: Ich bin mit dem Anbau sehr zufrieden. Vor allem beim Vergleich von Flächenleistung, Treibstoffverbrauch, Ablagegenauigkeit gegenüber der bisher angewendet Drillsaat mit Kreiselegge. Preislich habe ich mich mit einem Lieferkontrakt abgesichert, wo der Händler meines Vertrauens für Donausoja 350 € netto je Tonne gewährt. Nun hoffe ich auf Regen und wenig Verunkrautung. Und vor allem, daß witterungsmäßig nichts passiert wie vielerorts im Vorjahr.

Mit schönen Grüßen aus OÖ

Euer Bauer Fritz

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7 Kommentare

  1. Friedrich sagt

    @Bauer Fritz. Vielen Dank für die Info. Wie sieht denn die Deckungsbeitragskalkulation aus ? Gibt es Unkrautbekämpfungsmittel ? oder ist die Hackmaschine angesagt. Habt ihr bei der Ernte spezielle Ährenheber am Mähdrescherschneidwerk ? Werden die Mastschweine , die mit Donausoja gefüttert sind , besser bezahlt ?

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    • Bauer Fritz sagt

      Die Unkrautbekämpfung wird je nach Gegebenheiten chemisch (Vor- oder Nachauflauf) und/oder mechanisch (Striegel oder Hackgerät) durchgeführt. Die verfügbare Palette an PSM ist sehr klein, wodurch ggf. mechanische Varianten nötig sind. Aus Anbauversuchen geht hervor, daß zwischen Drill- oder Reihensaat keine Unterschiede zu bemerken sind.
      Düngemitttel (PK) werden bei normalversorgten Böden zumeist keine ausgebracht (N sowieso nicht). Zur Ernte sind sog. Flexi-Schneidwerke zunehmend im Kommen, mit denen man (angeblich) bis zu 10% (= ca. 300-400 kg/ha) der sonst am Feld verbleibenden Schoten erreichen kann, was die Mehrkosten (30-40 €/ha) auf jeden Fall deckt.
      Der DB liegt zwischen rund 550-900 €/ha (bei 3 bzw. 4 to Ertrag), im Mittel der letzten Jahre bei ca. 670 €.

      Donausoja geht meines Wissens rund zur Hälfte in den Bereich Backwaren und Lebensmittel und zur Hälfte in die Fütterung. Preislich ist für Donausoja44 rund 100 €/to mehr zu bezahlen als für GVO-Importsoja44.
      Die Fütterung von Donausoja in der Schweinemast ist erst im Anlaufen. Abnehmer zahlen dem Vernehmen nach rund 15 Euro (= ca. 10%) mehr je Schwein. In der Hühnerhaltung liegt der Anteil von Donausoja bei etwa 80%.

      Hoffe ich konnte deine Fragen zufriedenstellend beantworten.

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  2. bauerhans sagt

    letztes jahr hatte ich ein hafer/erbsengemenge angebaut,wo der hafer als stützfrucht für die erbsen diente.
    der ertrag lag bei 6to pro ha und ich verfüttere die mischung an meine schweine und spar sojaschrot ein.
    dieses jahr hab ich ein sommergerste/erbsengemenge angebaut und hoffe auf eine bessere verwertung bei den schweinen.

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    • Andi sagt

      Hallo bauerhans, wie hat hat das mit der Ernte funktioniert? Der Erntezeitpunkt von Hafer und Erbsen ist ja nicht unbedingt ganz gleich (bei uns in Bayern zumindest). Wir säen Erbsen bislang nur in Reinkultur.

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      • bauerhans sagt

        der hafer APPOLLON und die erbse RESPECT passten in der abreife zusammen.
        ein getreideschneidwerk ohne seitenmesser wurde eingesetzt,es gab nur am feldrand unter den bäumen lagernde pflanzen.

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    • Lieschen Müller sagt

      Ob das auch im Kleingarten funktioniert? Die Erbsen esse ich, den Hafer im Winter die Vögel. Wo man wohl eine Handvoll Hafer herbekommt? Pferdefutter? Ist das keimhemmend behandelt?

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      • Inga sagt

        Das entkeimende wäre ja irgendwie giftig,
        und das dürfte in Futter nicht drin sein.

        Ich hab euch einmal Hafer für Pferde angebaut, und vom Acker zum Händler gefahren. Das war in den 80igern oder 90igern.

        Der wird es dann in kg-Säckchen verpackt haben und so verkauft haben, wie ich es abgeliefert habe, oder?
        Vielleicht manchmal durch die Windfege, oder?

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