Bauer Willi
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Neonics weg – und nun?

Zuckerrübenanbauer müssen in Zukunft ohne insektizide Saatgutbeizung in Form der Neonicotinoide auskommen. Was sind mögliche Alternativen und deren Folgen? Ich habe mich mal bei einem ausgewiesenen Fachmann erkundigt, der mir diese Erläuterungen geschickt hat.  Vielen Dank dafür.

Rückblick

Ab 1991 wurde Imidacloprid als das erste Neonicotinoid als Insektizid zugelassen. Im Lauf der Zeit kamen weitere Neonicotinoide hinzu. Die Wirkstoffe setzten sich als am häufigsten angewendete Insektizide weltweit durch. Für den Erfolg sorgten die breite Wirksamkeit, eine geringe Warmblütertoxizität und damit hohe Anwendersicherheit, gute systemische Wirkung und weitere Faktoren. Besonders erfolgreich waren die Neonicotinoide im Rahmen der Saatgutbehandlung. Die pro Fläche ausgebrachten Wirkstoffmengen stellten einen kleinen Bruchteil im Vergleich zur Flächenapplikation dar. Im Falle von Zuckerrüben sieht der Vergleich so aus: Wird gespritzt, so werden 10.000 m² behandelt. Wird das Insektizid an das Saatgut pilliert, werden 50-60 m² behandelt (jeweils bezogen auf einen Hektar).

Ihre Vorteile: Sie verteilten sich schnell in der Pflanze und wirkten relativ lange. Diese Insektizide wurden gebraucht, um die oberirdischen Pflanzenteile wirksam zu schützen. Die wichtigsten oberirdischen Schädlinge sind Moosknopfkäfer, Grüne Pfirsichblattlaus und Schwarze Bohnenlaus.

Das Bienensterben und die Folgen

Im Frühjahr 2008 wurden in Baden-Württemberg mehr als 11.000 Bienenvölker durch Clothianidin geschädigt. Dieses geriet mit Staub von gebeiztem Maissaatgut während der Rapsblüte in die Umwelt. Rund 700 Imker verloren ihre Völker ganz oder teilweise .

Insbesondere seit diesem Vorfall standen die Insektizide der Neonicotinoide-Klasse stark unter Feuer und wurden aktuell auch als Saatgutbeizung von Zuckerrüben verboten.

Im Mittel der letzten 10 Jahre wurden auf der gesamten Zuckerrübenanbaufläche Deutschlands jährlich 20-24 Tonnen insektizider Wirkstoffe mit dem Saatgut ausgebracht, bei hervorragender Wirkung und maximaler Schonung von Nichtzielorganismen, denn die Rüben blühen nicht und stellen keine Futterquelle für Bienen dar. In diesem Zusammenhang wird ein weiterer Anlass für Kritik deutlich: Mit dem Ausbringen des Insektizids am Saatgut wird prophylaktischer Pflanzenschutz betrieben, ohne zu wissen, wie stark der zu erwartende Schädlingsdruck sein wird. Diese Vorgehensweise entspricht nicht den Richtlinien des Integrierten Pflanzenschutzes, wie z. B. der Behandlung nach Schadschwellen. Wenn diese Möglichkeit dennoch wegfällt, der Rübenanbau jedoch mit gleicher Intensität fortgesetzt wird, bleibt nur die Applikation mit der Spritze. Dafür habe ich mal ein Szenario entwickelt, das vergleichbare Wirkung wie die Saatgutbehandlung haben dürfte. Alles mit zugelassenen Mitteln und Aufwandmengen bei einer angenommenen Anbaufläche von 380.000 ha:

 

Indikation Anwendungen Wirkstoff im Präparat Gruppe IRAC AI (t)
Moosknopfkäfer 1 100 g/l Deltamethrin Pyrethroid 3A 2,85
Blattläuse 1 500 g/kg Pirimicarb Carbamat 1A 57,00
Rübenfliege 1 400 g/l Dimethoat Organophosphat 1B 60,80
Blattläuse 1 25 g/l beta-Cyfluthrin Pyrethroid 3A 2,85
Wirkstoffmenge in Tonnen (gesamt): 123,50

Tabelle: Schädlingskontrolle durch alleinige Spritzapplikation auf der gesamten Zuckerrübenanbaufläche Deutschlands. (AI = active ingredient = Wirkstoff; IRAC = Insecticide Resistance Action Committee)

Statt der 20 Tonnen Wirkstoff würden 120 Tonnen ausgebracht! Ich frage mich immer, ob die Entscheider in Brüssel, Berlin oder sonst wo das wissen, oder ob sie es ignorieren?

Was sind die Konsequenzen im Einzelnen?

Während der Feldaufgangsphase und in der frühen Jugendentwicklung stellen insbesondere die Larven von Agriotes obscurus (Drahtwurm) und Atomaria linearis (Moosknopfkäfer) eine Bedrohung für die jungen Pflanzen dar. Beide waren durch die kombinierte Saatgutbeizung mit Pyrethroiden und Neonicotinoiden gut zu kontrollieren. Gleiches gilt auch für Pegomyia betae (Rübenfliege). Ein Wegfall der Neonicotinoide macht die effektive Kontrolle dieser Schädlinge schwieriger.

Alternative wäre die Bekämpfung der Imagines von Agriotes spec. nach Verlassen des Winterlagers im April, bevor diese die Eiablage beginnen. Zum guten Timing gehört aber auch viel Glück, und es gibt nach BVL-Datenbank keine für diese Indikation zugelassenen Insektizide. Die Vorgehensweise wäre zudem mit einem hohen Risiko der Resistenzbildung bei den Zielorganismen behaftet.  Nähere Betrachtung verdient eines, durch ein Pflanzenschutzunternehmen in Verkehr gebrachtes Präparat, das einen für Agriotes spec. pathogenen Pilz, Beauveria bassiana enthält.Das Präparat ist lediglich im Kartoffelbau zugelassen, und auch hier nur nach Artikel 53 (Notfallgenehmigung) mit zeitlicher Beschränkung.

Ferner gibt es parasitierende Nematoden, Schlupfwespen, Maulwurf und zahlreiche avifaunistische Prädatoren der Imagines von Agriotes spec.

Ähnliches gilt für Atomaria linearis, der die junge Pflanze sowohl unterirdisch an der Wurzel und am Hypokotyl (Jungkäfer) als auch oberirdisch an den Herzblättern befrisst (Altkäfer). Ohne Saatgutbehandlung mit Neonicotinoiden werden zumindest die oberirdisch fressenden Jungkäfer nicht zu kontrollieren sein.

Blattläuse als Überträger viröser Pathogene waren bislang durch die Saatgutbehandlung mit Neonicotinoiden effektiv zu kontrollieren. Hauptüberträger ist Mycus persicae (Grüne Pfirsichblattlaus), in geringerem Maße aber auch die Schwarze Bohnenlaus. Seit der grundsätzlichen Ausstattung des Saatguts mit Neonicotinoiden waren große Ausfälle durch viröse Vergilbung (BYV, Beet Yellows Virus; BMYV, Beet Mild Yellowing Virus) sehr selten. Ohne Neonicotinoide ist ein verstärktes Auftreten der Krankheit und großer wirtschaftlicher Schaden sehr wahrscheinlich.

Bei Blattläusen werden vermehrt Resistenzen gegen Insektizide der Wirkstoffgruppen Neonicotinoide, Carbamate und Pyrethroide registriert. Eine nachhaltige Kontrolle dieser Schädlinge ist mit den verbleibenden insektiziden Wirkstoffen nur unter Einhaltung eines stringenten Resistenzmanagements möglich. Ein Resistenzmanagement erfordert allerdings intensive Beratung und Schulung, sonst funktioniert das nicht.

Künftig kommt der ohnehin wichtigen Kenntnis ökologischer Zusammenhänge noch stärkere Bedeutung zu: Wie gestalte ich einen attraktiven Lebensraum für Nützlinge, wie vermeide oder störe ich den Aufbau von Schädlingspopulationen? Welche Wirtspflanzen dienen den Schädlingen (z. B. Bohnenlaus – Pfaffenhütchen als Winterquartier?).

In wieweit ein zunehmender Bio-Rübenanbau in den Kerngebieten eine wichtige Rolle im Resistenzmanagement einnimmt, gilt es zu diskutieren. Es braucht Flächen, auf denen nicht selektiert wird, um nichtresistente Populationen zu erhalten. Bislang darf angenommen werden, dass auch ökologisch wirtschaftende Anbauer von der Pflanzenschutzanwendung der konventionellen Nachbarn synergistisch profitierten, da der Schädlingsdruck durch den traditionellen Anbau insgesamt niedrig gehalten wurde.

Woher soll unser Zucker kommen?

Jedes Jahr werden in Europa rund 17 Mio. Tonnen Zucker von rund 140.000 Bauern und über 100 Zuckerfabriken produziert. Bei rationaler Betrachtung und Studium der Faktenlage wird klar, dass Zucker, genau wie Butter, Milch, gutes Fleisch und Käse, nicht durch Imitationsprodukte zu ersetzen ist, auch wenn dies seit Jahren immer wieder versucht wird.

Wo also soll dann der Zucker herkommen? Aus Brasilien? Da klingeln dann die Stichworte Amazonas, Regenwald, Sozial- und Umweltbedingungen, und so weiter. NGOs und die Umweltlobby feiern das Verbot als großen Erfolg, blind dafür, dass dann als Konsequenz mehrfach höhere Wirkstoffmengen per Spritze in die Umwelt gelangen. Denkt man weiter in die Zukunft, wird es das Ziel sein, auch die Spritzanwendung massiv einzuschränken, gemäß dem Motto: Erst die Neonicotinoide, und dann den Rest!

Es sieht nicht gut aus für die Zuckerrübe 

Würde sie aus Europa verschwinden, würde den Bauern ein wichtiger Baustein in der Fruchtfolge fehlen. Ähnliches gilt auch für den Raps, der ebenfalls vom Verbot betroffen ist und der auch von anderer Seite unter „Beschuss“ steht. Bleibt als einzige große Kultur nur noch der Mais übrig. Und den will die Bevölkerung auch nicht. Was bleibt dann noch?

Ob man die Folgen beim Verbot der Neonicotinoide überhaupt bedacht hat? Oder wird dem allseits zu hörenden Applaus über das Verbot bald nüchterne Stille folgen? Im Moment stehen die Bauern mit ihren Problemen alleine da. Wie so oft…

Tobias Bokeloh

 

 

 

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27 Kommentare

  1. Oberländer sagt

    Entschuldigt die Zwischenfrage ,
    wie sind die Ertragsaussichten bei Winterweizen wenn ,
    wie in meiner Ecke 3 – 5 lebende Getreidehähnchen
    je Pflanze zu
    finden sind und diese nicht chemisch bekämpft werden
    dürften ?

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  2. Friedrich sagt

    Jetzt läßt man , wie immer , die Bauern mit dem Problem alleine. Die Konsequenz für uns Rübenanbauer ist doch die , daß wir jetzt beim Auflauf der Rüben gegen Käfer , im Sechsblattstadium gegen Rübenfliege und dann alle 30 Tage (also 2 – 3 x) gegen Blattläuse spritzen müßen. Wem ist damit geholfen ? Auch müßen wir jetzt , wie in der Neo-Vorzeit über den Acker kriechen, um nach den Schädlingen zu schauen und immer wieder feststellen , daß man zu spät dran ist , weil der Schaden schon da ist. Für uns waren die Neos ein richtiger Fortschritt i. S. Nachhaltigkeit und Minimierung des Chemieeinsatzes. Das Verbot macht dies alles zu nichte. Danke NGOs und Politik. Wie hörte man es neulich aus dem Bundestag : „Wir werden von Idioten regiert „

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  3. Bauer Fritz sagt

    Neonics sind in rund 120 Ländern der Welt zugelassen.
    Damit ergeben sich natürlich 2 Ableitungen, da die Bevölkerung Europas ja nichts mehr mit Neonics zu tun haben will.

    1) Ich bin mir sicher, daß natürlich als flankierende Maßnahme die EU nun gegenüber den restlichen 100 Ländern, wo Neonics weiter zugelassen bleiben ein Importverbot gegen alle Produkte ausspricht, die aus derart behandelten Kulturen erzeugt werden. Zuvorderst natürlich Produkte aus Baumwolle

    2) Und dann bin ich mir sicher, daß EU-weit natürlich damit auch die Anwendungen von Neonicotinoiden im Nicht-landwirtschaftlichen Bereich als verboten gelten. Dort werden sie ja im Haushalts-, Rasen- und Gartenbereich gegen Termiten, Blatthornkäfer, Schaben und Ameisen eingesetzt. Des Weiteren finden sie Verwendung gegen Parasiten von Hund und Katze, wie Flöhe, Läuse und Fliegen.

    3) Und dann bin ich mir sicher, daß man an diese zwei Forderungen zu Schutz der europäischen Bevölkerung vor Neonics nicht gedacht hat.

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    • Stadtmensch sagt

      Sieht so aus, als musste Bauer Fritz auch erst mal bei Wikipedia gucken, was Neonicotinoide sind.
      Seid mal froh, dass es dem gemeinen Verbraucher ziemlich Rille ist, welchen PSM-Wirkstoffcocktail er täglich mit der konventionell erzeugten Nahrung aufnimmt. Und dass sich solche Sachen auch über Jahre im Körper akkumulieren können. Auf die hier nicht genannten Expositionspfade für Nichtzielorganismen (Suggation, Staub) weist auch niemand hin. Wir sehen es nur an den sauberen Windschutzscheiben (sehr praktisch).

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      • Bauer Fritz sagt

        Es ist dem nicht gemeinen Verbraucher deshalb Rille, weil er merkt, daß er trotz der täglichen Alarme, wonach und woran er eigentlich schon längst gestorben sein soll, sich sein Lebensalter und seine Lebensqualität verbessert. Und darauf gönnt es sich einen Drink oder Cocktail – geschüttelt nicht gerührt.

        Nur der gemeine Verbraucher will, daß nicht sein kann was nicht sein darf und spendet daher für täglich neue Nachrichten von seinem nahen Ableben.

        Übrigens: auf Wikipedia gibt es nur Sikkation, die es aber bei Neonics nicht gibt und daher ist das Suggestion. Bitte unbedingt nachgucken – geht auch durch die Windschutzscheibe.

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      • Obstbäuerin sagt

        Leider kann ich das von meiner Windschutzscheibe nicht behaupten. Ich krieg die Insektenleichen einfach nicht ab und es werden immer mehr. Unsere Großeltern haben noch gepökelt und geräuchert, um Lebensmittel haltbar zu machen. Soll auch sehr krebserregend sein und in den 70gern das DDT. Aber diese Generation ist inzwischen mit weit über 80 bereits gestorben oder geht auf die 90 zu. Ich glaube Ihr sterbt vor lauter Angst früher und denkt dann, dass es die Landwirtschaft war.

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      • Tobias Bokeloh sagt

        Lieber Stadtmensch,

        vielleicht meinen Sie Guttation, einen Vorgang, bei dem die Pflanze Wassertropfen durch sogenannte Hydathoden abgibt. Diesen Effekt kann man gut an Erdbeeren oder Mais und verschiedenen Gräsern bei hoher Luftfeuchtigkeit und hoher Bodenfeuchtigkeit beobachten, es bilden sich kleine Wassertropfen an den Blatträndern oder -spitzen. Diese Wassertropfen können Wirkstoffreste transportieren, die dann möglicherweise von Wasser suchenden Insekten aufenommen werden können. Wissenschaftlich fundiert lesen Sie dazu bitte hier:

        International Commission for Plant-Bee Relationships, Assessment of risks posed by guttation, Wageningen 2011

        https://www.researchgate.net/profile/Johannes_Lueckmann/publication/272174960_Assessment_of_risks_to_honey_bees_posed_by_guttation/links/54ddf29d0cf22a26721d6675/Assessment-of-risks-to-honey-bees-posed-by-guttation.pdf?origin=publication_detail

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        • Stadtmensch sagt

          Tobias Bokeloh: Danke für ihren Beitrag und die Links und danke an die Blogbetreiber für diese ungemütliche Platform. Natürlich meinte ich Guttation und den Begriff kannte ich bis heute auch nicht. Bin nur drauf gestoßen, weil es wirklich sehr viel darüber im Netz zu lesen gibt. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele ungeklärte Krankheitssymptome ihre Ursache in der Aufnahme synthetischer organischer Verbindungen haben. Zum Beispiel sagt man, dass 20 % der Kinder keine gesunden zweiten Zähne mehr ausbilden. Kein Schmelz wird gebildet und bei einigen zerbröseln die Zähne einfach – seltsam seltsam.

          Ich zitiere sie nochmal, weil es mir so gefallen hat:
          „Wie wäre es mal mit der Suche nach neuen Wegen, Wirkstoffen, Methoden? Das Gebiet ist unglaublich spannend, und wer wirklich Information will, kann sie sich heute bequem und oft kostenlos aus dem Netz besorgen, und zwar von allen Beteiligten.“

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          • Tobias Bokeloh sagt

            Lieber Stadtmensch, Achtung: Guttation ist KEINE Krankheit der Pflanzen, sondern ein völlig normaler physiologischer Vorgang. Die Pflanze nimmt über die Wurzeln mit dem Wasser gelöste Nährstoffe aus dem Boden auf. Da sie das Wasser nicht wieder zurück in den Boden pumpen kann, lässt die Pflanze es als Wasserdampf über spezielle Zellen an den Blättern, die Spaltöffnungen, entweichen. Das klappt nur, wenn die Luftfeuchtigkeit der Umgebungsluft relativ niedrig ist. Wenn diese sehr hoch ist, oder sogar der Taupunkt erreicht wird, kann die Pflanze das Wasser nichtmehr über die Spaltöffnungen abgeben. Für diesen Fall haben viele Pflanzen spezielle Zellen, die sogenannten Hydathoden, über die sie das Wasser in flüssiger Form los werden können. Das sieht man dann oft morgens als Tröpfchen an den Blattspitzen, und es ist völlig normal.

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      • Bauer Hubert sagt

        Was ist Suggation
        Keine Ahnung haben aber mit Fachbegriffen um sich werfen die es nicht gibt. Ich kenne nur Sikkation oder Guttation.

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  4. Stadtmensch sagt

    Wenn Blütenstaub von gebeiztem Saatgut ebenfalls ein Insektengift darstellt (Siehe oben die Sache mit dem Mais), frage ich mich wie man die Wirkung auf Nichtzielorganismen verhindern will. Bei Rübe ist das zwar nicht das Problem, aber hier könnte auch eine entsprechend lange Anbaupase (auch in der Nachbarschaft) für eine Verminderung des Schädlingsdrucks sorgen. Der Hinweis auf die Vermittlung notwendiger Kenntnisse über ökologische Zusammenhänge und die Schaffung von Lebensraum für Nützlinge ist gut.
    Vertiefungsrichtung Agrarökologie ist dann unterm Strich sicher einträglicher als Agrarökonomie – falls diese kleine Polemik eines relativ Ahnungslosen erlaubt ist.

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    • Bauer Hubert sagt

      Stichwort relativ Ahnungslos :Nicht der Blütenstaub ist giftig sondern der Abrieb der Beize. Dieser hat damals den Schaden verursacht.
      Wurde aber umgehend geändert durch bessere Beize und Umrüstung der Sähgeräte

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      • Stadtmensch sagt

        Der Abrieb der Beize bei der Aussaat (Ruckeln auf dem Saatanhänger) soll eine größere Wirkung als die systemische (Wirkstoff wird mit dem Saftstrom auch in neue Pflanzenteile transportiert) haben?

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        • Oberländer sagt

          Ganz so einfach ist das nicht, das war mit Sicherheit kein Ruckeln auf dem Saatanhänger.
          Bei oben genanntem Vorfall sind 3 Dinge zusammen
          gekommen
          1.: Vollblühte von angrenzenden Obstkulturen bzw
          Raps.

          2.: nicht optimal am Saatgut haftende Beize
          (die Beize muß so gut am Saatgut haften das sie
          beim Transport und der Vereinzelung innerhalb
          des Sägerätes nicht abgerieben wird )

          3.: Die Vereinzelung der Saatkörner im Sägerät geschieht
          durch einen Luftstrom in dem abgeriebenes Beizmittel
          bei der damals verwendeten Technik in die Umgebung
          gelangen konnte

          Es wurden von Seiten der Behörden sofort Änderungen im Bereich von Saattechnik und Beiztechnik und deren
          Zulassung vorgenommen.
          Die Schäden sind nicht durch Maispollen entstanden

          hoffe ich hab nicht zu lange geschrieben

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          • Der Brandenburgbauer sagt

            Bei aller Freundschaft, Deine Argumennte sind für mich nicht schlüssig.
            Argument 2 und 3 ,wer will das überprüfen und danach feststellen das Versäumnisse des Anwenders vorliegen??.

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        • Ich seh das so sagt

          @ Stadtmensch
          Sie sollten ihre Ignoranz gegenüber Fakten zu diesem Thema tunlichst mit der Realität in Einklang bringen, damit sie sich nicht weiter solche argumentative Blößen geben.

          Selbst wenn sie offensichtlich zu einer momentan breiten Mehrheit gehören, die zu diesem Thema eine Meinung aber keine Ahnung und noch weniger Wissen haben.

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    • Tobias Bokeloh sagt

      Lieber Stadtmensch,

      wie Bauer Hubert bereits bemerkte, geht es um den Abrieb von Stäuben vom Saatgut. Details, und wissenschaftlich fundiert, lesen Sie bitte hier:

      Assessment of the abrasion potential of pesticide-treated seeds using the Heubach test
      https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5062043/

      Wenn wir die Zuckerrübe betrachten, sehen wir, dass Staubabrieb mit Wirkstoffen aus dem Pilleninneren quasi *nicht* stattfindet.

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  5. Ute Keil sagt

    Sicherlich sind Sie fachlich sehr gut aufgestellt.Was mir aber komplett fehlt,ist die Frage nach den Wirkungen für den Menschen,von mir aus auch den Spätfolgen…aus neurologischer Sicht -u.a.- etc.,
    Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr,dass aus PET Flaschen hormonähnliche Substanzen freigesetzt werden…Trotzdem werden sie natürlich munter weiter produziert….
    Wenn „wir“ so weitermachen wie bisher,werden wir nicht nur uns,sondern auch die nachfolgenden Generationen allein über‘s Essen und Trinken zugrunde richten…
    Ich wähle übrigens weder „Grün“,noch AfD….😉

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    • Paulus sagt

      Hormonell wirksamen bzw. hormonähnlichen Substanzen sind wir leider weltweit ausgesetzt, selbst in der Einsamkeit der afrikanischen Savanne oder sonst wo.
      Ich gehe jetzt davon aus, dass Sie Verhütung allein durch strickte Enthaltsamkeit üben; es soll ja Zeitgenossinnen und -genossen geben die das schaffen.
      Ansonsten empfehle ich Ihnen jegliche Aufnahme von Nahrung komplett einzustellen, damit sind Sie auf der sicheren Seite. Garantiert!
      Sie verzeihen mir die Polemik, gnädige Frau?

      PS. Was haben PET-Flaschen mit einem Verbot von Neonics zu tun?

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    • Tobias Bokeloh sagt

      Liebe Frau Keil,

      ich wähle auch weder Grün noch AFD, sondern versuche die Sache als Agrarwissenschaftler möglichst emotionslos und faktenbasiert zu betrachten. Hat mit politischer Ausrichtung nichts zu tun, oder sollte es nicht. Und ja, ich teile Ihre Bedenken in soweit, als dass ich skeptisch bin und auch kritische wissenschaftliche Studien zu den hier behandelten Wirkstoffen, den Neonicotinoiden, lese und ernst nehme. Es gibt dazu eine schöne Arbeit, die sich mit den Wirkstoffen, ihrem Abbauverhalten, Metaboliten und weiteren Aspekten beschäftigt. Und ja, da kann einem mulmig werden. Aber lesen Sie selbst:

      Simon-Delso N et al., Systemic insecticides (neonicotinoids and fipronil): trends, uses, mode of action and metabolites, Environmental Science and Pollution Research, (2015) 22:5-34

      https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs11356-014-3470-y.pdf

      Auch gute fachliche Aufstellung heißt nicht, dass ich das alles prima finde, kritiklos hinnehme und „weiter so“ rufe. Aber einfach alles verbieten ist auch Mist! Wie wäre es mal mit der Suche nach neuen Wegen, Wirkstoffen, Methoden? Das Gebiet ist unglaublich spannend, und wer wirklich Information will, kann sie sich heute bequem und oft kostenlos aus dem Netz besorgen, und zwar von allen Beteiligten. Leider tun das nur wenige Zeitgenossen, es reicht vielen Menschen, das zu lesen, was Ihnen gefällt und ihre (vorgefasste) Meinung bestätigt. Das führt aber meist in eine Sackgasse und fruchtloser Konfrontation…

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Beim Zulassungsverfahren neuer Wirkstoffe hat sich ein Stau gebildet, weil die Behörden nicht zügig die Anträge bearbeiten.

        Meine Meinung dazu, es wird mit Absicht die Zulassung neuer Wirkstoffe verzögert.

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      • Der Brandenburgbauer sagt

        @Thobias Bokeloh, “ Aber alles einfach verbieten ist auch Mist“
        Das ist für viele der bequemste Weg, bringt uns aber nicht weiter.
        Guter Beitrag.

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    • Bauer Willi sagt

      Vom Verzehr von Tomaten und Kartoffeln ist unbedingt abzuraten, weil diese das giftige Solanin enthalten. Viele Beerenfrüchte enthalten Blausäure, was der Gesundheit auch nicht zuträglich ist. Das Einatmen von Autoabgasen (vor allem in den Städten) ist garantiert tödlich. Ich sage nur „Dieselgate“.
      Der Klimawandel ist im vollen Gange aber Flugbenzin wird nicht besteuert. Handy´s enthalten Cultan, dass in Afrika unter menschenunwürdigen Umständen gewonnen wird. Nahezu alle Textilien stammen aus Asien, wo Frauen bis zu 60 Stunden in der Woche für einen Hungerlohn arbeiten, damit es bei KIK verramscht und nach einer Saison weggeworfen wird. Die gleiche Mentalität bei Lebensmitteln. Übrigens: wer in Ihrer Bekanntschaft fährt einen SUV, der noch nie richtigen Matsch gesehen hat?

      Ja, wenn wir so weitermachen werden wir die nachfolgenden Generationen zugrunde richten. Aber nicht übers Essen und Trinken.

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    • Bauer Willi sagt

      Der Autor kommt zu den gleichen Schlüssen. Danke für den Link.
      Bauer Willi

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      • Michaela 71 sagt

        Schade, dass die Beschränkung der Neonicotinoide auf den Rübenanbau nicht stattgefunden hat, bevor dieses Mittel für alle Pflanzen verboten wurden.
        Eine Teilwiederzulassung nur für Rüben, nur im Fall von massivem Schädlingsdrang wäre ja irgendwann vorstellbar. Die Gegenüberstellung des Spritzmittelverbrauchs ist beeindruckend.

        Beim Glyphosat hoffe ich noch auf eine -nationale- Vernunftwende, als Mittel ist es ja wissenschaftlich bewiesenermaßen eine für Insekten unschädliche Maßnahme, wenn gleichzeitig andere Futterpflanzen z.B. am Feldrand zur Verfügung stehen.

        Aber die Neonicotinoide schädigen nicht nur die Wildinsekten, auch damals in Baden-Württemberg ganz massiv, sondern wirken noch in der Nachfolgekultur. Das ist nicht unerheblich, genauso wenig wie das allgegenwärtige Nikotin in unserer aller -städtischen- Atemluft. Mich stört da beides…

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    • Tobias Bokeloh sagt

      Liebe Frau Lehmeier,

      danke für den Link, und dass Sie das Thema aufgreifen!

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