Lieber ohne…frei von…
Auf etwas zu verzichten ist der neue Kult beim Essen, der neue Mainstream. Essen muss nicht mehr Spaß machen, Selbstkontrolle steht im Zentrum. Nur wer entsagt, ist wirklich rein. Essen wird somit zum sozialen Abzeichen, in gewisser Weise zur Ersatzreligion. Es ist die Lust, etwas nicht nötig zu haben, die die Nahrungsaufnahme zu einer fast kultischen Handlung macht. Da ist die Rede von Entschlackung (Schlacke ?) und Entgiftung (Gift ?) des Körpers. Wir wählen unser Essen ja sehr bewusst aus und lesen selbstverständlich sämtliche Labels, die auf der Packung stehen. Doch der Griff nach Lebensmitteln, die » frei von « etwas sind, wird heutzutage in vielen Fällen nicht mehr durch ein gesundheitliches Problem bestimmt (ich entschuldige mich bei allen wirklich Betroffenen), sondern ist Ausdruck einer inneren Haltung. Manche Zeitgenossen finden es einfach schick, sich durch den Biss in eine fleischfreie Wurst oder einen cholesterinfreien Schokoriegel selbst zu optimieren und sich von dem gedankenlos vor sich hin schlemmenden Pöbel abzusetzen. Und eine große Supermarktkette greift dies prompt auf und bietet eine eigene Produktpalette unter der Marke …








