Bauer Willi
Kommentare 46

So geht Dialog!!! Klasse!

 

Diese Meldung habe ich von der Pressestelle des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes. Beispielhaft! Danke!

Landwirtschaft und Naturschutz – gemeinsame Lösungen finden

20.02.2019

Präsident Conzen: „Miteinander gestalten!“- Die aktuelle Diskussion um das Volksbegehren in Bayern mache deutlich, dass der in NRW in den letzten Jahren eingeschlagene Weg richtig ist. Landwirtschaft und Naturschutz können zusammen Lösungen finden, so RLV-Präsident Bernhard Conzen.

Die Vergangenheit habe gezeigt, dass sich auch aus kontroversen Standpunkten Kompromisse entwickeln ließen, die einen wirkungsvollen Naturschutz und eine ökonomische Landwirtschaft ermöglichen. Gemeinsame Schnittmengen habe man etwa bei der Frage des Flächenverbrauchs. Die vollständige Eliminierung des 5-ha-Ziels aus dem Landesentwicklungsplan stoße sowohl bei Naturschützern wie auch Bauern auf Unverständnis. Das einwohnerreiche Nordrhein-Westfalen mit einer vergleichsweise knappen Ausstattung an landwirtschaftlich nutzbaren Flächen benötige eine flächenschonende Siedlungs- und Infrastrukturpolitik. Auf Beton wachse bekanntlich kein Brot und gedeihe auch kein Schmetterling, so Conzen. Miteinander gut vereinbare Perspektiven gebe es auch bei Kernpunkten der Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik, wo sich beide Seiten in einem von Ministerin Ursula Heinen-Esser moderierten Strategiepapier für die Förderung kleiner Betriebe und intelligente Programme in der 2. Säule ausgesprochen hatten. Zudem habe die Landwirtschaft im Dialog mit dem Naturschutz erkannt, dass zu einer zukunftsfähigen Landbewirtschaftung auch ein Mehr an Strukturelementen gehöre. Daher sehe das Strategiepapier vor, Stilllegungsflächen und Blühstreifen stärker in den Fokus zu nehmen.

Gerade die konfliktreichen Diskussionen zum Landesnaturschutzgesetz hätten beide Seiten, Landwirtschaft und Naturschutz, dazu genutzt, die gemeinsame Verantwortung für nachhaltige und naturbewusste Bewirtschaftung von Flächen in den Vordergrund zu stellen. Die Vereinbarung zum Schutz und zur Entwicklung von Streuobstwiesen sei ein gutes Beispiel, was umgesetzt werden könne, wenn beide Seiten aufeinander zugingen.

Dies sei auch bei der in der vergangenen Legislaturperiode vom NRW-Landtag beschlossenen Biodiversitätsstrategie der Fall gewesen. „Wir Landwirte haben in der Folge eine Vereinbarung zur Förderung der Biodiversität mit dem Land geschlossen.“, hebt der RLV-Präsident hervor. In dieser Vereinbarung werde ein kooperativer Umsetzungspfad aufgezeigt und Runde Tische auf Ebene der Kreise eingerichtet. Diese bildeten eine Plattform, gemeinsam Projekte zu entwickeln und umzusetzen. Hier machten sich Naturschutz und Landwirtschaft auf den Weg, vor Ort sinnvolle Lösungen zu finden. Gleichwohl sei ihm bewusst, erläutert Conzen, dass insbesondere der Pflanzenschutzmitteleinsatz in bestimmten Gebieten vom Naturschutz kritisiert werde. „Hier müssen wir intelligente Lösungen suchen, die den Schutz der Pflanzen gewährleisten und nicht nur einseitig auf ein Verbot abzielen.“

Präsident Conzen bietet deshalb dem Vorsitzenden des NABU NRW, Josef Tumbrinck, an, den vorhandenen Gesprächsfaden zu nutzen und zeitnah den konstruktiven Dialog fortzusetzen, um gemeinsame Lösung zu gestalten.

Jetzt bin ich gespannt, ob Herr Tumbrinck vom NABU NRW es mit dem Dialog ernst meint und das Angebot annimmt.

Hier der Link zum Original:

https://www.rlv.de/index.php?id=766&tx_ttnews%5btt_news%5d=2415&cHash=37c0a0e314d722c36e3640bd2ce0a314

Und, nur zur Erinnerung, hier das Interview mit ihm:

Gespräch mit Josef Tumbrinck: NABU NRW

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46 Kommentare

  1. Paulus sagt

    Selbstverständlich muss oder sollte man aufeinander zugehen. Das hindert allerdings nicht daran glasklare eigene Positionen zu vertreten und diese auch durchzusetzen.
    Bei Lesen des Beitrags stellte ich mir anfangs spontan die Frage, aus welchem Grund ein landwirtschaftlicher Verband die Nähe zu einer nicht demokratisch legitimierten NGO suchen muss?
    Dachte ich doch, die Verbände hätten die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber der Politik und der Administration zu vertreten.
    Zum Glück kam mir schnell die Erleuchtung, dass die NGOs ja eh schon nahezu alle Bereiche unseres Lebens bestimmen und in Wahrheit schon ganze Ministerien okkupiert haben. Immerhin darf eine NRW-Ministerin den s.g. Dialog noch moderieren.
    Das Ganze gipfelt z.Zt. mit der Vorführung eines autistischen Kindes, welches auf eher peinliche Art und Weise zu bestimmten Zwecken missbraucht wird.
    Mit der Frage, ob ein sinnvoller Kurs auch mit der falschen Peilung eingehalten kann, stehe ich insofern wohl ziemlich allein da.
    Ich halte diese Entwicklung, gelinde gesagt, für bedenklich und mich beschleicht ein sehr ungutes Gefühl, nicht nur was die Zukunft der LW betrifft.

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  2. Marzellus sagt

    Das ist ein gutes Beispiel, das ich respektvoll anerkenne. Und das jetzt mal 266.700 landwirtschaftliche Betriebe, und die Welt ist in Ordnung.

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  3. Thomas Apfel sagt

    Man muss, glaube ich aufpassen, dass Gesprächsangebote und daraus folgende „Gespräche“ nicht von vorn herein so gestaltet sind, dass in Hintergrundgesprächen ohne mediale Präsenz offen diskutiert wird (um die Bauern ruhig zu stellen), andererseits durch „Volksbefragungen“ mit ganz anderen, dann auch medial transportierten, Forderungen Tatsachen geschaffen werden, die die Hintergrundgespräche ad. Absurdum führen.
    Wenn man das weichgespülte Gesäusel „wir brauchen die Bauern“ mit den Plänen des NABU zur GAP und zu Volksbegehren abgleicht, verliert man leicht den Glauben an die Ehrlichkeit der Grünen Weltverbesserer, die sich jetzt gerade oben auf der Suppe wähnen.
    Mein Rezept wäre: Gespräche mit den Akteuren vor Ort machen Sinn und bringen konkrete positive Ergebnisse. In der Auseinandersetzung mit den Oberstrukturen muss erst einmal für gleichberechtigte Dialogteilnahme der Landwirtschaft gekämpft werden.
    Im Moment ist doch jeder Fernseh- oder Radiosender und sind auch alle Printmedien in unreflektierter Missionierung unterwegs. Die Verbände und alle Einzelakteure müssen gegenhalten und für gleichberechtigtes Gehöhr für ihre Argumente kämpfen.

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      • Ferkelhebamme sagt

        Das wird sich auch nicht mehr ändern, wir können nur versuchen, diesem Begriff das Negativ-Image zu nehmen, indem wir auch mit vielen Bildern präsent sind. Was mich sehr überrascht hat war ein Bericht unserer Lokalpresse, die eine Pressemeldung der ISN über die Stimmung unter den Schweinehaltern gedruckt hat und dort Greenpeace zitiert, dass die Bauern den Umbau der Tierhaltung nicht alleine stemmen können. Wow, was ist da los?

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  4. Bevor noch mehr Lob über Herrn Tumbrinck hereinbricht, möchte ich die heile Welt etwas trüben, oder glaubt jemand ernsthaft, das es sich der NABU-Vorsitzende erlauben kann seine Anhängerschaft zu enttäuschen, wenn es zu Schwur kommt. Bayern war erst der Anfang -zieht euch schon mal warm an.

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  5. Obstbäuerin sagt

    In Brandenburg hat der NABU eindeutig Stellung gegen die konventionelle Landwirtschaft, dem Hauptschuldigen am Insektensterben bezogen, auch wenn er im Nebensatz die Bauern so gerne mitnehmen möchte. Es geht hauptsächlich um Einschränkung oder Verbot von Pflanzenschutzmitteln. Im Kulturradio kann das in der Sendung verfolgt werden: https://www.kulturradio.de/programm/schema/sendungen/kulturradio_am_mittag/archiv/20190219_1205/tagesthema_1210.html

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    • Der Brandenburgbauer sagt

      Moin Obstbäuerin, Du wirst ja sicher mitbekommen haben das Brandenburgs Grüne eine Urwahl durchgeführt haben. Platz 1″ Die Nonne“, gefährlicher ist der 2 Platz. Benjamin Raschke. Ein Emporkömmling, der ganz nach oben will. Koste es was es wolle.
      Er schreckt vor nichts zu rück. Der junge Mann , der übrigends bei Frau Höhn , sich viele Ratschläge geholt hat,mit welchen Mittel und Methoden man ein ganzes Land so richtig aufmischen kann,ohne für die Konsequenzen gerade stehen zu müssen, ist einer von vielen aus der“ Grünen Liga“ denen wir Brandenburger überzeugend die Stitn bieten müssen.

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      • Obstbäuerin sagt

        Hallo Brandenburgbauer, wir hatten den jungen Mann voriges Jahr zu Besuch in unserem Betrieb. Er hat den guten Zustand der Biodiversität mit eigenen Augen gesehen, hat aber keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Im Moment halten sich die Grünen aber noch bedeckt, was das Volksbegehren betrifft.

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  6. Paulus sagt

    Die Debatte bezügl. des 5 ha-Ziels in NRW wird oder wurde nicht ehrlich geführt. Der Run auf die Neubaugebiete ländlicher Gemeinden ist ungebrochen hoch, mit steigender Tendenz, und führt zu teils skurrilen Ereignissen. Fragt mal den Bauer Willi, welche Klimmzüge die Grundstücksbewerber in seinem Ort unternommen haben um an einen Bauplatz, übrigens in unmittelbarer Nähe seines Hofes zu kommen. In einer Gemeinde am Rand der Eifel wehren sich genau die, die bereits in Neubaugebieten ein Häuschen besitzen gegen die Ausweisung weiteren Baulands. Abgesehen davon, sind auch manche Bauern an einer erweiterten Fruchtfolge nicht uninteressiert, schließlich besitzen, vor allem in Mittelgebirgsregionen nicht alle (ehem.) Bauern Böden hoher Bonität. Pachtpreis für hängiges Grünland im Sauerland = 2 Bier und 2 Schnäpse auf dem Schützenfest.
    Zum Schluss noch eine Bemerkung zum Nachdenken: Gerade die „Grünen“ wohnen ganz gerne im „Grünen“ – wobei sie gerne privilegiert und ohne für sie störende Einwirkungen sind. Ein paar WKA und Fermenter mit der dazu gehörigen Frucht sind dann einfach nur Scheiße. Sorry!

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Paulus, einige Kollegen, auch ich sind nicht an einer erweiterten Fruchtfolge interessiert und das zu Leidwesen unseres Dorfschultes. Auch das gibt es.

      Auch wenn ich meine 5.800 m2 verpachtet habe, ich verkaufe meine Fläche nicht für ein paar Papierschnipfel, von denen ich nicht weiß, ob die in 10 Jahren noch was wert sind.

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  7. Friedrich sagt

    Das mit ein ander geredet wird ist schon mal ein guter Anfang. Wenn auch die anderen 50%
    der Landesfläche mit einbezogen wird und nicht die ldw. Fläche dann wäre es noch besser, denn die Bauern haben nicht die ihre Flächen bebaut , sondern die restl. Bevölkerung und die macht sich einen „schlanken Fuß“. Der Insektenrückgang ist bislang auch nur eine Behauptung , denn es gibt hier in Deutschland keine über Jahrzehnte erfasste Daten. Ganz
    anders in UK , dort hat man wissenschaftliche Daten über die Insekten seit den „1930er Jahren. Würde also empfehlen erst einmal nach Rothamstedt ,nördl. von London , zu fahren und mir erzählen lassen wie man dort die Insekten fängt und zählt, denn wir müßen das Rad ja hier nicht neu erfinden. Das Institut mit bis zu 2000 Datenerfassern im ganzen Land hat schon sehr gute Daten und kann auch Aussagen mit hoher Sicherheit über die Insektenentwicklung von sich geben. Deren wissenschaftliche , hoch abgesicherte Daten lassen die Aussagen hier zum Insektenschwund jedenfalls nicht zu. Deren Daten sagen einen Insektenschwund in den urbanen , also eher Stadtgebieten, einen Insektenrückgang aus. Ich frage mich allerdings , ob man das hier überhaupt hören will , denn viele Leute sehen hier schon wieder ein Geschäftsmodell und viele „Öffentliche Stellen“ am Entstehen. Wir sind in unserer Volkswirtschaft an einem Punkt angekommen , wo man sich fragt , ob wir mit lauter Kontrolleuren überhaupt noch unseren Wohlstand aufrecht erhalten können, denn ein Acker der blüht , ernährt doch keine Menschen. Ebenso ist das mit Schlachthöfen, Industrieproduktion u.v.m.. Wir sollten den „Tanz ums Goldene Kalb“ nicht übertreiben, denn von irgendwoher kommt unser Wohlstand. In jedem Falle nicht von Kontrolleuren und Beamten , sondern von Leuten die was produzieren.

    28+
  8. Altbauer Jochen sagt

    Wie wird das gehen, wenn unsere Jugend aus der digitalisierten
    Schule kommt und anschließend die Bauernkinder, die
    vielleicht noch in den Beruf einsteigen wollen ,
    die Kurve kriegen sollen zu einem Zurückhalten mit
    der Vorstellung von Intensität in ihrem Berufsleben.
    Während ihre Klassenkamerad/innen die „Ideale“ vorgeben
    die sie von den Bauern erwarten, selbst aber alles daransetzen
    um ein Erfolgs-und komfortreiches Leben zu erreichen.
    Grad gestern die Meldung , 11 Mio. Tonnen Nahrungsmittel
    gehen jährlich in Deutschland in den Abfall.
    Das zeugt nicht grad davon das man sich viele Gedanken
    über dem Umgang mit Lebensmitteln macht.
    Grundsätzlich bin ich für einen Dialog über mehr
    Biodiversität in Deutschland .Ich glaube auch, man kann
    auf vernünftiger Basis einiges erreichen.
    Es kann aber nicht nur zu Lasten der Bauern gehen,
    -es geht alle an.-

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  9. Realist sagt

    Der Rheinländer ist für Klüngel bekannt – nicht nur in Köln.
    Auch wenn gegen den RLV kürzlich die Staatsanwaltschaft ermittelt hat, wegen Verdacht auf Bestechlichkeit bei Pipelineprojekt Zeelink, finde ich den Conzen ganz o.k.. Dass Bauern vom Bauernverband verkauft und verraten werden, ist nicht neu.

    Wenn hier ein Dialog funktionieren sollte, ist das ein Tropfen auf den heißen Stein. Der NABU wird ein Volksbegehren starten wie in Bayern. Oder soll man Volksverhetzung sagen?

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    • Bauer Willi sagt

      Bitte haben Sie Verständnis, dass der Kommentar nur einmal veröffentlich wird, auch wenn er unter zwei verschiedenen Namen eingereicht wurde.

      Was hat der Verdacht denn ergeben? Wissen Sie das auch?

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  10. Marzellus sagt

    @ehemaliger Landwirt
    „Die Erkenntnis, dass man die Bauern – zumindest für den Naturschutz – noch braucht, ist nicht neu. Offensichtlich ist man bei denen inzwischen auch der Meinung, dass die Bauern, welche die Natur erhalten sollen, abhanden kommen.“

    Diese Aussage ist unstrittig. Aber worin liegt ihr tatsächlicher Beitrag? Bezogen auf die Gemeinde Pulheim habe ich mal zusammenaddiert, was allein aus dem Fördertopf Greening-Prämie an Mitteln unter den örtlichen Landwirten ausgezahlt wird. Da kamen vor einem Jahr 320.000 Euro raus.

    Was dafür ökologisch Wertvolles getan wurde, erschließt sich mir nicht. Ich bin jeden Tag zu Fuß unterwegs – keine Angst, nicht um Bauern zu kontrollieren-, aber ich sehe bis auf wenige Blühstreifen nichts, was den sinnvollen Einsatz der Fördermittel rechtfertigen würde. Massive Gründungung im Herbst bringt Insekten gar nichts. In dieser Jahreszeit geht es um Überwinterung, nicht um Brutentwicklung und Bestandserhaltung. Das passiert im Frühjahr und im Sommer.

    Auch die „Basisprämie“ ist im Übrigen zum Teil „als finanzieller Ausgleich für die weit höheren Umweltschutz-, Tierschutz- und Verbraucherschutzstandards in der EU im Vergleich zu den Produktionsauflagen von Mitbewerbern auf dem Weltmarkt.“ begründet.

    Was den RLV betrifft, so leisten die Mitarbeiter zusammen mit den teilnehmenden Bauern unbestreitbar gute und sinnvolle Arbeit. Von den Bauern in der Gemeinde Pulheim nimmt da allerdings keiner dran teil, auch nicht in den Nachbarkommunen. Ich hab persönlich nachgefragt bei den zuständigen Leuten des RLV.

    Es bringt meiner Ansicht nach nicht viel, gute Beispiele in der Weise zu präsentieren, dass der Eindruck entsteht, sie seien repräsentativ. Sie sind löbliche Ausnahmen und sicherlich nicht die Regel.

    2+
    • Bauer Willi sagt

      Und jetzt bitte Ihre Vorschläge. Reichen Sie die bitte bei der EU ein. Dort werden die Regeln gemacht.

      3+
    • Thomas Apfel sagt

      Greening hat mehrere Zielfunktionen, unter anderem Vermeidung von Nährstoffauswaschung und Verbesserung der Biodiversität bei Bodenlebewesen sowie besserer Humusaufbau. Einfach mal den Bienenhalter-Tunnelblick aufgeben Herr Marzellus.

      8+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Haben sie bitte Verständnis dafür, dass ich zur Gemeinde Pulheim nicht sagen kann, da ich diese Gemeinde nicht kenne.

      Gehen sie mal nach Nippes, dort finden sie sicher das Insektenparadies.
      Den Rest hat Bauer Willi beantwortet.

      1+
    • Arnold Krämer sagt

      Das Greening fordert
      – mind. 3 Ackerkulturen
      – 5% ökologische Vorrangfläche (kann durch Zwischenfrüchte erbracht werden)
      – Erhalt von Dauergrünland (Umbruchverbot).

      Die „Spielregeln“ der EU-Förderung werden/wurden von 27/28 Mitgliedstaaten sowie dem EU-Parlament festgelegt, „entstehen“ also aus unterschiedlichsten nationalen Vorstellungen über die anzustrebenden Ziele und ihre Gewichtung, abgesehen davon, dass Agrarpolitik gar nicht in der Lage ist, die systemimmanenten Zielkonflikte im Agrarsektor zu lösen.
      Das Greening wird schlecht geredet, obwohl es klar erkennbare Verbesserungen in vielen Regionen des Landes gebracht hat. Es wird schlecht geredet, weil
      – bestimmte Interessengruppen das jetztige Regelwerk als Verwässerung der ursprünglichen Kommissionsvorschläge unter dem Agrarkommissar Ciolos betrachten (wird als politische Niederlage empfunden)
      – die Gelder in der nächsten Periode gänzlich anders verwendet sehen möchten

      Übrigens: Die Gründüngung ist nicht für die Insekten sondern für die Stickstoffbindung über die Wintermonate mit der Grundwasserneubildung gedacht.
      Es gibt keine „Eier legende Wollmilchsau“ unter all den bereits gemachten Auflagen für die Landbewirtschaftung und den geförderten Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen.

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      • Marzellus sagt

        Eine Begrünung mit Zwischenfrüchten trägt zur Bodenverbesserung und zum Bodenschutz bei. Richtig. Aber ist das oder auch die Erhaltung des Bodenlebens jetzt eine sinnvolle ackerbauliche Maßnahme (Erosionsschutz) oder eine ökologische Verbesserung? Ich dachte bisher, dass die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit primär mal Eigeninteresse der Bauern ist. Dass man das auch noch seitens der EU subventionieren muss, ist für mich nicht nachvollziehbar. Dann eher schon die Verpflichtung, dass Betriebe mit mehr als 15 ha Ackerfläche dazu verpflichtet sind, 5% ihrer Ackerfläche als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) vorzuhalten und entsprechend zu bewirtschaften.

        Als achtsamer Beobachter frage ich mich da allerdings: Wo sind die denn? Bei meinen Gängen durch die Pulheimer – Frechener Feldflur kann ich solche Vorrangflächen (abgesehen von den wenigen Blühstreifen) definitiv nicht finden.

        @ Bauer Willi

        “ Neu aufgenommen in den Katalog der Greening-Maßnahmen wurden ab dem 01.01.2018 die Ackerbrache als Bienenweide (Brache mit Honigpflanzen) sowie der Anbau von Nachwachsenden Rohstoffen (Miscanthus, Durchwachsene Silphie). Aufgrund ihrer unterschiedlichen ökologischen Wertigkeit werden bei den flächigen Maßnahmen unterschiedliche Gewichtungsfaktoren angesetzt: ab 2018 gilt der höchste Gewichtungsfaktor von 1,5 (1m2 Ackerfläche = 1,5m2 ÖVF) für Brachen mit Honigpflanzen, der Faktor von 1,0 für Ackerbrachen und Leguminosen, ein Faktor von 0,7 für Nachwachsende Rohstoffe und ein Faktor von jeweils 0,3 für Zwischenfrüchte und Untersaaten. “ (Quelle: https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/naturschutz/biodiversitaet/oevfflaechen/index.htm )

        Als Imker und Naturfreund kann ich doch an einer solchen Regelsetzung nichts aussetzen. Die Frage ist doch, wie jeder Bauer, der mehr als 15 ha bewirtschaftet, solche Regeln umsetzt. Was soll ich denn angesichts solcher „Anreize“ in Brüssel ?

        All diese Maßnahmen, beginnend mit der „Untersaat“ (Faktor 0,3) bishin zu den „Brachen mit Honigpflanzen“ (Faktor 1,5) würden den Insekten in ihrem Überlebenskampf sicher helfen. Aber trotz der hohen Gewichtung der letztgenannten finde ich vor Ort nichts, was diesem Ziel entgegen käme.

        Stichwort DIALOG: Vielleicht wäre es hier mal interessant zu hören, wie Ihr Landwirte „Greening“ im Sinne der EU-Vorgaben KONKRET umsetzt. Besonders interessant fände ich mal eure KONKRETEN Maßnahmen zum Insektenschutz in euren Betrieben.

        1+
        • Thomas Apfel sagt

          Ihre Art der Betrachtung der Agrarzahlungen ist zwar gerade in Mode, aber trotzdem falsch.
          Erstens ist Greening in der objektiven Betrachtung nicht neu dazugekommen, sondern (als Teilsumme der Agrarsubventionen zur Stützung der Lebensmittelpreise, also des Handels) von den bisherigen Zahlungen „abgespalten“ worden. Für den Landwirt ist das also „linke Tasche – Rechte Tasche“ wie man so schön sagt, die Mehrkosten trägt er weitgehend selbst (je nach Landesprogramm).
          Das gesellschaftliche Problem ist, diese „vom Handel eingepreisten“ (Dr. Weiler EDEKA Südwest 2012) Bestandteile des Einkommens der Bauern als frei verfügbare Masse für allerlei neue Ideen, die teils richtig und teils falsch sind, zu betrachten. Wenn man in diesem Zusammenhang nur einen Schalter umzulegen bräuchte, müsste man die Lebensmittel- und Agrarrohstoffpreise per Edikt um ca. 27 % erhöhen und zack, wären die Milliardenbeträge für Naturschutz und Insektenschutz verfügbar.

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        • Thomas Apfel sagt

          So, und jetzt, auf das der Antwortblock nicht zu lang werde, die Antwort auf die Frage nach den konkreten Maßnahmen.:
          Bei mir im Betrieb liegt der Anteil ÖVF bei 22 %. Davon ist ein Drittel temporäre Stilllegung gerodeter Obstbaufläche mit blütenreicher Begrünung aus den ehemaligen Baumstreifen heraus (bis zu 90 Pflanzenarten nachgewiesen). Ein Drittel sind angesäte Blühflächen (Blühmischungen) mit „Honigpflanzen“ (weil ich das mal probieren wollte). Das letzte Drittel sind Stilllegungen von Flächenteilen mit geringer Bodenqualität. Hier wird in Zusammenarbeit mit dem NABU-Regionalverband versucht Insekten- und Vogelschutzmaßnahmen umzusetzen (Nisthilfen, alternierende Mahd mit ungemähten Überwinterungsstreifen, Anlegen von 2 Feuchtstellen).
          Dieser hohe Anteil von ÖVF hat 2 Gründe.:
          Wir haben dilluviale Sandböden (Endmoränengebiet) mit ca. 20 % Flächenanteilen mit Ackerzahlen unter 25. Diese Flächen sind obstbaulich nicht nutzbar, und die umliegenden Ackerbauern wollen sie wegen zu geringer Größe und ungünstigem Zuschnitt auch nicht haben.
          Dementsprechend sind diese Flächenanteile durch Intensivierung auf den besseren Böden „frei“ geworden. Diese „schlechten“ Flächenanteile sind natürlich auch Grund für die bei uns moderaten Pachtpreise. Im Durchschnitt ist die Wertschöpfung/ha dadurch auch sehr viel schlechter als in Gebieten mit guten Böden.
          Die Betriebe in Ihrer Umgebung generieren das Familieneinkommen bei kleineren Flächen über eine doppelt so hohe Wertschöpfung je ha. Dem entsprechend hoch sind auch die Bodenpreise und Pachten.
          Deshalb fällt es objektiv auch sehr viel schwerer einfach Flächen aus der Produktion zu nehmen.
          Der Obstbau ist aber bei uns im Rückgang begriffen, ein Drittel der Betriebe hat in den letzten 10 Jahren aufgegeben. Die nach der Aufgabe erfolgende Übernahme der Flächen durch die umliegenden großen Ackerbaubetriebe beseitigt die durch unsere Bewirtschaftungsform gegebene Biodiversität.

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        • Sabine sagt

          Marzellus, ich weiß, das hört sich jetzt nach What-About-ism an, aber warum subventioniert unsere Gesellschaft den Niedriglohnsektor? Warum bekommen Unternehmen wie Amazon die teilweise lachhaften Löhne, die sie ihren Lager- und Versandarbeitern bezahlen, von uns gestützt und auch noch Millionen an Steuern hinterher geschmissen? Warum werden Energieunternehmen, Banken, Entsorger etc. vom Staat geschützt und unterstützt?
          Wahrscheinlich, weil es sich am Ende irgendwie auszahlt.
          Vergleich mal die Preise aus der guten alten Zeit mit dem, was man jetzt so im Discounter lässt. Die Biodiversität der Vergangenheit war sehr, sehr teuer auch für Lehrer. Warum sollte mehr Biodiversität heute eigentlich nur von Landwirten bezahlt werden?
          Übrigens ein Ei kostete 1913 0,13 Mark, wenn man den eines dem glücklichen Tuckenbesitzer überhaupt abschwatzen konnte. Ein Lehrer bekam um die 1000 Mark im Jahr. Das Theater, was meine Großeltern – beide um 1900 gebohren- ihr um ihre Tucken gemacht haben erschließt sich mir dadurch.

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Monatslohn 1913 90 Mark
            Butterpreis 1913 2,75 Mark Kg.

            Monatslohn 1983 – 938,00 Euro
            Butterpreis 1983 – 10,92 DM Kg.

            Gymnasiallehrer NRW 2019
            als Beamter 4469.- Euro
            Butterpreis 2019 6.76 Euro

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            • Obstbäuerin sagt

              Mindestlohn 2019 – 1.500,00 €
              Hartz4 – 424,00 €

              Und jetzt mal in Prozenten:
              1913: 3,06 %
              1983: 1,16 %
              2019: Lehrer 0,15 %
              Mindestlohn 0,45 %
              Hartz4 1,59 %
              Ich hoffe, dass meine Prozentrechnung nicht wieder falsch ist. Bitte nachrechnen. Danke.

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  11. Ehemaliger Landwirt sagt

    Wenn Herr Josef Tumbrinck jetzt mal mit den Landwirten sprechen will, das ist schon mal ein gutes Zeichen.
    Bis jetzt hat man nur über die Landwirte gesprochen, um nicht zu sagen, man hat die Bauern übelst beschimpft.

    Die Erkenntnis, dass man die Bauern – zumindest für den Naturschutz – noch braucht, ist nicht neu. Offensichtlich ist man bei denen inzwischen auch der Meinung, dass die Bauern, welche die Natur erhalten sollen, abhanden kommen.

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  12. bauerhans sagt

    Josef Tumbrinck hatte auf der tagung „Insektenschutz“ am 16.2.19 in der uni münster betont,erst mit den landwirten sprechen zu wollen,weil die ja besonders betroffen wären!

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  13. Obstbäuerin sagt

    Wenn wir uns nicht gerade auf der letzten Geraden vor der Festlegung der EU-Gelder befinden würden, könnte ich dem zustimmen. Ich sage jetzt mal voraus, dass nach der letzten Sitzung vor der Veröffentlichung der Eckpunkte in Brüssel, die Attraktivität der Insekten und der Hype um die Bienen sang- und klanglos verschwinden werden und ein anderes Thema nach oben gepuscht wird. Die Folgen der politischen Entscheidung haben jedoch ausschließlich die Bauern zu tragen.

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  14. Harald Müller sagt

    Wenn sich der RLV für die „Förderung der kleinen Betriebe“ und „Förderung der Biodiversität“ ausspricht, soll er doch bitte auch seine Vorstellungen artikulieren, wo denn das dafür nötige Geld herkommen soll.
    Es kann nicht sein, dass die Bauernverbände durchwegs unerwähnt lassen, dass diese Ziele nur mit zusätzlichen Geldern erreichbar sind, und dies durch die Brüsseler Richtlinien aktuell nur in engen Grenzen möglich ist.

    4+
  15. Ottmar Ilchmann sagt

    Herr Conzen scheint ein Bauernverbandsvertreter mit einer realistischen Sicht auf die Dinge zu sein. Vielleicht spielt auch das rheinische Naturell eine gewisse Rolle. Auf jeden Fall Respekt für diese Positionierung! Auch bei heiklen Themen ist es sicherlich klüger, von Anfang an mitzureden und zu gestalten, als von der Entwicklung überrollt zu werden, wie es dem bayrischen Bauernverband gerade passiert ist.

    6+
    • Bauer Willi sagt

      Ja, die Rheinländer sind Realisten und dialogbereit. Diese Eigenschaft nimmt von hier nach Nord und Süd exponentiell ab. 🙂
      Gruß
      Willi

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      • Ottmar Ilchmann sagt

        Gibt auch Ausnahmen, Willi 😉 Der Ostfriese z.B. ähnelt dem Rheinländer durchaus. Man muss dazwischen allerdings die Durststrecke über Westfalen und das Emsland durchstehen!

        1+
      • bauerhans sagt

        nanana,wenn de mal wieder vor meiner tür stehst,Willi,überleg ich mir das mit der einladung zum essen.

        2+

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