Bauer Willi
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Schluss mit der bäuerlichen Landwirtschaft!!

In der Süddeutschen Zeitung vom 22. Februar hat Herr Kirchinger (selbständiger Landwirt und akademischer Rat an der Uni Regensburg) einen Artikel verfasst, der mit dem Satz beginnt „Es gibt zu viele Landwirte in Bayern“. Und auch die Anmerkung, dass „eine nachhaltige Agrarpolitik muss das Leitbild der bäuerlichen Landwirtschaft aufgeben“ wird sicherlich bei vielen Widerspruch auslösen.

http://www.sueddeutsche.de/politik/aussenansicht-die-maer-vom-bauern-1.3390332

Im folgenden habe ich mal ein paar besonders „kernige“ Sätze herausgeschrieben:

  • Je mehr Landwirte ums Überleben kämpfen, umso intensiver wird Landwirtschaft betrieben
  • Die Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft löst keine ökologische Probleme sondern verschärft sie.
  • Die Identität zwischen Arbeit, Familie und Eigentum ist aufgebrochen. Die landwirtschaftlichen Betriebe werden größer, verlieren ihren bäuerlichen Charakter – und sie werden extensiver. …Der Zuchtfortschritt wird …nicht mehr in die Praxis umgesetzt.
  • Eine nachhaltige Agrarpolitik muss … das Leitbild der bäuerlichen Landwirtschaft aufgeben. Sie muss alle Maßnahmen unterlassen, die den Strukturwandel bremsen. Diese Maßnahmen sind teuer, schaden den Landwirten und bringen keinen ökologischen Erfolg.
  • Größere Strukturen sind…auch aus sozialen Gründen geboten. Die Subventionen, die ursprünglich die Existenz der Bauernfamilien sichern sollten, werden mittlerweile verwendet, um die Pacht zu zahlen.
  • Die Abschaffung der Agrarsubventionen würde …in erster Linie zu einer Senkung der Produktionskosten und damit zu einer Entwertung des Privateigentums an Grund und Boden führen – zulasten der Verpächter, also der Besitzenden, und zum Nutzen der gesamten Bevölkerung.

Und jetzt seit ihr an der Reihe, diese doch etwas ungewöhnliche Sichtweise zu kommentieren. Ich könnte ja auch was dazu sagen, lasse euch aber den Vortritt… 🙂

Euer Bauer Willi

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89 Kommentare

  1. XTB sagt

    An alle größeren Betriebe. . . .. . „nichts wird sich ändern“ . . . . . . wartet ab bis der Diesel knapp wird, mal schauen ob ihr dann 100te hektar mit pferden wirtschaftet, kann noch lange dauern, aber ES WIRD ANDERS WERDEN, mit weitem Blick….

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  2. Kirsten Wosnitza sagt

    Hätte der Autor recht, dann würde in den USA die Milchproduktion weniger intensiv betrieben.

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  3. Walter Parthon sagt

    Bauernverband SW
    Bürgschaften für Tierhaltung unterhalb unserer Standards?
    Während in Deutschland über Haltungsbedingungen für Schwein, Rind und Geflügel gestritten wird, sichert die Bundesregierung über Exportgarantieren den Bau von Stallanlagen im Ausland ab, die mutmaßlich nicht den deutschen Tierhaltungsstandards entsprechen, schreibt die Neue Osnabrücker Zeitung mit heutigem Datum.
    Seit 2013 habe die Regierung Hermes-Bürgschaften für 16 Stall- und Mastanlagen in Höhe von 104 Millionen Euro übernommen – 31 Millionen Euro an Entschädigungen wurden fällig. Laut Wirtschaftsministerium gelten die Bürgschaften für sieben Projekte in der Ukraine, vier in Weißrussland, drei in Russland sowie jeweils eines in Rumänien und Usbekistan.
    Zuletzt hatten Bürgschaften für eine Entenfarm in dem osteuropäischen Land für Kritik gesorgt. Mit insgesamt 42 Millionen Euro sichert die Bundesregierung laut NOZ Exporte für den Bau der Mastanlage für 864.000 Enten an. Diese sollen auf Gitterböden gehalten werden, eine Haltungsform, die in Deutschland in dieser Form nicht erlaubt wäre. Mehrere Millionen Euro an Entschädigung für die deutschen Exporteure seien fällig geworden, nachdem den Investoren vor Ort wohl das Geld ausgegangen war.
    Wir meinen: Zumindest die Kennzeichnung der Produkte, die nicht unseren Standards entsprechen, sollte auch für Fleisch- und Ei-Produkte selbstverständlich sein!

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    • Martin Gork sagt

      Wenn es nach den Grünen geht, dann werden Deutsche Produkte gekennzeichnet aber keine Importware.
      Es geht schließlich darum, die heimische Landwirtschaft zum Wahlkampfthema zu machen, auch wenn diese darunter zu leiden hat.

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      • rebecca sagt

        eine Kennzeichnung deutscher Produkte wäre doch super. Mit bischen Marketing würde das anders ablaufen als sich die Grünen Flachpfeifen vorstellen.

        So blöd das sie ausländische Produkte gegenüber deutschen vorziehen nur weil die Grünen gegen die deutsche Landwirtschaft hetzen sind die Verbraucher nun auch wieder nicht.

        Im Gegenteil. Mit bischen Marketing und Öffentlichkeitsarbeit könnten davon die deutschen Produzenten profitieren.

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  4. Kraftfutterverkäufer sagt

    Ich sehe vor allem, dass Betriebe aufgeben, die beratungsresistent waren. Die ihre Kennzahlen nicht im Blick hatten. Die einfach melken, statt melken +dokumentieren. Trotz „hohem Wasserverbrauch “ laufen Roboterbetriebe rund. Kennzahlen in Echtzeit, mehrere Berater. Und zum Gülle saugen brauchts nicht mehr tagelanges aufrühren. Edv erobert die Welt. Ohne die geht’s nicht -egal ob groß oder klein

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Die bäuerliche Landwirtschaft brauchen wir für den Erhalt „unserer“ Landschaft, das weiß die Politik. Ärgerlich ist für mich, dass man seitens des Berufsstandes die bäuerliche Jugend dazu verleidet, dass sie den Beruf des Landwirtes auf einem kaum zukunftsfähigen Hof erlernt.

        Noch vor 1990 habe ich mit dem Geschäftsführer der Bezirksgeschäftsstelle des Bauernverbandes über die zukunftsfähige Größe eines Betriebes diskutiert, damals haben wir uns auf 150 bis 200 Ha geeinigt.

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  5. Friedrich sagt

    @Stadtmensch. Beschäftige dich mal mit den Thünschen Kreisen , dann wirst du erkennen , daß es eine gegenseitige Abhängigkeit von Stadt und Land gibt. Auch gerade unter Umweltaspekten wieder mehr denn je !

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    • Stadtmensch sagt

      Danke, war mir nicht bekannt. Können wir uns merken für die Zeit, wenn wir (gewollt oder ungewollt) wieder in der solaren Kreislaufwirtschaft leben müssen. Momentan hänge ich noch am Prinzip des „Ganzen Landwirts“, das Joachim Radkau in Anlehnung an die Otto Brunnersche Sozialtheorie des „Ganzen Hauses“ für die europäische Umweltgeschichte als Alleinstellungsmerkmal nachgewiesen hat, fest. Darin gehts um innerbetriebliche Stoffkreisläufe als Kernprinzip rentabler Betriebsführung. Ich denke, da müssen „wir“ wieder hin. Da müsst ihr euch eben mal auf euern Instinkt verlassen\zurückbesinnen und dem Beraterunwesen aus Politik und Wirtschaft eine Ansage machen. So etwas wie die verordnete Viehkonszentration in Niedersachsen oder Vollgasbauer per Fremdsteuerung darf nicht wieder passieren. Da ist in der Tat ein Blick zurück immer sehr ratsam – wies der „Agrartheologe“ Kirchinger (nomen est omen) empfohlen hat. 😉

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      • @stadtmensch ist das nicht „Wunschdenken“, wenn selbst im Biolandbau arbeitsteilige Systeme und Spezialisierung zu beobachten sind?

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        • Stadtmensch sagt

          Klar ist es Wunschdenken. Marktwirtschaftlich mag es rational sein, die althergebrachte Autarkie eines agrikulturellen Systems durch Spezialisierung aufzubrechen. Die externalisierten Kosten (Güllebörse, Tiertransporte, Herstellung und Transport chemischer Hilfsstoffe) muss man in die Gesamtbilanz aber mit einbeziehen. Die veränderten Ernährungsgewohnheiten und dieser ganze als selbstverständlich vorausgesetzte Luxus, sind aber auch bedenklich. Letztlich wollen doch alle nur etwas Sinnvolles zu tun haben und was nützt es da, wenn man hier rationalisiert, nur um die überflüssig gewordenen umzusiedeln und zu alimentieren? Die Frage kann man ja auch mal stellen.

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  6. „Zur Herstellung einer bestimmten Menge an Lebensmitteln benötigt ein größerer Betrieb z. B. sehr viel weniger Energie als mehrere Kleinbetriebe für dieselbe Menge benötigen würden.“ Ist nicht wirklich neu und kann man u.a. hier nachlesen (Ecology of Scale): https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ecology_of_Scale
    Lässt sich in allen Branchen beobachten. Selbst der Biolandbau stellt sich neu auf: https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Plant-Bioland-Kooperation-mit-Sauenhalter-Klaene-Menke-2509527.html

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  7. Josef sagt

    Ein wesentlicher Teil des Artikels stellt eigentlich eine Kritik am Fördersystem dar. Wenn das angebliche Ziel, die bäuerliche Landwirtschaft zu fördern verfehlt ist, wäre es logischer, das Fördersystem zu verbessern, statt die bäuerliche LW abzuschaffen.

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  8. Paulus sagt

    Nun ja, der Verfasser des Artikels (Dr. phil.) ist wissenschaftlicher MA am Lehrstuhl für historische Theologie. Nachdem ich den Artikel in der SZ aufmerksam gelesen habe und auch Einblick in das Vorlesungsverzeichnis der Uni Regensburg sowie in die Vita und Biographie des Verfassers hatte, kam ich vom Schmunzeln ins Grübeln. Bevor mein Weltbild nun vollständig aus den Fugen gerät, bin ich geneigt mich doch eher auf Vertreter gesellschaftlich relevanter und ernst zu nehmender Fakultäten zu besinnen.
    Vielleicht können Alois oder Willi die Frage beantworten, welchen Erkenntnisgewinn ihnen dieser Artikel gebracht hat. Mir bleibt ein solcher leider verborgen. OK, ich bin auch nur ein ganz einfach strukturierter Zeitgenosse; aber verstehen möchte ich es trotzdem.

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Paulus, zunächst einmal finden wir derartige Thesen diskussionswürdig. Da ist es vor allem das gebetsmühlenartige Hochhalten der Politik, dass sie doch den bäuerlichen Familienbetrieb fördern wollen, das hier erfrischend hinterfragt wird. Die Entwicklung in der Realität ist der Strukturwandel, der dieses Ideal ab absurdum führt. Wir sollten ehrlich sein, viele Bauernfamilien haben sich auf die Lippenbekenntnisse zur bäuerlichen Landwirtschaft verlassen. Doch das Gießkannenprinzip der Flächen-Subventionen heizt tatsächlich den Pachtmarkt an. Die Subventionen kapitalisieren sich zugunsten der Eigentümer und Verpächter. Und der Zwang zum Wachsen wird nochmals erhöht.
      Das wird sehr schön in dem Film „Bauer unser“ gezeigt, der am 23.03.17 in die deutschen Kinos kommt.

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  9. Altbauer Jochen sagt

    Der Trend , oder der Zwang? zu immer größeren Betrieben
    ist wie ein Drang auf den Gipfel des Berges zu kommen.
    Erst wenn man oben ist merkt man, das da nur Platz für einen ist.
    Die anderen müssen auf der Strecke bleiben.
    Kollateralschaden ? Nein, das Verschwinden der Landbevölkerung
    ist eine Katastrophe – weltweit !

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  10. Friedrich sagt

    Wenn es nur nach betriebswirtschaftlichen Zahlen geht hat der Mann sicherlich recht. Das Ergebnis dieser Rechnung können wir z. B. in MP sehen . Bei der Wende waren dort mehr als 72 Menschen/km2 , heute 48 und in 20 Jahren anhand der Altersstruktur nur noch rd 30 Menschen/km2 . Dort brechen die Strukturen zusammen, wenn ich an die Gesundheitsbetreuung (Ärzte, Krankenhäuser usw.) denke , aber auch das Handwerk und die kommunale Versorgung läßt sich so nicht mehr aufrecht erhalten. Landwirtschaft ist Multifunktional , daß heißt , daß die Bauern , weil stets vor Ort, Mitglied in den Feuerwehren, Ortsvereinen , Politik usw. tätig sind. Aber auch bei geringer Rendite mit Schafen , Rindern o.ä. die Landschaft pflegen. Was wären denn unsere Urlaubsgebiete ohne die Landschaftspflege. Dann wäre dort vielfach nur Wald.
    Reiterhöfe , Hofläden, Milchhäuser an den Radwegen ,Hofcafees usw. bereichern neben der normalen Boden – und Tierproduktion die Landschaft. Auch sollte man nicht die von den Bauern unterhaltenen Wirtschaftwege vergessen, auch wenn sie teilweise von der Gemeinde von der Grundsteuer unterhalten werden. Dann wären viele Radwanderwege garnicht da. Auch sollte die Sicht auf die Dörfer nicht fehlen . In den strukturschwachen Gegenden ist so mancher Verfall am Straßenrand zu sehen. Ehemaligen stolzen Bauernhöfen unterliegen dem Verfall. Jeder, der sich mehr als 80 km von größeren Städten entfernt kann das abseits der großen Straßen sehen. Nachhaltig wird das hohe und für die Allgemeinheit teure Folgekosten haben. Diese Rechnung hat bisher in Berlin und Brüssel keiner aufgemacht. Die politischen Folgen können wir in Polen, GB, USA und Frankreich sehen. Dort hat das benachteiligte Land gegen die Stadt abgestimmt. So kann eben aus billig auch eine teuere Suppe werden !!

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    • Stadtmensch sagt

      Aus meiner naiven ökologischen Sicht, kann ich die Landflucht, bedingt durch den demographischen Strukturwandel, nur begrüßen. Weniger Menschen, die zudem noch zunehmend in Metropolen hausen, sind für die Regeneration der agrarökologischen Versorgungssysteme sicher vorteilhafter, als eine fragmentierte Siedlungsstruktur, deren Versorgung sehr aufwendig ist. Hier sollte sich ein unabhängiger Sachwalter einfach mal hinsetzen und ein paar Modelle hinsichtlich des zu erwartenden volkswirtschaftlichen Auwandes ertellen.
      Oder man entscheidet sich für „den anderen Weg“ und erhält die räumlich verteilten Arbeits und Lebenmittelpunkte der Menschen, was aber auch bedeutet, dass eine andere Landwirtschaft (mehr auskömmlich bezahlte Handarbeit in der Landwirtschaft und weniger Pendelei in die Städte) angetrebt wird. Wenn man das alles einer ehrlichen Analyse unterzöge, käme man sicher zu ganz anderen Ergebnissen, als dem, was sich jetzt kurzfristig als ökonomischer Sachzwang darstellt.
      Erst im Diskurs ergeben sich Möglichkeiten und neue Sichtweisen. Es kann ja auch heißen, „lerne oder weiche“.

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  11. Berthold Lauer sagt

    Seid doch mal ehrlich! Schon immer hatte die Politik das Leitbild des bäuerlichen Familienbetriebes. Und jeder konnte sich da hineininterpretieren, was immer ihm in den Sinn kam. Haben irgendwelche politischen Maßnahmen der letzten Jahrzehnte die Entwicklung in die Richtung die wir momentan haben, verhindert? Allenfalls wurden Entwicklungen verzögert, es wurde viel Geld ausgegeben, es wurde und wird auch viel Geld verbrannt, weil falsche Signale ausgesendet wurden bzw. Signale falsch interpretiert wurden. Man hat den Betrieben vorgegaukelt, dass jeder bestehen könne, wenn er es denn nur wolle! Und die Prämien? In vielen Regionen werden sie ganz selbstverständlich weitergereicht! Ganz abwegig sind diese Thesen nicht! Landwirtschaft muss ökonomisch rentabel sein, egal ob im Großen oder im Kleinen. Dazu helfen uns keine Leitbilder und letztendlich auch keine Prämien!

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  12. Ralf Große Wortmann sagt

    Ich finde der Artikel trifft sehr gelungen viele Wurzeln, die sich noch gar nicht als Ursache vieker Probleme der bäuerlichen Landwirtschaft verstehen.

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  13. Ich seh das so sagt

    Der gute Mann denkt sich wohl, der Mansholt-Plan hat ja vor 50 Jahren nicht geklappt. Warum probieren wir es 50 Jahre später nicht einfach noch einmal.

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  14. bauerhans sagt

    dazu passt die aussage in der taz von heute zur opelübernahme durch peugot:
    die autoindustrie in europa befindet sich in einem mörderischen wettbewerb durch ihre gewaltigen überkapazitäten.

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  15. Hofstetter Josef sagt

    Bei diesem Licht betrachtet liegt sehr viel Wahrheit in den Aussagen. Ich kann sehr gut die Argumentation nachvollziehen. Bei der Agrarpolitik kommt viel zu viel Einfluss von Organisationen die an Althergebrachte Muster und Wunschvorstellungen hängen. Außerdem wird die Landwirtschaft zugunsten der Industrie geopfert um der eine Freiheit vor den Negativpredigern zu erkaufen. Die dürfen sich in der Natur austoben und ihre Vorstellung von etwas umsetzen was nur Wunschdenken ist.

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    • Brötchen sagt

      Seine Analysen sind vom Grund her richtig! Aber, er sieht das aus der Sicht einer aus norddeutscher Sicht extrem kleinteiligen Landwirtschaft. Bsp.

      Die rasse Pietrain beim Schwein ist eine fleischrasse, an deren Entwicklung kann man ganz schön die Entwicklung der bäuerlichen LW ablesen. Zu Anfang der 90 ziger jahre waren die sehr extrem in der Fleischfülle, besonders in der Keule, so dass die kaum laufen konnten. Sehr schlechte Zunahmen und extrem wenig Speck Daher kam auch der mythos von dem wässerigem fleisch. Damals war auch die Besamungsdichte in Westdeutschland ca. 60 % und im osten nahe 80 %. Es wurden sehr viel mehr deckeber verkauft, das geschäft ist zusammengebrochen.
      Der Grund für die rasse waren die kleinen bestandsgrößen und damit wollten die LW. einen maximalen Erlös pro Schwein erzielen. Die größeren bestände im osten und norden haben schon immer die Erzeugung pro Platz berechnet, vor der wende spielte sogar die Produktion kg Mastschwein je Sau und Jahr eine größere Rolle. dabei hat die Zunahme und die Fruchtbarkeit ein höheres Gewicht. dann kamen die Dänen mit ihrer sehr fruchtbaren genetik, da hieß es, viel zu fett rechnet sich nicht. Heute ist im Norden und in der Mitte fast alles von den Dänen übernommen und keiner redet mehr so sehr vom Magerfleischanteil, den hatten plötzlich alle vergessen ;). Die Pietrain sehr lang und weniger extrem, fast wieder in die andere Richtung, dafür mit sehr guten Zunahmen. Heute hat sich das wieder eingepegelt, es gibt Tiere mit sehr guten Zunahmen und sehr wüchsig. Der dänische Superfruchtbarkeitshype ist leicht abgeflacht, ist aber immer noch nicht ganz im Süden angekommen, in Österreich noch lange nicht. Das ist meiner meinung nach sinnbildlich für die LW im ganzen. Will damit nicht sagen, das das schlecht ist…

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      • bauerhans sagt

        „Die rasse Pietrain“

        hat als rasse hier nie eine rolle gespielt,aber die eber in verbindung mit DL (landrasse) schon.
        das problem war aber die anfälligkeit der pietrain-eber in der gruppenhaltung d.h.
        5 sauen wurden abgesetzt und diese mussten dann innerhalb 3 tagen zweimal gedeckt werden!
        da waren wir froh,dass es dann die kreuzungseber gab.
        heute bekomme ich ferkel mit dänischer grundlage und gekreuzt mit pietrain.
        der markt will magerfleisch!

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  16. fred huber sagt

    ich kann mittlerweile über die Anhänger der österreicherischen schule nur noch geduldig lächeln…
    wer sich mal so richtig die Zornesröte in´s gesicht treiben will, empfehle ich hans hermann hoppes „Demokratie, der Gott der keiner ist“ SCHRECKLICH zu lesen, und der SINN dahinter ein ALBTRAUM! 🙂

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    • Stadtmensch sagt

      Moin Fred, du wirst mir immer sympathischer 😉
      Schon dein „Disput“ mit den „Schwarzwaldziegen“ über die „staatlich verordnete Nachtweide“ hat mir die Tränen in die Augen getrieben.
      Mal ernsthaft: ich glaube auch an die „Evolution der Gesellschaftssysteme“ und da kommt Demokratie eben nach Absolutismus und Monarchie. Naturrecht bzw. Anarcho-Kapitalismus ist gruselig und man sieht ja an der Vita ihrer eifrigsten Verfechter (Ayn Rand und Co.) was das für seelische Krüppel und selbstgerechte Soziopaten sind. Ich kann einer Lehre, die Menschen in Leistungsträger auf der einen und Dumme und Faule auf der anderen Seite einteilt, einfach nichts abgewinnen. Der Mensch kann sich in der freien Assoziation mit anderen am besten entfalten oder anders: freie Kooperation schlägt den heroischen Einzelnen, der mehr oder weniger nur auf die erpresste, illoyale Hilfe durch andere bauen kann. Aber der lupenreine Demokrat ist immer daran interessiert, die Gedanken der „Gegenseite“ verstehen zu wollen. Von daher, danke für den Hoppe-Tipp.

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      • fred huber sagt

        den hoppe sollte man aber erst benutzen wenn die neunschwänzige durch selbstzüchtigung verschlissen ist. 😉

        du schreibst: „Der Mensch kann sich in der freien Assoziation mit anderen am besten entfalten…“
        da geb ich dir recht! und da sich in der Evolution oftmals der „bessere“ durchsetzt, finde ich den Gedanken auch sehr beruhigend!

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  17. Ich dachte erst, Du wolltest uns mit den kurzen Textauszügen testen, inwieweit wir auf diverse Artikel reagieren…..
    Deshalb habe ich ( wie meistens) den Text ganz gelesen, ich glaube Herr Kirchinger meint das auch so wie es geschrieben ist…..
    Aber irgend wie passt es doch nicht in sein reales Bild als Nebenerwerbslandwirt hinein…..
    Soll der Text vielleicht zum Nachdenken oder Diskutieren anregen????

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    • Bauer Willi sagt

      Ja, er soll zum Nachdenken anregen. Mich jedenfalls hat er verwirrt. Den Strukturwandel weiter laufen zu lassen ist eine sehr ungewöhnliche Meinung. Die Subventionen abzuschaffen hat meiner Meinung nach nicht unbedingt Auswirkungen auf den Pachtmarkt und ob sich dies als Nutzen für die Bevölkerung herausstellt, wage ich auch zu bezweifeln. Warum größere Betriebe nachhaltiger sein sollen, verstehe ich überhaupt nicht, denn meist sind es ja die Familienbetriebe, die noch eine Streuobstwiese pflegen oder sich um Hecken kümmern.
      Ich frage mich, was Herr Kirchinger mit seinen Aussagen erreichen will. Verstehen tu ich das nicht…

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      • Brötchen sagt

        Willi ich war nach der Wende ein paar Wochen in Westfalen. Erst war ich überwältigt, alles so schön geordnet und s.ä. Nach vier Wochen habe ich mich nach unseren sandwegen und der unaufgeräumten Landschaft zurückgesehnt. In Westfalen waren die Feldwege asphaltiert, die Dörfer sahen aus wie kleine Städte. Denke die bäuerliche lw. Hat Zukunft neben größeren betrieben. Nicht unbedingt in der milchviehhaltung aber bei spezialkulturen, ziegenhaltung und Gemüsebau. Die stütze d ist ja immer noch der Totgesagte Mittelstand. Es gab da auch mal diein Prognose einer Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft, das ist in der finanzkrise geendet und d. War froh das der techn Maschinenbau noch nicht in China war.

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        • bauerhans sagt

          und ich war lange vor der wende(1975)in teterow direkt aufem feld.
          die lpg traktoristen waren sehr interessiert,konnten sich aber überhaupt nicht vorstellen,dass ich einen kleinen betrieb übernehmen werde,den ich dann mit hilfe eines kredits aufbaue.
          ein aufpasser war nicht dabei.

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          • Brötchen sagt

            Bauerhans, Du musst beachten, in Mecklenburg gab es fast keine bäuerliche LW auch vor dem Krieg nicht, das waren alles nur Landarbeiter. Ich habe viel als Jugendlicher in einer LPG gearbeitet und da hast Du schon gemerkt, wer vor dem Krieg eine Wirtschaft hatte. Es ist aber heute extrem schwierig von Null einen Betrieb aufzubauen, ohne Erbe usw. Ich würde sogar sagen unmöglich. Jedenfalls nicht allein ohne Partner mit einem gut bezahltem Job 😉

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  18. Michael Schweller sagt

    Warum wundert mich eigentlich nichts mehr?
    Diese ganzen Fortschrittsgläubigen können wohl gar nicht mehr anders denken.
    In der ganzen Welt kann man das Chaos und die Zerstörung hautnah miterleben, die die ganzen Konzentrations- und Rationalisierungsvorgänge dieser Schlaumeier und ihrer Gier nach immer noch mehr mit sich brachten. In der Vergangenheit waren es immer die kleinen Strukturen, die das Überleben der Menschheit sicherten. Seit wir eine Industrienation geworden sind sind wir nur noch Sklaven einer sich immer schneller drehenden und hungriger werdenden Welt. Unsere ganze damit einhergehende Technik ist fürchterlichst störungsanfällig geworden und das ganze alte Wissen ist weitgehend verloren gegangen.

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    • Bauer Willi sagt

      So sehe ich das auch. Mir erschließt sich nicht, welche Botschaft der Autor senden will. Und ob er die sozialen Folgen bedacht hat, wage ich zu bezweifeln. Warum größere Strukturen nachhaltiger sein sollen, verstehe ich überhaupt nicht. Ich war in den USA und in Russland und habe mir die Landwirtschaft dort angesehen. Ein einziges Feld mit 1.800 Hektar Zuckerrüben lässt für Biodiversität nicht viel Platz.
      Bauer Willi

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      • Heidi Schleicher sagt

        Schon seltsam…. wenn man in den osten unseres Landes schaut, so gibt es da die größeren Strukturen schon lange. Ich kann aber die letzten 20 Jahren nicht feststellen, daß dort weniger Betriebe aufgeben….

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      • rebecca sagt

        Der Autor entwirft ein Zukunftsbild. Ein ziemlich realistisches vermutlich.

        Ob er damit zum nachdenken anregen will, oder das ernst meint kann ich natürlich nicht beurteilen.
        Aber das was er beschreibt wird vermutlich früher oder später so kommen.

        Was ich nicht verstehe ist das sich gerade die, die sich permanent für immer mehr und intensivere Landwirtschaft einsetzen, Gentechnik, Chemie etc darüber wundern.

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        • Brötchen sagt

          Aus Sicht der bayrischen Region!!!! Immer dazu sagen! Aus nordeutscher Sicht diskutiert man ganz andere Sachen.

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      • Brötchen sagt

        Russland ist ja nun nicht gerade Sinnbild für eine effektive LW und die größeren schläge im osten sind 100 ha. Man sollte sich bei der Betrachtung hüten in ein anderes Extrem zu verfallen und versuchen differenziert zu betrachten.

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    • bauerhans sagt

      bislang haben wir überdurchschnittlich vom technischen fortschritt profitiert und tun es noch,zurück geblieben sind die,die aus politischen gründen nicht daran teilhaben konnten.
      dass kleine strukturen das überleben der menschheit gesichert haben,stimmt einfach nicht und auch dass wir sklaven der technik sind.
      unser grosses problem ist,dass wir für nicht qualifizierte leute keine einfachen jobs mehr haben.

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      • Michael Schweller sagt

        Ich habe nicht geschrieben, dass wir Sklaven unserer Technik sind, sondern einer sich immer schneller drehenden Welt und dass unsere Technik störungsanfällig geworden ist. Gemeint ist damit, dass Abhängigkeiten generiert wurden, aus denen sich keiner mehr befreien kann. Das ist nicht ungefährlich. Es braucht nur einmal zu einem längeren großflächigen Stromausfall zu kommen, einer größeren Umweltkatastrophe oder Versorgungsproblemen mit Treibstoffen oder einer erneuten Währungskrise – alles Szenarien, die längst wieder sichtbar sind am Horizont.

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        • Martin Gork sagt

          Und was ist mit den Szenarien aus der Vergangenheit?
          Noch vor 60, 70 Jahren war die Lebensmittelversorgung in Europa oder Nordamerika sehr anfällig für Hungersnöte, ob Schädlinge oder Pilzepedemien.
          Diese Probleme werden heute überhaupt nicht mehr ernst genommen, obwohl die letzten Jahre eigentlich eine Warnung sein müssten, was passieren kann, wenn großflächig auf moderne Techniken verzichtet wird. Ob nun Bio-Wein, -Kartoffeln und Co.

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          • Michael Schweller sagt

            Wie gesagt, es geht nicht darum, auf moderne Techniken zu verzichten, sondern darum, eine gewisse Unabhängigkeit und Ausfallsicherheit zu bewahren. Und genau an diesem Punkt sehe ich große Schwachstellen. Wenn heute eine größere Störung im System auftritt, dann wird sie ungleich größere Auswirkungen haben als dies noch vor 60, 70 Jahren der Fall war.

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          • Stadtmensch sagt

            >>Diese Probleme werden heute überhaupt nicht mehr ernst genommen
            Das wage ich zu bezweifeln: Nie gab es mehr und leichter zugängliches Wissen über z.B. Fusarien.
            Das ist immer so eine Unterstellung, dass eine biologische, weitgehend chemiefreie Landwirtschaft gleichbedeutend mit einer unwissenschaftlichen, rückwärtsgewandten Herangehensweise ist. Das Gegenteil dürfte der Fall sein. Die bequeme, unbedarfte Problemlösung mittels der chemischen Keule ist viel unwissenschaftlicher und mit negativen Folgen behaftet, als präventive Maßnahmen durch Mischkultur, Ruhephasen, uvam.
            Marktwirtschaftliche Anforderungen an den Bioreaktor Boden werden ihn langfristig zerstören bzw. können ihn nicht für die kommenden Belastungen durch den Klimawandel wappnen. So zumindest mein fundamentalistisches Weltbild.

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            • Martin Gork sagt

              Wer meint in die Biolandwirtschaft würde nicht gespritzt werden, der sollte sich erst mal mit dem Thema befassen.
              Und dann sollte er mal nachdenken, warum gewisse immer wieder wiederholte Phrasen sich eben als falsch darstellen.
              Und eine „Mischkultur“ muss auch erst mal vom Verbraucher gekauft und gegessen werden…
              Ruhephasen? Wie viel m² stehen noch mal in Deutschland je Einwohner an landwirtschaftlicher Fläche zur Verfügung und welche Probleme können diese „Ruhephasen“ auf die Gesundheit des Bodens bedeuten?
              Weil man vor 100 Jahren noch nicht so viel mit schädlichen Nematoden und zB den Drahtwurm nicht kannte, bedeutet das nicht er hätte nicht schon damals Probleme bereitet.
              Unsere Kulturpflanzen stammen eben von artverwandten Wildkraut ab, die sind keineswegs geeignet für gesund Böden zu sorgen im Gegenteil, es wäre so als ob keine Fruchtfolge eingehalten werden würde. Auch Pilze und Schädlinge werden dadurch nicht verhindert.

              Und was den Boden betrifft, da wäre auch so einiges zu erarbeiten,
              denn der mechanische Eingriff stellt das größte Problem für die Böden da.
              Hinzu kommt der Abbau vom Humus, fehlt der Stickstoff, dann kann sich auch kein neuer bilden. Ein großes Problem in der Biolandwirtschaft.

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            • Andreas Schmid sagt

              Das wissen ist da. Es interessiert nur die Bevölkerung nicht, da man alles im Discounter billigst kaufen kann.

              „Die bequeme, unbedarfte Problemlösung mittels der chemischen Keule ist viel unwissenschaftlicher und mit negativen Folgen behaftet, als präventive Maßnahmen durch Mischkultur, Ruhephasen, uvam.“

              Die anderen Maßnahmen werden gemacht. Sie können aber nicht immer die „chem. Keule“ ersetzen, höchstens reduzieren.

              „So zumindest mein fundamentalistisches Weltbild.“

              Könnte man Fundamentalist in diesem Fall auch mit dickköpfig vergleichen?

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            • Stadtmensch sagt

              @Martin, Andreas,
              danke erstmal. Bin ambitionierter Hobbygärtner und werde mich definitiv weiter mit diesen ganzen Dingen beschäftigen. Ohne eigene Erfahrungen kommt man weder mit dickem Holzkopf noch mit grauer Theorie besonders weit…

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            • Andreas Schmid sagt

              „Ohne eigene Erfahrungen kommt man weder mit dickem Holzkopf noch mit grauer Theorie besonders weit…“

              Stimmt!!!!!!!!

              Wobei andere Erfahrungen meist auch nicht schlecht sind.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              „Bin ambitionierter Hobbygärtner“

              Vom Klima her können wir Gewächshausgurken im freien anbauen, geht einwandfrei.
              Meine Schwester hat jahrelang ihrer öko angehauchten Tochter eine Gurkenpflanze geschenkt und jedes Jahr wurden die Pflanzen von Schnecken gefressen.
              Das ist BIO pur, aber sicherlich können die Bauern von ihren Erfahrungen von ihrem Garten viel lernen, wie zum Beispiel:
              Dass man nie Speisekartoffeln pflanzt, die könnten mit einem Herbizid behandelt sein. 😉

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            • Martin Gork sagt

              Kartoffeln wurden mit einem Herbizid behandelt?
              Da wundert das „ex“ Landwirt nicht.
              Speisekartoffeln können mit Keimhemmer behandelt sein, damit diese länger haltbar sind im Lager.

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