Bauer Willi
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Projektionsfläche Landwirtschaft

Ein Gastartikel von Jürgen Donhauser über die Diskrepanz zwischen Erkenntnis und Verhalten.

“Viele Gespräche in den letzten Monaten mit Kritiker der Landwirtschaft liegen hinter mir. Immer versuchte ich, sachlich Schritt für Schritt, die Vorwürfe durch Fachargumente zu relativieren oder zu entkräften. Und fast immer komme ich bei den Gesprächen mit den Kritikern an einen Punkt, in dem sie sich eigentlich eingestehen müßten: „In Ordnung, dieser Informationen hatte ich nicht und mein bisheriges Bild und Urteil war nicht vollständig und somit mein Urteil voreilig.“ Aber erlebt habe ich dieses Eingeständnis nie. Ich habe das Gefühl, meine Gesprächspartner würden damit ihr vorgefertigtes Weltbild und Feindbild Landwirtschaft sonst selbst zerstören. Und was bliebe dann? Grund genug für mich zu fragen: „Wenn es nicht die rationale Sachebene ist, was ist dann die eigentliche Motivation für ihre Kritik an der Landwirtschaft?“

Je mehr ich im Gespräch über die Lebensgeschichte und Lebensumstände der „Aktivisten“ erfahre, um so mehr wird deutlich, dass die vordergründige Kritik an der Landwirtschaft in Wirklichkeit ein nicht gelöster Konflikt in ihrem eigenen Lebensbereich ihren Ursprung hat und die Landwirtschaft nur als Projektionsfläche ihres eigenen Problems dient.

Nur ein paar Beispiele: Bei Diskussionen mit „Tierschützern“ stelle ich immer wieder fest, dass in ihrer eigenen Lebensgeschichte (meist kindliche Traumata) der Ursprung ihres Verhaltens zu suchen ist. Tod eines Elternteiles, Scheidung, Verlust eines Kindes usw. erzeugen Verlustängste und hinterlassen eine Sehnsucht nach einer heilen Welt. Ein ständig verfügbares Haustier gibt das Gefühl des „treuen Begleiter“, der einen nicht in Stich lässt. Auch als Ersatz für fehlende Kinder oder Partner erscheint das Tier als „besserer Mensch“ und wird nicht mehr als andere Spezies gesehen, sondern als Familienmitglied. Der ursprüngliche Anspruch des Tierschutzes, mit allen Lebewesen würdevoll umzugehen, wird also hier bei weiten überschritten, wenn nicht sogar die Messlatte beim „Tierschutz“ inzwischen noch höher angelegt wird als beim Menschenschutz.

Oder wie ist die moralische Diskussion zu verstehen, dass es bei der frühen Geschlechtsbestimmung beim Kükenembryo im Ei und die darauffolgende Entscheidung über den Abbruch der weiteren Bebrütung eines männlichen Embryos, zu folgenden Aussage der Tierschützer kam: „Diese Vorgehensweise ist ethisch auch abzulehnen, denn auch der Embryo im Ei ist bereits schützenswertes Leben“. Im menschlichen Bereich wird aber der Schwangerschaftsabbruch immer mehr „normalisiert“ und man verbittet sich jegliche Kritik. Beides Male handelt es sich um werdendes Leben, wird aber unterschiedlich bewertet. Und weil man eben so viele ungelöste moralische Fragen und Konflikte im eigenen Lebensbereich unterschwellig spürt und keine Antwort oder Lösung darauf findet, verlagert man dies auf ein Ersatzfeld (Landwirtschaft) um dort die heile Welt zu fordern, die man in der eigenen Arbeits- und Lebenswelt nicht findet. Gerade Großstadtbewohner sind sehr empfänglich für diese „Ersatzbefriedigung“. In einer Millionenstadt zu leben, dicht gedrängt (Massenmenschenhaltung), ohne Chance die wichtigsten Ressourcen (Trinkwasser, Nahrungsmittel, Sauerstofferzeugung, CO2-Bindung, Abfallverwertung in Kreislaufwirtschaft, usw.) und tragfähiges, gemeinschaftliches, soziales Leben in dieser Lebensweise umsetzen zu können, macht hilflos. Diese Hilflosigkeit wird in Aktivismus für eine bessere, heile Welt umgesetzt. Aber eben nicht im eigenen Lebensraum, sondern in Forderungen an die Landwirtschaft. Damit verlagert man seinen eigenen moralischen Anspruch auf andere und fühlt sich gut. Das alles, ohne seine eigene Lebensweise ändern zu müssen.

In einer Diskussion mit Fridays for Future Aktivisten kam dies einmal offen zum Tragen. Dabei wurde uns Landwirten unser klimaschädliches Verhalten vorgeworfen. Als eigener Beitrag wurde von den (hauptsächlich) weiblichen Teilnehmerinnen ihre vegane Ernährung als Beispiel angeführt. Auf meine Frage, ob sie nicht auch andere Möglichkeiten in ihrer Lebensweise sehen, bei der man CO2 vermeiden könnte verwiesen sie auf ihre beschränkten Möglichkeiten als Schüler oder Student. Nun, dann gab ich Ihnen ein paar Beispiele. Alleine das Streamen von Musik und Videos oder Filmen per Netflix und Co. verbrauchen so viel Energie, dass man ganze Länder mit Energie versorgen könnte. Auch das Schürfen von Bitcoins als Student nebenbei trägt dazu bei. Die Bestellungen bei Amazon, Zalando und Co. inclusive Rücknahme, hat zu einer Explosion des Energieverbrauchs im Logistikbereich und Verkehr geführt. Das eingeplante Sabbatjahr in Form von „work and travel“ weltweit, um den Horizont zu erweitern, ist klima-moralisch nicht mehr zu rechtfertigen.

Nach der Auflistung meiner Punkte blieb es still in der Runde. „Aber mit unseren Fleischverzicht tun wir doch auch schon etwas für das Klima“ – so ihre Antwort. Nein, antwortete ich. Im Vergleich zu euren sonstigen Verhalten ist das nur ein Feigenblatt. Denn die eigentlichen Motive für Fleischverzicht sind gerade bei jungen Frauen andere.

  1. Schönheitsideal – viel Fleisch wird immer noch mit „dick machen“ in Verbindung gebracht – was allerdings nicht stimmt.
  2. Viel Fleisch ist ungesund – was auch nicht stimmt. Was ist viel? Welches Fleisch? Wie oft? Ist künstlich hergestelltes Vitamin B besser? Umweltfreundlicher? Natürlicher?
  3. Das grundsätzliche Problem mit dem Tod – Dieses Thema wird in unserer Gesellschaft zunehmend verdrängt, sowohl beim Mensch als beim Tier wird. Also soll schon gleich kein Tier wegen mir sterben um mich dieser Frage zu entziehen.
  4. Tierhaltung ist nicht mehr artgerecht – Projektion der eignen (nicht menschengerechten) Lebensweise in der Stadt
  5. Ihr eigener Umgang mit Tieren – Vermenschlichung des Tieres als Ersatz. Aus Egoismus halte ich ein Tier, um meine sozialen Bedürfnisse zu befriedigen, und meine, dem Tier geht es gut.
  6. Sie kreiden der Nutztierhaltung den Verbrauch von Pflanzennahrung (z.B. Soja) an, obwohl alleine die Heimtiere (die nur aus Spaß gehalten werden) so viel Nahrung verbrauchen, dass man locker das ganze Bundesland Hessen damit ernähren könnte. Der gleiche Mensch versteht aber nicht, dass bei der Nutztierhaltung es wieder in Nahrung umgewandelt wird und bei der Heimtierhaltung verbraucht wird.

 

Mein Fazit aus diesen Gesprächen: Ich erreiche beim Gegenüber mehr, wenn ich nicht mit Sachargumenten antworte, sondern auf seine eigene Lebenswirklichkeit eingehe, ihm seine moralischen Widersprüche aufzeige und die Ursprünge der ablehnenden Gefühle gegenüber der Landwirtschaft erkläre. Eigentlich handelt sich bei den massenhaften Kritikpunkten an der Landwirtschaft um ein psychologisches Problem unserer Gesellschaft!

Gastartikel stellen die Meinung des/der Autor*in dar.

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97 Kommentare

  1. Lady sagt

    “Ich erreiche beim Gegenüber mehr, wenn ich nicht mit Sachargumenten antworte, sondern auf seine eigene Lebenswirklichkeit eingehe, ihm seine moralischen Widersprüche aufzeige und die Ursprünge der ablehnenden Gefühle gegenüber der Landwirtschaft erkläre. Eigentlich handelt sich bei den massenhaften Kritikpunkten an der Landwirtschaft um ein psychologisches Problem unserer Gesellschaft!”

    Was erreichst du denn an “mehr” bei deinem Gegenüber, Jürgen? Was ist denn überhaupt für dich das Ziel solcher Gespräche?
    Ich habe sehr viel Mühe mit deinen Aussage, empfinde sie als eher unsachlich. Es hilft niemandem , wenn du der Gesellschaft ein Problem unterstellst. Und mitnichten hat jeder Haustierhalter eine “Macke” – etwas überspitzt formuliert-. Und mir stößt es auch ziemlich sauer auf, eine Diskussion um einen Schwangerschaftsabbruch in irgendeine Verbindung zu Hühnereier zu setzen. Das machen genau die Menschen, denen du hier Probleme unterstellst. Da stellst du dich auf dieselbe Stufe.
    Ich habe viel Verständnis für die Situation der Bauern in unserem Land. Aber wenn mir statt Sachkenntnis nun Küchenpsychologie geboten wird, lässt das Verständnis leicht nach. Das ist auch nicht euer Metier. Ich halte es für fatal, wenn sich jetzt auch noch Nicht -Kritiker der Landwirtschaft auf die Füße getreten fühlen. Ihr braucht Verbündete.

  2. Inga sagt

    „Aktivisten“ erfahre, um so mehr wird deutlich, dass die vordergründige Kritik an der Landwirtschaft in Wirklichkeit ein nicht gelöster Konflikt in ihrem eigenen Lebensbereich ihren Ursprung hat und die Landwirtschaft nur als Projektionsfläche ihres eigenen Problems dient“.

    Ja, habe ich auch schon gedacht. Das heutige Leben ist zu bequem für unsren Körper, er braucht wahrscheinlich mehr körperliche Anstrengung zum Erwerb von Nahrungsmittel, damit die Seele auch ausgeglichen wird. Warum schmeckt abgeerntetes Obst und Gemüse besser als gekauftes? Warum hat man ein Erfolgserlebnis, wenn man die ,Möhren im eigenen Garten erntet?
    Wenn die High-tech Landwirtschaft, Weiterverarbeitung und Handel das alles Überflüssig machen, dann sind ja nur die Bauern Schuld!
    Und wenn sich viele aus der Stadt zusammenrotten und auf die Bauern losgehen, weil sie deren Arbeit abgenommen haben, sie undurchsichtig und befremdend gemacht haben und auch noch Geld dafür verlangen, dann hat man eben Wut auf sie und schiebt ihnen alle Schuld zu, denn sie bewirtschaften ja eine Großes Teil unseres Landes, bzw. der Erdkruste!

  3. Indra sagt

    Ich glaube nicht dass man in der Diskussion rund um Landwirtschaft in seiner Gesamtheit zu einem befriedigendem Ergebnis kommen wird. Ich versuche es kurz und knapp zu sagen, es wird bei Emotion gegen Fachwissen, immer die Emotion gewinnen! In der Öffentlichkeit wird wenn es um Landwirtschaft geht fast ausschließlich mit Bildern gearbeitet. Meiner Meinung nach auch ganz bewusst. Denn genau über diese visuellen Eindrücke wird sofort die Emotion getriggert. Positiv sowie negativ. Und genau da ist der Punkt wo rationale Erklärungen meiner Meinung nach nicht mehr greifen. Leider. Denn auch die unschönen Bilder gehören zur Landwirtschaft und zum Leben dazu.

  4. Hermann Neuser sagt

    In diesem Spannungsfeld kommt den NE Landwirte auch eine, oft nicht gesehene, wichtige Rolle zu. Sie kommen in ihren Berufen mit mit Nichtlandwirten in Kontakt, können die Belange, Sorgen und Nöte glaubhaft transportieren. Den Arbeitskollegen glaubt man wohl mehr als manchem Politiker oder Funktionär.

  5. Johann sagt

    Nach meinen Schätzungen verbraucht allein der deutsche Christbaum ca. 300000 ha LF…. pro Jahr. 3m2 prob Baum mal 7 Jahre, so ein Durchschnittsbaum…

  6. Wilhelm Harms sagt

    “Wenn du mit Wissen nicht überzeugen kannst verwirre sie mit ihrer eigenen Schwachsinnigkeit”

    Vielen Dank für diesen wunderbaren Beitrag.
    Ich denke jeder von uns der mit und in der Natur lebt und der Landwirtschaft verbunden ist hat ähnliche wenn nicht sogar die gleichen Erfahrungen gemacht.
    Sachkenntnis, Eisen und Können werden ignoriert zugunsten vorgefasster gesellschaftlich getragener Meinung !

  7. Hier wird wieder wie an vielen Stellen eine ad hominem Argumentation aufgebaut

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Argumentum_ad_hominem

    Menschen werden gegeneinander ausgespielt.

    Es gibt sehr viele Parameter, die zu verändern sind um unser Klima zu schützen, dazu gehört die Energie Einsparung in den vielen angesprochen Punkten aber eben auch eine andere Landwirtschaft!

    Das eine tun und das andere nicht lassen und sich nicht einfach durch die Moralische Keule selbst schützen.
    Jeder sollte an sich arbeiten und Gewohnheit Handlung, die immer auf höher schneller weiter ausgelegt ist und war hinterfragen.

    So ein Artikel ist nur für eine bestimmte Blase gut um weiter so zu machen…

    • Reinhard Seevers sagt

      Landwirtschaft ändert sich ständig, hat sich ständig verändert und wird sich ständig verändern. Was Sie nicht verstanden haben Herr Hoffrogge ist, dass Landwirtschaft derzeit für alle Bereiche vom Klimaschutz bis hin zur Ernährung verantwortlich sein soll. Und die Landwirtschaft steht seit Jahren als Ablass für eine zunehmend dekadente Konsumgesellschaft, die ein “Weiterso” für sich reklamiert, gleichzeitig aber den Bauern genau das vorwirft. Herr Dohnhauser hat lediglich einen Teilaspekt der intrinsischen Motivation angesprochen und versucht einen Bezug zu den derzeit aktiven Landwirtschaftsbashern herzustellen.
      Wenn Sie das als ad hominem bezeichnen, dann haben Sie schlicht nicht verstanden, oder gehören zu der Gruppe der emotional Agierenden aus obigem Text.

    • Obstbäuerin sagt

      Johannes Hofrogge, gezwungenermaßen leben wir klassischen Bauern in einer einseitig offenen Blase. Wir würden gern mit der anderen Blase in Kommunikation treten aber das ist nur selten gewollt. Es sei denn, wir geben zu, dass wir immer höher, schneller, größer werden wollen und einsehen, dass das schlecht ist. Wir müssen zustimmen, dass Pflanzenschutz und größere Ställe ganz schlecht sind, dann sind wir auch von den Medien gefeierte Bauern. Eine andere Landwirtschaft wünschen sich 10 % der Bauern und gefühlt 90 % der Citymenschen. Für Ernährungssicherheit sorgen die restlichen 90 % der Bauern und warnen aufgrund ihrer Fachkompetenz davor, diese auf Wunsch der wirklichkeitsfremden Vorstellungen landwirtschaftsfernen Gruppen aufs Spiel zu setzen. Zum Glück werden diese dann von wissenschaftlicher Seite manchmal zurück in die Realität geholt, wie jetzt bei der Beurteilung von Glyphosat. Wobei auch hier noch nicht entschieden ist, ob die Vernunft nicht doch an der anderen Blase scheitert.

      • Reinhard Seevers sagt

        “Wobei auch hier noch nicht entschieden ist, ob die Vernunft nicht doch an der anderen Blase scheitert.”

        ….nennt man das dann Blasenschwäche? 😎

    • Jürgen Donhauser sagt

      Hier habe ich offensichtlich den “Knopf” Neid gedrückt Herr Hoffrogge. Die Landwirtschaft besitzt natürlich einen Sonderstatus. Es gibt nämlich keinen anderen Wirtschaftszweig der für solche fundamentale und lebensnotwendige Dinge steht wie die Landwirtschaft. Während hingegen unsere Gesellschaft offensichtlich aber andere “überflüssige” Dinge als notwendiger betrachtet und die Landwirtschaft gerne als “Sündenbock” verwendet. Die Effizienz der aufgewendeten Energie (Input) in Form von Dünge- und Pflanzenschutzmittel oder moderne Ställe wird mit dem dadurch höheren Ertrag deutlich gesteigert. Hier haben wir also unsere Energiebilanz verbessert und zudem CO2 gebunden. Ich weiß ja nicht in welcher Branche sie tätig sind, aber wie verbessern sie aktiv das Klima?

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Es gibt weit mehr Landwirte die umstellen wollen, als Verbraucher, die bereit sind, die Mehrkosten zu bezahlen.

      • Inga sagt

        Der Verbraucher will doch für die Umstellung nichts bezahlen, das kann der Bauer selber machen, ist ja reich genug, denkt er!

        Er will noch nicht mal seinen Kopf dafür anstrengen und das verstehen!
        Dekandent sein ist die neuste Mode!

        Ws will man machen?
        Kann er das nur auf der emotionalen Ebene verstehen?

  8. Jürgen Donhauser sagt

    Es freut mich, dass hier so konträr und emotional über meinen Beitrag diskutiert wird. Emotionen bedeuten immer, dass ich bei einen oder anderen einen psychologischen “Knopf” drücken konnte (wie offensichtlich bei Herrn Suhr). Der nächste Schritt wäre jetzt darüber nachzudenken warum man so emotional darauf reagiert und was sich hinter dem “Knopf” eigentlich verbirgt. Und was sich hinter den “Knöpfen” der “Gutmenschen” verbirgt, wenn sie glauben die Landwirtschaft wäre so nicht in Ordnung. Nicht mehr und nicht weniger wollte ich mit diesen Artikel erreichen.

    • Reinhard Seevers sagt

      Ich glaube es ist wichtig, die sozial-emotional basierten Ursachen den weiteren Ursachen hinzuzufügen, um ein Gesamtbild zu erhalten. Die von Ihnen vermuteten Motivationen muss man nun in Gesellschaft, Medien und Politik einordnen. Sogar die Wirtschaft nutzt diese emotionalen Motive zur Werbung und zum Konsum.
      Die psychosozialen Parameter sind nur eine von vielen Zutaten, die man benötigt, um den Bürger, den Menschen dieses Landes zu beschreiben und zu verstehen.

      • Jürgen Donhauser sagt

        Herr Seevers, da bin ich ganz bei Ihnen. Aber diese grundsätzliche Frage: “Auf welcher Motivation beruht meine Reaktion?” ist zu stellen. Wir diskutieren oftmals auf einer Ebene der Sachargumente und verkennen den Ursprung. Wes Geistes Kind sind wir?

        • Reinhard Seevers sagt

          Die Fragestellung wird nicht zum Ziel führen, weil der Einzelne sich niemals losgelöst sieht von anderen Menschen gleicher Denkweise. Es gibt aber unendliche Überschneidungen bei der Gruppenwahl. Der eine ist Veganer und dennoch Rechtsextrem, der andere ist Christ und billigt das Kükenschreddern, der Dritte ist Umweltschützer, fliegt aber dreimal im Jahr auf die Malediven, der Vierte ist Bauer, aber wählt nicht Grün…..usw. usw….
          Die Vielfalt der auf uns einwirkenden Eindrücke, Meinungen, Sichtweisen, Lebenswelten, Medienereignissen, macht aus uns eine undifferenzierte Spezies.
          Ich finde, man kann es evtl. so sehen, wie Andreas Reckwitz in seinem Buch “Die Gesellschaft der Singularitäten” , verschiedenste Motivationen in verschiedensten Gruppe aufgrund verschiedenster Ursachen und Auslöser….komplex, wie unsere Welt nun mal geworden ist.
          Einig sind sich gefühlt die meisten Gruppen in der Schuldzuweisung an die Landwirtschaft. Und das ist einzigartig in dieser Gesellschaft und das sollte man mehr herausstellen und mit Beispielen unterfüttern.

          • Jürgen Donhauser sagt

            Aber trotzdem konnten wir uns teilweise auf moralische Grundsätze einigen. Alle Versuche darüber hinaus dem Volke eine Ideologie über zu stülpen scheiterten. Wenn es der Geist nicht richten kann, dann werden es die äußeren Zwänge tun. Im Bereich Landwirtschaft wird es erst ein Umdenken und Wertschätzung der Gesellschaft geben, wenn wir zu Versorgungsengpässen kommen. Wir haben den Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmittel zwar in Deutschland schon seit Jahren unterschritten, da wir aber aufgrund unseres Wohlstandes es locker leisten können, werden wir in den nächsten Jahren Nahrungsmittel weltweit den Hungernden vor der Nase weg kaufen. In der Schweinehaltung findet derzeit der größte Ein- und Umbruch seit Jahrzehnten statt. In Rußland und China entstehen im Gegenzug riesen Gigaanlagen. Es werden also in Zukunft nicht die “fünften Viertel” (Pfoten, Schwänze, Rüssel) exportiert, sondern die Edelteile importiert. Tönnies nächster Schlachthof wird in China gebaut. Ob es den Schweinen und Klima dann besser geht?

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Herr Donhauser,
              es werden bereits jetzt schon, Schweinefilets importiert, weil die heimische Produktion den Bedarf nicht decken kann.

          • Inga sagt

            Es ist an der Zeit
            die Schuldzuweisung an die Landwirtschaft

            als dummer und unatraktiver Zeitgeist zu machen!

            Gebildete Leute, die die Ökologie und Landwirtschaft verstehen sind ja auch nicht sdo dumm,
            wie ist das Interesse für Umweltschutz ca. 1970 entstanden?

            Das war doch auch ein Umdenken!

    • Christian Bothe sagt

      Ein toller Beitrag und gut recherchiert! Auch das Fazit im Schlussabsatz ist zutreffend und richtig. Vielleicht passt das von mir Gefundene im net ganz gut dazu…

      Hervorragende Worte eines Reporters von skynews Australien an die jungen Menschen, die kürzlich für das Klima demonstriert haben:*

      *”Ihr seid die erste Generation, die in jedem Klassenzimmer eine Klimaanlage habt, euer Unterricht erfolgt computergestützt, ihr habt einen Fernseher in jedem Raum, ihr könnt den ganzen Tag elektronische Mittel verwenden.*
      *Anstatt zu Fuß zur Schule zu gehen, benutzt ihr alle Arten von Transportmitteln mit Verbrennungsmotor. Ihr seid der größte Konsument von Konsumgütern in der bisherigen Geschichte der Menschheit. Ihr kauft ständig neue Kleidung, um “trendy” zu sein obwohl die Sachen vom letzten Jahr noch völlig in Ordnung sind. Kaum jemand von euch repariert seine Kleidung, ihr habt keine Ahnung wie man einen kaputten Reißverschluss auswechselt geschweige wie man mit einer Nähnadel umgeht.*
      *Es wird weggeworfen was das Zeug hält. Euer Protest wird durch digitale und elektronische Mittel angekündigt. Euer Handy, Tablet sind 24h online. Ihr seid mit euren ganzen elektronischen Spielzeugen der größte Stromverbraucher.*
      *Leute, bevor ihr protestiert, schaltet die Klimaanlage aus, geht zu Fuss zur Schule, schaltet eure Handys aus, eure PCs, Xboxen, PS4s und lest ein Buch, macht euer Sandwich selber, anstatt es fertig in Plastikverpackungen zu kaufen.*
      *Nichts davon wird passieren, weil ihr egoistisch seid, schlecht ausgebildet, von Leuten manipuliert, die euch benutzen, und sagen, dass ihr eine edle Sache betreibt, während ihr Spaß habt und den verrücktesten westlichen Luxus genießt.*
      *Wacht auf und haltet bloß euer verwöhnten Mund – Findet die Fakten, bevor ihr protestiert und fangt erst mal bei euch selber an die Welt zu verbessern und erklärt nicht Menschen zu Täter, die ihr ganzes Leben lang nachhaltig gelebt haben.*

  9. fingerphilosoph sagt

    Zwischen den monotheistischen Religionen und der Landwirtschaft gibt es, historisch gesehen, einen engen Zusammenhang. Nicht umsonst heißt es: “Im Schweiße deines Angesichts sollst du den Acker bestellen” oder “Unser tägliches Brot gib uns heute.”

    Ursprünglich dienten die allmählich entstehenden Wissenschaften der weiteren Erkenntnis Gottes. Mathematik war zunächst die Sprache, in der Gott das “Buch der Natur” geschrieben hat. Mit Darwin kam es dazu, dass die Wissenschaften anfingen, sich vom Glauben zu emanzipieren und Gott für überflüssig zu erklären. In Europa ist das Christentum dadurch in eine existenzielle Krise geraten. Das entstandene religiöse Vakuum wird hier von der Öko- und Klimareligion ausgefüllt, die neue “Heilsversprechen” abgeben (siehe auch Kommentar von Reinhard)

    Da Christentum und Landwirtschaft eng verbandelt ist, ist durch den aktuell stattfindenden Zusammenbruch des Christentums hier in Europa die Landwirtschaft unter Beschuss geraten. In Amerika oder Russland, wo die Spielarten der christlichen Religion noch funktionieren, steht auch die Landwirtschaft nicht derart in der Kritik und es wird auch kein Feindbild konstruiert. Auch in Ländern mit nicht-christlichen Religionen steht die Landwirtschaft nicht am Pranger.

    • sonnenblume sagt

      In diesen Ländern konnten sich die NGo` als neue Religion auch nicht so durchsetzen. Hier werden sie doch von allen Seiten bezuschusst und gefördert. Wenn man betrachtet, welch ein Verwaltungsapparat sich dort mittlerweile aufgebaut hat, wieviele Arbeitsplätze daran hängen, werden sie so schnell nicht wieder verschwinden. Und diese Gruppe ist in ihrem Arbeitsbereich nun mal auf Industrie und LW im Besonderen spezialisiert.

      • Inga sagt

        Ja,
        dadurch wird der Sinn und Zweck der Landwirtschaft verzerrt!

        Vielleicht kann man den Verbraucher deswegen nur auf emotionaler Ebene erreichen?

    • Stadtmensch sagt

      Die Landwirtschaft steht ja hauptsächlich unter Beschuss durch die Grünen. Und das sind nach meiner Wahrnehmung großteils “Kirchisten”. Der Spitzname Katrin Göring Kirchentag kommt nicht von ungefähr. Schon der Leitspruch: “Die Schöpfung bewahren” und diese Bigotterie jetzt auch hier in Fragen der Ökoreligion manifestiert sich eben wieder mal in Ablasshandel. Wissenschaft musste sich unter schweren Opfern von Religion emanzipieren. Sie ist nicht daraus hervorgegangen. Jedenfalls fing sie nicht erst mit Darwin an. Siehe Agora – Die Säulen des Himmels…
      Wissenschaft oder das was seit der Antike davon übrig war, wurde nicht etwa von europäischen Möchnen konserviert sondern akribisch vernichtet. Nur dank der Araber ist die Mathematik erhalten geblieben. Ich lass mich da aber gern belehren…

      • Reinhard Seevers sagt

        ….naja, nur Dank Fibanocci ist die wichtigste Zahl der Mathematik im 12. Jahrhundert hinzugekommen, die NULL.
        Diese hatten zwar die Inder bereits erfunden, aber sie ist von den Arabern nicht als Zahl erkannt worden…😉

        Ist eigentlich auch völlig Wurscht, ich glaube, dass Religion bei unserem Problem eine untergeordnete Rolle spielt, eher der Existentialismus, der auch die Frauenrolle beinhaltet.
        Nicht umsonst sind viele Initiativen und Gruppen von Frauen gegründet und dominiert. ….das ist eine gefühlte Wahrnehmung, entbehrt jedweder statistischen Absicherung! ☝

      • Brötchen sagt

        Unsere SPD übertrifft die Grünen schon um Längen……überholen ohne einzuholen….

        Die Linken haben die süsse kleine Honigbiene auch schon auf dem Wahlplakat gehabt

        So’n russverschmierter Arbeiter ist doch bähhh.

        • Stadtmensch sagt

          “So’n russverschmierter Arbeiter ist doch bähhh”

          Falls es den noch gibt, ist er jetzt bei der AfD. So wie die Blue collar worker in den USA bei den GOPern sind. Trump hatte natürlich dem Tun nach nichts dagegen, seiner “Basis” die Krankenversicherung, die Bildung und reale Chancen auf eine künftige intakte Umwelt zu nehmen. Die, die täglich um ihre Existenz kämpfen müssen gewinnt man offensichtlich nur, indem man nach unten (Ausländer, Obdachlose, Minderleister) tritt.
          Habe übrigens vorgestern von einer Kurdin den Satz gehört: “Ins Freibad gehen wir nicht. Zu viele Ausländer” 🙂
          An der Tischtennisplatte beschimpft sich die arabische Liga untereinander mit übelsten rassistischen Zuweisungen. Wenn die das so machen ist das vielleicht auf eine sarkastische Art identitätsstiftend. Wenn ein Nikolaus Fest das macht, ist es bösartig.

          • Brötchen sagt

            In den USA sind die teilweise viel anders in der Mentalität.
            Habe Mal einen Bericht über den Steinkohlenbergbau gesehen, die fressen da richtig Staub und leben auch nicht lang. Bringen aber einige tausend Dollar jeden Monat nach Hause…….da ist noch richtig Stolz dahinter.

            Sowas kenne ich von manchen aus dem Erzgebirge auch, das ist ne ganz andere Mentalität…..und Einstellung, als was dein Traum so ist…..

            • Stadtmensch sagt

              “das ist ne ganz andere Mentalität…..und Einstellung, als was dein Traum so ist”

              Bei mir wäre das höchstens ein Alptraum, mich selbst oder gleich die ganze Erde zu opfern, nur um den Nachwuchs ins reproduktive Alter zu bringen. Aber hast schon recht. Die von dir geschilderte Mentalität konnte sich evolutionär durchsetzen, weil ein aufopferungsvolles oder besonders auffälliges Männlein sich eben leichter fortplanzen konnte. Siehe Georg Schramm: “Meister Jodas Ende” (Die Mammut-Szene).
              Außerdem war der Lebensraum groß und die Zahl der Menschen relativ gering.

              Die Geschichte mit dem Staub-fressen kannst du dir auch im Bergwerk Ehrenfriedersdorf anhören. Wie soll man da aus einer “höheren Kaste” heraus Empathie entwickeln, wenn autoritär Erzogene diese Weltsicht so verinnerlicht haben, dass sie quasi aus der Selbstaufgabe ihren Stolz ziehen? Da hast du als Alt-Autonomer keine Chance…

          • Reinhard Seevers sagt

            Stadtmensch, das ist doch ganz normaler Menschenhass….den gibt es seit Jahrtausenden. Was soll das jetzt in Bezug auf unsere Thematik helfen?
            Die Kriegsflüchtlinge arischer Herkunft wurden auch von den Ur-Ariern als “du Flüchtling” beschimpft…so what?

        • Inga sagt

          Ein erd-, silo- oder mistverschmierter Bauer auch!

          Diese Einstellung forciert noch die Einstellung zur Landwirtschaft bis hin zum bashing!

          Deswegen will sich heutzutage keiner mehr die Hände schmutzig machen.

      • Inga sagt

        “Die Landwirtschaft steht ja hauptsächlich unter Beschuss durch die Grünen”

        Warum?
        Anstatt sich um Natur und Landwirtschaft zu bemühen und lernen damit umzugehen, damit wir (die haben es sich doch zur Aufgabe gemacht und uns versprochen) unsere Ökologie so gut wie möglich zu retten, in der heutigen Zeit (1980)

        haben sie moderne Demokratie geübt (Reste der 68iger) und jeder darf mitreden, egal ob er was weiß oder nicht.
        Also warum lernen, wie etwas funktioniert?
        Mitreden ist alles,
        deswegen kann man diese Leute wahrscheinlich nur auf der emotionalen Ebne erreichen.
        Sie sind ja sogar zu faul sich bei Agraringenieuren auf dem Amt zu erkundigen!
        Das könnte ja ihre Emotionen erschüttern!

    • sonnenblume sagt

      Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Aussage der Organisationen. Sie haben die Schuldigen ausgemacht und nun kann man mit vereinten Kräften die Sache bereinigen.

    • Jürgen Donhauser sagt

      Die Religion ist immer Spiegelbild der menschlichen Erwartungen und Sehnsüchte – sie fällt nicht fertig vom Himmel. Insofern kreieren die Menschen ihre Religionen selbst, oder werden von anderen Menschen gezwungen deren “Religionsvorstellungen” zu übernehmen. Aber auch dahinter stecken tiefenpsychologische Vorgänge.

      • fingerphilosoph sagt

        Mein Kommentar ist keine Gegenthese zu Ihren Ausführungen, sondern Ergänzung.

      • Inga sagt

        Richtig,
        eben von Natur zur Kultur!

        Deswegen gibt es überall auf der Welt verschiedene Religionen!

      • Inga sagt

        Und was erzeugen die richtigen Städter für eine Kultur (Religion) die mit der Natur nichts mehr zu tun haben?

    • Inga sagt

      Typisch Städterkind, Fingerphilosoph!

      Ich Bauernkind vom Dorf denke da anders, eventuell realistischer:

      ich kann mir gut vorstellen wie das neugeborene Jesuskind in der Krippe mit Heu und Stroh für Ochs und Esel lag, weil keine andere Herberge mehr da war.

      Es gab damals %tual noch mehr Landwirtschaft, sogar der Hotelbesitzer hatte noch welche nebenbei. In jedem Haus war Landwirtschaft, also auch ein Stall.
      Wer hat den Baustil von Romanik zu Gotik verwandelt? Die Landwirtschaft, oder?

      Wann sind die Monotheistischen Religionen entstanden?
      Als der Mensch sesshaft wurde.
      Warum wurde er sesshaft?
      Weil der Ackerbau entstand und in die Kultur aufgenommen wurde.
      Weshalb war er nötig?
      Weil Adam und Eva gesündigt hatten und nun ihre Nahrungsmittel selbst durch Ackerbau und Viehzucht beschaffen mußten!
      Vorher hat Gott alles für sie wachsen lassen, sie konnten im Paradies wandeln und sich nehmen was sie brauchten. Es war genügend da!

      Das kann auch ien Städterkind verstehen!
      Industrie gab es damals noch nicht!

      • Inga sagt

        Ja, mit Darwin glaubte man, die Wissenschaft passt nicht zu dem Schöpfer Gott.
        Ob sich die Menschheit da geirrt hat?
        Warum widerspricht die These Darwins Gottes Schöpfung?
        Gott hat den Menschen aus einem Erdklumpen konstruiert und ihm Atem eingehaucht!
        Die Tiere hatte er alle vorher gemacht!
        Wie ist nicht beschrieben.
        Aus dem Wasser und Erdklumpen entstand Lebewesen, zuerst Einzeller, bis eine Zelle Eiweiß enthielt und sich mit Erbgut weiterentwickelte, so viele Mutationen hatte, dass sie zu pflanzlichen und Tierischen Zellen wurden, dann zu Land- und Gliedertieren abweichte, dann zu Menschenaffen und zu Menschen. Darwins Theorie!
        Und wo ist der Widerspruch zur Religion?
        Der Mensch wurde aus einem feuchten Erdklumpen entwickelt.
        Mit den Wissenschaften kann ja Gott gar nicht überflüssig sein, er zeigt uns damit höchstens nur, wie die Welt (oh, oder nur Erde?) funktioniert, denn wir Menschen sollen sie uns ja Untertan machen.

        Hätte die Erde klein Magnet, hätten wir das Rad nicht erfunden. Welche Weiterentwicklung haben wir dem Rad zu verdanken?

  10. Ludwig sagt

    Ja , man sucht sich Feindbilder die sich nicht wehren. Dafür waren die Bauern gerade gut genug . Das ganze wird mit dem Willen der moralideologischen Politik sogar noch gefördert, denn man meint mit diesem Druck die Bauern in Richtung Bio zu bekommen. Das ist dann Staatswirtschaft und nichts anderes wie man es mit der E-Autowirtschaft ,aber auch in anderen Wirtschaftbereichen betreibt. Jetzt kommen auch die ersten Fachleute mit der Fahne nach dem Wind raus und wagen kritische Fachaussagen. Man merkt mit der endenden Ära Merkel und ihrer Ideologischen Druckmittel geht es dem Ende entgegen und wird hoffentlich zu mehr Realität und Sachentscheidungen führen. Auch bei den Medien ändern sich die Texte , allen voran der STERN , der jetzt offen auf “Kontra” geht. Wie stark der Druck auf die Tierhaltung ist , konnte man gestern im ISN-Rundschreiben der Schweinehalter lesen : Schweinepreise fallen um 9 ct/kg bei Schweinemangel und mit der Überlegung wegen zu geringer Auslastung der Schlachtbetriebe in die Viertagewoche zu gehen.
    Hier übt die Politik Druck auf den LEH aus mit der Maßgabe die Verbraucherpreise zu drücken , damit die politisch gemachte Inflation nicht zu stark beim Verbraucher ankommt und genug für Steuern und Abgaben der Verbraucher übrigbleibt. Mit diesem Marktsignal werden natürlich weniger Schweine produziert und es wird später ein Mangel am Markt entstehen und dann die Schweinepreise im LEH in die Höhe treiben. Ähnliches passiert jetzt schon in anderen Wirtschaftbereichen und das wird ins Kaos führen. Rein Volkswirtschaftlich betrachtet war die Merkelzeit für Deutschland keine gute Zeit für die Bevölkerung , denn die Folgen werden wir in den nächste Jahren serviert bekommen. Die ersten Politiker sprechen schon vom Kassensturz.

  11. oberländer sagt

    Die von J. Donhauser beschriebenen Verhaltens und Denkmuster sind
    logisch und plausibel, also einfach zu verstehen.
    Es handelt sich dabei um ein gewisses Scheuklappen oder Ablass
    Denken.
    Dieses Denken auf ein bestimmtes Ziel manipuliert oder gerichtet
    zerstört dieses in der Regel.
    Ich nenne das einfach aber komplex ist auch richtig.

  12. Obstbäuerin sagt

    Ich denke, dass es bei den kleinen Aktivisten und Gläubigen durchaus so sein kann. In der Führungsetage wird das sicher auch genutzt, um neue Anhänger zu gewinnen aber dort geht es um Spendengelder und Macht. Denn in den Kreisen der Oberen sind die Fakten sehr wohl bekannt.

  13. Reinhard Seevers sagt

    Man muss wieder einen Schritt zurücktreten, um das ganze Bild zu sehen. Die Projektion der individuellen Gefühle in Richtung Landwirtschaft hat sozialpsychologische Ursachen. Und das widersprüchliche Handeln des Einzelnen ist eine Fähigkeit kognitive Dissonanzen zu bewältigen, die grenzelos ist.
    Genauso wenig, wie Landwirtschaft dem einzelnen Kunden Fehlverhalten beim Einkauf vorhalten kann und darf, genauso wenig kann sie dem Einzelnen erklären, warum Landwirtschaft was und wie tut, und welche Auswirkungen es auf den einzelnen hat.
    Es handelt sich um ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das sich aus unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsform speist.
    Die Menschen fühlen, dass sich fundamental etwas ändert (Klima, Migration…) und sich gleichzeitig etwas ändern muss (Artenvielfalt, Umweltschutz …) Ebenso merken sie aber, dass es nicht mit ihrer Lebensart zur Deckung zu bringen ist, denn das würde Entschleunigung und Konsumverzicht bedeutetn, was im Umkehrschluss ein Verlust des Wohlstands bedeuten würde, weil der Konsum nun mal untrennbar mit der Herstellung der Produkte und damit mit Arbeitsplätzen zu tun hat.
    Nun können natürlich die Menschen ihren Widerspruch als erste formulieren, die davon am wenigsten betroffen sind: Schüler, Künstler, Lehrer, Politiker, Medienschaffende….
    Der Widerspruch und die Ängste des Einzelnen werden in Kollektiven gebündelt (Gruppen, Initiativen, etc.). Die wirtschaftliche Not bei gleichzeitiger Vielfalt der Medien schafft es nun, sich selbst zu erhalten und zu verstärken.
    Einfaches Beispiel: Da ploppt heute morgen die Meldung auf, dass Luisa Neubauer (FFF) nicht mit den Zielen der Politik hinsichtlich der Klimarettung einverstanden ist. Eine unwichtige Person, ohne Legitimation, aber medial bereits auf einem Thron, weil eine Gruppe sich entschlossen hat, die Welt im Namen aller retten zu wollen und zu können.
    Das verselbstständigt sich durch die Form der medialen Verbreitung. Und das Interessante, es werden keine Fakten transportiert, sondern ausschließlich Gefühle….
    Der gesellschaftliche Widerspruch zwischen Aufbruch und Stillstand wird vollumfänglich der Landwirtschaft übertragen. Das darf sich die Landwirtschaft nicht zu eigen machen, sie muss bei ihrer Lebensart bleiben: nachhaltig, langsam, der Natur entsprechend, bodenständig, hoffnungsbeladen, vorausschauend, Leben spendend…..
    Man darf auch nicht den Fehler begehen, der Geschwindigkeit eines neuen Heilsversprechens blind zu folgen, der Digitalisierung. Geschwindigkeit kostet Arbeitsplätze und sichert ausschließlich dem Handel den Gewinn.

    • sonnenblume sagt

      Der dritte Absatzt in deinem Kommentar beschreibt sehr gut den Zwiespalt, in dem sich die Gesellschaft befindet und wie sie auf Veränderungen reagiert. Siehe die Diskussion um Kurzstreckenflüge, Benzinpreiserhöhung, das Drama um entgangene Urlaubsreisen wegen Corona. Wenn man jetzt noch Einsparungen beim Konsum von Kommunikationsmitteln und anderen Artikeln, Kleidung usw. per Amazon, einfordern würde, dann wäre es spannend die Reaktionen zu sehen.

      • Reinhard Seevers sagt

        Sonnenblume, interessant ist auch, dass die Gesellschaft/Politik im Bezug auf Industrie und die Landwirtschaft Gesetze fordert, damit die Umsetzung erfolgt, weil freiwillig wollen die das ja nicht, die Lümmel.
        Wenn es aber an den Einzelnen geht, dann ist Schluss mit Lustig, wenn Gesetze sie zwingen sollen das zu tun, was sie freiwillig nicht bereit sind zu tun. Überall Widersprüche …..
        Es wird nicht erkannt, dass wirklich alle in einem Boot sitzen, das nur gemeinsam bewegt werden kann.
        Ich muss mich immer beömmeln, wenn ich die Ratschläge der Verbraucherinitiativen lese, in denen Tipps gegeben werden, wie man nachhaltig sparen und die Umwelt retten kann, in dem man den Kaffeesatz weiter verwendet für diverse Gartenbauliche Aktivitäten. Das hat man uns schon vor 45 jahren vorgeschlagen, als Jute noch Platik ersetzen sollte.
        Ich würde dem Volk empfehlen, nein vorschreiben, sich die Köpfe kahl zu scheren. Das ist wirklich nachhaltig, spart Friseurkosten, Shampoo und Strom fürs Föhnen….das ließe sich auch sehr gut kontrollieren! 😁😎

          • Stadtmensch sagt

            Immer mündet alles in diktatorische Allmachtsphantasien.
            Man könnte ja auch umweltverträgliche Haarpflegemittel durchsetzen und die “Ernte” vom Scheren gartenbaulich nutzen. Gibt auch Frisuren, die man nicht fönen muss. Friseur muss auch leben. Da wir alle nicht weit weg vom Affen sind, werden sicher wieder soziale Kosten entstehen, wenn das gegenseitige Lausen wegfällt. usw…

            • Reinhard Seevers sagt

              Siehste Stadtmensch….schon bei einem so simplen Vorschlag endet es in einer komplexen Lage!
              Diktatur, Arbeitslosigkeit, soziale Kälte und Konsum werden vorgebracht, nur wenn man sich die Köpfe gemeinschaftlich scheren würde…tse, tse, tse…so werden wir die Welt nicht retten!😤

            • sonnenblume sagt

              Diktatorische Allmachtsphantasien, so könnte man so manches Vorgehen seitens der Politik gegenüber der LW auch bezeichnen.
              Hier hat R. Seevers doch recht. Wir sitzen ” alle ” in einem Boot. Also müssen auch ” alle ” daran mitarbeiten und die LW kann keinen Freifahrtschein für die Allgemeinheit liefern. Dafür ist unser Sektor um Welten zu klein. Aber das bringen sie mal 80 Mill. Menschen bei. Eine Aufgabe, die man ohne Verordnungen wohl nicht bewältigen kann. Das wird in der Politik und in der Gesellschaft ungeahnten Zoff und Stress geben.

            • sonnenblume sagt

              Dazu fallen mir die ganzen Gegendemos jetzt in der Coronapandemie ein. Einschränkungen der persönlichen Freiheitsrechte. Wie sähe das im Fall von Verordnungen bezüglich des Klimas aus. In dem Fall wird dann alles widerspruchslos akzeptiert?

  14. Günter sagt

    Der Artikel triffts genau.
    Und das Verhalten von Impfgegnern geht in die gleiche Richtung. Es ist heute einfacher denn je einen Mainstream zu erzeugen, der die Leute beinflusst. Davon leben PETA und Co. Und eben ist die Landwirtschaft ein willkommenes Betätigungsfeld dafür, weil die Bauern sich selbst nicht einig sind.
    Warum wohl nimmt heute denn kein Landwirtschafts Politiker oder Verbandsoberer eindeutig Stellung zu einem Problem. Siehe nur Wolf oder bei uns auch noch Bär.

    • Inga sagt

      Weil sie ja dann gegen die Wollskuschler sein müssten und das könnte viele Wähler verstießen.

  15. firedragon sagt

    Das darf nicht wahr sein …
    Menschen mit Verlustängsten, Existenzängsten und Mangel an Selbstvertrauen in die eigene Lebensgestalung, was hat das mit Moral zu tun?
    Aber – ich erinnere mich GT’s Auftritt und mein erster Gedanke damals – ein so junger Mensch hat schon so viel Weltangst und gestandene Politiker applaudieren dieser Angst auch noch zu.
    Angst ist ein schlechter Ratgeber, allerdings kann Angst auch gezielt eingesetzt werden …

    Und wenn das psychische Befinden der “Schlüssel” sein sollte, was bedeutet das für den einzelnen LW? Jeder muss sich in Psychologie schulen lassen?

  16. Chrisitan Suhr sagt

    Oh, Mann …

    das ist ja so, als würde ich von jemandem, der den Klimawandel kritisiert, verlangen, er solle sich nackt im Bunker einschließen, nur um glaubwürdig zu sein … Statt Menschen reinzuwürgen, wo sie ja noch ach so unökologisch wären, sollte man sie bestärken darin, mit dem, was sie begonnen haben, auch weiterzumachen. Sich selbst erhöhen, indem man anedere erniedrigt, ist armselig.

    Gut, daß er nicht mit mir geredet hat, den hätte ich lang gemacht 😛

    Ernährung:
    Joah, man muß nicht gleich Veganer sein, aber 60kg pro Kopf Verzehr, 88kg Verbrauch und horrende Wegwerfmengen so wie keine Nose-to-Tail-Verwertung darf man sicherlich schon kritisieren mit Blick auch auf 25% importiertes Eiweißfutter und Durch-die-Welt-Geschipper sowie allgemein exzessivem Futtermittelflächenverbrauch, Ausbeutung der Landwirtschaft und Schlachthofmitarbeiter usw., oder? Und Weideland ist auch nur sinnvoll, wenn man nicht so große Tiermengen halten muß aus Dumpingspreisgründen, daß diese nur noch im Stall von Melkrobotern betreut werden können, weil menschlich nicht zu schaffen allein.

    Tierschutz:
    Äh, das mit dem Haustier kann man Menschen allgemein vorwerfen bis hin zu Qualzüchtungen wie zu kurze Schnauzen und Hüftdysplasie. Wollte man das gesellschaftlich erörtern, sollte man erst mal in der Lage sein, zwischen Tierschützern und Tierrechtlern zu unterscheiden. Und man sollte anerkennen, daß wenn ein Stall abbrennt, gern auch die Tierschützer und Co. auch ohne Beweis schuldig gesprochen werden von vermeintlichen Vertreter*innen aus der Landwirtschaft. So von wegen Projektionsflächen, als würden Tierschützer Tiere abfackeln lassen wollen, ist klar. Randbemerkung: Fleischliebhaber hauen dann gern Kommentare raus wie es rieche bestimmt lecker nach Grill … 🙁 Selbst Tierhalter kritisieren, daß sie immer mehr Tiere halten müssen, um noch auf ‘nen grünen Zweig zu kommen.

    Hühnereier:
    Es ist schon ein Unterschied, ob eine werdende Mutter selbstbestimmt über einen Schwangerschaftsabbruch bei einem noch nicht empfindungsfähigen Zellklumpen bestimmen darf oder ab man ein System hat, welches kategorisch die Männer killt. Es waren zuletzt 45 Millionen Eintagsküken meines Wissens. Auch ist nicht das Kükenschreddern allein das Problem, sondern die Haltungsbedingungen, die dadurch nicht ansatzweise verbessert werden. Es ist nur ein moralisches Pflaster. Sicherlich besser als Schreddern, aber fern von einem würdevollen Umgang mit Tieren. Zumal es Alternativen gibt, erste Zweitnutzungsrassen oder Bruderhahnzucht.

    Dazu haut der Hobby-Psychologe auch noch dämliche Sprüche raus, ätzt gegen Stadtbevölkerung und labert was von Respekt für die Landwirtschaft, während er eigentlich nur Verbraucherbashing betreibt. Wer von Respekt labert, muß sich den LEH und Verarbeiter zur Brust nehmen, diejenigen, die allen voran den Respekt vermissen lassen. Aber … hier wird wieder lieber nach unten getreten. Läuft, bestimmt endet das Höfesterben, wenn Erzeuger und Verbraucher immer nur gegeneinander wettern! Was ist das für ein Typ, CDU, FDP oder Freie Wähler?!?

      • Brötchen sagt

        Mir schon lange, frage mich, was diese Wirrköpfe überhaupt wollen….Frau Wagenknecht mal ausgenommen, die ist nur in der falschen Partei, also auch nicht ganz entwirrt……..

        Weil ihr Denkfaden ja eine Konsequenz hätte, aber die scheut sie.

    • Reinhard Seevers sagt

      Herr Suhr, Sie haben auch noch nichts verstanden…..es geht nicht darum, dass sich die Menschen gegenseitig etwas vorwerfen müssen. Das deutsche klein-klein ist erbärmlich. Die Verengung der Diskussion innerhalb der Gesellschaft auf Probleme wie “Kükenschreddern” zeigt doch exemplarisch, dass sie ablenken will und muss von den wahren Problemen der Existenz und des Wohlstands.
      Wer so satt und so moralisch überheblich ist, dass er sich solche Diskussionen leisten kann, der hat sich dem Wirtschaftssystem voll unterworfen und sucht nun nach einem Ablasshandel für seine eigenen Unzulänglichkeiten. So lange wir über “Kükenschreddern” reden, so lange kann man weiter E-Autos erzeugen und an den Kunden bringen….ich bin gegen Kükenschreddern und fahre eine ID-4….die Welt ist gerettet! Und meine Seele darf in den Himmel!

      • Stadtmensch sagt

        “Das deutsche klein-klein ist erbärmlich.”

        Jo! Hier gewinnt man Wahlen mit “Keine Experimente – Sie kennen mich”

        “…sucht nun nach einem Ablasshandel für seine eigenen Unzulänglichkeiten”

        Mit Selbstverpflichtungen und Alltagsfrömmigkeit der “Marktteilnehmer” wirst du nicht handlungsfähig. Vernunft ist die Einsicht in die Notwendigkeit oder so ähnlich. Also doch wieder “begleitete Selbstorganisation”?

        • Brötchen sagt

          Stadtmensch du kannst nicht zwischen den Zeilen lesen, erst muss die große Kaiserin weg sein, dann könnte es eventuell konstruktiver weiter gehen.
          Schröder hat damals auch aus dem Stand einen grossen Wurf ( siehst du sicher anders) gemacht.

          Meines Erachtens geht es nächstes Jahr schon zur Sache..

  17. Mark sagt

    ” Ich erreiche beim Gegenüber mehr, wenn ich nicht mit Sachargumenten antworte, sondern auf seine eigene Lebenswirklichkeit eingehe, ihm seine moralischen Widersprüche aufzeige und die Ursprünge der ablehnenden Gefühle gegenüber der Landwirtschaft erkläre.” Dieses Fazit ist falsch. Man muss mit Sachargumenten antworten (was Donhauser ja auch tut), vertiefen kann man deren Wirkung dann, indem man auf die Lebenswirklichkeit seines Gegenüber eingeht und dessen moralischen Widersprüche aufzeigt.

  18. Ehemaliger Landwirt sagt

    “Als eigener Beitrag wurde von den (hauptsächlich) weiblichen Teilnehmerinnen ihre vegane Ernährung als Beispiel angeführt.”

    Im Spiegel Online war eine junge Dame der Meinung,
    als Veganerin kann sie problemlos nach Malle fliegen, weil sie kein Fleisch isst.
    Das ist das Verständnis für die Umwelt.
    Oder ich mache sie mir, wie es mir am besten gefällt.

    • Inga sagt

      Moment,
      Nicht nach Malle fliegen ist Schonung
      der Umwelt
      und

      Kein Fleisch verzehren ist Schonung
      der eigenen Gesundheit

      Das sind 2 Paar Schuhe

      • Ostendorf ( Am Ende mit nur einem "F" ) sagt

        Ich habe schon vor einigen Jahren hier eine Vergleichsberechnung zum “Treibhausgasaustoß” eines 1500 Schweinemaststall und den Flug meine Fünfköpfigen Familie von Bremen nach Malle vorgestellt.
        ( Zahlen stammten von der KTBL und dem IPPC).
        Ergebniss:
        Ein 1500 Schweinstall setzt weniger “Treibhausgase” in Form von NH4 frei, wie unser Urlaubsflug nach Malle !

        Selbst für eine Abluftreinigung bei einem Schweinestall, wird bei der Stromerzeugung grob die Dreifache Menge an “Treibhausgasen” in Form von CO² freigesetzt als NH4 ( auf CO² umgerechnet) herausgefiltert wird.
        (Diese Zahlen stammen vom SMUL, und wurden vor ca 3 Jahren bei Top-Agrar veröffentlicht)

  19. Lieschen Müller sagt

    Das ist ein sehr schöner Artikel, der viele den hier Diskutierenden bekannte Widersprüche aufzeigt. Vielleicht ist in unserer Epoche die Moralfrage neu auszuhandeln. Vielleicht sind es aber auch schon Kämpfe um die verbleibenden Rohstoffe.

    • Stadtmensch sagt

      “Vielleicht ist in unserer Epoche die Moralfrage neu auszuhandeln.”

      Klar – wie immer dabei: Die Kirche. Moral heißt hierzulande Kirche.
      Kirche und Priesterschaft sind von Landwirtschaft nicht zu trennen. Beides hat sich koevolutionär entwickelt und dazu geführt, dass Männer u.a. den Frauen die richtige Moral beim Kinderkriegen ausdeuten dürfen. Lesebefehl: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/buch-von-carel-van-schaiks-und-kai-michels-die-wahrheit-ueber-eva-17224091.html

      Alle Sachargument, dass von Industrieller Landwirtschaft nur Saatgutfirmen, Agrarchemiehersteller, Landeigentümer, Verarbeiter und Händler profitieren, Tiere leiden, Energie und Material verschwendet wird, dass weltweit Boden verloren geht – kein Wort.

      • Brötchen sagt

        nur mal so als Gedankenstütze….

        “Das Wort “Moral” leitet sich aus dem lateinischen “mos” ab und bedeutet übersetzt soviel wie “Sitte” oder “Vorschrift”. Das heißt, eine Moral gibt Menschen einen konkreten Handlungsrahmen für angebrachtes Verhalten vor. … Das Wort “Ethik” hingegen leitet sich vom griechischen “Ethos” ab und bedeutet Charakter” Zitat aus den Tiefen des I Net .14.02.2018 von einem bösem industriellem Dämon gesucht…..

        • Stadtmensch sagt

          Diesmal wollte ich ausnahmsweise nicht klusch…..
          Da findet sich immer jemand, der da ohne Latinum mit digitalen Dämonen hantiert.

          • Brötchen sagt

            Moral ist deshalb nicht unbedingt das Thema, weil das ja nur eine Frage des Festlegens ist…richtiger ist der Begriff Ethik, das ist dann schon wesentlich komplizierter und nicht so einfach zu entwirren…

            Ich verstehe nicht, warum Du mit dem sinnlosem Begriff industrielle Lw. hantierst….wenn es die nicht gäbe, was gäbe es dann ?

            Es ist doch eine weltfremde Illusion, das plötzlich ganz viele bequeme selbstverliebte Städter plötzlich auf die Äcker und in die Ställe stürmen und arbeiten wollen…..

            Es sieht doch eher anders herum aus, ohne Polen und Rumänen dreht sich doch hier bald kein Rad mehr…..achso der Rentner habe ich vergessen, ohne den einen wäre unser Betrieb schon zusammengebrochen

            Übrigens soll ja der Minijob auf 600 Euro angehoben werden…..Nachtigall ich hör Dir trapsen

            • Stadtmensch sagt

              “Es ist doch eine weltfremde Illusion, das plötzlich ganz viele bequeme selbstverliebte Städter plötzlich auf die Äcker und in die Ställe stürmen und arbeiten wollen…..”

              Unter den gegenwärtigen Umständen schon. Du erinnerst dich an den Fernsehbeitrag, wo eine Berlinerin im Lockdown mal in Versuchung geriet, das nähere Umland zu erkunden? “Oh wie schön es hier ist” hieß es doch da. Bin fast schon sicher, wenn generell entschleunigt werden muss “wegen Großer Transformation” usw., wird auch die Arbeitszeit destruktiver Berufe reduziert. Eine schöne Beschäftigung im Agroforst findet sich immer im Tausch für Lebensmittelmarken.

              Die Illusion ist, dass alles so weiter gehen kann die nächsten 30 Jahre. Danach ist laut Stand Wissenschaft die Kacke irreversibel am Dampfen.

              • Reinhard Seevers sagt

                “Die Illusion ist, dass alles so weiter gehen kann die nächsten 30 Jahre. Danach ist laut Stand Wissenschaft die Kacke irreversibel am Dampfen.”

                Genauso sehe ich das auch Stadtmensch. Aber die Suche nach Lösungen beginnt nicht in der Landwirtschaft Deutschlands, und sie endet auch nicht dort. In einem Industriestaat, der seinen Wohlstand mit Exportschlager des Maschinenbaus verdient, wird es keinen Menschen freiwillig zum Erwerb des Lebensunterhaltes treiben, der auf dem Acker arbeitet. Es sei denn zum workout oder als Seelenberuhigung.
                Frau Dr. Sabine Pfeiffer hat in einem sehr guten Buch über die “Digititalisierung als Distributivkraft” die Fehleinschätzungen, Folgen und Zusammenhänge der Digitalisierung geschrieben. Als gelernte Werkezugmacherin, Dipl.-Ing. und Soziologieprofessorin hat sie, wie schon etliche andere auch, die Einordnung der Digitalisierung in unsere Gesellschaft dargestellt. Ist sehr gut auf die Landwirtschaft übertragbar.
                Lösungen sind nur in der Gesamtgesellschaft zu finden, wenn man auch über die Folgen der neuen Revolution spricht. Will sagen: Auch die neuen Rettungsringe werden neue erhebliche Probleme bringen, über die muss man und sollte man im Vorfeld sprechen und sie nicht blindlinks übernehmen. Soziologen sind in meinen Augen die wichtigsten Wissenschaftler, die wir demnächst benötigen. zur Folgenabschätzung und Diskussionseröffnung.
                Man spricht aber nicht drüber, ebenso wenig, wie mit den Landwirten vor den politischen Entscheidungen. Das fällt allen auf die Füße, aber keiner ist hinterher Schuld dran, …ok, doch, die Landwirtschaft.

                • Stadtmensch sagt

                  “Soziologen sind in meinen Augen die wichtigsten Wissenschaftler, die wir demnächst benötigen. zur Folgenabschätzung und Diskussionseröffnung.”

                  Soziologen und Psychoanalytiker begleiten uns schon seit dem “Unbehangen in der Kultur”. Seit der Mensch nicht mehr artgerecht und eingebettet in seiner Kulturlandschaft gehalten wird. Seit er deshalb ohne Realitätsbezug ist zu seine natürlichen Lebensgrundlagen und krank wurde, durch seine aussichtlosen Bemühungen, die Perfektion der Natur nachzuahmen. Jeder Versuch endet immer mit einer neuen “Entropieschleuder”. Der vorläufige Gipfel ist der Ansatz, Nahrungsmittel quasi zu synthetisieren. Menschen sind jetzt schon ziemlich hinüber, weil sie sich hauptsächlich von stark verarbeiteten Nahrungsmitteln ernähren.

                  btw, Danke für den Buchtip…

                • Reinhard Seevers sagt

                  Ja Welzer hat vollumfänglich Recht, find ich.

                • Stadtmensch sagt

                  Boah, der Bolz ist anstrengend. Der kippt gleich vom Stuhl vor Angst.

                • Stadtmensch sagt

                  @brötchen, stimmt. Danke fürs raussuchen.

                • Mark sagt

                  “Ja Welzer hat vollumfänglich Recht, find ich.” Ironie off haste vergessen.

                • Mark sagt

                  Dann liegst Du eben daneben: Bolz hat vollumfänglich recht, von mir ein Capeau für Bolz! Ebenfalls ein Dank an Brötchen, aussergewöhnlich anspruchsvolle Sendung.

              • firedragon sagt

                ” … „Es ist doch eine weltfremde Illusion, das plötzlich ganz viele bequeme selbstverliebte Städter plötzlich auf die Äcker und in die Ställe stürmen und arbeiten wollen…..“

                Unter den gegenwärtigen Umständen schon. …”

                Stadtmensch,
                die (gegenwärtigen) Umstände sind noch nicht so, dass Obiges eintreten wird.

      • Reinhard Seevers sagt

        Stadtmensch, du bist doch ein gutes Beispiel dafür, dass die kognitive Dissonanz voll durchschlägt. Das Handeln des Menschen im kapitalistischen System erzeugt diese Widersprüche permanent. Die Errungenschaften durch den Erfolg des Marktsystems erzeugen unweigerlich Schäden auf anderer Seite. Die Übertragung der Problematik auf die Landwirtschaft ist die Ablenkung von der wirklichen Problemlage, die Alternative zur materiellen Befriedigung bei gleichzeitigem Erhalt des Wohlstandes.
        Je mehr Menschen auf dem Planeten leben, und je mehr die westlich geprägte Wirtschaftsweise der Maßstab für Wohlstand weltweit ist, umso größer die Schäden.
        Es muss eine neue Form des Wirtschaftens geben, man muss darüber sprechen und danach suchen. Man kann sie aber nicht darin finden, denjenigen, der die Existenz des Einzelnen ermöglicht und aufrecht erhält, dafür verantwortlich zu machen. Es ist die Gesellschaft im Ganzen, alle sind aufgefordert, darüber nachzudenken. Und das E- Auto oder das E-bike sind ganz sicher nicht die Lösung, sondern verstärken das Problem eher noch.

        • Stadtmensch sagt

          “Die Übertragung der Problematik auf die Landwirtschaft ist die Ablenkung von der wirklichen Problemlage,”

          Sicher. Landwirte sind die letzten ökologischen Menschen. Deshalb heule ich mich hier aus. Geht nur, weil jemand eine Brücke gebaut hat.
          E-Bikes sind für Mädchen…

          • Bauer Willi sagt

            Stimmt. Landwirte sind ökologische Menschen. Wer sonst? Die urbane Elite in Kreuzberg etwa? Die hält sich nur dafür, weil sie eine Bio-Gemüsekiste bestellt.

      • Bauer Willi sagt

        Von Industrieller Landwirtschaft profitieren die Verbraucher…auch Stadtmenschen…

  20. Schorsch Summerer sagt

    wow! Darüber muss ich erst mal nachdenken. Kann es tatsächlich so (einfach) sein?

    • oberländer sagt

      Es ist tatsächlich so einfach,
      einfach weil es Fakt ist.
      Nur lässt sich mit einfachen Fakten
      kein Geld generieren .

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