Bauer Willi
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Nicht verkaufen!

Wie in den letzten Tagen berichtet, hat die Wintergersten-Ernte im Rheinland begonnen und wird wahrscheinlich Mitte der Woche auch schon wieder beendet sein. Ich bin mit dem Ertrags-Ergebnis zufrieden, sogar sehr zufrieden. Aber wir hatten auch immer Regen zur rechten Zeit.

In anderen Teilen Europas sieht es ganz anders aus. Ein stabiles Skandinavien-Hoch hat im Mai und Juni dafür gesorgt, dass rund um die Ostsee kaum Regen gefallen ist. Und derzeit sieht es auch nicht danach aus, dass sich das ändern würde. Entsprechend katastrophal präsentieren sich dort alle Kulturen. In Einzelfällen wird Getreide auch nicht mehr als Korn geerntet, sondern der Aufwuchs gehäckselt und die verbliebene organische Masse für Futter siliert oder in die Biogas-Anlage gefahren, weil der Mähdrusch zu teuer wäre.

Zwar ist dies derzeit nur eine nord-europäische Erscheinung, aber so langsam scheinen sich diese Nachrichten auch auf die Börsen auszuwirken, denn die Verarbeiter bekommen dies ja auch mit und überlegen, wann sie ihren Rohstoff kaufen. Beim Weizen ist jedenfalls schon ein kleiner Preisanstieg festzustellen. https://www.kaack-terminhandel.de/de/matif-weizen.html

Mit jedem Tag, den es jetzt heiß bleibt und nicht regnet, wird sich die Situation auch bei anderen Getreidearten (Weizen, Roggen) sowie bei Raps und Mais verschärfen. Am vergangenen Mittwoch war ich in der Nähe von Osnabrück und konnte dort sehen, wie Mais, der gerade mal 1,50 m hoch war, bereits die Blätter rollte. Ein Zeichen für extreme Trockenheit. Die Rapsernte hat teilweise auch schon begonnen, was kein gutes Zeichen ist. Somit ist davon auszugehen, dass auch bei diesen Kulturen mit geringeren Erträgen als normal zu rechnen ist.

Auch Russland wird bei den oben genannten Kulturen in diesem Jahr deutlich unter dem Vorjahr bleiben und weniger exportieren können. Ob sie es auch tun, bleibt abzuwarten.  Informationen über die USA und Kanada habe ich nicht. Immerhin kommen über 70% des Getreides von der Nordhalbkugel. Australien und Südamerika spielen da nur eine geringe Rolle.

Einen Teil des Getreides habe ich bereits vor Monaten über Vorkontrakte abgesichert, zu Preisen von 150 bis 160 €/t bei Gerste und Weizen (geliefert Genossenschaft) und 330 €/t Raps. (Alle Preise netto, ohne Steuern) Kann sein, dass das auch heutiger Sicht ein schlechter Preis war. Jedenfalls werde ich jetzt bis in den Herbst hinein mit weiteren Verkäufen warten, bis die Ernte auf der Nordhalbkugel abgeschlossen ist und die endgültigen Erntezahlen vorliegen. Falls meine Berufskollegen von mir einen unmaßgeblichen Rat hören wollt, so lautet der: nicht verkaufen. Jetzt jedenfalls nicht. Schlecht verkaufen kann man später immer noch 🙂

Im Moment träume ich von Weizenpreisen jenseits der 180 €/t und Rapspreisen von um die 380 €/t. Jetzt könnt ihr ja sagen “träume weiter”. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen….

Dass ich mit solchen Preisen einen kleinen Gewinn einfahren würde, möge man mir verzeihen. Mir ist klar, dass dann das Brötchen vielleicht auch einen Cent teurer würde. Aber das müsst ihr halt irgendwie aushalten und woanders wieder einsparen. Ihr könnt ja schon mal überlegen, wo…

Euer Bauer Willi

(Aufrufe 2.037 gesamt, 1 heute)

30 Kommentare

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Hab heute Nacht auch geträumt, genauer gesagt, es war ein Alptraum. Ich habe geträumt dass meine Frau nur noch vegan leben will und was noch schlimmer war, ich sollte auch so leben. Als wir im Zimmer des Scheidungsrichter waren bin ich aufgewacht, Gott sei Dank, es war nur ein Alptraum.

    • Paulus sagt

      Werte Astrid, wie ich schon einmal zum Ausdruck brachte, bewundere ich Ihr Bemühen uns eine biovegane LW und die damit verbundene Ernährungsweise näher zu bringen. Das scheint mir in der Tat die höchste Stufe der Erkenntnis zu sein. Wir selbst befinden uns auf dem mühsamen Weg dorthin. Ganz einfach vegan zu leben ist uns allerdings zu popelig, das schafft ja selbst der AdT; nein, wir legen schon Wert darauf zur Crème zu gehören. Der Zauberbegriff lautet tatsächlich Biovegan, wenn schon dann auch in Vollendung. Diese scheiß B12 Tabletten sind etwas störend. Die bekommen wir immer nur mit nitrat- und arsenhaltigem Wasser heruntergespült.
      Und jetzt mal ehrlich, eine Astrid gibt es doch genau so wenig wie Bielefeld.

    • Bauer Fritz sagt

      Sie könne ja gerne davon träumen. Jene Landwirte, die das machen träumen auch vom Geld. Im Link steht leider nirgendwo, daß biovegan ohne Geld geht – oder müssen die sich das auch dazuträumen ?

    • bauerhans sagt

      “Die Landwirtschaft träumt vom Geld.”

      ich träume von susanne klatten.

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Von der Susanne Klatten, oder von ihrem Geld?

        Starte mal einen “Angriff”, wie man hört soll sie derzeit Solo sein. 😉

        • Brötchen sagt

          Habt ihr euch das gut überlegt? geld ist auch nicht alles. ich würde meinen Luxuskörper nicht so einfach der Verschwendung preisgeben;)…aber vielleicht ist die ja ganz okay. bei einem Bauern weiss, man ja was man hat 😉

          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Einen gewissen Einsatz muss man schon riskieren.
            Danach Heirat, dann Scheidung und um ein paar Milliönchen reicher. 😉

            Weitere Kommentare lass ich jetzt lieber, sie ist nicht die Einzige die Eheprobleme hatte.

      • Paulus sagt

        He he, Bauerhans, lass die Finger von der Klatten, an der bin ich schon dran. Sonst gibt es Klöppe.
        Himmel Herrgott, der Admin aus dem Allgäu möge einschreiten 🙂

    • Dorfmensch sagt

      Werte Astrid,

      dürfen (konventionelle) Landwirte nicht auch mal von Geld träumen? Nötig hätten es viele nach der Erlössituation der letzten Jahre. Findet es jemand schlimm, wenn Daimler oder andere Industrieunternehmen Gewinne machen, ihre Mitarbeiter und Zulieferer ordentlich bezahlen und auch Steuern bezahlen?
      Übrigens zu einer Thüringer Rostbratwurst gehört auch ein gutes veganes Lebensmittel: Bier!!!!

      • Inga sagt

        und Mostrich (Senf)

        wie teuer der wohl wird, wenn er bio-vegan angebaut wird?

        Und das Bier erst?
        🙂

        Dann müssen wir eben länger für eine Sojawurst mit Senf und Bier arbeiten. Und auf andere überflüssige Sachen verzichten!

    • Xylon sagt

      Liebe Astrid
      Biovegan ist ein Kampf gegen den Boden,oder gerade heraus gesagt,Massen Mord an den
      Bodenorganisen ,Humus vernichtung pur .Macht den Boden zur CO2 und Nitratschläuder,
      hat das zukumpft?? ich glaube eher nicht

  1. Mark sagt

    Na dann hoffe ich mal, dass Du recht hast. Ich habe jetzt alle meine Kontrakte storniert.

  2. Brötchen sagt

    Sabine, bei uns pressen sie die Grossballen in kleinballen um, mit
    einer alten Presse. die kleinen Kosten glaube ich 4 Euro. glaube ein grossballen etwas über 100 Euro.

    • Inga sagt

      oder weil das Stroh beim noch nicht ganz soo trocken war?

      Ja,mein Sohn hat ca. 1990 rum seinem Lehrer auch mal einen Strohballen aus der Hd Presse verkauft,

      der Lehrer hat freiwillig für 20 DM bezahlt!

      Das war es ihm wert für sein Kaninchen.

      Andere Preise kennt er ja auch nicht, deswegen denken bestimmt viel, dass die Bauern so reich sind!

  3. Günter sagt

    Hallo Willi
    War in Dänemark und Schweden unterwegs da ist der Mais teilweise erst Knie hoch und rollt die Blätter der Hafer ist 30 cm hoch und schiebt die Rispe. Viele Flächen wurde nicht mehr bestellt (wird im August wohl Raps gesäht)
    Seit gestern gibt es mehrere große Waldbrände in Südschweden .

  4. Farming04 sagt

    Guten Tag Willi,
    so sehr ich deine Euphorie Teile h[here Preise wären eine katatrophe die letzten hochs bei den getreidepreisen wirkten sich derart negativ auf psm, mineraldünger und Saatgut über 2 bis dre

  5. Mausschubser sagt

    Die Tüte Bio Weizen Körner kostet bei dm irgendwo um 1,10€. Wenn ich mich da richtig erinnere. Da scheint eine ganz ordentliche Spanne zwischen Erzeuger und Endverbraucher zu liegen. Selbst wenn man annimmt, dass das Bio Getreide doppelt so teuer ist. Wenn die Brötchen teurer werden, liegt das ziemlich sicher nur untergeordnet am Weizenpreis.

    Ist so ähnlich bei der Erhöhung des Wasserpreises durch die Nitratbelastung. Die wahren Kostentreiber liegen dort wo anders.

    • Brötchen sagt

      von den Tüten verkaufen sie aber nur 50 im Monat, wenn überhaupt. das Geld verdienen die woanders.

    • Sabine sagt

      Naja, dann kauf mal bei deinem Bauer einen Rundballen Wiesenheu und geh danach ins Futterhaus oder in den Fressnapf und staune, was man für ne Tüte Heu ausgeben kann.
      Allerdings hat der Bauer meist nur Rundballen und viele wissen nicht wie sie mal eben ca 200kg Heu zwischenlagern sollen. Also kann der Tierbedarfshandel 10 bis 20 mal mehr verlangen wie der Bauer nebenan und bekommt es auch.

      • bauerhans sagt

        “kauf mal bei deinem Bauer einen Rundballen Wiesenheu”

        kam mal nen städter vorbei und wollte nen ballen heu kaufen.
        ok,womit wollen sie den transportieren? oben aufs auto,damits im auto sauber bleibt!
        gut,dann hol ich den frontlader und lad den ballen oben drauf!
        äh,son kleinen ballen kann man doch tragen?
        den rundballen wollte er nicht,obwohl der auf den gepäckträger gepasst hätte,sie hatten nur 1 zwergkanninchen und 1 meerschweinchen.

    • Inga sagt

      Ja, Mausschubser,

      der LEH, der Handel wäscht sein Finger in denen von uns produzierten Nahrungsmittel-Rohstoffen!

      Eben, schon lange unser Thema,

      unsere Gesellschaft lebt eben über ihre Verhältnisse und das nicht nur zu Lasten der Natur sondern auch von uns Bauern!

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