Bauer Willi
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„Ich möchte gerne die alten Sorten“

Immer wieder liest man, dass es ja „schade ist, dass es die alten Sorten nicht mehr zu kaufen gibt“. Meist mit dem Zusatz, dass statt dessen „nur die Sorten der industriellen Landwirtschaft angeboten werden“. Was ist da dran?

Dass es diesen Wunsch gibt, ist erst einmal zu akzeptieren. Wahr ist aber auch, dass es die alten Sorten durchaus zu kaufen gibt. Sogar bei uns im Ort bei Kartoffelkult, die sich auf alte Kartoffel-Sorten spezialisiert haben. Unser Sohn hat sich damit auch eine Zeitlang beschäftigt, dann aber auf die Produktion für den Eigenverbrauch reduziert. Er hat die Erfahrung gemacht, dass Sorten wie z.B. Bamberger Hörnchen oder Blauer Schwede ein- oder zweimal gekauft werden, aber nach dem ersten Spontankauf der Verbraucher zum Gewohnten zurückkehrt.

Und bei Getreide? Mittlerweile gibt es Emmer, Einkorn und Dinkel nicht nur im Reformhaus zu kaufen sondern auch beim gutsortierten Supermarkt. Auch hier macht man ähnliche Erfahrung: nach einem ersten Probieren sind nur wenige Käufer bereit, den höheren Preis dafür zu bezahlen. Und der Preis muss höher sein, weil die Erträge dieser alten Getreidesorten logischerweise geringer ausfallen als die modernen Sorten.

Warum gibt es überhaupt neue Sorten? Ziel der Züchter ist es, den Landwirten eine Sorte anzubieten, die ihm in irgendeiner Weise einen Vorteil bietet. Das kann ein höherer Ertrag sein. Mindestens genau so wichtig sind andere Faktoren wie z.B. die vermarktbare Qualität. Das ist bei Weizen  z.B. der Eiweißgehalt, die Fallzahl und Fallzahlstabilität und weitere mehr. Diese Faktoren spielen auch bei der aufnehmenden Hand, den Getreidemühlen eine Rolle und können Bestandteil des Preises sein.

Wo alte Sorten fast keine Rolle spielen ist beim Gemüse. Kein Mensch würde z.B.  heute die Urform des Blumenkohls kaufen. https://www.plantura.garden/gemuese/kohl/urkohl

Übrigens: wussten Sie, dass man beim Brokkoli, der auch aus dem Urkohl entstanden ist, die Blüten isst? Ich wusste es nicht…Asche auf mein Haupt. Und kennen Sie Palmkohl und Schwarzkohl?

Wie ist es beim Obst? Wir haben in der Nähe drei Streuobstwiesen mit alten Sorten. Wir dürfen uns dort bedienen weil der Bewirtschafter mir sagte, dass sich niemand für die Ernte interessiert. Wir machen aus dem Fallobst Apfelsaft und haben im Herbst 180 l pressen lassen. Das reicht unser erweiterten Familie für ein Jahr. Wir könnten leicht auch für 1.000 l Obst aufheben, weil dies außer uns kaum jemand macht. Und ganz ehrlich: bestimmte Sorten, vor allem Birnen, sind im Geschmack kein wirkliches Erlebnis. Sie sind hart, faserig und schmecken relativ neutral. Sie sind nicht mit den Williams Christ zu vergleichen, die wir im Hof stehen haben.

Was an Obst gekauft wird, kann in jedem Supermarkt gut beobachtet werden. Es sind definitiv makellose Sorten, die von pfiffigen Marketing-Strategen nach vorne gebracht werden. Der Fachmann nennt sie „Club-Sorten“. https://www.obst-vom-bodensee.de/produkte-packaging/clubsorten

Fazit: gewünscht werden alte Sorten, gekauft wird das, was dem Verbraucher im Supermarkt aus irgendeinem Grund interessant erscheint. Meist ist der Grund der Preis…

 

 

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42 Kommentare

  1. Kartoffelikus sagt

    Ich liebe alte Sorten, um sie mal als etwas besonderes zu essen. Aber genau das dürfte sie für Anbauer so unattraktiv machen: Es ist halt eine Delikatesse, die in der Produktion teurer ist, die aber nicht zu Delikatessen-Preisen verkauft werden kann.

    Glücklicherweise habe ich einen kleinen Garten, wo ich für meinen Verbrauch ausreichend alte Sorten anbauen kann. Das ist dann halt Hobby, da spielen die Anbaukosten keine Rolle.

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  2. Thomas Bröcker sagt

    Das was man gemeinhin unter alten Sorten versteht, sind Sorten, die aus verschiedenen Gründen aus dem Anbau verschwunden sind. Entweder gibt es den Verwendungszweck nicht mehr, oder Anfälligkeiten gegen Krankheiten oder physiologische Störungen schränken den Anbauwert ein. Noch in den 60-iger Jahren hat der Pfarrgarten der damaligen Arbeitsstelle meiner Eltern sehr geholfen die Familie zu versorgen. Ich bin mit einem Obstgarten großgeworden, der 1912 angelegt worden war. Das Haus hatte einen Gewölbekeller mit einem großen Obstlagerraum mit Horden, auf deren schrägen Regalböden die Äpfel in mehreren Etagen flach und einzeln nebeneinander eingelagert wurden. Das Sortiment im Garten zielte auf eine möglichst lange Versorgung mit frischen Äpfeln ab: Klarapfel, Prinzenapfel (Berliner Hasenkopf), Croncels, Gelber Bellefleur, Baumanns Renette, Coulon Renette, Kanadarenette, Boskoop, Champagnerrenette, Schöner von Nordhausen, Wilhelmsapfel, Jonathan, Gelber Edelapfel und Roter Eiserapfel.
    Der Verderb war erheblich und die Regale im Keller mussten wöchentlich durchgesehen werden. Das lief so ein bisschen nach dem Motto: „Die gute Hausfrau isst den ganzen Winter schlechte Äpfel, weil gegessen wird, was weg muss“.

    Diese Zeiten sind vorbei. Die Kühllagerung mit Maschinenkühlung und gesteuerter Atmosphäre hat das Sortenspektrum komplett verändert. Golden Delicious hat seine weltweite Anbauverbreitung überhaupt erst durch die Maschinenkühlung erlangt. Im Keller war sein Pendant „Gelber Bellefleur“ einfach haltbarer.

    In meinen jetzt 48 Jahren Berufserfahrung habe ich viele Sorten kommen und gehen gesehen. Geändert hat sich eines nicht: Es gibt zu viele ähnliche Sorten die ungenügend geprüft auf dem Markt kommen. Das hat schon der um 1900 bekannte Obstbaulehrer Johannes Böttner so gesehen. „Wenn der deutsche Obstbau konkurrenzfähig bleiben will, muss er wenige Sorten (maximal 10 bis 15) mit guter Anbau- und Transporteignung anbauen, die dem Handel Waggonweise in gleicher Qualität angeboten werden können“.

    Die neueste Idee der Berufsverbände, dem Niedergang des Apfelanbaus mit dem Umstieg auf wenige robuste Neuzüchtungen zu begegnen halte ich für wenig erfolgversprechend. Auch wenn weniger Pflanzenschutzbehandlungen nötig sein sollten, liegt die Marktabgrenzung immer noch bei „ungespritzt = BIO = gut und „gespritzt“ = Agrarindustrie = schlecht. An dieser Abgrenzung sind medial bislang immer noch alle vernünftigen Ansätze abgeprallt und je enger der Markt für Bio wird und Preisdruck entsteht, desto härter wird der Ton. Die letzte PR-Aktion von PAN (Pestizid Aktion Network) gegen deutsche IP Äpfel zeigt die Richtung an.

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    • Seevers Reinhard sagt

      Es ist eine ähnliche Lage, wie bei den Kartoffeln. Bei Bananen und Avocados gibt es diese Diskussion nicht. Was sagt uns das? Die wenigen heimischen Grundnahrungsmittel stehen in Konkurrenz zu globalen Produkten und durch die merkwürdigsten Abgrenzungsversuche, wird versucht nationale Marktanteile zu halten.
      Komischerweise sind Erzählende in diesem Fall sogar aus verschiedensten Lagern. Seis drum, es ist, wie es ist…..nicht zu ändern.

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      • Dietmar Groß sagt

        @RS
        mit Blick auf den „Abgrenzungsversuch“ Bio stelle ich fest, dass der konzentrierte LEH und die spanischen Agrarindustrieunternehmen pragmatischer und ideologiefreier damit umgehen als wir Deutschen. Für ein paar cent mehr lohnt sich in den sonnenverwöhnten Regionen der Bioanbau in großen Einheiten. Selbstverständlich auch EU-biozertifiziert . Über 20% beträgt inzwischen der Bioflächenanteil in Andalusiens „Obst und Gemüsegarten Europas“ mit steigender Tendenz. Und mit EU-Förderung wird das Wasserproblem zunehmend gelöst durch Meerwasserentsalzungsanlagen (auf Basis von PV-Strom). Und wer das Haar noch in der Suppe sucht beim Transportaufwand, der sollte sich darauf einstellen, dass mit oder ohne „green deal“ demnächst die LKWs auch mit Sonnenstrom fahren.
        Da bleibt nur noch das Mindestlohn- und Migrantenthema. Oder vielleicht das Microplastikthema.
        Hat aber nix mit Bio zu tun.

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        • Reinhard Seevers sagt

          @DG
          Mit Abgrenzungsversuch meinte ich diesmal nicht BIO, sondern eher „regional“ oder „alte Sorten“.
          Bio wird sowieso in Zukunft unter der Massenware untergehen, unbemerkt. Alles wird mit Bio gelabelt und nicht mehr überprüfbar, weil in zu großem Umfang angebaut. Die kleinen bäuerlichen nationalen kann man evtl. noch am Gängelband halten, aber die großen Akteure werden Wege finden, sich nicht in die Karten schauen zu lassen.
          Gerüchte gehen übrigens um, dass Aldi-Nord und Aldi-Süd fusionieren im Bereich Bio-Frischfleisch. Die Häscher laufen bereits durch die Lande und suchen Verbündete zur vertikalen Integration bei Schwein und Geflügel.
          Im Nachbarort investiert gerade einer in eine 560Sauenanlage nach Haltungsstufe 4/5 als Kooperation mit wem auch immer….(Geheimnis)😎

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        • schmeckt gut sagt

          Herr Groß, die Biobranche (hier wohl eher die Funktionäre der deutschen Bioverbände) beklagt sich, dass viel zu wenige Höfe auf Bio umstellen – der Bedarf ist ja soooo groß und der deutsche Bauer zu dämlich, die Chancen in Bio zu nutzen. Von Bio-Kollegen höre ich etwas anderes: Auskömmliche Preise gibt es nur im Direktgeschäft oder in der direkten Vermarktung. Hier sind die Plätze vergeben. Bei indirekter Vermarktung (LEH-Zentralläger) zählt auch in Bio nur der Preis – nicht im ersten Anlieferungsjahr, aber in den Fogenden. Also eins zu eins wie bei Konvi. Wir sind Unternehmer und erkennnen, wenn man uns verarschen will. Millioneninvestitionen (Ställe/GWH/Packhallen…) und die ganze Regulierungswut des deutschen Michels plus Bio-Zertifizierungswahn in D durch die Bioverbände passt halt nicht mit der von uns Bauern geforderten Mentalität zusammen: Arbeite und halt die Klappe, wenn wir zur Kontrolle der überbordenden Vorgaben kommen. Dietmar, Sie haben es schon ganz richtig erkannt: Außerhalb Deutschlands ist EU-Bio sehr viel einfacher umsetzbar, aber wird es dadurch besser? Billiger für den Verbraucher auf jeden Fall.

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        • Reinhard Seevers sagt

          Der gravierende Unterschied zwischen den Mittelmeer-Euroländern und Deutschland ist im Bereich des Arbeitsmarktes der zwischen dem formellen Arbeitsmarkt bei uns, und dem informellen Arbeitsmarkt in Spanien, Italien, Griechenland etc.
          Diese große Disparität hat die EU noch nie angefasst und geändert. Und niemand stört sich daran, weil bei Änderung entweder bei uns Bürgerkrieg herrschen würde, oder in den oben genannten Ländern. Deshalb muss die EU auch dringend reformiert werden.
          Informeller Arbeitsmarkt, Kriterien:
          Fehlende Regulierung: Informelle Arbeitsverhältnisse sind oft nicht in offiziellen Statistiken erfasst und entziehen sich den üblichen Kontrollen.
          Geringe Eintrittsbarrieren: Viele Tätigkeiten erfordern keine speziellen Qualifikationen oder formale Ausbildung.
          Schlechte Arbeitsbedingungen: Die Löhne sind häufig niedrig, und es gibt keinen Zugang zu sozialen Sicherheiten oder Arbeitsschutz

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  3. Georg Model sagt

    Es gibt schon viele gute alte Apfelsorten welche beim Kunden geschmacklich gut ankommen könnten.

    Aber wir haben eben zuviele Apfelsorten und der Kunde kommt damit anscheinend nicht zurecht und bei Alternierenden Sorten oder hohen Produktionskosten kommt der Erzeuger damit nicht zurecht und der Vermarkter nicht wenn sie nicht lange lagerfähig oder bekannt sind.

    Wir haben in der Obstregion Bodensee insgesammt 72 Tafelapfelsorten in den Abrechnungen aller Vermarkter incl. Bio, Clubsorten , Untertypen ect.
    Dies ist für den LEH, Fachchandel und Discounter zuviel.
    Ein Unternehmensberater hat uns empfohlen uns zusammenzuschliesen, am besten Deuschlandweit und das Angebot auf 15 Apfelsorten zu begrenzen um eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den vier großen Discountern zu erwirken.
    Nicht alle anderen Sorten sollen gerodet werden, aber es wird diese nur noch als Nischenprodukt für Selbstvermarter und Hofläden geben über Fachhandel und Großßmärkte lässt sich auch nicht mehr alles vermarkten, die Mengen schwinden auch und die Nachfolge ist auch nicht gesichert ähnlich wie im Weinbau.
    Die Erhöhung des Mindestlohnes sprengt auch die Produktionskosten und es werden viele Betriebe und Flächen aufgegeben werden. Um alten Sorten zu erhalten müsste es mehr Förderung geben, die gibt es ja nur für Streuobst und ist auch nur was für das Hobby.
    von Idealisten , leben kann man davon leider nicht. Wer Förderung für Streuobst beantragt darf in BW auch erst im August das Gras mähen. Da haben die Bäume bereits unter Trockenstress und Mäusenagerei gelitten. Wenn es sich um Kirschen oder Zwetschgen handelt darf man im hohen Gras bzw, Brennesseln ernten was nur mit langen Hosen und möglich ist und dabei darf noch mehr geschwitzt werden, was nicht extra vergütet wird. Meistens wird man dabei noch durch sehr viele stechende Insekten geplagt. Diese Förderkreterien haben mit der praxis nichts zu tun und sind aus diesen Grund so gemacht, damit sie möglichst wenige beantragen und das von der EU bereitgestellte Fördergeld anderweitig abgegriffen werden kann, wie bei vielen anderen
    Anreizen eben auch.Bei Nachhfrage im Ministerium wer solche Kriterien erlässt oder Verwaltungsvorschriften erhielt ich trotz positiver Gerichtsenscheidung bis heute keine Antwort aus Stuttgart. Einzige Reaktion war das eine Vermaltungsvorschrift auf welche ich mich berufen habe , seit fast 2 Jahren vom Netz ist und sich kein Verban darum kümmert.
    Von einen neuen Ministerpräsidenden der mal Bundesagrarminister war und sich jetztim Wahlkampf auf Wahlplakaten mit Erfahrung rühmt und dabei sein Parteibuch verschweigt, habe ich wohl auch keine Antwort zu erwarten. Das gleiche gilt auch für den
    Agrapolitischen Franktionsprechern dieser Blümchenpartei welcher ebenso verfährt
    obwohl diese Partei bisher den Ministerpräsidenten stellt.
    Alter Wein in neuen(alten )Schläuchen ?

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    • zmp_nachfahre sagt

      Lange Hosen sind doch immerhin gut gegen Mücken…
      Spaß beiseite: Meines Erachtens ist es doch Teil des Problems, daß man als Verbrauchern so überhaupt gar nichts von den Schikanen mitbekommt, die man als Erzeuger so erdulden muß. Und wenn man die Sorten nicht schon kennt – die Beschreibungen auf dem Etikett sind genausowenig hilfreich wie beim Wein. Und wer macht sich schon die Mühe, mal in Ruhe verschiedene Sorten zu probieren?
      Meine Eltern wohnen im Rheinland, und wir kennen dort einige Obstbauern persönlich. Einer hat sogar eigene Züchtungen vorzuweisen – aber er verkauft halt auch einen guten Teil direkt. Da gibt es auch eine persönliche Beratung mit Kostprobe.
      Und bei meiner Schwester im Südschwarzwald kommen die Bodensee-Obstbauern auch mit alten Sorten und Spezialitäten, aber halt auch auf dem Markt und nicht im LEH.
      Das ist sonst tatsächlich überall so, ob beim Obst oder beim Joghurt: die meisten Verbraucher können mit der großen Auswahl nichts anfangen.

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  4. Martin sagt

    Die Produktionskosten (Vollkostenrechnung) von Äpfeln lagen vor der Erhöhung vom Mindestlohn zum 1.1. bei etwas über 60 Cent/kg. Auf die Erntekosten entfallen dabei ca. 35 Cent/kg. Die Auszahlungspreise unterscheiden sich deutlich zwischen den Sorten. Sorten mit niedrigen Auszahlungspreisen bei indirekter Vermarktung, lohnt es sich nicht anzubauen. Z.b. Wellant, Kanzi, Fräulein (Markteinführzng war vor 80 Jahre). Golden delicious oder Granny Smith (>100 Jahre) werden zwar nachgefragt, können aber die Südtiroler wirtschaftlicher anbauen als wir. Granny Smith wird zudem bei uns (Mitteldeutschland) nicht reif. Bei Direktvermarktern gibt es mehr ältere Sorten (z.B. Gravensteiner, Goldparmäne, beide >400 Jahre) als in Supermärkten. Die werden aber weniger nachgefragt als die moderneren Sorten, weil das Geschmackserlebnis und vor allem die Festigkeit und ganz besonders die Lagerfähigkeit der moderneren Sorten besser sind. Für Mostobst liegen die Auszahlungspreise <50% von denen für Tafelware.

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    • Martin sagt

      Der Satz sollte heissen Z.b. Wellant, Kanzi, Fräulein (Markteinführzng war vor 80 Jahre).

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      • Martin sagt

        Der Satz sollte heissen Z.b. Wellant, Kanzi, Fräulein (Markteinführzng war vor 80 Jahre).

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    • Martin sagt

      Der Satz sollte heissen:

      Z.b. Wellant, Kanzi, Fräulein, bei denen die Markteinführung vor weniger als 20 Jahren war, haben einen höheren Marktwert als zB. Idared oder Jonagold, die >80 Jahren alt sind. Das kann man aber nicht verallgemeinern.

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  5. Manuela sagt

    Zum Thema neue Apfelsorten würde ich gern was loswerden. Die Apfelsorten der „neuesten Generation“ sind inzwischen sehr leistungsfähig in verschiedenen Bereichen. Keine Sorte ist perfekt, aber inzwischen gibt es sehr gute Kombinationen aus Robustheit, schöner Optik, stabile Lagerung im Langzeitlager und beim Kunden (!) und eben auch sehr gutem Geschmack. Ein renommierter Züchter sagte vor Jahren schon, nach den heutigen Anforderungen würde ‚Elstar‘ nicht mal durch Prüfstufe 1 kommen. Wenn ich mich nicht irre, ist das auch alles klassische Kreuzungs-/Selektionszüchtung. Die Zeiten, dass resistent gegen Schorf auch gleichzeitig resistent gegen Verzehr bedeutet sind vorbei. Ich kann die Verbraucher nur ermutigen neugierig zu bleiben und verschiedenes zu probieren.
    Wir fahren heute auch schöne, leise, sichere Autos mit allen möglichen Gadgets bei 5l/100km. Im Prinzip haben wir „Hightech“-Sorten, wobei Hightech halt auch verschiedene Resistenzen und Klimaanpassungen beinhaltet, ohne dass man Abstriche beim Geschmack machen müsste.
    Hach, ich könnte noch einen Riesen-Text schreiben 😀
    Und Schleichwerbung hätte ich auch noch in petto…
    Vielleicht doch noch was: Der Erhalt der Genetischen Vielfalt ist natürlich Grundlage, dass man auch was zum einkreuzen hat. Und welche Eigenschaften oder Zusammensetzungen wir mal noch brauchen werden, wissen wir ja nicht.

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    • Manuela sagt

      Also das mit Elstar und der Prüfstufe ist vor allem auf Produktionsfaktoren bezogen, nicht auf den Geschmack (falls das so aussieht), da gibt’s halt gleich am Anfang ein paar Ausschlusskriterien

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      • Seevers Reinhard sagt

        Der Elstar ist inzwischen dem Welland gewichen, jedenfalls bei uns.
        Es nützt auch nichts, alte Sorten vorzuhalten, wenn es niemanden gibt, der die Eigenschaften dokumentiert. Deswegen gibt u.a. die Obstbauversuchsstationen.

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  6. Alberto Guidorzi sagt

    Ich möchte darauf hinweisen, dass die Sorten, die wir für modern halten, in Wirklichkeit uralt sind. Willi, du hast Wiliams-Birnen erwähnt, weißt du, wann sie gewonnen wurden? Williams wurde 1770 gegründet, Passa crassana 1845, Abate Fetel 1866, Conference 1885. Aber auch die Äpfel, die wir modern nennen, sind alt: Golden Delicious wurde 1880 kreiert, Granny Smith 1868

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    • Seevers Reinhard sagt

      „Golden Delicious wurde 1880 kreiert….“

      Wo, außer in Spanien werden noch Golden Delicious verzehrt? Ich hab schon 20Jahre keine mehr im LEH gesehen. Das war der Modeapfel der 70er Jahre.

      • Inga sagt

        weil sehr billig wird er von der verarbeiteten Industrie zu Apfelbrei und weiteren verarbeitet.

        Bei Edeka habe ich ihn auch schon gesehen.

      • Bergamasca sagt

        „Wo, außer in Spanien werden noch Golden Delicious verzehrt?“
        Na, in Italien 🙂 Bei uns in den lokalen Supermärkten macht diese Sorte gefühlt mindestens 40% des Apfelangebots aus. Aber das spiegelt vielleicht auch nur die konservative Nachfrage einer sehr provinziell gefärbten Population wider.

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      • Georg Model sagt

        Bei mir am Bodensee werden fast keine mehr angebaut . Im Discounter gibt es aber hier genügend aus Südtirol. Ich selbst hatte auch bis vor 21 Jahren ca 1 ha. die hälfte
        davon von Typ Rainders ohne Lentizellen. Schön glatt und glänzik un debeb ohne die kleinen Pünktchen. Mehr Gelg gab es dafür auch nicht.
        hatte damal vom Vorbesitzer auch so einen glatten glänzigen Elstartyp der eigentlich wie fast ein Jonagold aussah. die Form und Geschmach war aber Typisch Elstar.
        mein Vermarkter hat ihn mal als Elstar mal als Jonagold vermarktet und manchmal ach so schlechter bezahlt, so wie eben die Marktlage war.

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      • Alberto Guidorzi sagt

        In Italien wie in Frankreich stellen Golden und Strak immer noch das größte Angebot in Supermärkten dar. Erst jetzt erscheinen neben den Goldenen auch Äpfel der dritten Generation wie Gala, Fuji und Elstar (nur wenige in Italien). Pink Ladies sind für den Preis immer noch eine Nische. Tatsächlich gibt es in Trentino-Südtirol, wo die besten Äpfel Italiens für die Sonneneinstrahlung produziert werden, immer noch viele Obstgärten, die mit Golden und Stark bepflanzt sind

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        • Inga sagt

          Mein Opa hatte eine Menge Schafsnase auf der Weide:

          https://de.wikipedia.org/wiki/Schafsnase_(Apfel)

          Der hat überhaupt nicht geschmeckt.

          Aber ich denke, er hat ihn zum Mosten und Wein keltern in den 1920igern schon angebaut.

          Habe auch gehört, dass da der Obstbau oder Obstbäume staatlich subventioniert wurden

          Der Opa der Freundin aus Bitterfeld hat den Obstgarten des Tagebaus betreut.
          Nur damit die Arbeiter da auch genügend Obst hatten.

          • zmp_nachfahre sagt

            Man muß die ja nicht immer essen…
            Wir haben eine Zeitlang im Vordertaunus gewohnt und unser Nachbar hatte etliche alte Sorten auf Streuobstwiesen. Gegessen hat er davon praktisch nichts, das ging alles in Apfelsaft und -wein. In der Gemeinde gab es auch eine eigene Presse mit allem Drum und Dran, so groß wie eine Garage…
            (Fun Fact: der „Äbbelwoi“ war auch für manche Einheimische nicht genießbar… 😉

  7. Rolf Sieling sagt

    Meistens muss ich aufpassen, das unsere Rinder sich nach einem Sturm nicht mit Äpfel überfressen. Dieses Jahr passte optimal, wir haben 20% Birne mit den Äpfeln gemostet. Die Mischung ist absolut lecker und so etwas gibt es nicht zu kaufen.

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    • Inga sagt

      Klar die werden wahrscheinlich auch nicht ordentlich bezahlt, weil der Kunde den ehelichen Preis für so einen guten Apfel nicht zahlen möchte.

      Dann können ihn ruhig due Kühe fressen.

      Wenn der Bauer den ordentlich bezahlt bekäme, würde er eine Strategie entwickeln, um die Äpfeln vor den Kühen zu schützen.

      Lieber billig im Supermarkt kaufen.
      Der billige Grany Smith schmeckt ja so gut,
      hat aber auch die wenigsten Vitamine und Spurenelemente.

      Und das Pflanzenschutzamt beklagt sich, dass die Obst- oder Apfelbäume auf den Steuobstwiesen alle an Pilzkrankheuten am Stamm leiden, weil das Fallobst nicht aufgelesen wird.

  8. Martin sagt

    Die Pflanzenzüchtung bei Gemüse und Obst hat noch einen weiteren Effekt: sie entfremdet dir Verbraucher komplett von der Natur. Die Produkte im Laden (auch die bio) sehen aus wie gemalt. Was nicht makellos kann nicht vermarktet werden. Wie hoch sind wohl die Mangen in Prozent, die als „Nebenprodukte“ entsorgt werden müssen?

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    • zmp_nachfahre sagt

      Als das losging mit „Bio“ (ist aber schon lange her), haben die pfiffigen Bauern aus dem Freiburger Umland solche Äpfel als naturbelassen, ungespritzt und sonstwie deklariert und zu höheren (!) Preisen auf dem Freiburger Münstermarkt verkauft. Geht heute aber auch nicht mehr…

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  9. Smarti sagt

    Wir als Milchviehbetrieb haben gut die Hälfte der Wiesen gepachtet. In den Verträgen von der Kirche und der Gemeinde steht, dass wir die Ernte der Bäume selber nutzen dürfen und abgegangene Bäume ersetzen. Die Sorte ist nicht vorgeschrieben, aber es sollen Hochstämmer sein. Es gibt jedes Jahr Gemeinschaftsaktionen von Gemeinde, Naturschutz und der Saftfabrik, da kann man die Bäumchen für wenig Geld erwerben, es stehen sehr viele (alte) Obstsorten zur Auswahl. Ein Teil Pachtland wird von ehemaligen Landwirten
    an uns verpachtet, die holen ein paar Kilo für den Haushalt. Alle paar Jahre macht ein Kollege Schnaps damit und somit sind diese Äpfel imer „reserviert“, aber meist schaue ich zu wie sie vergammeln. Ooommmm. Nicht meine Baustelle.
    Bei den alten Sorten muss man auch wissen, nach welcher Lagerdauer sie am besten schmecken, die Spanne zwischen „zu sauer“ und „schon mehlig“ ist nur kurz. Ein Verkauf lohnt sich deshalb für uns nicht, der Aufwand jeden Apfel einzeln zu pflücken, richtig zu lagern und dann trotzdem den Tieren zu verfüttern ist zu gross. 3 von 4 Äpfel kommen schon gar nicht ins Lager wegen Pilzen und Frass.
    Vielleicht wäre es mal angebracht, eine Umfrage mit Fotos zu machen ?
    Bilder von Apfelplantagen, Obstwiesen, Feldern mit den verschiedenen Früchten sauber und mit Nachtschatten und Mohn durchsetzt, Maisfelder, Stallbilder (Ausschnitte) mit Tieren und dann sollen die Leute markieren zwischen „traditioneller Landwirtschaft“ und „industrieller Landwirtschaft“. Und was sie wollen. Wir können dann den langfristig benötigten Preis und den Lidl-Preis dahinter schreiben.
    Oder anders gesagt: wer selber ein modernes Auto fährt kann vom Landwirt nicht verlangen, dass der Oldtimer für gute Gefühl anbaut.

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    • Smarti sagt

      Da jedes Jahr Pachtland weg fällt, geben wir im Antrag auch immer weniger Bäume an, die Rückfragen weshalb kommen jedes Jahr immer schnell. Wer freiwillig Bäume auf gute Mähwiesen pflanzt ist … und hier bei uns gehört das zum „ich rette die Welt und deshalb bin ich toll“. OOOOmmmm, nicht mehr meine Baustelle.

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  10. Sonja Dengler sagt

    Die neuen Menschen sehen ja auch nicht so aus wie die Neandertaler, also wie die alten 🙂

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    • Smarti sagt

      Diese Werbung ist richtig gut gemacht :). Pink Lady als Clubsorte, da wird die Werbung gleich vom Anbauer mit bezahlt.

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      • Thomas Bröcker sagt

        Pink Lady ist die einzige Clubsorte, die wirklich funktioniert hat. Die Baumzahlen für Pflanzungen sind streng limitiert und Jeder in Südtirol versucht welche zu ergattern. Der Grund ist einfach, dass diese Sorte (im Gegensatz zu vielen andern Clubsorten) leicht zu erziehen ist und hohe Erträge in guter Qualität bringt. Die Erträge liegen in Südtirol bei 70 – 90 t/ha, die Auszahlungspreise liegen fast doppelt so hoch wie bei den Standardsorten Gala ect. Hektarerlöse liegen bei ü. 50.000 € bei indirektem Absatz an LEH. Das Konzept wurde oft versucht zu kopieren, ist aber nur in Ansätzen gelungen. Kanzi (Krebs-anfällig) und Evelina (eher flach im Geschmack) konnten noch halbwegs Bekanntheitsgrade erreichen. Ansonsten sind momentan die Regale im Supermarkt zugesch… mit fragwürdigen Clubsorten aller Couleur. Viele Versuche neue Clubsorten zu etablieren sind zu einem Desaster für die Anbauer mutiert. Sweet Tango, Rocket und Co. werden weitgehend wieder gerodet. Das Problem ist, dass diese Clubsorten die Brot- und Buttersorten (Jonagold, Elstar, Boskoop, Golden usw. aus den Regalen verdrängen und das Anbaurisiko für die Neuen beim Erzeuger hängen bleibt. Neuester Flop ist „Frollein“, im Regal super, Geschmack und Konsistenz super … im Anbau 50 % Ausschuss … eine Sch… Sorte für den Anbauer..

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  11. Frikadellen piet 47 sagt

    moin bei uns sind die alten Apfelbäume umgefallen, sonst hättest du vorbeikommen können. schönen Montag

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    • Frikadellen piet 46 sagt

      ich noch mal ich habe gerade Mama davon erzählt und sie sagte du kannst doch vorbeikommen wir haben neue Bäume gepflanzt mit den alten Sorten! so kannst du sogar die Entwicklung der Bäume beobachten. das ist doch toll oder?

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