Bauer Willi
Kommentare 35

Glyphosat und die Werbe-Einnahmen…

Wenn es um Werbe-Einnahmen geht, scheinen die Rundfunksender nicht besonders empfindsam zu sein. So hat der NDR wohl keine Probleme damit, einen Werbespot der Firma SBM zu senden, in dem Werbung für das Produkt Permaclean gemacht wird.

https://www.zeit.de/2019/19/bayer-glyphosat-pflanzenschutzmittel-werbung-pharmakonzern-krise

Permaclean wird im Haus- und Gartenbereich eingesetzt und enthält die Wirkstoffe Glyphosat, Flufenacet und Metosulam. Alle Wirkstoffe dürfen im landwirtschaftlichen Bereich nur eingesetzt werden, wenn ein Sachkundenachweis vorliegt.

Einen Beigeschmack bekommt der Spot auch deshalb, weil darin zur Bevorratung des Produktes geraten wird weil „es das bald nicht mehr gibt„. (Siehe Link zum Artikel der „ZEIT“).

Auf Nachfrage der ZEIT-Redaktion beim NDR antwortet der Geschäftsführer von NDR-Media: (Zitat) „der Spot sei durch die rechtliche Prüfung der ARD gelaufen und „für gut befunden“ worden.“ (Zitatende)

Wie dem Artikel der ZEIT zu entnehmen ist, wurde der Spot wohl auch im Sendebereich des WDR ausgestrahlt. Sowohl NDR als auch WDR berichten häufig kritisch über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln („Pestiziden“) in der Landwirtschaft.

Mein Kommentar: Irgendwas passt da nicht zusammen…

Bauer Willi

 

Zur Info: Bei der Firma SBM handelt es sich um ein französisches Familienunternehmen. https://sbm-company.com/.

 

 

 

 

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35 Kommentare

        • Thomas Apfel sagt

          Lieber „Geno“,
          vielleicht solltest Du zu den 7-Tages Adventisten übertreten. Die haben schon 3 Weltuntergänge überlebt und prophezeien den nächsten. Wenn ich Deine Internetseite ansehe, verbrauchst Du ganz schön viel Platz für Dich und Deine Tiere. Jedem Menschen auf der Erde stehen rund 2200 qm zur Verfügung.
          Dass Einige aus Spaß, Überdruss und so weiter Aussteiger werden und in die Lage versetzt sind Land extensiv bewirtschaften zu können, verdanken sie allein der Intensivierung auf anderen nutzbaren Flächen durch „die Bösen Essensversorger“ der Großstädte. Ansonsten wären keinerlei Flächen für Naturschutz und Extensivierung übrig und die Hälfte der Menschen müsste ihren Esslöffel abgeben. Wer wählt eigentlich wie aus, wer den Löffel abgeben muss. Bespiele für die Handhabung in der Vergangenheit gibt es nicht nur in der deutschen Geschichte genug.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Für das Essen sorgt ALDI,LIDL und EDEKA,

        der einzige Störfaktor in unserer schönen Landschaft sind die Bauern.
        Achtung: Satire!

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        • nein, nicht die landschaft und die bauern! die agrarindustrie und ihre lobby, die aldi,l lidl und edeka beliefern! wirtschaftswachstum und die bewohnbarkeit unseres planeten passen nicht zusammen.

          unsere merkel-regierung stellt gezielt mit desinformation die interessen von lobbyisten über die eigene bevölkerung , die demokratie und umweltschutz!

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Man macht es sich zu einfach, die Regierung und die „Agrarindustrie“ verantwortlich zu machen.

            Verantwortlich ist jeder Verbraucher, mit seinem Einkauf bestimmt er die Lebensmittelerzeugung, die meisten stehlen sich mit der Kritik an den Politikern und der Landwirtschaft aus der Verantwortung.
            Was nutzt es dem Bauer, der auf BIO umgestellt hat, wenn er seine Erzeugnisse zum konventionellen Preis verkaufen muss?

            Unsere Obstgenossenschaft wollte vor Jahren eine Bio Schiene aufbauen,
            es scheiterte daran, dass der Handel kein Interesse daran hatte, ehrlicherweise muss man auch sagen, seitens der Obsterzeuger auch nicht.

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Dass Europas letzte Urwälder verfeuert werden, ist kompletter Unsinn aber die 3000 Orchideen-Knollen die im Taubergießen gestohlen wurden, kann man bestimmt der Agrarpolitik aufs Auge drücken.

      Monsanto und jetzt Bayer gilt schon Lange als der Teufel im Agrarbereich, wenn sie den Pflanzenschutzmäßigen Weltuntergang befürchten, dann müssen sie alle Hersteller von PSM angeben und die Hersteller von LSD auch.

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  1. Bauer Fritz sagt

    Wie ich lese, haben die vom WDR ja auf Twitter reagiert und zurückgeschrieben. Den üblichen Spruch von der Trennung Redaktion und Werbeabteilung/Inseratenabteilung.

    Das heißt also eigentlich: in der Werbeabteilung/Inseratenabteilung und vermutlich in noch einigen anderen Abteilungen sitzen all die Leute, denen der Mainstream, das was in der Welt passiert weitestgehend am A. vorbeigeht.
    Sie sind die Sammlung all derer, die auch das Gegenteil von dem noch für tragbar oder vertretbar oder machbar halten, wo die Redakteure schon lange von der Schnappatmung in den Schreikrampf oder in den Haltungsnotstand übergegangen sind. Sie sind jene, die im normalen Leben stehen und täglich sehen, daß außerhalb der Redakteursblase ein ganz anderes Leben zu finden ist.

    Es sind dann jene, die sicher mit den Leuten verwandt sind, die Glyphosat in den Bundesanstalten zulasssen, die es in den Labors untersuchen und für den Einsatz geeignet als bewerten. Sie sind mit jene Leuten befreundet, die die Gebrauchsanweisungen schreiben und drucken, mit jenen Männern und Frauen verheiratet, die die Plastikbehälter dafür herstellen oder die Auslieferung zu den Verkaufsstellen mit Bus, mit Bahn oder mit LWK durchführen.
    Manche sind vermutlich sogar noch mit einem Bauern in gutem Kontakt, der das Mittel dann auch anwendet.

    Das sind also die ganz normalen Menschen mit noch genug Hirn um zu sehen, daß es nicht nur Schwarz oder Weiß gibt. Oder alle jene die außerhalb einer Blase ein halbwegs normales Leben zu führen versuchen. Und wissen, daß das gar nicht so einfach ist und daß man da auch Rücksicht nehmen muß und Vertrauen haben kann – vor allem zu den Mitmenschen rund um einen. Vor allem, weil man die Erfahrung gemacht hat, daß 99% davon genau das Gleiche versuchen und einem zumeist nichts Übles wollen.
    Und die sich Tag für Tag denken: Gut daß nicht alles für bare Münze zu nehmen ist was in der Zeitung steht oder im TV zu sehen ist.

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  2. Thomas Apfel sagt

    Guten Morgen Herr Niemann,
    Was soll der Sch… ? Es verlinkt hier auch Niemand die EFSA Studie, oder andere, die das Gegenteil belegen. Sagen Sie doch Ihre Auffassung (mehr als einseitig recherchiertes Wissen ist Selbige nämlich auch nicht) und texten Sie nicht Seitenlang den Blog zu.

    4+
  3. Eckehard Niemann sagt

    Die defaitistischen Kommentare mit dem Tenor „Geld regiert die Welt“ kann ich überhaupt nicht akzeptieren, weil es ja gerade darauf ankommt, durch Zivilgesellschaft und Politik in der sozialen Marktwirtschaft genau das zu ändern und zu verhindern!

    2+
  4. Eckehard Niemann sagt

    Ich bin auch gegen einen Anti-Glyphosat-Hype, der nicht sachlich begründet ist. Es gibt aber viele Untersuchungen und Studien, die mich eher nachdenklich-kritisch stimmen und meine Forderung nach weiterer kritisch-sachlicher Untersuchung untermauern. Dazu gehört auch dieser Artikel aus dem Tagesspiegel:

    24.04.2019:
    Studie zu Unkrautvernichter
    Schädigt Glyphosat die Nachkommen?
    Das Herbizid Glyphosat steht schon lange in der Kritik. Experimente mit Ratten befeuern nun erneut die Debatte. Doch deren Aussagekraft ist umstritten. FLORIAN SCHUMANN
    Der Hauptwirkstoff des Unkrautvernichters „Roundup“ ist das für fast alle Pflanzenarten toxische Glyphosat. Wie gefährlich es für den Menschen ist, bleibt umstritten.Mehr Artikel
    Der Hauptwirkstoff des Unkrautvernichters „Roundup“ ist das für fast alle Pflanzenarten toxische Glyphosat. Wie gefährlich es für…FOTO: REUTERS/CHARLES PLATIAU/FILE PHOTO
    Wenige Stoffe sind so umstritten wie das Pflanzenschutzmittel Glyphosat. Über die gesundheitlichen Auswirkungen des als „Roundup“ verkauften Herbizids gibt es hunderte Studien, deren Aussagen sich teils widersprechen. Nun könnte ein neuer Aspekt in die Diskussion kommen. Ein Forschungsteam um Michael Skinner von der Washington State University hat mehrere Erkrankungen bei den Nachkommen von Ratten gefunden, die Glyphosat ausgesetzt gewesen waren. Dafür machen die Forscher die Vererbung bestimmter Veränderungen am Erbgut verantwortlich, wie sie im Fachblatt „Scientific Reports“ schreiben.

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    Mehr Krankheiten bei der zweiten und dritten Generation
    Skinner und seine Kollegen spritzten trächtigen Ratten zwischen dem achten und 14. Tag der Trächtigkeit täglich Glyphosat in den Bauchraum. Gleichzeitig ließen sie eine Kontrollgruppe von Ratten heranwachsen, die nicht in Kontakt mit Glyphosat kamen. Nach jeweils einem Jahr wurden die Ratten getötet und auf Krankheiten sowie Erbgutveränderungen untersucht.

    Als die Wissenschaftler die Ratten untersuchten, stellten sie weder bei den direkt exponierten Nagern selbst noch bei ihrem Nachwuchs gesundheitliche Schäden fest. Diese Ergebnisse stimmen mit denen vieler Forscher und auch dem offiziellen Standpunkt verschiedener Behörden überein, dass Glyphosat keine oder nur geringe direkte toxische Effekte zeigt. Bei den Folgegenerationen (genannt F2 und F3) jedoch zeigte sich ein anderes Bild.

    Die Wissenschaftler berichten von einem „dramatischen Anstieg einiger Krankheitsbilder in der zweiten und dritten Generation“, also bei Enkeln und Urenkeln der Tiere, denen Glyphosat gespritzt worden war. Demnach kam es in der zweiten Generation zu einem Anstieg von Erkrankungen der Hoden, der Eierstöcke und der Brustdrüse sowie zu Fettleibigkeit.

    Die dritte Ratten-Generation litt signifikant häufiger als die Kontrollgruppe an krankhaften Veränderungen der Prostata und der Niere. Außerdem kam es bei mehr als jeder dritten trächtigen Ratte der zweiten Generation zu einem gestörten Geburtsverlauf, an dem die meisten Tiere starben.

    DNA-Muster werden vererbt
    Skinner nennt dieses Phänomen „generational toxicology“. In früheren Arbeiten hatte er den Mechanismus bereits mit anderen Substanzen in Verbindung gebracht, etwa mit Fungiziden, dem Insektizid Permethrin oder dem in manchen Kunststoffen enthaltenen Bisphenol A. Demnach kann eine Belastung mit einem Umweltgift bei den Nachfahren des exponierten Lebewesens Krankheiten verursachen, ohne dass diese selbst mit dem Stoff in Verbindung gekommen sein müssen.

    Dafür verantwortlich machen die Forscher Veränderungen an Teilen des Erbguts, die bestimmte Genabschnitte in ihrer Aktivität verändern, sie gleichsam an- oder abschalten können. Der Mechanismus existiert auch beim Menschen. Es handelt sich bei diesen epigenetischen Modifikationen nicht um Veränderungen der DNA-Sequenz selbst, sondern um molekulare Prozesse um diese herum. Am bekanntesten ist das Anhängen sogenannter Methylgruppen – die Methylierung der DNA.

    Diese Methylierungsmuster sind meist umweltbedingt und können auf die Folgegenerationen übertragen werden. Finden sich die Methylierungen im Bereich von Genen, die bei bestimmten Krankheiten eine Rolle spielen, können sie einen Einfluss darauf haben, ob jemand erkrankt oder nicht.

    Bisher kaum Forschung zu den Folgegenerationen
    Als die Washingtoner Wissenschaftler das Erbgut der Ratten auf solche epigenetischen Veränderungen hin untersuchten, fanden sich einige solcher Methylierungen in der Nähe von Genen, die in früheren Studien mit Erkrankungen in Verbindung gebracht wurden. Die Forscher schließen daraus, dass diese Veränderungen durch Glyphosat verursacht und über Spermien und Eizellen an die Nachkommen vererbt werden können. Diese könnten dann erkranken, ohne selbst jemals Glyphosat ausgesetzt gewesen zu sein.

    Bisher fokussierten sich wissenschaftliche Untersuchungen vor allem darauf, welche direkten Schäden Glyphosat auslösen kann. Nur wenige Forscher widmeten sich Effekten, die erst in den Folgegenerationen zum Tragen kommen. Angesichts seiner Ergebnisse fordert Skinner, diesen neuen Aspekt in die Risikobewertung von Glyphosat einzubeziehen. In der Studie heißt es: „Die Fähigkeit von Glyphosat und anderen Umweltgiften, künftige Generationen zu beeinflussen, muss berücksichtigt werden.“ Das sei „potenziell genauso wichtig wie die heute verwendeten direkten Expositionsmethoden zur Risikobewertung“.

    „Fehlende Fallzahlen, an der Realität vorbei“

    In der Studie klingt es, als wären sich die Forscher ihrer Sache sehr sicher. Mit Einschränkungen und Konjunktiven halten sie sich nicht groß auf. Dabei seien die Schlussfolgerungen von Skinner und Kollegen mehr als zweifelhaft, sagte Jörn Walter, Genetiker an der Universität des Saarlandes und Leiter der Arbeitsgruppe Epigenetik, dem Tagesspiegel. „Ich bin sehr skeptisch, dass man aus der vorliegenden Arbeit Rückschlüsse auf die epigenetische Vererbbarkeit ziehen kann“, so Walter. Die Studie nutze methodisch veraltete Ansätze und sei in weiten Teilen schlecht durchgeführt oder zumindest schlecht dokumentiert. „Es fehlen Fallzahlen, die Statistik ist ungenügend erklärt.“

    So vermisse Walter auch eine Erklärung für den Zusammenhang zwischen den epigenetischen Veränderungen und den gefundenen Erkrankungen, die überdies nicht ausreichend detailliert beschrieben seien. Zudem handle es sich bei Spritzen unter die Bauchdecke um eine extreme Art der Behandlung, die weit an der Realität vorbeigehe. Nicht zuletzt deshalb verböten sich auch Rückschlüsse auf den Menschen.

    Was die Dosis des verabreichten Glyphosats betrifft, so wählten die Forscher die Hälfte derjenigen Dosis, bis zu der keine beobachtbaren nachteiligen Effekte beim Menschen zu erwarten sind. Sie liegt aber nach Angabe der Forscher mit 25 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht deutlich über den in der Industrie erlaubten Dosen von 2,5 bis 4,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

    Forschung durchaus lohnenswert
    Glyphosat ist das weltweit am weitesten verbreitete Herbizid. Nach der Übernahme von Monsanto wird es von der Firma Bayer produziert. In Deutschland hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit die Zulassung im März 2019 bis zum Jahresende verlängert. Dabei hatte die Bundesregierung angekündigt, künftig auf das umstrittene Herbizid verzichten zu wollen.

    Neben den negativen Auswirkungen auf die Artenvielfalt ist vor allem eine möglicherweise krebserregende Wirkung von Glyphosat im Gespräch. Als verantwortliche Behörde hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung mehr als 1000 Studien zum Thema ausgewertet und war nach erneuter Prüfung zu dem Schluss gekommen, Glyphosat sei „wahrscheinlich nicht krebserregend“. Auch einem Bericht der Pestizidexpertengruppe der Weltgesundheitsorganisation zufolge hat Glyphosat eine sehr geringe akute Giftigkeit.

    1+
    • Obstbäuerin sagt

      Wir verwenden, wie Sie ja sicher wissen schon seit über vierzig (40) Jahren dieses Mittel und keines unserer Kinder (4) oder Enkel (4) wurde geschädigt. Allerdings gibt es einen Todesfall eines kleinen Kindes, dass durch Pyrethrine verursacht wurde. Darüber wird in den Medien kein Wort verloren und auch nicht im geringsten daran gedacht, dieses Mittel im Bio-Anbau zu verbieten. Wenn es solch einen Fall durch Glyphosat gäbe, wäre das Mittel längst Geschichte.

      Toxikologie
      Pyrethrine wirken neurotoxisch auf sensorische wie auch auf motorische Nerven. Die letale Dosis für Pyrethrin I und II liegt für Nagetiere im Bereich von 130 bis über 600 mg/kg Körpergewicht. Falls die Substanzen in mehreren kleinen Dosen über 12 bis 48 Stunden verabreicht werden, beträgt die letale Dosis bis zu 2900 mg/kg Körpergewicht.[15] Ein zweijähriges Kind starb, nachdem es 14 g Pyrethrum-Pulver gegessen hatte. Es gab auch tödliche Vergiftungen durch inhaliertes Pyrethrin-Aerosol.

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  5. Eckehard Niemann sagt

    Ich bin auch gegen einen Anti-Glyphosat-Hype, der nicht sachlich begründet ist. Es gibt aber viele Untersuchungen und Studien, die mich eher nachdenklich-kritisch stimmen und meine Forderung nach weiterer kritisch-sachlicher Untersuchung untermauern. Dazu gehört auch dieser Artikel aus dem Tagesspiegel:

    24.04.2019:
    Studie zu Unkrautvernichter
    Schädigt Glyphosat die Nachkommen?
    Das Herbizid Glyphosat steht schon lange in der Kritik. Experimente mit Ratten befeuern nun erneut die Debatte. Doch deren Aussagekraft ist umstritten. FLORIAN SCHUMANN
    Der Hauptwirkstoff des Unkrautvernichters „Roundup“ ist das für fast alle Pflanzenarten toxische Glyphosat. Wie gefährlich es für den Menschen ist, bleibt umstritten.Mehr Artikel
    Der Hauptwirkstoff des Unkrautvernichters „Roundup“ ist das für fast alle Pflanzenarten toxische Glyphosat. Wie gefährlich es für…FOTO: REUTERS/CHARLES PLATIAU/FILE PHOTO
    Wenige Stoffe sind so umstritten wie das Pflanzenschutzmittel Glyphosat. Über die gesundheitlichen Auswirkungen des als „Roundup“ verkauften Herbizids gibt es hunderte Studien, deren Aussagen sich teils widersprechen. Nun könnte ein neuer Aspekt in die Diskussion kommen. Ein Forschungsteam um Michael Skinner von der Washington State University hat mehrere Erkrankungen bei den Nachkommen von Ratten gefunden, die Glyphosat ausgesetzt gewesen waren. Dafür machen die Forscher die Vererbung bestimmter Veränderungen am Erbgut verantwortlich, wie sie im Fachblatt „Scientific Reports“ schreiben.

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    Mehr Krankheiten bei der zweiten und dritten Generation
    Skinner und seine Kollegen spritzten trächtigen Ratten zwischen dem achten und 14. Tag der Trächtigkeit täglich Glyphosat in den Bauchraum. Gleichzeitig ließen sie eine Kontrollgruppe von Ratten heranwachsen, die nicht in Kontakt mit Glyphosat kamen. Nach jeweils einem Jahr wurden die Ratten getötet und auf Krankheiten sowie Erbgutveränderungen untersucht.

    Als die Wissenschaftler die Ratten untersuchten, stellten sie weder bei den direkt exponierten Nagern selbst noch bei ihrem Nachwuchs gesundheitliche Schäden fest. Diese Ergebnisse stimmen mit denen vieler Forscher und auch dem offiziellen Standpunkt verschiedener Behörden überein, dass Glyphosat keine oder nur geringe direkte toxische Effekte zeigt. Bei den Folgegenerationen (genannt F2 und F3) jedoch zeigte sich ein anderes Bild.

    Die Wissenschaftler berichten von einem „dramatischen Anstieg einiger Krankheitsbilder in der zweiten und dritten Generation“, also bei Enkeln und Urenkeln der Tiere, denen Glyphosat gespritzt worden war. Demnach kam es in der zweiten Generation zu einem Anstieg von Erkrankungen der Hoden, der Eierstöcke und der Brustdrüse sowie zu Fettleibigkeit.

    Die dritte Ratten-Generation litt signifikant häufiger als die Kontrollgruppe an krankhaften Veränderungen der Prostata und der Niere. Außerdem kam es bei mehr als jeder dritten trächtigen Ratte der zweiten Generation zu einem gestörten Geburtsverlauf, an dem die meisten Tiere starben.

    DNA-Muster werden vererbt
    Skinner nennt dieses Phänomen „generational toxicology“. In früheren Arbeiten hatte er den Mechanismus bereits mit anderen Substanzen in Verbindung gebracht, etwa mit Fungiziden, dem Insektizid Permethrin oder dem in manchen Kunststoffen enthaltenen Bisphenol A. Demnach kann eine Belastung mit einem Umweltgift bei den Nachfahren des exponierten Lebewesens Krankheiten verursachen, ohne dass diese selbst mit dem Stoff in Verbindung gekommen sein müssen.

    Dafür verantwortlich machen die Forscher Veränderungen an Teilen des Erbguts, die bestimmte Genabschnitte in ihrer Aktivität verändern, sie gleichsam an- oder abschalten können. Der Mechanismus existiert auch beim Menschen. Es handelt sich bei diesen epigenetischen Modifikationen nicht um Veränderungen der DNA-Sequenz selbst, sondern um molekulare Prozesse um diese herum. Am bekanntesten ist das Anhängen sogenannter Methylgruppen – die Methylierung der DNA.

    Diese Methylierungsmuster sind meist umweltbedingt und können auf die Folgegenerationen übertragen werden. Finden sich die Methylierungen im Bereich von Genen, die bei bestimmten Krankheiten eine Rolle spielen, können sie einen Einfluss darauf haben, ob jemand erkrankt oder nicht.

    Bisher kaum Forschung zu den Folgegenerationen
    Als die Washingtoner Wissenschaftler das Erbgut der Ratten auf solche epigenetischen Veränderungen hin untersuchten, fanden sich einige solcher Methylierungen in der Nähe von Genen, die in früheren Studien mit Erkrankungen in Verbindung gebracht wurden. Die Forscher schließen daraus, dass diese Veränderungen durch Glyphosat verursacht und über Spermien und Eizellen an die Nachkommen vererbt werden können. Diese könnten dann erkranken, ohne selbst jemals Glyphosat ausgesetzt gewesen zu sein.

    Bisher fokussierten sich wissenschaftliche Untersuchungen vor allem darauf, welche direkten Schäden Glyphosat auslösen kann. Nur wenige Forscher widmeten sich Effekten, die erst in den Folgegenerationen zum Tragen kommen. Angesichts seiner Ergebnisse fordert Skinner, diesen neuen Aspekt in die Risikobewertung von Glyphosat einzubeziehen. In der Studie heißt es: „Die Fähigkeit von Glyphosat und anderen Umweltgiften, künftige Generationen zu beeinflussen, muss berücksichtigt werden.“ Das sei „potenziell genauso wichtig wie die heute verwendeten direkten Expositionsmethoden zur Risikobewertung“.

    „Fehlende Fallzahlen, an der Realität vorbei“

    In der Studie klingt es, als wären sich die Forscher ihrer Sache sehr sicher. Mit Einschränkungen und Konjunktiven halten sie sich nicht groß auf. Dabei seien die Schlussfolgerungen von Skinner und Kollegen mehr als zweifelhaft, sagte Jörn Walter, Genetiker an der Universität des Saarlandes und Leiter der Arbeitsgruppe Epigenetik, dem Tagesspiegel. „Ich bin sehr skeptisch, dass man aus der vorliegenden Arbeit Rückschlüsse auf die epigenetische Vererbbarkeit ziehen kann“, so Walter. Die Studie nutze methodisch veraltete Ansätze und sei in weiten Teilen schlecht durchgeführt oder zumindest schlecht dokumentiert. „Es fehlen Fallzahlen, die Statistik ist ungenügend erklärt.“

    So vermisse Walter auch eine Erklärung für den Zusammenhang zwischen den epigenetischen Veränderungen und den gefundenen Erkrankungen, die überdies nicht ausreichend detailliert beschrieben seien. Zudem handle es sich bei Spritzen unter die Bauchdecke um eine extreme Art der Behandlung, die weit an der Realität vorbeigehe. Nicht zuletzt deshalb verböten sich auch Rückschlüsse auf den Menschen.

    Was die Dosis des verabreichten Glyphosats betrifft, so wählten die Forscher die Hälfte derjenigen Dosis, bis zu der keine beobachtbaren nachteiligen Effekte beim Menschen zu erwarten sind. Sie liegt aber nach Angabe der Forscher mit 25 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht deutlich über den in der Industrie erlaubten Dosen von 2,5 bis 4,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

    Forschung durchaus lohnenswert
    Glyphosat ist das weltweit am weitesten verbreitete Herbizid. Nach der Übernahme von Monsanto wird es von der Firma Bayer produziert. In Deutschland hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit die Zulassung im März 2019 bis zum Jahresende verlängert. Dabei hatte die Bundesregierung angekündigt, künftig auf das umstrittene Herbizid verzichten zu wollen.

    Neben den negativen Auswirkungen auf die Artenvielfalt ist vor allem eine möglicherweise krebserregende Wirkung von Glyphosat im Gespräch. Als verantwortliche Behörde hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung mehr als 1000 Studien zum Thema ausgewertet und war nach erneuter Prüfung zu dem Schluss gekommen, Glyphosat sei „wahrscheinlich nicht krebserregend“. Auch einem Bericht der Pestizidexpertengruppe der Weltgesundheitsorganisation zufolge hat Glyphosat eine sehr geringe akute Giftigkeit.

    Mehr zum Thema
    Bundesinstitut für Risikobewertung
    Krebs durch Glyphosat „unwahrscheinlich“
    Glyphosat-Einsatz in Frankreich
    Heike Jahberg
    Im Gegensatz zu den akuten Wirkungen haben vererbbare gesundheitliche Effekte, wie sie in der aktuellen Washingtoner Studie postuliert werden, bei der bisherigen Bewertung des Herbizids eine eher untergeordnete Rolle gespielt. Der Genetiker Jörn Walter betont aber, dass es durchaus lohnenswert sein könne, sich mit ihnen zu beschäftigen – allerdings anders, als bei der Arbeit von Skinner und seinen Kollegen geschehen. „Da es sich um wirklich komplexe Studien handelt, braucht es einen methodisch ausgereifteren Ansatz, ansonsten gießt man nur weiter Öl ins Feuer der Diskussion um Glyphosat.“

    1+
  6. Eckehard Eckehard Niemann sagt

    Wahrscheinlich ist es ganz einfach so, dass der NDR aus rechtlichen Gründen diese Werbung nicht verhindern kann und senden muss.
    Ich würde mich freuen, wenn dennoch weiter kritisch (und fair) über Glyphosat und Co. berichtet würde.
    Ich vermute, dass etliche Kommentatoren ihre Kritik an den öffentlich-rechtlichen Medien äußern, weil ihnen deren Recherchen und kritische Berichterstattung nicht passen. Gibt es da vielleicht manchmal auch eine Nähe zur AfD?
    Wie steht es eigentlich mit der Werbung bei den privaten Medien? Warum spart man die bei der Kritik aus???

    3+
    • Bauer Willi sagt

      @ Eckehard
      Es geht nicht um kritische Berichterstattung. Die muss sein, egal bei welchem Thema. Und wie du sagst, auch fair. Da ist noch Luft nach oben, denn die durchaus zahlreichen Meldungen, die Glyphosat „entlasten“ findet man in ÖR-Medien selten, und wenn, dann im Kleingedruckten.

      Meine Kritik (übrigens auch der ZEIT, die ja wohl nicht als rechtsradikal eingestuft werden kann) betrifft die Doppelzüngigkeit des NDR und WDR. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Sender zu einer bestimmten Werbung gezwungen werden kann.

      Wenn dieser Spot bei den Privatsendern gekommen wäre, wäre das ebenso kritisch zu sehen.
      Zu Glyphosat generell: Dieser Wirkstoff ist ja zum Synonym für die heutige Form der Landwirtschaft geworden. Eine sachliche Auseinandersetzung damit endet meist in „Du bist ja von Monsanto gekauft“. Und so wird die Diskussion darüber auch erst beendet sein, wenn Glyphosat verboten ist. Welche Folgen dass hat und ob die Alternativen umweltschonender sind, wird nie beleuchtet.
      Genau so wie bei der Folgenabschätzung nach dem Verbot der Neonicotinoide bei Zuckerrüben. Hier im Rheinland sind schon alle Rüben einmal gegen Blattläuse flächig gespritzt worden. Ich will das nicht, kann aber auch wegen der Virusübertragung auf die Behandlungen nicht verzichten. Und vermutlich wird es bei einer Behandlung nicht bleiben.

      3+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Dass der NDR aus rechtlichen Gründen diese Werbung nicht verhindern kann und senden muss, diese Vermutung ist mehr als abenteuerlich. Die nehmen jedes Geld mit, was sich so anbietet.
      Auch ich würde mich freuen, wenn sachlich kritisiert wird, auch über die Folgen eines Verbotes, dies kann ich selten erkennen.

      Kritiker der öffentlich-rechtlichen Medien in die Rechte Ecke zu stellen, dazu bedarf es eine besondere Wahrnehmung der Tatsachen, so versucht man Menschen mundtot zu machen, die fachlich falsche Berichterstattung kritisieren.

      Mehr und mehr sind ihre Beiträge nicht mehr Ernst zu nehmen.

      4+
  7. Friedrich sagt

    Unsere Öffentlich rechtlichen Sender sind ein Fass ohne Boden. Denen ist jedes Mittel recht , um an das Geld zu kommen . Moral spielt da keine Rolle. Man fühlt sich dem Primat der Politik verpflichtet , die in den Rundfunkräten sitzt und sendet das , was dem politischen Mainstream entspricht. So sichert man sich auch die Zwangsgelder der Beitragszahler. Leider muß man diese Rundfunkgebühren als Steuer ansehen , da sie jeder Haushalt bezahlen muß , ob er will oder nicht . So werden uns „Brot und Spiele“ verordnet , damit man nicht aufmuckt. Leider kann man den Nachrichten und den Ergebnissen der Talkshows immer weniger abgewinnen , sodaß ich mich mehr auf die unpolitischen Filme einlasse. Eine ausgewogene Berichterstattung kann ich immer weniger erkennen.

    10+
  8. John sagt

    ..das ist ein Kombipräparat mit umfassender Bodenwirkung, das ist der eigentliche Skandal.

    0
  9. Alexander Borchert sagt

    Geld regiert die Welt……….

    Keine Regierung, keine Gesetzgebung und kein Jurist wird das je ändern.

    Geld hat nämlich eine fiese Eigenschaft: Es vermittelt kein Sattheitsgefühl……..

    3+
    • Geld ist der Entropie Geliebter und für Energieräuber die zeiteffizienteste Lösung, indem Kontext aufgelöst und so weiterer Profit auf Kosten anderer Menschen und ANDERER Lebewesen erwirtschaftet werden kann.

      0
  10. Ehemaliger Landwirt sagt

    Die US-Umweltbehörde EPA hält das Pflanzengift Glyphosat im Gegensatz zu den jüngsten Gerichtsurteilen weiterhin nicht für krebserregend. „Die EPA geht weiter davon aus, dass keine Risiken für die öffentliche Gesundheit bestehen, wenn Glyphosat entsprechend der derzeit geltenden Anweisungen verwendet wird“

    https://www.welt.de/wirtschaft/article192737703/USA-Umweltbehoerde-stuft-Glyphosat-weiter-als-nicht-krebserregend-ein.html

    Die Frage ist, ob die Kläger weiterhin behaupten können, dass an ihrer Krankheit Glyphosat schuld sei.

    3+
    • Obstbäuerin sagt

      Wenn ich mich nicht irre, geht es in den Klagen um die Frage, ob der Nutzer ausreichend über die Gefahren bei der Anwendung aufgeklärt wurde, nicht um die toxische Wirkung von Glyphosat. Vergleichbar wäre der fehlende Hinweis, das Salzsäure ätzend ist und jemand in den Kanister greift und sich die Hände verätzt. Das würde auch nicht dazu führen, Salzsäure aus dem Verkehr zu ziehen.

      4+
      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Warum sollte zb. Monsanto auf eine Gefahr hinweisen die es gar nicht gibt.

        Als nächstes sauft einer vom Glyphosat und verklagt der Monsanto weil nicht direkt hingewiesen wurde, dass Glyphosat kein Durstlöscher ist.

        1+
        • Andi sagt

          Hallo Ehemaliger, in einem Land in dem man verklagt und verurteilt wird, weil der Hinweis fehlte, dass man eine Katze nicht unbedingt in einen Mikrowellenherd setzen und einschalten sollte, halte ich alles für möglich.

          6+
  11. Bauer Fritz sagt

    Da fiel mir doch glatt der Spruch ein: „Geld stinkt nicht“
    Und man muß den NDR-Managern schon zugute halte, daß sie sich „situationselastisch“ geschickt verhalten. Mit dem Geld aus der Glyphosatwerbung können nun jene Journalisten gegen Glyphosat schreiben und ihre Haltung zeigen.
    Alles bestens.
    Man kann auch sagen: Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht dicht sein“

    10+
    • Inga sagt

      Die Zeiten müssten aber bald mal vorbei sein, denn man muss endlich andere Prioritäten setzen!

      0
    • Inga sagt

      Das ist ja das fatale, ob da %ual weniger drin ist und deswegen ohne Sachkundenachweis gekauft, gelagert und angewendet werden darf?
      Es sind ja au h noch andere Wirkstoffe drin, oder?

      1+

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