Bauer Willi
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Ein moralischer Mindestpreis

Jürgen Donhauser hat sich Gedanken darüber gemacht, wie die Preisgestaltung von Lebensmitteln fairer und gerechter gestaltet werden kann und gleichzeitig für den Verbraucher transparenter wird.

Ein moralischer Mindestpreis

Endlich kommt Bewegung in die Forderung nach gerechten Preisen für die Landwirtschaft. Ebenso ratlos ist man aber über die „richtigen“ Mechanismen, diese auch umzusetzen. Von verschiedenen  Seiten werden fast schon inflationär Vorschläge unterbreitet. Bei näherer Betrachtung wurden viele davon aber schon in der agrarpolitischen Vergangenheit erfolglos versucht. Begonnen wurde mit der Marktabschottung durch Schutzzölle, einem Mindestpreis (Interventionspreis), danach Mengensteuerung durch Kontingente bis hin zur heutigen Flächenprämie, die uns Landwirten als unsinnige Pauschalsubvention um die Ohren gehauen wird, ohne tatsächlich die Hintergründe zu kennen und zu verstehen.

Mit der Borchert-Kommission wurde ein neuer Versuch gestartet und immer wieder mit dem Energieeinspeisegesetz (EEG) verglichen. Im Vergleich zum EEG hat der Borchert-Vorschlag mehrere Schwachstellen:  Im EEG gibt es eine Abnahmegarantie für den erzeugten Strom zu einem Festpreis über 20 Jahre. Diese Abnahmegarantie gibt es bei Borchert nicht. Der größte Schwachpunkt  ist aber, dass im EEG der Einspeise-Preis festgeschrieben wurde, während es beim Borchert-Vorschlag einen festen „Zuschlag“ auf einen flexiblen Basispreis geben soll. Dies gibt dem Handel die Möglichkeit, in den Verhandlungen den Basispreis abzusenken, um dann zusammen mit dem Borchert-Zuschlag wieder auf das vorherige Niveau zu kalkulieren. Damit ist nichts gewonnen.

Wie kann man dies verhindern? Ein Mindestpreis ist wohl kartellrechtlich und gesetzlich nicht umsetzbar. Wie lautet nun mein Vorschlag?

Wir brauchen einen „moralischen Mindestpreis“!

So, wie es für jeden gewissenhaften Bürger klar sein müsste, dass ein T-Shirt für 4,99 € unmöglich unter moralischen und umweltpolitischen Gesichtspunkten fair produziert werden kann, so brauchen wir auch bei landwirtschaftlichen Produkten einen moralischen Mindestpreis. Jeder Handelsteilnehmer der unter diesem Preis einkauft,  signalisiert damit, dass es ihm vollkommen egal ist, wie die Produkte produziert wurden.

Wie können wir zu diesen „moralischen Mindestpreis`“ kommen?

Von vielen Interessensgruppen ( Politik, Handel, Verbraucher) wird ja der „Familienbetrieb“ als das Wunschziel formuliert. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Familienbetrieb und familiengeführten Betrieb (der auch mit Fremdarbeitskräften arbeitet). Geht man vom Wunschziel Familienbetrieb aus, so wird der Arbeitskräftebesatz (Betriebsleiter, Partner, Altenteiler, Kinder)  bei etwa 2 AK bestehen. Die mithelfenden Familienangehörigen sollten nicht mitgerechnet werden. Damit hätte man eine zur Verfügung stehende Gesamtarbeitszeit pro Jahr. Nun würde ich vorschlagen, dass man die 4 führenden/renommiertesten Agrarökonomen in Deutschland (ähnlich der Wirtschaftsweisen) beauftragt, einen Familienbetrieb mit diesem AK Besatz in allen Produktionsbereichen (Feldbau, Milch, Rindermast, Ferkelerzeugung, Schweinemast usw.) zu konstruieren. Welche Größenordnungen sind mit diesen AK-Besatz zu schaffen? Aufgrund dieser errechneten Betriebsgrößen kann man nun einen Mindestpreis kalkulieren,  der die Vollkosten abdeckt.

Wenn wir es schaffen, diesen „moralischen Mindestpreis“ halbjährlich (um Schwankungen im Energiesektor, Rohstoff und weiteren Betriebsmittel einfließen zu lassen) zu veröffentlichen, dann hätten wir eine Richtschnur.  Jeder LEH, der bei Preisverhandlungen den moralischen Mindestpreis unterschreitet,  gibt dadurch zu erkennen, dass ihm die angestrebten Ziele (Familienbetriebe, Nachhaltigkeit, Artenschutz, Klimaschutz) egal sind. Dies wird breit veröffentlich und so eine Bewertung des jeweiligen Handelsunternehmens, gerne auch im Schulterschluss mit den NGO, vorgenommen.

Dieser „moralische Mindestpreis“ basiert nur auf den derzeitigen gesetzlichen Mindeststandards. Weitergehende Forderungen an Tierwohl, Regionalität, Artenschutz usw.) müssen zusätzlich entlohnt werden. Somit stellt der „moralische Mindestpreis“ ein tatsächliches Auffangnetz nach unten dar.

Und nun Feuer frei: was meint ihr zu meinem Vorschlag? Und fangt vielleicht erst mal damit an, was daran gut ist 🙂

Gastbeiträge stellen die Meinung des/der  Autor*in dar

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300 Kommentare

  1. Ich finde es muss bald einen garantierten Mindestpreis für landwirtschaftliche Erzeugnisse in Deutschland geben. Landwirte müssen dafür aber eine Lizenz erwerben, die sie über die Einhaltung von festgelegten Deutschen Standards erhalten – die Strukturen zur Kontrolle gibt es schon.. Je höher die Anforderungen im Verhältnis zu anderen Ländern desto höher der Mindestpreis. Die Anforderungen sollten dann auch unangekündigt auf den Betrieben kontrolliert werden können. Das ist man dem Verbraucher dann schuldig, tricksen gilt nicht. Der Mindestpreis gilt aber nur für eine festgelegte Quote die sich am Selbstversorgungsgrad des Erzeugnisses in Deutschland orientiert. Sonst meckert ja die WHO – ich würde vorschlagen 75% der in Deutschland benötigten Landwirtschaftlichen Erzeugnisse sollte man absichern – es gibt ja Leute die auch ein Rinderfilet aus Argentinien essen wollen, nun ja.. Importieren und Exportieren des restlichen Marktes dann halt zu Weltmarktpreisen.
    Den Ausgleich vom Marktpreis zum garantierten Mindestpreis zahlt ein noch zu gründender „Deutscher Lebensmittelfond“ direkt an die Betriebe. Dieser wird natürlich auch vom Einzelhandel finanziert. Der LEH muss die Differenz seiner Billigstangebote zum festgelegten Mindestpreis in den Fond einzahlen – wenn man Lebensmittel verschenken will das soll man für die Geschenke auch selber zahlen. Diesen Ausgleich muss der LEH ebenfalls für die festgelegte Quote zahlen. Darüber hinaus kann verramscht und in die Läden gelockt werden.
    Das muss natürlich alles bis ins letzte ausgestaltet werden aber es kann nur so funktionieren dass man eine klar definierte Menge die in Deutschland benötigt wird auch nur zu einem definierten deutschen Preis produzieren lassen kann. Das hat zwar auch was von Planwirtschaft, aber die Gesetze Verordnungen und Anforderungen an die Landwirtschaft sind in keinem Land gefühlt so hoch wie in Deutschland und wir können halt nicht mit den Produkten aus dem Ausland mithalten – irgendwie auch Planwirtschaft.
    Ein Beispiel:
    Ein Landwirt der Schweinefleisch in Deutschland für den Deutschen Markt produziert erhält einen Mindestpreis von 1,75 €/kg. Aber nur für eine Quote die 75% des deutschen Bedarfs abdeckt. Bei einem Selbstversorgungsgrad von 120% Schweinfleisch wäre das umgerechnet weniger als 75% seiner produzierten Menge. Wenn der Selbstversorgungsgrad und die Produktionsmenge daraus sinken, steigt die Quote der Menge wieder für die der Landwirt seinen Mindestpreis bekommen würde. Diese Quotienten müsste man natürlich regelmäßig anpassen. Für die Abrechnung gilt dann der zu dem Tag gültige Quotient. In dem Fall meinetwegen dann 58% des abgelieferten Schweinefleisches. Für die Differenz vom tatsächlichen Auszahlungspreis zum Mindestpreis schreibt der Landwirt also eine Rechnung über 58% seiner abgelieferten Schweine an den „Deutschen Lebensmittelfond“. Dieser hat ja bei ihm Schweinefleisch aus Deutschland für den deutschen Markt bestellt.
    Ich denke man könnte da monatelang drüber diskutieren und schreiben, in der aktuellen Konstellation wird es aber auf Dauer nichts mit dem Verbraucher dem LEH und der deutschen Landwirtschaft..
    Das hier soll auch kein fertiges Konzept sein, es beschreibt nur meine Gedanken. Ich bin nun seit etwa 20 Jahren für die Landwirtschaft in der Beratung tätig, junge Landwirte in Deutschland brauchen eine Perspektive. Nischen können und sollen Sie sich suchen. Meistens sind das aber Dinge die ihre Zeit benötigen. Wann man mit einem Deutschen Lebensmittelfond einen verlässlichen Partner aufbauen könnte würde man einen sicheren Rückhalt haben.
    Und ich finde Ideen gut die man vielleicht sehr einfach umsetzen könnte – Stichwort Steuererklärung und Friedrich Merz. Auf einem Bierdeckel – jeder gibt einfach 25% seines Gehaltes ab und gut.. Das würde aber zu weit führen. Ich bin meine Gedanken hier aber endlich mal losgeworden

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    • bauerhans sagt

      „Ich finde es muss bald einen garantierten Mindestpreis für landwirtschaftliche Erzeugnisse in Deutschland geben.“

      wenn bauern ihre kühe verkaufen und dafür in einen neuen Fendt investieren,warum soll es dann garantierte mindestpreise geben?!

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      • Thomas Apfel sagt

        Guten Morgen @bauerhans,
        Hast Du ein konkretes Problem mit irgendeinem Nachbarn, oder was genau willst Du damit sagen ? Das Problem, dass Bauern gern etwas zu große Traktoren kaufen, hat nur marginal etwas mit dem Verschwinden der Betriebe (von 2 Millionen Betrieben 1950 auf jetzt noch 250,000 Betriebe (12 %)) zu tun. Oder sind immer die verschwunden, die zu dämlich waren ihre Möglichkeiten einzuschätzen und zu teure Traktoren gekauft haben ? Die Erfolgsgeschichte der Firma Fendt spricht da eine andere Sprache.

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      • Smarti sagt

        Das gibt gerade nur einen Spielzeugfendt. 2000.- Euro mindestens in die Aufzucht einer Dreijährigen Kuh gesteckt, Schlachtpreis 600.- Euro, es war mal das Doppelte. Warum man so eine wertvolle Kuh schlachtet ? Es gibt Krankheiten, die man nicht heilen kann ohne Intensivstation. Dass immer weniger Antibiotika zugelassen sind macht es auch nicht einfacher – bzw. bis man endlich das richtige Mittel kriegt ist es für das Euter zu spät.
        Ich frage mich schon, wie lange die Landwirte das noch mitmachen.

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        • Arnold Krämer sagt

          Ich habe gerade die Buchführung eines Top- Milchviehhalters ausgewertet (über 11.000 kg Milch/Kuh abgeliefert). Es ist traurig, was da übrig bleibt, trotz jahrelanger Anstrengungen der Kostenoptimierung. Der Sohn hat in der Hähnchenmast mit 0,5 Familien-Arbeitskraft genausoviel oder (bald muss man das auch für diesen Betriebszweig sagen) genausowenig übrig behalten wie der Vater mit 140 Kühen und rechnerisch 1,5 bis 2 Familien-AK.

          Da müssen noch viele aufhören, damit das Milchangebot knapper wird. Mit Appellen an den LEH oder die Verbraucher hinsichtlich Wertschätzung kriegt man die Wertschöpfung auf den Höfen nicht hin.

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          • Smarti sagt

            Für unseren Betrieb (dessen Kuhkennzahlen ich nicht mal mehr so genau wissen will) ist der Trend seit Jahren eindeutig. Es rentiert mehr, den Stallplatz leer zu lassen als eine neue Kuh nachzuziehen. Das obwohl noch Kredite laufen. Je weniger Kühe, desto mehr Gewinn im Gesamtbetrieb, und das sogar im Corona-Jahr fast ohne Reitferienkinder.
            Erste Molkereien setzen Strafabzüge von 2 Cent/l bei ganzähriger Anbindehaltung an – bei der Milchmenge tut sich bald etwas.

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            • Arnold Krämer sagt

              Hauptsache, die „Turbomelker“ im Norden stocken nicht entsprechend wieder auf. Vielleicht muss der Staat aber auch mal hingehen und die Kuhzahlen mit den genehmigten Plätzen abgleichen. Bei den Schweinehaltern und en Hähnchenmästern macht man das auch. Das könnte helfen, wenn man den wollte.
              Aber was will die Politik???? Weiter Brot und Spiele? In Nach-Corona-Zeiten vielleicht umso mehr und wichtiger den je?

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      • Smarti sagt

        Wenn der Landwirt sein Land verkauft, muss er den ganzen Betrag wieder in Landwirtschaft investieren, ansonsten geht die Hälfte des Verkaufspreises direkt an den Staat. Das gibt dann mal einen Fendt oder die gepflasterte Hoffläche – das werden aber immer Ausnahmen bleiben. Ein Nachbar von uns hat sich einen Mercedes gekauft und ist wegen den Steuernachzahlungen das Jahr darauf aus allen Wolken gefallen. Der teuerste Mercedes aller Zeiten.
        Ich habe damit gerechnet, dass wir bei einer 100 köpfigen Kuherde „Notkapital“ für etwa 80¨000 Euro haben, hat sich über Nacht fast halbiert. Was soll man sich noch aufregen, den Schweinebauern gehts sicher noch schlechter.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Manchmal ist es von Vorteil, einen Steuerberater hinzuzuziehen, meistens haben die mehr Ahnung von der Materie.😉

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          • Smarti sagt

            was bei uns geschehen ist 🙂 – wenn der langjährige Lieblings-Steuerberater neu der „Bio-Kontrolleur“ ist. Er hat selber auch einen Biobetrieb, das wussten wir vorher gar nicht.

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            • Arnold Krämer sagt

              Das war doch sicher „nur“ ein Steuerfachgehilfe. Soviel Einkommensverzicht wird ein Steuerberater nicht leisten, um Kontrolleur von Bio-Betrieben zu werden.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Reinvestitionen in landwirtschaftliche Maschinen geht nach meinem Kenntnisstand nicht, aber in landw. Gebäude.

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  2. Thomas Apfel sagt

    Ich klinke mich jetzt hier erstmal aus. Bei Herrn Prof. Balmann möchte ich mich ausdrücklich für den offenen Diskurs bedanken. Es ist nicht selbstverständlich, sich in so ein Diskussionsforum zu begeben, wo man auch mal persönlich angeriffen wird – bei allen Differenzen in der Betrachtung der Zusammenhänge. Danke !

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  3. unkomplizierter Wurzelwicht sagt

    Tatsache: Wir Bauern produzieren interessanterweise Nahrungsmittel, die Spezies unserer Ökonomen befasst sich in erster Linie mit Geld.

    Die Zukunft der Menschheit auf unserem Planeten fordert von uns Bauern weiterhin ihr täglich Brot; eine Nahrungsmittelproduktion, damit hoffentlich alle(!) endlich satt werden; in weiten Bereichen verlieren damit also die Wenigsten ihre generelle Wertschätzung für unsere bäuerlichen Erzeugnisse. Der Überlebenswille in jedem Menschlein obsiegt.

    Dahingegen werden u.a. unsere Top-Agrarökonomen, bei denen das Geldscheffeln absolut im Vordergrund steht, sich mit einer virtuellen Währung befassen müssen. Diesem „Nichts“ in einer digitalen Welt.

    Das staatlich gedruckte Geld mit seiner Wertigkeit ist Tag um Tag variabel, mal wird mehr, mal weniger gedruckt, der Bedarf dato steigt dramatisch, also laufen die Gelddruckmaschinen auf Höchstgeschwindigkeiten. Die imaginäre Menge, die mittlerweile realiter nur noch als virtuelles Geld greifbar ist, existiert heute nur noch als Nullen und Einsen in der Cloud, auf irgendwelchen Servern. Eine bedeutungsschwere Ablösung, die bereits präsent ist – der Bitcoin- entzieht sich solchen berufenen „Starökonomen“ wie einem Prof. Balmann offensichtlich ganz. Diese „mächtige“ Wissenschaftlergilde hat hierüber überhaupt keinen Einfluss und das schmerzt natürlich sehr. Diese virtuelle Währung entzieht sich in absoluter Eigendynamik jedweden Einflüssen solcher wissenschaftlichen Einflüsterern.

    Kein Bauer, werter Herr Prof. Balmann, sitzt mit seinem Revolver am Russisch-Roulette-Tisch! – Vollkommen geerdet produzieren wir auf unseren Höfen nach wie vor das, was selbst für jene vor ihren Hochgeschwindigkeitsrechnern sitzenden Tag um Tag unverzichtbar ist. Ohne Manna auch keine geistige Nahrung!

    Protagonisten wie ein Prof. Balmann in persona u. seinesgleichen sowie die elitär abgehobenen Ökonomen in den Schaltzentralen des LEH, oft mit einer ähnlichen, gar gleichen Ausbildung und Denkweise beseelt, bestimmen zwischenzeitlich diktatorisch den Wert unserer bäuerlichen Produkte und hierbei läuft sehr vieles vollkommen aus dem Ruder aktuell!!!

    Ob unsere derzeitige geistige Elite imstande ist, der Menschheit im Generellen eine vernünftige Zukunft aufzuzeigen, das hochverehrter Herr Prof. Balmann, bleiben Sie mit Ihren bisherigen Einlassungen und abstrusen Beispielen in Gegenüberstellung vollkommen schuldig!

    Als kleines Bäuerlein möchte ich mich mit dem von Ihnen produziertem Wissen allerdings auch nur randständig damit auseinandersetzen – nicht mangels Willen oder mangels Intellekt, sondern wegen meinem sehr engen zeitlichen Korsett, da wir Bauern uns stets in unserem Tagesgeschäft mit ganz anderen Unwägbarkeiten konfrontiert sehen und in erster Linie uns damit betriebswirtschaftlich arrangieren müssen, von Geburt an schon mit einem Ziegelstein auf der Brust mit einem zähen Überlebenswillen geradezu gestählt.

    Wahrnehmen zu dürfen/müssen, wie das kleine Bäuerlein von einer elitären wissenschaftlichen Abgehobenheit im eigentlichen abklassifiziert wird, ist schon beinahe wieder amüsant. Diese Anmaßung, in den Elfenbeintürmen Zukunft voraussehen zu können, ist in den vergangenen Dekaden doch ganz offensichtlich an der Realität im Hier und Jetzt vollkommen gescheitert. Haben diese Prognosen sich nicht vielfach in Luft aufgelöst!?

    Ihre wissenschaftlichen Vorgänger standen schon in der Verantwortung, die jetzige Klimakatastrophe vermeiden zu können. An der Komplexität dieser Thematik haben Sie aber augenscheinlich versagt u. dabei feigherzig uns Bauern in der Urproduktion in Generalhaftung medial auch noch an den Pranger stellen lassen. Welch grandiose Hasenfüßigkeit angesichts einer solchen geistigen Bankrotterklärung seitens der Wissenschaft in weiten Bereichen.

    Im übrigen, Herr Prof. Balmann, sind die meisten Bauern noch heute durchaus zur Selbstkritik befähigt – wie ist es um diesen fürwahr schmerzlichen Lernprozess in Reihen unserer Wissenschaftlerelite bestellt!?

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    • Brötchen sagt

      „die Spezies unserer Ökonomen befasst sich in erster Linie mit Geld.“

      mit den Wirkungen der realwirtschaftlichen Tätigkeiten…

      was sich letztendlich in Geld ausdrücken kann, oder im Arbeitszeitaufwand, Verbrauchsmitteleinsatz pro Produkteinheit usw…

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      • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

        Geld und Macht polarisieren am stärksten – alles andere sind doch Nebenkriegsschauplätze…;-)

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  4. Smarti sagt

    Als Schweizerin kenne ich den Beruf Agrarökonom nicht. Das ist ein Studiengang ohne vorher Landwirt „gelernt“ zu haben ? Bei wem ist man angestellt, was sind seine Aufgaben und wen berät man da ? Die Politiker ? Ist die „Mehrzahl“ der Agrarökonomen so gestrickt wie Herr Prof. Balman ?

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    • Bauer Willi sagt

      https://www.uni-online.de/studium/agraroekonomie/

      Agrarökonomen finden Arbeitsplätze in der Wirtschaft (nein, nicht Kneipe), aber auch in Verwaltung oder an Hochschulen.

      Unser Sohn hat den Bachelor in Agrarwissenschaften gemacht und sich im Masterstudium auf Agrarökonomie spezialisiert. Ist jetzt in Marketing und Vertrieb.

      Ob alle Professoren der Agrarökonomie so sind wie Alfons Balmann? Nein, sonst würden sie hier mitdiskutieren.

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      • Stadtmensch sagt

        Ich hoffe sehr, dass nicht alle Agrarökonomen so sind wie der Herr Bahlmann. Was hat Spieltheorie und Wettbewerb an der Schnittstelle zu unseren natürlichen Lebensgrundlagen zu suchen?
        Etwas mehr Demut (das ist vielleicht das falsche Wort) oder wenigstens Selbstzweifel hätte ich der zeitgenössischen Ökonomenzunft schon zugetraut. Aber wie schon richtig bemerkt wurde, lässt sich aus der behaglichen Perspektive einer Elfenbeinturms viel erzählen: http://www.economics-reloaded.de/5_Ordoliberalismus/Friedrich_Hayek/5_1_Friedrich_August_Hayek.htm

        Als suchender Laie hab ich mir jetzt mal die Dissertation von Frank Niessen besorgt: Nachhaltigkeit, Kapitalismus und Demokratie.
        Es scheint offensichtlich auch noch Ökonomen zu geben, die ein etwas tiefgreifenderes Interesse an ihrem Fach haben.

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        • Brötchen sagt

          Hi Stadti!

          „Etwas mehr Demut (das ist vielleicht das falsche Wort) oder wenigstens Selbstzweifel hätte ich der zeitgenössischen Ökonomen*innenzunft schon zugetraut.“

          seh ich auch so. An dem was Herr Krämer schrieb, ist schon was dran, tendenziell.

          Echte Wissenschaftler*innen zweifeln eigentlich immer. Nicht unbedingt in der Aussendarstellung, aber sonst schon an ihrem Tun.

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    • bauerhans sagt

      „Das ist ein Studiengang ohne vorher Landwirt „gelernt“ zu haben ?“

      man muss hier nicht vorher landwirt lernen,um zu studieren,ich bin auch nur „theoretischer bauer“.

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  5. Jürgen sagt

    Gut analysiert und zusammen gefasst! Bei den Politikern ist aber auch bekannt, dass inzwischen der Wähleranteil der Bauern so gering ist. Deshalb springen die Politiker eher auf dem Mainstream der NGO-Forderungen auf. Außerdem ist die Landwirtschaft durch die negative Berichterstattung so negativ belastet, dass wohl kein Politiker sein politisches Überleben mit Sympathie für die LW riskiert. Dann lieber so schnell wie möglich die LW in andere Länder auslagern: Aus den Augen aus den Sinn.

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  6. Arnold Krämer sagt

    Die Diskussionen mit Prof. Balmann geben einen guten Einblick in die Denk- und Argumentationsweisen der meisten deutschen Agrarökonomen, aber auch der Erwartungshaltung vieler Landwirte an eine gewisse „Unterstützungsleistung“ seitens der Wissenschaft gegenüber der Agrarpolitik. Die ist allerdings nicht zu erwarten.
    In diesem Zusammenhang fällt mir der legendäre Artikel eines längst verstorbenen Göttinger Agrarökonomen (Prof. Dr. Günther Schmitt) aus den 1970er Jahren ein: „Warum Agrarpolitik so ist wie sie ist, und nicht wie sie sein sollte“. Damals „kämpften“ die marktliberalen Ökonomen gegen eine Agrarpolitik, die gestaltet wurde gerade auch in den Ministerien von Menschen, die noch Hunger und Not erlebt hatten. Damals konnten die Landwirte, auch wenn es viele (sinnvolle) Betriebsaufgaben gab, mit der Marktstützung und der öffentlichen Investitionsförderung zufrieden sein.
    Heute sitzt in den Ministerien und obersten Verwaltungen eine ganz andere Generation an den Schalthebeln der politischen Gestaltung bzw. deren Vorbereitung. Auf der einen Seite sind es die entsprechend marktliberal geschulten Ökonomen, auf der anderen Seite auch mehr und mehr Ideologen, für die Umweltschutz, Naturschutz, Klimaschutz, Weltrettung allgemein, im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht. Die heutige agrarökonomische Wissenschaftselite unterstützt beide Gruppierungen und beklagt sich eigentlich nur über das mangelnde Tempo bei der Veränderungen der agrarpolitischen Rahmenbedingungen.

    Die Landwirte müssen sich deshalb an die Politiker wenden und dort Klarheit, Konsequenz, Ehrlichkeit und auch Veränderungen einfordern. So wie in den letzten Jahren kann es jedenfalls nicht weitergehen, weil die Menschen überfordert werden, nicht nur die auf den Höfen, auch die im beratenden und unterstützenden Umfeld sowie die in den unteren Verwaltungen. Die ökonomische Seite ist da noch ein ganz anderes (zusätzliches) Thema.

    +3
    • Bauer Willi sagt

      Das Thema „Überforderung“ ist in meiner Wahrnehmung ein absolutes Tabu-Thema. Der Beruf ist zwar einerseits erfreulich vielfältig, andererseits ist das auch ein Problem. Digitalisierung macht es nicht besser, denn wenn der GPS-Empfänger ausfällt, sind oft auch junge Leute überfordert.

      Ich habe in den letzten Tagen versucht, die digitale Dieselrückvergütung neuer Version zu erledigen. Unglaublich, was ich dabei alles erlebt habe. Läuft übrigens immer noch nicht. Also morgen noch mal ran. Das zehrt an den Nerven. Auch die Beratung konnte mir nicht helfen.

      Oder ob das System ist? Damit man den Antrag nicht stellt?
      Verschwörung?!! 🙂

      +1
      • Brötchen sagt

        Ach das ist Unvermögen…die Verwaltungen sind EDV mässig nicht sehr flexibel, wenn es Systemfehler gibt.

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      • Smarti sagt

        Also bei uns hats geklappt, das Geld ist sogar schon da :). Erst mussten wir aber schriftlich begründen, warum wir letztes Jahr mehr Diesel verbraucht haben. Nein, wir sind nicht an Demonstrationen mit dem Trekker, sondern es war nachweislich ein Grasschnitt mehr.

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    • Alfons Balmann sagt

      Herr Krämer, da geht einiges durcheinander.

      So früh war Günter Schmitt auch nicht. Der Artikel erschien erst 1984. Die Idee des Artikels ist die, dass Politiker sich wie rationale Unternehmer verhalten und den Wählern die Politik anbieten, die diese nachfragen. Das heißt, auch die Politik ist ein Markt mit Angebot und Nachfrage. Mit dieser politischen Ökonomie kann man einiges erklären. Ein ganz toller Artikel ist die Einleitung des Buches „The Perfect Storm“ von Jo Swinnen, in dem er schildert, wie und vor allem warum es Franz Fischler 2003 gelang mit Unterstützung von Renate Künast die EU-Agrarpolitik zu reformieren (https://www.ceps.eu/ceps-publications/perfect-storm-political-economy-fischler-reforms-common-agricultural-policy/). Die Ergebnisse der Politik sind dann aber manchmal andere als von Politikern erwartet. Durch die Unterstützung von Systemen wie QS hat vermutlich Renate Künast dazu beigetragen, dass die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft fit für den Weltmarkt wurde und in der Folge in den letzten 20 Jahren enorm gewachsen ist. Wer das nicht glauben will, schaue sich mal die Jahresberichte der BVE an.

      Ebenfalls geht bei Ihrer Kategorisierung der Agrarwissenschaften und der Agrarökonomie einiges durcheinander. Das was Sie als marktliberale Agarökonomen bezeichnen und damit verbinden, dass diese eben nicht mehr Hunger und Not kennengelernt hätten, geht ebenfalls an der Realität vorbei. Das Professorengutachten (unter Beteiligung von Arthur Hanau dem Entdecker des Schweinezyklus und Emil Woermann, Prof. für landwirtschaftliche Betriebslehre) von 1962 (!) hatte schon dazu geführt, dass anschließend etliche Tausend Bauern die Göttinger Institute belagerten. Damals hatten die Professoren vorgeschlagen, die deutschen Agrarpreise an den Durchschnitt der EWG-Preise anzugleichen und zeitlich befristete Ausgleichszahlungen zu leisten – und das obwohl sie die Krisen der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts erlebt hatten.

      Damit lässt sich auch Ihre These nicht halten, dass die heutigen Ministeriumsmitarbeiter anders als früher alles Marktliberale oder Grüne seien. Das was sich sicher geändert seit 2000 hat, dass der Bauernverband nicht mehr ins Ministerium reinregieren kann und man sagt auch, dass dort mehr und mehr Juristen sitzen – Zahlen habe ich aber keine.

      Das was Agrarökonomen und Agrarwissenschaftler in wissenschaftlichen Artikeln und Gutachten veröffentlichen entspricht dem Stand der Forschung. Die Ergebnisse mögen einem gefallen oder nicht. Aber wenn sie Ihnen nicht gefallen, dann schauen Sie sich gerne um, wo Sie Ihnen genehmere wissenschaftliche Ergebnisse und Wissenschaftler finden. Frage ist nur, ob das dann Wissenschaft oder Bauchgefühl ist.

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      • Brötchen sagt

        „Das was Agrarökonomen und Agrarwissenschaftler in wissenschaftlichen Artikeln und Gutachten veröffentlichen entspricht dem Stand der Forschung. “

        entspricht dem, mit was sie sich die Zeit vertreiben! flappsig ausgedrückt.

        Nicht umsonst wurde eine sehr große renommierte Forschungseinrichtung unter „kann wech“ eingeordnet.
        Zumal ich mir manchmal so im Stillen die Frage gestellt habe, was davon den Lw zu gute kommt, wenn man den Aufwand betrachtet, der da betrieben wird.

        Geht jetzt auch nicht gegen die Kollegen dort. alle lieb und nett und hilfsbereit. Aber wenn andere das auch so sehen, kann der Gedanke nicht ganz total falsch sein.

        0
        • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

          Autsch! – Respekt vor soviel Ehrlichkeit in der Aussage.

          Hoffentlich werden Sie jetzt nicht als Nestbeschmutzer abgestraft.

          Eine derartige Ehrlichkeit kann sehr weh tun, wie ich aus eigener leidvoller Erfahrung weiß; tut allerdings prinzipiell dringend Not, wenn man als Überzeugungstäter glaubwürdig über der Sache steht.

          +2
          • Brötchen sagt

            Wurzelwicht, jeder hat so seine Brille auf,

            Deshalb ist es ganz gut, sich ab und an mal in „Frage“ zu stellen und einen Schritt zurück zu treten.

            Abseits der Routine in der man oft gefangen ist und der ganzen Schulterklopfer um einen herum.

            Manchmal kommt man da auch ganz schwer raus, aber es kann ja schon helfen, wenn man um die Schwächen weiß.

            VG

            +1
      • Thomas Apfel sagt

        Herr Balmann,
        Die Agrar- und Ernährungswirtschaft ist tatsächlich gewachsen die Frage ist nur in welchem Bereich ?
        Bruttowertschöpfung Deutschland:
        Gesamtwirtschaft von 2000 – 2018 um 59 % (kontinuierlich)
        Handel und Gastgewerbe ebenso um 59 % (kontinuierlich)
        Herstellung von Nahrungsmitteln um 28 % (kontinuierlich)
        Landwirtschaft (Urproduktion) um 10 % (diskontinuierlich)
        Wenn man den Zeitraum 2012 – 2014 (der Hoffnung aufkommen ließ), rauslässt,
        ist das Wachstum der Bruttowertschöpfung der LW nahe Null !
        Die Frage ist jetzt, ist dieser Umstand einer (nationalen oder europäischen) tatsächlichen Überproduktion geschuldet. Oder sind es dem jeweiligen nationalen Wohlstand geschuldete Kostenunterschiede, die beim Einkauf durch LEH und Verarbeiter „gnadenlos“ ausgenutzt werden ?
        Sollte Antwort 1 die richtige sein, ist es tatsächlich sinnvoll über die GAP eine 10 % ige Stilllegung zu erzwingen. Sollte Antwort 2 in ihrer Wirkung dominant sein, nützt die Flächenstilllegung der deutschen Landwirtschaft garnichts, lediglich die Bruttowertschöpfung würde um ca. 5 weitere Prozentpunkte sinken.
        Das eigentliche Dilemma ist m.E., dass Handel global agiert/einkauft, aber die „Volkswirtschaft“ (wie schon die Bezeichnung sagt) den nationalen Rahmen betrachtet. Die Landwirtschaft ist im Wesentlichen in diesem Rahmen gefangen.
        Das Ganze ist richtigerweise nur jenseits der nationalen Rahmensetzung zu lösen.
        Da der nationale Rahmen aber für einige Staaten/Nationen/Volkswirtschaften auch „Besitzstandswahrung“ bedeuten kann, gibt es erhebliche Wiederstände, insbesondere, da der „Kleine Mann“ davon meist keinen Vorteil hat.
        Ein Beispiel ist die Vergemeinschaftung der Schulden in der EU, die ja im Hintergrund der Pandemie (Schock-Strategie a´la Naomi Klein) klammheimlich durchgezogen wird. Da entsteht beim Bürger schon der Eindruck, dass er mit 67 Jahren für 60 % seines Einkommens verrentet wird, während er (oder die Volkswirtschaft „seines“ nationalen Rahmens) über die Staatsschulden und die Zinsen die deutlich frühere Verrentung mit höheren Sätzen in anderen Ländern mit tragen muss. Ich persönlich glaube, dass es nicht anders geht (den politischen Rahmen an die Globalisierung der Produktivkräfte anpassen), aber Europa bis dahin durch ein ordentliches „Tal der Tränen“ gehen wird.

        +3
        • Brötchen sagt

          @Thomas

          „Handel und Gastgewerbe ebenso um 59 % (kontinuierlich)“

          Das fliegt jetzt vielen ganz kräftig um die Ohren.

          Gastrobranche sieht wohl ganz düster aus.

          LW ist zwar kein großer Wachstumsmarkt, aber vielleicht krisenfester und solider, was immer das heißt.

          0
          • bauerhans sagt

            „vielleicht krisenfester und solider, was immer das heißt.“

            eben nicht,sondern bauern müssen wieder lernen zu diversivizieren.

            0
            • firedragon sagt

              Nicht unbedingt bauerhans. EL hatte mal ganz treffend bemerkt, Arbeit gibt’s in der LW genug, er war in der ganzen Zeit nie arbeitslos.
              Nahrungsmittel werden immer benötigt, egal zu welcher Zeit, ob der LW Geld, Arbeitsleistung oder Tauschangebote erhält, steht natürlich auf einem anderen Blatt (und ob LW sich damit über Wasser halten kann).

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              • Ehemaliger Landwirt sagt

                Ein krisenfester Arbeitsplatz ist ja schön und Recht, wenn ich aber die vielen Betriebsschließungen in der Landwirtschaft sehe, dann ist dieser Beruf alles andere als krisensicher, der Beruf ist in einer Langfristkrise.

                +1
                • Inga sagt

                  Was oder wer hat Opas und Omas Bauernhof, der ja für ewig krisenfest sein sollte und uns sorgenlose Geborgenheit, trotz schwerer Arbeit bieten sollte in die vielen Krisen gestürzt?

                  Politik,
                  LEH
                  oder
                  Verbraucher?

                  0
          • Inga sagt

            Die LW ist nur ein Stützpfeiler unserer Volkswirtschaft, deswegen scheint sie krisenfest.

            Wie viel Krisen hat sie schon durch?
            Ottenormalverbraucher merkt das doch gar nicht!

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          • Brötchen sagt

            wäre dann das hier:
            Herstellung von Nahrungsmitteln um 28 % (kontinuierlich)
            Landwirtschaft (Urproduktion) um 10 % (diskontinuierlich)

            130>185 Mrd

            +2
          • Thomas Apfel sagt

            Umsatz und Wertschöpfung sind bekanntermaßen verschiedene Kennzahlen.
            Meine Datenbasis sind die statistischen Jahrbücher über Ernährung Landwirtschaft und Forsten, und hier die Bruttowertschöpfung in der volkswirtschaftlichen Gesamtbetrachtung.
            Zudem ist Ihre Betrachtungsweise ähnlich der der Krefeldstudie: niedrigster und höchster Wert einer Kurve ergeben noch keinen Trend.
            Von 2000 bis 2003 ist die Zahl der Beschäftigten von 565.000 auf 530.000 zurückgegangen. der Ausgangswert der Beschäftigtenzahl wurde erst 2013, also nach 10 Jahren wieder erreicht. Der weitere Anstieg fällt in eine Phase sarken Exportwachstums. Mit der Wertschöpfung in der Urproduktion hat das nur insofern zu tun, dass diese sonst vielleicht stärker in einen nagativen Trend gefallen wäre (was sie Inflationsbereinigt ja auch ist).

            0
      • Arnold Krämer sagt

        Herr Balmann: Sie mögen mit Ihrer nachfolgenden Aussage durchaus recht haben.

        „Durch die Unterstützung von Systemen wie QS hat vermutlich Renate Künast dazu beigetragen, dass die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft fit für den Weltmarkt wurde und in der Folge in den letzten 20 Jahren enorm gewachsen ist. Wer das nicht glauben will, schaue sich mal die Jahresberichte der BVE an“.

        Den Bauern hat es aber wenig bis nichts gebracht, außer mehr Arbeit, mehr Schreibkram, mehr Kontrollen, die sie auch noch selbst bezahlen dürfen.
        Dass die deutsche Ernährungswirtschaft gut ist, die deutschen (verarbeiteten, konsumfähigen) Lebensmittel einen guten Ruf im Ausland haben (siehe z.B. Milchpulverkäufe der Chinesen zur Kleinkinderernährung), wissen wir.
        Die dt. Ernährungswirtschaft hat die Landwirte immer wieder auch durch die landw. Berufsvertreter aufgefordert, mehr zu produzieren, weil der Weltmarkt…….. Die Firmen haben ihre Kapazitäten ausgelastet, sich aber immer bei den Landwirten entlastet, wenn der Absatz stockte. Real sind die Agrarrohstoffpreise nicht gestiegen.

        Die zusätzliche Wertschöpfung in der Urproduktion, die in einzelnen Jahren zwar durchaus zu verzeichnen war, ist zu einem großen Teil über die Pachtpreise an die Bodeneigentümer (überwiegend keine aktiven Bewirtschafter mehr in Westdeutschland) durchgereicht worden. Insofern haben die aktiven Landbesitzer natürlich auch profitiert, aber die Landwirte in ihrer Gesamtheit sind in den letzten 15 Jahren kaum voran gekommen, weil sie auch gleichzeitig mehr und mehr durch die Politik und die Verwaltung eingeschränkt wurden in der einzelbetrieblichen Entwicklung und Abrundung ihrer Betriebe (notwendig vor allem immer noch in Westdeutschland).
        Die Grenzen der arbeitswirtschaftlichen, ökonomischen, psychischen Belastbarkeit weiter Teile des Berufsstandes sind erreicht bzw. überschritten. Bildlich gesprochen: „Der Mehlsack staubt nicht mehr, wennman auf ihn einklopft“ (was man mit Vorliebe von vielen Seiten macht).

        +3
  7. Jürgen sagt

    Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie Herr Balmann die Rolle des Staates für die Entwicklung in der LW ausblendet. Wie einschneidend die staatlichen Eingriffe auf unsere betriebswirtschaftlichen Entscheidungen und Kalkulationen sind. Gerade bei Investitionen im Stallbau bei min. 10 meist 20 Jahren, ein mittlerweile unkalkulierbares Risiko! Wie wäre es, wenn man auch ihr Roulette Spiel etwas risikofreudiger machen würde. Sie verfügen zukünftig nicht mehr über eine sichere Anstellung mit festen Gehalt, sondern müssten sich nur bei Angebot und Nachfrage etablieren. Würde man staatlicherseits beschließen aus Gründen des Klimaschutzes den PC zu nehmen und dafür eine Schreibmaschine geben, das Büro nicht mehr zu heizen und das Auto durch ein Fahrrad ersetzen. Zeitgleich ihr Gehalt den freien „Marktmächten“ überlassen und die Altersvorsorge aufgekündigt. Da sie dann zu den Selbstständigen zählen sind sie auch von der Mindestrente ausgeschlossen, verfügen dann auch über keine Arbeitslosenversicherung und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
    Sie haben recht, meine Entscheidung als 16 jähriger den Weg in Richtung Landwirt einzuschlagen zu haben, war wohl Roulette. Entschuldigen Sie, dass ich mich damals nicht den staatlichen Ausbildungsberatern vom Landwirtschaftsamt, den Agrarökonomen, den Agrarpolitikern, den staatlichen Förderstellen als 16 jähriger nicht mit breiter Brust entgegen gestellt habe und ihnen gesagt habe, wie falsch sie doch alle liegen. Historisch gesehen gab es immer wieder Umbrüche durch Revolutionen, wenn sich Bevölkerungsschichten im großen Maße benachteiligt fühlten. Bei solchen Umbrüchen sind gerade die Staatsbediensteten meist unter die Räder gekommen. Insofern ist bei ihren Roulette Spiel die Kugel auch noch nicht zum Erliegen gekommen. Also mir macht das Angst, wie ignorant man über die berechtigten Sorgen der Landwirte hinweggeht und Ihnen keinen gerechten Lohn zuspricht, für sich selbst ihn aber selbstverständlich einfordert. Wenn nach dem Covid-Lockdown eine Insolvenzwelle auf uns zurollt mit zunehmender Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung und unsicherer Zukunft unseres Geldwertes, dann ergibt das einen gefährlichen Mix für Unruhen. Ich hoffe dann, dass die Anarchie (wie wir sie kurz ansatzweise im Sturm auf das Kapitol sehen mussten) nicht um sich greift.

    +3
  8. Jürgen sagt

    Habe mir in der Diskussion eine Auszeit genommen um den Vorwurf, der im Raum steht, nochmal für meinen Betrieb zu durchdenken. Herr Alfons Balmann erinnert uns ja daran, dass wir Unternehmer sind und somit für unsere Entscheidungen und betrieblichen Entwicklungen selber Schuld sind. Vielleicht hat Herr Balmann ja mein „Schuldbekenntnis eines Landwirts“ gelesen und kennt daher unsere Betriebsgeschichte. Deshalb hat mich seine pauschale Aussage schon irritiert, dass Landwirte
    wohl von Haus auf besser mit Vermögen ausgestattet sind. Konkret: Aufgrund unserer schlechten Ausstattung mit Eigenfläche fällten wir bereits in den 60‘er Jahren die Entscheidung uns auf Schweine zu spezialisieren, denn da war durch Futterzukauf eine Entwicklung möglich. Durch den Strukturwandel wurde in den 70‘er, 80‘er Jahren Fläche zum Pachten frei und es wurde auch wieder ein Betrieb mit eigener Futtergrundlage. In den 90‘er Jahren folgten wir den Wunsch nach tierfreundlicher Haltung und waren bereit den Kastenstand aus dem Wartebereich zu verbannen. Durch die immer stärker werdende Forderung nach Ökolandbau stellten wir sogar für 7 Jahre auf Biolandbau um. Aus Tierschutzgründen kehrten wir aber wieder geläutert zur konventionellen Schweinehaltung zurück. Durch das EEG, den Biogasboom und der daraus resultierenden Pachtpreisexplosion verlor ich dramatisch an Fläche, denn ich wollte ja betriebswirtschaftlich vernünftig handeln. Langfristige Pachtverträge oder Investitionen im Stall sind inzwischen nicht mehr möglich, da die staatlichen Eingriffe (rote Gebiete, Änderung der NutztierhaltungsVO, usw) immer einschneidender und kurzfristiger kommen. Eine verlässliche betriebswirtschaftliche Planung ist schlichtweg nicht mehr möglich. Was habe ich Bitteschön falsch gemacht Herr Balmann? 🤷🏼‍♂️

    +3
    • Alfons Balmann sagt

      Sie sprechen von Vorwurf, Schuld, Verantwortung, falsch,… Ich versuche einmal folgendermaßen zu antworten:
      Wenn jemand in einer Spielbank 50 € auf Rot setzt und verliert. Wer hat dann Schuld? Höchstens die Kugel, aber die kann nichts dafür. Hat der Spieler etwas falsch gemacht? Nicht unbedingt. Er hätte auch gewinnen können. Außerdem hatte er vielleicht Spaß. Hat er unverantwortlich gehandelt? Nein, nicht solange er die 50 € verschmerzen kann und rechtzeitig aufhören kann mit dem Spielen, bevor er vielleicht soviel verliert, dass er es nicht mehr verschmerzen kann.
      Was jedoch wäre, wenn der Spieler das gesamte Vermögen seiner Familie auf Rot setzt? Dann wäre das unverantwortlich. Nicht nur gegenüber sich selbst, sondern auch gegenüber seiner Familie und möglicherweise auch gegenüber seinen Gläubigern. Immerhin wäre er noch ein Spiel eingegangen, das zumindest insofern fair ist, dass die Chance 50:50 ist.
      Was ist, wenn sich jemand auf einen Hütchenspieler einlässt? Solange jemand 5 € aus Neugierde setzt, wäre der Einsatz nicht unbedingt unverantwortlich. Vermutlich gewinnt er sogar, weil der Hütchenspieler ihn animieren möchte höhere Beträge einzusetzen, bei denen der Spieler in jedem Fall verliert. Lässt der Spieler sich darauf ein, hat er ein Problem und handelt je nach Einsatz sogar unverantwortlich – zumal der den Hütchenspieler auch noch für den Betrug belohnt.
      Mit Blick auf das, was Sie beschreiben, empfehle ich Ihre Entscheidungen in die Spielsituationen einzuordnen und zu fragen, was Sie wann wo eingesetzt haben und wie die Spielregeln waren. Haben Sie die Regeln zum Zeitpunkt der Entscheidung durchschaut und beachtet? Welcher Einsatz war gerechtfertigt?
      Oft kann man im Leben nicht verlässlich planen. Trotzdem muss man sich entscheiden. Und eine wichtige Frage ist, was Sie aus Ihren Entscheidungen lernen und welche Schlüsse Sie für die Zukunft daraus ziehen. Ihre Söhne haben ihre Schlüsse gezogen.
      Zum „Schuldbekenntnis“: Ich habe es mir angesehen und habe mit dem Kopf geschüttelt nicht nur über den lehrreichen Beitrag, sondern noch mehr über die Kommentare. Ich selber würde empfehlen, sich beispielsweise einmal an die Sozioökonomische Beratung zu wenden, wie sie beispielsweise von der LWK Niedersachsen angeboten wird. Dort erlebt man wohl tagtäglich derartige Berichte und sucht nicht nach einem Schuldigen, sondern nach Lösungen.

      +1
      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Herr Balmann,
        nur mal kurz, wenn ein Bauer sich zu was entschlossen hat, dann fragte er bei der Beratung nach. Wäre er von seiner Entscheidung voll überzeugt, dann bräuchte er die Beratung nicht. Aber der Bauer hat gehört, dass der Stall ev. gefördert wird und der staatliche Berater erklärt ihm, nein ein Stall für 50 Kühe wird nicht gefördert, aber bei 200 Plätzen. Was bleibt ihm über, außer keine Investitionen zu tätigen?

        Eines ist klar, die Entscheidung liegt beim Bauer selbst, deshalb wäre es für den einen, oder anderen besser gewesen, beim Generationswechsel den Laden zu schließen.

        +1
      • Thomas Apfel sagt

        Herr Balmann,
        Sie sind Agrarökonom und nicht Betriebsberater. Es geht im Einzelfall (Betrieb) immer um eine Lösung, dafür gibt es Betriebsberater. Und ja: die sozio-ökonomische Beratung der LWK ist gut. Wir hatten von dort mal einen Vortrag zur Winterschulung.
        Die Agrarökonomie berät hingegen unter Anderem die Politik. Da stellt sich schon die Frage: Sind die in den letzten 30 Jahren ausgeschiedenen Betriebe (rund 200.000 an der Zahl) alle an Fehlentscheidungen gescheitert, oder gibts da eventuell objektive Gesetze. Und wenn, wo führt die Entwicklung hin, was kann man wie und was sollte man warum steuern ? Wie gesagt nicht im Einzelbetrieb, das ist nicht Ihr Metier. Wenn der Famlienbetreib nicht die Zukunft ist und „Agrarindustrie“ nicht „das Böse“ ist, dann sollten Sie und Ihre Kollegen das auch so benennen. Um unsere konkreten Betriebe kümmern wir uns schon selbst, schließlich müssen wir jedewede Art von Prügel auch selbst wegstecken, wenn wir etwas falsch gemacht haben. Manchmal auch nur weil jemand meint wir hätten etwas falsch gemacht.

        +3
        • Alfons Balmann sagt

          Hallo Herr Apfel,
          ja, es gibt so etwas wie empirisch und theoretisch herleitbare Gesetzmäßigkeiten.
          – Wenn ein Überangebot besteht, sinkt der Preis. Wenn Preise niedrig sind, sinkt das Angebot. Gleiches gilt umgekehrt und mündet bildlich gesprochen in den Schweinezyklus.
          – Wenn in der Bevölkerung die Einkommen steigen, dann wird unterproportional mehr für Nahrungsmittel ausgegeben. Entsprechend ist davon auszugehen, dass im Zeitablauf der Anteil der Landwirtschaft am Sozialprodukt abnimmt und entsprechend sich landwirtschaftliche Einkommen unterdurchschnittlich entwickeln, was dazu führt, dass der Anteil landwirtschaftlicher Arbeitskräfte abnimmt – und bei familienbetrieblichen Strukturen dann die Anzahl der Betriebe abnimmt oder mehr Betriebe in den Nebenerwerb gehen.
          – Verstärkt wird dieser Effekt durch folgenden Mechanismus: Es gibt arbeitssparenden technologischen Fortschritt. Entsprechend werden Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt. Entsprechend nimmt bei konstantem Zinssatz der Aufwand für Zinsen bzw. die Kapitalentlohnung in Relation zur Arbeitsentlohnung zu.
          – Folgender Punkt gilt meines Erachtens auch, ist aber nicht ganz unumstritten: Es gibt Größenvorteile. Das bedeutet, dass große Betriebe kostengünstiger produzieren können als kleine Betriebe. Wie weit diese Größenvorteile reichen ist unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab. In Dänemark werden nur noch wenige Ferkel in Betrieben mit unter 800 Sauen erzeugt. Das liegt unter anderem daran, dass Mäster ihre Ferkel nur aus einem Betrieb beziehen möchten. Es liegt aber vermutlich auch daran, weil Arbeitsteilung leichter umzusetzen ist. Es wäre zu teuer, wenn alle Arbeiten in einem Betrieb von Agraringenieuren bzw. Tierärzten vorgenommen werden.
          – Wenn in einem Sektor viele Betriebe kleiner sind, als die optimale Größe, erwirtschaftet der Großteil der Betriebe keine Kosten deckenden Preise. Das Ergebnis ist eine Einkommensdisparität. Viele Betriebe produzieren dennoch weiter, weil Ställe schon gebaut sind, weil man weitermachen will bis zur Rente, oder weil die Verluste hingenommen werden. Gründe dafür finden sich im Erbrecht ebenso wie darin, dass Landwirte sich selber nicht eingestehen wollen, das der Betrieb nicht mehr rentabel ist oder Angst vor dem Ansehen im Dorf haben.
          – Knappe Produktionsfaktoren, wie etwa Boden oder Milchquoten sind gerade dann teuer, wenn viele Betriebe kleiner sind als das Optimum. Man verzichtet auf eine Entlohnung der schon vorhandenen Faktoren Arbeit und Stall/Technik zugunsten des knappen Faktors.

          Abgesehen vom Aspekt einen Betrieb nicht rechtzeitig aufgeben zu wollen, sind das alles Gründe, die zum Strukturwandel und zu Betriebsaufgaben führen, ohne dass irgendjemand etwas falsch gemacht hat. Das heißt, selbst wenn alle Betriebe optimal handeln gibt es einen Strukturwandel.

          Man kann für diese Phänomene übrigens auch nicht dem Verbraucher oder der Gesellschaft einen Vorwurf machen. Per se ist selbst deren Preisbewusstsein gesellschaftlich vorteilhaft, weil er so über dem Markt richtige Anreize setzt. Alle Versuche des Staates diesen Prozess durch Subventionen, Kontingentierungen oder Direktzahlungen zu bremsen (!) ändern nichts am grundsätzlichen Problem. Selbst die Einkommensproblematik wird auf Dauer nicht gelöst.

          In den letzten 10 Jahren gab es eine Reihe zusätzlicher gesellschaftlicher Anforderungen, die die Landwirtschaft enorm unter weiteren Anpassungsdruck setzen. Eine Reihe dieser Probleme ist nicht neu. Die Nitratproblematik gab es auch schon in den 80er Jahren. Damals hat man einiges verbessert, aber im Nachgang haben sich auch einige Probleme wieder verschärft, weil nicht rechtzeitig gegengesteuert wurde. Wir haben im Tierschutz auch deswegen einige Probleme, weil etwa das genetische Potential heutiger Rassen so hoch ist, dass ältere Ställe und auch viele Landwirte überfordert sind – vor allem wenn gleichzeitig, wie in der Sauenhaltung, die vom Markt geforderten Bestandsgrößen erreicht werden müssen.

          All die obigen Punkte sind nicht neu. Sie sollten längst bekannt sein und sind im Wesentlichen auch in den Gutachten des Wiss. Beirates mit berücksichtigt.

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          • Lady sagt

            „All die obigen Punkte sind nicht neu. Sie sollten längst bekannt sein “

            Herr Balmann, die Punkte sind auch weitgehend bekannt. Auch wenn sicher nicht jeder diese Entwicklung erklären könnte. Daher gibt es mitunter die Vorstellung, dass für diese Prozesse eben doch „irgendjemand“ verantwortlich ist. Dass sie Folge von politischen Fehlentscheidungen oder von verfehlten Ansprüchen der Gesellschaft sind. Und wer wirklich unter Druck ist, sucht eben einen Ausweg. Und da wirken Ihre Bemerkungen auf mich tatsächlich etwas gnadenlos. Vielleicht gucke ich da als Volkswirtin und eben Hobby-Landwirtin etwas anders. Ich möchte die Landwirtschaft eben nicht abwickeln, sondern den Strukturwandel „gestalten“. Zum Vorteil natürlich der gesamten Volkswirtschaft . Nach meinem Eindruck wird sehr schlecht kommuniziert , was Landwirtschaft für uns alle tun könnte – eben abseits von Betriebsoptimierungen. Auf der einen Seite geht es um eine wie auch immer geartete Agrarwende. Das erscheint mit gleich doppelt zweifelhaft, auf Ebene der Betriebe und des Steuerzahlers.Für Okonomen der reinste Horror. Auf der anderen Seite sehe ich eher eine diffuse Ängstlichkeit , die keine klaren Ziele hat.
            Es gibt bestimmte Dinge, die nur die Landwirtschaft kann oder zumindest (relativ) am besten kann. Nahrungsmittel erzeugen, klar, Kulturlandschaften pflegen, auch klar, Biodiversität, schon weniger klar, ländliche Räume als Digitalisierungsgewinner, völlige Unkenntnis., could to be continued.
            Wir sehen bereits sehr deutlich, dass auch der industrielle Sektor deutlich den Rückwärtsgang eingelegt hat. Auch völlig „normal“. Ich habe mich erschrocken, als ich vor kurzem in Stuttgart war. Da ist der Lack ab und an Frau Merkel liegt es nicht. Und es wird sich niemand mehr für die Landwirtschaft- und für Agrarökonomen 😉- interessieren, wenn die Hilferufe der Industrie lauter werden.

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      • Schmeckt gut sagt

        Herr Prof. Bahlmann, ihr Blick auf die Entwicklungen ist recht einseitig und ihre Darstellungen unvollständig. Ja, wir Bauern blicken auch aus unserer „Blase“ auf unsere Branche. Was bleibt uns auch übrig. Von außerhalb lernen wir zu oft Ablehnung und mangelndes Verständnis kennen. Hier noch einmal mein Kommentar (ein paar Tage alt): —- Herr Bahlmann, sie vergessen, die Eingriffe der EU zu erwähnen. Bauern haben doch kaum noch eine Möglichkeit, richtig und zeitig zu reagieren (siehe z.B. die massiven Auswirkungen der Pauschalierungsbegrenzungen, Übersubventionierung ganzer Regionen durch GMO-Mittel ). Über die EU werden bewußt „brutale“ Änderungen in regionalen Entwicklungen erzwungen. Das Deckmäntelchen des „Green Deal“ rechtfertigt im Moment alles. Keiner erwähnt den, durch die massiven Strukturänderungen bedingten Ressourcenverbrauch. Der ist okay und dient ja dem heeren Ziel „Energieeffizienz, Umweltschonung, zukunftsfähiger Wirtschaft“. Hat auch einen Wirtschaftsaufschwung zur Folge. Prima. Win-win-win anscheinend. Das wirklich Entscheidende sehen wir aber doch jetzt während des Lockdowns. Eine Diskussion über einen wirklich wirksamen Weg findet nicht statt. Und der heißt tatsächlich: Neuverteilung der Produktionsfaktoren in allen Branchen. Es läuft wieder auf ein Hauen und Stechen hinaus und der Schwächste verliert. Und das ist auf jeden Fall der viel beschworene „Familienbetrieb“. —- Wir (Bauern) erwarten so langsam eine klare Ansage der Agrarökonomen zusammen mit den politisch Verantwortlichen. Weichgespühlte Aussagen kennen wir zur Genüge. Oder befürchten die politisch Verantwortlichen einen öffentlichen Shitstorm, wenn erkennbar wird, dass der bäuerliche Familienbetrieb entgegen allen Aussagen keine Zukunft hat.

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        • Alfons Balmann sagt

          Haben Sie die Gutachten (mehrere) des Wiss. Beirates zur Reform der EU GAP angeschaut? Sie sind alle per google leicht zu finden.

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          • Schmeckt gut sagt

            Die interessieren mich schon, aber eher am Rande. Wo bleibt die Richtung in der öffentlichen Diskussion, die über die zu erwartenden Strukturbrüche aufklärt. Wir werden die eigentlich doch so „tollen“, bäuerlichen Familienbetriebe verlieren. Aber nein, es ist ja alles so toll: Digitalisierung, Umschichtung einiger Milliarden in die 2. Säule (die aber maximal die Mehrkosten ausgleichen) und gesetzlich vorgeschriebene Minimierung von qualitätssichernden Produktionsmitteln retten ja die deutsche Landwirtschaft. Und ihnen, Herr Professor, bleibt als Argument – bei schärferem Gegenwind – nur der Hinweis, doch bitte schön die Gutachten zu lesen. Ich bin sprachlos.

            +1
            • Alfons Balmann sagt

              Erwarten Sie wirklich in kurzen Posts schlüssige Antworten auf Ihre komplexen Fragen? Das erinnert sehr an Diskussionen doch lieber bei Krankheit zu Facebook als zu einem Arzt zu gehen.

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                • Bauer Willi sagt

                  Finde ich nicht. Komplexe Dinge benötigen ausführliche Antworten. Die gibt Herr Balmann. Bitte seine Beiträge hier alle lesen.
                  Wenn die Antworten den Kommentator nicht zufriedenstellen, ist das auch verständlich. Darum diskutieren wir ja hier, um Meinungen auszutauschen. Also bitte fair bleiben und Gegenargumente liefern.

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              • Schmeckt gut sagt

                Na, Herr Professor, sie sind mir ja einer. „Komplex“ ist mein zweiter Vorname, denn es gibt keine Branche, in der ganz einfache Abläufe zu einem solchen Wust von „lebensnotwendigen“ und zu erfüllenden Analysen und Abwägungen führen. Das gilt selbstverständlich auch für die Agrarpolitik. Insofern kann ich ihre Kritik an meinem „Einwurf“ selbstverständlich nachvollziehen. Aber es gibt gute Nachrichten: es gibt tatsächlich eine einfache Antwort auf alle komplexen Fragen: Ehrlichkeit gegenüber den bäuerlichen Familien, denn diese müssen für den zukünftigen Weg geradestehen. Mit dem Hof, ihrem KnowHow und ihrer Arbeitskraft. Das können und dürfen wir erwarten.

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      • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

        Werter Herr Prof. Balmann,

        sie agieren hier mit einem „herausragend“ geeigneten Vergleich in Gegenüberstellung zur LW.

        Der Nervenkitzel beim Besuch eines Spielcasinos kennt in der Regel nur einen Gewinner: Jene, die zur Vergnügungssteuer heranziehen.

        Nun, dann ist es wohl gut, dass aktuell viele Familienhöfe darüber nachdenken, Ihren „Spielbetrieb“ gänzlich einzustellen, zumal „Russisch Roulette“ für einige tödlich endet; im Trommelmagazin des Revolvers ist da ein tödlicher Schuss – in der Landwirtschaft mutet das Verhältnis eher gegenläufig 5 :1 an; fünf Verlierer, ein „Gewinner“, so wie Sie vorstehend unsere Bauernrisiken, unsere Landwirtschaft beleuchten.

        Grundsätzlich eine Gegenüberstellung „Landwirtschaft / Spielcasino“ überhaupt anzustellen, entbehrt für mich jedweder Diskussionsgrundlagen. Wer LW so denkt und illustriert, scheint völlig fehl am Platze zu sein…!

        Ein absoluter Hohn und Frevel an jenen vielen Spielsüchtigen hierzulande. – Werter Herr Balmann, „ist Landwirtschaft für Sie dato auch eine absolut selbstzerstörerische Sucht!?“

        +2
  9. Arnold Krämer sagt

    Die Diskussionen zum „moralischen Mindestpreis“ beziehen sich immer (das zeigt die bisherige Diskussion hier ganz eindeutig) auch auf die Zukunft und Lebensfähigkeit des (wie auch immer definierten) bäuerlichen Familienbetriebs. Die deutsche Agrarwissenschaft hat sich klar positioniert. Für ihre namhaften Vertreter (Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats) gelten die „gesellschaftlichen Erwartungen an die Landwirtschaft“, die geänderten Rahmenbedingungen infolge von Digitalisierung und Klimawandel als gesetzt, und diese können im Wesentlichen nur in Großbetriebsstrukturen bewältigt werden. Das kann man z. B. ohne Weiteres auch ableiten aus dem Gutachten, das Prof. Balmann federführend zum Entwurf eines sachsen-anhaltinischen Agrarstrukturgesetzes formuliert hat.
    Er wird recht behalten, wenn zu den objektiven Erschwernissen der Rahmenbedingungen (z. B. demografischer Wandel), die Regelungswut des Staates, die Landwirtschaft betreffend, kein Ende nimmt.

    +4
    • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

      Guten Abend Herr Krämer,

      zum Thema KI -diesem Tanz ums goldene Kalb- habe ich unlängst die vortreffliche Analyse eines Experten gelesen:

      Wer künstliche Intelligenz mit Abfall füttert, erntet noch mehr Abfall.

      …Da steckt viel Wahrheit drin! 😉

      +3
      • Arnold Krämer sagt

        Sehe ich genauso. Ein weiterer Aspekt:
        Die Möglichkeiten der Digitalisierung machen den Staat maßlos, weil ja alles in Sachen Genauigkeit und Schnelligkeit und Dokumentation (= sprich Kontrolle) möglich erscheint. Die hohen Herren und zuznehmend Damen übersehen, dass
        a) in den Zentralen immer die beste Technik verfügbar und
        b) immer Fachidioten, Sperzialisten am Werk sind.
        Damit wird der „normale“ Landwirt, selbst wenn er PC-affin ist, überfordert, weil sein Kerngeschäft auf dem Acker im Stall zu erledigen ist.
        Bei ostdeutschen Großbetrieben mit über 100 Mitarbeitern kann oder muß man sich innerhalb der sowieso erforderlichen Verwaltungsabteilung schon wieder den EDV-Spezialisten leisten.
        Die Politik steuert, ob bewußt oder unbewußt, aktuell beschleunigt auf diese Verhältnisse zu. Da bin ich ganz Pessimist.
        Außerdem werden die Effizienzgewinne für die Produktion weit überschätzt, weil die Bewertung der vielen Informationen, die automatisiert durch die EDV produziert werden, nur von sehr guten Landwirten geleistet und genutzt werden kann. Ein gutes Beispiel liefert die ungeheure Datenfülle der Melkroboter. Wird diese wirklich umfassend genutzt? Ich habe da so meine Zweifel.

        +3
        • Ostbauer sagt

          Mal davon abgesehen, dass Betriebe mit über 100 Mitarbeitern in Ostdeutschland auch nicht reichlich gesät sind, kann ich ihren Ausführungen nur zustimmen.
          Für mich sind erfasste Daten nur dann interessant, wenn ich sie auch praktisch in Mehrwert umsetzen kann. Da ist Moment so viel Zeug`s unterwegs, dass braucht man die nächsten Jahre nicht wirklich. Im Auge behalte ich die aber trotzdem. Ist eine Abwägungsfrage. Vielmehr verstehe ich nicht, das diese ganze Flut von „Neuerungen“ in einer Zeit durchgedrückt werden sollen, in der überall die Zeichen auf Sturm stehen.
          Mal von der Pandemie abgesehen; sehe ich gerade hier in Ostdeutschland ein Problem, welches anscheinend keiner der Verantwortlichen auf dem Schirm hat.
          Wir sind hier in einer Phase, wo die Aufbaugeneration sich auf den Ruhestand vorbereitet. Sieht man ja auch hier im Blog. Wem will man es verdenken, wenn er dann sagt: „Schluss“! Das führt zu einem Strukturbruch und nicht zu einem begleiteten Strukturwandel. Über so viel Engstirnigkeit( auch der Ökonomen ) kann ich nur den Kopf schütteln.
          Viele Maßnahmen sind ja auch sinnvoll, aber brauchen eben seine Zeit die über eine Legistaturperiode hinaus gehen!- das ist auch einer der Knackpunkte.

          +3
    • Bauer Willi sagt

      So sehe ich das auch. Sowohl die Politik als auch die Wissenschaft wissen, dass der bäuerliche Familienbetrieb faktisch nicht mehr existiert und wählen deshalb den Begriff „familiengeführtes Unternehmen“. Dieser Betrieb darf dann auch 150 Mitarbeiter haben.

      Es wäre ehrlich, wenn alle Beteiligten offen kommunizieren würden, dass der „bäuerliche Familienbetrieb ein Auslauafmodell ist, bevor noch mehr Kapital sinnlos verbrannt wird. Ausstieg ist ja auch eine unternehmerische Entscheidung.

      Zu KI und Digitalisierung: Klöckner will damit punkten und erklärt, dass so die Menge an Pflanzenschutzmittel zu reduzieren ist. Ich weiß nur nicht, ob sie selbst daran glaubt.

      +2
      • Inga sagt

        Der familiengeführte Betrieb wäre ja dann eine Art KG,
        Die Familienmitglieder Kommanditisten und der Bauer mit Berufsausbildung dann der Komplementär mit Verantwortung.

        Bei einer AG gehört der Betrieb auch verschiedenen Familiebmitgliedern, und auch familienfremde.

        Warum kann der Name Familienbetrieb nicht mehr gelten?

        Es gibt ja auch noch GmbHs und GbRs

        0
  10. Jürgen sagt

    Um den Horizont der „reinen“ Agrarökonomen zu erweitern:
    Der Wert einer intakten, bäuerlichen Landwirtschaft für den ländlichen Raum, aber auch Gesamtwirtschaftlich, ist extrem schwierig zu ermitteln und wird deshalb gerne von Agrarökonomen gemieden. Österreich stand aufgrund ihrer schwierigen Gebietskulisse und strukturschwachen Landesteilen deshalb schon in den 90‘er Jahren Prof. Dr. Johann Millendorfer mit seiner Forschungsgruppe SPES beauftragt zu ermitteln, wie hoch dieser Wert ist. Damals schon wurde neben den materiellen auch die immateriellen Werte einbezogen. Zusammengefasst wurde es mit den LILA-Werten als Zielvorgabe für die Politik. Wichtiger Satz damals an die Landwirtschaft: „Die Bauern sind (mit ihren Werten) nicht die Letzten von gestern, sondern die Ersten von morgen!“

    0
  11. Ostbauer sagt

    Oha; starke Diskussion zum Thema und darüber hinaus, bereichert durch die Beiträge von Prof. Dr. Balmann. Ich kenne einige seiner Abhandlungen und auch Beiträge auf einigen Veranstaltungen.
    Aus der Sicht eines Agrarökonomen ist dem eigendlich auch nichts hinzu zufügen. Allerdings erlaube ich mir zu bemerken, er argumentiert eben auch aus einer Blase heraus, genau wie wir Landwirte. Seine ist sicherlich größer als unsere.
    Da aber ein Gemeinwesen eben nicht nur aus ökonomischen Betrachtungen besteht, kommt es nun mal zu diesen Zielkonflikten.
    Ökonomisch hat Landwirtschaft in Deutschland Zukunft;(wir sind ein Gunststandort) aber der klassische „Familienbetrieb“ ist out.(Es sei denn er findet eine Nische) Zitat Prof. Balmann“Die Welt geht nicht unter, wenn die Landwirtschaft im Westen künftig von großen Betrieben geprägt ist, wie die Landwirtschaft im Osten das jetzt schon ist“.
    An dem Satz ist „ökonomisch “ nichts auszusetzen, allerdings hören wir von Seiten der Politik und der „Gesellschaft“ andere Signale. Wäre es jetzt dann nicht an der Zeit, den Beteiligten reinen Wein eizuschenken? Oder die Politik muss mit Gesetzen gegen die reine Lehre der Agrarökonomie agieren um zumindest in dieser turbulenten Zeit einen Strukturbruch zu vermeiden.
    Allerdings ist Größe auch kein Garant für auskömmliche Preise. Warum haben wohl in Ostdeutschland Milchviehbetriebe in der Größenordnung 200-499 in den letzten 10 Jahren um 30% abgenommen?(alles Mangementfehler?) Auch die „Großen“ stehen mit dem Rücken zur Wand. Wo die Tierproduktion einmal aufgegeben wurde, kommt sie auch so schnell nicht zurück.
    Und auch andere Faktoren betrachtet die Agrarökonomie nicht.
    Wieviel ist ein soziales gesundes Umfeld auf dem Dorf wert?(Das hat nebenbei auch was mit Pachtpreisen zu tun)
    So ganz möchte ich die Agrarökonomen und die Wirtschaftsberater aber auch nicht aus der Verantwortung lassen. Bei der Gründung der Betriebe nach 1990 hier im Osten musste man zwingend!! ein Betriebskonzept von externen und vom Ministerium benannten Betriebsberatern nachweisen. Die gingen von Wachstumssprüngen aus da ist einem Angst und Bange geworden. Zugeteilte Milchquoten mussten innerhalb kürzester Zeit ermolken werden sonst verfielen sie. Die jungen Betriebe wurden regelrecht zu schnellem Wachstum gezwungen. Es hat jahrelang gebraucht um in etwas ruhiges Fahrwasser zu kommen. Alles nach der Devise: Friss Vogel oder stirb.
    Egal von welcher Seite man die heutige Situation in der Landwirtschaft betrachtet, es stehen grosse Umbrüche bevor. Sie so zu meistern, dass es zu keiner Katastrophe kommt ist in meinen Augen Aufgabe aller Beteiligten; in allererster Linie jedoch der Politik, denn sie hat die Werkzeuge und die Legitimation dazu.

    +4
    • Arnold Krämer sagt

      @ Ostbauer „…..aber der klassische „Familienbetrieb“ ist out“. Mit einer solchen Aussage wäre ich an Ihrer Stelle sehr vorsichtig.

      Der klassische Familienbetrieb im Nordwesten basiert auf 1,5 bis 2,5 Familien-AK. Wenn diese die „richtigen“ Betriebszweige haben (abhängig von Standort, Eigentumsflächen, Fachwissen etc.) selbst produktiv bei moderner Technisierung und Arbeitsteilung beschäftigt sind (keine versteckte Arbeitslosigkeit), haben sie erhebliche Einkommenspotentiale.
      Wenn diese dann auch noch durch effizientes Wirtschaften ausgeschöpft werden, werden Einkommen erzielt, von denen mache Beamte oder auch manche ostdeutsche Großbauern nur träumen. Davon werden nennenswert Einkommensteuern gezahlt und Investitionen in der Region gefördert (auch außerhalb des Sektors Landwirtschaft).
      Die amtliche Agrarstatistik gibt dieses überhaupt nicht wieder, weil sie die Organisationsstrukturen bäuerlicher Unternehmungen auch nicht abbilden kann.

      Das objektiven Probleme dieser Familienbetriebe sind
      1. die Hofnachfolge (manche Fußstapfen der Elterngeneration sind ziemlich groß)
      2. der oft (nicht immer) notwendige Übergang zu ständigen Fremd-AK (weil die Generationenfolge weiter geworden ist und die jungen Ehefrauen oft nicht in die Arbeitserledigung auf dem Hof einsteigen. Dafür sichern sie z. B. mit einem Lehrergehalt manchmal die Unternehmungen des Ehemanns ab).
      3. Die steigenden gesetztlichen Anforderungen vermehrt der letzten 10 Jahre, die Produktion, Dokumentation , Organisation der Betriebe betreffend.
      4. der mentale Druck durch Medien, Politik und sonst. Öffentlichkeit (nicht jeder hat ein dickes Fell)
      5. Unsicherheiten hinsichtlich Baurecht, wenn aktueller Investitionsbedarf besteht und hinsichtlich Steuerrecht

      +5
      • Ostbauer sagt

        Vielleicht kam es nicht so rüber; aber diese Auslegung spiegelt nicht meine Meinung wider.
        Aussage Prof.Dr. Balmann im Frühjahr 2020 beim WLV -Verbandstag Schwerte auf die Frage:“Hat die Landwirtschaft noch eine Zukunft? Lohnt sich die Hofübername?“
        „Ja, Landwirtschaft und landwirtschaftliche Ausbildung haben Zukunft.Von der Idee der Hofnachfolge sollte sich die nachrückende Generation aber möglicherweise besser verabschieden“.
        Diese Aussage sowie die von mir zitierte Aussage in meinem Kommentar vorher ließen mich zu der Erkenntnis kommen , dass der“ klassische“ Familienbetrieb anscheinend nicht mehr gebraucht wird. Wie gesagt; nicht meine Meinung.
        Aber wenn jemand die Bundesregierung berät, sollte man solche Aussagen schon ernst nehmen.

        0
        • Ostbauer sagt

          Ach so, zu den Problemen von 1-5. Meinen Sie nicht, dass die gleichen Probleme nicht auch auf die ostdeutsche Landwirtschaft zutreffen?

          +1
        • Alfons Balmann sagt

          Hallo Ostbauer,
          danke für die Hinweise. Obige Aussage, die Sie nennen, ist etwas verkürzt wiedergegeben. Ich habe in der Veranstaltung beim WLV darauf hingewiesen, dass potentielle Hofnachfolger*innen unterscheiden sollten zwischen der Wahl einer landwirtschaftlichen Ausbildung und der eigentlichen Hofnachfolge. Während erstere Entscheidung viele Perspektiven eröffnet, sofern man auch etwas mobil ist, insbesondere auch räumlich, ist eine Hofnachfolge mit einer Reihe von zusätzlichen Herausforderungen verbunden. Dazu gehört einerseits die Frage ob der übernommene Betrieb in seinem Umfeld eine langfristige Entwicklungsperspektive hat. Andererseits stellt sich auch die Frage, ob potentielle Hofnachfolger überhaupt den Anforderungen an eine Hofnachfolge gewachsen sind. Arnold Krämer spricht diesbezüglich von der Größe der Schuhe, die die vorherige Generation hinterlässt. Ich würde aber noch einen Schritt weiter gehen und behaupten, dass die Übernahme eines Betriebes in der heutigen Zeit enorme fachliche aber ebenso mentale Herausforderungen stellt. Diese mentalen Herausforderungen umfassen Aspekte, wie dass man ständig den Betrieb verbessern will, dass man sich durch Rückschläge nicht unterkriegen lässt, dass man mit Druck umgehen kann, dass man andere mitreißen kann und Teamplayer, etwa gegenüber Mitarbeitern, Partnern, Nachbarn ist,… Also vieles von dem, was man aktuell etwa mit einem Joshua Kimmich verbindet. Wer kein solcher Typ ist, kann es selbst bei gut aufgestelltem Betrieb und fachlicher Expertise schwer haben. Das betrifft gerade die Hofnachfolge in Familienbetrieben, wo Betriebsleiter*innen letztlich doch weitgehend auf sich alleine gestellt sind.
          Bei all diesen Aspekten geht es nicht nur um das Geld verdienen, sondern auch ob man mit seiner Tätigkeit glücklich ist und gesund bleibt.

          +2
          • bauerhans sagt

            ich beobachte hier seit jahren hofnachfolger und bin immer wieder überrascht,was „der alte aufem hof“ alles für den nachfolger auf den weg bringt.
            der junge kommt meiner meinung nach „richtig unter druck“,was ich dafür verantwortlich mache,dass nur wenige den hof übernehmen wollen.
            eine andere beobachtung der jungen:
            einen möglichst grossen schlepper bewegen!
            als fahrer verdient man wenig damit und aufem eigenen hof kostets richtig geld.

            0
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Kenne einen ehemaligen Betrieb, gut aufgestellt – nicht meiner -, die beiden Söhne haben sich für einen Arbeitsplatz in einem Metallbetrieb entschieden, das war schon klar, bevor der Betriebsinhaber mit 61 Jahren verstarb.

              Die beiden bevorzugten die 38 Stundenwoche und waren nicht bereit 12 und mehr täglich zu Arbeiten und das 6 Tage in der Woche mit einer Woche Urlaub. (Beide stehen nicht am Band.)

              +1
          • Ehemaliger Landwirt sagt

            “ sollten zwischen der Wahl einer landwirtschaftlichen Ausbildung und der eigentlichen Hofnachfolge. “
            Wie sieht der berufliche Wertegang, des erstgenannten aus?
            Soll der die Arbeiten in einem Betrieb machen, Arbeiten die früher dem Knecht vorbehalten waren, oder soll der sich weiterbilden für die staatliche Beratung?

            0
      • Thomas Apfel sagt

        Mit dem „klassischen Familienbetrieb, wie er oben beschrieben ist, sind wir nach der Wende gestartet: 20 Betriebe mit 10 – 30 ha Obstbau und gemeinsamer Absatzgenossenschaft. Schon im zweiten Jahr der Existenz wurde uns von einem Berater aus dem Rheinland geraten, die Betriebe so groß zu machen, dass ein bis zwei Festangestellte einen Teil der Arbeit machen können, um „den Kopf aus der Furche zu bekommen“, wie er es bezeichnete. 1996 waren es dann 12 Betriebe mit je rund 35 ha und 2 Festangestellten und 5 Betriebe zwischen 20 und 50 ha, teils noch mit Acker, die nur mit Familien-Arbeitskräften arbeiteten.
        2 von den Betrieben ohne Fremd AK werden ohne Nachfolger in den nächsten 3 Jahren aufhören. Drei von diesen Betrieben sind größer geworden und stehen gut da. Bei einem sind jetzt seit 2 Jahren auch 2 Festangestellte dazu gekommen.
        Von den 12 Betrieben mit Festangestellten haben inzwischen 8 aufgegeben (Altersgründe, wirtschaftliche Gründe) 1 Betrieb hat einen Nachfolger und macht weiter. Ein Betrieb sucht einen Nachfolger (was insbesondere bei guten Betrieben ausserhalb der Familie schwierig ist). Zwei Betriebe aus dieser Gruppe fahren geplant runter (darunter auch meiner). Neu dazu gekommen ist die Bio-vegane SOLAWI. Die wächst derzeit und ich bin gespannt, wann die die Grenzen dieses engen Marktes erreichen.
        Was ich damit sagen will: Reine Familienbetriebe haben ihre Stärken und können Krisen durch Selbstausbeutung besser überstehen. Die Frage ist dann immer, ob die Kinder das noch so wollen.
        Auch ich kenne übrigens hier im Osten Familienbetriebe im eigentlichen Sinne, die gut laufen. In der Regel haben die die Zeiten der verbilligten Flächenverkäufe durch die BVVG genutzt und haben inzwischen 60 – 70 % Eigenland (bei 200 – 300 ha).

        +3
        • Arnold Krämer sagt

          Das Bild ist so, wie Sie es (und ich weise auch immer darauf hin) für Ihre Betriebszweige und Ihre Region beschreiben, sehr uneinheitlich. Die persönlichen und betrieblichen Voraussetzungen sind unterschiedlich, die Motive der Menschen sind es genauso. Dafür eine stimmige Agrarpolitik zu betrieben ist nicht einfach, das will ich zugestehen. Meines Erachtens kann sie aber nur liberal mit einfachen, klaren, sinnvollen und kontrollierbaren, die Menschen nicht überforderenden Regelungen gestaltet werden. Der Zug geht leider schon lange in eine andere Richtung (Dünge-VO, TA-Luft; BImschG, Tierschutznutztierhaltungs-VO, Insektenschutzgesetz usw. usw.) und beschleunigt damit die Prozesse, die man vorgibt, verhindern und vermeiden zu wollen.
          Vielleicht glaubt man „da oben“ aber auch, dass man das Klima, die Natur, die Insekten, die Welt nur mit Großbetrieben in einer Zentralverwaltungswirtschaft retten zu können. Denn ohne „Weltrettung“ geht ja mittlerweile bei allen Parteien (außer AFD) nichts mehr.
          Die Verlogenheit ist der große gesellschaftliche Skandal. Viele merken es nicht oder zu spät und eine wählbare politische Alternative ist nicht in Sicht.

          +6
  12. unkomplizierter Wurzelwicht sagt

    „Eine, für viele Betriebe vielleicht schockierende Lösung sehe ich darin, dass Landwirt*innen mehr Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen übernehmen.“ – Wie muss ich als kleines Bäuerlein eine solche Kernaussage bewerten, Herr Prof. Balmann!?

    Sie sprechen vom LEH und den hier alleinig in Erwartung stehenden Problemlösungen. Diese können von dort nicht kommen. Solange wir auf einem Drittel unserer Äcker hierzulande den Aufwuchs für den LEH nicht brauchen, diesen aber dennoch alleine für diese Vertriebskanäle produzieren, wird sich unsere Bauernmisere nicht soeben in Wohlgefallen auflösen- ganz im Gegenteil.

    Wieso ist unsere Wissenschaft noch immer nicht imstande, endlich knallhart zu attestieren, dass wir Bauern schlichtweg zuviel vom Falschen produzieren? Die komplette Agrarwissenschaft hat hier auf ganzer Linie versagt! Wenn ich die erbärmlichen Rechtfertigungen nunmehr aus wissenschaftlichem Munde vernehmen muss, das kleine Bäuerlein in seiner armseligen Handlungsunfähigkeit in die alleinige Verantwortung zu stellen, die maßgeblichen Stellschrauben auf den Höfen nicht/falsch bedient zu haben, so fällt mir dazu fast nichts mehr ein!!!

    Ein staatlich alimentierter Wissenschaftler hält uns Bauern heute den Spiegel unseres mittlerweile für die Vielzahl der Höfe unverzichtbaren Staatstropfes vor Augen, dies ruft eine enorme Verwunderung hervor. Was unterscheidet hier den Wissenschaftler vom Bauern in einer solchen Abhängigkeit? Den einen die Freiheit für wissenschaftliches Arbeiten, den anderen das atemraubende Zwangskorsett!?…
    Die Bauern sind längst keine freien Unternehmer mehr, sondern ausschließliche Erfüllungsgehilfen der Landigentümer. Sind Sie zu einer solchen Analyse nicht befähigt!?

    Was unterscheidet uns Bauern heute, die Sie als „Unternehmer“ übertiteln von unseren bäuerlichen Vorfahren, die der Dreifelderwirtschaft Folge leisten mussten!? Können Sie dahingehend keine Parallelen erkennen!?

    Von einem Agrarökonomen erwartete ich, dass er ehrlich sich selbst eingesteht, dass Wisssenschaft mit ihren an den Hochschulen entwickelten Konzepten und bislang für gut geheißenen Verfahren uns Bauern in die Klimakatastrophe getrieben haben. Nach drei Dürrejahre hintereinander hört man aus Ihren Elfenbeintürmen heraus mit keinem Wort, wie wenig bis nichts auf vielen Feldern gewachsen ist. Ihre Zahlenjonglage signalisiert allerdings durchgehend eine komfortable Versorgung – sogar bei katastrophaler Trockenheit! Nach wie vor landet die Entlohnung der Leistung bäuerlich händischer Arbeit vornehmlich auf den Konten schon riesiger Familienvermögenswerte, geschaffen in kaum einer Generation. Kein Wissenschaftler stellt eine solche fatale Entwicklung bislang in Frage.

    Wie kann es sein, dass der größte Schlächter Deutschlands/Europas sich diese Branche komplett unter den Nagel gerissen, nunmehr krachend gegen die Wand gefahren hat u. dennoch dato imstande ist, unvorstellbare Millionen und Abermillionen von unserem Bauerngeld einem gescheiterten Fußballclub als Rettungsanker zu überlassen um ihn vor dem Niedergang zu bewahren. Dieser Club, den er allerdings als Alleinherrscher im Vorfeld ebenfalls schon in den Ruin führte, wird am kommenden Wochenende wohl sogar den Negativrekord in den 1960ern von Tasmania Berlin brechen. Sie sehen hier immer noch nicht, Herr Prof. Balmann, wo unsere Agrarsubventionen tatsächlich verfrühstückt werden.

    Ein weiteres Beispiel solcher fehlgeleiteter Gelder: Der Größte der Großen, der den fußballmächtigsten Bundesligaverein formte, hat sein eigenes Vermögen auch mit Fleisch/Wurst gemacht.

    Unsere Schweinebauern stehen heute mit dem Rücken zur Wand, sofern diese überhaupt noch betriebswirtschaftliches Stehvermögen aufbringen können. Wer hat diese Ställe genehmigt und finanziert!? Dieselben Betriebsentwicklungspläne, die während der landwirtschaftlichen Ausbildung an Schulen und Hochschulen entwickelt wurden, stehen heute unter Dauerbeschuss. Politik und Wissenschaft mitsamt ihrer Administration waschen ihre Hände in altbewährter Manier allerdings vollkommen in Unschuld.

    Die Korrekturmechanismen des Marktes greifen nun kontinuierlich: Dieses System, das sehr viele Gewinner hervorbrachte -hat schon jemals eine Generation vorher derart gesund und spottbillig gelebt!?- einige wenige Verlierer, schlägt mit seinem Pendel jetzt von einem Extrem voraussichtlich ins nächste aus. Da ist jetzt Wissenschaft gefordert, neues Wissen zu schaffen u. keine Schuldzuweisungen in Richtung Bauernstand gebetsmühlenartig abzufeuern, die uns keinesfalls weiterhelfen…!

    Durchlüften Sie endlich Ihre Wissenschaftler-Elfenbeintürme, Sie brauchen dringend Frischluft!

    Es gibt Sie heute schon, den einen oder anderen aus der Praxis, die gewillt sind, für Frischluft zu sorgen, diese werden aber filigran abgewürgt – zumindest versucht man das…

    Werden Sie als Wissenschaftler Ihrem Lehrauftrag gerecht und vermitteln unserem Nachwuchs das Wissen, welches Sie auf unseren Höfen einfordern. Was Wichtigste heute ist doch das korrekte Ausfüllen unserer BETTELANTRÄGE am Schreibtisch. Letzteres entscheidet über Wohl und Wehe des jeweiligen Betriebes und nicht das bäuerliche Können!
    Finde den Fehler!

    +21
    • Mark sagt

      Eines dürfte bei diesem Thread klar geworden sein: von der wissenschaftlichen Agrarökonie haben die Bauern nichts zu erwarten. Die sind damit beschäftigt, vermeintliche Realitäten in von ihnen phantasievoll konstruierte Modelle zu pressen, eine elitäre Terminologie zu erfinden um hohe Wissenschaftlichkeit vorzugaukeln und unbrauchbaren Output in diversen Gremien der Politik nahe zu bringen, gleichzeitig aber jegliche Verantwortung für ihr Treiben und die daraus entstehenden Folgen rigoros ablehnen. Dies zeigt sich doch am deutlichsten daran, dass diese Zunft in aller Überheblichkeit so tut, als sei sie nicht Teil der Entwicklung, die zum Ist-Zustand geführt hat, sondern dass ausschließlich die Aktuere der Realität zu blöd sind, sich modellgemäß zu verhalten…

      +13
    • Alfons Balmann sagt

      Schuld sind immer die anderen. Berater, Lehrer, Professoren, die Politik, die Verpächter, die Verarbeiter, der LEH, die EU,… Wer zwingt die Landwirte zu Investitionen, Hofübernahmen, Produktion, Pachten, … ? Wie hat Uli Hoeneß über den sie auch noch herziehen seine Wurstproduktion gestartet? Er ist zu Aldi gegangen und hat einen Vorschlag gemacht, wie sie ihr Sortiment mit einem tollen Produkt erweitern können. Aldi hat zugestimmt es auszuprobieren und Uli Hoeneß sich eine Wurstfabrik gesucht, die die entsprechenden Würstchen herstellt. Das heißt er hat eben nicht selber erstmal investiert und saß auf seinen Würstchen. Er hat sich erst darum gekümmert, ob er überhaupt Abnehmer hat. Das ist der erste große Unterschied. Der zweite Unterschied ist der des Mehrwertes. Eben nicht das zu produzieren, was alle anderen auch schon machen und vielleicht sogar besser können. Damit kann man kein Geld verdienen. Sagen Sie bitte nicht, dass dies nicht in Forschung und Lehre behandelt wird.

      Der Großteil der Punkte, die Sie an Wissenschaft und Lehre kritisieren, entspricht absoluter Unkenntnis. Schauen Sie sich Lehrinhalte an Hochschulen an, schauen sie sich Arbeitsbedingungen an Universitäten und Forschungseinrichtungen an. Dann dürften Sie sehr schnell merken, dass dort extrem hart gearbeitet wird. Professoren arbeiten im Durchschnitt über 50 Stunden in der Woche. Viele Sitzungen finden aufgrund des Druckes aber auch der Motivation der Beteiligten erst um Uhrzeiten statt, wenn andere Berufsgruppen längst Feierabend haben. Der Konkurrenzdruck ist enorm. Das Leibniz-Institut in Dummerstorf (Biologie der Nutztiere) mit Hunderten Mitarbeitern soll möglicherweise demnächst geschlossen werden, weil seine Leistungen nur gut bis sehr gut sind. Von den 35 Mitarbeitern (ohne Hiwis) meiner Abteilung sind 7 inkl. mir und der Sekretärin unbefristet beschäftigt. Alle anderen – viele mit Familie – müssen zusehen, wo und wie sie in ein, zwei oder drei Jahren ein Einkommen haben. Zugleich wird enorm viel ehrenamtliche Arbeit geleistet. Meinen Sie, dass all die Arbeit, die etwa im Wissenschaftlichen Beirat des BMEL oder in Kommissionen bezahlt wird? Genau genommen wird es bei Leistungsbewertungen von Professuren oder Forschungseinrichtungen noch nicht einmal angemessen gewürdigt. Hier finden Sie eine Analyse zum Thema Leistungsbewertung und den damit verbundenen Problemen in der deutschen und österreichischen Agrarökonomie:
      https://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/213

      Bevor Sie also Forschung und Lehre kritisieren, lesen Sie bitte erst einmal, was dort gemacht wird. Lesen Sie Institutsberichte. Lesen Sie die Tausende von Seiten, die alleine der Wissenschaftliche Beirat des BMEL zu Tierhaltung, Klimaschutz, EU-Agrarpolitik, Nachhaltigkeit in den letzten Jahren veröffentlicht hat. Dann können wir uns auch gerne über Verbesserungsmöglichkeiten unterhalten.

      +3
      • Mark sagt

        „Bevor Sie also Forschung und Lehre kritisieren, lesen Sie bitte erst einmal, was dort gemacht wird. Lesen Sie Institutsberichte. Lesen Sie die Tausende von Seiten, die alleine der Wissenschaftliche Beirat des BMEL zu Tierhaltung, Klimaschutz, EU-Agrarpolitik, Nachhaltigkeit in den letzten Jahren veröffentlicht hat. Dann können wir uns auch gerne über Verbesserungsmöglichkeiten unterhalten“
        Genau, das macht ich! Und Sie machen in dieser Zeit meine Arbeit! Vielleicht bin ich danach gebildeter und Sie danach geerdeter. Schaden würd´s nicht.

        +8
      • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

        Wie war das noch mit dem Steuerhinterzieher? Wo hat dieser seinen eigenen Aussagen nach das meiste Geld gemacht? Vergessen Sie nicht, das ganz nebenbei zu erwähnen: Bäuerliche SÜDZUCKER-Aktien, gekauft um die 12,00 €, verkauft um die 18,00 € nach seinen eigenen Aussagen. Gedrückt hat er sich mehr oder weniger erfolgreich um seine ihm obliegende Steuerzahlerlast..! – So als kleiner Einstieg.

        Werter Herr Prof. Balmann, Sie beschreiben den Druck von einer Wissenschaftlersparte, die heute niemand braucht. Im zeitlichen Verlauf der vergangen Dekaden wurde geforscht nach dem Mehr, Mehr und abermals Mehr, das war das einzige, was ich in einer meiner verschiedenen Ausbildungsrichtungen gelernt habe. Ich habe eine vollumfänglich praktische und theoretische Ausbildung; und dies nicht nur „Nullachtfünfzehn“. Heute noch setze ich mich mit den Materien intensiv auseinander, was in dieser Wertschöpfungskette enorm schief läuft. Sie scheinen mit den bäuerlichen Strukturen weniger vertraut zu sein, wie hoch der Anteil an Realteilungsgebieten in Deutschland ist und dort die Vermögensverteilung aufgefächert ist.

        Beeindruckend im negativen Sinne finde ich, dass eine KTG Agrar sich in kürzestem zeitlichen Verlauf etwa 40.000 Hektar unter den Nagel reißen konnte. Wie viele Flächen hat sich das Familienimperium von ALDI in jüngster Vergangenheit angeeignet, von WEM!? Wie viele Hektare besitzt mittlerweile Fielmann, ein reicher Autohändler bezeichnet sich als Eigentümer von mehreren tausend Hektaren als „Bauer“! Was ist mit Karl dem Großen aus Bremen? – etc.pp.. Diese Aufzählung mit etwas „kleineren Haien“ in diesem „Boden“-Becken wäre um viele Landgrabber zu erweitern. Es ist nicht meine Aufgabe, Sie hier aufzuklären; sofern Sie zu den Nichtwissenden zählen (hust!).

        Einen selbstständigen Unternehmer zu verspotten, DAS(!) spottet jedwedem Anstand. Augenscheinlich verspüren Sie natürlich nicht den massiven Würgegriff eben solcher Unfreien in Reihen der Landwirtschaft.

        Ihre Kritik, die Sie im Speziellen an meine Person richten, dieser möchte ich nicht widersprechen; im Gegenteil, ich freue mich und begrüße Sie sogar, dass Sie die Erkenntnis haben, dass eben das dortige Ihrige Wissen, das Sie produzieren, nicht mehr gebraucht wird – ebenso nicht, wie das, was in unseren Ställen an Überhängen produziert wird. ALDI & CO. brauchen das nicht – richtig! PUNKT! Genau eben solche elitär abgehobene Elfenbeintürme habe ich meinerseits thematisiert, welche immer noch in einer Denke von vorgestern verhaftet bleiben. Wollen Sie nicht erkennen, welche Perspektiven auch uns Bauern ein heißhungriger Markt bietet. Wenn nein, sitzen wir gemeinsam -Wissenschaft + Bauern- in einem Boot, das zu sinken droht.

        Von Professoren wie Ihnen erwarte ich demgegenüber aber weit eher, dass Sie dieses Boot wieder in eine erfolgreiche Zukunft steuern und nicht in einem nebulösen Panorama von vorgestern verharren. Wenn Sie in der Forschung „Tierhaltung“ tätig sind, müssen Sie Perspektiven liefern, wie wir Wiederkäuerhalter dem Klimawandel sinnvoll begegnen können. Haben wir tatsächlich keine Alternativen!?

        Als Bauer bin ich mit der Urproduktion bestens vertraut, absolut unabhängig, schon gar nicht von einer Bank! Unsere Vermögensverhältnisse sind so gestrickt, dass ich keiner Bank Bilanzen vorlegen muss – als Agrarökonom sollten Sie das korrekt einzuordnen wissen, hochverehrter Herr Prof. Balmann.

        Seit geraumer Zeit befasse ich mich u.a. mit den verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Drohnen, mehrere davon setzen wir in unserem Betrieb bereits ein – Highend-Drohnen. Ich habe mich nunmehr mit den Förderungsrichtlinien unserer imaginären „Bauernmilliarde“ befasst, da ich mir eine Wärmebilddrohne ergänzend anschaffen werde; mit Erschrecken musste ich feststellen, dass ein solches Invest, sofern nicht zu mindestens 60% fremdfinanziert, nicht förderfähig ist. Ich falle demnach durchs Raster. – Jetzt kommen Sie! Wer gestaltet solche Bedingungen? Eben dieser Schwachsinn zieht sich mittlerweile wie ein „roter Faden“ durch unser gesamtes bäuerliches Alltagsleben.

        Aber nichts für ungut, ich freue mich über Sie, dass Sie sich überhaupt von Ihrem hohen Ross herablassen, um einem kleinen Bäuerlein Paroli zu bieten. Was eine halbe HIWI-Stelle mit sich bringt, ist mir geläufig, da hat sich wohl wenig verändert. Auch Ihr Umfeld hat so seine Nöte, vor einiger Zeit stand ich persönlich vor der Entscheidung, ob ich Ihren Berufsweg verfolge oder den Weg in der bäuerlichen Urproduktion einschlage; ich habe mich eben für letzteres entschieden und mit Verlaub, nach wie vor war, bin und bleibe ich Optimist, dass unser Betrieb nach mir nicht enden soll…

        +7
  13. Bauer Willi sagt

    Lieber Alfons,

    Ich habe vor ein paar Tagen mit Kollegen Spiller ein längeres Gespräch geführt. Er hat in gewohnt brillianter Weise „zerlegt“, warum die Forderungen der Bauern aus dem Gespräch mit dem LEH (bei dem ich dabei war) so nicht funktionieren und eigentlich unrealistisch sind. Hab ihm zu der tollen Analyse gratuliert. So wie Du das hier auch machst.

    Ihr Agrarökonomen seid großartig in der Analyse. Glückwunsch. Ihr versagt allerdings vollkommen bei dem Vorstellung von Lösungen, bzw. Lösungsansätzen. Was Jürgen schreibt, ist ja einer und ich hatte in der Einleitung gebeten, nicht damit anzufangen, was nicht geht. Schau mal, was Du machst…

    Desweiteren beginnst Du Deinen Kommentar mit den Worten, dass es „vermutlich Zeitvergeudung“ ist. Hast Du nicht auch einen Lehrauftrag? Kannst Du Dir vorstellen, wie so ein Kommentar ankommt, wenn er so eingeleitet wird? Ich bin etwas geschockt….

    Im November waren 40.000 Bauern in Berlin auf der Strasse. In den letzten Wochen waren Hunderte mit Traktoren unterwegs. Was sagst Du denen? Dass sie sich irren?

    Ich hoffe, Du hast Antworten auf meine Fragen…

    +1
    • Alfons Balmann sagt

      Lieber Willi,

      ich habe über meinen ersten Satz auch nachgedacht, bevor ich ihn hingeschrieben habe. Aber eigentlich hatte ich mir vorgenommen mich nicht an diesen Diskussionen zu beteiligen. Es wird viel zu sehr aneinander vorbeigeschrieben. Wissen und Lesen ist nicht verstehen! In unstrukturierten Diskussionen ist man dann mehr mit dem Ausräumen von Missverständnissen als eigentlichen Informationen beschäftigt.

      Zum Vorwurf, das Ökonomen und Wissenschaftler keine Lösungen haben:

      Eine, für viele Betriebe vielleicht schockierende Lösung sehe ich darin, dass Landwirt*innen mehr Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen übernehmen. Wenn ich eine Hofnachfolge- oder Investitionsentscheidung treffe und rechne mir diese kurzfristig schön, dann habe ich langfristig und insbesondere in schlechten Zeiten ein Problem. Und dieses Problem haben auch andere; denn meine unrentable Produktion landet am Markt und drückt auch die Preise für meine Nachbarn bzw. Konkurrenten. Vor diesem Hintergrund ist es beispielsweise absurd, wenn die Politik erste-Hektar- (Museums-)Prämien oder Hofnachfolgeprämien zahlt; denn diese fließen vor allem auch noch in die Gegenden, in denen sich die Betriebe ohnehin auf den Füßen stehen und wo die daraus resultierenden Probleme am größten sind. Noch stärker wird dieser Effekt, wenn dann das Erbrecht dazu führt, dass eine Hofnachfolge selbst im Nebenerwerb derart hohe Vermögensvorteile ermöglicht, so dass Rentabilität und Entwicklungsperspektiven nachrangig sind. Wichtig ist dabei: der Preis für derartige Subventionen wird gleich dreimal bezahlt: 1. jemand muss sie aufbringen. 2. der Empfänger zahlt langfristig die Zeche für daraus resultierende Fehlentscheidungen. 3. Konkurrenten leiden unter dem aus 2. resultierenden Dumping.

      Genauso ethisch bedenklich wie diese Museumsprämien wäre es, wenn der LEH großzügig der Landwirtschaft aus der Patsche helfen würde, wenn diese weiterhin ihre eigentlichen strukturellen Probleme, einschließlich schöngerechneter Investitionsentscheidungen nicht löst. Anders gelagert wäre es – und das wäre eine zweite Lösung – wenn der LEH sich dann großzügig erweist, wenn ein echter, nicht systematisch verursachter Notfall auftritt (z.B. Corona, ASP) oder man zielgerichtet ein Problem lösen möchte, wie mit der ITW. Das aber setzt voraus, dass erst einmal die eigentlichen Hausaufgaben gemacht wurden.

      Eine dritte Form von Lösung hat Achim Spiller auch gegeben: er hat erläutert, was nicht funktioniert. Auch das sind Hilfestellungen. Wer damit nichts anfangen kann, sollte auch daraus Schlüsse ziehen.

      Hier ein Link zur Erläuterung des Problems der Museumsprämien:
      http://www.iamo.de/fileadmin/documents/IAMOPolicyBrief14_de.pdf

      Zum Abschluss wünsche ich ein frohes neues Jahr?

      +6
      • Thomas Apfel sagt

        So eine Summe von überheblichem Gelaber habe ich selten zu Ohren bekommen, Herr Bahlmann. Die Hausaufgaben hat die Agrarökonomie als Wissenschaft nicht gemacht, wie die Volkswirtschaftslehre auch. Interessanter Vorschlag, dass die „Landwirte endlich selbst Verantwortung für ihre Investitionsentscheidungen übernehmen sollen“, – vor Allem in Anbetracht der sich stündlich ändernden Bedingungen der politischen Rahmensetzung. Sie beschränken sich auf das Beschreiben dessen, was offensichtlich ist, von Lösungsvorschlägen sehe auch ich tatsächlich NICHTS. Welche Hausaufgaben soll zum Beispiel der Milchbauer machen, für den klar ist, dass seine und die gesamte deutsche Erzeugung durch Importe ersetzbar ist. Ihr Rat ist quasi der der Schweizer Kollegen, die sagen: im Grunde brauchen wir die Landwirtschaft nicht. Wo führt denn Ihrer Meinung nach die Entwicklung in Dt. hin ? So lange sich die Nettowertschöpfung je Hektar als gleichbleibend oder fallend darstellt, kann sich der Einzelne eine Nische suchen und vielleicht auch finden, am gesamten Niedergang ändert das nichts ! Wenn die Landwirte tatsächlich so dämlich sind für weniger Geld als zum Beispiel der öffentliche Dienst zu arbeiten, sollten Sie als Agrarökonomen den Ausweg skizzieren können statt objektive Gestze durch Geschwätz von Eigenverantwortung zu übertünchen !!!

        +12
        • bauerhans sagt

          „von Lösungsvorschlägen“

          einer hier hatte 1966 einen geerbten hof zu wohnungen umgebaut,1968 einen weiteren geerbten hof verkauft und weitere wohnungen erstellt,insgesamt 35.
          ein anderen hatte nach dem krieg angefangen sukzessiv wohnungen zu bauen,die enkelin verwaltet heute 80 wohnungen.
          ein anderer hat seine hofstelle als bauland verkauft und nen ganz neuen hof erstellt,allerdings hat er nur noch 8ha eigentum.
          einer hatte hier sein gesamtes ackerland an die stadt als tauschfläche verkauft und im osten ein schloss mit 1000ha,später 1500ha erworben.
          ein anderer hatte seinen hof zu einem verkaufsparadies für „wohnen im garten“ umgebaut,war dann aber an seinem grössenwahn insolvent geworden.
          ein 40 jähriger manager aus einer grossstadt hatte den kleinen hof seiner mutter zu einem biobetrieb aufgebaut,aber finanziell nicht durchgehalten.
          es gab also immer schon lösungen.

          +1
        • Brötchen sagt

          Mir fällt was ein zu den Lösungen:

          Gutes Bsp. ist Tesla Model 3.

          Eigentlich ist E- Mobilität gesamtgesellschaftlich gesehen schwierig einzuordnen.

          Wenn man sich die techn. Lösung für sich gesehen ansieht, schon beeindruckend und wenn man sich die Auswirkungen für Wartung und Service Betriebe ansieht auch.

          Im Prinzip hebelt dieses Auto die gesamte Automobilbranche konzeptionell aus den Angeln:
          Meinung zum Wartungsaufwand:
          https://youtu.be/GQP2XgmM1W0

          zum Verbrauch:
          https://youtu.be/T7Y_vQxmrgM

          0
            • Brötchen sagt

              Gucke Dir mal das zur Wartung an, da stecken einige „bomben“ drin.

              Zum ID3 gibt es auch schon Berichte, sieht jetzt auch nicht so schlecht aus!

              0
          • Inga sagt

            Wie wäre es, wenn Tesla noch einen eigenen Stromkreis aus Regenerativen Storm für seine Autos bietet.

            Da bräuchte man nicht nur Biogasanlagen sondern vieliecht auch Felder mit Fotovoltaikanlagen.

            Und die E-da-Flächen und die schiefen Hänge, wo keine Maschine hin kann oder schwer zugänglich sind, da solche Anlagen in.
            Wenn wir dne Bienchen nicht zu viel Blümchen nehmen.
            Denn dafür dinf ja die E-da-Flächen vorgesehen!

            Ist ja nur ein Geschäftmodell für die Landwirtschaft und die Autos würden echt klimaneutral fahren!

            0
        • Arnold Krämer sagt

          Sehr geehrter Herr Thomas Apfel. Ihre Kommentare und Beiträge hier schätze ich sehr. Ihr letzter Kommentar zu den Ausführungen von Herrn Balmann finde ich allerdings unangemessen. Herr Balmann hat absolut recht, was die Investitionsentscheidunden vieler Landwirte und ihr Verhalten auf dem Pachtmarkt angeht, zumindest gilt das für den nordwestdeutschen Raum, den ich sehr gut übersehen kann. Die Landwirte konkurrieren sich über die örtlichen Pachtmaerkte und die überfüllten Produktmärkte insbesondere bei der Milch zu Tode. Absolut recht gebe ich Ihnen, was die Gestaltung der Rahmenbedingungen durch die Politik angeht, das ist längst eine Katastrophe. Den Eindruck, dass die Agrarwissenschaften wenig bis nichts zur Lösung der Probleme beiträgt, teile ich. Die Damen und Herren sind zu weit weg von der Praxis und wegen der Finanzierung ihrer Lehrstühle auch nicht mehr wirklich unabhängig. Das ist aber nur eine Vermutung.

          +5
          • Brötchen sagt

            Arnold Krämer sehe ich ebenso mit Thomas Apfel, da war er vielleicht etwas schlecht drauf.

            „Die Damen und Herren sind zu weit weg von der Praxis ..“

            sehe ich als Hauptproblem..

            +3
            • Mark sagt

              Nein Brötchen, T.A. hat ausgesprochen, was endlich einmal ausgesprochen gehört. Dafür meinen Dank und Anerkennung.

              +5
          • Thomas Apfel sagt

            Guten Morgen Herr Krämer,
            am Beispiel Mastschwein will ich mal kurz versuchen rüberzubringen was ich meine: 2010 – 2016 sind die Betriebszahlen oberhalb von 1.000 Mastplätzen stabil. In der Gruppe 1000 – 2.000 hat der durchschnittliche Betrieb rund 1.350 Mastplätze. Ich muss es mir einfach machen und nach KTBL rechnen. Daher gehe ich davon aus, dass der von Jürgen modellierte 2 Familienarbeitskräfte Mastbetrieb rund 1000 Plätze nebst 100 ha Acker bewältigen kann. Um ein Einkommen von 40.000 € je Familienarbeitskraft (inclusive aller Vorsorgekosten RV, KV, PfV.) zu erwirtschaften braucht er einen Erzeugerpreis von 1,50 – 1,56 €/kg Schlachtgewicht. Nehme ich die 30.000 € Agrarförderung runter, bräuchte er schon 10 – 12 Ct/ kg mehr.
            Das heisst, der „moralische Preis“ läge ohne Subventionen über Betriebsprämie Stand 2016 bei 1,60 bis 1,68 €/kg. Bei einer durchschnittlichen Teuerung (Inflation) von 2 % müsste er 2020 schon bei 1,76 €/kg liegen um ein stabil gutes Einkommen zu erreichen. Diesen Gesetzmäßigkeiten kann man doch nur mit Wachstum oder Produktivitätssteigerung begegnen, wenn die Erzeugerpreise die Inflation nicht abbilden.. Und bei der Produktivitätssteigerung ist m.E. in fast allen landwirtschaftlichen Sparten das Ende der Möglichkeiten erreicht. Lediglich wer wann, zu welchem Zeitpunkt genau, aus diesem System rausfällt kann vom Betriebsleiter und seinen Entscheidungen beeinflusst werden. Nur ein Anpassen der Preise an die Inflation könnte diese Entwicklung im Ganzen aufhalten, nicht der einzelne Betrieb. Genau zur Lösung dieses Problems erwarte ich Antworten von den Agrarökonomen und nicht Häme gegenüber den einzelnen (Fehl-) Entscheidungen der Betriebsleiter.

            +6
            • Alfons Balmann sagt

              Herr Apfel,
              Ihre Denkweise greift zu kurz. Sie ignoriert Markteffekte. Als Ökonom bzw. als Unternehmer muss ich zugleich darüber nachdenken, wie meine Lieferanten, Abnehmer, Verbraucher und insbesondere Konkurrenten agieren. Das heißt längerfristig – und so müssen Sie rechnen – werden Sie nur dann ein Einkommen erwirtschaften, wenn sie rentabler produzieren als der Großteil der Produktion, d.h. Sie zu den vielleicht 20% erfolgreichsten Produzenten gehören. Ansonsten werden andere den von Ihnen erwarteten bzw. benötigten Preis auf ein Niveau drücken, der sich für Sie nicht rechnet. Und wenn es sich unter diesen Bedingungen nicht rechnet, dann hilft es nicht weiter, sich etwa schön zu rechnen oder darauf zu hoffen, dass andere „moralische“ Preise zahlen. Wenn alle so denken würden, würde weniger investiert und die Situation wäre eine andere. Dann würde es vielleicht sogar reichen, zu den besten 50% zu gehören.
              Herr Krämer hat auf die Geflügelproduktion verwiesen. Dort funktioniert es großenteils, allerdings geregelt über Vertragsproduktion.

              +3
              • Schmeckt gut sagt

                Herr Bahlmann, sie vergessen, die Eingriffe der EU zu erwähnen. Bauern haben doch kaum noch eine Möglichkeit, richtig und zeitig zu reagieren (siehe z.B. die massiven Auswirkungen der Pauschalierungsbegrenzungen, Übersubventionierung ganzer Regionen durch GMO-Mittel ). Über die EU werden bewußt „brutale“ Änderungen in regionalen Entwicklungen erzwungen. Das Deckmäntelchen des „Green Deal“ rechtfertigt im Moment alles. Keiner erwähnt den, durch die massiven Strukturänderungen, bedingten Ressourcenverbrauch. Der ist okay und dient ja dem heeren Ziel „Energieeffizienz, Umweltschonung, zukunftsfähiger Wirtschaft“. Hat auch einen Wirtschaftsaufschwung zur Folge. Prima. Win-win-win anscheinend. Das wirklich Entscheidende sehen wir aber doch jetzt während des Lockdowns. Eine Diskussion über einen wirklich wirksamen Weg findet nicht statt. Und der heißt tatsächlich: Neuverteilung der Produktionsfaktoren in allen Branchen. Es läuft wieder auf ein Hauen und Stechen hinaus und der Schwächste verliert. Und das ist auf jeden Fall der viel beschworene „Familienbetrieb“.

                +2
            • Arnold Krämer sagt

              Das Thema ist überkomplex wie Herr Balmann zu recht schreibt.
              1. Zwei Familien-AK können deutlich mehr als 1000 Mastschweine versorgen, eher das Doppelte bis Dreifache.
              2. Was wird auf 100 ha angebaut, nur Getreide, Mais, oder auch Kartoffeln odere andere Intensivkulturen?
              3. Welche Funktionen sind ausgelagert, im Ackerbau, in der Viehhaltung?
              4. Wie hoch ist der Pachtanteil?
              5. Wie hoch ist der Pachtpreis?
              6. Wie hoch ist der Fremdkapitalanteil (wieviel „unproduktive“ Schulden?)
              7……….

              Ein Grundproblem des Agrarsektors ist, dass unrentabel wirtschaftende Betriebe viel zu lange (im Vergleich mit der übrigen Wirtschaft) in der Produktion verbleiben und die Produktmärkte aber auch die Pachtmärkte vor Ort belasten. Und die meisten Gebäudekapazitäten werden nach Betriebsaufgabe immer noch in 2. oder 3. Hand über Jahrzehnte mit entsprechenden Kostenvorteilen weiterbetrieben. Das beachten z. B. Neueinsteiger, die vom Arbeitseinkommen neu errichteter Ställe leben wollen, zu wenig.

              Und jetzt kommt hinzu, dass sich das Ernährungsverhalten der Menschen zumindest in D deutlich ändert. Die Bevölkerung wird älter, fragt weniger nach. Die Schweinefleischesser werden weniger (die Produktionskapazitäten (in der Mast) bleiben.

              So ich klinke mich jetzt wieder aus, muss mich um meine Kunden kümmern.

              0
              • Brötchen sagt

                Herr Krämer!

                Jup

                „Und die meisten Gebäudekapazitäten werden nach Betriebsaufgabe immer noch in 2. oder 3. Hand über Jahrzehnte mit entsprechenden Kostenvorteilen weiterbetrieben. Das beachten z. B. Neueinsteiger, die vom Arbeitseinkommen neu errichteter Ställe leben wollen, zu wenig.“

                deshalb halten sich auch viele Familienbetriebe nur noch, weil die den Vorteil haben und deshalb sind fast alle Neueinsteiger im Osten gescheitert.

                0
          • Alfons Balmann sagt

            Guten Morgen Herr Krämer,

            vielen Dank für den emsländischen Beistand! 🙂 In zwei Punkten möchte ich widersprechen:

            1. die Agrarwissenschaftler*innen sind vergleichsweise unabhängig. Das zweigt sich alleine schon darin, wieviel Zeit viele Kolleg*innen für ehrenamtliche Gremienarbeiten wie etwa in wiss. Beiräten, Zukunfts- und Borchert-Kommission, DLG,… aufbringen. Da fließt enorm viel Freizeit rein! Allerdings – und das betrifft insbesondere jüngere Wissenschaftler*innen und solche ohne Festanstellung – locken benötigte Drittmittel natürlich oft die Forschung in Richtungen, die spezifische Vorgaben erfüllen, wie Modethemen und -methoden.

            2. die Realitätsferne würde ich ebenfalls bestreiten. Ich erkläre mir diesen Vorwurf mit zwei Problembereichen:
            a) die Praxis ist zu sehr mit sich selber und dem Hier und Jetzt beschäftigt und – was in der jetzigen Situation verständlich ist – nimmt sich angesichts des riesigen Umfangs an Problemen nicht die Zeit mal zurück zu treten und zu fragen, warum man eigentlich da ist wo man steht und wo man in Zukunft stehen möchte.
            b) viele Probleme der Landwirtschaft sind überkomplex. Das Problem der niedrigen Preise ist extrem vielschichtig. Für die aktuelle Preissituation für Milch und Fleisch gibt es viele Ursachen und die lassen sich nicht auflösen. Einige liegen z.B. darin, dass in der Vergangenheit schlichtweg viele Fehlinvestitionen getätigt worden sind. Ökonomen können dieses und ähnliche Probleme benennen, aber glücklich werden sie mit ihren Botschaften niemanden machen. Zumindest nicht mit ernsthaften und fundierten Empfehlungen. Wahrscheinlich sind in so einer Situation eher Psychologen gefragt. Andererseits gibt es auch gut aufgestellte Betriebe, die momentan auch nicht wissen, wie sie durch das Tal der Tränen kommen. Nur: wie kann man diesen Betrieben helfen, ohne zu riskieren, dass andere noch weiter in Sackgassen rennen?

            0
        • firedragon sagt

          Na hier ist ja heute morgen was los … mein lieber Schwan !
          Wenn ich das so lese, Ihr/Sie habt/haben alle irgendwo recht.
          Aus der Sicht des Weinbaus erklärt:
          1. wenn Reben gesetzt werden, muss ein Winzer überlegen, welche Sorte er setzt, da er sie auch noch in 20Jahren vermarkten muss. Das heißt, er kann sich nicht auf den aktuellen Trend verlassen, er muss quasi Hellseher sein.
          2. es gibt ein Flächenkontingent (noch), das ist ein gewisser Schutz und lässt zunächst keine Überproduktion zu, zumindest in Deutschland.
          3. das gibt es bspw in Übersee nicht, es werden Mengen an Wein auf den Welthandel geschmissen (wer soll die Brühe trinken?)
          4. es gibt Stimmen, das Kontingent in D. abzuschaffen und man hofft mit dt. Menge auf ausl. Verdrängung (dieser Gedanke kann nur nach hinten los gehen)
          5. Wenn das Kontingent wegfallen sollte, bricht der dt. Fassweinmarkt zusammen, weil viel zu viele Winzer, Anlagen setzen würden, um kurzfristig irgendeinen Reibach machen zu können (beachte Pkt.1!) und an die Menge vom Ausland kommen wir sowieso nicht dran 😉.
          Das ist im Übrigen jetzt schon zu beobachten, da man seit einiger Zeit prozentual Fläche bestocken darf, also kein mögliches Szenario, sondern Tatsache.
          Herr Balmann hat schon recht, jeder hat in seinem Rahmen verantwortlich zu handeln und in seinen Entscheidungen nicht nur kurzfristig zu denken, sondern global.
          Herr Apfel hat ebenfalls recht, Politik gibt einen Rahmen vor und erlässt teilweise Gesetze, die wirtschaftlich nur noch Ellenbogenmentalität zulässt.
          Zuletzt: Moral oder was man dafür hält, fängt bei jedem Einzelnen an und man sollte sie nicht bei seinem Gegenüber suchen oder gar einfordern.

          0
          • Brötchen sagt

            @DRachen

            „er muss quasi Hellseher sein.“

            Denke eher Du musst davon überzeugt sein und Vertrauen in Deine Fähigkeiten haben.
            Eingeordnet in eine realistische Analyse Deiner Situation.

            0
            • firedragon sagt

              Brötchen, das auch … aber Vorlieben ändern sich, Trends ändern sich, Anschauungen ändern sich … das meine ich.

              0
          • Paulus sagt

            @Firedragon, ich betrachte euch Winzer und Weinmacher immer noch als nahezu Außenstehende oder Privilegierte was die LW betrifft.
            Ihr genießt den Vorteil, dass sich eine schreibende Zunft für euch interessiert, sogar zwangsläufig, sonst wären sie wahrscheinlich arbeitslos. Die blumigen und teils abgedrehten und völlig überkandidelten Beschreibungen und Bewertungen kommen euch zugute. Dort werden auch immer wieder neue Schätze gehoben, insbesondere was die jungen Leute betrifft.
            Meine Gattin könnte so etwas ähnliches wahrscheinlich auch für die von ihr bevorzugte Milch beschreiben. Allerdings nur für die von Kühen mit Weidegang und Heufütterung. Es interessiert aber niemand.

            +1
            • firedragon sagt

              Paulus, ich gebe Dir vollkommen recht.
              Deine Wortwahl amüsiert mich jedes Mal.
              Aber eins bitte nicht vergessen, ich mache nicht ausschließlich in Wein … ich bin keineswegs außenstehend und nicht privilegierter, als „Nur“-Landwirte.
              Wobei es der Sichtweise durchaus gut tut, wenn man sich in die Lage versetzt und von Außen auf die Dinge draufschaut 😉, also raus, aus der eigenen Blase.
              Was ich über den Weinbereich geschrieben habe, hat der Milchbereich schon durch.
              Man kann statt Wein auch Milch in meinen Kommentar einsetzen und statt der Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart nehmen, das ist vom Prinzip her das gleiche „Spiel“.

              +1
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Glaubst Du ernsthaft, dass man deiner Gattin glaubt, wenn sie behautet, dass bei der Milch Brombeer und Kirscharomen in Nuancen zu schmecken sind?

              0
          • bauerhans sagt

            „Moral oder was man dafür hält“

            sagte mir mal ein nachbar:
            du machst doch in aktien,das ist aber höchst unmoralich,weil der letzte,der nicht mehr verkaufen konnte,auf seinem verlust sitzen bleibt!!

            0
            • firedragon sagt

              bauerhans, das fällt ja nicht unter irgendeine Art Moral … ich würde das Risiko nennen …

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Nein bauerhans,
              Moral hat nichts mit Aktien zu tun,
              Sozial muss der Aktionär eigestellt sein. Kaufen muss er, wenn alle verkaufen wollen, verkaufen, wenn alle kaufen wollen.

              Aber dies brauche ich dir nicht sagen.

              0
              • Alfons Balmann sagt

                Doch! Wenn man Aktien verkauft wenn alle kaufen wollen, ist das äußerst sozial!

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                • Ehemaliger Landwirt sagt

                  In meinem Beitrag steht nichts anderes.

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      • Brötchen sagt

        Sehr geehrter Herr Balmann!

        Vielen Dank für Ihre Erläuterungen! Für mich sehr hilfreich, denn manchmal dachte ich, ich bin im falschen Film.
        Ich habe auch ein Spezialgebiet und mache auch manchmal Unterricht bei Landwirten, für mich immer bereichernd, da man sieht welche Probleme bestehen.

        Die Unis sind meines Erachtens viel zu weit weg von der Prod.praxis, so groß war der Abstand noch nie!

        Ich hatte dieses Jahr wieder eine Masterstudentin betreut. Kann mir deshalb vielleicht ein Urteil erlauben.

        Viele Grüße!

        B.

        +1
      • Bauer Willi sagt

        Lieber Alfons

        Doch, die Wissenschaft muss sich in diese Diskussionen wie hier auf dem Blog begeben. Was ich Dir auch hoch anrechne, denn Du bist einer der Wenigen, die das tun. Und dafür bekommst Du auch noch Schläge! Also Danke, dass Du Dich einbringst.

        Wenn ich Deine Kommentare lese (mit der Unterstützung von Arnold Krämer!) komme ich, stark verkürzt, zu der Erkenntnis, dass viele Betriebe schnellstmöglich aus der Landwirtschaft aussteigen sollten, weil sie ihr Handwerkszeug nicht beherrschen. Diese Botschaft kommt jedenfalls bei mir an. Das ist die Sache mit Sender und Empfänger und wahrscheinlich so nicht beabsichtigt.

        Dass mit der Über-Komplexität, die von Dir und auch von Arnold betont wird, ist nun leider mal die Realität des Alltags eines jeden Landwirten. Auch von einem Freund, der bei der EIB arbeitet, habe ich Unterstützung für eure Sichtweise erfahren. Nun besteht die Welt ja nicht nur aus Ökonomie. Und bitte verzeiht mir: was ihr sagt, wirkt dann schon etwas überheblich., zumal ihr euch alle sehr gerne mit den Erfolgreichen beschäftigt. Also denjenigen, die eure Hilfe eigentlich nicht brauchen. Auch das ist menschlich und sehr verständlich. Wer gibt sich schon gerne mit Loosern ab!

        Ich würde mir wünschen, dass wir ernsthaft über die Zukunft der deutschen Landwirtschaft reden. Die kann nämlich auch bedeuten, dass wir die nicht benötigen. Die Beratung zum Ausstieg ist auch eine Aufgabe. Macht aber kaum keiner.

        +2
        • Brötchen sagt

          Willi!

          Ich unterstütze was Du schreibst!

          Solche Fachleute sind gefragt, zur Meinungsbildung, auch wenn die Diskussionen oberflächlich betrachtet, nicht sehr zielführend erscheinen!
          Wäre es gut, wenn Herr Balmann ab und an seinen Senf dazugeben könnte!

          0
        • Thomas Apfel sagt

          Entschuldigung vor allem für meinen ersten Satz, Herr Balmann, der war tatsächlich unangemessen. Was meine Wut auslöst ist immer die Kombination von medialer Presenz von Bullerbü – Befürwortern (habe kurz vorher eine solche Sendung des SWR gesehen) und die Politik die diesen Müll bei den Auflagen gegen die Nicht-Bullerbüer versucht umzusetzen und dann den Hinweis bekomme „alles im Wesentlichen bertiebliche Fehlentscheidungen“. Das in den Betrieben konkret aufzudecken ist Aufgabe der Beratung, deshalb würde ich Herrn Krämer eine solche Aussage nicht übelnehmen, weil da im konkreten Betrieb (temporär) immer Spielraum ist. Die Agrarökonomie hingegen soll neben Grundlagen für die Beratung ja auch die Politik beraten welche Rahmenbedingungen die richtigen sind. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass das Ende der Weiterentwicklung Bäuerlicher Familienbetriebe absehbar ist. Nur, wo geht die Reise hin und wie gehen wir bis dahin miteinander um ? Darauf hätte ich gern Antworten der Agrarökonomie. Prof. Taube hat das ja versucht, aber halt in Anbiederung an den medialen Mainstream. Das nützt Niemandem was.

          0
          • firedragon sagt

            🙂 kam gestern Abend wieder im SWR so eine Sendung, zur besten Sendezeit – ich bin eingeschlafen.

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          • Brötchen sagt

            Thomas ich kenne einige Familienbetriebe bei uns in BB und Mv die sind super aufgestellt! Da sehe ich kein Ende, ich sehe da auch keinen Unterschied zu einer LPG oder einer anderen großen Firma.

            Gestalten tun doch die Landwirte, die Agrarökonomen haben „nur“ die Aufgabe das Geschehen wirtschaftl. zu analysieren!

            Meines Erachtens erwarten einige hier zuviel von der AÖ!

            Das ist auch nicht deren Aufgabe!

            Kann sie sein, muss aber nicht!

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        • Alfons Balmann sagt

          Lieber Willi,

          ich habe schon vor Jahren bei einer DLG-Wintertagung mit den Ausschüssen „Entwicklung ländlicher Räume“ und „Betriebswirtschaft“ eine Veranstaltung initiiert zur Thematik „erfolgreich scheitern“. Darin ging es um die Bewältigung des Ausstiegs. Und natürlich beschäftigen sich Leute mit Misserfolg. Es gibt tolle Arbeit dazu, wie etwa von Anne Dirksen und ihrem Team bei der LWK in Oldenburg, um nur ein Beispiel zu nennen.

          Man sollte in dem Zusammenhang begreifen, dass eine Betriebsaufgabe eine unternehmerische Entscheidung ist, auch wenn sie sich anders anfühlt. Daher kann ich aber auch das Lamentieren nicht nachvollziehen, dass man die Landwirtschaft nicht mehr bräuchte. Das ist Unsinn. Vielleicht braucht die Welt den eigenen Betrieb nicht. Aber dann ist doch eher die Frage, wo man selber denn gebraucht wird und wie man dort hin kommt. Um die Rettung der Landwirtschaft müssen sich dann eben andere kümmern. Und natürlich sind das nicht nur ökonomische Fragen.

          Man kann ökonomische Sichtweisen als zu eng betrachten. Von einer normativen und auch praktischen Perspektive stimmt das. Genauso spielen soziale, psychologische und kulturelle Aspekte eine Rolle. Allerdings ändert das nichts daran, dass es ökonomische Gesetzmäßigkeiten gibt. Sie existieren nicht nur theoretisch, sondern sind tausendfach empirisch geprüft. Wer diese Gesetzmäßigkeiten ignoriert, wird bestraft. Manchmal früher, manchmal später. Zeitweilig kann die Politik versuchen gegenzusteuern. Aber langfristig führt das in eine Falle: „in the long run, we are all dead“! Wenn ein Land sehr reich ist, kann es sich wie die Schweiz natürlich eine Parallelwelt schaffen. Aber das ist dann ein Museum.

          Natürlich ist das hier verkürzt. Aber vielleicht sollten sich hier einige die Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates durchlesen statt immer nur kurze Tweets oder Antworten. Die Gutachten sind nicht umsonst bei Themen wir Tierhaltung, Klimaschutz und Nachhaltigkeit Hunderte von Seiten dick. Und selbst da musste noch vieles kurz gehalten werden. Wem das Lesen der Wälzer zu anstrengend ist, hier Videos der laufenden Ringvorlesung zu nachhaltiger Ernährung:
          https://nachhaltigere-ernaehrung-gutachten.de/2020/11/09/videos-ringvorlesung/

          +1
          • Bauer Willi sagt

            Lieber Alfons
            die Idee mit der Verlagerung der deutschen Landwirtschaft ins Ausland stammt wirklich nicht von mir, sondern von Prof. Roeb. Der hat bei mir in der Küche gesessen und mir gesagt, dass man die deutsche Landwirtschaft nicht braucht.

            https://www.agrarheute.com/management/finanzen/schizophrene-bauern-bauer-willi-vs-prof-roeb-444931

            Textauszug: „In der Tat, sehen Sie die Textilindustrie oder den Bergbau: die haben sich nicht nur gewandelt. Sie sind in weitem Umfang komplett aus Deutschland verschwunden. Kleidung bekommen wir heute aus Bangladesh und Kohle aus Australien. Wir können unser Getreide doch auch in USA, Kanada, Russland oder der Ukraine kaufen.“

            Den Kaffee hat er trotzdem bekommen.

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            • Alfons Balmann sagt

              Lieber Willi,
              natürlich können wir Getreide und alles andere woanders kaufen. Aber hat er damit gesagt, dass wir keine Landwirtschaft in Deutschland haben sollten? Der Knackpunkt ist doch, wie man sich als Landwirt mit diesem Sachverhalt auseinander setzt. Wenn einige daraus den Schluss ziehen, dass sie hier nicht mit diesen Angeboten konkurrieren können, dann dürften hier in Deutschland die Flächenknappheit und die Pachtpreise sinken. Das würde anderen, die eine Perspektive sehen, neue Möglichkeiten eröffnen. Trigema produziert ja auch noch heute. Dessen Philosophie funktioniert aber nur deswegen, weil sie innerhalb Deutschlands wenige Konkurrenten haben, die ebenfalls hier produzieren. Ansonsten könnten sie nicht auf ihre Besonderheit verweisen, sondern wären beliebig und austauschbar.

              0
              • Ehemaliger Landwirt sagt

                Sie befürworten das, was die Landwirtschaft seit Jahren durchmacht, Wachse oder Weiche.
                Gleichzeitig wird das Hohelied vom bäuerlichen Familienbetreib gesungen, von der Politik, den Medien, dass jeder Bauer gerne sieht, dass der Betrieb weitergeht, versteht sich von selbst.

                Man solle mal endlich den Kindern sagen, dass die Politik und natürlich die Gesellschaft Anforderungen stellt, die sie nicht mehr erfüllen kann und es deshalb keinen Sinn macht, den „bäuerlichen“ Familienbetrieb zu übernehmen.

                Der Gesellschaft sollte man auch klarmachen, dass Landwirtschaft nicht nur aus großen Maisfeldern besteht, sondern auch aus wunderschönen Landschaften, gerade in Mittelgebirgslagen, wovon viele profitieren, wie die Gastronomie. Die meinen immer noch, dass die Gäste wegen den Schnitzeln und Pommes kommen und die Grundstücksbesitzer pflegen die Landschaft für den Fremdenverkehr und die Bewohner.

                Zurück zur Natur schreien viele, jetzt wo die Natur wieder um sich greift, ist es auch nicht recht, aber die Natur wird verstärkt kommen, obwohl die Gemeinden mit Paragrafen drohen.

                +1
              • Bauer Willi sagt

                Lieber Alfons
                Ich habe das nur erwähnt, weil es eben andere Professoren gibt, die eine andere Philosophie verbreiten. Roeb ist für mich auch kein besonders seriöser Wissenschaftler. Er will meist nur auffallen. Vorher hat er übrigens als Bereichsleiter bei Aldi gearbeitet. Wissenschaft ist also sehr „vielseitig“ 🙂 und auch da muss man erst einmal sortieren, wer was sagt und warum.

                Er hat mir aber tatsächlich wörtlich gesagt (steht nicht im Text): „Meiner Meinung nach brauchen wir in Deutschland keine Landwirtschaft.“ (Implizit: viel zu teuer) Ökonomen sehen halt oft nur die Zahlen. Jetzt meine ich ausdrücklich dich nicht!

                Zu Trigema: Unser Sohn produziert sehr erfolgreich etwas auf unserem Hof, das er in ganz Europa bis nach Moskau verkauft. Die Gewinnmarge ist atemberaubend. Nein, es sind keine Textilien, sondern ein Produkt für Hobby-Tierhalter. Mehr verrate ich nicht.
                Soll heißen: wer seine Nische findet (dazu muss er aber auch vorher suchen) hat auch als kleiner Betrieb eine Chance.

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          • Schmeckt gut sagt

            Es wäre einfach hilfsreich, von der Politik eine deutliche Ansage zu bekommen: Lohnt sich Landbewirtschaftung in D in Zukunft noch und/oder lohnt sich eine Investition in die Aufrechterhaltung der Lieferung von Lebensmitteln. Ich denke, nur wenige „stakeholder“ sind sich der Tragweite einer solchen, weitreichenden Aussage bewußt. Eine ganz klare Ansage wäre so wichtig. Wir „bäuerlichen Unternehmer“ können nicht nur Landwirtschaft, wir sind auch eine „Bereicherung“ für die gesamte Volkswirtschaft, denn es gibt(gab?) keinen Beruf, der so viel Improvisationstalent, Engagement und KnowHow erfordert. Einen Arbeitsplatz außerhalb unserer „Blase“ zu bekommen, sollte keine Probleme bereiten.

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        • Arnold Krämer sagt

          Die, die Hilfe brauchen, melden sich nicht (aus welchen Gründen auch immer). Die anderen lassen sich gern bestätigen, sind aber durch ihre Offenheit auch immer in der Lage, sich stetig zu verbessern. Diese haben dann auch den Vorteil, wirtschaftlich beweglicher zu sein, mal den einen oder anderen ha oder auch Stall zu kaufen, im Pachtpreispoker mithalten zu können, weil es aus steuerlichen oder sonstigen Gründen sein muss (obwohl es separat auckerbaulich betrachtet unrentabel ist). Ökonomie und unternehmerisches Handeln ist eben spannend und vielschichtig.

          +1
  14. Jürgen sagt

    Also ehrlich gesagt war ich ganz schön schockiert über die oberflächliche Antwort von Herrn Alfons Balmann.
    Seine Ausführungen kreisen nur um den Begriff und die Funktion des Preises im Wirtschaftssystem. Für die eingeschränkte Sichtweise eines Ökonom, der nur selektiv wahrnimmt, mag das noch nachvollziehbar sein – ist aber nicht mehr zeitgemäß. Denn der Preis stellt nicht nur eine Zahl dar, sondern mit der Höhe der Zahl verbindet man einen Wert. Für einen Mathematiker oder Ökonom mag dieser Wert einer Zahl immer gleich sein. Die Menschen empfinden den Wert aber subjektiv unterschiedlich. Beispiel: Wenn eine Tonne Getreide genau so viel kostet, wie eine Tonne
    Müll zu entsorgen, dann ist zwar die Zahl die gleiche, aber gefühlt neigen wir dazu den Wert von Nahrung höher einzustufen wie den von Müll, denn für uns zum Leben wertvoller. Bewusst habe ich den Begriff „Moral“ vorweg gestellt. Denn spätestens seit der Diskussion der Klimaerwärmung bricht eine Zeitenwende an, in der das menschliche Handeln nicht nur nach ökonomischen Maßstäben bewertet werden kann. Eine direkte Zuordnung, Bezug und Verantwortung für schädliches Verhalten ist einem einzelnen Menschen bei dieser globalen Klimaveränderung nicht mehr möglich. Letztlich hilft hier nur noch eine veränderte moralische Grundeinstellung / Bewußtsein. Denn es wird schlichtweg nicht möglich sein weltweit alle Länder bis in letzte Detail gesetzlich klimafreundlich zu regulieren. Also wenn wir uns nur immer so weit bewegen wie uns vorgeschrieben wird, dann brauchen wir auch die Begriffe Ethik und Moral nicht mehr. Aber weil es im Leben nicht nur schwarz und weis gibt, und immer wieder Situationen auftreten die nicht bis ins letzte Detail durch Gesetze Klarheit schaffen, muss das Fundament unter den Gesetzen moralisch begründet sein. Schwierig für Menschen die es gewohnt sind ihr Handeln ausschließlich nach Gesetze, Zahlen, Verordnungen auszurichten. Wenn wir als gemeinsamen Konsens anerkennen, dass zur Menschenwürde auch eine gerechte Entlohnung zählt, dann wären wir schon einen Schritt weiter. Dieser Meinung war übrigens auch der Gesetzgeber bei dem Beschluss des Mindestlohns.

    +1
    • Schorsch Summerer sagt

      Die klare Antwort auf deinen Kommentar hast du selbst gegeben. Zur Menschenwürde gehört auch eine gerechte Entlohneung. Deshalb wurde der Mindestlohn per Gesetz vorgegeben!
      Alles was uns betrifft ist letztlich nur mit einer politischen Entscheidung zu regeln und das eben per Gesetz. Auch die derzeitige Lage der Landwirtschaft ist per Gesetz festgezurrt.
      Nehmen wir doch einmal den anderen völlig extremen aber theoretisch möglichen Weg. Wir Bauern beschliessen unsere Betriebe komplett zu fusionieren.
      4 Grosslandwirtschaften in Deutschland. Das Kartellamt hätte vermutlich derzeit keine Möglichkeit dieses zu verbieten! Entscheidend ist dann was die Politik dazu sagt und diese wird vermutlich versuchen ein solches Vorhaben per Gesetz zu torpedieren. Also muss es auch möglich sein den anderen Weg zu gehen und nur den Verkauf der Produkte gemeinsam zu organisieren. Doch dafür braucht es nun mal die Legitimation durch die Politik denn die Beschränkung des Verkaufs war halt eine politisch Entscheidung.

      +1
      • Bauer Willi sagt

        Das ist ein guter Gedanke! Den sollten wir weiterverfolgen. Schorsch, wollen wir zwei fusionieren? Und den @Jürgen nehmen wir noch mit dabei und den @Ehemaligen Landwirt und die @Ferkelhebamme….

        Auf die Politik sollten wir nicht warten. Das hat der LEH auch nicht gemacht.

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        • Schorsch Summerer sagt

          Vielleicht akzeptiert dein Gundnachbar bayrische Gülle besser als die die du bisher bekommst :<).
          Nein im Ernst, wir beide wissen dass das Fusionsmodel nicht durchführbar ist. Schon beim ersten Bauantrag für einen dann notwendigen 4000er Milchkuhstall wäre der Teufel los und darauf könnten wir wetten, die Abnehmer würden bei diesem Vorhaben die öffentliche Ablehnung ordentlich anheizen. So ein Vorgang müsste auch gemeinschaftlich auf einen Schlag passieren um unsere lieben Kollegen Rosinenpicker auszubremsen. Da würde der eine oder andere dabei sein der lukrative Sonderverträge mit den Abnehmern unterschreibt. Also unrealistisch.
          Deshalb irrt auch der Herr Balmann. Viele sind gar nicht in der Lage das wirtschaftlich sinnvolle zu tun ausser aufzuhören. Hier spielen viele äussere Einflüsse mit wie die ortsgebundene Hoflage, die leider oft falsche öffentliche Meinung was die richtige bewirtschaftung eines Bauernhofes ist (83millionen Fussbalbundestrainer), eine stark schwankende Politik was gerade erlaubt ist und was nicht. Und überhaupt, wer sagt denn dass es nicht sinnvoll ist einen Betrieb so lange weiterzuführen bis man nicht mehr mag, auch wenn man in den Stall nichts mehr investiert? Die haben oft mehr Geld als so mancher der versucht mit Investitionen zukunftsfähig zu bleiben. Das ist doch der springende Punkt, die Abschreibungszeiträume sind mittlerweile viel zu lang, und zwar für jeden. Es ist auch nicht so dass die Ware nicht gebraucht wird. Jede Tonne die hier nicht erzeugt wird wird im Urwald per Brandrodung erzeugt, das ist die Realität. Den 800000 Hungernden ist auch nicht geholfen wenn durch Importe aus deren Ländern die Nahrungsmittelpreise steigen. Ja, ja ich weiss schon die sind auch selbst Schuld weil sie dauernd Kriege führen. Oder führen die Kriege weil sie hungern?
          Das was Herr Balmann sagt erinnert mich wieder an die Amis, wer schlecht verdient ist selbst Schuld, wer krank wird ist selbst schuld. Weit hat es die USA damit gebracht, sehr weit. Tut mir leid aber so eine Einstellung ist krank. Ein funktionierender Staat sorgt zumindest für Chancengleichheit sonst kapituliert er irgendwann vor dem Mob und den Superreichen. Für Chancengleichheit sorgt der Staat mit Regeln auch beim Handel. Solche Regeln nennt man Gesetze.
          Wir können ja auch auf Regelungen verzichten, da hat Herr Balmann recht. Doch dann werden wir uns in baldiger Zukunft darüber unterhalten wie man eine komplette Übernahme der Erzeugungsketten durch den Handel rückgängig machen kann weil die Preise den Gewinnerwartungen der Handelsketten massiv nach oben angepasst wurden. Das ist auch etwas was man von den USA lernen könnte, normale Lebensmittel sind fast unerschwinglich für viele Menschen. Investoren wollen schliesslich auch irgendwann ihr Investment ausbezahlt haben.

          +2
        • Paulus sagt

          Sorry, werter Bauer Willi, dieses theoretische Konstrukt wäre genau so wenig zielführend wie die Erfindung des moralischen Mindestpreises.
          Die Fusionitis mit all ihren Begleiterscheinungen hat mich während meines gesamten Berufslebens in der freien Wirtschaft begleitet, da bin ich nun wirklich nicht ganz unbedarft. Man sollte dabei die Seite der Verlierer nicht vergessen.
          1. Bedarf es einer straffen Führung, sonst ist es eh aussichtslos. Das wird schon mal kein freier Bauer mit sich machen lassen.
          2. Springen als erstes genau die über die Klinge, die es nach manch bäuerlicher Auffassung zu erhalten gilt. Das sind die weniger effizient wirtschaftenden, weil sie das Gesamtergebnis nach unten ziehen.
          3. Aus welchem Grund sollten sich erfolgreiche Vertragsanbauer, Vertragsmäster oder Direktvermarkter einem solchen Konglomerat anschließen?
          Ich denke, Franz Klinker hat die mögliche Zukunft der LW anhand der zwei Klassen schon ganz gut skizziert.
          Von wegen „Made in Germany“ rate ich zur Vorsicht. Das geht selbst bei technischen Produkten schon in die Hose. Irische Butter wird nicht grundlos bevorzugt und Fleisch vom deutschen Jungbullen ist nun wirklich alles andere als ein Merkmal für Qualität.

          +2
        • Ostbauer sagt

          Entschuldigung, aber ich musste eben herzhaft lachen.
          Kopfkino.
          Bauer Willi gründet eine LPG!
          Aber; nix ist unmöglich!

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          • Schorsch Summerer sagt

            Ich fand den Gedanken auch lustig. Doch darum ging es mir nicht. Sondern das ist das was das Kartellgesetz derzeit erlauben würde! Aber ein gemeinsames Verhandeln, das ist nicht erlaubt. Das ist doch verrückt. Als ob darin ein Unterschied wäre.
            Ist es es denn nicht so dass die Bevölkerung und auch Teile der Regierung kleinere Einheiten wollen und nicht die durchrationalisierten Vollbetriebe die die Ökonomen für richtig halten?
            Ist es nicht so dass durch die kleineren Betriebe die Biodiversität gefördert wird und nicht dadurch dass die kleinen oder schlechten Betriebe von den guten gefressen werden? Erwartet man denn einen Vorteil für die Natur wenn immer mehr Flächen zusammengelegt werden oder letztlich Invetorenlandwirtschaft betrieben wird?
            Ist es denn nicht so dass durch unsere sorglos jederzeit Vollversorgung mit Lebensmitteln die Preise ins bodenlose fallen? Will man denn wieder eine Mangelversorgung?
            Ist es denn nicht so dass durch die offenen Grenzen billige Lebensmittel aus aller Welt nach Europa gesaugt werden? Billig, teils zweifelhaft hergestellt, umweltzerstörend hergestellt, mit Methoden die bei uns verboten sind? Interessiert das die Agrarökonomie nicht?
            Wenn ich mit meinen Behauptungen recht hätte, wer ausser der Politik kann dann die Grundbedingungen ändern?
            Wer ausser der Politik hat denn für eine gesicherte Eigenversorgung mit sicheren, umweltverträglich hergestellten Lebensmitteln zu sorgen?
            Wer wenn nicht die Politik hat für ordentliche Rahmenbedingungen zu sorgen die das alles berücksichtigen?
            Haben solche Fragen die Agrarökonomie nicht zu interessieren?

            +1
  15. Ob sich ein moralischer Mindestpreis in unserem Rechtsstaat durchsetzen lässt , das erscheint mir fraglich. Gewiss gibt es sofort Einwände Seitens der EU oder des Kartellamtes.
    Nehmt mir das bitte nicht böse, wenn ich mit dem Zweifel zuerst anfange. Ich habe allerdings auch Lösungen anzubieten.
    Die Zukunft der Landwirtschaft sehe als Zwei-Klassen-Landwirtschaft. Die einen, die auf Gedeih und Verderb für den Welthandel produzieren und mit den Anforderungen und den Erlösen zu Recht kommen. Und die anderen, die eine Nische gefunden, eine Marke entwickelt haben, und sich unabhängig vom Weltmarkt machen.
    Ein Werkzeug, mit dem wir unseren Betriebserfolg schnell verbessern könnten, das haben wir selbst in der Hand: Den Pachtpreis. Wären wir uns hier einig und würden wir einen „Grenzpachtpreis“ einführen, an den sich so gut wie alle halten, hätten wir von einem Jahr auf das andere mehr Geld in der Tasche. Könnte hier das Kartellamt meckern? Ich glaube nicht.
    Zu was wir auch fähig wären: Eigene Marken aufbauen. Mit dem Aufdruck: „Dieses Stück Fleisch ist Made in Germany“ lässt sich eine Premiummarke schaffen.. Hinter dieser Premiummarke stehen Tierwohl, Gewässerschutz, Soziale Standards, Nachhaltigkeit, CO2 Bindung ……
    Generell muss uns Landwirten(innen) noch bewusster werden, dass wir für unser unternehmerisches Tun selbst verantwortlich sind. Wir müssen Risiken besser einschätzen, Rücklagen bilden, vorsichtig investieren und ggf. auch mal NEIN sagen. Wie z.B. zur Bauernmilliarde. Wir reiten uns hier noch mehr in die Verschuldung, unterstützen freundlicherweise die Landtechnikindustrie und läuten einen Umbruch ein in hochtechnisierte Gerätschaften, die sich der „kleine“ Bauer nicht leisten kann. Siehe Schleppschlauch-Güllefässer.

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    • Bauer Willi sagt

      Die Marke „Made in Germany“ ist durchaus realisierbar. Ich habe das schon mal im Zusammenhang mit Lidl in Irland thematisiert.

      Das hat übrigens nichts mit Deutschtümelei oder Nationalismus zu tun…

      +2
  16. Friedrich sagt

    Leute ihr diskutiert hier wie die Weltmeister. Natürlich wollen wir Marktwirtschaft , aber mit fähren Rahmenbedingungen. Die haben wir z. ZT. nicht , sondern wir Erzeuger stehen einem staatlich geschützten Monopol des LEH gegenüber. Deutschland oder EU zuerst , so muß es heißen und dazu gehören Rahmenbedingungen wie z. B. der Außenschutz, Zahlungsziele , aber auch Marktgleichgewicht und vieles mehr . Das haben wir hier nicht mehr. Das ist seit Anfang der 2000 er Jahre alles geschliffen worden. Immer wieder gab es eine Ministererlaubnis für weitere LEH – Zukäufe und damit hat die Politik dieses Monopol geschaffen. Ich gehöre zu einer Erzeugergemeinschaft mit rd. 2 Mill. gehandelten Schweinen und über 200 Mill. Umsatz, aber wir waren immer zu klein. Selbst wenn wir ganz Deutschland mit 40 Mill. Schweinen als alleiniger Vermarkter zusammen hätten , dann wären wir noch zu klein , weil unsere Politik zwecks Marktdruck Schweine importieren würde. – Heute habe ich in den Nahrichten gehört , daß ALDI, trotz
    Zusage nun doch die Butter wie vorgesehen verbilligt hat. Das kann sich nur ein Monpolist erlauben , weil es ihm die Politik das mit den vorhandenen Gesetzen erlaubt. Zur Zt. ist das legal. Damit die Politik zum Jagen getragen wird , müßen wir eben die LEH-Zentrallager blockieren , damit endlich die Schlafmützen zur Tat schreiten. Nur leere Regale bringen die Berliner in die Gänge und sonst nichts. Wir wollen ja nur eins und das ist Waffengleichheit am Markt . Drücken wir den Resetknopf auf 1975 und streichen alle Gesetze und Verordnungen seit dem und die Welt mit mehr LEH- Märkten ist ok.

    +2
  17. Schmeckt gut sagt

    Die Frage, ob moralischer oder unmoralischer Preis sollte man natürlich stellen dürfen und sie ist vor dem Hintergrund von Preisen für 1kg Hackfleich für 2,79 Euro, 1 kg Bananen für 0,89 Euro oder für ein T-Shirt für 4 Euro sehr notwendig. Offensichtlich gehen die Probleme beim Austausch von Argumenten doch schon bei der Definition von grundlegenden Voraussetzungen zur Preisfindung los. Wir haben nun einmal ein Umfeld, dass man in der gewerblichen Wirtschaft in dieser Komplexität nicht findet. Meiner Meinung nach kommen wir weiter, wenn die Praxisbetriebe genau definieren, wo der Schuh drückt und kurze, klare Forderungen stellen. Ohne sich gegenseitig zu zerfleischen. Und in allen Bereichen der Urproduktion einen Bereich definiert wird, bei dem sich erfahrungsgemäß im Markt ein Marktgleichgewicht einstellt (Menge mal Preis). Abzüglich zu erwartender „erpresserischer“ Versuche des LEH-einkaufs diesen Punkt zu ihren Gunsten zu verschieben, sollte es doch möglich sein Kontrakte zu formulieren, die uns Bauern wieder ein zufriedenstellendes Einkommen ermöglichen. Auch ein Spotmarkt sollte klare Grenzen haben. Und der Weg hin zur Findung dieses Gleichgewichtspunkts muß vordefiniert sein, um einen „Bauernkrieg“ zu verhindern. Zaghafte Ansätze hierzu gibt es doch schon an der Börse 😉 Und jetzt könnt ihr mich „prügeln“

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  18. Mir stellt sich immer wieder die Frage, welcher Markt wird nicht geregelt ??
    Damit komme ich zu einer folgenden Aussage.
    Denn für mich ist jeder Markt geregelt.
    Und mit einem größten Lobiisten, DBV, in der Hinterhand wäre es ein leichtes Spiel, die Strukturen so zu gestalten, daß man einen Weg gehen könnte, der für alle Beteiligten gangbar wäre.
    Das hat der DBV mit wehement verhindert.
    Denn bei höheren Einnahmen der Landwirte, um die geforderten Erhöhungen, wäre auch der Verbraucher nur um maginalen Erhöhungen der Lebensmittel Preis an den Kosten beteiligt. Aber ohne den DBV müssen wir Landwirte uns für ein anderes System entscheiden, und fordern.
    Das System sollte wie folgt aussehen.
    Ich fange mit der Milch an.
    Wir sollten unsere Milch nicht mehr einfach vom Verarbeiter abholen lassen, nein, wir sollten die, unsere Milch, am Verarbeiter verkaufen. Durch kompetente Fachkraft, die den Markt durch, und durch Beobachten, und dementsprächend reagieren. Das hätte den Vorteil, daß wir Landwirte uns um die Produktion kümmern, und die Fachkräfte sich um den Vertrieb kümmern. Eines muss klar sein, die Fachkräfte müssen wir selbst entlohnt, damit gewährleistet ist, daß umfänglich nur für uns auch tätig sind. Was von Seiten der Politik zu fordern wäre ist eine eindeutige Kenzeichnungspflicht, ohne einer untermischen von was, und wehm auch immer. Deutsche Ware, muss zu 100% auch Deutsche Ware beinhalten.
    Diese Vorstellung könnte man auf allen Sparten in der Landwirtschaft ausdehnen.
    Das System nähert sich dem der Fragestellung an, konnte bis Dato nur keine Umsetzung finden, es sprach insbesondere ein Verband dagegen.
    Das sollten wir unbedingt abstellen, um zum Erfolg zu kommen.

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    • Schmeckt gut sagt

      Und schon wieder die immer gleichen Sprüche. Ein Lobbyverband kann und darf keine Markteingriffe gestalten. Dies können und dürfen nur die Akteure im Markt. Immer und immer wieder kommen die Sprüche wie: Die Anderen haben falsch gehandelt, Der DBV (Verbände) muß viel mehr für den Markt tun, Die Vollgasbauern haben Schuld, Wir haben zu wenig Einfluß… Ich kann es nicht mehr hören. Unternehmertum heißt etwas zu unternehmen. Schnappt euch eure Vorstände, Räumt auf, Schmeißt sie raus, wenn sie nix tun, Laßt euch in die Vorstände wählen. Aber tut etwas und redet nicht nur schlecht über die „Anderen“. Ihr seid selber Schuld. Mir reichts echt langsam.

      +3
    • Schorsch Summerer sagt

      Heinrich es ist leider so dass die BayernMeg keine Mitglieder mehr aufnehmen kann weil sie die Bündelungsgrenze erreicht hat. Zu mehr als die Verteilung der Milch zu organisieren reicht das aber nicht, dazu ist sie zu klein. Daraus lernen wir, die Politik muss die Bündelungsgrenze aufheben, anders geht es nicht. Nur wenn ein Verarbeiter oder Händler in die Gefahr gerät ohne Ware dazustehen wird sich der Preis bewegen.
      > Es muss zuerst mal eine politische Lösung her
      Ein weiteres Problem ist dass eine Preiserhöhung in Deutschland sofort wie ein Magnet auf EU-ware und wie ein Staubsauger auf den Weltmarkt wirkt. So wenig können wir gar nicht erzeugen wie dann importiert wird. Da ich glaube dass in den meisten EU Staaten die Bauern das selbe Preisproblem haben wie wir brauchen wir eine politische Lösung auf EU- ebene. Besteht darauf eine Hoffnung? Ich weiss nicht wie andere Länder so ticken.
      Eine freiwillige Lösung durch wohlwollendes Handeln unserer Abnehmer ,das können wir vergessen. Freiwillig tun die gar nichts. Wir werden nur ernstgenommen wenn wir in der Lage sind den einen oder anderen Abnehmer mal zappeln zu lassen. Für etwas anderes sind die Einkäufer nicht trainiert, man kann schon fast sagen konditioniert! Deshalb auch die Aussage eines Einkäufers …sollen sie doch verrecken. Keiner dieser Einkäufer steigt in der Karriereleiter auf wenn er nicht gute Zahlen liefert. Und ein Nachfolger steigt nicht auf wenn er nicht besser als sein Vorgänger ist.
      Machen wir uns nichts vor nur wenn wir wirklichen Druck aufbauen können bewegen sich die Preise nach oben. Die derzeitigen Preise sind nichts anderes als der Spiegel der derzeitigen Marktkräfte.
      Glaubt ihr denn dass die Arbeitnehmer die heutigen Löhne hätten wenn sie keine Gewerkschaften hätten? Wie das dann auch anders aussehen kann und was das für Folgen hat sieht man ganz aktuell in den USA. Niedriglöhne, unsichere Jobs und ein Idiot der hetzt und Feuer legt.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Gewerkschaft

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  19. Alfons Balmann sagt

    Auch wenn es wahrscheinlich Zeitvergeudung ist, hier nur einige Punkte, warum die Idee „moralischer Preise“ Humbug ist:

    1. Preise und Märkte haben Funktionen bzw. Aufgaben, wie Ausgleich, Austausch, Wertsicherung, Information, Lenkung,… Diese Funktionen sind moralisch bedeutsam. Und moralisch bedeutet nicht, dass jeder immer mit jedem Ergebnis glücklich ist, sondern dass die Funktionen einen gesellschaftlichen Mehrwert ermöglichen. Das bedeutet, dass die Funktionen bzw. Funktionsfähigkeit von Preisen und Märkten moralisch ist. Wenn also der LEH vermeintlich moralische Preise zahlen würde, handelt er wahrscheinlich unmoralisch, wenn er damit Funktionen des Marktmechanismus außer Kraft setzt. Zudem täte er das auf Kosten von Verbrauchern, seinen eigenen Geldgebern,…. Wenn er davon abweicht, dann wäre das zu begründen. Landwirte sind i.Ü. trotz aller Einkommensprobleme keine Sozialfälle und im Regelfall vermögender als ein Großteil der deutschen Verbraucher – anders als mittellose Fabrikarbeiter in Entwicklungsländern.

    2. Das Argument des Familienbetriebes ist Selbstbetrug. Wir leben in einer freien Gesellschaft. Man schaue sich einmal Artikel 2 GG an. Dort wird unter anderem freie Entfaltung der Persönlichkeit garantiert, solange dies nicht zulasten anderer geht. Landwirte als Unternehmer sind letztlich selber für ihre Entscheidungen verantwortlich – zumindestens solange sie nicht zur Produktion gezwungen werden. Entsprechend ist das Argument „die Gesellschaft möchte Familienbetriebe“ auch einzuordnen gegenüber den Grundrechten, wie in Artikel 2 GG. Hinzu kommt, dass etwa in Ostdeutschland der reine Familienbetrieb einen Anteil an Bewirtschaftung, Arbeitseinsatz, Produktion und Wertschöpfung von vermutlich weniger als 10% hat. Über 80% der Arbeit kommt von Lohnarbeitskräften. Selbst in einem Bundesland wie Rheinland-Pfalz stammt der größte Teil der Arbeit von Lohnarbeitskräften.

    3. Wir leben in in einer dynamischen Welt, in der sich Technologien, Umweltbedingungen, Infrastrukturen, rechtliche Rahmenbedingungen, Knappheiten permanent ändern. Für diese Rahmenbedingungen anzunehmen, dass Agrarökonomen moralische Preise ausrechnen sollten, ist nicht nur illusorisch weil sie permanent neu justiert werden müssten und etwa die Frage offen bliebe, ob man mit neuesten Technologien rechnet oder anhand alter Technik. Ein solches Vorgehen wäre auch unmoralisch weil damit die Funktionen von Märkten, Preisen und Wettbewerb ausgehebelt würden. Das Problem der DDR-Landwirtschaft waren auch weniger die LPGen, sondern die staatliche Planwirtschaft, die nämlich genau das gemacht hat, was hier gefordert wird: kostendeckende Preise zu kalkulieren. Damit wären wir wieder bei Punkt 1.

    +5
    • Mark sagt

      @Balmann
      Ihre Argumentation steht und fällt mit der Definition von ²moralisch“. Sie definieren „moralisch“ mit „die Funktionen einen gesellschaftlichen Mehrwertes ermöglichen“. Daus leiten sie ab, dass die Funktion von Märkten und Preisen moralisch ist und das Aushebeln dieser Funktion deshalb unmoralisch ist. Dies erscheint mir eine sehr eingeschränkte, rein ökonomisch fokusierte Betrachtung von „moralisch“ zu sein.
      Moralische Werte sind von einer Gesellschaft befürwortete Verhaltensregeln. Moralisch zu handeln bedeutet also, sich sozial erwünscht zu verhalten. Die Frage ist, was ist sozial erwünscht und wer legt das fest. Wenn die Betreiber des LEH, stellvertetend hier die Familien Albrecht und Schwarz in die Liga der Reichtsen im Land aufsteigen, gleichzeitig die Vorlieferanten des LEH aufgrund dessen Vormachtstellung am Markt (aktuell Butter -58%) um ihre blanke Existenz kämpfen müssen, ist dies dann eine moralische Funktion von Märkten und Preisen?

      +2
      • Inga sagt

        Die Moral soll ja nicht nur den gesellschaftlichen Mehrwert begründen, sondern auch den ökologischen.

        Und der kostet.

        z.B. CO2 Steuer….
        Oder
        Was ist uns das Leben eines Nutztieres wert?

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      • Alfons Balmann sagt

        1. Unsere marktwirtschaftlichen Prinzipien sind ja nicht vom Himmel gefallen, sondern basieren auf gesellschaftliche Willensentscheidungen und werden zudem von der Erfahrung getragen, dass es unserer Gesellschaft wirtschaftlich und sozial besser geht als in der Vergangenheit und auch vielen anderen Volkswirtschaften. Insofern sind die Funktionen von Märkten und Preisen von der Gesellschaft getragen und entsprechend einer gesellschaftlichen Moral. Interessanterweise „jammert“ ausgerechnet der Wirtschaftssektor in unserer Gesellschaft am meisten über niedrige/unmoralische Preise dessen Einkommen seit Jahrzehnten stark von staatlicher Unterstützung getragen werden. Entsprechend stellt sich die Frage, inwieweit diese staatliche Unterstützung und die Störung der marktwirtschaftlichen Funktionen nicht letztlich sogar dafür verantwortlich ist, dass in Deutschland dauerhaft ein Ungleichgewicht dahingehend besteht, dass etwa in 2019 der Anteil der Landwirtschaft an der Bruttowertschöpfung lediglich 0,8 % beträgt woraus dem neben einem enormen Kapital- und Bodeneinsatz auch noch 1,3 % der Erwerbstätigen entlohnt werden müssen. Wer trägt für dieses Ungleichgewicht die Verantwortung?

        2. Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass die Butterpreissenkung unmoralisch ist? Nur weil sich eine gesellschaftliche Gruppe über niedrige Butterpreise beklagt? Ist nicht der LEH auch dafür verantwortlich, dass die erzeugte Butter vermarktet wird? Er könnte natürlich die Preise für deutsche Butter hoch halten und billigere ausländische oder weniger Butter verkaufen. Wäre das moralisch? Welche Rolle spielt hierbei das Vermögen der Familien Schwarz und Albrecht? Haben sie es sich nicht dadurch erarbeitet, weil sie über Jahrzehnte verlässliche Marktpartner zum einen der Verbraucher und zum anderen ihrer Lieferanten waren?

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        • Mark sagt

          zu2) Ich habe nicht behauptet, dass die Butterpreissenkung unmoralisch ist. Ich habe lediglich gefragt, ob die Butterpreissenkung (als Beispiel) durch den LEH mit Druck auf die Einkommen der Erzeuger genauso zur moralischen Funktion der Märkte gehört wie die enorme Bereicherung der Betreiber des LEH am Beispiel der 2 genannten. Beides erfolgt am gleichen Markt!
          Ist nicht der LEH auch dafür verantwortlich, dass die erzeugte Butter vermarktet wird? Sorry, der LEH vermarktet die Butter doch nicht aus Verantwortung für irgend jemand, sonder aus Gewinnerzielungsabsicht, was ja legitim ist. Das Problem ist doch mittlerweile die nahezu monopolistische Struktur des LEH, die auf eine oligopolitische Verarbeiterstruktur triff und diese wiederum auf eine polypolistische Produzentenstruktur. Klar wie hier die Kräfteverhältnisse am Markt verteilt sind, Moral hin oder her.

          zu 2)
          Wie hoch wäre denn da Anteil der LW an der Bruttowertschöpfung, wenn deren Erzeugerpreise doppelt so hoch wären? Hier bitte ich doch mal um eine Antwort eines Agrarökonomen und nicht um Gegenfragen oder Ausflüchte.
          „Interessanterweise „jammert“ ausgerechnet der Wirtschaftssektor in unserer Gesellschaft am meisten über niedrige/unmoralische Preise dessen Einkommen seit Jahrzehnten stark von staatlicher Unterstützung getragen werden.“ Diese Diskussion wird doch gerade deshalb geführt, weil man von der Abhängigkeit der staatlichen Unterstützung aufgrund des niedrigen Preiseniveaus wegkommen will!
          Um auf den urspünglichen Artikel zurückzukommen. Ich halte nichts von einem wie auch immer gearteten,moralischen Mindestpreis, aber nicht aufgrund der Argumentation von Herrn Balmann.

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          • Brötchen sagt

            @ Mark
            Wie hoch wäre denn da Anteil der LW an der Bruttowertschöpfung, wenn deren Erzeugerpreise doppelt so hoch wären?

            denke der müßte sich auch verdoppeln

            Das Problem der Lw von der Bedeutung ist doch der, dass durch die begrenzten Flächen als Produktionsfaktor und nicht mehr groß steigerbaren Erträge, der Anteil an der Bruttowertschöpfung nicht wesentlich erhöhbar ist.
            Aber ich denke, dass brauche ich Dir nicht zu erzählen.

            Weiß nicht ob ich jetzt richtig denke:
            wenn Du jetzt aber über Subventionen Geld in die LW reinpumpst.
            Und damit vielleicht auch die Erlöse aufpumpst….müßte die Bruttowertschöpfung steigen?

            oder über Subventionszufluss für Blühstreifen oder der LW bekommt Geld, wenn er Jerusalema tanzt 😉 , dann steigt die Bruttowertschöpfung auch, weil das tanzen nicht von der Fläche gedeckelt ist.

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            • Lady sagt

              „oder über Subventionszufluss für Blühstreifen oder der LW bekommt Geld, wenn er Jerusalema tanzt 😉 , dann steigt die Bruttowertschöpfung auch, weil das tanzen nicht von der Fläche gedeckelt ist. “

              Hast du etwa die methodischen Grundlagen der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht im Kopf? 😛
              Ich auch nicht, aber Subventionen etwa als Flächenprämie dürften nicht zur Bruttowertschöpfung zählen. Aber vielleicht ließe sich aus den Insekten was machen 😉 Das sehe ich Chancen, da geht die Bruttowertschöpfung steil nach oben!

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            • Mark sagt

              @ Brötchen
              „denke der müßte sich auch verdoppeln“
              So einfach ist das nicht. Ich helf Dir mal ein bischen:
              Die Bruttowertschöpfung ergibt sich als Differenz aus den Produktionswerten und den Vorleistungen in den einzelnen Wirtschaftsbereichen und umfasst den im Produktionsprozess geschaffenen Mehrwert.
              Der Herr Prof. B. wird uns das sicher noch besser erklären.

              0
          • Alfons Balmann sagt

            @Mark
            Wenn sich alle landwirtschaftlichen Produktpreise verdoppeln, dürfte sich die Bruttowertschöpfung etwa verdreifachen. Das ist aber abhängig von den Kostenstrukturen und etwa im Ackerbau anders als in der Veredlung, wo ja auch die Vorleistungskosten erheblich steigen dürften. Aber was wären die Folgen? Heute jammern die Bauern über hohe Pachtpreise, die sie vor allem in den guten Jahren 2011-15 ihren Verpächtern zugesichert haben.

            Zum ersten Punkt: Jammern die Verbraucher über die oligopolistische Anbieterstruktur? Warum nicht? Vermutlich weil Bertrand-Gleichgewichte anders einzuordnen sind als Cournot-Gleichgewichte.

            Natürlich übernimmt der LEH eine marktbereinigende Funktion. Er übernimmt sie, weil er damit Geld verdienen kann. Wenn andere es besser können (z.B. Amazon) übernehmen diese die Funktion. Wohl nicht umsonst war Adam Smith Moraltheologe: ‚It is not from the benevolence of the butcher, the brewer, or the baker that we expect our dinner, but from their regard to their own self-…“

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            • Mark sagt

              @A. Balmann
              Danke für Ihre Antwort. Da haben wir´s. Eine Verdoppelung der landw. Erzeugerpreise führt zu einer Verdreifachung der Bruttowertschöpfung. Im Umkehrschluss heisst dies, dass niedrige Erzeugerpreise zu einer überproportional niedrigen Bruttowertschöpfung führt, was sich dann eben auch in einem extem niedrigen Anteil am BIP auswirkt. Und dann geht´s los: die Landwirtschaft wird als volkswirtschaftlich völlig unbedeutend dargestellt, die Subventionen, die die bekommen sind fast so hoch oder höher wie ihr gesammter Anteil am BIP, diese Dauerjammerer kriegen doch nichts auf die Reihe, ineffizente Strukturen etc. pp.. Ich sehe dies genau anders herum: die Landwirtschaft beansprucht einen niedrigen Anteil des BIP`s um die Grundlagen der Ernährung sicherzustellen, durch die niedrigen Erzeugerpreise verzichtet die Landwirtschaft auf überproportional viel Wertschöpfung, die die Subventionen bei weitem nicht ausgleichen. Der niedrige Anteil der Landwirtschaft am BIP ist keine Schwäche, sondern eine riesen Leistung derselben. Allerdings ist man mittlerweile auf dem Weg, dass der Bogen überspannt wird. Auf Dauer kann es sich die Landwirtschaft nicht mehr leisten, dass Faktorkosten wie Arbeit und Kapital nicht entlohnt werden, wie Sie oben richtiger Weise angedeutet haben. Daher ist es durchaus legitim, dass sich Landwirte Gedanken darüber machen, wie die Erzeugerpreissituation verbessert werden kann. Dass es mit moralischen Mindestpreisen nicht geht, darüber sind wir uns einig. Vielleicht hat die Agrarökonomie einen Ansatz, der funktionieren könnte?

              +4
              • Alfons Balmann sagt

                Oh je… ob 0,8% viel oder wenig ist, ist doch 1. davon abhängig, wieviele Leute daraus ihr Einkommen erwirtschaften müssen und 2. welches Einkommen in anderen Sektoren erwirtschaftet wird. Vielleicht werden die 0,8% einfach mit zu hohem Aufwand erwirtschaftet. Oder es geht dem Rest der Gesellschaft einfach besser. Welche Schlüsse sollten junge Menschen daraus ziehen?
                https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1746-692X.12283

                0
        • Lady sagt

          „Insofern sind die Funktionen von Märkten und Preisen von der Gesellschaft getragen und entsprechend einer gesellschaftlichen Moral. “
          Das kann man so sehen, muss man natürlich nicht. Ganz besonders drückt sich die gesellschaftliche Moral in Gesetzen aus. Die dann auf die Märkte einwirken, um weniger erwünschte Ergebnisse zu verhindern. Das ist doch gerade die Kunst. Und wenn man sieht, dass eine Marktkonstellation automatisch zu Wohlstandsverlusten führt- Nachfrageoligopol des LEH- , dann sagt die gesellschaftliche Moral, dass man handeln sollte/könnte.
          Da die diversen Funktionen des Preise außer Kraft zu setzen, halte ich dabei auch nicht für sinnvoll. Aber Jürgen hat schlicht ein paar Gedanken geäußert, um vielleicht neue Antworten zu bekommen.
          Übrigens steht auch in Gesetzen, dass den Bauern mit den Mittel von Wirtschafts- und Agrarpolitik ermöglicht werden soll, am steigenden Wohlstand unserer Landes teilzuhaben. Das ist auch gesellschaftliche Moral! Und eigentlich suchen alle hier Antworten darauf , wie sich das umsetzen lässt.
          Gegenfrage Herr Balmann: Wo wäre denn für sie das Gleichgewicht? Und wo wäre der Vorteil? Sind nicht typischerweise Ungleichgewichte Ausdruck von Entwicklung?

          0
          • Alfons Balmann sagt

            @Lady: in den Römischen Verträgen steht:
            (1) Ziel der gemeinsamen Agrarpolitik ist es,
            a) die Produktivität der Landwirtschaft durch Förderung des technischen Fortschritts, Rationalisierung der landwirtschaftlichen Erzeugung und den bestmöglichen Einsatz der Produktionsfaktoren, insbesondere der Arbeitskräfte, zu steigern;
            b) auf diese Weise(!) der landwirtschaftlichen Bevölkerung, insbesondere durch Erhöhung des pro-Kopf-Einkommens der in der Landwirtschaft tätigen Personen, eine angemessene Lebenshaltung zu gewährleisten;

            Man beachte „auf diese Weise“ . Da steht nix von moralischen Preisen oder staatlicher Unterstützung. Möglicherweise liegt das große Problem eben genau darin sowie in einer Vernachlässigung von a).

            Wo steht, dass das Oligopol des LEH zu Wohlstandsverlusten führt?

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            • Lady sagt

              „Man beachte auf diese Weise“

              „Nur“ auf diese Weise steht da aber auch nicht.Also ausgeschlossen wurde auch durch diese Formulierung nichts.
              Und Subventionierung der Landwirtschaft ist ein sehr betagtes Thema, mit Sicherheit hatten das alle Väter der Römischen Verträge auf dem Schirm und auch im Kopf.

              Ich habe allerdings mehr an das Landwirtschaftsgesetz gedacht:
              Etwa § 1
              „Um der Landwirtschaft die Teilnahme an der fortschreitenden Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft und
              um der Bevölkerung die bestmögliche Versorgung mit Ernährungsgütern zu sichern, ist die Landwirtschaft mit
              den Mitteln der allgemeinen Wirtschafts- und Agrarpolitik – insbesondere der Handels-, Steuer-, Kredit- und
              Preispolitik – in den Stand zu setzen, die für sie bestehenden naturbedingten und wirtschaftlichen Nachteile
              gegenüber anderen Wirtschaftsbereichen auszugleichen und ihre Produktivität zu steigern. Damit soll gleichzeitig
              die soziale Lage der in der Landwirtschaft tätigen Menschen an die vergleichbarer Berufsgruppen angeglichen
              werden.
              Das ist für mich hinreichend.

              „Wo steht, dass das Oligopol des LEH zu Wohlstandsverlusten führt? “
              Das habe ich mal so gelernt, ok ist ein paar Jahrzehnte her , dürfte aber noch passen
              Eine Störung des Wettbewerbs führt unweigerlich zu einer nicht optimalen ökonomischen Lösung. und auch zu einer sozial nicht optimalen Lösung.
              Das Resultat ist ein Wohlfahrtsverlust gegenüber dem Konkurrenzmarkt , egal ob nun Cournot oder Bertrand.
              Und ich denke einfach , dass daraus auch ein messbarer Wohlstandsverlust resultieren dürfte.

              Worauf möchten sie denn eigentlich hinaus? Es soll niemand jammern und nach dem Staat brüllen? Nach meinem Eindruck brüllt hier auch keiner nach dem Staat, er mischt sich ungefragt ein. Das ist das Problem.
              Es werden Forderungen an die Landwirtschaft gestellt und gleichzeitig wird verhindert, das sie überhaupt erfüllbar sind. Dann wird es schwierig.

              +1
            • Michael sagt

              Sehr geehrter Herr Balmann,

              sehen sie wirklich keine Probleme in der Marktmacht des LEH? Für den Verbraucher mag es ja derzeit noch überwiegend von Vorteil sein billig einzukaufen, aber was passiert, wenn noch ein Händler ausscheidet? Was passiert, wenn alle kleinen und mittelständischen Bäcker und Metzger aus dem Markt gedrängt sind? Dann wird aus dem Oligopol zumindest lokal schnell ein Monopol.
              Wie bewerten Sie die Folgen der vertikalen Integration, die der Handel immer weiter ausbaut, glauben Sie, es wird zum volkswirtschaftlichen Vorteil, wenn die gesamte Wertschöpfungskette in einer Hand liegt? Weder monetär noch sozial oder im Sinne des Verbraucherschutzes gereicht das zum Vorteil.
              Was ist mit den Einkaufsverbünden des Lebensmittelhandels? Warum dürfen sich Konzerne, die ohnehin schon den Markt beherrschen, hier auch noch zusammenschließen und so den Druck auf die Lebensmittelproduzenten nich weiter ausbauen?

              0
              • Alfons Balmann sagt

                Natürlich kann man dem LEH einiges vorwerfen. Nur: er ist nicht schuld an der Misere der Einkommensentwicklung in der Landwirtschaft. Der Großteil der Betriebe in Deutschland erwirtschaftet auch in guten Jahren lediglich Einkommen, die nicht dem allgemeinen Einkommensniveau der Gesellschaft entsprechen. Und das trotz enormer Subventionen. Das heißt der Großteil der Landwirtschaft orientiert seine Investitions- und Produktionsentscheidumgen nicht an den wahren langfristigen Kosten. Dazu braucht man sich nur einmal die vom BMEL ausgewiesenen Testbetriebsergebnisse anschauen. Sie können diese für viele Jahre als Excel-Datei oder PDF herunterladen.
                Hierfür gibt es eine Reihe von Gründen, wie z.B. Subventionseffekte aber eben auch ein ruinöser Wettbewerb und eine Art Preisdumping, also das was man eigentlich dem LEH vorwirft hinsichtlich der Lockvogelangebote. Problem ist nur, dass die Landwirtschaft aus dieser Falle nicht herauskommt. Denn die Betriebe, die eigentlich vergleichsweise effizient sind, leiden unter diesem ruinösen Wettbewerb; denn diese werden in den schlechten Jahren so erst recht getroffen. Man sieht die Problematik auch sehr gut an den Pachtpreisen. Warum sind diese hoch, wenn die Landwirtschaft nun schon seit etwa 5 Jahren vergleichsweise unrentabel ist? Oder man erinnere sich an die horrenden Preise für Milchquoten vor zehn Jahren obwohl die Milchproduktion auch damals nicht besonders rentabel war.

                0
  20. Jürgen sagt

    Jetzt darf ich die Katze aus den Sack lassen. Warum ich Willi gebeten habe meine Idee des „moralischen Mindestpreis“ in seinen Block zu stellen, hatte noch einen anderen Hintergrund:
    Ich wurde von Seiten des LSV angefragt mir zu überlegen, ob ich nicht als einer der fünf Vertreter der Bauernseite bei den Gesprächen mit dem LEH in der Arbeitsgruppe Schwein teilzunehmen. Bis Sonntag muss ich zu- oder absagen. Deswegen war ich gespannt, wie wohl die Reaktionen und Kommentare in diesen Block ausfallen würden um für mich eine Entscheidung zu treffen, ob eine Mitarbeit mit meiner Idee überhaupt zielführend sein wird. Folgender Kommentar: „Gut, es darf keine Denkverbote geben, aber was dieser Jürgen Donhauser hier vorträgt ist doch an Schwachsinn kaum zu überbieten.“ war ausschlaggebend. Nun hoffe ich, dass die dann am Gespräch Beteiligten gute, nein bessere Vorschläge haben. Denn fast alle Optionen der Marktregulierung wurden in der Vergangenheit schon erfolglos versucht. Deshalb lautete die ursprüngliche Überschrift meines Artikels auch: „Alles schon durch…“

    0
    • Brötchen sagt

      @Jürgen,

      bei den Schweinen, die noch nie Marktregulierungen, Quoten und Festpreise hatten, jetzt sowas wie einen moralischen Mindestpreis loszutreten ist schon etwas kühn! 😉

      0
    • firedragon sagt

      Jürgen,
      eine Entscheidung aufgrund Paulus‘ Aussage zu treffen…naja.
      Dann habe ich eine Frage:
      Wie soll sich ein „moralischer“ Preis für alle Sparte am globalen Markt behaupten, wenn globale Einflüsse den Börsenpreis bestimmen?
      Im kleinen Rahmen und direkt kann das schon funktionieren, wir handhaben das so mit einigen unserer Geschäftspartner – wie gesagt, im kleinen Rahmen möglich, fällt allerdings unter die Rubrik „Nische“.

      0
      • Brötchen sagt

        @Drachen

        so wie das jetzt verstanden habe, will er das „nur“ als medienbezogenes Narrativ in Stellung bringen oder etablieren.

        Fachl. Hintergründe stehen da überhaupt nicht im Vordergrund oder ob das wirklich relevant ist.

        Schöne Aufgabe, aber sehr mühsam und langwierig.

        0
        • firedragon sagt

          Brötchen, wie Jürgen das „in Stellung“ bringen will, entzieht sich mir … eine Art Irrwitz hat sich mir bei meinem ersten Kommentar und die Antwort darauf gezeigt … aber auch Irrwitz kann etwas Konstruktives hervorbringen.

          0
            • Brötchen sagt

              letztens einen schönen abgwandelten PropagandaSpruch aus Ostzeiten gehört:

              „Sie wie wir heute arbeiten, wird Berlin morgen leben“

              im Orginal hieß der „So wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben“

              +1
            • Brötchen sagt

              Der Bauernverband o.ä. würde nie soviel Zeit eingeräumt bekommen und da würde eine Moderatorin auch nicht so parteiisch „moderieren“

              In dem Fall wurde das gespräch ja mit einem Musiktitel geteilt, sodass damit die Wirkung auf den Hörer noch „tiefer“ ist.

              0
              • firedragon sagt

                Is ‚en bissel ot Brötchen, nur so viel zu dem Radiobeitrag: mich „beeindrucken“ solche Gespräche immer wieder, in denen Themen so zusammengewürfelt werden 😕

                0
  21. Jürgen sagt

    Was ist der Marktpreis? Angebot und Nachfrage? Dann hätte ich aber bei dieser Aussage gerne auch einen Blick auf einen anderen Markt geworfen – den Arbeitsmarkt. Wenn es für jeden Menschen auf dieser Welt möglich wäre sich als Arbeitskraft in Deutschland anzubieten. Wenn es keinen Mindestlohn gäbe. Wenn es keinen Kündigungsschutz gäbe. Wenn es kein Streikrecht gäbe. Wenn es keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gäbe – Ja dann hätten wir auch wie von Dir gefordert einen „Marktpreis“ für Arbeitskräfte. Warum schütz man also den Arbeitsmarkt mit flankierenden Maßnahmen und Ordnungsrecht, aber bei der Entlohnung der Arbeit von uns Bauern lässt man die Moral außen vor?

    +3
    • Lady sagt

      „Warum schütz man also den Arbeitsmarkt mit flankierenden Maßnahmen und Ordnungsrecht, aber bei der Entlohnung der Arbeit von uns Bauern lässt man die Moral außen vor? “
      Da geht mir jetzt einiges durcheinander, Jürgen. Auch am Arbeitsmarkt bestimmt nicht die Moral den Preis. Sie hat Auswirkungen auf gesetzliche Regelungen, die dann indirekt sich natürlich durchaus auswirken. Wie beim Bauern, gesetzliche Regelungen fehlen sicher kaum. Also ein rein theoretischer „Rohling“ ist der Marktpreis eben nicht.
      Völlig richtig steht oben, dass viele agrarpolitische Maßnahmen gescheitert sind. Immer wieder den Preis in den Mittelpunkt zu stellen, erscheint mir wenig zielführend. Wer über den Preis redet, muss auch über die Menge sprechen. Einige hier haben es auch angedeutet. Einseitig irgendetwas fixieren, haut auf die Dauer eben nicht hin. Daher ist eine Lösung, die am Einkommen ansetzt – wie aktuell die Flächenprämie- tendenziell noch am besten.
      Ein Mindestpreis ist jedenfalls – egal wie berechnet- immer irgendwie willkürlich ,und er liegt grundsätzlich oberhalb eines Gleichgewichtspreises. Sonst greift er nämlich nicht und ist eher für die Galerie. Können wir am Arbeitsmarkt sehen. Auch hier ganz unterschiedliche Strukturen, denen der Mindestlohn nicht gerecht werden kann. Er ist Ausdruck guten Willens, ok.
      Und im Preisbildungsprozess kommt Moral eben nicht vor, egal wie die Wirtschaftsordnung aussieht. Moral hat keinen Preis. Und letztlich ist es zumindest dem Verbraucher auch herzlich egal. Er kauft ja auch das Shirt für 4 Euro.

      +1
      • Jürgen sagt

        @Lady Der Vergleich mit dem Arbeitsmarkt war mir wichtig, da wir eben aus der Historie wissen, das hier ohne flankierende Maßnahmen alleine Angebot und Nachfrage zu unmoralischen Verhalten führt. Kinderarbeit, Lohndumping, Arbeitsplatzverlust bei Krankheit usw. waren damals auch bei uns an der Tagesordnung und sind es leider in anderen Ländern heute noch der Fall. Erst durch Arbeitskämpfe (Streiks) wurden die Fabrikbesitzer schrittweise gezwungen ihrer moralischen Verantwortung nach zu kommen. Leider ist uns ja ein organisierter Streik (Boykottgesetz) und weitere Konzentration auf der Angebotsseite durch Kartellamt untersagt. Eine Flächenprämie halte ich für nicht zielführend. Es steigert die weitere Abhängigkeit von Transfairzahlung die a, nur dazu dient die Erzeugerpreise weiter abzusenken und b, uns nach ein paar Jahren wieder als übertriebene Agrarsubventionen um die Ohren gehauen werden, ohne sich daran zu erinnern warum sie eingeführt wurden. Das Mengenproblem wurde schon diskutiert und ist mir bewusst. Könnte aber mit Kontraktpreise und einen Spotmarkt, wie vorgeschlagen, angegangen werden. Wichtigster Punkt aber: Wir Bauern wollen eine Wertschätzung für das erzeugte Produkt! Wie wollen wir die Achtsamkeit (wie viel Prozent wird weggeworfen?) für Lebensmittel steigern, wenn der Preis dafür lachhaft niedrig ist. Statt Steuermillionen über Transfairzahlungen durch Flächenprämien den Bürger abzunehmen, möchte ich als Landwirt lieber eine direkte Entlohnung und Wertschätzung über Produktpreis.

        0
        • Ostbauer sagt

          Eigendlich sind ja die marktwirtschaftlichen Gesetze bekannt. Vom Endkunden wird einfach rückwärts „gedrückt“. In der Arbeitnehmerwelt ist das letzte Glied der einfache Arbeiter. Der hat dann noch die Möglichkeit ,sich mit Streik zur Wehr zu setzen oder es hilft Ihm die Politik. Welche Möglichkeiten haben wir Bauern ? Freiwillige Selbstbeschränkung auf Betriebsebene- ich lach mich tot- da hat Paulus mit manchen Milchbauern schon recht, aber die haben auch nur ihr Überleben sichern wollen.
          Ich hab aus meiner Historie heraus absolut nicht`s gegen Marktwirtschaft, aber dann gebt uns auch die Instrumente zur Mengensteuerung in die Hand!
          An die Moral zu appellieren bringt zur Zeit gar nicht`s -wie der Butterpreis des Handels ja wohl eindrucksvoll beweist- da haben sie uns mal gezeigt wo der Hammer hängt.(und hier unterstelle ich jetzt mal pure Absicht)

          +2
  22. Inga sagt

    Ist 75 nicht das richtige Alter, um ha-weit und tagelang zu pflügen, bzw grubbern ?

    Das ist doch für einen 20jährigen Junior nichts.

    Andere machen mit 80 noch Welt reisen….

    +1
    • Paulus sagt

      Inga, im Prinzip schon. Die 75-jährigen verstehen aber die Displays und die ganzen Knöppe
      auf den hochgezüchteten Arbeitsmaschinen nicht mehr. So ein Trecker mit Vollausstattung ist schon etwas anderes als ein alter John Deere mit dem Bauer Willi seinen Erntedank- anhänger zur Kirche fährt.
      Ansonsten gebe ich dir Recht. Tagelang auf dem Acker hin- und her zu fahren ist öde.

      +2
      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Paulus,
        jetzt hat Du dir ein Limit gesetzt, es geht nicht mehr lange und du bist nicht mehr fähig so ein hochgezüchtetes Auto zu fahren.

        Schaff dir jetzt mal ein Elektrofahrad an und übe die Funktion, dass Du mit 75 noch klar kommst.

        Ps: Habe noch einen Güldner im Stall stehen, wenn ich mit dem Fendt nicht mehr klar komme.

        +1
        • Inga sagt

          Was haben denn die jetzt 75ig jährigen Bauern in ihrem Leben alles lernen müssen,
          Da werden sie damit auch noch klar kommen.

          Und beim Pflügen braucht man ja nun auch nicht so viel Funktionen zu betätigen, oder?

          Der kann doch noch von Hebel zu Knopf übersetzen, oder?

          Wenn Bauer Willi mit seinem 1120 mit dem Wagen zur Kirche fährt, braucht er weder 3Punktanhängung noch Frontlader.

          0
          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Nein, nicht unbedingt, es ist der erste Traktor vom Betrieb, Baujahr 1951.
            Ging mal ab und zu zu Oldtimertreffen, ohne den Güldner, von Alter her gibt es nur noch den Lanz, der älter ist, als meiner.

            0
            • Inga sagt

              Ich habe mal auf einem Oldtimertreffen einen Lanz Baujahr 1919 gesehen, der hätte noch einen Blechsitz mit Löchern drin.
              Hatte bestimmt auch nur 19 PS…

              Der war die ganze Zeit vom nach dem Krieg in einer Scheune auf dem Gebiet der ehemaligen DDR versteckt. Andere Oldtimer auch, die hatten ja dann die LPGen und die Passenden Traktoren dazu, bei uns im Westen sind die weiterverwendet worden bis sie Schrott waren, eben bei der nächsten Neuanschaffung als Gebrauchter verkauft worden.

              Und weg waren sie.

              0
      • Bauer Willi sagt

        @Paulus
        Mein Kooperationspartner ist 74. Was der an Elektronik auf dem Schlepper beherrscht, würde Dich vor Neid erblassen lassen. Wir haben auf unserem Fendt drei Bildschirme und noch etliche digitale Steuerungen für diverse Maschinen.
        So langsam finde ich Deine Kommentare etwas arg platt und von Vorurteilen geprägt. Du warst mal pfiffiger, umgänglicher und gedanklich flexibler.

        +1
        • Brötchen sagt

          @Willi

          Paulus geht sicher vom Durchschnitt der allgemeinen Fähigkeiten in einem bestimmten Alter aus.
          Ich persönlich halte mich auch nicht unbedingt für den Durchschnitt, jetzt ohne Wertung.

          Das Problem besteht ja immer dann, wenn ich von mir ausgehe und das auf andere als Anspruch übertrage.
          Wenn einer so eine Steuerung entsprechend erklärt, kann das sicher jeder verstehen, mit entsprechender Geduld usw.

          0
          • Inga sagt

            Besonders, wenn er die Funktionen versteht.

            Lkw-Fahrer mussten auch von Schaltknüppel auf Joystick umdenken.

            0
          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Habe mich letzten Sommer bei meiner Hausärztin über mein Knochengerüst beklagt, das sich durchaus als „leicht“ gebraucht darstellt.

            Sie sind immerhin auch schon 72 Jahre alt und soeben haben sie mir erzählt, dass sie morgen mit dem Auto noch nach Tübingen fahren, sie habe da ganz andere Patienten.

            Wie recht sie hatte, habe die Adresse in Tübingen gefunden und auch der Rückweg, ohne Unfall, auch ohne einen Strafzettel.
            Gebe ja zu, das Navi hat mir zeitweise geholfen, wenn nur die 5 Baustellen nicht vorhanden gewesen wären. In den Tälern des Schwarzwaldes kann dies schon mal ein Problem sein, besonders wenn man einen Termin einhalten muss.

            0
    • Ostbauer sagt

      Ja Inga, er hat das Pflügen geliebt, aber wenn du nachmittags nicht mehr weißt,wo du am Vormittag warst…. scheiß Demenz.

      +1
  23. Arnold Krämer sagt

    Immer wieder muss ich den selben Sch……. (Entschuldigung Unsinn lesen).
    „Jeder LEH, der bei Preisverhandlungen den moralischen Mindestpreis unterschreitet,…….“

    Der Landwirt , den man hier als Familienunternehmer beschreibt, wird bezahlt von einer Molkerei, von einem Schlachthof, von einem Kartoffel verarbeitetenden Unternehmen. usw. Jedes dieser Unternehmen hat eigene Kostenstrukturen, eigene Produktlinien, eigene Absatzwege (an den LEH, an Weiterverarbeiter, an Großabnehmer, an ausländische Kunden (EU und/oder Drittländer)). Der geforderte Mindestpreis, abgeleitet aus durchschnittlichen Kosten (incl. der Einkommenansprüche der Familien-AK) kann nicht vom LEH garantiert werden, kann im Einzelfall nicht einmal vom verarbeitenden Unternehmen (dem Kundes des Landwirts) erwirtschaftet werden (siehe Gründe oben) und reicht im Einzelfall für die Familie auch nicht aus (Familiengröße, Ansprüche etc.)

    Was funktioniert ist vertragsgebundene Produktion zu Erzeugerpreisen, die vollkostendeckend sind in der jeweiligen Region, dem jeweiligen Erfassungsgebiet des Verabeiters. Das funktioniert bei Geflügel und das funktioniert bei Industriekartoffeln. Da kommen grob gesprochen 80 % der Landwirte auf ihre Kosten, während es bei Milch und Schweinen im Schnitt der Jahre nur 20-30 % sind. Das sind die Fakten.

    Bitte nicht noch mehr Staat, noch mehr Bürokratie!

    +4
    • Bauer Willi sagt

      Leider gar nichts verstanden. Demm Weiterverarbeiter und dem LEH ist die Kostenstruktur des Erzeugers sch…egal. Hat mir ein Vorstandsmitglied von REWE persönlich gesagt.

      Richtig ist: vertragsgebundene Produktion funktioniert, aber auch hier ist der Preis „auf Kante genäht“.

      Es geht bei diesem „moralischen Preis“ (ja, Arnold, Du bist halt ein reiner Zahlenmensch…) auch darum, den Preis transparenter zu machen. Und vielleicht sogar den LEH etwas unter Zugzwang zu setzen.

      +1
      • Inga sagt

        Wie war es noch zu DM Zeiten?

        Ein Brötchen beinhaltet 1 Pf Mehl, also ist der Müllerlohn auch schon da drin.

        Beim Bäcker kostete es damals 30Pf und mehr.

        Aber gleichzeitig fing es mit den Billigbrötchen an.
        Es soll der Verbraucher nun denken?

        Wer wird hier ausgebeutet, um das Billigbrötchen herzustellen, der Handwerker oder der Bauer?

        Wenn der Bauer, dann ist es bestimmt billigmehl von sonst wo her…

        Aber dann kann der Verbraucher entscheiden.

        0
      • Arnold Krämer sagt

        Doch Willi, schon verstanden. Du musst nur mindestens drei verschieden moralische Preise berechnen, für den Süden, für den Osten für den Norden, tja und dann noch mehrmals differenzieren.
        Tatsache ist doch, dass die Verarbeiter und der LEH die Kostenstrukturen der Landwirte besser kennen als die große Masse der Landwirte selbst.

        So jetzt klinke ich mich aus, weil ich damit beschäftigt bin, bei meinen wenigen landw. Kunden die Kostentransparenz herzustellen oder auch nur zu bestätigen.
        Aktuell: Der Sohn eines Landwirts hat mit seiner Hähnchenmast mit rechnerisch einer halben Familien-AK im letzten WJ genausoviel verdient wie der Senior mit seinen 140 Kühen + Nachzucht und rechnerich 1,5 bis 2 Familien-AK.
        So sieht das aus.

        +4
        • Bauer Willi sagt

          Nein, Arnold, ein Familienbetrieb mit 2 AK ist in ganz Deutschland gleich. Und die Kostenkalkulation für 80 Kühe dürfte auch überall ziemlich ähnlich sein. Somit gibt es auch einen Preis, bei dem Kostendeckung erreicht ist.

          Diesen theoretischen Preis zu kennen würde manch eine Diskussion versachlichen.
          Aber lass mal, wir kommen da wohl nicht auf einen Nenner

          +1
          • Smarti sagt

            Es haben noch zuwenig Betriebe aufgehört, aber es geht sicher bald schneller voran mit den Betriebsaufgaben bzw. zumindest mit der Aufgabe der Tierhaltung. Dann wird der moralische Preis kommen. Leider zu spät für viele eigentliche gesunde Betriebe. Das ist eine Schande für so ein reiches Land.

            0
      • Paulus sagt

        Ein moralischer Preis ist doch völlig kalter Kaffee. Seit wann interessiert sich ein Bauer für einen moralischen Preis, bei dem was er einkauft? Gut, es darf keine Denkverbote geben, aber was dieser Jürgen Donhauser hier vorträgt ist doch an Schwachsinn kaum zu überbieten.

        +1
        • Inga sagt

          Woraus begründet sich der Moralische Preis für die landw. Erzeugnisse, Paulus?

          Wenn man den als Bauer bekommt, dann kann man doch ganz anders kalkulieren.

          Ich denke besonders die Milchbauern.

          0
          • Paulus sagt

            Die Milchbauern haben nach dem Entfall der Quote aufgestockt und melken seit dem auf Teufel komm raus. Wenn die mir mit einem moralischen Preis kommen kann ich nur lachen.

            +3
        • Mark sagt

          „Ein moralischer Preis ist doch völlig kalter Kaffee. Seit wann interessiert sich ein Bauer für einen moralischen Preis, bei dem was er einkauft? Gut, es darf keine Denkverbote geben, aber was dieser Jürgen Donhauser hier vorträgt ist doch an Schwachsinn kaum zu überbieten.“
          Paulus wie er leibt und lebt: deftig auf den Punkt gebracht 🙂

          +1
  24. Schmeckt gut sagt

    Vergesst den, wie auch immer gearteten, Mindestpreis. Wir müssen mit dem „Marktpreis“ zurechtkommen und weil unsere Kosten von vielen „Außenstehenden“ in die Höhe getrieben werden, bleibt zu oft keine Marge mehr zum Überleben – und wir sind so bescheuert und rackern uns weiter ab. Den Einkäufern der Ketten geht es völlig am „Arsch“ vorbei, was auf den Höfen passiert. Und es wird genauso weitergehen. Für einen „Moralischen Mindestpreis“ gibt es nicht einmal ein müdes Lächeln. Günstig einkaufen und teuer verkaufen ist die Devise. „Ablasszahlungen“ an die NGOs sind einkalkuliert und beruhigen die Lage aus Sicht des LEHs – und damit zu werben ist sogar „moralisch“ anerkannt. „DER BUTTERPREIS SINKT UM 56 Cent/kg“ – so sieht es aus. Basta. Traktorendemos sind ja nicht mehr zu befürchten – ischa Lockdown. Ich sehe wirklich nur eine mögliche Lösung: politisch unterstützte Kopplung vom Preis an die erzeugte Menge, so wie es von Friedrich dargestellt wurde. Alles das, was mehr erzeugt wird, unterliegt dem Marktrisko. Dann muss die Politik die Hose runterlassen, wieviel die Sicherung der Lebensmittelversorgung wert ist. Ich höre schon die Stimmen, dass das auf gar keinen Fall funktioniert. Könnte sein. Aber warum nicht??? Wir sind wieder beim „Hose Runterlassen“!!

    +3
    • Inga sagt

      Nein,
      Wenn man das mit den billigen T-Shirts vergleicht, versteht es jeder.
      Das moralische Gewissen der Menschheit leuchtet auf.

      Und wenn der LEH EDEKA das nicht verstehen will, dann ist er dumm und ungebildet. Dann versteht es eben die Konkurrenz.

      Wer will bei skrupellosen, dummen und ungebildeten Leuten einkaufen, die gehen doch mit den Kunden genauso srkubellos um, oder ncht?

      Also wird in unserer modernen Welt die Ausnutzung von menschlicher Arbeitskraft moralisch geahndet, oder?
      Also muss es einen mindestpreis für dir landw. Produkte geben.

      Diesen moralischen Mindestpreis muss es auch für Naturprodukte geben, oder?
      Denn was in der Natur wächst muss doch teurer sein, wie das was der Mensch in der Fabrik eventuell mit ökoschädlichen Verfahren herstellt, oder?

      Also ein Liter Milch müsste teurer sein als ein Liter Benzin, oder doch Motorenöl?

      Aber das Personal in der Reperaturwerkstatt Krankenhaus hat einen höheren Stundenlohn verdient, als das Personal in der Autoherstellung, oder?

      0
      • Schmeckt gut sagt

        Inga, du kannst dich auf den Kopf stellen. Ich habe aus Sicht des LEHs argumentiert, wobei ich sehr genau weiß, wovon ich spreche.

        +2
    • Jürgen sagt

      Was ist der Marktpreis? Angebot und Nachfrage? Dann hätte ich aber bei dieser Aussage gerne auch einen Blick auf einen anderen Markt geworfen – den Arbeitsmarkt. Wenn es für jeden Menschen auf dieser Welt möglich wäre sich als Arbeitskraft in Deutschland anzubieten. Wenn es keinen Mindestlohn gäbe. Wenn es keinen Kündigungsschutz gäbe. Wenn es kein Streikrecht gäbe. Wenn es keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gäbe – Ja dann hätten wir auch wie von Dir gefordert einen „Marktpreis“ für Arbeitskräfte. Warum schütz man also den Arbeitsmarkt mit flankierenden Maßnahmen und Ordnungsrecht, aber bei der Entlohnung der Arbeit von uns Bauern lässt man die Moral außen vor?

      +1
      • Schmeckt gut sagt

        Genau das ist ein wichtiger Punkt. Im sich zur Zeit eintwickelnden Umfeld finden wir nicht einmal Mitarbeiter, weil wir die unter den herschenden Umständen nicht anständig bezahlen können. Mit einigen Vertretern von NGOs habe ich in diese Richtung diskutiert. Die kapieren nicht einmal, dass sie mit ihren eigenen Forderungen den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Können wir in Zukunft kein Umfeld schaffen mit anständigen (moralischen) Preisen für die Urproduktion, ist es egal, ob Bio oder Nichtbio. Die voraussichtlich wenigen und größeren Höfe werden keine Leute finden, die die Arbeit machen. Weil die Hauptarbeit zunehmend körperlich anstrengend und nicht ausreichend bezahlt sein wird (Auflagen). Über die Spüche mit Digitalisierung und Automation kann ich nur müde lächeln. Die Chaos-theorie in der Natur (unser Acker) zeigt uns im Moment immer noch die Grenzen auf (uneben, höchste Datensätze durch heterogenes Umfeld, Hardware am Objekt funktioniert nicht…). Im sterileren Gewächshaus lässt sich das Umfeld klarer definieren und hier lässt sich schon ein funktionierendes System erahnen. Ist aber ja „Bäh“, weil höchster Ressourcenverbrauch und ja sowieso „industrieller“ Anbau. Und ja, Marktpreis ist selbstverständlich Angebot und Nachfrage. So argumentiert der LEH doch auch ungestraft.

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  25. Smarti sagt

    Diese Idee ist in meinen Augen schon recht gut ausformuliert. Es ist gibt uns Landwirten Zahlen in die Hand, mit denen wir auf Augenhöhe verhandeln können. Den NGOS traue ich nicht, da sitzen zu viele verlogene, radikale Personen. Diese möchten in erster Linie die Nutztierhaltung ganz abschaffen und gleichzeitig auch alle Monokulturen weg haben. NGOS um Mithilfe zu bitten wäre so als bezahlte das Kalb den Lohn seines Metzgers.
    Die Verbraucher werden uns helfen ! Wenn die Kosten für einen Liter Milch klar definiert sind ( und für jeden verständlich einsichtbar sind ) dann kann man sich mit den Landwirten identifizieren. Willis Liste mit den LEH könnte auch gute Dienste leisten.
    Was ich nicht verstehe: sind Betriebe mit Angestellten dann aussen vor ? Gibt es eine maximale Herdengrösse ? Das ginge ja gar nicht.
    Oder ( wie ich hoffe und denke ) ist der Betrieb mit 2 FAK ein Rechenbeispiel und der Grossbetrieb mit 2000 Kühen erhält den gleichen Milchpreis ?
    Solidarische Landwirtschaft funktioniert ja eigentlich so – alle Kosten inkl. Löhne, Abschreibungen und Zinsen werden errechnet und durch die Teilnehmer geteilt. Man könnte aber auch durch die erzeugten Produket teilen.
    Das „geheimhalten“ der Betriebszahlen hat nichts genutzt und eine bessere Idee kann ich nicht liefern. Obwohl sich das nach viel Anhört, ist es um vieles besser als abzuwarten und ein bisschen Schweige/Sterbegeld von der Politik zu kriegen.

    +2
    • Bauer Willi sagt

      Ja, der Familienbetrieb ist die Grundgröße. Die Kalkulation geschieht offen durch Wissenschaftler und ist für jeden einsehbar. Wer niedrigere Kosten hat, hat einen höheren Gewinn. Wer mit dem Preis nicht zurechtkommt, wirtschaftet schlecht und dem ist auch nicht zu helfen.

      0
  26. brouss sagt

    Mein Ansatz wären Marken in bäuerlicher Hand, die direkt auf den Verbraucher wirken.
    https://www.alpro.com/de/ gehört zu Danone. Es ist bemerkemswert, wie schnell die Marke platziert werden konnte. Die Danones haben mit Milchprodukten Geld gemacht und greifen dann den Umwelttrend auf.

    Die Bauern bräuchten Wissen und Geld um auch solche Marken einzuführen. Wissen könnten z.B. Agrarstudenten an den Unis erarbeiten. Geld sammelt man über Fonds.
    Und Bauern gibt es immer noch in der Fläche. Da gibt es z.B. Bauernmärkte wo man relativ leicht reinkommt und eine Marke bekanntmachen kann.

    0
    • Jürgen sagt

      Danke @brouss
      Das hört sich interessant an. Hast Du eine Idee wer das anstoßen könnte? Ich denke der Bauernverband hätte zwar Struktur, hat aber bei vielen Landwirten schon zu viel „verbrannte Erde“ hinterlassen.

      0
    • Bauer Willi sagt

      Das ist ein sehr langer Weg. Aber es geht. Schau mal die Marken von Arla. Arla gehört den Bauern, auch wenn das kaum erkennbar ist.

      +1
  27. Friedrich sagt

    Wie dieser Preis genannt wird ist doch egal. Ich habe mal einen Mindestpreis von 1,60 Euro/kg Mastschweine- und 0,35 Euro/kg Milch vorgeschlagen . Dazu gibt es nur Zuschläge und keine Abschläge . Dieser Preis steigert sich dann jedes Jahr um die Inflationsrate. Damit aber der Markt nicht geflutet wird , sprich einige die Produktion erhöhen , muß ein Basisjahr gelten mit der entsprechenden Kontraktmenge als Basis. Wir dürfen nicht vergessen , daß wir Unternehmer sind und deshalb muß der Markt trotzdem funktionieren. Es geht nur darum , daß nicht ständig Verluste eingefahren werden. Wer mehr über die Kontraktmenge liefert , muß eben den Spotmarktpreis akzeptieren. Bei höheren Preisen ist das eh kein Problem. Über die vielen Daten , die wir liefern ist das heute mit der EDV überhaupt kein Problem mit der Kontraktverwaltung . Q&S hat dann eben mal was sinnvolles zu tun. Beispiel : Kontraktmenge 2018 z.B. 2000 Mastschweine ,der Mindespreis gilt nur für die 2000 Mastschweine , wenn ich mehr liefere und der Marktpreis liegt bei 1,20 Euro/kg , dann alles was über 2000 Mastschweine geliefert wird 1,20 Euro/kg. Genauso bei Milch. Wenn der Marktpreis über 1,60 Euro/kg ist , dann bekommen alle Schweine den höheren Preis. Es geht also nur darum , nicht unter den „Moralischen Preis“ zu kommen, wie jetzt mit 1,15 Euro/kg.

    +4
    • Jürgen sagt

      Klasse Antwort Friedrich, damit kann ich etwas anfangen. Vor allem hast du ein Thema aufgegriffen bei dem ich selbst noch Bauchweh hatte – die Menge. Dein Konzept hört sich schlüssig an!

      0
      • Arnold Krämer sagt

        Die Menge ist und bleibt das Problem. Den Landwirten darf man nur die Menge „anständig“ bezahlen, die man selbst als Verarbeiter in Normaljahren „vernünftig“ verkaufen kann.
        Wenn durch ASP und Corona Absatzwege (wie z.B. jetzt) wegbrechen, muss das Konsequenzen haben (Vertragsmenge für das Folgejahr/die Folgeperiode je nach Einschätzung der Marktlage durch den Verarbeiter, nicht durch den Landwirt.

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  28. Obstbäuerin sagt

    Ein moralischer Mindestpreis wird doch von NGO´s schon seit einiger Zeit gefordert. Leider nicht im Sinne der modernen Landwirte. Der Preis von konventionell erzeugten Lebensmitteln sollte erheblich steigen, wegen der Umweltvergiftung, dem Insektensterben und dem durch uns verursachtem Klimawandel. Natürlich soll der Mehrerlös dann für die Guten abgeführt werden. Ich finde es geradezu lächerlich, zu glauben, NGO´s würden sich für die konventionelle Landwirtschaft positiv engagieren.

    +2
    • Lieschen Müller sagt

      Aber selbst wenn „Vergiftung“ einen Preis hätte, davon geht die Vergiftung doch nicht weg? Der Klimawandel geht nicht weg, wenn alle bezahlen. Bezahlen wofür? Was machen wir dann mit dem Geld? Mehr Beton?

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      • Obstbäuerin sagt

        Es gibt keine Vergiftung, die eingepreist werden müsste, Lieschen Müller. Und das Geld soll in die angeblich ökologischere Landwirtschaft fließen. Damit würde über kurz oder lang der modernen Landwirtschaft jede Existenzmöglichkeit entzogen.

        +3
        • Lieschen Müller sagt

          Nun gibt es ja einen CO2-Preis. Jetzt müssen also auch Verbraucher von Benzin, Öl, Gas für den Klimawandel bezahlen. Findest du das angemessen? Gerecht? Beim Öl gibt es internationale Kartelle, die den Preis festlegen. Warum nicht bei der Milch?

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Bauern bezahlen den CO2 Preis auch.

            Die Landbevölkerung ohne U Bahnanschluss zahlt höhere CO2 Steuer und der Städter fährt hochsubventioniert mit dem ÖPNV.

            +2
            • Lieschen Müller sagt

              Ja, so ist das. Dafür haben die meisten Städter kleine Wohnungen und kein Haus mit Garten. Es gibt überall Vor- und Nachteile. Fühlst du dich benachteiligt? Wie sieht für dich die ideale Gesellschaft aus?

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              • Ehemaliger Landwirt sagt

                Der eine Sohn lebt in Berlin, der andere in Augsburg, beide haben das selbst entschieden, folglich darf keiner von den beiden sich darüber beklagen.
                Ob ich mich benachteiligt fühle?
                Wäre ich ein normaler Rentner, dann dürfte ich mich wegen der Höhe in den Reigen der benachteiligten einfügen, als landwirtschaftlicher Rentner darf ich das nicht, das würde als „Jammern“ ausgelegt werden.
                Die Grundrente, mit der jetzt manche beglückt werden, bekommen Landwirtsrentner auch nicht ausbezahlt, das wäre schon wieder eine Benachteiligung bei der Landwirtschaft.

                Ich habe jedoch den Vorteil, dass meine Frau noch als Altenpflegerin arbeitet, noch im Tarif ÖD mit der Zusatzversorgung zu der normalen Rente, das wird mal für einen Malleurlaub reichen, nebst einen Eimer Sangria.

                Viel leicht wäre es für manche besser gewesen, nur einmal im Jahr an den Ballermann zu fliegen, dann wäre auch zu Kiesen Zeiten noch was auf dem Konto.

                Die ideale Gesellschaft wäre für mich, wenn alle so leben würden, wie meine Frau und ich. 👍

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            • Inga sagt

              Der müsste diesen CO2 Preis dann auch in seine Produkte einpreisen dürfen,

              Die Verbraucher wollen doch moralisch sein und den Preis dafür mitbezahlen, oder?

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Es wird immer erzählt,
        Landwirtschaft ginge ohne Pflanzenschutz, manch glauben dies sogar, die glaubten auch der Biolandwirtschaft, die würden keine Pestizide verwenden, dies war gelogen.

        Bereits die Römer verwendeten Arsen als Pflanzenschutzmittel, im Internet kann man von einer Bordeauxbrühe lesen, (Kupferkalkbrühe, Spritzmittel aus gebranntem Kalk und Kupfersulfatlösung), die erstmals 1885 von Millardet in den Weinbaugebieten um Bordeaux zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus (Peronospara)) eingesetzt wurde.
        1844 bis 1849 gab es durch die Kartoffelfäule in Europa eine große Hungersnot, allein in Irland verhungerte die Hälfte der Einwohner, ca.1 Million Menschen.
        Im Verkündigungsblatt meiner Gemeinde, Ausgabe vom 14. Mai 1932 stand ein Spritzaufruf, man solle die fressenden Schädlinge mit Bleiarsenat oder einer 2 prozentigen Nikotinseife behandeln. Kein Obsterzeuger sollte diese Behandlung unterlassen.
        Trotzdem einige Schädlinge wie der Maiswurzelbohrer. Kartoffelkäfer und die Kirschessigfliege dazugekommen sind, sind Teile der Bevölkerung der Meinung, man kann Landwirtschaft beitreiben wie unvordenklichen Zeiten.

        Ohne Insektizide und Fungizide geht „makellos“ auch bei BIO nicht, so Herwig Scholz, der man einen interessanten Bericht über das „Insektensterben“ in diesem Block geschrieben hat.

        +5
        • Obstbäuerin sagt

          Angebliche Vergiftung der Pflanzen und des Bodens mit PSM, von NGO gern Pestizide genannt und die Vergiftung des Trinkwassers mit Gülle bzw. Nitrat.

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          • Inga sagt

            Die NGOs
            sollen das endlich mal beweisen und ein paar neutrale Laboranalysen liefern.
            Sonst sind die für einen modernen Menschen nicht glaubwürdig.
            Und dann können wir weiterreden.

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    • Jürgen sagt

      „Ein moralischer Mindestpreis wird doch von NGO´s schon seit einiger Zeit gefordert.“ – Das wäre mir neu!
      „Der Preis von konventionell erzeugten Lebensmitteln sollte erheblich steigen,“ – da sind wir ja mit meiner Forderung zumindest einig.
      „Ich finde es geradezu lächerlich, zu glauben, NGO´s würden sich für die konventionelle Landwirtschaft positiv engagieren.“ – nicht wenn die NGO verstehen, dass eine Veränderung der Landwirtschaft nur dann möglich ist, wenn es überhaupt noch eine LW gibt die es zu verändern gilt. Wenn alle Mitglieder der NGO auch Taten folgen lassen würden, dann kämen wir in der Produktion nicht hinterher. Also sehe ich die NGO eher in der Pflicht den Preis und den Absatzmarkt zu bereiten, damit wir auch einen interessanten Markt als Produzent beliefern könnten. Wir können nicht für einen Markt produzieren, der noch nicht besteht.

      +2
      • Brötchen sagt

        „nicht wenn die NGO verstehen, dass eine Veränderung der Landwirtschaft nur dann möglich ist,“

        Das wissen die und kalkulieren das voll ein!

        Ähnlich ist das ja mit der Stilllegung der Kohlekraftwerke und dem Dieselverbot.

        D. ist ein crazy verkiffter Hippiestaat, wo die Mehrheit nicht mehr richtig arbeitet und high durch die Gegend stolpert.

        +5
      • Obstbäuerin sagt

        „Wer Klimaschäden verursacht, soll auch dafür zahlen
        Das Problem ist: Diese Umweltkosten spielen in der Agrarpolitik bisher kaum eine Rolle. foodwatch forderte daher die Bundesregierung vor der Sitzung des Klimakabinetts und dem globalen Klimastreik an diesem Freitag auf, konkrete CO2-Einsparvorgaben für die Landwirtschaft zu formulieren. Um Anreize zu schaffen, möglichst klimafreundlich zu produzieren, muss zudem das Verursacherprinzip angewendet werden: Die Landwirtschaft muss für die von ihr verursachten Klima- und Umweltschäden aufkommen. Das würde umweltfreundlich erzeugte Produkte günstiger machen als solche, deren Produktion hohe Umweltschäden verursacht.“
        Gleiche Forderungen kommen von Nabu, Bund und wie sie alle heißen. Darauf zu setzen, dass sie ihr Geschäftsmodell zu unseren Gunsten aufgeben, halte ich für naiv.

        +6
        • Lieschen Müller sagt

          Es gibt für viele Umweltschäden keinen angemessen Preis. Ist der Wald nur der Holzpreis? Oder gehört der Fleischpreis für die darin lebenden Tiere dazu? Was kostet ein Schmetterling? Ökonomisch können wir unsere Umwelt nicht retten. Und wie du schon sagtest: vielleicht ist es günstiger 100 Tonnen Äpfel ganz normal zu erzeugen, als überall Apfelbäume rumstehen zu haben, deren Früchte wegen Maden auch keiner isst. Deren Verarbeitung zu Apfelmus würde wieder viel Energie und Zucker verbrauchen. Und „Natur“ für den Eisvogel wäre da auch nicht.
          Ich würde CO2-Vorgaben an aller erster Stelle bei den Autos (ja, Autoverbot für Stadtbewohner) und beim Heizen (ja, moralisch gebotene Maximalwohnfläche pro Mensch) machen.

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          • Obstbäuerin sagt

            Da der Mensch wohl der größte Umweltschaden ist, sollte man den vielleicht besteuern. Je größer die Familie umso höher die Steuern. Das war jetzt Sarkasmus.

            +2
            • Lieschen Müller sagt

              Ja, vielleicht. Es gibt Vorschläge, z.B. 5000 Dollar an jede Frau, die mit 30 keine Kinder hat. Ich würde sowas nicht mit Sarkasmus diskutieren.

              +1
              • firedragon sagt

                Wenn man aber bedenkt, dass ein Kind, bis es selbständig seinen Lebensunterhalt bestreitet, an die 100tsd. kosten kann, sind 5000, dafür, dass kein Kind geboren wird, viel zu wenig an „Vermeidungsgebühr“.

                +1
                • Smarti sagt

                  Mit den dann 420 Tausend eingesparten Euro hätte es dann eine schön lange Kreuzfahrt gegeben ! ( Ironie )

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    • Inga sagt

      Die meinen das vielleicht so:
      Wenn die konventionellen teurer werden, dann werden die Produkte weniger weniger gekauft und der Markt regelt das zu Bioprodukten, das käme dann ja theoretisch der Umwelt zu gute.

      0
  29. Christian Bothe sagt

    Moralischer Mindestpreis? Ich kann damit überhaupt nichts anfangen. Irgendwie wird da die Ökonomie eines Betriebes unter den Tisch gekehrt. Jeder Unternehmer kennt seine DB-Rechnung, BWA usw., und weiß inklusive seiner Kredittilgungen plus Gewinnspanne wie er sein Produkt am Markt platzieren kann und mit welchem EK oder VK er es dem Verarbeiter oder LEH direkt anbietet. Das ist kann sehr unterschiedlich zwischen den Supermärkten sein mit ein und demselben Produkt auch gegenüber dem Wettbewerber! Ich glaube der LEH amüsiert sich, wenn er die Formulierung eines „moralischen Mindestpreises“ hört. Also realistisch erscheint mir so etwas nicht, wenn es auch von Gutmenschen erdacht wurde…

    +1
    • Christian Bothe sagt

      Bertolt Brecht Zitat :“ Erst kommt das Fressen und dann die Moral“ ,fällt mir gerade als ehemaliger Schüler einer Bertolt-Brecht-EOS ein. Passt doch irgendwie zur Diskussion?

      +1
      • Lieschen Müller sagt

        Das kommt aber aus einer Zeit, als es nicht genug zu fressen gab. Also der Einzelne manchmal noch hungern musste, oder fror. Die heutigen Umstände in Deutschland sind ganz anders. Das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft ist völlig unklar.

        0
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Hat es sich in der Einstellung was geändert?
          Geändert hat sich nur, dass jetzt die Reale übervoll sind und dafür die Bauern beschimpft werden.

          +2
      • Christian Bothe sagt

        Handel senkt Butterpreis um 56 Cent/kg! Wurde eben bei Top agrar publiziert! Das ist der LEH wie ich ihn kenne als Verarbeiter und Listung meiner Kartoffelprodukte…Nix mit moralischen Mindestpreis u.ä. Knallhartes Business, lieber Bauer Willi ob mit oder ohne Demos! Leider ist das so, und ich fürchte es wird so bleiben allen verbalen Bekundungen zum Trotz…

        +1
    • Bauer Willi sagt

      @C. Bothe
      Machen Sie einen besseren Vorschlag!? Es ist wohlfeil, Lösungsvorschläge zu kritisieren, ohne sich selbst Gedanken darüber zu machen, wie es denn gelingen kann.

      Ich finde diesen Vorschlag, auch wenn er vielleicht in der Umsetzung erst einmal schwierig sein wird, für notwendig, um in der Diskussion mal ein paar Schrittte weiterzukommen.

      0
        • Jürgen sagt

          Generalstreik im klassischen Sinne quer durch die Bevölkerung? Dafür geht es noch zu viele zu gut. Generalstreik in der LW ist laut Boykottgesetz laut Kartellamt nicht zulässig. Ein organisiertes „nicht Abliefern“ wird strafrechtlich verfolgt. Das wissen wir seit dem Milchstreik vor ein paar Jahren.

          0
      • Christian Bothe sagt

        Ganz einfach. Du mußt als Verarbeiter deine Produktion so organisieren, das du preiswert Rohstoffe einkaufst, kostengünstig rentabel und in hoher Qualität und Menge produzierst! Der nächste Schritt ist dann das Gespräch mit dem Handel, um gelistet zu werden als einer von vielen und gegen Eigenmarken. Der Handel fragt dich dann, was unterscheidet dein Produkt vom Wettbewerber, außer vielleicht Originalität, Regionalität (Herkunftszeichen, DLG etc.). Dann mußt du deinen Preis X versuchen durchzusetzen, inklusive Listungsgebühren und Rückvergütung und entsprechende Mengen anbieten. So in etwa läuft es, wobei Nachhaltigkeit u.ä. eine Selbstverständlichkeit für den LEH Einkäufer darstellen. Da kann man eine Diskussion um einen „moralischen Mindestpreis“ vergessen. So ist es, wenn man mit dem LEH arbeiten muß, was Sie vielleicht noch nicht direkt in Ihrem Berufsleben brauchten.

        +1
        • Schmeckt gut sagt

          So sieht es leider aus. Es spielt auch keine Rolle, ob Urproduzent, Verarbeiter oder Genossenschaft wie auch immer. Antreten, Konzept vorlegen, keine Fehler im Verkaufsgespräch machen und den passenden Preis abgeben. Die Betonung liegt auf Antreten. Ist halt wie in der Grundausbildung. Widerspruch wird nicht geduldet. Verstehen aber Leute nicht, die noch kein Listungsgespräch mitgemacht haben.

          0
  30. Lieschen Müller sagt

    Mit Moral kommt keiner weiter. Die T-Shirts für 1,99 gibt es ja weiterhin, obwohl ja angeblich alle wissen, dass das unmoralisch ist. Unmoralische Gehälter in den Pflegeberufen gibt es auch weiterhin! Obwohl gar nicht mal das Geld das große Problem ist, sondern die Arbeitsumstände, die aus einem kümmernden Beruf einen mit „Stückkosten“ gemacht haben. Es geht nur mit internationaler Solidarität, weltweiten Mindestlöhnen, starken Gewerkschaften.
    Wie wäre es denn mal wieder mit dem DDR-Ansatz: hohe Löhne für handwerkliche, produktive Tätigkeiten und niedrige Gehälter für die Intelligenzia? Das man studieren darf, ist „Lohn“ genug. Wer sich nicht anstrengt oder sabotiert, muss sich vor einem Gremium rechtfertigen.
    Und wie schon gesagt: wie soll ich denn als Verbraucher wissen, dass das Geld beim Landwirt ankommt? Ist die Molkerei nicht genauso wichtig? Dort arbeiten doch auch Menschen, die auf das Gehalt angewiesen sind. Was ist, wenn die Molkerei auch Produkte wie völlig überzuckerte Joghurts herstellt? Was ist, wenn der Landwirt dann sein schönes Geld für eine Kreuzfahrt ausgibt, was ich auch ablehne? Es gibt keine universelle Moral, kein „gottgefälliges“ Leben. Aber sehr wohl Gerechtigkeit, und da stehen Landwirte und normale Stadtbewohner auf der gleichen Stufe, die Profiteure und Blutsauger sind andere!

    +3
    • Jürgen sagt

      Ich bekomme momentan deine Aussagen nicht zusammen:
      „Mit Moral kommt keiner weiter.“ und „Aber sehr wohl Gerechtigkeit,..“
      Also laut Wikipedia ist Gerechtigkeit sehr wohl eng mit Moral verbunden. Und was unterscheidet deine Forderung nach weltweiten Mindestlöhnen von meinen „moralischen Mindestpreis“?

      +1
      • Lieschen Müller sagt

        Gerechtigkeit ist auf jeden einzelnen Menschen gemünzt, ein Milchpreis auf das Produkt. Ich fände es nicht gerecht, wenn sich jemand mit Milch bereichert, weil er z.B. sehr viel davon erzeugen könnte.

        0
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Mit Milch, zumindest im bäuerlichen Bereich, kann man sich weniger bereichern, als mit einem Beruf in der Pflege.

          +2
          • Lieschen Müller sagt

            Auch wenn ich die letzte Altenpflegerin wäre? 🙂
            In der Diskussion heute geht es doch um zu erreichende Wünsche, nicht um den Istzustand. Jürgen möchte ja etwas ändern und nicht den heutigen Zustand verewigen.

            0
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Was ist gerecht?

              Die Arbeitnehmer fordern eine gerechten Lohn, jeder meint das wäre Gerecht.
              Wenn der Bauer einen Gerechten lohn fordert, dann nennt man dies „Jammern“

              Ja, Jürgen möchte was ändern, er will auch Gerechtigkeit.

              Übrigens, meine Frau ist Altenpflegerin und steht noch im Berufsleben.

              +2
          • Inga sagt

            Wenn man s3ine Frau als Sekretärin nach Mercedes schickt, bringt sie aber mehr Geld mit nach Hause, als wenn sie ins Altersheim geht.

            Ob Wohnbereichsleiterinnen an den Mercedes Tippsenlohn dran kommen, weiss ich nicht.
            Wer hat mehr Verantwortung?

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              „Wenn man s3ine Frau als Sekretärin nach Mercedes schickt,“

              Wo gibt es die Frauen noch, die das genau machen, was der Ehemann verlangt?

              Verantwortung tragen beide.

              0
    • Bauer Willi sagt

      Es geht um einen Mindestpreis und wie man dahin kommt. Der Preis muss die Kosten decken. Das hat mit einem Lohn mal zuerst nichts zu tun. Ich kenne niemanden, der privates Geld mit zu seinem Arbeitgeber mitbringt…

      0
      • Lieschen Müller sagt

        International passiert das leider, da gibt es Schuldsklaverei. Deswegen können manche landwirtschaftliche Produkte zu sehr, sehr geringen Preisen angeboten werden. International müssen Mindestlöhne durchgesetzt werden.

        0
  31. Die Arbeit aller Mitarbeiter muss eingerechnet werden. Natürlich auch Altenteiler, Kinder, Nachbarn, Freunde und Helfer aus Urlaub auf dem Bauernhof. Mindestens zum Mindestlohnpreis. Anspruchsvollere Arbeiten wie z.B. Fahren einer Großmaschine mit über 200 000 € Anschaffungskosten oder Überwachung eines Tierbestandes brauchen einen ordentlichen Verantwortungszuschlag. Für alle die nicht in einem sozialversicherungspflichtigem Arbeitsverhältnis stehen (Rentner, Arbeitssuchende usw.
    muss ebenfalls der Mindestlohn gerechnet werden.

    +1
    • Jürgen sagt

      Antwort und Argumentation, siehe bitte unten in der Kommunikation mit @firedragon

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    • Bauer Willi sagt

      Nein. Beim standardisierten Familienbetrieb geht es um einen, für alle nachvollziehbaren Idealbetrieb. Was ist denn mit dem Betrieb, der keine Altenteiler oder Kinder hat?
      Bitte noch mal den Vorschlag lesen, ich habe den Eindruck, dass Sie es nicht richtig verstanden haben.

      0
  32. Mark sagt

    Ich fang mal mit dem Guten an: Gut ist der Gedanke, dass der Ansatz nicht sofort mit zusätzlichen Auflagen (Umwelt,Tier) gekoppelt werden soll. Das wars dann aber auch schon.
    Diesen Ansatz verfolgt nämlich der BDM schon seit Jahren – erfolglos. Das werden Milcherzeugungskosten, Milchmarkerindex und Preis-Kosten-Ratio ausgerechnet, quartalsweise-und keinen interessiert´s. Dass NGO´s mithelfen, um Bauern ein angemessenes Einkommen zu ermöglichen-eine Illusion.

    +5
    • Jürgen sagt

      Mark, ich versuche mal aus der Sicht eines Verbrauchers oder Mitbürgers das auf zu nehmen:
      Wer versteht solche Formulierungen: „Milchmarkerindex und Preis-Kosten-Ratio?“ Bestenfalls noch: „Milcherzeugungskosten“ – Deshalb wollte ich einen Begriff der an das Gewissen direkt appelliert: „moralischer Mindestpreis“
      Die von Dir genannten Begriffe und Preise sind zwar Insidern bekannt, aber kann man damit die Bevölkerung hinter sich bringen um Druck aufzubauen?
      Von wem wird dieser Preis errechnet? Wo wird er veröffentlicht? Welche Multiplikatoren werden damit versorgt? Warum habe ich noch nicht einmal als Landwirt (zwar Schweinehalter) noch nichts davon gehört? Welche NGO sind eingebunden?

      +1
      • Mark sagt

        @Jürgen
        Dass MMI und Preis-Kosten-Ratio dämlich Begriffe sind, da gebe ich Dir recht.
        Veröffentlicht wird MMI etc. regelmässig in PM´s oder auch auf Pressekonferenzen anlässlich der Grünen Woche u.ä., aber auch ständig bei Treffen mit der Politik usw. In der allgemeinen Presse erscheint dies nicht, weil´s nicht interessiert. Dass der BDM nicht mit NGO´s zusammenarbeitet kann man ihm gewiss nicht vorwerfen-für meinen Geschmack viel zu viel. „Erna goes fair“ ist z.B. eine Aktion mit BDM, NABU, DGB, NGG, NES und anderen. Die haben jetzt auch eine Broschüre herausgebracht, nachhaltig auf veganem, lactose- und glutenfreiem, zuckerreduziertem und fettarmem Papier. http://www.a3saar.de
        Dass es den Bauern hilft, ich glaubs nicht.

        0
    • Jürgen sagt

      @Mark Habe deine Kritik mittlerweile auch von anderer Seite über LSV Gruppe bekommen, und habe die gleichen Gegenfragen wie oben dann gestellt. Folgende Antwort kam:
      „Der Preis wird vom „Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft“ errechnet. Was da alles mit einfließt kann ich dir nicht sagen. Veröffentlicht wird der meines Wissens nur in Fachmedien wie Agrarheute, Top Agrar usw“
      Ich glaube, ich muss jetzt nicht weiter ausführen warum es wohl an der Verbreitung hapert und ich mit dem „moralischen Mindestpreis“ eine andere Strategie mit öffentlichen Druck und Einbindung der NGO verfolgen möchte.

      0
    • Bauer Willi sagt

      @Mark
      So, dass war jetzt die Kritik, warum etwas nicht geht. Und jetzt den verbesserten Vorschlag, wie es gehen kann.
      Von den genannten Indices habe ich auch noch nie was gehört. Aber enthältst Du uns wertvolle Information vor? 🙂
      Und noch was: es geht nicht nur um Milch!! #Bauchnabelschau

      0
      • Mark sagt

        @ Willi

        Das Beispiel mit der Milch habe ich nur deshalb gebracht, weil dort genau der Vorschlag von J.D. schon seit Jahren erfolglos durchexerziert wird(nix Bauchnabelschau). Die Indices wurde zu diesem Zweck erfunden. Und ja, ich kann erklären warum ein perpetuum mobile nicht funktionieren kann, aber ich habe keinen Vorschlag, wie es funktionieren könnte….

        0
  33. Simon Mense sagt

    Grundsätzlich hört sich das ganz gut an. Ich kritisiere aber das die mithelfenden Familien AK’s nicht mitgerechnet werden sollen. Warum nicht? Auf den meisten Betrieben Betrieben funktioniert dascdoch ohne gsr nicht. Wäre es nicht einfacher halbjährlich eine Vollkostenrechnung machen um einen moralischen Mindestpreis zu erhalten?

    +1
    • Bauer Willi sagt

      Es geht ja um eine normierte Kalkulation. Deshalb nur zwei AK und keine mithelfenden Angehörige. Die gibt es ja nicht in jedem Betrieb.
      Wenn ein Betrieb ohne die Altenteiler nicht mehr auskommt? Kritisch!

      0
      • bauerhans sagt

        „Wenn ein Betrieb ohne die Altenteiler nicht mehr auskommt?“

        die meisten betriebe sind auf die altenteiler angewiesen,kostenlos und wehe die werden zum pflegefall!
        manchmal sind familienangehörige angestellt,die dann,wenn sie nicht mehr benötigt werden,einen job suchen müssen.
        ich hab da beispiele,da konnte ich nur noch den kopf schütteln.

        0
        • Bauer Willi sagt

          Hans, das stimmt doch nicht! Ich kenne bei uns im Dorf und weiteren Umfeld keinen einzigen Betrieb, auf dem die Altenteiler mitarbeiten.

          Hof kehren zähle ich zu Hobby, das macht unsere Mutter jeden zweiten Tag.

          Und auch in Westfalen kenne ich Beispiele, wo Schweinemäster sich die Zeit mit Börsengeschäften vertreiben und die Ehefrau arbeiten geht… 🙂 🙂

          SAUEREI! 🙂

          0
          • firedragon sagt

            Einspruch:
            je vielfältiger ein Betrieb, desto mehr Hände benötigt er. Und auch Altenteilerhände – unsere sind im Übrigen gewinnbeteiligt, also so ganz kostenlos sind die nicht, außerdem trägt der Betrieb alle Kosten.
            Es ist absolut kein Problem 2000ha Ackerbau mit 3/4 Kulturen mit 2AK zu betreiben.

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            • Ostbauer sagt

              Drachen, kennst Du solche Betriebe die das schaffen ???
              Ich nicht; und ich hab einige in der Größenordnung in meiner Nachbarschaft.

              0
              • firedragon sagt

                Ostbauer schön, dass Du Dich endlich meldest !
                Du mit Deinem Betrieb und andere in dieser Größenordnung können teilweise ebenso wenig auf Altenteiler verzichten, wie wir.
                Der eingestellte Beitrag hat einen Haken, es müssten alle Betriebe gerechnet werden, da es so viele unterschiedliche Konstellationen gibt.
                Ich gebe zu, mein letzter Satz oben ist ein wenig überzogen, nimm eine Null bei den Hektaren weg, dann klappt das.

                0
                • Ostbauer sagt

                  Tja, Drachen, wir sind ein familiengeführter Familienbetrieb; wie wir jetzt in diese Rechnung passen,hat sich mir auch noch nicht erschlossen.
                  Natürlich haben die Altenteiler auch bei uns manche Lücke geschlossen und geholfen die Kosten zu drücken.
                  Den „Altmeister“ musste ich mit 75 von seinem geliebten Schlepper nehmen ( Die Verantwortung war einfach zu groß).
                  Da ja der Nachfolger schon auf dem Hof ist, wachse ich so langsam in diese Rolle hinein. Wie lange – weiß der liebe Gott.
                  Aber zum Thema.
                  „Moralischer Mindestpreis“; das gute vorweg wie gewünscht;
                  es ist aus meiner Sicht schon mal gut, dass anscheinend (zumindestens bis jetzt) komentarübergreifend Mindestpreise positiv bewertet werden. Allerdings, und jetzt kommt das Aber;
                  An die Moral apellieren wir wie lange schon? und an wen nicht alles? Und sind nicht eigendlich alle Daten auch von unverdächtigen, neutralen Stellen bekannt, wie hoch die Preise sein müssen um Fleisch ,Obst, Milch oder Gemüse kostendeckend zu erzeugen. Sicher sind viele Daten für Laien fachchinesisch aber jeder Branchenverband bricht seine ehobenen Daten auf die Aussage herunter: Produkt x kostet in der Herstellung soundsoviel über die breite Masse der erzeugenden Betriebe. Was bitte können Verbraucher daran nicht verstehen??
                  Die Instrumente zur Mengensteuerung hat man teilweise bis zum Absurden verwässert bevor man sie abschaffte (siehe Milchquote) oder sie stehen uns rein rechtlich nicht zur Verfügung (Mengenabsprache, Boykottaufruf).
                  Deshalb bin ich hier voll bei Friedrich- Druck und nochmals Druck. Keiner der nachgelagerten Bereiche möchte der Buhmann sein und die Politik schon gar nicht. Wir haben im Moment nicht mehr die Zeit für Arbeitskreise engros; die Hütte brennt und zwar lichterloh.

                  +1
                • Ehemaliger Landwirt sagt

                  „Den „Altmeister“ musste ich mit 75 von seinem geliebten Schlepper nehmen ( Die Verantwortung war einfach zu groß)“

                  Ich freue mich darauf, in 2 Jahren nur noch das Sofa. 😃

                  0
                • firedragon sagt

                  Jep Ostbauer, ich habe auch keine Ahnung, wie unser Betrieb in diese Rechnung passen soll.
                  Du bist Familienbetrieb, ich auch und unterschiedlicher können wir gar nicht sein !
                  Den von „Bauer Willi“ genannten „nachvollziehbaren Idealbetrieb“ gibt es nicht !
                  Und ja, die Richtung, die Friedrich oben nennt, wäre umsetzbar …

                  0
                • Inga sagt

                  Ist 75 nicht das richtige Alter, um ha-weit und tagelang zu pflügen, bzw grubbern ?

                  Das ist doch für einen 20jährigen Junior nichts.

                  Andere machen mit 80 noch Welt reisen….

                  0
          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Echt ein Börsenspekulant, dessen Ehefrau noch Arbeiten tut?

            Entweder bringt das Parkett nichts, oder zu wenig ein,
            oder die beiden können nicht genug kriegen.

            Ich Tippe mal auf das zweite. 😜

            In Obst und Weinbaubetriebe kenne ich KEINEN Altenteiler, mit Ehefrau, die NICHT im Betrieb mitarbeiten. Es geht nicht anders, zumindest nicht in der Größenordnung unserer Betriebe.

            +1
    • Jürgen sagt

      Erklärung für die nicht Einberechnung der MiFa habe ich weiter unten in der Kommunikation mit @firedragon geschrieben.

      0
  34. firedragon sagt

    Ein Gedanke dazu: warum sollen die mithelfenden fam.AK nicht mitgerechnet werden ?
    Mir ist auch nicht klar, warum „der“ Familienbetrieb nur mit 2AK berechnet werden soll ?
    Unser Betrieb würde mit nur 2AK untergehen, bzw. die 2AK bräuchten nicht schlafen, weil zuviel Arbeit, spätestens nach der Getreideernte könnte man uns in die „Tonne kloppen“ oder wahlweise in die Klapse einliefern.
    So gesehen, wäre der moralische Mindestpreis für unsere Produkte nicht bezahlbar…
    (wie erwähnt, nur ein Gedanke)

    +1
    • Jürgen sagt

      @firedragon Du gibst die Antwort auf deine Frage: „…warum sollen die mithelfenden fam.AK nicht mitgerechnet werden ?“ weiter unten selbst:
      „So gesehen, wäre der moralische Mindestpreis für unsere Produkte nicht bezahlbar…“
      Denn derzeit arbeiten viel mehr MiFA (mitarbeitende Familienangehörige) unentgeltlich mit. Dies erhöht die Gesamtarbeitsleistung auf dem Betrieb, schlägt sich aber nicht auf den Preis nieder. Aufgefallen ist dies schon länger bei der Auswertung der Buchführungsergebnisse. Die aufgrund der Betriebsgröße anfallenden, notwendigen Arbeitsstunden können unmöglich durch die „offiziellen“ Arbeitskräfte abgedeckt worden sein. Hier wurden Oma, Opa, Geschwister und Kinder die immer wieder mit anpacken einfach nicht erfasst. Da ihnen dadurch auch keine Entlohnung eingerechnet wurde entstand ein unrealistischer Produktpreis. Zudem wird statistisch ein viel zu hohes Einkommen für die „offiziellen“ Arbeitskräfte ausgewiesen. Dies führt zu den trügerischen Schluss der Bevölkerung, naja das Einkommen der Landwirte ist doch gar nicht so niedrig……

      +10
      • Mark sagt

        @Jürgen

        Oh, oh, dann begeb Dich mal in die höheren Sphären der Agrarökonomen. Die reden da von ganz anderen Dingen, nämlich von Ineffizienz, von Fehlallokation von Arbeit und Kapital und von versteckter Arbeitslosigkeit in landwirtschaftlichen Betrieben.

        0
  35. Thomas Apfel sagt

    Guten Morgen Herr Donhauser,
    die Idee an sich ist gut, vor allem, wenn sie durch die Medien begleitet werden würde. Die entscheidende Frage ist, WELCHER PREIS ist der Richtige, der Erzeugerpreis der Großhandelsabgabepreis oder der Preis im Laden (in dem ja die Kosten/Leistungen der Verpackung, Distribution, Sortierung und Vorverarbeitung enthalten sind) ?
    Fürhalbwegs unverarbeitete Erzeugnisse, wie Frischfleisch, Frischobst, Frischgemüse und Trinkmilch ist das halbwegs transparent möglich. Bei verarbeiteten Produkten ist das für den Verbraucher sehr viel schwieriger transparent zu gestalten. Die Basis wäre auch noch zu diskutieren. Ist es der Erzeugerpreis, also der Auszahlungspreis an den Bauern für das reine Erzeugnis durch den Erfasser, Verarbeiter, die Erzeugergenossenschaft ? Diese Preise sind gut vergleichbar, statistisch erfasst und entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg der Erzeuger. Sie sind aber in den wenigsten Fällen Gegenstand von Preisverhandlungen mit dem LEH. Die Zwischenstufen Lagerung, Verpackung, Sortierung und nicht zuletzt Weiterverarbeitung geben den Preisdruck des LEH an die Erzeuger weiter. Sie sind aber unter Umständen selbst Kostentreiber, da sie ihre Mehrkosten (Inflation, Lohnsteigerung, Preissteigerung Material und Energie) weitergeben müssen um selbst nicht unterzugehen. Weitergegeben wir nach oben (LEH) und nach unten (Erzeuger in der Urproduktion). Meist wird nach unten weitergegeben, da der Erzeuger im Gegensatz zum LEH kaum ausweichen kann. Zudem sind die Leistung/Kosten dieser Zwischenstufen intransparent, nicht für das Mitglied der z.B. der konkreten Genossenschaft, wohl aber in der Gesamtbetrachtung (auch weil statistisch nicht wirklich gut und einheitlich erfasst).
    Na ja, für mich zu viele Fragen, aber Sie haben schon recht, dafür gibt es ja eigentlich genug gut bezahlte Institute, Wissenschaftler und Kontroll- und Verwaltungsmitarbeiter, die den richtigen Ansatzpunkt finden müssen. Vielleicht sollten wir dahingehend klare Forderungen an diese Adressaten richten.

    +2
    • Jürgen sagt

      @Thomas Apfel Mir war bewusst, dass dieser „moralische Mindestpreis“ noch durch die Weiterverarbeitung nicht gleich der Einkaufs-, geschweige denn Verkaufspreis des LEH darstellt. Aber wenn wir Landwirte einen unabhängig ermittelten „moralischen Mindestpreis“ vorweisen können, dann können wir den „schwarzen Peter“ abgeben an die Verarbeiter und den LEH. Wer schon mit Nachhaltigkeit und Regionalität werben möchte, aber auf der anderen Seite keine Moral zeigt und den Erzeuger „verhungern“ lässt, der wird bei dieser Offenlegung auf kurz oder lang immer mehr in die öffentliche Kritik geraten. Und das scheut der LEH wie der Teufel das Weihwasser. Deshalb auch mein Vorschlag einen Schulterschluss mit den NGO in diesen Verfahren zu suchen. Diese sind Meister in „öffentlicher Pranger“, und es ist gleichzeitig ein Offenbarungseid für ihre wahren Ziele und Ambitionen.

      +2
      • Thomas Apfel sagt

        Da die Erzeugergenossenschaften und teils auch die Verarbeiter in irgendeiner Form ja auch oft in bäuerlichem Eigentum sind, wird der schwarze Peter hier garantiert zurückgegeben. In dem Moment, wenn z.B. beim Obst die Lagerung, Sortierung und Verpackung aus Gründen der (notwendigen) Konzentration auf der Anbieterseite nur noch über Genossenschaften gemacht wird, ist jede Handbewegung dort eine Rechnung für den Erzeuger. Man hat ja in der Beratung und Investitionsförderung nicht aus Versehen bis Mitte der Neunziger zur eigenen Lagerung und Sortierung geraten. In schlechten Jahren sind dann nur die direkten Kosten wie Strom und Frendarbeit in echt zu bezahlen. Das hatte sich im Nord-Westdeutschen Raum auch stark durchgesetzt. Die steigenden Forderungen des LEH nach qualitativ einheitlichen Partien und der praktische Untergang der Großhandelsstrukturen haben davon abrücken lassen. Keiner weiß genau wieviel von den 20 % Marge , die den Bauern am Endverkaufspreis über die Zeit verlorengegangen sind beim LEH und wieviel bei den Zwischenstufen der Genossenschaften, Verarbeiter und Zulieferer aufgesaugt worden ist.
        So gesehen muss/kann man diese „moralischen Preise“ nur relativ pauschal auf den Endverbraucherpreis beziehen. Diese Berechnung ist nicht mal besonders schwierig oder anspruchsvoll. Anspruchsvoll ist das reale Durchreichen höherer Preise nach „Unten“ zum Erzeuger – unabhängig von „moralischen Preisen“.

        +2
          • Thomas Apfel sagt

            Wenn ich Jürgen richtig verstanden habe hebt er auf die Erzeugerpreise ab.
            Diese sind nicht auf dem Schirm der Nichtlandwirte. Wenn man sie dorthinhaben will, muss man sich auf einige markante Erzeugnisse im Frischebereich konzentrieren. Vorschlag: das (NGO-Sprech = „ungesunde“) Schweinefleisch, die (NGO-Sprech = mit „Regenwaldsoja“ erzeugte) Milch, den (NGO-Sprech = konventionell mit „übermäßigem“ Pestizideinsatz erzeugten ) Apfel.
            Ich will damit sagen, das ist schon sinnvoll, aber nur ohne die NGO´s, denn die machen einfach ganz andere „Problemfelder“ zum Mittelpunkt ihrer Argumentationen. Man kommt so ganz schnell wieder in die Verteidigungsposition: „Wir müssen das so machen, wie wir es machen, weil wir zu wenig Geld bekommen“

            0
            • Jürgen sagt

              Deswegen war mir wichtig zu betonen, dass der „moralische Mindestpreis“ auf der Basis derzeitiger gesetzlicher Mindeststandards kalkuliert wird. Wie soll ich den NGO verständlich rüber bringen, dass wir mangels finanziellen Spielraums derzeit gar nicht in der Lage sind weitere zusätzliche Anforderungen zu schultern, wenn sie nicht einmal wissen wo unsere untere bisherige untere Schmerzgrenze lag. Alle zusätzlichen Anforderungen wäre wir bereit, wenn die NGO auch dafür mit uns kämpfen diesen Mehraufwand und Mehrkosten als TopUp oben auf den moralischen Mindestpreis zu bekommen.

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        • Jürgen sagt

          Aber erzeugen wir nicht automatisch einen Druck auf die ganze Kette, wenn der untere Preis (moralischer Mindestpreis für den Erzeuger) und er obere Preis (VK-Preis LEH) bekannt sind. Es liegt den Verarbeitern ja offen, genauso transparent mit ihrer Kalkulation umzugehen wie bei uns Erzeugern mit den moralischen Mindestpreis. Erst wenn der Verbraucher nachvollziehen kann wer wie viel, oder besser gesagt wenig vom ganzen Kuchen bekommt, ist er auch bereit mehr für Lebensmittel auszugeben.

          0
          • Lieschen Müller sagt

            Nein, es gibt keine innergesellschaftliche Solidarität. Ich habe nur xx Euro zum Ausgeben. Wer bekommt die? Der Landwirt, die Näherin in Bangladesch, der Softwareentwickler, die Friseurin? Oder Amazon? Was wiederum keine Steuern zahlt…
            In meinem Arbeitsumfeld erfolgt die Meinungsbildung mit Bild und Morgenpost. Du musst also Schlagzeilen finden: „Milchbauer schlachtet alle Kühe, wenn er nicht bis morgen 10.000 Euro findet“. oder „Wenn Milchpreis nicht auf 10 cent steigt, müssen alle wieder Margarine essen“. Dann hast du 2 Tage. Danach haben alle wieder alles vergessen.

            +1
            • Smarti sagt

              wie schrecklich… man sieht nur das, was man sehen will ? Bitte sofort neue Umgebung suchen :).

              +1
        • Brötchen sagt

          Thomas ich denke auch das Problem sind nicht die Primärerzeugerpreise, da sind die Landwirte nackig in allen Richtungen.

          Das Problem ist mangelnde Transparenz bei dem LEH und den Verarbeitern, wo das richtige Geld verdient wird.

          Der grobe „faire“ Preis ist überall bekannt für alle Produkte, es ist nur die Frage, setze ich den weiter oben an, oder weiter unten.

          „ber erzeugen wir nicht automatisch einen Druck auf die ganze Kette, wenn der untere Preis (moralischer Mindestpreis für den Erzeuger) und er obere Preis (VK-Preis LEH) bekannt sind. Es liegt den Verarbeitern ja offen, genauso transparent mit ihrer Kalkulation umzugehen wie bei uns Erzeugern mit den moralischen Mindestpreis. “

          Ist bekannt und juckt keine Sau!

          das sind c. 1,40 – 1,30 € beim Schweinefleisch und 0,32 -0,34 cent bei der Milch.

          Da gibt es auch weltweite Gegenüberstellungen.

          Oder sind die 8 Mrd die der ÖR jedes Jahr bekannt, kann das jeder auf zwei Seiten lesen, was eine Sendeminute Tagesschau oder RBB Aktuell kostet bis zum Pförtner.

          Die Medien vermeiden immer über konkrete Kalkulationen zu berichten.

          In unserem Käseblatt werden auch immer Autos vorgestellt, die sich kaum jemand kaufen kann. Das sind so Sachen, wo Preise genannt werden.

          +1
  36. Ludger sagt

    Der Ansatz ist gut, der Verbraucher wird ob der Kosten im mark erschüttert sein , Der LEH wir mord und brand schreien , Landwirtschaft hätte Bestandsschutz,der entscheidende Nachteil jede Menge nicht mehr nutzbare Gebäude ein paar 100000 Arbeitslose Angestellte. Fast alle biogasanlagen würden aus der bäuerlichen Hand fallen und gewerbliche Betreiber bekommen wenn den noch genügend geerntet werden kann.

    0
  37. bauerhans sagt

    der genannte zuschlag beim Tierwohl reicht aber doch gar nicht,um zusätzliche kosten abzudecken.
    ist doch eine mogelpackung!

    +1
      • Ludger sagt

        Aber das woran unsere umweltminister gerade arbeiten macht alles zunichte
        Faktisch ein Berufsverbot ohne Aufwandsentschädigung

        +4
        • Jürgen sagt

          @Ludger Aus diesen Grund müssen wir Landwirte in die Offensive gehen. Frau Schulze, wir Landwirte würden gerne ihre Anforderungen erfüllen, aber unter diesen wirtschaftlichen Voraussetzungen können wir es schlichtweg nicht. Mit einen „moralischen Mindestpreis“ kann jeder für sich entscheiden, ob er bereit ist für die Mehrleistung auch mehr zu bezahlen. Wenn Frau Schulze also weiß, dass der auf gesetzlichen Mindeststandart kalkulierte „moralische Mindestpreis“ nicht mal erzielt wird, wie kann sie dann noch darüber hinaus etwas fordern ohne eine entsprechende Gegenfinanzierung?

          +4
          • Mark sagt

            „Wenn Frau Schulze also weiß, dass der auf gesetzlichen Mindeststandart kalkulierte „moralische Mindestpreis“ nicht mal erzielt wird, wie kann sie dann noch darüber hinaus etwas fordern ohne eine entsprechende Gegenfinanzierung?“ Problemlos, weil der Frau Schulze dies herzlich egal ist.

            +1
        • Ludger sagt

          Genau deshalb die Forderung
          Politik soll sich klar pro Landwirtschaft äußern, sich gewillt zeigen die politischen rahmenrichtlinien so anzupassen das es möglich ist ökonomisch zu bewirtschaften. Dann können die LEH s zu dieser Vorgehensweise inspiriert werden.

          +2

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