Bauer Willi
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Wie wird die Zucker-Ernte?

Meine Frau und ich sind am Mittwoch in den Urlaub ins Allgäu gefahren. Dabei schaut man als Landwirt unterwegs auch nach rechts und links aus dem Auto. Südlich der Mainlinie haben wir keine schönen Bilder von Zuckerrüben gesehen. (Mais wird derzeit gehäckselt) . Es ist nicht nur die Trockenheit, die immer noch nicht zu Ende ist, sondern auch der Einfluss der Schilfglasflügelzikade, die SBR (Syptom eines niedrigen Zuckergehaltes) und Stolbur überträgt. Beides sind relativ neue Krankheiten. Es besteht kein Zweifel, dass hier die Erträge gegenüber den Vorjahren deutlich abfallen werden. Auch bei uns im Rheinland werden die Erträge geringer ausfallen, allerdings sind viele Rübenbestände wieder grün und wachsen jetzt wieder weiter.

Was bedeutet das für den Zuckermarkt?

Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker gibt in jedem Jahr Prognosen heraus, wie die Ernte ausfallen könnte.

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Weitere Informationen

Für dieses Jahr ist festzuhalten:

  • die Anbaufläche ist gegenüber dem Vorjahr um 50.000 ha von 350.000 auf 300.000 ha gesunken
  • Der Rübenertrag wird mit rund 71 t/ha gegenüber 82 t/ha im Vorjahr gesehen
  • Es werden rund 7 Millionen t Rüben weniger erwartet, was sich natürlich auch auf die Kampagnedauer auswirkt.
  • In der Konsequenz werden statt 4,4 Mio t Zucker in diesem Jahr lediglich 3,4 Mio t Zucker erwartet.

Nach Angaben der Europäischen Kommission sinkt die Weißzuckerproduktion vorausssichtlich von rund 16,6 Mio t auf 13,4 Mio t. Gleichzeitig stehen die Zuckerpreise unter Druck und markieren ein Dreijahrestief bei gleichzeitig gestiegenen Produktionskosten. Und es steht zu erwarten, dass die Kosten aufgrund der Energiepreise weiter steigen werden.

https://www.wochenblatt-dlv.de/maerkte/zuckerpreis-faellt-kraeftig-steht-3-jahres-tief-droht-knappe-ernte-586324

Wir haben im August das Saatgut für das Rübenjahr 2027 bestellt, weil es einen Frühbezugsrabatt gibt. Wir werden in unserem Betrieb den Anbau weiter leicht einschränken, damit der Zuckermarkt weiterhin knapp versorgt bleibt. Gut wäre es, wenn es die Berufskollegen es auch machen würden. Denn nur was knapp ist, wird normalerweise auch teurer, auch wenn das in diesem Jahr noch nicht passieren wird.

Die Politik kann keine Preise machen, sie kann aber die Rahmenbedingungen richtig setzen. Wichtig ist jetzt, dass nicht – wie in den Vorjahren passiert – die Marktsituation durch kontrollierte und unkontrollierte Importe zu Lasten der europäischen Landwriten verändert wird. Die Verantwortung dafür tragen die politischen Entscheidungsträger in Brüssel und Berlin.

P.S.: Wegen des Urlaubs werde ich Kommentare meist erst abends freischalten. Ich will ja keinen Ärger mit der Chefin… 🙂

 

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16 Kommentare

  1. Ludwig sagt

    Willi , sehr gut aufgeschrieben, aber wir wirtschaften in der EU. Das Desaster am EU- Markt ist politisch begründet. Ständige Handelsabkommen und zollfreie ungebremste Importe haben den Zuckermarkt kaputt gemacht. Habe mir schon im Juli mal eine Liste mit Problemen für das kommende Zuckerwirtschaftsjahr (1.10. 26 – 30.9.2027) gemacht. Nachdem ich einige Tausend Kilometer zu verschiedenen Zeiten ab Ende Juni und später durch Süddeutschland , Rheinland , aber auch Österreich und Slovenien gefahren bin, war die Ertragskatastrophe schon im Juli zu erkennen. Inzwischen hat Brüssel reagiert . Wir haben geschätzt zum 30.9.26 rd. 2-3 Mill. Weißzuckervorrat und damit mehr als üblich von rd. einer Mill. Tonnen. In der EU haben wir rd. 92.000 ha weniger Rüben stehen. Werden rd. 15% weniger Ernten , also 2,5 Mill.Tonnen, weniger zollfreier umgewidmeter Zucker aus Brasilien
    also 2 Mill. Tonnen und auch eine zollfreie Grenze zu der Ukraine von einer Mill. Tonnen
    eingezogen. Der Verbrauch liegt bei rd. 16,5 Mill. Tonnen. Viele Zuckerfrabriken sind bereits geschlossen , oder werden geschlossen. Einige Zuckerfabriken werden teilweise mit 60 Verarbeitungstagen die kürzeste Verarbeitungszeit in der Geschichte haben und das wegen niedriger Erträge , aber auch wegen absolut desaströser EU-Handels- und Zollpolitik , die jetzt teilweise begradigt wurde , aber auch nur durch massiven Einsatz unserer Zuckerrübenanbauverbände. Jetzt kommt alles zusammen, sodaß die Weißzuckerpreise weltweit steigen. Niedrige Ernten durch EL-Nino, Dürre und politische Eingriffe. Das führt jetzt in der EU trotz höchster Vorratslage zu Zuckermangel bei leeren Lagern im nächsten Jahr. Durch Preisdruck und zollfreien Importen der EU und freiwilliger Flächenreduzierung der Rübenanbauer wegen Unwirtschaftlichkeit des Rübenanbaues haben wir jetzt eine komplette Unterversorgung , nein einen Zuckermangel von geschätzt 2 Mill. Tonnen !!!!

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  2. Strohbert sagt

    Was ist denn das für ein Dampf oder Qualm im Titelbild namens Zuckerfabrik.jpg? Die Russen können es nicht gewesen sein, weil der Schornstein noch steht. Zugegeben, Rüben müssen ja noch eingekocht werden, aber wenn da so viel Dampf auf einmal entsteht, liegt da vielleicht ein Verarbeitungsfehler vor.

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  3. Gerhard sagt

    Wir haben jedes Jahr ein paar 100 qm Kartoffeln für Eingenverbrauch im Anbau. Auch hier nur kleine Kartoffeln um die 2 bis 3 cm Durchmesser. Und vorallem ca 20 Prozent hatten SBR. Ein Bio Landwirt nicht weit weg hatte deutlichen SBR Befall in Karotten und Rote Beete.
    Ort ist Großraum Würzburg.

    In der letzten Zeit ist wenigstens so viel Regen gefallen, das der Raps aufgehen konnte.

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  4. Frikadellen piet sagt

    moin da bin ich mal sehr gespannt, ob der klug gehandelt wurde? wir wissen ja nicht genau wie viel Zuckerrohr Zucker importiert wird! munter bleiben

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  5. gibt es Überlegungen die Erntetermine dort wo die Rüben gelitten haben und die Ernte früh Sept bis Mitte Okt geplant war nach hinten zu verschieben um höhere Erträge und Verarbeitungsmengen zu erzielen. Im Oktober können immer noch gute Rübenzuwächse erreicht werden.

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  6. Johann sagt

    Das wird die Klimaktivisten und NGOS freuen, denn sie können dann behaupten, dass weniger CO2 der Luft entnommen wird und deshalb die Klimaerwärmung abzuleiten ist. 1 Tonne Zuckerrüben enthält bei durchschnittlichem Zuckergehalt ca. 100 kg Kohlenstoff, welcher einmal in der Atmosphäre als CO2 war. Hier gilt ein Faktor von 3,67, sodass je Tonne 367 kg CO2 der Luft entnommen wurde. dies sind ca. 26 Tonnen CO2, ohne Ernterückstände, welche aber auch durch die Photosynthese und dem CO2 aus der Luft gewachsen sind. Deshalb eine geringere Menge des entnommenen CO2. Aber es ist ja den Klimarettern sowieso egal, denn sie haben die Pariser Klimaformel LULUCF erfunden, wonach die Land und Forstwirtschaft, auch in 100 Jahren keinen Vorteil haben kann.

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    • Christian Bothe sagt

      Johann: die ganze CO2 Diskussion ist momentan für die Tonne! Wenn ich mir die CO2 Belastung durch die
      Kriege in Europa oder im Nahen Osten ansehe, deren Belastungen für die Atmosphäre dann braucht man nicht über Klimaerwärmung reden( abgesehen von natürlichen Entwicklungen in der Erdgeschichte…)! Denke man kann hier mit 8-10% rechnen. Dann noch die Brände weltweit…Soviel Ertragssteigerungen kann die LW/ha bringen, um diesen CO2 zu verbrauchen….

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      • Christian Bothe sagt

        Übrigens was die Hackfruechte in Thüringen betrifft, leiden diese sehr unter Trockenheit wie in anderen Regionen auch! Hoffentlich bleibst zur Ernte nicht ganz so trocken, denn dann schaedigt das die Kartoffeln noch äußerlich…

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    • Georg Johann Brand sagt

      Leider ist diese Rechnung mit dem CO2 ein Null-Summenspiel, denn das CO2 wird nach dem Verzehr wieder frei – wir atmen es aus.
      Und auch das eingearbeitete Rübenblatt wird rel. schnell um Boden abgebaut und das CO2 freigesetzt.

      Anders ist es nur, wenn die Rüben z. B. in die Biogasanlage gehen und der CO2 Anteil im Gas abgeschieden und einer stofflichen Nutzung zugeführt wird.

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  7. Ja,
    jetzt fangen die Rüben wieder an zu wachsen und wann ruft sie die Fabrik ab?

    Manche Fabriken fangen ja im September an zu arbeiten.
    Oder verschieben die das in diesem Jahr?

  8. Guten Morgen
    Auf politische Entscheidungsträger sollte man sich nicht verlassen. Da diese mit Steuern auf ein billiges Produkt mehr verdienen, weil sie die Steuern erhöhen oder neue auf das Produkt draufsetzen. Sie geben manchmal sogar andere Namen.
    Wie es zur Zeit bei Kraftstoffen üblich ist.
    Schönes Wochenende

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    • Bauer Willi sagt

      @Bodenwert
      In den Regionen Süddeutschlands wo Zuckerrüben angebaut werden, ist die Bodenqualität vergleichbar mit dem Rheinland oder auch Niedersachsen. Der Ertragsunterschied ist wesentlich auf die „neuen“ Krankheiten“ zurückzuführen. Und natürlich auch auf die Trockenheit

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