Bauer Willi
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Kompetenz-Simulation… Der Brinkmann-Trugschluss

Ein Gastbeitrag von Bauer Fritz

Professor Doktor Brinkmann war die Medizinkoryphäe der in den 80er Jahren beliebten Fernsehserie “Die Schwarzwaldklinik”. Ein Arzt der selbst schwierigste Operationen gleichsam en passant, also im Vorbeigehen, erledigte. Also quasi der “Doctor House” der Boomer-Generation, übertroffen in seiner Allwissenheit nur noch durch Professor Dr. Dr. Karl Friedrich Börne aus dem “Tatort”.

Dieser Prof. Brinkmann wurde vom (verstorbenen) Schauspieler Klausjürgen Wussow verkörpert, so wie – der Vollständigkeit halber – Dr. House vom Schauspieler Hugh Laurie und Prof. Börne vom Schauspieler Jan Josef Liefers.

Einer Begebenheit zufolge wurde durch die souveräne und fehlerlose medizinische Erfolgsbilanz als Prof. Brinkmann in der Schwarzwaldklinik der Schauspieler Wussow nun einmal tatsächlich zu einem echten medizinischen Notfall in seiner Nähe gerufen. Diesen echten Notfall überließ der echte Schaupieler Wussow aber mangels echter Ausbildung dann doch einem echten Notfallarzt. Gefunden im Artikel: Der Brinkmann-Trugschluss – Salonkolumnisten

Wer von ihnen den auf Tatsachen beruhenden Film “Catch me if you can” mit Leonardo Di Caprio in der Rolle des ausbildungslosen Frank Abagnale (Frank Abagnale – Wikipedia) gesehen hat, kann sich vielleicht an die bezeichnende Szene erinnern, in der er als angeblicher Summa-cum-laude Harvard-Medizin-Absolvent die ihm “untergebenen” echten Fachärzte alleine mit der en passant Frage “Gehen sie d´accord?” als völlig Unwissende zurückließ. Ein Satz, den er sich vorher aus einer Arzt-TV-Serie gemerkt hatte ohne ihn selbst auch nur im geringsten zu verstehen.

 

Mein Befund: KOMPETENZ-SIMULATION und MEINUNGS-INKONTINENZ

Allein ein Rückblick auf die letzten Wochen und noch mehr auf die vergangenen 2-3 Jahre zeigen, dass in immer mehr Wissensgebieten (Umwelt, Medizin, Landwirtschaft, Gentechnik, Landesverteidigung, etc.) lauthalsigen Kompetenzsimulanten und Personen mit akuter Meinungsinkontinenz (um beim Medizinjargon zu bleiben) eine völlig unverhältnismäßige Öffentlichkeit als sogenannte “Experten” zuteil wird. Sie können ihre irgendwo aufgeschnappten Sätze oder Worte bedeutungsschwanger in jedes Mikrofon plappern, welches man ihnen wegen ihres “Promistatus” unter die Nase hält, aber ohne Zusammenhang und in Verkennung nicht nur persönlicher juristischer Konsequenzen sondern auch in (vorerst) bewußter Mißachtung jeglicher Auswirkungen auf andere. Beliebt dafür sind die zu “Talk-Shows” verkommenen Diskussionssendungen. Der Schriftsteller  Botho Strauß kritisierte diese Debattenkultur indem er sagt, es sprächen immer die gleichen Debattiermasken, die gleichen „kleinen konsensitiven Gesinnungs-Roboter“.

Wer überall seinen Senf zugibt, kommt in den Verdacht ein Würstchen zu sein

Erst wenn die Aussagen dieser Kompetenzsimulanten und Meinungsinkontinenzler auf die echte Realität, auf echte Menschen und auf echte Experten treffen, versuchen erstere nach der Erkenntnis ihrer eigenen Unzulänglichkeiten, durch halbherzige und halbseidene Entschuldigungen ihre Absonderungen einzufangen. Meist eher nur aus Sorge um ihren Promi-Status und meist nur bis zur nächsten Absonderungsgelegenheit.

Ein paar Beispiele aus jüngster Zeit:

  • Jan Josef Liefers (alias Prof. Dr. Dr. Börne) und Schauspiel-Kolleg*innen: “Alles dicht machen” – Sind Schauspieler mit Querdenker Aktion bei Trost? (touchyou.de)konnten mit der Realität konfrontiert werden durch die Aktion “Alle mal ´ne Schicht machen” der echten Krankenbetreuer und Ärzte ( #Alle  mal ´ne Schicht machen)
  • Das völlig Abdrehen des vormalig medial gehypten (weil veganen) “Promikochs ” Attila Hildmann bis in die Versenkung oder jenes Abbiegen des medial gefeierten Sängers Xavier Naidoo in abstruseste Verschwörungstheorien bis zur öffentlichen Abbitte (nach Rückgängen bei den Musikverkäufen bzw. Absagen von Auftritten).
  • Der offene Brief von Alice Schwarzer zuzüglich 28 Intellektueller und Künstler*innen wegen Waffenlieferungen als Hilfe zur Selbstverteidigung der Ukraine (Offener Brief an Kanzler Olaf Scholz | EMMA) von dem sich einige Tage später die ersten Unterzeichner abseilen. Wohl weil sie die Erkenntnis ereilt, daß das persönliche, situationselastische Gut-Böse Schema (“Wo ich bin, ist Gut”) doch zu wenig ist.
  • Die im Bauer Willi Blog schon diskutierten Aussagen von “Kälbern in Containern” samt nachfolgender Abschwächung der Absonderer und der Ausstrahler.

Ist das NORMAL ?

Mir sind ja die medialen oder werbebasierten Gedankengänge nicht ganz klar, die dazu führen, warum Aussagen oder Meinungen von Influenzern oder  X,Y,Z-Promis auch nur irgendeinen höhere Stellenwert haben sollten als meine eigene Meinung. Nur weil die im Fernsehen sind, im Theater spielen oder auf Bühnen singen – echt jetzt ? Von Leuten die von Vielen wenig Ahnung aber zu allem sehr viel Meinung haben, wodurch aber für Wissen meist kein Platz mehr bleibt. Von Leuten die heute gegen Geld alles sagen und morgen gegen Geld das Gegenteil – echt jetzt ?

Würden sie ihrem Tischler oder ihrem Optiker auch nur eine einzige Aktie abkaufen, weil die heimische Bank sie auf einem Werbeplakat abbildet ? Oder eine Medikamentempfehlung vom Versicherungsberater ihres Vertrauens oder von ihrem Lieblingskonditor  schlucken, weil sie die auch schon  mal an einer Apotheke vorbeigehen sahen ?

Ich finde die Musik von Paul McCartney seit Jahren toll, bin aber trotzdem kein Veganer geworden, ich finde die Musik von Konstantin Wecker und sein Klavierspiel seit Jahren super und bin trotzdem in den frühen Jahren dadurch weder zum Kiffen verleitet worden noch ins linke Lager konvertiert.

Ein Kommentar aus den diversen Diskussionen zur Kälber-Talkshow hält eigentlich den Spiegel richtig hin, wenn er schreibt: “Aufruf für mehrere Talkshows: Wir suchen zwei Landwirt*innen die in ihrer Freizeit ins Theater gehen oder selber Laienschauspieler sind. Diskussionsthema: Krisen und Verfehlungen im heutigen Theaterbetrieb. Ist Mobbing und Vergewaltigung dort an der Tagesordnung?”

Denkt man diese derzeitige Form von Auftritten solcher Kompetenzsimulanten (vulgo “Experten”) oder Meinungsinkontinenzler (alias “Influenzer”) weiter, wäre es da nicht höchst an der Zeit, daß sich etwas das Schauspielhaus Berlin oder das Burgtheater in Wien ab sofort für jede Produktion Agrarabsolventen in die Regie mit aufnimmt, der ihnen ohne Duldung von Widerspruch sagt, wie man den Hamlet richtig spielt. Weil umgekehrt hat man ja auch das Gefühl, jeder Theaterwissenschaftler weiß ganz genau, wie man Landwirtschaft richtig macht.

Übrigens: Der spätere “Dr. Brinkmann” hat gerne auch Lesungen mit Eichendorffs “Aus dem Leben eines Taugenichts” abgehalten. Aber solche gibt es im echten Leben bei den “Experten” und “Koryphäen” je ohnehin nicht.

 

Und dennoch ein paar Zitate von Künstlern:

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen.

(Helmut Qualtinger, 1928-1986; österreichischer Schauspieler, Schriftsteller und Kabarettist)

 

Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf.

Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!“

(Berthold Brecht, 1898-1956; deutscher Dramatiker und Lyriker)

 

Manche Menschen wollen glänzen, obwohl sie keinen Schimmer haben.

(Heinz Erhardt, 1909-1979; deutscher Unterhaltungskünstler, Schauspieler und Dichter)

 

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111 Kommentare

      • Smarti sagt

        Wenn man die Lebensmittelpreise von 1970 bis jetzt vergleicht, sollte man auch einrechnen, dass sich der pro Kopf-Verbrauch von Mineralwasser, Limonaden und Kaffee jeweils etwa verzehnfacht hat.
        Anstatt Leitungswasser wie früher kosten die Getränke ein Vielfaches… was aber den Lebensmitteln zugerechnet wird. In Wahrheit sind die unverarbeiteten Lebensmittel viel günstiger, nur die Genussmittel werden mehr und deshalb “teurer”.

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    • Smarti sagt

      Endlich ! Dass die Biogasler nicht schon längst ausrufen hatte mich sehr gewundert.
      Jeder Fünfjährige weiss bereits, dass sein Kumpel nicht mehr länger mit ihm spielt, wenn er dauernd die Bauklötze umschmeißt. Warum verstehen “die da oben” das nicht ?
      Ein paar Euro abgegriffen und dafür eine ganze Industrie in den Abgrund gestürzt, na toll.
      Jammert doch rum:
      – wenn es keine bezahlbaren Mietwohnungen mehr gibt, weil Ihr noch den letzten Vermieter in den Wahnsinnt treibt
      – es keine Nachwuchslandwirte mehr gibt, weil Ihr JEDEN BETRIEBSZWEIG kaputt macht
      – es immer weniger Selbständige und damit auch Arbeitsstellen gibt, weil Ihr jeden Knüppel, den Ihr finden könnt, auch einsetzt.
      – es immer mehr gesunde Menschen gibt, die eigentlich arbeiten könnten, aber “wegen dem Abzockerstaat” stolz drauf sind, lieber nichts zu tun. Und sie von diesem “Abzockerstaat” natürlich noch verhalten lassen…
      Sehr ehrliche Aussagen, bitte jeden Tag so ein Video – wie ein Adventskalender !

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  1. Smarti sagt

    Bauer Fritz, ich möchte mich auch noch einmal persönlich für diesen tollen Artikel bedanken. Diese Zeilen, zusammen mit den Kommentaren ergeben ein rabenschwarzes Bild für die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland und vielen EU-Ländern.
    Seit Jahren habe ich gedacht, dass die Bevölkerung/Politik irgendwann den Wert der Landwirtschaftlichen Betriebe erkennt, je weniger es davon gibt und je mehr man davon abhängig ist.
    Diese kleine Hoffnung hat sich zerschlagen. Aber das ist OK, lieber gut informiert sein, als blauäugig in den Abgrund laufen.
    Gehe heute nochmals Popcorn, Schokolade und viel Alufolie kaufen. Hoffentlich brauche ich die Alufolie nur für Kartoffeln in der Glut.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Hier ein kleiner ausschnitt aus dem Bericht des Thünen-Institutes “Einbeziehung des Agrarsektors in die CO2-Bepreisung,

      Folkhard Isermeyer, Claudia Heidecke, Bernhard Osterburg

      “In der längerfristigen Perspektive wäre es aber noch wichtiger, die öffentliche und private
      Forschung verstärkt auf eine Grünlandnutzung auszurichten, die nicht auf Wiederkäuer angewiesen ist. Diese Systeme hätten bei einer sektorübergreifenden CO2-Bepreisung den Vorteil, dass sie einen positiven Anreiz durch den CO2-Preis für die Kohlenstoffspeicherung erhalten und nicht durch die Sanktionierung der Methanemissionen finanziell belastet werden. Für
      die Grünlandnutzung ohne Wiederkäuer gibt es unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten,
      z. B. die Haltung von Nicht-Wiederkäuern (Pferde, Esel, Geflügel), die Extraktion von Futtereiweiß für Schweine und Geflügel aus dem Grünlandaufwuchs oder der Einsatz von Grünschnitt in Bioenergie-Anlagen (Biogas). Bezüglich der Effizienz und Rentabilität solcher Nutzungsoptionen gibt es allerdings noch viele Fragezeichen. Daher die Empfehlung, hier zunächst in Forschung und Entwicklung zu investieren. ”

      Jetzt kann man auch verstehen, warum Politik handelt, wie sie handelt, oder?

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  2. “Wer überall seinen Senf zugibt, kommt in den Verdacht ein Würstchen zu sein ”

    Und unter welchem Verdacht steht man, wenn man mit Wissen und Erfahrung seinen Lebensunterhalt verdient?😰 Vor allem bei selbständiger oder Unternehmertätigkeit ist man wahlweise profigierig , von irgendeiner Lobby gekauft oder in mafiöse Geschäfte verstrickt.
    Zur Not wird noch irgendeine Verschwörungsgeschichte gestrickt. Wobei der Begriff Verschwörung dem meistens verbreiteten stinknormalen Unsinn auch nicht mehr Glanz verleiht.
    Glücklicherweise muss ich mir doch nicht antun, was die Prof. Brinkmanns dieser Welt verzapfen. Aber was haben noch unser Wirtschafts- bzw. der Landwirtschaftsminister für eine Qualifikation?😔

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  3. Fachleute, in diesem Fall Mediziner würden hierzu:

    “Allein ein Rückblick auf die letzten Wochen und noch mehr auf die vergangenen 2-3 Jahre zeigen, dass in immer mehr Wissensgebieten (Umwelt, Medizin, Landwirtschaft, Gentechnik, Landesverteidigung, etc.) lauthalsigen Kompetenzsimulanten und Personen mit akuter Meinungsinkontinenz (um beim Medizinjargon zu bleiben) eine völlig unverhältnismäßige Öffentlichkeit als sogenannte “Experten” zuteil wird”

    sagen,

    damit beschäftigen wir uns doch gar nicht, den das ist vertane Zeit!
    Beschäftigen wir uns mit vertaner Zeit?

    Wer lässt das zu?

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  4. Elisabeth Ertl sagt

    Wenn man sich über landwirtschaftliche Dilettanten-Experten beschwert, dann soll man aber auch medizinisch nicht dilettieren. Nach dem Wissen der Ärzte sind Pestizide noch immer ein medizinisches Problem, wenn auch nicht das gravierendste. Welche Schlüsse daraus auf landwirtschaftlicher Seite zu ziehen sind, ist ja ein anderes Thema.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Ernährung ist insgesamt auch ein medizinisches Problem. Die Schlüsse, die daraus gezogen werden, werden wiederum der Landwirtschaft angelastet, nie dem Esser.
      Wie will man nun Rückschlüsse aus Fehlernährung in Relation zu irgendwie, irgendwo wirkenden “Pestiziden” einordnen und zuweisen? Genau, gar nicht, man stülpt einfach alles der Landwirtschaft über….neee, so wie du es beim Wolf gerne praktizieren würdest:
      …”Aber genau dieses Einknicken vor dem Feind ist doch das Problem! Zitat Elisabeth Ertl.

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      • Dann wird eben die Agrarwirtschaft mit der Ernährungsindustrie verwechselt.

        Schaupieler Liefers macht es ja auch!
        Wenn solche Leute wie Liefers unser Feind sind,
        dann müssen wir da was gegen tun.

        Zählen nicht Medikamente auch zu den Pestiziden, Elisabeth Ertl?
        Selbst wenn irgendwelche Erkrankungen bei Menschen wegen irgendwelchen Rückständen aus Pestiziden auftreten, dann sollen die med. Fachleute das mal beweisen.

        Vielleicht wegen unsachgemäßen Umgang damit?
        Wie heute noch in der 3. Welt?

        Spätfolgen sind vielleicht Parkinson!?!

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    • Bauer Fritz sagt

      Frau Ertl, sie zeigen ein weiteres wunderschönes Beispiel auf. PESTIZID ist eines dieser Wörter, die jeder mediale Promi-Inkontinenzler und jeder journalistische “Experten”-Simulator fehlerlos aufsagen kann – egal in welchem Zusammenhang. Nach dem Modell “Gehen sie d´accord”.

      Nur die Realität sieht ganz anders aus – nur sind halt die “Aufsager” noch nie darauf getroffen.
      Pestizide sind eben NICHT (wie oben Angeführte vermuten) Pflanzenschutzmittel. Ein einziger Blick auf Wikipedia schon würde diese Bildungslücke der Google-Akademiker oder Absolventen der Facebook-University schließen.
      Pestizide sind ganz allgemein Schädlingsbekämpfungsmittel.
      Diese werden unterteilen in

      A) Pflanzenschutzmittel (mit aktuell 448 zugelassenen Wirkstoffen lt. EU-Pflanzenschutzmittelverordnung). Sie bieten die Möglichkeit Pflanzen zu schützen.

      B) Biozide (mit aktuell 905 Wirkstoffen lt. EU-Chemieagentur ECHA). Sie werden verwendet zum Schutz der menschlichen Gesundheit oder zur Haltbarmachung von Materialien

      C) Tierarzneimittel (mit aktuell ca. 800 Wirkstoffen lt. EU-Veterinärmedizinagentur). Sie werden für Nutztiere und Haustiere angewendet.

      Fragen sie doch mal die “Pestizid”-Inkontinenzler ob sie in ihren Wohnung/Häuser z.B. auf die “Pestizidverseuchten” Dämmplatten verzichten möchten oder ob sie nicht gar aus Liebe zu ihrem Haustier ihm dieser Pestizide gegen Flöhe oder Läuse oder Würmer verabreichen.

      Da all diese “Experten” ja mangels Ausbildung oder Pflanzenschutz-Sachkundeausweis inzwischen weder kaufen noch anwenden dürfen, was sie aber unter Pestiziden zu verstehen meinen, können sie halt auch “nur” darüber irgendwas daherreden was sie irgendwo aufgeschnappt haben. Am offensichtlichsten wird das am Paradebeispiel Glyphosat, wo ca. 99% der Wort-Verwender (politische Entscheidungsträger inklusive) sich immer noch nicht einig sind, ob es ein Herbizid, ein Insektizid oder ein Fungizid ist (aber Hauptsache es ist ein Pestizid – “das muß man wissen”…..)

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    • Sagwas sagt

      Komme gerade rein aus den Weinbergen, habe Heftdrähte runtergelegt; heute keine Jogger, Radfahrer und auch keine Dackelbegleiter, ist wohl allen zu kalt!
      Es gibt wohl kaum ein mehr negativ besetztes Wort als “Pestizide”, ich rege mich immer auf wenn das einfach so benutzt wird. Sie haben Recht Frau Ertl, niemand käme auf die Idee bei Kopfschmerzen in der Apotheke nach einem Pestizid dagegen zu fragen, sondern man Fragt nach einem Medikament.
      Ich meine in dem Zusammenhang mal gelesen zu haben, dass vor den Kläranlagen im Wasser mehr Pestizidrückstände ankommen als nach Berechnungen vorher reinkommen können. Ein befreundeter Chemiker meinte, das könnte auch von abgeduschten Hautcremes kommen. Stimmt das?

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      • Bauer Fritz sagt

        Haupteintrag durch Biozide aus Fassaden: (https://www.waz.de/region/trinkwassergefahr-durch-biozide-das-gift-kommt-aus-der-hauswand-id7546078.html). Der Artikel ist aus dem Jahr 2009.
        “Der Energieeffizienz-Boom spült nun eine bisher unbekannte Biozidwelle heran. Millionen von Häusern in ganz Deutschland werden gedämmt. Das ist politisch so gewollt, dafür gibt es Geld vom Staat. Doch mit der Dämmung kommen giftige Schutzanstriche auf die Fassaden. Der Regen wäscht das Gift aus; es fließt auch ins Wasser der Trinkwasserflüsse.”

        “Allein im letzten Überwachungszeitraum von 2008 bis 2012 wurden 660 Grenzwertüberschreitungen amtlich registriert. In 147 Gewässern lagen dabei 48 verschiedene Biozide über der zulässigen Höchstmarke. Betroffen waren Wasserläufe im ganzen Land. Die toxischen Verbindungen schwammen in kleinen Bächen, mittelgroßen Flüssen und Strömen wie Rhein, Ruhr, Weser, Ems und Sieg. Unter den Bioziden, die die rote Linie überschritten, tauchen einige auf, die in Fassaden üblich sind. Auch Terbutryn und Isoproturon, die Gifte, die das Haus von Familie Houtrouw sauber halten sollen. 51 Mal sprengten allein diese beiden Stoffe zwischen 2008 und 2012 den Grenzwert.

        Bisher galt die Landwirtschaft als Hauptbelastungsquelle. Auf der Suche nach den Ursachen für hohe Giftwerte zeigen Behörden gerne und rasch auf Landwirte.

        Das giftige Terbutryn in NRW-Gewässern schreibt der Umweltchemiker Prof. Kai Bester „vollständig dem Bautenschutz“ zu. Nur dort werde der Wirkstoff noch verwendet. Tatsächlich ist der Einsatz von Terbutryn als Pestizid in der Landwirtschaft seit 1997 verboten. Europaweit geächtet wurde das Nervengift 2002. „Doch Pestizide der LW werden gesetzlich anders geregelt als Biozide“, sagt Bester. Im Falle von Terbutryn heiße das: „Wenn ich 150 Mikrogramm davon als Pestizid im Wasser habe, ist das nicht legal. Wenn ich 150 Mikrogramm als Biozid im Wasser habe, ist das nicht geregelt – und deshalb kein Problem.“

        aus dem Jahr 2018: https://pan-germany.org/biozide/haeuserfassaden-ein-umweltrisiko/

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        • Sagwas sagt

          Lieber Bauer Fritz, danke für diesen Beitrag. Habe in dem Zusammenhang jetzt mal “Clotrimazol” gegoogelt. Diesen Wirkstoff enthalten viele Anti-Pilzmittelchen, die man in Apotheken frei zugänglich bekommt. Überhaupt ist man anscheinend mit der Erlaubnis von Azolen im Allgemeinen sehr großzügig, bei PSM mit Azolen in der Landwirtschaft aber nicht. …und das Hautcremchen wird nach Anwendung vom Verbraucher munter weggeduscht. Wenn Azole jetzt im Abwasser gefunden werden, liegt das natürlich an “Pestiziden” aus der Landwirtschaft.

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          • Elisabeth Ertl sagt

            Nein, es ist nicht die einzige und auch nicht die größte Gesundheitsgefahr. Aber kann man es deswegen einfach negieren?

            • Bauer Fritz sagt

              Wenn Wirkungen oder Nebenwirkungen beschrieben und gefunden werden, werden sie sich schon rein fachlich nicht negieren lassen. Jeder der schon ein paar Jahre Landwirt ist weiß, daß immer Mittel und Wirkstoffe im Pflanzenschutzmittelbereich vom Markt verschwunden sind und andere gekommen sind. Sie wurden JEDENFALLS weitaus umfangreicher getestet als die von mir o.a. Kategorien B) und C) der Pestizide.
              Da es 100% von was auch immer nirgendwo geben kann, bleibt die Abwägung der Vorteile über die Nachteile.
              Wenn sie einen Beipacktext eines Medikaments lesen (wenn sie überhaupt je einen lesen), würden sie vielleicht dazu neigen am besten kein einziges Medikament zu nehmen. Wenn sie es trotzdem tun, wägen sie die (offensichtlichen) Vorteile für sich als höher als die (eventuellen) Nachteile.

              Und solange es eine nicht ideologisierte Wissenschaft gibt, wird das Bessere immer wieder des Feind des Guten sein. Allein die jährlichen Nobelpreise zeigen das.
              Für die ideologisierten bleibt meist dann nur der Darwin-Preis oder die Gurke des Jahres.

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  5. Brötchen sagt

    Wasserstandsmeldung von der Medienfront:

    Zitat aus der Welt “Vielmehr scheinen Unternehmen in einigen Wirtschaftszweigen die Preissteigerungen dazu genutzt zu haben, ihre Gewinne auszuweiten“, sagte der stellvertretende Leiter der Ifo-Niederlassung Dresden, Joachim Ragnitz. „Das gilt vor allem für den Handel, die Landwirtschaft und den Bau.“

    Da habt ihr es ihr bösen Buben……angeblich sind die tier. Produkte um über 30 % gestiegen wurden Zahlen genannt……das mag zwar in etwa stimmen……bloss sagt keiner von welchem Niveau gekommen…..

    Ich tippe mal darauf ihr bekommt alle ne Zahlungsaufforderung wegen Zufallsgewinnen….

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      • Smarti sagt

        Ja, der Artikel ist frei lesbar und offenbart das teuflische Gebaren des LEH.
        Eigenmarken sind doch die gleichen Produkte wie Markenartikel, einfach No Name, damit sie jederzeit austauschbar bleiben. Immer der günstigste Produzent kommt zum Zug oder die Firma muss einen gewissen Anteil Eigenmarken für den Händler produzieren, damit er Regalplatz bekommt. ( Meine Behauptung ).
        Wenn der LEH jetzt aber die Lebensmittelfabriken drückt bis es nicht mehr geht, dann gehen diese Pleite. Wer soll dann die Eigenmarken produzieren ?

    • Arnold Krämer sagt

      Ich habe dem Herrn Ragnitz folgende Mail geschrieben.:
      Andere sollten ähnliches machen:

      “Sehr geehrter Herr Ragnitz!
      Nach ihrem Artikel haben die Landwirte jetzt nicht nur Schuld an der medial/politisch behaupteten Umweltvergiftung, der Biodiversitätskrise, dem Tierleid und vielem sonstigen Übel dieser Welt, sondern sind jetzt auch dafür verantwortlich, dass die Menschen die Lebensmittel nicht mehr bezahlen können.
      Das ist doch das, was draußen im Lande ankommt, wenn Sie solche Sätze formulieren. Und sie sind nicht wieder einzufangen:

      „Insbesondere in der Land- und Forstwirtschaft ………………haben die Unternehmen ihre Preise deutlich stärker erhöht als es aufgrund der gestiegenen Vorleistungspreise allein zu erwarten gewesen wäre.

      Ist Ihnen eigentlich nicht bekannt, dass die große Masse der Landwirte als Rohstofferzeuger “PREISNEHMER” sind, selbst nicht einmal eigene Rechnungen schreiben, sondern die Abrechnungen von ihren Kunden, den Landhändlern, den Molkereien, den Schlachtereien erstellt werden. Die Landwirte haben von den allgemeinen Preissteigerungen auf den Weltmärkten profitiert, ohne Frage, das gilt aber im Wesentlichen nur für den Ackerbau. Die stark gestiegenen Kosten in der Tierfütterung konnten z.B. im Schweinebereich bisher nicht überwälzt werden, auch nicht im Bereich der Eiererzeugung, bei Hähnchenfleisch und bei Milch sieht es etwas besser aus. Die Biobetriebe mit unmittelbarem Kontakt zum Endverbraucher berichten von massiven Absatzrückgängen, von Kostenüberwälzung geschweige denn einer Gewinninflation ist nichts zu merken.

      Eine ergänzende Pressemitteilung, die die Zusammenhänge der Preisfindung für landwirtschaftliche Rohstoffproduzenten wieder gerade rückt, wäre das Mindeste, was ich von Ihrem Institut erwarte. Der angerichtete Schaden ist ohnehin nicht mehr zu heilen.”

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      • Brötchen sagt

        und die meisten Leute glauben diesen Unsinn noch, was da angebliche Wirtschaftsexperten schreiben…..

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      • Die aggregiertrn Daten der volkswirtschaftlitrechnung Gesamtrechnung erlauben natürlich nur eine Aussage über das, was auch drinsteht.

        Ich sehe hier eher, dass mal wieder alleine der Begriff Gewinn bei vielen in der Gesellschaft Schnappatmung auslöst.
        Auf die Antwort von Prof. Ragnitz bin ich gespannt.

        • Arnold Krämer sagt

          Prof. Ragnitz hat mir sehr schnell innerhalb 1 Stunde folgendes geantwortet:

          “Sehr geehrter Herr Krämer,
          vielen Dank für Ihre mail. Ich habe jetzt wirklich nur die Zahlen des Statistischen Bundesamtes ausgewertet, und da kommt dieses Ergebnis halt heraus. Sowohl im zugrundeliegenden Text als auch in allen heutigen Interviews habe ich immer darauf hingewiesen, dass man die Preissteigerungen in der Landwirtschaft jetzt nicht überbewerten sollte. In der Statistik werden da ja nur die Preise der in der Produktion eingesetzten Vorleistungsgüter berücksichtigt, und da man – wahrscheinlich – erst einmal alle vorhandenen Vorräte an Futter- und Düngemitteln aufgebraucht hat, kommt der Preisschub bei den Vorleistungsgütern erst in den nachfolgenden Perioden zur Geltung. In der Kalkulation der aktuellen Preise dürften die Landwirte hingegen schon die stark gestiegenen Kosten berücksichtigt haben; alles andere wäre ja auch verwunderlich. Und man sieht ja auch in den Schaubildern, dass sich der Effekt in diesem Sektor im 3. Quartal deutlich abschwächt (und 2019/20 hatten die Landwirte ja auch ungünstige Preisentwicklungen hinzunehmen, die jetzigen Gewinne (als „Preisnehmer“) gleichen insoweit auch nur das aus, was in den Vorjahren an möglichen Verlusten aufgelaufen ist).

          Schöne Grüße (in meine Heimat 😊)

          J. Ragnitz”

          Der Eindruck, dass die Bauern sich die Taschen vollmachen, ist in der Welt. Die Nebentöne und die Differenzierungen werden ja in der Öffentlichkeit so gut wie nie wahrgenommen. Und das deutlich zu machen, dass wieder einer “draufhaut” mit Daten, Auswertungen und Überschriften, die als solche wohl ok sind, aber vielen sehr weh tun und den allermeisten Menschen in der Landwirtschaft nicht gerecht werden, darum ging es mir.

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          • Ferkelhebamme sagt

            Am besten kann man es Laien mit konkreten Beispielen deutlich machen: vor einem Jahr bekamen wir für ein Schwein 1,19€/kg (diktiert, nicht selbst kalkuliert), jetzt 2,-€, das sind 68% Steigerung. Wow. Für reine Kostendeckung wären aber 2,50€ notwendig.
            Unser Gewinn ist, dass nur noch 50 Cent/kg zur Kostendeckung fehlen, und nicht mehr 60.

            Die Betriebe brechen weg, die Schweinefleischerzeugung ist um 10% eingebrochen, es wurden aber 2% mehr ausländische Schweine verarbeitet. Entweder wird das Schweinefleisch jetzt noch teurer, und die Bauern kriegen da was von mit, oder niemand weiß mehr, welche Nationalität er da eigentlich auf dem Teller hat. Denn gekennzeichnet werden muss es ja nicht.

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            • Der Otto Normalverbraucher interessiert das wenig, aber

              ein Herr Prof. sollte sich schon dafür intressieren,
              Vielleicht auch, wie die Preisgestaltung damit seit 1950 war und wieviel Betriebe seit dem die Tore zugemacht haben.
              Wie und warum seit dem die Mssentierhaltung enstanden ist,
              Und wie sich das auf unsere Ökologie ausgewirkt hat.

            • Bauer Willi sagt

              Kommentar eines mir gut bekannten Akademikers: “Dann kommt es eben aus Spanien. Mir doch egal.”

              Leute, das wird hier nichts mehr mit der Tierhaltung…

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              • Ferkelhebamme sagt

                Immerhin ehrlich, mir erzählen immer alle (ungefragt), dass sie nur Bio oder direkt beim Bauern kaufen. Blablabla.
                Solange von dort noch was kommt ist ja gut. Aber gerade Spanien hat Probleme mit Wasser und auch zunehmenden Unmut der Bevölkerung. Dazu vllt noch ein ASP-Ausbruch…
                Medikamente kommen wegen der überbordenden Bürokratie und zu hoher Kosten auch nicht mehr aus Deutschland. Und? Warum muss es immer erst weh tun?

                • Brötchen sagt

                  Hebamme, dann kommt es eben aus Spananien…..
                  Wir müssen nur überwintern…

                  Spanien soll kurz vor dem finanziellen Kollaps stehen

                  https://youtu.be/GZmm7vZygQg

                  in dem Betrag sind einige interessante Aspekte genannt

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                • Brötchen sagt

                  “Warum muss es immer erst weh tun?”

                  Phase 2 läuft….

                  Lernen durch langanhaltenden und intensiven Schmerz 😉

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                • Ferkelhebamme sagt

                  Miriam Staudte, neue niedersächsische Agrarministerin, möchte, dass Schweinehalter Obst-und Gemüse anbauen. Hahaha, Prost!

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                • Brötchen sagt

                  Hebamme, wenn es nicht so traurig wäre und irgendwie auch was für die Zukunft wäre, dann könnte man ja lachen, aber so….das ist so fachlich inkompetent….zudem dann wird ja gerade das Grundwasser erheblich belastet und es braucht Beregnung usw…
                  Und wirtschaftlich auch schwierig…

                  Es ist nur noch ein Trauerspiel…..wie sich das hier alles zerlegt.
                  Der einzige Trost, woanders ist es auch nicht besser…..und eben Hoffnung auf Phase 2 .

                • Ferkelhebamme sagt

                  Das ist so offensichtlich infantil, naiv und dumm. Mal schauen, ob es jemand bemerkt.
                  Wie du schon sagst: den Winter noch überleben (mit Popcorn und Alkohol ;-)) und dann schauen wir

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      • Bauer Willi sagt

        Ragnitz Antwort auf meine Einlassung bei Twitter, dass er nicht weiß, wie Preisbildung in der Landwirtschaft geschieht

        “Doch, weiß ich. Und die Zahlen habe ich mir ja nicht ausgedacht, sondern die kommen aus der amtlichen Statistik. Steht ja auch im zugrundeliegenden Artikel genau erklärt.”

        Aber das Image der Landwirtschaft wurde wieder mal beschädigt…

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        • Brötchen sagt

          er hat doch mit der Antwort bewiesen, das er die Preisbildung nicht verstanden hat!
          Und er muß wissen, das die amtliche Statistik nur bedingt aussagefähig ist!
          die Landwirte kalkulieren keine Preise. die bekommen die angesagt.
          wir verkaufen mit Lieferschein und dann bekommen wir die korrigierten Gewichte mit dem Preis.
          das passiert nur, weil es diese Ware im überfluss gibt.

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          • Reinhard Seevers sagt

            Ragnitz stand 2019 auf Platz 34 der Rangliste der Ökonomen der FAZ. 2021 wird er nicht mehr gelistet…..evtl. hat er seine ökonomische Kompetenz verloren?😎
            Nun dieses Comeback. Schaun mehr Mal ob er demnächst in den talkschows auftritt.

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            • Brötchen sagt

              Reinhard, rein von seiner Vorgehensweise ist das sicherlich alles richtig was er schreibt.
              Bloss von jemand wie ihm erwartet man, das er das Ergebnis entsprechend kommentiert.
              Die Bruttowertschöpfungserhöhung beruht meines Erachtens fast vollständig auf der Erhöhung der Preise durch äussere Einflüsse (Getreide usw.).
              Zusätzlich sind die höheren Kosten davon noch nicht eingeflossen.

              Der Laie denkt……gucke mal an, die machen so viel Gewinn und sacken noch schön Subventionen ein und jammern nur rum.
              Was Bruttowertschöpfung bedeutet weiß doch kaum jemand.
              Und die letzte Generation erzählt: wir werden alle verhungern…
              Und da kann man nur sagen: Vielen Dank Prof. Ragnitz!

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        • Ferkelhebamme sagt

          Die amtliche Statistik gibt auch die Bestände und deren dramatischen Rückgang an. Der ist von oben offiziell gewollt und weitere Preissteigerungen durch Verknappung damit von wem verursacht?

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  6. Reinhard Seevers sagt

    Etwas OT, aber dennoch ein Zusammenhang zwischen Medien, Kommerz, urbane feminine Weltretter und Landwirtschaft:

    Gestern bei “Höhle der Löwen” stellen zwei junge “plietsche” Mädels (BWL Studenten*innen an der UNI St. Gallen) ihre Idee des Geschenkpapiers aus Gras vor. Das Nachhaltigste, was es gibt, so der man of money Carsten Maschmeyer und rückt sofort einen Check über 100.000€ für eine Beteiligung raus. Am Ende batteln alle Löwen um diese unsagbar innovative Idee und deren Protagonisten….wie geil ist das denn, keine Bäume mehr fällen, dafür Gras von Bienenwiesen der Region.
    Wenn man nun auf die website des Produktes geht und die Nachhaltigkeit anklickt, dann gelangt man zur Realität: nur 30% Gras, der Rest ist Holz. Gras von Wiesen, die 2-5 mal im Jahr gemäht werden, Dünger- und Pestizidfrei, selbstredend.
    Gepuscht mit Millionen Fördergelder und medial unterstützt geht diese Weltrettung an den Start. Bauern, meldet euch schon mal, Gras zu verkaufen!!…also richtiges Gras wohlgemerkt.

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    • Lieschen Müller sagt

      Oje. Zu meiner Zeit nahm man als ökologisches Geschenkpapier Zeitung, die ja schon einmal da war. Oder ein Tuch, was dann Teil des Geschenkes war. Oder einfachstes Packpapier aus Recyclingmaterial.

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      • Sagwas sagt

        Ja, Frau Müller, das war so! In meinem Dorf hat das pensionierte Frollein der Volksschule Bestellungen vor allem für Kaffee entgegengenommen. Dann wurde einmal telefoniert (Privileg Telefon) und ein paar Tage später kam der Bohnenkaffee in zwei Taschentüchern verpackt. Das ging damals auch ohne Amazon. Wir Bestell- und Abholkinder bekamen ein Comic-Heftchen als “Provision” … und in den Buffet-Schränken waren Vorräte von Kölnisch Wasser, Seife und Zigaretten, falls man mal einen Geburtstag vergessen hätte, hatte man was zu verschenken,- was für Zeiten, heute unvorstellbar!

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    • Ferkelhebamme sagt

      “Etwas OT, aber dennoch ein Zusammenhang zwischen Medien, Kommerz, urbane feminine Weltretter und Landwirtschaft:”
      und noch einer: Louisa Dellert, Influencerin, macht jetzt gemeinsame Sache mit dem deutschen Tierschutzbüro und postet ganz unbefangen ein Bild, wie sie Nikolaus-Nacht mit dem DTB in einen Sauenstall eingestiegen ist. Das DTB bestätigt das sogar in den Kommentaren und bedankt sich für ihren Mut. Unrechtsbewusstsein, Angst vor Strafverfolgung? Offensichtlich nicht. Danke Deutschland. Wir haben keine Lust mehr.

      Tierschutz absurd: wir haben die Schweinepest in Deutschland und diese Möchtegern-Weltverbesserer bringen die komplette Herde in Gefahr gekeult zu werden. “Missstände” werden im Februar medienwirksam bekannt gemacht. Sollten da wirklich akut welche sein, hilft das den Tieren natürlich ungemein.
      Aber die Community klatscht Beifall und die Berichte von Stalleinbrüchen häufen sich. Gibt ja Fame und Likes.
      Machen wir halt in Gras für Geschenkpapier und ansonsten nur noch Selbstversorgung. Unsere Familien überstehen das, -eure? Wird Zeit, dass sich der Rest der Bevölkerung mit ein bisschen Resthirn auch mal einschaltet, sonst wird das Geheule groß.

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      • sonnenblume sagt

        PS. warten die Vereine deshalb solange mit einer Veröffentlichung bis sie sicher sein können, dass in dem Stall nichts passiert ist? Wenn wenige Tage nach einem Einbruch ein Bericht erscheinen würde und gleichzeitig ein Pestausbruch bestätigt würde, könnten die Behörden doch einen Zusammenhang feststellen. Wer käme dann für den Schaden auf?

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        • Ferkelhebamme sagt

          Ausserdem kann kein Bterieb nach drei Monaten beweisen, dass irgendwelche präsentierten Bilder nicht aus diesem Betrieb stammen. Im Zweifel für den Angeklagten? Nicht in der Tierhaltung. Da sorgen die Medien schon für.
          Es wird die Hölle über ihn hereinbrechen: medial und kontrolltechnisch (Polizei, Vetamt, QS, etc…) Und selbst wenn dann nichts Gravierendes festgestellt wird: der ist fertig damit.

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  7. Elisabeth Ertl sagt

    Die EU schreibt 30% Biolandwirtschaft bis 2030 vor.
    Österreich hat schon 26%, daher sind die 30% zu leicht erreichbar.
    Jetzt haben die NGO – Experten durchgesetzt, dass es in Ö. 35% sein müssen: https://www.meinbezirk.at/c-lokales/biodiversitaetsstrategie-2030+-veroeffentlicht_a5766946

    Es gibt in Ö. viele Betriebe, die so gut wie Bio arbeiten, aber sich aus guten Gründen nicht zertifizieren lassen.
    Auf unserem “konventionellen” Wiesen- und Weideland wachsen 100 verschiedene Kräuter und Gräser. Auf den 3,5 ha habe ich bereits 45 Vogelarten beobachtet. Die vielen kleinen Schmetterlingsarten kenne ich zu wenig.

    Zwei “wichtige” Organismen fehlen noch, nicht wahr: Wolf und Goldschakal.
    Letzterer hat gestern wieder einmal den E-Weidezaun niedergelegt, weil wir beim Holzschneiden mit der Kreissäge (Starkstrom!) den Stecker ziehen mussten, damit das Zaungerät nicht auf Alarm geht. Der Lärm der Maschine hat den Schakal nicht daran gehindert, 50 Meter weiter hinter dem Stall am helllichten Tag unsere Tiere in Panik zu versetzen. Sie sind trächtig, wir haben den alten Widder bereits verkauft – sehr spannend, ob es bei dieser saisonalen Rasse im Frühling dann Lämmer geben wird, oder demnächst Fehlgeburten.

    Der Schakal darf mittlerweile – nach dem Willen der NGOs “vorsichtig” – bejagt werden. Mein Mann und ich haben kein Gewehr – war bis vor wenigen Jahren auch gar kein Thema. Der Jäger hat Grippe. Die Jägerschaft leidet unter Nachwuchsmangel, weil jeder junge Mensch, der eine solche Ausbildung absolvieren will, gemobbt wird und keinen Partner/keine Partnerin findet.
    Ich denke ja schon länger darüber nach, den Jagdschein zu machen, aber ich werde älter, und es fehlt mir zunehmend der Biss, jährlich mehr Aufwand zu treiben für diese simple kleine Hobbylandwirtschaft.
    Abends heulte der Schakal direkt beim Haus.

    Jetzt sind die beiden Schiebewände des “Offenstalls” zu, und die Luft im Stall ist schlecht.
    Dass wir die Tiere seit Jahren nachts einsperren (es wäre heuer draußen immer noch Weide und wir sparen das Heu, welches im Sommer wegen der Dürre nicht gewachsen ist) hat nicht ausgereicht, die Räuber kommen am Tag. Ohnehin hat uns allein das nächtliche Einsperren (nur hinter die Horden bei geöffneten Schiebetüren) im Herbst vor große Probleme gestellt. Das Gras draußen war so saftig und auch nass, dass die Schafe im Stall ungewöhnliche Mengen an Urin absetzten und man gar nicht genug drüber streuen konnte, um die Tiefstreu halbwegs trocken zu halten. Um diese Zeit würden ja die Tiere am liebsten draußen übernachten.
    Und drum ist jetzt die Luft im Stall besonders schlecht.

    Bis jetzt haben wir nur einmal im Jahr (Sommer) ausgemistet. Diesmal müssen wir froh sein, wenn wir über den Winter kommen. Wenn man in einem Tag mit dem Ausmisten fertig sein will (um die Tiere nachts wieder einsperren zu können) braucht man Helfer. Schon dieses Jahr waren praktisch keine zu finden, und wir haben uns selber geschunden von morgens früh bis in den Abend.

    Aber noch nie haben uns die Leute wie heuer die Tür eingerannt und wollten Schaffleisch und -wurst haben. Wir geben ja nur im Familien- und Freundeskreis etwas weiter, mehr haben wir gar nicht. Aber da hat irgendjemand nicht dicht gehalten.
    Es gäbe nirgends Schaffleisch zu kaufen, klagt man uns, nicht einmal beim Merkur jenes aus Australien. Aber unseres sei halt auch unübertroffen gut.
    Dass wir übers Aufhören nachdenken, will man gar nicht verstehen. Gerade eine solche Form der Landwirtschaft sei doch gefragt wie nie, sagt man uns.
    Ja eh – bei denen, die das nicht selber machen müssen.

    Jener Freund, der uns die Hausschlachtung macht, beobachtet die Städter, wie sie kommen und gleich enthusiastisch einen Gemüsegarten anlegen und ein paar Hühner einstallen. Nach einem Jahr hören sie damit wieder auf, weil sie sehen, wie viel Arbeit das ist. “Ihr gehört zu den ganz wenigen, die durchhalten”, sagt er.
    “Habts euch die Landwirtschaft auch leichter vorgestellt”, sagt ein alter Bauer, der schon lang verpachtet hat. Nein, haben wir nicht. Wir wussten schon vorher, wie viel Arbeit das ist, und wir wussten auch, dass man mit 7 Mutterschafen und ein paar Streuobstbäumen nichts verdienen kann. Wegen der absurden Bürokratie haben wir halt anfangs die Augen verdreht und uns in Gottes Namen immer wieder einmal eine Stunde an den Computer gesetzt. Aber jedes Jahr hat man uns einen neuen Prügel vor die Füße geworfen.
    Und wenn schon die Profibauern zunehmend übers Aufhören nachdenken, dann soll man unseren Hobbybauern-Frust nicht als Naivität missdeuten.

    Die Biodiversität wird ohne uns sicher nicht besser.

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    • Hans Gresshöner,Landwirt sagt

      “Nach einem Jahr hören sie damit wieder auf, weil sie sehen, wie viel Arbeit das ist”

      Hier im Ort hatte ich 4 Bio-Umsteller die letzten 40 Jahre beobachtet,von denen einer geblieben ist,ein Vollprofi!
      Der Rest hatte sehr viel “heisse Luft” produziert und auch erhebliche Geldmengen und Zuschüsse “verballert”, Weltenretter eben.

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      • Elisabeth Ertl sagt

        Wir haben außer ein paar Euro Mutter- und Vatertierprämie noch nichts kassiert, weil wir uns als Idealisten nicht auch noch versklaven lassen. Ich bin heilfroh, dass noch kein Naturschützer entdeckt hat, wie biodivers unsere Flächen sind.
        Auf einer kleinen Nachbarfläche ist eine Biodiversitätsförderung drauf, da kommt von einem Riesenbetrieb ein Angestellter mit einem viel zu großen Traktor und schlägelt das einmal im Jahr ab. Ich hab dort noch keine einzige Pflanze gesehen, die auf unserem Grund nicht auch wachsen würde, umgekehrt aber sehr wohl.

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        • Reinhard Seevers sagt

          Biodivers und Nachhaltig darf man sich nur nennen, wenn man zertifiziert ist. Elisabeth, wie willst du sonst nachweisen, dass du zur guten Seite gehörst? Wie sollen der Beamte und der Bürger denn wissen, dass du eine Gute bist? Es geht doch nicht um die Sache, sondern um die Regelung, die Kontrolle, die Steuerung und die Macht über den Bürger und dessen Handeln.

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            • Reinhard Seevers sagt

              Frau Lemke sagt zum Schluss:
              “Aber diese Diskussion sollte nicht davon ablenken, dass die größte Bedrohung für Tiere und Pflanzen die intensive Landwirtschaft, der Flächenfraß und die Klimakrise sind. Da müssen wir ran.”

              DA haben wir die Feindin der deutschen Landwirtschaft…sie hat sich zu erkennen gegeben. Die Gefahr ist adressiert, was machen die Bauern nun damit?

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              • Smarti sagt

                Wenn einem Wirt ein Gast ( zum Beispiel wegen Rufschädigung ) nicht einlassen will, so darf er ein Lokalverbot für diese Person aussprechen. Sollte sich dieser Gast nicht daran halten, so wird die Polizei gerufen.
                Ich hätte größte Lust, selber so ein “Hofverbot” auszusprechen.
                Irgendwie in Form eines Leserbriefes ? Statt die Politiker auf die Höfe einzuladen – ausladen !
                Es gibt Grenzen, und die werden überschritten. Wird das nicht klar ausgesprochen, werden die Grenzen immer weiter nach vorne gesetzt, so lange, bis kein Bauernland mehr da ist.

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                • Brötchen sagt

                  smarti wenn Du Dir was schönes antun willst lies mal die Kommentare jetzt zu den Preistreibern wie LW und so….
                  Das kommt jetzt alles bei den Leuten an und die denken die Lw sackt sich die Taschen voll!

                  Die Frau und auch die anderen muss man ganz hart anfassen!

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              • sonnenblume sagt

                Das Frau Lemke so denkt ist ja nicht neu. Neu ist, dass Bundesumweltministerium und Bundeslandwirtschaftsministerium praktisch ein Haus bilden, in dem das Umweltministerium sagt wo es lang geht. Das Landwirtschaftsministerium besteht besten falls noch auf dem Papier. Das hat sich durch die Besetzung mit zwei Mal Grün geändert. Früher gab es kontroverse Diskussionen. Heut ziehen beide Häuser an einem Strang. Wie wir dem begegnen können ist mir schleierhaft.

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                • Theoretisch sollten die zusammenarbeiten.

                  Dann hätten wir das Optimum.

                  Aber die Umwelttechniker müssen ohne Vorurteile haben und mit Landwirtschaftlichen Kenntnisen arbeiten.

                • Ferkelhebamme sagt

                  Da kommen wir nicht gegen an, denn und wird öffentlich ja jede Kompetenz abgesprochen: Tierquäler, Brunnenvergifter, Biodiversitäts-Vernichter, Klimakiller und dazu jetzt auch noch Inflations-Profiteure. Das hat System.
                  Die Realität wird die Kompetenz-Simulanten irgendwann enttarnen. Bis dahin kann man eigentlich nur versuchen irgendwie zu überleben. Und für Deutschland hoffen, dass der Trümmerhaufen dann nicht schon zu groß ist.

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                • sonnenblume sagt

                  @Ferkelhebamme, hier gibt es jetzt die Lichterfahrten. Und das hat eine Leserbriefschreiberin zum Anlass genommen uns genau diese Liste an Versagen vorzuwerfen. Wir sollten doch mit unserer Arbeit lieber auf dem rechten Pfad kommen. Das würde uns wirkliche Achtung und Anerkennung bringen. Die Bauern irrlichtern immer noch den falschen Propheten hinterher. So ihre Meinung.

              • Entweder wollte sie uns allen beweisen, wie schlau sie in der Schule war,
                weil das hat sie doch gelernt, dass die Menschen hier Wald gerodet haben, um hier sesshaft zu werden und haben Landwirtschaft betrieben.
                und weiß es heute noch.

                Deswegen haben viele Dörfer in der 2.Hälfte ihres Ortsnamen -rode oder-roda.
                Somit hat die Menschheit hierzulande die Ökologie verändert.
                Das hat mit der intensiven genau so viel, wie mit der ökologischen Landwirtschaft zu tun.

                Oder sie meint:

                Und da können wir doch mal genauer schauen, was bei gleichen Ertrag noch (an Umweltsünden) gerettet werden kann.
                Wenn das von landw. Instituten nicht schon gemacht wird!?!
                Ob sie das nicht weiß?

                Wenn nicht, dann könnte die denken:
                Das müssen wir gemeinsam machen, auch die Ernährungsindustrie, LEH und Verbraucher.

                Mit auf regional achten fängt es an, das ist schon mal was.
                Auf pure Lebensmittel achten und selbst zubereiten auch.

                jedes von der Industrie veränderte Fastfoodprodukt könnte die Biodiversität ändern.
                Auch die unseres Verdauungskanals.
                Das könnte Beschwerden hervor rufen?
                Aber nicht von irgendwelchen Pestizide.

                Und warum sind da die Bauern Schuld?

                Das ist doch pure Schuldzuweisung, darum müssen wir uns kümmern.
                Wird das von denen behauptet, die ihr Gewissen erleichtern wollen?
                Echt unfachmännisch!
                Sollte man solche Leute noch für voll nehmen?
                Dürften die eigentlich an ernsten Diskussionen teilnehmen?

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              • Ferkelhebamme sagt

                „Die Gefahr ist adressiert, was machen die Bauern nun damit?“
                Reinhard, das ist doch nichts neues. Zehntausende Bauern, die eigentlich wichtigeres zu tun haben, waren in Berlin, im Zentrum der Meinungsmacher, um zu warnen. Was hat es gebracht?
                Die Folgen sind inzwischen klar erkennbar. Wir Bauern sind längst im „Rette sich wer kann“-Modus; wie gesagt, jetzt ist die Bevölkerung mit letztem Rest-Verstand gefragt sich aus ihrer bequemen Geht-mich-nichts-an Haltung zu begeben.

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                • Dann sollte mal öffentich über das Phänomen
                  ” geht mich nichts an”
                  diskutiert werden.
                  Vielleicht ist das drngend notwenig.
                  Denn so haben die Leute vor 1933 Uch gedacht.

                  Sind die, die heute noch so denken
                  rückständig?
                  Wer will sich schon als rückständig bezeichnen, bzw. nachsagen lassen?

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      • Smarti sagt

        Die allermeisten Betriebe, die auf Bio umstellen, machen das kurz vor zu. Die richtigen Pioniere, die Bio gelebt haben (nein, nicht mein Ding, vor Allem das Konvi-Bashing ) gibt es kaum mehr. Oder sie verstehen die derzeitige Politik auch nicht.
        Wer Bio feiert ist meist gar kein Landwirt, sondern Leute, die sich an Landwirten bereichern.

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    • Ursula Fischer sagt

      leider werden Sie in keine Talkshow o.ae. eingeladen um dies zu schildern, zu unspektakulär und die grün indoktrinierte breite Bevölkerung liest diesen Blog leider nicht

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Man kann der urbanen Bevölkerung die Illusion der Selbstversorgung aus dem eigenen Garten nicht nehmen, die kennen aus den Hochglanzmagazinen nur wie schon das ist, das Gemüse frisch im Garten zu ernten.

        Bei einer Landesgartenschau im Schwarzwald, von wo aus der SWR täglich berichtete, war ein Schild angebracht, worauf stand, dass so ein Garten auch Arbeit macht.

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        • Diatryma sagt

          Uh Mann… ich kann mir einfach nicht vorstellen dass “wir” Stadtfräcke alle so beschränkt sind. Meine Oma hatte damals nur einen mittelgroßen Gemüsegarten (war nie so mein Ding, obwohl ich als Kind ganz gerne geholfen habe), das WAR Arbeit. Könnte man sich mit etwas Anstrengung auch so vorstellen, dass die “Landlust” nicht unbedingt die Realität abbildet. Oder Hochglanzmagazine überhaupt. Sind ja meist nur Werbeträger mit etwas Fülltext (Artikel) dazwischen.

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          • Das ist ja das Dilemma.
            Deswegen hat jeder seine eigene Lebenserfahrung.
            Und die Mehrheit hat keine Ahnung von der “Dreckarbeit” in der Landwirtschaft.
            Aber es ist schon mal gut, dass es noch Leute gibt, die sich wenigstens dafür interessieren und so auch respektieren.

            Gèrade eben war im Hessenfernsehen eine Reportage von der Zuckerfabrik in Ülzen.
            Dabei war auch zu sehen, wieviel Arbeit die Ernte früher gemacht hat.
            Und wieviel Leute dabei helfen mussten.
            Alle müssten sich die Hände schmutzig machen.

            • Reinhard Seevers sagt

              Inga, der dauernde Rückspiegel hilft aber niemanden und motiviert schon gar keinen. Ich kann die ganzen Rückblenden in den gesellschaftlichen Aktivitäten nicht mehr ertragen. Früher, früher, früher….die Zukunft wird anders aussehen MÜSSEN. Die wenigsten reiten mit dem Pferd zur Arbeit oder kochen an der offenen Feuerstelle. Landwirtschaft ist, auch wenn sie technisiert ist, Urproduktion, aber eben nicht Vergangenheit. Die Crux liegt in der kapitalisierten, ausdifferenzierten und mit mangeldem Vertrauen versehenen Gesellschaft. Das Urvertrauen in den Versorger ist endweder vorhanden, weil Nebensache und egal, oder komplett verloren gegangen, weil Angstbesetzt. Die einen setzen sich in den Flieger und akzeptieren, dass ein Fremder sie über die Wolken hebt, ein weiterer steigt nicht ein, weil er kein Vertrauen in das Gerät und seinen Piloten hat. Nahrungserzeugung in den Händen von Wenigen erzeugt bei vielen Menschen Ängste, die Medien und NGOs tragen ihren Teil dazu bei. Diese Ängste zu dämpfen oder gar zu beseitigen, das ist die Zukunftsaufgabe der Landwirtschaft, nicht Heile Alte Welt präsentieren….meine Meinung!

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    • Ferkelhebamme sagt

      Der Wolf, der von der Leyens Pony getötet hat, ist (mal wieder) zum Abschuss freigegeben.
      Welcher Jäger ist so bescheuert, den zu schießen? Wenn er bekannt wird, bricht die Hölle über ihn und seine Familie herein.

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      • Reinhard Seevers sagt

        Ich bin für Lebendfalle und dann Resozialisierung im Dörverdener Wolfscenter. Dann kann die Jugend sehen, was mit bösen Wölfen passiert, wenn sie kleine Ponys töten, sie werden öffentlich zur Schau gestellt! 😠

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      • Elisabeth Ertl sagt

        Aber genau dieses Einknicken vor dem Feind ist doch das Problem! Bei uns wird illegal geschossen, und die NGOs weinen, weil bei uns mit der Bestandsdichte der Wölfe so wenig weitergeht. Wolfsschützer Kotrschal verneigt sich immer tief vor Deutschland und verweist auf dieses Vorbild, wo seiner Meinung nach die protestantische Mentalität für mehr Achtung vor den weltlichen Gesetzen sorgt als bei uns, wo die katholische Lehre noch nachwirkt bei der Verteufelung des Wolfes.

    • Smarti sagt

      Frau Ertl, Sie beschreiben gerade eins zu eins unseren Betrieb – nur dass wir etwas jünger und etwas grössere Tiere haben – aber sonst genau gleich. Ich höre da gar nicht mehr hin bei alle den “Ihr habt es ja gut” – “Ihr macht das so toll” – “wenn ich Zeit hab, dann helfe ich mal”… und dergleichen mehr.
      Und wie Ferkelhebamme und wohl alle hier auf dem Blog immer wiederholen:
      wenn sich nicht bald der Rest der Bevölkerung mit ein bisschen Resthirn einschaltet, dann wird das Gejammer gross.
      Gut, dass sich mein schlechtes Gewissen ( immer weniger Lebenswichtiges zu produzieren ) immer mehr verkrümelt, je mehr ich die Menschheit kennen lerne.

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      • Hans Gresshöner,Landwirt sagt

        “…. wenn ich Zeit hab, dann helfe ich mal”

        Die Helfer hier kamen immer,wenns Gemüse schon im Kraut untergegangen war…..

  8. Hans Gresshöner,Landwirt sagt

    Immerhin war damals um 1990 herum eine Dipl.Ing.Agrar. aus der ostwestfälischen Provinz hier beim Burgtheater Wien als Bühnenregisseurin tätig.
    Hab leider den Namen vergessen.

  9. Bauer CHRiSCHeN sagt

    Bei den meisten Promis (und dazu Zähle ich auch die beiden Kälber Experten) handelt es sich meiner Einschätzung nach nicht um Meinungs-Inkontinenz, sondern um verbale Diarrhö! (um beim Medizinjargon zu bleiben) — Der Unterschied: man muss (vermeintlich) ständig etwas von sich geben in der heutigen medialen Welt um nicht vergessen zu werden. Inhalt ist Zweitrangig

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    • Reinhard Seevers sagt

      Die Ursache liegt meines Erachtens in der Welt der Medien, der Überversorgung mit Formen, Personen und Inhalten.
      Die Werbung und die GEZ-Gebühren sichern die Existenz von zu vielen Mitessern. Die früher “brotlose Kunst” ist zu einer Anspruchs- und neuerdings auch Haltungsindustrie verkommen.
      Wenn es der Kunst im weitesten Sinne schlecht geht, wird medial zur Spende aufgerufen….man kann aus dem vollen Instrumentenkasten schöpfen, um uns zu umgarnen und zu täuschen.
      Am Ende sind sie alle von uns abhängig, dennoch füttern wir sie, etliche sogar zweimal, mit Gebühren und realer Nahrung.

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      • Lieschen Müller sagt

        Viele Jahre war es aber auch nicht nötig, dass alle etwas “produktives” machen. Es gab in den 90ern so viele Handwerker, dass sie für einen Hungerlohn arbeiten mussten. Lehrer hatten studiert und bekamen keine Stelle. Ärzte und Krankenschwestern gingen nach Norwegen, weil es hier keine Stellen gab.

        • Reinhard Seevers sagt

          Wir hatten ein befreundetes Ehepaar, das in den 90er Jahren nach Großbritannien ausgewandert ist. Sie Lehrerin, er Rettungssanitäter. Er konnte in GB das doppelte verdienen bei mehr Verantwortung, als in Deutschland. Sie hatte ebenfalls ein höheres Einkommen….es wurde bei uns seit Jahrzehnten im Gesundheitsbereich alles kaputtgespart.
          Seit Jahren suchen Krankenhäuser Kräfte im Ausland, weil hier nicht ausreichend Nachwuchs nachkommt = weil die Bezahlung und die Bedingungen miserabel sind.
          Übrigens hatten wir in den 70er Jahren die gleichen Probleme in Bezug auf Schülerzahlen und Lehrermangel. Ich habe mind. in 4 Fächern über zwei Jahre in den Zeugnissen den Stempeleintrag: teilgenommen, oder wegen Lehrermangel nicht erteilt.

          • sonnenblume sagt

            Gestern in den Nachrichten die Meldung, dass beim Rettungsdienst ein absoluter Personalmangel herrscht. Die schnelle Versorgung kann fast nicht mehr gewährleistet werden. Notfalls muss die Feuerwehr aushelfen. Der Bericht kam, wenn ich mich recht erinnere, aus Berlin.

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  10. Frikadellen piet 44 sagt

    moin das ist sehr gut und sehr treffen geschrieben da sollten mal wirklich viele Leute oder Experten mit Anführungsstrichen drüber nachdenke mach’s gut

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  11. Bergamasca sagt

    Inhaltlich und formal ein glänzend (wirklich!) geschriebener Beitrag. Werde ich gerne weiterempfehlen. Bauer Fritz for President!

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