Bauer Willi
Kommentare 70

„Ich weiß, das ich nicht weiß“

„Darf ich überhaupt aus einer vermeintlichen Autoritätsposition (da „Wissenschaftler“) über Landwirtschaft reden?“ Diese Frage stellt sich ein Wissenschaftler, der über Landwirtschaft schreibt.

Was an dem Artikel und am Autor zu honorieren ist, ist sein Eingeständnis (Erkenntnis), daß die Dinge nicht einfacher werden, wenn man mehr darüber weiß, bzw. mehr Zusammenhänge sieht. Also eigentlich das, worauf jeder Bauer hinweist, wenn die Superschlauen wieder mal die Agrarrettungsformel auspacken. Hier gehts zum Link:

Was weiß ich schon über Landwirtschaft?

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70 Kommentare

  1. Schon spannend, zu lesen, was hier so (auch) über mich steht (mit etwas Verspätung). Über den Kommentar von Christian Suhr habe ich mich fast amüsieren können… So viel Urteil auf so dünner Grundlage habe ich schon lange nicht gesehen. Auch die Interpretation meiner Aussagen mithilfe meiner Herkunft fand ich befremdlich. Für die positiven, auch für die skeptischen Kommentare Anderer bedanke ich mich.

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  2. Stadtmensch sagt

    Bei „Skeptische Ökonomie“ (so hieß der Blog früher) lese ich auch gern. Präzise Sprache, höflich und zurückhaltend. Genau die richtigen Leute für ein Projekt wie BonAres. Sie merken dass sie von landwirtschaftlicher Praxis kaum Ahnung haben und beheben diesen Mangel, indem sie gezielt nachholen. Man wird zwar leider nicht zum Praktiker, indem man Berichte über die Praxis liest (da fehlt meist Kontext), aber es ist besser als nix und in der Summe kann man „Fehlstellen, weiße Flecken, Wissenslücken“ bestimmt gedanklich weginterpolieren. Was dem Praktiker normalerweise fehlt ist der Blick aufs Große Ganze. Also Daten, die nicht unmittelbar das eigene Fachgebiet betreffen, aber gesamtwirtschaftlich von Bedeutung sind. Die Ressourcen zum Sammeln und Interpretieren dieser Datenmengen haben meiner Meinung nach nur spezialisierte staatliche oder privatwirtschaftliche Institutionen. Ob die ihre Expertise dann zum Wohle aller einsetzen, steht auf einem anderen Blatt.

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    • Thomas Apfel sagt

      Genau die öffentlich finanzierten spezialisierten Einrichtungen, die Daten und Aussagen sammeln und eine halbwegs neutrale Expertise unter Volk und gewählte Entscheider bringen, fehlen mir.
      Ich sehe jede Menge privatwirtschaftlicher „Denkpanzer“ (Think Tanks) verschiedenster Interessengruppen. Ansonsten haben die meisten Wissenschaftlichen Einrichtungen das Ziel englischsprachige Artikel in Zeitschriften zu plazieren und danach das nächste Thema/Projekt abzuarbeiten. So versacken Unmengen an Erkenntnissen und Forschunsergebnisse nach Ende des jeweiligen Projektes in „schwarzen Löchern“.

      Was die Sprache des Artikels betrifft, so ist sie stark von polnischer Mentalität geprägt. Zum Beispiel ist die „Überkorrektheit“ (hier beim „gendern“) ausgeprägt.
      Die Polen sind, vor allem in Äußerungen, die sich an die gleiche Schicht richten, sehr viel konzilianter als wir (was im Grunde sehr angenehm ist). Das hat manchmal etwas „Anbiederndes“, was ich wiederum nicht so mag.
      In der Sache und nach „unten“ (z.B. gegenüber den Bauern im eigenen Lande) wird genauso hart getreten wie bei uns.

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      • Brötchen sagt

        Die Polen sind aber auch etwas unkonventioneller und dickköpfiger, ich mochte deren Zeitungen zu Ostzeiten….bzw. war gern in Polen.

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        • Thomas Apfel sagt

          Mr. Brötchen (FiPho´s Anrede gefällt mir – wenn es Dich nicht stört!)

          Ich bin auch gern in Polen und habe seit 40 Jahren prsönliche Beziehungen. So halbewegs spreche ich die Sprache auch. Trotzdem ist es Fakt, dass Hierarchien in Polen im täglichen Umgang viel mehr ausgelebt werden als bei uns.

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      • Stadtmensch sagt

        Was ist mit Thünen, Hohenheim, Witzenhausen oder Fibl? Gibt bestimmt noch viel mehr…

        „In der Sache und nach „unten“ (z.B. gegenüber den Bauern im eigenen Lande) wird genauso hart getreten wie bei uns.“

        Ganz früher haben es die polnischen Großbauern aber auch ganz schön krachen lassen. Z.B. gegenüber leibeigenen ukrainischen Bauern in Galizien.
        War jetzt aus der Kategorie „Hallo ich weiß was“ und hat nichts mit den aktuellen Zuständen zu tun 😉

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        • Reinhard Seevers sagt

          Der SPIEGEL weiß was, er titelt heute; Industrielle Landwirtschaft am Ende; Kann die Wende noch gelingen?

          Wie jetzt, wer am Ende ist, kann noch wenden? Wohin, zurück zum Ausgangspunkt?

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          • Arnold Krämer sagt

            Die industrielle Landwirtschaft erfährt durch die Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen (z.B. UStG, EU-Förderung, Tierschutz-Nutztierhaltungs-VO, Insektenschutzgesetz) gerade erst einen richtig positiven Schub. Es gibt einfach zuviele Dummschwätzer, die die Strukturen, die Menschen und die Wirkungsmechanismen im Agrarbereich nicht kennen oder nicht kennen wollen.

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            • Stadtmensch sagt

              Denkt ihr etwa nach der „Wende“ wollte von den Entscheidern jemand was von den Strukturen der DDR-Wirtschaft wissen?
              Strukturen sind dazu da, dass sie permanent um- und neu gebaut werden.
              Nennt sich Leben.
              Zu höchstens 20% hängt das persönliche Schicksal von der eigenen Leistung ab. (kürzlich in der NZZ aufgeschnappt)
              Da war man ein „Jammerossi“ dem die Banane nicht genug ist…

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  3. Ludwig sagt

    Ja , daß Wissen über die Landwirtschaft und die Bauern ist für Außenstehende sehr schwer zu verstehen. Vor einigen Jahren war ich zur Besichtigung einer Agrargenossenschaft.
    Die Chefs hatten große Probleme mit der qualifizierten Mitarbeiterfindung , denn Mitarbeiter für die Technik gibt es , aber das Wissen um die durchgeführte Arbeit ist das Problem . Die suchten nun junge Bauern , die auf einem Bauernhof groß geworden sind und Landwirtschaft lebten , also von Kindesbeinen mit Wetter , unregelmäßigen Arbeitszeiten, Bodenzustand , Tierhaltung und Indentifikation zum Beruf haben. Das Problem mit der Politik ergibt sich daraus , weil die Politik immer einfache Lösungen meint vorzugeben , aber die Bauern damit überhaupt nicht klar kommen. Schon auf den Höfen gibt von Nachbar zu Nachbar große Unterschiede. Bei gleichen Böden oder Ställen kommen auch hier teilweise riesige Ertragsunterschiede raus. Dadurch , daß die Menschen eben sind wie sie sind , ist auch das Ergebnis jeweils ein anderes. Deshalb ist es für die Bauern auch schwer zu ertragen ein Gesetz zur Gleichschaltung übergestülpt zu bekommen. Auch mit den vielen Kontrollen und der Dokumentation ist diesem Problem nicht bei zu kommen. Mit jedem Gesetz steigt der Frust immer mehr und entlädt sich zur Zeit in Form der vielen Demos, Blockaden usw. . Was wir brauchen in der Politik sind keine Moralideologen , sondern Leute die Zuhören können und um den richtigen Weg für Umwelt und Landwirtschaft sich einsetzen. Der jetzige politische Weg fährt jedenfalls gegen die Wand.

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      • firedragon sagt

        Jep, ich weiß …
        Hab ja jetzt ich hier plaziert, wer damit ein Problem haben sollte, darf sich vertrauensvoll an mich wenden 😇

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  4. Vorab, weil es darauf hinausläuft:
    Mehr Agro-Gentechnik bedeutet mehr Pflanzenschutzmittel. Ich hoffe, daß ist sich jeder bewußt (Bayer und Co., die Pflanzenschutzmittel verkaufen, sind es sicht bewußt nebenbei):
    https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/usa-7-mehr-pflanzenschutzmittel-durch-gentechnik-9587054.html

    Der Autor vom Artikel oben ist einer der Wissenschaftler, die man eher in die Lobbyismus-Ecke stecken muß, ist sogar aktiv in entsprechen Agro-Gentechnik-Lobbytruppen wie dieser hier (Schwerpunkt „konservative“ Grüne übrigens):
    https://progressive-agrarwende.org/agrarumweltpolitik/

    Daraus ein Zitat von ihm:
    „Es gibt zahlreiche sozio-technologische Pfadabhängigkeiten, die die Verwendung von eigentlich vielversprechenden Ansätzen bisher verhindern – sei es die mit dem Aufstieg synthetischen Pflanzenschutzes einhergehende Armut an effektiven nicht-synthetischen Alternativen, die Ablehnung von Genomeditierung aufgrund in der Bevölkerung tief verankerter Skepsis gegenüber grüner Gentechnik …“ (Anm.: Begriffe wie grüne Gentechnik verwenden übrigens nur ihre Befürworter)

    Man kann ihn im oben genannten Beitragen sogar rhetorisch komplett zerlegen, Bote und Botschaft, hier nur ein paar Beispiele:

    „Ich bin Städter …“
    Übersetzt:
    Hört her, ihr Stadtmenschen, Ihr müßt meine Meinung teilen, bin ja auch aus der Stadt. Wohlwissend um den Konflikt zwischen Stadt und Land.

    „Was weiß ich schon über Landwirtschaft?“
    Übersetzt:
    Er, der sich selbst als Wissenschaftler bezeichnet und aus der Stadt ist, hat nach eigener Angabe selbst ja kaum Ahnung von Landwirtschaft. Also dürfen alle (die Stadtmenschen), die nicht mal Wissenschaftler sind, erst recht keine Ahnung von Landwirtschaft haben und sollen die Schnauze halten. Andere machen es schon, friß oder stirbt. Komischerweise macht verbreitet er sehr viel Meinung darüber, wie Landwirtschaft auszusehen hat, für jemanden, der keine Ahnung hat.

    „… man muss ein Thema nicht perfekt und in allen Details verstehen, um darüber Aussagen machen zu können“
    Ich halte solche Aussagen von vermeintlich wissenschaftlicher Seite für gruselig, gerade als Wissenschaftler. Was soll das heißen, Meinung ohne Ahnung? Wer diese Position vertritt, muß eingestehen, daß er sich interessiert, aber geht auf Glatteis, wenn er seine Meinung einbringt, ohne daß diese faktenbasiert ist. Doof nur, daß er parallel immer durch die Blume sagt, Agro-Gentechnik wird’s richten. Wenn ich all nach Nachstehende nicht weiß, ja, dann laber ich auch positiv von „grüner“ Agro-Gentechnik:
    Gene Drive Problematik, Bt-Resistenzen und Superweeds, On- und Off-Target-Fehler, Patentproblematik etc. bei CRISPR/CAS. Manchmal ist Ahnung doch nicht so unwichtig.

    „… dass die Ostblock-Landwirtschaft von damals mit der modernen Landwirtschaft kaum etwas gemein hatte“
    Keule gegen linke Politik, wohlwissend, daß diese heute was anderes ist als Ost-Block, aber wehe, jemand will wirklich nachhaltig was machen OHNE viel Gentechnik, Pflanzenschutzmittel und Co. Nur die Anhänger der modernen Landwirtschaft wären die Erleuchteten sozusagen.

    Zusammengefaßt:
    Ein – vermutlich von Drittmitteln finanzierter (müßte ich noch weiter recherchieren, aber ist mir die Zeit nicht wert) – Wissenschaftler macht Lobby fürs weiter so und die nett formuliert „moderne Landwirtschaft“ und sagt durch die Blume, wenn er sich schon nicht äußern möchte, er als Wissenschaftler, dann dürften das all die anderen, die Verbraucher, NGOs und Kritiker doch auch nicht. Das ist eine dämliche Moralkeule und Mundtotmachen der Gegenseite, die so was wie Agro-Gentechnik, Pflanzenschutzmittel etc. kritisch sieht, Während er selbst ja trotzdem andauernd weiter seine Meinung kundtut, auch mangels Ahnung, wie es scheint.

    Die übliche Aussage von Lobbyisten wie „Du bist kein Bauer, Du darfst nicht mitreden“ … doof nur, daß wir alle essen müssen und jeder, wie schreibt der Autor, „Stakes“, also Anteil an der Ernährung hat.

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    • Bauer Willi sagt

      Christian, Deine Kommentare werden immer billiger. Und gruseliger. Die übliche „der-ist- doch-ein-von-der-Industrie-gekaufterLobbyist“- Methode.
      Schon mal drüber nachgedacht, dass ein Mensch es mit seiner Meinung Ernst meint? Ganz ohne eine bestimmte Zielsetzung, einfach nur so?

      Ich habe keine Ahnung von Corona und von Virosen. Ich bin kein Arzt. Also halte ich das Maul. Ich habe keine Ahnung von Medikamenten, weiß aber das sie Nebenwirkungen haben. Ändern kann ich das nicht, nur darauf verzichten. Es ist eine Abwägung. So wie bei Pflanzenschutz und Gentechnik auch.

      Bei Landwirtschaft soll jeder mitreden dürfen? Warum? Wegen der „Du-bist-kein-Bauer“-Moralkeule?

      Christian, Du bist kein Bauer…

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      • Knuffel sagt

        einfache lösung für die Landwirtschaft, nur noch Grünflächen für die Biogasanlagen, der Grünschnitt wird per hand von praktikanten der Unis und schulen geschnitten und per karren in die güllepötte gegabelt. auf diese weise wird jeder destruktiver ansatz wegen erschöpfung erstickt. verbot jeglicher Tierhaltung, größer wie ein pinscher. die gülle wird nachtürlich verbrannt, weil dünger ist ja schädlich. unser essen wird in algenfarmen erzeugt nur durch sonnenlicht.
        von dem vorstehenden blödsinn kann jeder halten was er will

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    • Thomas Apfel sagt

      Kurze Ergänzung zum Thema Pflanzenschutz:
      Der Landhandel reagiert momentan mit äusserster Zurückhaltung, sich irgendwelche Mittel auf Lager zu legen.
      Die beiden wichtigsten Basisfungizide im Obstbau Diathinon (Delan) und Captan sind jetzt zur Infektionsperiode kaum bis nicht verfügbar. Verfügbar ist Syllit (Dodine), das ist wiederum in den Anwendungsbestimmungen von 5 möglichen Behandlungen 2020 auf eine erlaubte Anwendung in 2021 reduziert worden. Neue Mittel (Sercadis) werden mit unerfüllbaren Anwendungsauflagen versehen (nur in Deutschland). So kann man auch Pflanzenschutzmittelanwendung herunterfahren, indem man die Betriebe alternativlos in eine extra dafür gebastelte Illegitimitätsfalle laufen lässt. Es ist einfach nur noch zum Kotzen in Deutschland.
      Die Karre wird tatsächlich sehenden Auges an die Wand gefahren !!!

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      • firedragon sagt

        Also, ich hab ja vor, zum ersten Mal in meinem Leben, grün zu wählen … dann ist’s schneller kaputt, kann man dann nach einer überschaubaren Zeit wieder aufbauen.
        Soweit meine Theorie … muss nur noch auf Tauglichkeit getestet werden.

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        • Reinhard Seevers sagt

          So hab ich auch gedacht….eine absolute Mehrheit würde das Ganze am Schnellsten zu Ende bringen! Wählt Grün!

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            • firedragon sagt

              Inga, ich bin weder für Glück, noch für Rettung anderer verantwortlich.

              Wenn jemand aus den hinteren Reihen nur motzt und fordert, dann hole man ihn nach vorne und gebe ihm das Zepter in die Hand … … … -es wird schon schief gehen-

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  5. Wilhelm Harms sagt

    @ Bauer Willi / Thomas Apfel
    Positiv ist die Erkenntnis des Autors nicht alles zu wissen und schon gar nicht über Landwirtschaft in all ihren Facetten aber andererseits erschreckend aus was für einem Sammelsurium Ergebnisse erzielt werden mit der Möglichkeit unliebsame / unerwünschte Teilerergebnisse nicht einzubeziehen, frei nach dem Motto “ Wes Brot ich eß des Lied ich sing“.

    Ein geflügelten Wort in meiner Ausbildungszeit (anno 1975)
    „Pflanzenschutzmittel in der Hand eines Bauern sind wie ein scharfes Messer in der Hand eines Affen“
    hat sich nicht bewahrheitet sondern zu einer ertragreichen fortschrittlichen und hoch effizienten Landwirtschaft geführt.

    Heute:
    „Alles Wissen dieser Welt in den Fingern dieser sinnentleerten basisfremden Gesellschaft ist heute das scharfe Messer in der Hand von Affen“

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  6. fingerphilosoph sagt

    Es ist schon mal nicht schlecht, dass der Verfasser des Artikels über sein Wissen und seine Wissenslücken nachdenkt. Das Problem ist jedoch ein viel grundsätzlicheres.

    Der heutige Mensch nimmt es als gegeben, dass er die Welt ganz und gar verstehen kann, wenn er nur genügend Daten sammelt. Er nimmt es als gegeben, dass letztendlich Ursache-Wirkungszusammenhänge das Weltgeschehen bestimmen und er Ursachen und Wirkungen sauber voneinander trennen, analysieren und interpretieren kann. Er nimmt es als gegeben, dass alle Prozesse, die unseren Planeten letztendlich ausmachen, berechenbar und damit reproduzier- bzw. beherrschbar sind. Dies gilt sogar für die Windströmungen, fürs Klima und die Viren. Die Informations- und Wissensgesellschaft hält sich schon für ziemlich allmächtig. Sie hat völlig verdrängt, dass es auch so was wie chaotische Prozesse gibt, die sich eben nicht steuern und reproduzieren lassen.

    Der Praktiker erlebt es hin und wieder, dass etwas nicht so funktioniert, wie er sich das ausgerechnet hat, selbst wenn er alles „richtig“ berechnet hat. Er weiß im Gegensatz zum reinen Wissenschaftler, dass jedes Wissen seine Grenzen hat. Ich selber höre deshalb im Endeffekt doch lieber auf den Praktiker als auf den reinen Wissenschaftler, der sich ausschließlich mit Theorien befasst und die Realität außen vor lässt.

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    • brötchen sagt

      FP

      „Der heutige Mensch nimmt es als gegeben, dass er die Welt ganz und gar verstehen kann, wenn er nur genügend Daten sammelt.“

      Das ist so nicht FP, ich sehe das nicht so!

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    • firedragon sagt

      fingerphilosoph, ich stimme Dir zu, dass es „chaotische Prozesse“ gibt und man dadurch, manchmal auch leidvoll, lernt.
      Aber es wird auch Wissen(schaft) benötigt, egal in welchen Bereichen des Lebens. Und je mehr Wissen, gepaart mit Praxis, ein Mensch hat, um so besser ist er in der Lage überhaupt zu verstehen.

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    • Obstbäuerin sagt

      Erschwerend kommt hinzu, dass die Daten häufig nur dort gesammelt werden, wo es zum Ergebnis passt. Metastudien sind dafür ein sehr gutes schlechtes Beispiel – 10.000 Studien wurden ausgewertet, die die These bestätigen und 10.000 Studien wurden außen vor gelassen, die das Gegenteil belegen. An der Praxis geht das in der Regel vorbei.

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      • Brötchen sagt

        es kommt auf die Qualität der daten an. von der messmethode. sind die überhaupt geeignet ein Problem zu beschreiben.
        wenn es neue messmethoden gibt.wie sieht das dann aus.
        Daten untermauern immer nur ein theoretisches denkmodell. ist das überhaupt geeignet usw.

        das bewegt sich immer in den Grenzen und das weiss ein wiss.

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        • Obstbäuerin sagt

          Brötchen, wer prüft denn bei Metastudien noch die Urdaten bzw. ob die Datenerhebung auch wissenschaftlichen Kriterien standhält. Aber ich glaube aus diesem Grund wurden sie erfunden.

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    • Paulus sagt

      @ fi-phil, auch Theoretiker kennen ihre Grenzen, zumindest die ernst zu nehmenden.
      Ich versuche mal es sehr vereinfacht darzustellen. Die Ingenieurwissenschaften gelten als sehr exakt. Zu Anfang meiner beruflichen Laufbahn war ich an der Entwicklung von Turbinen beteiligt; korrekt ausgedrückt an Axialverdichtern was z.B. Flugzeugtriebwerke, Dampfturbinen und ähnlichen Kram betrifft. Es gab immer einen Kipppunkt an dem es ins Chaotische geriet. Nach meinem Kenntnisstand gibt es da bis heute auch nichts neues unter der Sonne. Ich könnte noch etliche weitere Beispiele aufzeigen bei denen die Berechenbarkeit und Vorhersagbarkeit an ihre Grenzen gestoßen ist. Seriöse Teilnehmer
      akzeptieren das auch bzw. geben dies zur Kenntnis. Selbst die Wirtschaftswissenschaftler wissen, dass Systeme ins chaotische entgleiten können und machen auch gar keinen Hehl daraus. Ihr philosophischen Verkünder stellt so manches viel zu einfach dar.

      Aus diesem Grund betrachte ich gerade die Aussagen der Klimaforschung mit einer gewissen Skepsis. Das sich das Klima wandelt und der anthropologische Anteil eine Rolle spielt stelle ich damit nicht Abrede. Mich stören eher diese „absoluten“ Werte die dort
      verkündet werden. Genau die Experten, die in ihrer Wichtigkeit nicht zu unterschätzen sind, machen sich damit nahezu unglaubwürdig. Bei Auftritten dieses Herrn Latif wird mir regelmäßig schlecht.

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  7. brötchen sagt

    Er hat schon im großen und ganzen recht.

    Das Wissen ( und die Verfahren) haben sich in den letzten Jahren extrem verbreitert und erhöht.

    Zudem mein alter Spruch: Wissen allein nutzt Dir überhaupt nix, das musst Du immer mit der Anwendung (Praxis abgleichen)! Ob das geht und was das wirklich bringt.

    Die Wiss. arbeitet auch nicht anders….du stellst ne These auf, konzipierst auf diese These hin ein Versuch und guckst, ob sich deine These bestätigt und das mit vielen Wiederholungen unter verschiedenen Bedingungen! Un kollegen wiederholen das ebenfalls.

    Deshalb ist man meines Erachtens erst ein „richtiger“ Wiss. wenn man damit Erfahrung hat!

    Nur mal ein Bsp, weiß auch nicht, ob das nicht übertrieben ist, aber ich kann das teilweise aus dem Stallbau bestätigen:

    https://youtu.be/ad5SxGlm5Ho……etwas lang der Punkt mit der Berechnung des Wärmebedarfes eines Hauses ist interessant!! Etwa in der Mitte.

    Durch Zufall bin ich darauf gekommen.

    Noch ein anderer Aspekt:

    es gibt ja diese Sendereihe vom NDR „Corona Update“.

    Die kauen da für ein extremes Spezialthema!!!!!! stundenlang jede Woche Studien bis in alle Einzelheiten durch! Und trotzdem gibt es da offene Probleme!

    Ich wüsste nicht wo das unter Fachleuten in der LW irgendwo passiert!!!!!

    Meines Erachtens gibt es sowas nicht!
    Selbst auf Tagungen wird das nur kurz dargestellt, für Fragen ist meist auch keine Zeit, man kann höchstens hingehen und fragen.

    Aber das jemand über eine Stunde Zeit bekommt, sich auszubreiten finde schon bemerkenswert! Und das kann man auch kritisch sehen, aus verschiedenen Gesichtspunkten.

    Zu Polen: die poln. Lw vor der Wende……decken wir den Mantel des Schweigens drüber.

    Heute sicher besser entwickelt, die haben auch sehr gute Grundlagenforscher mit extrem guten Möglichkeiten bald besser als in D.

    Was da in der Praxis ankommt, vermute mal null…

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    • Reinhard Seevers sagt

      Brötchen, Konrad Fischer gilt in der Branche als „Querdenker“ der Baustoffkunde und der Bauphysik. Ich hab ihn vor 25 Jahren kennengelernt. Vieles ist richtig, manches etwas spinnert…….

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      • brötchen sagt

        Ja so hätte ich das auch eingeschätzt aus dem Gefühl heraus…..

        Aber denk mal an Deinen Stallbau!

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          • Brötchen sagt

            es gibt ja jetzt auch schon Überlegungen…..wir pumpen wie die irren Luft durch die Gegend, ob das auch anders geht…

            erdbodenwärmetauscher…..alter Hut….. so in die Richtung.

            oder wir bauen unten mit Beton……oben sitzt ein Zelt drauf….

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            • Reinhard Seevers sagt

              Du sprichst immer noch in Rätseln Brötchen.
              Erdwärmepumpen im Landw. Bereich sind von gestern, und Folienställe gibt es seit 20 Jahren und länger….was also ist dein Begehr?

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              • Brötchen sagt

                ganz einfacher wärmetauscher Rohre im Erdreich wo die Luft durchgeht.

                Wärmepumpen nicht höchstens wenn du abfallstrom hättest. Wer hat den und was kostet der.

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                • Reinhard Seevers sagt

                  Wurde doch schon in den 80ern gebaut. Hat sich aber nicht durchgesetzt, weil zu hoher Stromverbrauch und weil lediglich die Übergangszeiten (Frühling und Herbst) gut gepuffert wurden. Sommerluftraten und Winterluftraten sind aufwendig zu steuern und es entstehen hohe Gegendrücke. Es gab den Modulstall von ACO -Funki, dessen Patent von Gillig und Keller übernommen wurde. Da wurde die Außenluft unter den Güllekanälen hindurch in den Zentralgang gesogen. Ansonsten ist die aufwändige Rohrverlegung in Verbindung mit den Anforderungen der AwSV nicht mehr bezahlbar.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Typisch einseitige Betrachtung. Derweil fordern Politiker mehr Wohnbau in urbanen und suburbanen Räumen, mehr Infrastrukturmaßnahmen, mehr Gewerbe und Industrie (siehe Amazon in Europa) …Flächenfraß ohne Ende bei gleichzeitiger Einschränkung und Romantisierung des ländlichen Raumes.
      Leute wacht auf……würde Johann König jetzt sagen.😳🥴

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  8. Thomas Apfel sagt

    Also, zum Ersten kriege ich schon mal einen Krampf beim Lesen dieses Gendersternchen-Gedöns. Aber das ist vielleicht eine Alters- bzw. Gewöhnungsfrage.
    Das Fazit des Autors, dass der Weg der Erkenntnis bzw. Wissenschaft „steinig ist“, ist aus der Position des bezahlten Wissenschaftlers schon etwas allgemein und beliebig. Das Problem ist doch ein ganz anderes:
    Es gibt bei derart wie gegenwärtig mit jeweils bestimmten Politik- und Medienausrichtungen verkoppelter „Wissenschaft“ und Wissenschaftlern, keine Lehrmeinung mehr, nach der sich der praktische Lauf der Dinge richten kann. Jeder macht über seine Gruppe und Vernetzung, bei jeder vermeintlichen Grunderkenntnis Panik, dass genau das jetzt und sofort umgesetzt werden muss, weil sonst aus jeweilig anderen Gründen die Welt untergeht und die Menschheit ausstirbt (oder wahlweise Tierarten, Pflanzenarten, Bodenleben usw.).
    Gerade das Großprojekt BonaRes hat bislang so viele sich widersprechende „Ergebnisse“ ausgeworfen wie kaum ein anderes Projekt bisher. Wissenschaft mutiert im Moment zu einem „Legobaukasten“ verschiedenster (richtiger und falscher) Teilerkenntnisse, aus denen Jeder und wirklich JEDER sich seine Bauklötzchen aussuchen kann und die, die nicht zum vorskizzierten gewollten Ergebnis führen, einfach in der Kiste lässt.
    Etwas eingeschränktes Spezialwissen führt eher zu brauchbaren Ergebnissen, als dieses Prinzip Alles mit allem zu vermischen. Wenn die Debatte über richtig oder fasch, oder halt in Teilen richtig oder falsch, fast nur noch über mediale Macht der jeweiligen Interessengruppen öffentlich geführt wird, mag „der „Lärm der Demokratie“ als angenehm empfunden werden, Lösungen, die sich an der Wirklichkeit orientieren werden so nicht erreicht.

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    • Bauer Willi sagt

      Meiner Meinung nach tun Sie dem Autor des Textes unrecht. Er beschreibt sehr deutlich, wo seine Grenzen sind und das er ein eingeschränktes Spezialwissen hat. Wo findet man so etwas heute noch: dass jemand zugibt, nicht über alles Bescheid zu wissen?

      Vielleicht neigen wir aber auch dazu, nur noch die negativen Botschaften wahrzunehmen. Es gibt durchaus auch andere. https://schillipaeppa.net/2015/10/17/panikmache-im-offentlich-rechtlichen-rundfunk-oder-seit-wann-sendet-greenpeace-tv-werbung/

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      • Reinhard Seevers sagt

        OK, das ist ein positives Beispiel. Wird aber medial gar nicht wahrgenommen.
        Was „abgeht“ kann man schön auf der Website vom Bocholter Landschwein und „saveanimals Dach“ auf Facebook sehen. Dort geht das ab, was nicht wieder eingefangen werden kann und sich auch jeder neutralen wissenschaftlichen Expertise entzieht.

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        • Ferkelhebamme sagt

          Im Namen der Tiere ist Hass und Hetze gesellschaftsfähig. Die Albert Schweitzer Stiftung wird ungeniert als Quelle des „Wissens“ genannt.
          Ich staune immer wieder, wie hoch man Toastbrot stapeln kann… Leider keine Ausnahme mehr, sondern gefühlt eher die Regel.

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      • Inga sagt

        Bei uns hier im Westen entwickelt sich die Landwirtschaft so schlagartig schnell, dass die Opas auch noch kaum was verstehen,
        nur sie sind in einem eigenen Gemischtbetrieb, wo von Kind bis Greis jeder mithelfen musste und somit auch mitdenken musste, aufgewachsen. Sind davon geprägt worden.
        Vielleicht war es ja in der DDR auch anders, wenn auch Städter in der LPG geholfen haben und die LPG war nur auf einen Betriebszweig spezialisiert.

        Da kann auch der Betriebsopa aus Westdeutschland Ehemaliger Landwirt mitreden.
        Er würde vielleicht die allerneuste Technik nicht mehr verstehen, die heutzutage eingesetzt wird, wenn sein Betrieb von seinem Sohn weiterbewirtschaftet werden würde und er auch mitarbeiten würde.
        Ach, seine Frau bewirtschaftet ihn ja weiter und er arbeitet mit. Ist genau so gut.
        Und was wissen unsere studierten Agrarier, vorausgesetzt, sie sind mitten in einer Großstadt aufgewachsen über Landwirtschaft, ausser ihrem Fachgebiet?

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Inga,
          deine Sorgen sind unbegründet. Auch ich wäre noch in der Lage, mit der digitalisierten Technik zurechtzukommen, da bin ich mir sicher.

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          • Inga sagt

            Echt?

            Hast du auch den neuen Spritzenschein?
            Es gibt ja noch neue Stalltechnik usw., jeder Betrieb ist individuell verschieden.
            Das gibt es in keinem anderen Beruf!

            Bei dir ist es ja eine Ausnahme, denn du musst ja noch deinen Mann stehen in dem
            1 Mannbetrieb.

            Aber schau deine Berufskollegen, die die Verantwortung an die nächste Generation weitergegeben haben.
            Oder wie es es bei dir als Junglandwirt, wie war da die High tech?

            Ich meinte ja nur, es kann nicht jeder alles wissen, deswegen braucht sich der junge Pole auch nicht zu schämen und kann hier mal nachfragen!

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Du meinst den Sachkundenachweis?

              Ohne den bekomme kein PSM zu kaufen und um eine neue Stalltechnik brauchte ich mich seit 40 Jahren nicht kümmern. Und einen PC -Internet-Kurs für Senioren habe ich nicht notwendig, meinte zumindest meine Frau.😉
              Dank Chefkoch und Kochbar kann ich auch Rühreier machen, da sieht man mal wieder wie wichtig das Internet auch für alte Knaben ist.🤣

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          • Paulus sagt

            @ Ehemaliger, dass ihr Badener ganz tolle Hechte seid glaube ich ja aufs Wort. Aber – schon mal ein etwas höherpreisiges Auto eines Münchener Herstellers mit Vollausstattung gefahren? Ich bin nun wirklich technikaffin, aber bevor ich da mal so halbwegs durchblickte stand schon das nächste Lease Car vor der Tür.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Wenn genug Scheine, dann einen mit Stern.
              Ich kenne einen von der Entwicklungsabteilung in Sindelfingen, der kann mir dann die Technik erklären, also die Technik, die ich beeinflussen kann, wenn ich altersmäßig nicht mehr dazu in der Lage bin.😊

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      • Thomas Apfel sagt

        Der offene Brief des Prof. von Tiedemann ist gegenüber der medialen Reichweite des Fernsehbeitrages leider untergegangen. Ich hoffe auch, dass solche Aktionen parallel zum lauten Medienbetrieb, in der Politik auf offene Ohren treffen. Ich bin grad dabei auch einen solchen (zum Thema Pflanzenschutz) an unsere grüne Landwirtschaftsstaatssekretärin zu schreiben. Die Frage ist dann nur wo solche Briefe dann „offen“ sind, wenn sie nicht den Weg in die Medien finden. Greenpeace hat das Geld und die Manpower, ihre Sicht zur Not auch über bezahlte ganzseitige Anzeigen zu platzieren. Wir haben weder Sympathisanten noch Vernetzungen in den/die Medien, die solche Meinungstransporte sehr viel preiswerter möglich machen können.
        Die Blog´s wie Ihrer und der von Frau Günther sind dann leider etwas einseitig die Plattform der „älteren Bedenkenträger“ (zu denen ich mich auch zähle). Danke, dass das durch Sie überhaupt möglich gemacht wird.
        Was ich als ermutigend ansehe, ist die Tatsache, dass sich im Verhältnis zu ihrer puren Zahl in der Gesellschaft, momentan überproportional viele junge Landwirte in den Kommentarspalten der Landwirtschaftsfeindlichen Foren tummeln und Dinge richtigstellen.

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    • brötchen sagt

      „Wissenschaft mutiert im Moment zu einem „Legobaukasten“ verschiedenster (richtiger und falscher) Teilerkenntnisse, aus denen Jeder und wirklich JEDER sich seine Bauklötzchen aussuchen kann und die, die nicht zum vorskizzierten gewollten Ergebnis führen, einfach in der Kiste lässt.“

      Geb ich Dir recht, bis auf Ausnahmen.

      Hat auch was mit einer gewissen Einstellung gegenüber der Wiss. zu tun und erfolgt durch Prägung bzw. ein Klima was die Lehrenden einem „antrainiert“ haben.

      Bzw. das Lernklima an einer Uni……was aber nur durch Professoren und deren Umfeld geschaffen wird.
      Ist auch entstanden durch den Bachelorprozess und den Druck nur noch Grundlagenforschung zählt!

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