Bauer Willi
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Habeck und das Monopol

Die Überschrift des Artikels klingt wie ein schlechter Witz: “Habeck über Marktmacht des Lebensmittelhandels besorgt”.

https://www.topagrar.com/markt/news/habeck-ueber-marktmacht-des-lebensmittelhandels-besorgt-20003716.html

Gefühlt wird dieses Thema seit Jahrzehnten von der Politik erkannt, aber wirklich passiert ist nichts. Nach dem Agrargipfel von Angela Merkel hatte die Bundeskanzlerin damals auch die Spitzen des deutschen Lebensmittelhandels zum Report nach Berlin bestellt. Von den Ergebnissen des Gespräches ist nicht viel bekannt geworden, jedenfalls nichts von Substanz.

https://www.agrarheute.com/politik/lebensmittelgipfel-merkel-5-ergebnisse-564514

Tatsächlich ist es so, dass seit geraumer Zeit die “Gesetze” der Lebensmittelproduktion längst nicht mehr vom Gesetzgeber sondern vom Lebensmittelhandel gemacht werden. Wenn zum Beispiel Aldi beschließt, ab dem Jahr X nur noch Ware der Stufe Y zu listen (z.B. bei der Haltungsstufe), dann ist das zwar de jure kein Gesetz, aber eine Einschränkung des Marktzugangs.

Es ist ja “nett”, dass Habeck die Marktmacht des LEH erkannt hat, ändern wird auch er nichts. Dazu wäre es notwendig, dass das Kartellamt anfangen würde, seine Arbeit zu machen und Kartelle zu verhindern bzw. zu zerschlagen. Doch da traut sich niemand ran. Auch die Bauernverbände (und zwar alle!) unternehmen nichts Wirksames. Dabei wäre es ihre ureigenste Aufgabe, für faire Rahmenbedingungen zu sorgen.

So wird wohl alles bleiben wie es ist. Özdemir packt das Thema auch nicht an, genau so wie seine “Vorfahren” im Amt. Somit werden die Erzeuger weiter der Willkür der Big Four (Aldi, Lidl, Rewe und Edeka) ausgesetzt sein. Wer das Spiel nicht mitspielt, hat verloren.

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43 Kommentare

  1. Michael sagt

    die Getreidepreise fallen stetig, obwohl die Ernteaussichten nicht so doll sind. Schon letztes Jahr aufgrund der hohen Kosten für Dünger und Pflanzenschutz nichts verdient.
    Wenn das so weiter geht, gehen hier bei uns auf den schwächeren Böden die Lichter aus und die Flächen werden angesäht.
    Und wenn ein Betrieb geschlossen hat, der öffnet meist nie wieder.
    Aber was solls, man kann ja alles so schön importieren…

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  2. zmp_nachfahre sagt

    Bei der Gelegenheit, aus persönlichem Interesse:
    Hat denn damals (bis 2009) die Arbeit der ZMP den Bauern geholfen oder war das eher in der Kategorie “ganz nett, aber…”?
    Die Rahmenbedingungen waren damals anders, klar, aber große Akteure im LEH gab es ja damals auch schon.
    ZMP (und CMA) waren ja deshalb nicht mehr zu halten, weil der Absatzfonds als ihre Grundlage aufgelöst werden mußte, das hatte mit ihrem Erfolg oder Nichterfolg nichts zu tun.

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    • Christian Bothe sagt

      ZMP und CMA waren eine gute Sache! Man hatte die Möglichkeit dem Handel etwas Paroli zu bieten! Habe beides nutzen können in einer kleinen Fleischholding und später im eigenen Kartoffelbetrieb!

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  3. Rolf Sieling sagt

    Agrarheute titelt heute: Preis Wintergerste im freien Fall.
    Jeder steckt sich die Tasche voll. Erstmal der Landhandel , der Verarbeiter freut sich und der Lebensmittelhandel meint er ist Robin Hood

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  4. Hans Gresshöner,Landwirt sagt

    Hier gibt gerade ein grosser Landhändler auf und die Genossen übernehmen.
    Als kleiner Betrieb muss man überhaupt nicht mehr nach Preisen fragen,sondern das nehmen,was da ist.

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  5. Eckehard Niemann sagt

    Damit muss man sich argumentativ auseinandersetzen und es bewerten:

    Handelsreport Lebensmittel: Lebensmitteleinzelhandel in wettbewerbsintensivem Umfeld

    12.06.2024

    Zum heute vom Handelsverband Deutschland (HDE) in Berlin veranstalteten Tag der Wettbewerbsfreiheit zeigt der Handelsreport Lebensmittel die Komplexität der Wertschöpfungskette, die Wettbewerbsintensität im Lebensmittelhandel und die Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher an die Branche.

    „Die Wertschöpfungskette des Lebensmittelhandels ist komplex. Der Lebensmitteleinzelhandel hat hier eine wichtige Position, aber keine absolut marktbedeutende gegenüber den Produzenten und Erzeugern“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Der Lebensmitteleinzelhandel ist zwar mit seinen bekannten Supermärkten und Discountern beim Verbraucher täglich präsent. Er kauft aber nur einen Bruchteil der in Deutschland erzeugten landwirtschaftlichen Produkte bei den Vorstufen ein. So fließen nur 12 Prozent der in Deutschland erzeugten Frischmilch in die Regale des Lebensmitteleinzelhandels. Die höchsten Umsätze erzielten 2023 laut Handelsreport Lebensmittel insbesondere die Ernährungsindustrie und auch der Großhandel als Importeur. „Die Rolle des Lebensmitteleinzelhandels bei der Preisgestaltung ist am Markt daher eine untergeordnete“, so Genth weiter. Zahlreiche Warengruppen seien vom Außenhandel und von der Nachfrage der verarbeitenden Ernährungswirtschaft geprägt. „Bei Frischelebensmitteln ist der Lebensmitteleinzelhandel nicht der wichtigste Verhandlungspartner für die landwirtschaftlichen Erzeuger. Immer wieder aufkommende Diskussionen über die Rolle des Lebensmitteleinzelhandels für die Höhe des Verdienstes der Landwirte sind daher nicht zielführend“, betont Genth.

    Der Handelsreport Lebensmittel zeigt zudem: Die Anforderungen der Verbraucher an den Lebensmitteleinzelhandel sind hoch. Für rund zwei Drittel der Verbraucher ist insbesondere ein Produktangebot mit bestmöglichem Preis-Leistungs-Verhältnis von Bedeutung. Auch eine große Auswahl verschiedener Produkte (60,9 Prozent), die immer hohe Qualität der Produkte (60,5 Prozent) und eine gute Erreichbarkeit der Geschäfte (59,8 Prozent) zählen aus Konsumentensicht zu den wichtigsten Leistungen des Lebensmittelhandels. „Den Wünschen der Verbraucherinnen und Verbraucher begegnet der Lebensmitteleinzelhandel mit einer Vielzahl unterschiedlicher Geschäftskonzepte und einer großen Angebots- und Sortimentsbreite. Zuverlässigkeit, Qualität und Vielfalt werden von den Kunden geschätzt“, so Genth weiter.

    Das Interesse an den Eigenmarken des Lebensmittelhandels ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Über 85 Prozent der Befragten finden es gut, wenn im Geschäft neben Marken auch Eigenmarken angeboten werden. Auch ein Angebot an Bio-Produkten ist wichtig. Erwartet wird das inzwischen von mehr als 60 Prozent der Befragten. „Die Preissensibilität der Kunden und ihr verstärktes Nachhaltigkeitsbewusstsein spiegeln sich in den Sortimenten und Angeboten des Lebensmitteleinzelhandels wider“, so Genth.

    Am heutigen Mittwoch veranstaltet der HDE in Berlin den Tag der Wettbewerbsfreiheit und diskutiert mit hochkarätigen Referenten aus der Wissenschaft, Vertretern der Bundesregierung, der Monopolkommission sowie der Politik unter anderem über die Wettbewerbssituation in der Lebensmittelversorgungskette und das Verhältnis von Landwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel.

    Zum Handelsreport Lebensmittel: http://www.einzelhandel.de/handelsreport-lebensmittel

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    • Thomas Bröcker sagt

      Herr Niemann, ich weiß nicht worauf Sie hinaus wollen … aber für den Handelsverband muß bestimmt Niemand mit Leidenslitanei und Sammelbüchse loslaufen. Mir kommen ja geradezu die Tränen, wenn ich Herrn Genth höre.
      Das ist die Position des Handelsverbandes … der und dessen Mitglieder wollen es natürlich nicht gewesen sein. Der übelste Weg ist der mit den Eigenmarken … da wird ein künstliches Preissegment geschaffen, das dem Kunden suggeriert “es geht immer noch billiger”.
      Der Anteil dieser Eigenmarken und von Aktionsware wird immer höher und schmälert die Einnahmen der Erzeuger, Verarbeiter und Vermarktungsgenossenschaften. Eigenmarken sind ein Segment unter extremem Preisdruck (durch die Einkäufer der Handelsriesen) und dienen dazu das gesamte Preisniveau im Einkauf herunterzudrücken.
      Insbesondere Absatzgenossenschaften sind i.d.R. im Eigentum der Erzeuger. Sie müssen ihre Kosten einspielen (bei Strafe ihres Unterganges wenn das nicht tun). Die bunkern bestimmt keine Milliarden. Trotzdem oder deshalb kommen die Preisschwankungen NUR beim Erzeugerbetrieb in Form von “Restgeld” direkt an. vorher zieht jeder seine Kosten. Die Kosten für Löhne und Betriebsmittel steigen seit zwanzig Jahren fast doppelt so schnell , wie die Erzeugerpreise.
      Ich verstehe nicht, wie man das Rechtfertigungsgemümmel des Handelsverbandes hier auch noch hypen soll.
      Die Milliardenprofite landen bei den Eigentümern der Handelsriesen und einigen großen Verarbeitern. Das ist gesetzmäßig so, wenn man den “Kräften des Marktes” … also eigentlich denen mit den größten akkumulierten Vermögen politisch nichts entgegensetzt. Kartellbehörden, BaFin … alles zahnlose Tiger … national gegen global agieren geht nicht auf.

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      • Reinhard Seevers sagt

        “Die Preissensibilität der Kunden und ihr verstärktes Nachhaltigkeitsbewusstsein spiegeln sich in den Sortimenten und Angeboten des Lebensmitteleinzelhandels wider“, so Genth

        Solches Geschwafel soll was bei wem auslösen?
        Nachhaltigkeitsbewusstsein heißt übersetzt nichts anderes, als Kostensensibilität. …oder Geiz ist geil.

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        • Arnold Krämer sagt

          Geschwafel, das ist der richtige Ausdruck.
          Das angebliche Nachhaltigkeitsbewusstsein (was wissen Lieschen Müller und Fritz Meier schon von diesen Dingen und ist das Interesse wirklich da?), wird befriedigt mit noch mehr Zertifizierungen, noch mehr Labeln, noch mehr Lügen zu Kosten, die immer letztlich beim “Restgeldempfänger” abgeladen werden.

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  6. Frank sagt

    Das zweijährige Hauptgutachten der Monopolkommission kommt zum 01.07.24, das von Habeck bestellte Sondergutachten zum Lebensmittelhandel kommt noch extra und der Herr ventiliert schon mal vorab seine Besorgnis, gehandelt (etwa auf Grundlage des Gutachtens von 2022) wurde bislang aber nicht. Jetzt wird auch nichts passieren, weil die Ampel gar nicht mehr kann. 2026 näcstes Gutachten.
    So geht Politik.

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  7. Eckehard Niemann sagt

    Bauernschädliche Parolen über angebliche „Handelsmacht“ oder “Handelsmonopol”

    Immer wieder kommt Kritik an einer angeblichen Machtkonzentration der 4 größten Konzerne im Lebensmitteleinzelhandel und deren angeblicher Wirkung auf die Erzeugerpreise der Landwirte. Dies ist zumeist der Versuch, von der Marktmacht der tatsächlichen „Marktpartner“ der Landwirte abzulenken bzw. diese nicht zu kritisieren. Denn nur wenige Landwirte liefern direkt an ein LEH-Unternehmen (und wenn, dann oft im Rahmen durchaus lukrativer Regional-Direktvermarktung mit einzelnen LEH-Filialen).
    Die wirklichen Abnehmer von landwirtschaftlichen Rohstoffen oder Vieh, Eiern etc. sind:

    – Agrarhandelsunternehmen („Landhandel“), von Landwirten auch die „aufnehmende Hand“ oder auch „1. Stufe der Lieferkette“ genannt,

    – Verarbeitungsunternehmen und -konzerne wie Mühlen, Kartoffelabpacke und -verarbeiter, Stärkehersteller, Ölmühlen, Zuckerfabriken-Konzerne, Molkereien, Schlachthöfe (oft mit direkter Vertrags-Bindung somit abhängiger Landwirte, oft auch regionale Abnahme-Monopole in dieser „2. Stufe“ der Lieferketten). Pro forma sind viele dieser Unternehmen zwar (Groß-)Genossenschaften oder AGs/GmbHs mit Mitgliederschaft ehemaliger bzw. auch aktiver Landwirte – die aber zumeist längst die Kontrolle über diese – auch international tätigen – Riesen-Konzerne verloren haben. Zumal der Deutsche Bauernverband diese Konzerne/Branchenverbände auch als Mitglieder hat: Die Aufsichtsräte mit lukrativen Mandaten in diesen Konzernen fühlen sich diesen zumeist mehr verpflichtet als ihren landwirtschaftlichen BerufskollegInnen, oft mit der Entschuldigung der Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber nichtgenossenschaftlichen Konzernen.

    – Weiterverarbeiter oder Exporteure bzw. Hersteller von Konsumgütern/Markenartikeln/Handelsmarken für Verbraucher/LEH/Gastronomie//Kantinen/ Export/Handwerk etc. – die Lebensmittelhandels-Konzerne sind also nur ein Teil dieser ohnehin agrarfernen Abnehmerschaft, deren Firmen zudem oft Teil riesiger, internationaler und marktmächtiger Lebensmittel-Konzerne sind.

    – Der Verkauf von Konsumartikeln an Endverbraucher erfolgt – neben Lebensmittelhandwerk Gastronomie/Kantinen, Direktvermarktung und mittelständische Handelsunternehmen – zu einem erheblichen Teil durch die mittlerweile nur noch 4 großen LEH-Konzerne (Edeka und Rewe haben neben Konzernregie-Filialen immer noch Filialen in der Hand von Selbständigen Betreibern; Aldi und Lidl nur mit Filialen).
    Mit ihren relativ großen Marktanteilen bilden diese 4 Konzerne ganz klar ein Oligopol (diese Marktform ist ja gekennzeichnet durch wenige Markt- oder Wettbewerbs-Teilnehmer) – aber „nur“ innerhalb des Segments Lebensmitteleinzelhandel (denn daneben gibt es wie gesagt ja auch noch etliche andere große Sektoren, die Agrarrohstoffe, Verarbeitungsprodukte und Endprodukte einkaufen, verwenden bzw. verkaufen).
    Typisch für Oligopole ist aber nicht die Absprache unter den Oligopolisten, sondern vielmehr ein besonders scharfer Wettbewerb. Das liegt unter anderem daran, dass es extrem kostenaufwendig und schwierig ist, einen der ja gleichgroßen Konkurrenten durch niedrigere Verbraucherpreise und damit verbundener Käuferwanderung nieder-zu-konkurrieren. Und es liegt außerdem daran, dass die Größe jedes Oligopolisten diesem ermöglicht, durch Image- und Reklame-Aktivitäten den reinen Preiswettbewerb teilweise bei der Käuferbindung und Käufergewinnung zu ersetzen.
    In der Praxis war es bisher oft so, dass die Vor-Ankündigung von Lebensmittelpreisen durch Aldi von den anderen drei LEH-Konzernen als Leitlinie für deren eigene Preisgestaltung genommen wurde. In der aktuellen allgemeinen Krisen- und Inflationszeit zeigte sich, dass es in etlichen Produktbereichen eine stete Auseinandersetzung bei den Einkaufspreisen gab/gibt, die die durchaus ja mächtigen Lebensmittelhändler an mächtige oder sogar noch mächtige Lebensmittel- und insbesondere Marken-Hersteller-Konzerne zahlen (müssen).
    Mit Blick auf ihre sparsamere Endverbraucher-Kunden listete vor allem der Edeka-Konzern bestimmte Markenartikel von bestimmten Lebensmittelherstellern aus, deren hohe Einkaufspreise man nicht an die Verbraucher weitergeben wollte oder konnte. Andere Handelskonzerne, vor allem Lidl, reagierte auf diese Hersteller-Preis- und Marktmacht durch „vertikale Integration“: Man lässt die unter eigenen Billig-Handelsmarken-Namen laufenden (und bei vielen Kunden gegenüber Markenprodukten bevorzugten) Produkte nicht mehr – unter anderem Namen – bei den Markenherstellern produzieren, sondern investiert in die Herstellung dieser Handelsmarken in handels-eigene Fabriken/Unternehmen. Nicht die überschaubare und kontrollierte oligopolistische Handelsstruktur weckt aktuelle Besorgnis beim Bundeskartellamt (und auch der „Monopolkommission“), sondern eher diese vertikale Integration (Schwerpunktthema der vorletzten Ausgabe der ZEIT).

    Für die Durchsetzung kostendeckender und gewinnbringender Erzeugerpreise der Landwirte ist das alles aber kaum relevant, sondern all die Thematisierung all dessen wird vor allem jenen genutzt, die von der Monopolstellung wirklich direkter Landwirts-Handelspartner ablenken wollen und Proteste von Bauern statt vor Schlacht- oder Molkerei-Konzernen lieber (unwirksame) Blockaden vor Aldi-Filialen propagieren.

    Für die Durchsetzung “fairer“ Agrarpreise setzen sich vor allem konzern- und bauernverbands-kritische Organisationen wie der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) oder die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ein:

    – Die Erzeugerpreise bspw. von zuvor gelieferter Milch sollen nicht mehr wie bisher den Bauern nachträglich von den Molkereien mitgeteilt werden, sondern vorab zwischen bäuerlichen Erzeugergemeinschaften und Molkereien ausgehandelt und längerfristig vertraglich vereinbart werden. Das schafft nicht nur eine Kalkulierbarkeit und Planungssicherheit, sondern zwingt die Molkereikonzerne, diese mit den Milcherzeugern vereinbarten Preise und Molkereikosten gegenüber den Abnehmern von Milchprodukten auch wirklich durchsetzen zu wollen. Anders also als bisher, wo die Molkereien ihren Absatz durch Einknicken gegenüber der Molkereiprodukten-Abnehmern sichern und die Kosten dieses Preisdumpings noch bequem auf die Milchbauern abwälzen können.

    – Um trotz weiterbestehenden Wettbewerbs beim Absatz von Agrarprodukten kostendeckende und gewinn-ermöglichende Erzeugerpreise zu sichern, bedarf es zusätzlich den obigen Erzeugerzusammenschlüssen und Verträgen auch einen generellen Abbau preisdrückender Überschuss-Erzeugung: Überschüsse werden ja oft sogar bewusst mit Blick auf den erhofften Export-Absatz auf dem „Weltmarkt“ produziert – die Verluste beim Scheitern dieser Export-Hoffnungen auf die hiesigen Landwirte abgewälzt werden – in Form unzureichender Erzeugerpreise. Und das alles bemäntelt und verschwiegen durch die Parolen von der – hierfür auf jedenfalls kaum relevanten – „Marktmacht des Handels“…

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    • Christian Bothe sagt

      Niemann: auch eine noch so lange Begründung ändert nichts an der von mir gemachten Aussage! Wenn man wie ich Kartoffelverarbeitungsprodukte an den LEH geliefert hat, weiß man ziemlich genau wie der Hase läuft und was man tun muss, damit dieser nicht verhungert…

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      • Christian Bothe sagt

        Hatte es vor längerer Zeit schon mal erwähnt, funktioniert hat es nur, weil ich meine Primärproduzenten sprich Kartoffellieferanten aus der Region in die Gesellschaft (GmbH) eingebunden hatte. Damit hatte ich etwas Verhandlungsspielraum bei der Listung im LEH…

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      • Eckehard Niemann sagt

        In welcher Funktion liefern Sie Kartoffelverarbeitungsprodukte an den LEH – als Bauer doch sicherlich nicht…

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        • Christian Bothe sagt

          Niemann: nee, aber als Dipl.Agr.Ing…was soll diese Frage H.Niemann? Denke ich habe es erläutert wie ich mit meinen Genossenschaften umgegangen bin( s.o.)!

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    • Schmeckt gut sagt

      Herr Niemann, sie haben aber auch sowas von Null Ahnung von den realen Marktkräften. Kommen Sie doch einfach einmal mit zu Preisverhandlungen. Ach, das funktioniert ja garnicht mehr, weil die Preise mittlerweile online und europaweit ausgeschrieben werden. Aber tatsächlich gibt es Verbesserungsbedarf beim Verhältnis zu unseren Weiterverarbeitern. Eines steht aber fest: Es ist extrem schwierig geworden für hiesige (Rohstoff)Erzeuger kostendeckende Preise auszahlen zu können, weil solch ein massiver Preisdruck erzeugt wird. Insbesondere kleinere Verarbeiter leiden unter diesen Verhältnissen. Konzerne weniger, weil diese weltweit einkaufen, verkaufen und produzieren können. Wie sollen sich diese Verhältnisse denn zum besseren ändern? Wir Bauern sind doch politisch gewollt die Restgeldempfänger. Und kommen Sie nicht mit direkter Vermarktung bei 85% Marktbeherrschung durch die Großen.

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        • schmeckt gut sagt

          Herr Niemann. Einige Ihrer Ausführungen beschreiben die Markgräflerland richtig, viele andere nicht. Es bleibt die Frage: Wie wird eine schnelle Verbesserung erreicht? Dazu geben Sie keine Tipps. Die Marktkräfte haben sich schon lange verselbstständigt. Eingriffe unerwünscht, hochgradig schmerzhaft oder sogar verboten. Wie also? Und wie kann dies effektiv erfolgen? Der Urproduktion fehlt Menpower, Kapital und die Rahmenbedingungen

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    • Bauer Willi sagt

      @Eckehard Niemann
      hab heute mit einem Vertreter der AbL lange telefoniert. Natürlich hat die auch kein Rezept, wie es besser werden könnte. Genauso wenig wie der BDM. Beide Vereine sind ebenso zahnlose Tiger wie der DBV.
      Was ist eigentlich mit Özdemir? Lebt der noch? Oder ist der nur noch im “Ländle” zu finden, damit er dort Minischterpräsident werden kann?

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      • Eckehard Niemann sagt

        “Zahlose Tiger”?! Wer hat denn Ihrer Meinung nach Zähne? Und zuvor auch Grips zur Einschätzung und Strategie?

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        • schmeckt gut sagt

          Herr Niemann, die Politik hätte die nötigen Zähne, aber sie beißt nicht, weil sie gezwungen ist, billige LM zu ermöglichen – s.Mercusur, Import von LM, die hier nicht verkauft werden dürften, unlautere Werbung mit Regional, aber Dumpingverkäufe der Importe usw. Nur erträgliche Rahmenbedingungen ermöglichen uns Bauern das Überleben. Wir haben es doch während der Coronakrise erlebt. Hohe LM-Preise führen in kürzester Zeit zur Meuterei der Bevölkerung. Fragen Sie Hans 😉 By the way: Zitat BW Wir können auch Bio, wenn die Preise stimmen. Aber bei diesen Rahmenbedingungen sind selbst 30% Bio Utopie

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  8. Christian Bothe sagt

    Was soll‘s? Ist eben Kapitalismus in seiner Urform nur moderner und angepasster! Wird sich nie ändern im LEH genauso wie bei den Mineralölgesellschaften! Was soll denn Habeck da ausrichten, zumal er selbst und seine grüne Avantgarde gerade ums Überleben kämpft…

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  9. Arnold Krämer sagt

    Die Marktmacht des LEH, dessen Akteure sich untereinander im Wettbewerb befinden, ist unbestritten.
    Die korrekte wissenschaftlicher Bezeichnung für diese Konstellation ist Oligopol, aber geschenkt.

    Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Marktmacht für die landwirtschaftlichen Urproduzenten sind aber teilweise recht unterschiedlich. Sie hängen ab von
    – den Betriebszweigen/Produkten,
    – von der Stellung in der Wertschöpfungskette (teilweise sind Landwirte „nur“ Vorproduzenten für ihre Berufskollegen wie z. B. die Sauenhalter oder die Fresseraufzüchter)
    – von der Stärke (Marktmacht!) der Verarbeitungsunternehmen (z.B. Schlachtereien, Molkereien, Pommeshersteller (das gibt es!)
    – den Möglichkeiten der Verarbeiter/ des LEH zum Rohstoffbezug/Lebensmittelbezug aus dem Ausland/EU-Drittland.
    – insbesondere immer von der Knappheit des Angebots
    – und letztlich vom politisch gesetzten Rechtsrahmen

    Das spezifisch landwirtschaftlich-betriebswirtschaftliche Problem ist:
    Die Betriebe haben u. a.
    – „falsche“ Betriebszweige, abhängig z. B. vom Standort (Grünland, Milch)
    – fehlende/schwache Verarbeitungsunternehmen in ihrer Region
    – sehr lange Kapitalbindungsdauer in Verbindung mit extrem hohen Kapitalkosten (ohne Boden) je Arbeitskraft. Der landw. Arbeitsplatz ist einer der teuersten in der gesamten Volkswirtschaft!
    – seit Jahren erschwerte Möglichkeiten zu bertrieblichen Umstrukturierungen durch z. B. Baurecht (im weitesten Sinne).
    – übermäßige/unsinnige Bürokratie- und Kostenbelastungen durch staatlichen, moralischen Gesetzgebungseifer.

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  10. Rolf Sieling sagt

    Die erste unehrliche Manipulation findet an den Produktbörsen statt. Die Kassa Märkte sind ohne Funktion, es sei denn der Preis fällt soweit das reihenweise Betriebe aussteigen. Alternativen zur Lebensmittelproduktion werden Politisch ausgehebelt. In Wirklichkeit ist die ganze Welt auf unsere Produkte angewiesen, es wird aber schamlos billig in die EU importiert. Man darf sich doch keinesfalls abhängig machen von der eigenen Landwirtschaft! Darum wird auch 5% gepanschte Ware/Restemix / Viehfutter verkauft. Die eigentliche Veredlung über Vieh, um gesundheitliche Risiken abzuwenden ist überhaupt nicht mehr relevant. Mit dem Monopol der Ketten wird am Ende nur der Sack zu gemacht.

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  11. Sonja Dengler sagt

    Jene Handvoll Multi-Milliardäre, die niemand gewählt hat und die auch niemals in die Politik gewählt würden, die regieren mit ihrer Geldmasse aber Politik und bevormunden unser Privatleben – weltweit.
    Ich quäle mich die ganze Zeit schon mit der Frage: WARUM ist Gates der größte Land-Aufkäufer aller Zeiten geworden, ausgerechnet jetzt? Mir kam da mittlerweile eine Idee: im Weltraum werden ja ständig andere Anbaumethoden getestet – zur Zeit ist es das Aqua-Anpflanzen. Das scheint erfolgreich zu sein. Ich kenne auch in Afrika eine Initiative, die das umsetzt.
    Dazu braucht man große Flächen z.B. Könnte es so sein: bevor sich diese Anbaumethode, die viel Geld verspricht, etabliert, will man da die Bauern ausstechen und selbst über das Essen noch herrschen wollen?
    Wenn ja: was könnten Bauern dagegen tun?

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  12. Malte Voerste sagt

    Entflechtung der Monopole ist eine Kernforderung der Freien Bauern. Nicht alle Verbände drücken sich um das Thema.

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    • Frank sagt

      Monopolkommission Hauptgutachten 2022 (übrigens das 24. das die abgaben)
      “Insgesamt sieht die Monopolkommission für die Unternehmenskonzentration in Deutschland weiterhin keinen besorgniserregenden Trend und damit keinen unmittelbaren wettbewerbspolitischen Handlungsbedarf. ”
      Zur Einschätzung LEH kann man mal hier ein paar Sätze finden, die trotz des Alters von 10 Jahren immer noch anzeigen dürften, was das aktuelle erarbeitete Sondergutachten rausfindet:
      https://www.monopolkommission.de/images/PDF/SG/s70_volltext.pdf

      • Frank sagt

        Falls Sie damit diese Gutachten meinen, richtig.
        Ändert nichts daran, dass dies der Wahrnehmungsraum ist, in dem Politik sich bewegt und bestenfalls handelt.
        Wenn mal also wissen will, was “die da oben” so glauben …..

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  13. Schmeckt gut sagt

    Danke, Willi, für deine ständige Hinweise auf katastrophale Fehlentwicklungen durch den Handel. Dieser ist zwar offiziell durch VO, Gesetzchen, und sogar eine “Überwachungsbehörde” eingefangen und überwacht, aber genau betrachtet sind diese “Feigenblätter” einfach nur “stumpfe Schwerter”. Das UTP-Team beim BLE (https://www.bauerwilli.com/keine-chance-fuer-unfaire-einkaeufer-die-ble-hilft/) hat zwar rechtlich die Möglichkeit genauer hinzusehen, aber durch durch “neue” gesetzliche Vorgaben, wie DSGVO, Lieferkettengesetz, auch das Kartellrecht und andere wird diesem Team genau diese Möglichkeit wieder genommen – eben für faire Rahmenbedingungen zu sorgen. Und genau diese BLE-Abteilung wird absehbar wieder gestrichen, wenn sie nicht die Daseinsberechtigung “beweist” über “Erfolge” im Offenlegen von Verfehlungen des Handels – ein Irrsinn, so funktioniert Politik. Das politische Feigenblatt UTP-Richtlinien hat also dafür gesorgt, dass die Regierenden als “große Macher” dastehen können, sich aber genau genommen nichts ändert. Meine Meinung hierzu: Diese “Verarschung” der Urproduktion ist genau so gewollt. Weiter billig produzieren, Buckel krumm machen, aber ja keine höheren Preise, um die Inflation niedrig zu halten. Ich find es einfach nur noch zum Schreien. Kostendeckende Preise? Wo? Und der Handel hat 1000de grüne Label als Feigenblatt erfunden, um sich als Weltenretter darzustellen. Der Wirkungsverstärker: die Urproduzenten sollen jetzt auch noch “Rewildern”? Schämt euch Politik. Ihr habt es verdient, dass die LM-Versorgung den Bach runtergeht und im Krisenfall die Leute hungern. Mist: habe doch glatt übersehen, dass die “Städter” dann unsere Höfe belagern – vor lauter Hunger. Wir Bauern sind also immer die “Gearschten”. PS: Habe wohl einen schlechten Tag heute, aber kein Wunder bei den Hiobsnachrichten aus Brüssel.

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  14. Ferkelhebamme sagt

    Und die Wünsche des Handels werden immer realitätsferner. Sie wünschen mehr Fleisch aus HS 3 u. 4, fahren nach eigener Aussage aber auf Sicht. D.h. wir bauen für Millionen EUR um, und dann kommt: Ach nee, doch nicht.
    Ausserdem droht der Handel mit Auslistung, wenn unschöne Bilder auftauchen. So empfinden sie das Schweinetreiben mit Rasselpaddel als zu brutal. Die Schweinetransporterfahrer, die übrigens bei jeder Verladung ein Selfie machen müssen, damit der Transport ein Gesicht bekommt, stehen da jetzt mit Poolnudeln! Kein Scherz!!
    Krankenbuchten sollen mit Schildern gekennzeichnet werden, überlege bei Betreten ein Krankenschwester-Häubchen aufzusetzen… Von den zusätzlichen Vor-Ort-Kontrollen ganz zu schweigen.
    Neben fehlender Wirtschaftlichkeit macht die Tierhaltung einfach keine Freude mehr. Dauer-Schleudertrauma durch Kopfschütteln

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    • ReinerStoff sagt

      Dieser Irrsinn lässt sich quasi 1 zu 1 auf den Rinder- bzw. Milchsektor übertragen! Die Rückabwicklung der Landwirtschaft zurück zur Leibeigenschaft unter der Knute neuer Herren ist in vollem Gange…

      …mit freundlicher Unterstützung einer völlig planlosen Politik, getrieben von ihr finanzierten NGOs sowie zahlloser sich am System fettfressenden Zertifizierern.

      Mehrvergütung für Milch höherer Haltungsstufe teilweise vorher vom Grundpreis aller Lieferanten abgezogen oder sich verlängernde Verträge mit einer Laufzeit von 6 Monaten!

      Sind erst genügend Landwirte “freiwillig” dabei, wird der Mehraufwand einfach zum Standard erklärt u nd die Mehrvergütung gestrichen, Mehraufwand und Kosten, Kontrollen und Zertifizierung läuft natürlich weiter…

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  15. Frikadellen piet 45 sagt

    guten Morgen das ist ein sehr interessantes Thema 2006 hat unser marktlehre Professor in Kiel gesagt das Thema ist bis jetzt sehr wenig erforscht er weiß nur dass bei Aldi die mit die beste Marktstruktur besteht und die Handelswege direkter sind das heißt aber nicht dass Aldi gut für den Erzeuger ist

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