Alois, Bauer Willi
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Fastenzeit…

…Ramadan, Jom Kippur. Viele Religionen haben Zeiten, in denen weniger oder überhaupt nicht gegessen werden soll. Die Hintergründe dazu sind verschieden, die Regeln auch. Allen gemeinsam ist jedoch der Verzicht.

fast-78493_640Und so verzichten viele Mitmenschen, obwohl sie der Kirche eher fern stehen, in dieser Zeit auf irgendetwas. Wir persönlich auch.

Als Landwirten gehen uns in der Fastenzeit aber noch andere Gedanken durch den Kopf.

Es ist Frühjahr, die Natur beginnt wieder zu erwachen. Das Getreide, die Wiesen und Weiden bekommen wieder Farbe, langsam sprießen die ersten Blätter, Knospen öffnen sich und bald beginnt die Obstblüte. Rüben werden gesät, Kartoffeln gepflanzt und alles wird getan, dass die Ernte, die im Spätsommer oder Herbst erfolgen soll, gut wird. Es ist die Zeit der Vorbereitung. Wie die Fastenzeit, die uns auf Ostern vorbereitet.

Es ist auch die Zeit, daran zu denken, dass andere Menschen zwangsläufig fasten, weil bei ihnen Nahrung knapp ist. Wir in Europa haben von allem genug, vielleicht schon zu viel. Wir Landwirte haben quasi den Hunger in der zivilisierten Welt besiegt. Und nicht nur das: Dank der modernen Methoden ist das Essen auch so günstig, dass jeder Verbraucher fast nur noch ein Zehntel seines Geldes für Lebensmittel ausgeben muss. Da bleibt mehr Geld übrig. Wenn man mehr hat, kann man auch mehr spenden.

Deshalb ist die Fastenzeit auch eine Zeit des Teilens. Wir können von unserem Überfluss abgeben. Kirchliche Organisationen bitten in dieser Zeit um Spenden, auch wir Landwirte spenden.

Misereor und Brot für die Welt haben sich bei der Demonstration „Wir haben es satt“ im Januar in Berlin gegen die moderne Landwirtschaft positioniert. Wir fühlen uns als Christen ausgegrenzt. Die Zahl der Landwirte werden immer weniger und die der Kirchgänger auch. Sehr viele der verbliebenen treuen Kirchgänger sind Menschen aus Landwirtsfamilien. Es schmerzt uns und andere, wenn sich diese kirchlichen Organisationen in eine Reihe mit all den anderen Kritikern und NGO’s stellt. Sollen wir ihnen nun Geld spenden, damit sie damit im nächsten Jahr wieder die Demonstration „Wir haben es satt“ unterstützen?

Auch unsere Familien werden in diesem Jahr wieder spenden. An die Welthungerhilfe. Weil die uns und anderen unabhängiger erscheint.

Wir wollten euch das nur mal aus unserer ganz persönlichen Perspektive zeigen, zum Nachdenken…

easter-egg-619867_640Frohe Ostern

wünschen
Bauer Willi aus dem Rheinland       Bauer Alois aus dem Allgäu

 

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12 Kommentare

  1. Weserwirt sagt

    Bei dem Thema Misereor oder Brot für die Welt geht es ja nicht nur um die Beteiligung an der Berliner Demo „Wir haben es satt“ und dass sie den Kontakt zur Wirklichkeit der Landwirtschaft und den Höfen bei uns verloren haben. Ihre Ideologie teilt die Welt in Gut und Böse. Und so sind nur Kleinbauern und eigene Wirtschaft gut, aber Produktion für den Markt und Weiterverarbeitung schlecht. Wir leben in einer arbeitsteiligen Welt. Und in den wärmeren Ländern werden neben Kaffee, Tee, Bananen auch Soja- und Palmöl erzeugt, auf denen jeweils eine ganze Wirtschaftskette sich aufbauen. Ich möchte auch, dass die Bauern in der Dritten Welt teilhaben können an Entwicklung und sicherem Lebensunterhalt.

    • Alois Wohlfahrt sagt

      Viele kirchlichen Einrichtungen, (Tagesheime, Altenheime, Pflegeheime etc.) haben eigenen Kantinen. Werde dort bewusst kleinbäuerlich erzeugte Lebensmittel verarbeitet?
      Nein, denn auch diese Einrichtungen hängen an den geltenden Finanzierungssystemen. Und die Betreiber müssen genauso kalkulieren. Das mache ich diesen nicht zum Vorwurf.
      Aber es ist in meinen Augen von den Kirchen scheinheilig in Berlin gegen diese “Wir-haben-es-Satt-Produktion” zu protestieren.
      Auch die Kirchen sind Teil unserer Systeme.
      Vielleicht sollten Sie ihre Spendengelder bewusst dazu einsetzen kleinbäuerliche Bio-Produkte in Ihren Einrichtungen zu kaufen.

      Alois

    • Andrea D. sagt

      Hallo Weserwirt,
      die genannten Entwicklungshilfeorganisationen wissen schon ziemlich genau, womit sie es zu tun haben und das ist in den meisten Fällen eine kleinteilige Subsistenzlandwirtschaft. Wo nicht genug Wasser für den täglichen Bedarf vorhanden ist, ist es reichlich schwierig “für den Markt” zu produzieren.
      Und dort, wo es die klimatischen Bedingungen und günstige Bodenverhältnisse zulassen ist es sinnvoller, Lebensmittel zu produzieren, die zunächst den einheimischen Märkten zu Gute kommt, statt auf Exportprodukte zu setzen.
      Wenn dann noch die Infrastrukturen für Lagerung und Verteilung vorhanden wäre, sähe die Ernährungssituation oft wesentlich besser aus.
      Diese Probleme und vor allem die Ursachen von Mangelernährung benennen die ONGs halt, zu denen übr. auch die DWHH gehört.
      Und sie können es, weil sie vor Ort sind.
      Es braucht aber keine aufgesetzte Rührseligkeit, die an Zynismus und Arroganz grenzt:
      “…dass andere Menschen zwangsläufig fasten, weil bei ihnen Nahrung knapp ist” oder
      “…Wir Landwirte haben quasi den Hunger in der zivilisierten Welt besiegt”.
      Das ist schon harter Tobak, was hier selbsternannte Experten von sich geben.

      • Bauer Willi sagt

        Hallo Andrea
        1. Die Welthungerhilfe zeigt Probleme auf, klagt aber nicht an
        2. Warum exportieren Entwicklungsländer, statt den heimischen Markt zu versorgen? (Klar: die bösen Konzerne!)
        3. Meine Schwester hat 4 Jahre in Afrika in der Entwicklungshilfe gearbeitet
        4. Was ist an den von Dir zitierten Sätze falsch? Oder verträgst Du die Wahrheit einfach nicht?
        5. Wie viel Euro hast Du an Ostern gespendet?
        Der zynische und arrogante Bauer Willi

        • Andrea D. sagt

          Hallo Willi,
          die DWHH arbeitet vor allem in Bereichen, die die kleinbäuerlichen Strukturen stärken sollen, (“Hilfe zur Selbsthilfe”) und bezieht glasklare Positionen zur Armutsbekämpfung.
          Sie klagt Regierungen an, formuliert klare Forderungen und fordert eindeutig zum Handeln auf (nachzulesen auf der HP DWHH), indem
          – die Landrechte der Kleinbauern gestärkt werden
          – bäuerliche Strukturen gezielt zu fördern sind
          – die lokale Wertschöpfung zur Steigerung der Einkommen im ländlichen Raum aufzubauen, sowie
          – die ökologischen Vorteile der bäuerlichen Landwirtschaft zu nutzen und zu stärken,
          Viele Projekte werden gemeinsam mit den verschiedenen kirchlichen, bzw nichtstaatlichen, aber auch staatlichen Organisationen betrieben.
          Inhaltlich gibt es jedoch wenig Unterschiede zu den anderen ONGs, die ja hier offensichtlich gerne an den Pranger gestellt werden.

          Von den bösen Konzernen habe ich kein Wort gesagt, Willi, das ist ein ganz anderes Thema.

          Denk mal drüber nach, was es bedeutet, dass laut DWHH 2/3 der 800 Mio. Hungernden in kleinbäuerlichen Strukturen leben, die zunehmend unter Umwelteinflüssen wie z.B. Desertifikation, Versalzung, Dürren, Überschwemmungen, Hochwasser oder auch Kriegen leiden.

          Es ist kein Verdienst der Zivilisation, dass wir nicht – mehr – hungern müssen, es ist in erster Linie das große Glück, in der “gemäßigten Klimazone” zu leben, die den technischen Fortschritt viel berechenbarer und damit möglich gemacht hat und macht.

          Welche Wahrheit sollte ich denn nicht vertragen, Willi ? Dass die unzivilisierten Länder den Hunger nicht besiegen? Und dass sie deshalb zwangsläufig fasten? Das hat doch nichts mit Wahrheit zu tun, es sind einfache, pauschale Formulierungen, die einem solch komplexen Thema nicht gerecht werden können, aber ganz bestimmten Zielen dienen sollen.
          Das vertrage ich allerdings nicht.

          Schönen Tag noch!
          AD

          • Bauer Willi sagt

            Liebe Andrea, was wir in unserem Artikel zum Ausdruck bringen wollten ist, dass wir Landwirte uns von den Landwirtschaftskritiker, von denen ich die DWHH ausdrücklich ausnehme (ich habe mir deren HP sehr wohl angesehen und mit anderen verglichen) an den Pranger gestellt fühlen. Wir Landwirte! Wir Menschen in der Landwirtschaft! Es ist sehr wohl mit das Verdienst der Landwirte, dass die satten Europäer nicht mehr hungern müssen. Und jetzt dafür mit Dreck beworfen werden.
            Ich finde es auch gut und lobenswert, wenn sich Organisationen (auch mit meinen Spendengeldern) in den unterentwickelten Ländern organisieren. Das ist doch gar keine Frage und wird überhaupt nicht in Frage gestellt. Aber ich muss mich für meine Spende nicht auch noch beschimpfen lassen, wie Du es auch gerade tust und mir Unterstellungen unterjubelst, die so in dem Text nicht zu finden sind.

            Dein pauschal formulierender, zynischer und arroganter Bauer Willi

            • Andrea D. sagt

              Meine Güte Willi,
              bei soviel Selbstmitleid kommen mir glatt die Tränen!
              Sorry, auf dieser Ebene zu diskutieren liegt mir nicht.

              Gruß,
              AD

              • Bauer Willi sagt

                Liebe Andrea,
                das zeigt nur, dass Du entweder nichts von dem Sinn unseres Artikel verstanden hast, oder zu der Liga Menschen gehörst, die gerne andere beschimpfen und sich dann zurückziehen, wenn diese darauf emotional reagieren.
                Deshalb noch einmal: Ich, Bauer Willi und noch einige andere Bauern sind enttäuscht (das ist ein Gefühl!!) dass sich die beiden kirchlichen Organisationen mit zum Teil recht radikalen Agrar-Kritikern in eine Reihe stellen. Das hat nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, dass wir die deren ARBEIT nicht respektieren. Wenn Du das nicht verstehen kannst, sollten wir den Dialog beenden.
                Bauer Willi

                • Andrea D. sagt

                  Wenn Ihr (wer auch immer das ist) die Arbeit der EH-Organisationen respektieren würdet, müsstet Ihr auch deren Beweggründe respektieren, sich für bestimmte Inhalte auszusprechen und sich für bestimmte Ziele einzusetzen. Da wir in einer Demokratie leben, ist dies eine Selbstverständlichkeit.
                  Und dann noch etwas Willi, in Eurem Artikel behauptet Ihr, dass BfdW und Misereor Spendengelder zur Unterstützung der Demonstration “Wir haben es satt” verwendet.
                  Dann wirst Du auch sicher wissen in welcher Form und in welcher Höhe diese Unterstützung gewährt wird und wie diese Behauptung durch Fakten belegt wird.
                  Lass mich an Deinem Wissen teilhaben.
                  Danke,
                  AD

            • Alois Wohlfahrt sagt

              Es stellt doch niemand das Engagement der Organisationen in Frage. Sondern es geht mir um das Einreihen in die Pauschalkritik (Demo) an der hiesigen modernen Landwirtschaft.
              Man geht also in Berlin und in den Medien auf die Straße um für kleinbäuerliche, möglichst Bio-Landwirtschaft, zu demonstrieren und das andere zu verdammen. In der Praxis aber sind die kirchlichen Organisationen Teil unseres Wohlstandsernährungssystems. z.B. wenn sie Kantinen von Heimen und Tagesstätten betreiben. Dort regiert nämlich der Rechenstift, weil auch sie mit wirtschaftlichen Verpflegungssätzen auskommen müssen. Da muss dann preisgünstige Massenware gekauft werden, will man beispielsweise eine Tagesverpflegung mit 5 € am Tag schaffen. Man predigt also kleinbäuerlich und Bio und kauft dann günstig.
              Ich mache solche Verpflegungssätze niemandem zum Vorwurf. Es muss halt alles finanzierbar sein. Ich wünsche mir aber von den Kirchen, ehrlicher und näher an der Realtiät zu bleiben. Sie sollten helfen gangbare Wege zu suchen. Die Teilnahme an der populistischen Demo ist keine Hilfe sondern eine Provokation.

              Alois

  2. Rufer aus der Wüste sagt

    Es wird Zeit das sich Kirchen wieder an ihr Fundament erinnern. Und das Fundament ist die Bibel.
    Wenn ihr das Geld nur ueberweist, damit sie euch bei eurer Demonstration unterstuetzen. Dann wuerde ich kein Geld ueberweisen. So etwas muss aus dem Herzen oder aus Ueberzeugung sein.

    Also, testen und nichts bezahlen. Dann werdet ihr sehen wer auf eurer Seite steht. Alles andere ist fuer die Katz.

    O

  3. Matthias W. sagt

    Lieber Willi, lieber Alois,

    vielen Dank für eure Aktivitäten und das Eingehen persönlicher Risiken – die Ihr mit Euren Seiten “provoziert”!

    Verzicht kann auch mehr Qualität sein – das gilt eben auch für Lebensqualität statt Lebensstandard. Weniger Fleisch, weniger Alkohol, mehr Natur und persönliche Beziehungen können mehr sein als unser geliebter (?) Luxus.

    Ich wünsche Euch und mir für die kommenden Tage etwas mehr Besinnung, Nach-Denklichkeit und Freude.

    Euch frohe Ostern!

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