Bauer Willi
Kommentare 39

Eine Metzgerei macht dicht

Ein Metzger erzählt einer Redakteurin des „Spiegel“ von Schulden, Ängsten – und lügenden Kunden. Und warum er seinen Laden schließen musste. Ähnlichkeiten?

https://www.spiegel.de/karriere/lebensmittelhandwerk-schliessung-von-metzgereien-und-baeckereien-a-1264549.html

(Aufrufe 1.255 gesamt, 1 heute)

39 Kommentare

  1. Astorianer sagt

    An Aldi, Lidl, Edeka, Rewe und Co.
    Selbsterkenntnis wäre ein guter Weg zum Besseren.
    Warum nur warum, müssen wir übermächtigen Supermärkte, mit unserem für die Erzeuger von Nahrungsmittel, ruinösen Wettbewerb, wer kann Nahrungsmittel noch billiger anbieten, immer mehr Bauern in den Ruin treiben?
    Warum nur warum, bieten wir verderbliche Lebensmittel, bis zum Ultimo an, die dann in die Abfalltonne fliegen, weil sie keiner mehr kauft?
    Warum nur warum, bieten wir so ein umfangreiches Warenangebot, dass auch Metzger und Bäcker, kein Chance haben zu überleben?
    Warum nur warum, importieren wir Bioprotuckte aus aller Welt, damit reine Bioläden und auch Biobauern, kein Chance haben zu überleben?
    Warum nur warum verlassen wir nicht die Geiz ist Geil Mentalität und bezahlen den Bauern für ihre Risikoreiche Erzeugung einen besseren und gerechteren Preis?

    1+
      • Thomas Apfel sagt

        Der Erfolg der Kaufleute und Krämer basiert allein auf der Ausnutzung von möglichen Preisdifferenzen im Einkauf (auf der Basis von Währungsdifferenzen, Differenzen im Lebensstandard und in den jeweiligen nationalen Auflagen für die Art und Weise der Herstellung der Handelsgüter). Das ist seit tausenden von Jahren so und wird sich auch nicht ändern, es sei denn es entwickelt sich in Zukunft in Richtung Planwirtschaft.
        Die Schwierigkeit besteht darin, das fatale, vom Handel eingepreiste Subventionssystem zu überwinden.

        0
  2. Paulus sagt

    Erster grundlegender Fehler des guten Mannes: Man bezeichnet seine Kunden, auch wenn sie nur zu Weihnachten und Ostern etwas kaufen, niemals als Lügner. Schon gar nicht öffentlich, sprich irgendwelchen Medien gegenüber. Für mich dürfte ein solcher Knallkopp sein Fleisch auch zu irgendwelchen Festtagen gerne behalten.
    Zweites Manko vieler Metzger: Sie beziehen ihre Schweinehälften und Rinderviertel von den gleichen Schlachtkonzernen und in der gleichen Qualität wie der gewöhnliche LEH. Wurstwaren und Schinken werden, bis auf frische Bratwürste und ganz wenige weitere Sorten zugekauft, von den gleichen Lieferanten die den LEH beliefern.
    Drittes Manko vieler Metzger: Die Salate, die ja gerne angeboten werden, sehen überwiegend aus wie eine unappetitliche Quase, wobei man nie weiß ob die aus eigener Herstellung oder aus einem Eimer aus der Metro stammen.
    Viertes Manko: Um 18:30 Uhr war Schluss mit der Bereitschaft etwas zu verkaufen und um 18:25 Uhr galt man als feindlicher Eindringling. Samstags vormittags stand man sich ½ Std. lang die Beine in den Bauch bis man mal drankam.
    Ähnlich war es bei den Bäckern, die Teigmischungen aus Papiersäcken polnischer Herkunft verarbeiteten und bestenfalls noch irgendwelche „Teilchen“ halbwegs handwerklich herstellten. Deren Brote und Brötchen waren nicht besser als die heute erhältlichen aus diesen Aufbackautomaten beim HIT oder so.
    Wenn Handwerksbetriebe ihre Qualitätsversprechen nicht erfüllen oder aus welchen Gründen auch immer nicht einhalten können, merken Verbraucher das ganz schnell und wenden sich ab. Eine gewisse Intelligenz ist auch dort durchaus vorhanden, ob man es glaubt oder nicht.

    Dafür, dass es auch anders geht gibt es Beispiele, die allerdings mit ausgeklügelten Marketingmethoden, geschickter Kundenbeeinflussung (ehrlicher Kundenbeziehung) und Qualitätsversprechen ohne Wenn und Aber zusammen hängen. Erstaunlicherweise haben solche Betriebe Erfolg. Ist jetzt allerdings ein Beispiel aus Ostbelgien, was sich aber wohl auf deutsche Verhältnisse übertragen lässt.

    1+
    • Schmeckt gut sagt

      Paulus, viele deiner Hinweise sind sicherlich kaum zu widerlegen. Wie aber soll ein Metzger denn reagieren, als hochwertige Schweinehälften vom EU-Schlachthaus kaufen, die pro Hälfte 100 Euro weniger kosten, als Eigenschlachtung. Und bei der eigenen Schlachtung quacken auch noch mindestens 3 verschiedene Kontrolleure dazwischen. Lange Öffnungszeiten sind für Ladenschlachter doch garnicht zu stemmen – es geht doch schon bei den fehlenden Verkäufer/innen los. Für Bäcker (auf dem Land) gilt ähnliches. Oft machen sie sich und ihren Körper kaputt.

      1+
    • Thomas Apfel sagt

      Ich finde es immer witzig, wenn allgemeine Trends mit „War halt zu faul, zu dumm, selber schuld“ oder ähnlich kommentiert werden. Ganz bestimmt ist bei jedem Niedergang, zu mindestens was den konkreten Zeitpunkt betrifft, immer eine individuelle Komponente im Spiel. Richtig ist auch, dass Betriebe mit einem sehr guten Konzept, besonderer Qualität und Bekanntheitsgrad auch stadtfern erfolgreich sein können. Trotzdem gibt es bei einem Niedergang einer derart großen Anzahl (70 -80 %) der kleinen Metzgerläden und Bäckereien innerhalb von 20 Jahren weit mehr objektive Gründe als persönliches Versagen. Daher mag ich die Mentalität des „Nachtretens“, wenn Jemand aufgibt oder aufgeben muss, nicht besonders.
      Entgegen allem Geschwätz über billige Massenware im LEH haben die Qualitäten bei fast allen Lebensmitteln oft ein Niveau und eine Qualität erreicht, die nur wenige Handwerksbetriebe liefern können. Zudem kann bei allen Vollsortimentern billig, mittel und Premium gekauft werden, ist alles immer im Angebot. Ich hasse zum Beispiel Eigenmarken wie die Pest. Dieser Trend treibt mich dann vielleicht zurück zum Handwerksbetrieb, sofern es den noch gibt. Bislang finde ich aber immer noch genug Markenware bei z.B. bei EDEKA und kann die Hausmarken meiden. Und auch ich fahre aus Zeitmangel 2 mal die Woche zum Vollsortimenter und nur für Frischfisch zum Fischer. Wobei die meisten Fischer inzwischen auch zu 80 % Fische räuchern, die sie noch nie lebend gesehen haben. Ich denke manchmal die Talsohle beim Niedergang der kleinen Betriebe ist erreicht aber der Blick in die kleinen und mittleren Innenstädte belehrt einen bei jedem Besuch eines Besseren.

      5+
      • Schmeckt gut sagt

        Die kleinen und mittleren Betriebe sollen aber doch viel leistungsfähiger gemacht werden und die Grundlage der Ökologisierung der Marktwirtschaft sicherstellen. Dafür lobt die Politik in „enorm viele“ Bereichen „riesige“ 10 oder 20 oder 30 Millionen-Beträge als Unterstützung aus (selbstverständlich immer bundesweit) . Soll das Handwerk und die LW in neue Dimensionen katapultieren. Nur wird dabei übersehen, dass wir kleinen Bauern und Handwerker mittlerweile für die Politik unverzichtbaren Milliardenkonzernen (LEH und Verarbeiter) gegenüber stehen. GMO, verbilligte Kredite und Selbstausbeutung werden es schon richten. Eigentlich bin ich ein grenzenloser Optimist – sagt meine Frau jedenfalls. Dieser Optimismus hat in den letzten 10 Jahren mächtig gelitten.

        4+
    • Der Brandenburgbauer sagt

      Moin Paulus,was Du hier berichtest ist eventuell,Deine persönliche Erfahrung
      mit dieser Thematik. Das der Metzger nicht mehr selber schlachtet ist dem Umstand geschuldet. Er kauft Schweinehälften, da hast Du recht.
      Aber aus dieser zugekauften Ware macht er etwas ganz besonderes.
      Das was die Verbraucher möchten. Etwas einzigartiges ,was es nur bei ihm gibt. Das ist der große Unterschied. Beim Bäcker muß ich Dir wiedersprechen.
      Nach meinem Kenntnisstand, kauft er Ware nicht von irgend wo her, sondern
      bei einem Erzeuger der die Ware liefert die er für seine hochwertigen Produkte braucht. Das ist meine Erfahrung.

      0
    • Ferkelhebamme sagt

      Die Dorfmetzger, die ich kenne, wursten selber. Und diese Wurst ist geschmacklich und qualitativ vom abgepackten Convinience-Ramsch himmelweit entfernt. (Außer Geflügelwurst, die kauft unser Dorffleischer auch zu) Das Schnitzel kommt so oder so vom deutschen „Normschwein“, es unterscheidet sich darin, wie es vorher gehalten wurde, und ob es am Fließband von Billig-Rumänen geschnitten wurde, oder sorgfältig vom Handwerks-Meister zerlegt. Aber, wie schon gesagt: ein Schnitzel bleibt ein Schnitzel. Willst du was besonderes, musst du nach anderen Rassen schauen ( wir hätten da Duroc im Angebot ;-)), ansonsten unterscheidet sich das Billigfleisch nicht großartig vom Handwerksfleisch. Außer die unsäglichen Mengen an Plastikmüll, aber das ist ein anderes Thema.
      Wir haben das Glück, noch einen Metzger in der Nähe zu haben, der noch selber schlachtet. (Eine aussterbende Art! Horrende Auflagen, Preisdruck und Ärger mit den Nachbarn haben auch hier viele das Handtuch schmeißen lassen. ) So bekommen wir für den Eigenbedarf garantiert unser eigenes Schwein wieder, so zerlegt und verarbeitet, wie wir es wünschen. Lecker!
      Ich wage auch mal zu behaupten, dass der 08/15-Verbraucher so an den Einheitsgeschmack gewöhnt ist, dass er Qualität garnicht zu schätzen weiß

      2+
      • Paulus sagt

        Ja liebe Ferkelhebamme – glückliches Westfalen. Und wenn man eigene Duroc-Schweine hält und diese bei einem Dorfmetzger schlachten, zerlegen und verarbeiten lässt, hat man gut reden.
        Ich kaufe im Westfälischen gerne Hausmacher Würste (oder Würste nach Hausmacher Art) die sind einfach toll, egal ob Dauer-, Leber- oder Blutwürste. Dann gibt es noch diese Sauerländer Rinderpümmel, die werden mir hier aus den Händen gerissen. Der Hit sind übrigens Leberwürste mit Mehl und Sparwürste. Letztere sind Dauerwürste mit Kartoffeln drin. Da verdrehen hier alle vor Verzücken die Augen.
        Um das einzukaufen muss ich aber mind. 1,5 -2,0 Std. lang fahren; hin und zurück und mit Einkauf und kwatern ist da ein Tag kaputt. Also versuche ich meine drei Stationen anzufahren wenn ich sowieso ins Westfälische muss.
        Ich würde diese Köstlichkeiten gerne mit anderen, die sich ebenso die Finger danach lecken bestellen. Obwohl die mich, zumindest in dem Hofladen kennen und ich Vorkasse, selbstredend incl. Versandkosten und Zeitaufwand angeboten habe, heißt es lapidar „Ne, wir verschicken nix.“ Sie haben es halt (noch) nicht nötig.
        Unser belgischer Metzger macht das anders. Der bedankt sich freundlich, haut erst mal 20% drauf, und in dem Paket liegt noch ein Give-away, z.B. ein Gläschen Honig oder Marmelade mit einem Holzlöffelchen, ein Schlehenlikör oder sonst was, nebst Zubereitungsempfehlungen seines Sohnes, der hat nach der Metzgerlehre auch noch Koch gelernt. Und dann ruft er an, ob die Ware angekommen ist und ob der Kunde zufrieden ist und macht ein wenig Blablabla.
        Als es vor Jahren mal eine leise Kritik eines Männerkochclubs gab, hat er sich umgehend mit frischer Ware ins Auto gesetzt und ist nach Lüttich gedüst. Der hat es verstanden und geht garantiert nicht unter.
        Und jetzt kommen wir zurück auf die Salateimer aus der Metro …

        1+
        • Inga sagt

          Was ist Rinderpümmel?

          Was ist das für eine Wurst, Leberwürste mit Mehl?
          Das sind doch schon Sparwürste, wenn Mehl als Streckmittel drin ist.

          Hier im Nordhessischem gibt es Meernworscht, Möhrenwurst, Also mit Möhren gestreckt.

          Man muss ja überall sparen.

          Und so haben unsere Vorfahren früher bestimmt in schlechten Zeiten die wenigen Nahrungsmittel schmackvoll verlängern müssen.
          Das ist jetzt Kult, weil diese Produkte ja kalorienreduziert sind.

          0
          • Paulus sagt

            Inga, Sauerländer Rinderpümmel (trivial als Rinderwürste bezeichnet) sind Würste aus gekochter Rinderbrust, mit Cerealien, speziellen Gewürzen und auf jeden Fall ordentlich Butter drin. Sie werden in der Pfanne erhitzt oder gebraten und auf dem Teller aus der Pelle gedrückt. Ist aber nur was für wahre Gourmets, nichts für die Freunde von ein wenig Mikado an irgendwas mit ein wenig Chickenshit auf dem Teller.
            Ganz wichtig ist: Wer alte Brötchen als Verlängerung verwendet läuft Gefahr sich der westfälischen Inquisition auszusetzen und endet nicht selten am Strang.
            Und wenn wir schon bei dem Thema sind: Diese ahle Schlacke oder Stracke aus deiner nordhessischen Heimat ist auch nicht schlecht. Gibt’s in einem kleinen Laden in Köln, in einem besseren Viertel und ist exorbitant teuer.
            Jaja, man muss schon etwas auf sich nehmen um an die wahren Genussprodukte zu gelangen. Ich träume jetzt gerade von einer Soljanka oder einer uckermärkischen Speckstippe zu Pellkartoffeln, nur damit unsere ostdeutschen Freunde nicht zu kurz kommen.

            1+
            • Inga sagt

              Ach du meist Rampenwurst vom Rind?

              Wird bei uns in Nord-Nordhessen, wo man ostfälisch spricht gemacht, aber nicht im Darm sondern so als Masse gebraten, ich glaube kommt viel Kümmel rein,weiss aber nicht so genau.
              Daneben gibt es in ganz Nordhessen, also auch da, wo man Niederhessisch spricht noch das Weckewerk, das man genauso als Masse in der Pfanne braten kann. Das ist fast das Gleiche wie Leberwurst, nur ohne Leber und prozentual Hackfleisch, aber dafür mit Wecke, das sind Brötchen.
              In beiden Gebieten wir die klassische „Ahle Worscht“ gemacht. Sie ist ungeräuchert.

              In südlicheren Teilen Hessens, wo man oberhessisch spricht heisst die Alte durch Dauer alte Wurst: Rote Wurst und wird geräuchert.

              Mundet mir besser!

              Wir haben doch sonst nichts anderes als „Ahle Worscht“ , weil wir die doch selbst herstellen, Natürlich auch noch diese Leber-, Blutwurst und Sülze muss gegessen werden.
              Ach, unser Hausmetzger hat auch noch einen Kutter, damit man Fleischwurst machen kann.
              Also gibt es insgesamt weniger von dem Zeug.

              0
              • Paulus sagt

                Liebe Inga, gut dass wir das jetzt geklärt haben. Viele Grüße ins Nordhessische. 🙂
                Paulus

                0
          • Ehemaliger Landwirt sagt

            „Hier im Nordhessischem gibt es Meernworscht, Möhrenwurst, Also mit Möhren gestreckt.“

            Und jetzt wundert man sich, dass es inzwischen vegetarische Worscht gibt. 😉

            0
            • Inga sagt

              Da ist aber nichts vom Tier drin.
              Egal Möhren,Brötchen oder Zwiebeln, alles ist Streckmasse, damit es mehr ab Wurst gibt
              oder
              mehr Wurst vom Schwein.
              Alles Erfindungen aus der schlechten Zeit, wo die Familien auch noch grösser waren.
              Meine Oma hat auch etwas von Porreeworscht im Nachbardorf erzählt.
              Zwiebelwurst gibt es ja auch offiziell im LEH zu kaufen.
              Ob der das wegen Notzeit oder wegen besserer Wertschöpfung aus dem Schlachtkörper macht!?!

              0
            • Inga sagt

              Wenn in Paulus seinem Pümmel auch Cerialien, Getreide drin ist, dann ist es doch auch gestreckt.
              Eben arme Leute Wurst,
              Er schreibt ja, was die nordhessische „Ahlen Worscht“ in Düsseldorf kostet,
              So einen Preis würde man für
              Pümmel, Rampenwurst oder Weckewerk nie bekommen (für Leber- o. Blutwurst gewiss auch nicht) weil es eben minderwerdigeres Fleisch hat, als die ahle Dauerwurst aus gutem Muskelfleisch und das Altwerdenlassen, Also lange Lagern kostet ja auch etwas.

              0
  3. Friedrich sagt

    Durch die ständigen Staatseingriffe in unser Leben , wird den 50% geringeren Einkommensarbeitern immer mehr der Lebensspielraum eingeschränkt. Über 50% ist inzwischen die Staatquote hoch. Allein die Energiesteuern (Autotreibstoff, Strom,Heizung), Wohnungskosten (Mietensteigerung durch mehr Einwohner) usw. treiben die Leute zur Sparsamkeit um überhaupt noch rum zu kommen. Wenn Leute bei rd. 60.000 Euro/Jahr schon Spitzensteuersatz bezahlen , dann läuft hier gewaltig was schief. Der Staat mischt sich derart in unser tägliches Leben ein , daß es schon zur Unfreiheit führt. Durch diese ganzen Maßnahmen leiden die kleinen Betriebe allgemein. Bäcker , Schlachter, Bauern usw. machen ihre Betriebe dicht. Das flache Land blutet aus , weil nur noch Politik aus städtischer Sicht betrieben wird. Berlin und Brüssel sind sowieso
    ein Glashaus der“ Menschenverachtenden Politik“. Der Normalbürger findet sich so nicht mehr wieder. Die denken doch nur noch alle an sich und ihre Diäten. Arrogante Bande.
    Z.Zt. versprechen die vor der EU-Wahl alles , nur um an den Fleischtöpfen zu bleiben und dann hören wir nach der Wahl erst wieder was vor der nächsten Wahl von denen . Dazwischen kriegen wir wieder nur Gesetze und Kontrollen vorgesetzt. Das muß ein Ende haben.

    8+
  4. Lieschen Müller sagt

    Eins bedingt auch immer das andere: eine Fleischerei kann nicht von 6:00- 22:00 geöffnet haben. Wenn ich es bis 17:00 Uhr nicht dahin geschafft habe, gibt es normalerweise nichts mehr. Nun muss ich aber in Schichten arbeiten. Und ja, da gehe ich dann zum Discounter. Und warum müssen denn alle immerzu arbeiten? Weil ein Gehalt nicht reicht, weil es alle so machen, weil manche Arbeit eben auch Abends anfällt. Und Samstags will man dann nicht mit Einkaufen verbringen, jedenfalls nicht Lebensmittel. Viele machen das ganze Wochenende nichts anderes als „Shopping“, wofür dann wiederum jemand im Laden stehen muss, Samstag abend bis 20 Uhr. Es ist alles ein Irrsinn.

    1+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Früher ist man wegen den Öffnungszeiten auch nicht verhungert.
      Niemand arbeitet von 7:00 bis 18:30. Dass unser REWE bis 22:00 auf hat, ist zwar angenehm, weil meine Frau nach der Spätschicht noch einkaufen kann, aber von 7:00 bis 12:00 könnte sie auch einkaufen.

      0
      • Paulus sagt

        Hallo Ehemaliger, das ist doch kalter Kaffee. Ich selbst fahre morgens um 6:30 Uhr aus dem Haus, meine Frau um kurz nach sieben. Vor 18:30 Uhr kommen wir, auch dank des dichten Verkehrs, nur selten wieder nach Hause – genauso wie andere in der Nachbarschaft auch. Wenn sich Betriebe, egal ob Metzger oder Bäcker, nicht an der Lebenswirklichkeit und den Bedürfnissen der Verbraucher, sprich potentieller Kunden orientieren ist es allein deren Problem.
        Zwischen 9:00 und 16:00 Uhr können doch nur Rentner, Bäuerinnen, Halbtagskräfte und Arbeitslose ihre Einkäufe erledigen.
        Ich vergaß, in der ehem. DDR war es wohl üblich, dass man um spätestens 14:00 Uhr mit dem Dederonbeutel den Betrieb verließ um ggf. Bananen zu ergattern. Diese Angewohnheit war den Frauen dort auch nach der Wende einfach nicht auszutreiben.

        0
          • Paulus sagt

            Obstbäuerin, ich habe es nach der Wende selbst erlebt, in Leipzig, und ich rede keinen Quatsch. Ich war dort allerdings meist nur an einem Tag in der Woche. Um spätestens 14:00 Uhr hatten wir über Monate immer das gleiche Problem, obwohl es zu der Zeit schon mehr als genug zu kaufen gab. Die Damen, nicht nur die wenigen in der Chefetage waren wenn man sie brauchte unauffindbar weil sie, wahrscheinlich aus Gewohnheit, meinten einkaufen zu müssen. Wenn sie zurück kamen stapelten sich die Diktathüllen und Unterschriftenmappen und es gab regelmäßig Stress, zumal der nahe Feierabend drohte. Ich habe aufgrund dieser Angewohnheit mehr als einmal den Flieger verpasst und durfte mit allen überflüssigen und sich daraus ergebenden Konsequenzen dort übernachten. Erzähl mir bitte nix, es war so. Kann natürlich sein, dass es in ländlichen Gebieten anders war.

            0
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Ich glaube es ja gerne, das es bei euch nicht möglich ist, bei den meisten wäre es möglich zwischen 7:00 und 18:30 einzukaufen, nicht nur bei Rentnern.
          Aber wie schon beschrieben wurde, der Familienbetrieb kann das Personal nicht aufbringen, für die lange Öffnungszeit.

          Gerade bei Wurst, Brot und Brötchen verzichte ich ungern auf die Qualität des Handwerkes.

          0
        • bauerhans sagt

          „Wenn sich Betriebe, egal ob Metzger oder Bäcker, nicht an der Lebenswirklichkeit und den Bedürfnissen der Verbraucher, sprich potentieller Kunden orientieren“

          ich weiss noch genau,dass ein jagdfreund meines vaters 1968 in bad salzuflen einen discounter eröffnete und unser dorfladen auch gerade neu eröffnet wurde und in herford der grosse city-markt von edeka eröffnete.
          die leute hatten alle ein auto und fuhren zum discounter,was sie vergessen hatten,holten sie beim dorfladen.
          unser dorfladen schloss schon anfang 1970,weil die überschuldung drohte,der discounter vom jagdfreund lief auch nicht,weil der jagdfreund wohl zu selten vor ort war,nur der city-markt ist noch da,vor 10 jahren neu und grösser gebaut.
          der letzte bäcker hatte aufgehört als er rentner wurde,ein nachfolger hatte versucht,ein frühstückscaffee zu etablieren,leider fehlten die parkplätze.
          in D gilt „geizistgeil“,besonders beim essen.

          0
  5. Obstbäuerin sagt

    …Direktvermarktung mag ein Weg sein, doch ohne politische Unterstützung kämpfen Erzeuger und Lebensmittelhandwerk einen Abwärtskampf …
    Es wäre schon ein Segen, wenn die Politik nicht ständig gegen die Erzeuger aktiv wäre.
    Als ich bei unserem Bürgermeister wegen unseres Frostschadens war, sagte er nur, dass sie uns nicht helfen können, doch damit habe ich gar nicht gerechnet. Es würde schon reichen, wenn sie aufhören, gegen die Direktvermarkter zu agieren.

    1+
  6. Bergbäuerin sagt

    Gehört nur scheinbar nicht hierher:
    In den 80er und beginnenden 90er Jahren herrschte die Multi-Kulti-Romantik, und sie hatte durchaus ihren Charme: außereuropäische Musik, Henna-Parties mit dem Flair von Tausendundeiner Nacht, Tanzende Derwische etc.
    Blauäugig hat man übersehen, dass die Zuwanderer aus dem Orient nicht einfach nur harmlose Exoten sind. Da herrscht ein grimmiger missionarischer und durchaus auch rentenkapitalistisch-ausbeuterischer Geist. Mittlerweile hat auch die Linke verstanden, dass politischer Islam, Islamismus und Gewalt, Frauenunterdrückung, Ausnutzung der Sozialsysteme nichts sind für unsere mühsam aufgebaute demokratisch-rechtsstaatliche Ordnung. Und jetzt steht „Muslime raus“ gegen die Beschwichtigung, dass es in diesen Communities eh auch aufgeklärte Individuen gibt, emanzipierte Frauen, eine historisch-kritische Auslegung des Islam etc. Letzteres ändert aber nichts an der Persistenz dieser Parallelgesellschaften, weil hinter all den problematischen Phänomenen AUCH eine berechtigte Reserviertheit gegenüber unserer westlichen Gesellschaftsordnung steckt. Jetzt geht es im Sinne Hegels um eine Synthese von Multi-Kulti und Islamkritik. Der Islam lehnt so etwas wie Finanzwirtschaft kategorisch ab (daran ändert auch nichts, dass einzelne muslimische Individuen sie noch brutaler praktizieren als unsereiner, so wie es auch muslimische Besäufnisse gibt, die unsereinen das Grausen kommen lassen). Der Islam hält den Familienzusammenhalt hoch und nichts von unserem Single-Kult, der Geld und unglaubliche Ressourcen an Wohnraum und Individualverkehr etc. verschlingt. Im Islam kommen geistige Werte klar vor materiellen. Und trotzdem herrscht dort auf den Festen eine Sinnenfreude, die uns abhanden gekommen ist.
    Wenn wir verhindern wollen, dass der Islam das Ruder übernimmt, dann werden wir berechtigten Erwartungen und Vorhaben unserer andersgläubigen Mitmenschen aus unserer eigenen geistigen Tradition heraus zuvor kommen müssen. Im Weltbild der Muslime sind wir ALLE Christen, auch die Religionsskeptiker unter uns. Und im Evangelium steht: Ihr könnt nicht zwei Herren dienen, Gott und dem Geld. Sucht zuerst das Reich Gottes, und alles andere wird euch dazu gegeben werden.
    Wir werden unsere aufgeklärte religiöse Prüderie aufgeben müssen. Mit einem Kniefall vor den religiösen Machtinstitutionen muss das ja nichts zu tun haben.

    5+
    • BerndK sagt

      Und was hat das alles mit einem Metzger zu tun. der in Nordhessen seinen Betrieb aufgeben musste??? Bitte poste Deine Einsichten in anderen Foren,,,mich stört und ärgert das nur!

      2+
    • Gephard sagt

      Es gibt weder den Islam noch das Christentum als handelndes Wesen, dahinter stehen immer Menschen. Wenn dem Islam (oder den Männern, der Menschheit, den Frauen, den Autofahrern …) ein konkretes Handeln angedichtet wird, ist das nicht nur logisch falsch, sondern offenbart auch die Absicht hinter diese Denkweise: Ausgrenzung, Ablehnung, Selbsterhöhung, Wichtigtuerei und was weiß ich.

      Da Menschen mit muslimischen Glauben unter uns leben, sind sie auch Teil dieses Landes, das ist einfach ein Fakt. Ob man das anders haben will, steht auf einem anderen Blatt.

      Da die Nazizeit offiziell beendet ist und das ihr zugrunde Liegende Gedankengut lange Zeit als nicht billigenswert angesehen wurde, könnte man sagen, die Nazis und ihre Sympathisanten gehören offiziell nicht mehr zu Deutschland und werden gemeinhin als Kulturgut abgelehnt.

      Demzufolge gehören diejenigen, die sich eine gesellschaftliche Gruppierung raussuchen, um sie als Dämon zu verbannen, nicht mehr zu Deutschland. Wenn der Islam also nicht zu Deutschland gehört, wie sieht’s dann mit denen aus, die mit Fremdenfeindlichkeit kuscheln?

      Ich sage, die gehören genauso zu Deutschland wie auch die Moslems, die hier leben. Parallelgesellschaften gibt es hier viele, mal mehr oder weniger sichtbar. Die größte für mich sichtbare sind übrigens die Fußballfans.

      1+
      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Meinen sie die Fußballfans,
        oder die Menschen die ein Fußballspiel dazu benutzen, um Randale zu machen?
        Die letztgenannten sind keine Fußballfans!

        Zu dem Beitrag der Bergbäuerin werde ich mich nicht äußern, weil dieses Thema nicht in den Block von Bauer Willi gehört.

        0
        • Gephard sagt

          Ich meinte keineswegs die Randalisten, sondern die Fans, die sich mit einem Verein identifizieren, darüber in der Wir-Form sprechen und emotionale Ausbrüche erleiden, wenn dies oder jenes auf dem Spielfeld passiert.

          0
          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Die leben halt mit ihrem Verein, oftmals ist es das einzige Vergnügen, das sie haben, aber eine Parallelgesellschaft sehe ich darin nicht, wie bei arabischen und türkischen Clans.

            0
      • Bergbäuerin sagt

        Ich will doch die Muslime gar nicht draußen haben, dazu kenne ich viel zu viele persönlich. Ich wäre nur für einen fairen Dialog mit dem Ziel, das beste aus beiden Welten herauszufiltern, und den Müll aus beiden zu entsorgen. Zu materialistisch ist ja nicht der Metzger, der zusperren muss, materialistisch ist die ganze Gesellschaft. In den 70er und 80er Jahren gab es auch noch politische Entscheidungen und Fortschritte, die nichts mit Geld zu tun hatten. Da war es noch nicht peinlich, ein Idealist zu sein.

        1+
  7. Inga sagt

    Tja,
    der Kunde ist König,
    er entscheidet,

    das kostet dem Unternehmer sehr viel Mühe, um die Qualität und den Preis zu halten,
    es ist für ihn und seine Familie eine körperliche und auch seelische Belastung!

    1+
  8. bauerhans sagt

    früher hatte ich den dorfmetzger montags um 5 uhr mit 15 schweinen beliefert,der nen guten preis zahlte.
    der hatte ein hobby,die pappageienzucht und war darin sehr erfolgreich,ein zuchttier wechselte schonmal für 10000DM den eigentümer.
    als der senior gestorben war,wurde das geschäft geschlossen und die vogelzucht startete durch.

    0
  9. Guter Beitrag!

    Auch das Lebensmittel-Handwerk befindet sich mit im „Predator Pit“. Nur Ketten wie solche, die in Supermärkten/Discounter mitlaufen, scheinen noch langfristig erfolgreich zu sein.

    Und es gibt nicht wenige Betriebe, die durch Kreativität wirklich versuchen, aus dem Knick zu kommen.

    Hier ein gläserner Fleischer:
    https://www.facebook.com/wdrlokalzeitbonn/videos/vb.294785953870202/624497811322103/?type=2&theater

    Das hier ist eine Fleischerei von Metzger und Bauer zusammen:
    https://www.bauerundmetzger.de/

    Und selbst online versucht man, Fuß zu fassen:
    https://www.kaufnekuh.de/
    https://www.kaufeinhuhn.de/

    Nun ernähre ich mich vegan, quasi als Gegenpart zum übermäßigen Fleischkonsum. Doch Bäckereien sind ja genauso betroffen. Besonders schlimm, wenn dann die Kritik am Mindestlohn zu hören ist, als wäre das der Grund der Unwirtschaftlichkeit.

    „Bewußt einkaufen“ heißt für viele immer noch viel und billig. Es wird Rentnern und Sozialleistungs-/Hartz-IV-Empfängern sowie Niedriglöhner sogar oft vorgeworfen, sie sollten doch „bewußter einkaufen“, dann würde das Geld schon reichen. Während die Mieten davongaloppieren, Stromkosten explodieren und man sehen darf, wie man im Alter noch zu Recht kommen soll.

    Wer weiß, unsere ganze Wirtschaft ist womöglich im Predator Pit. Wenn man Profte dadurch macht, daß man Arbeitnehmer unterbezahlt oder wegrationalisiert – wird bei Aktienkursen immer gern gesehen – dann muß man sich nicht wundern, wenn auch die Kaufkraft flöten geht auf lange Sicht.

    Für immer mehr Menschen bleibt am Ende des Geldes immer noch Monat übrig 🙁

    Und diejenigen, die es sich leisten könnten, wurden oft gleich mit indoktriniert von wegen viel und billig.

    Direktvermarktung mag ein Weg sein, doch ohne politische Unterstützung kämpfen Erzeuger und Lebensmittelhandwerk einen Abwärtskampf …

    1+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Wenn der Aktionär hohe Aktienkurse und Dividenden erwartet, muss die Firma gute Produkte herstellen, dazu bedarf es gutes Personal und die müssen entsprechend bezahlt werden, sonst kommen die nicht.
      Unser jüngster Sohn hat mal Werkzeugmechaniker bei Schäffler gelernt und hatte ein Einstiegsgehalt von 3.000 Euro. Mindestlohn war das nicht.

      Obstbauern würden gerne viel mehr bezahlen, wenn sie dem Handel die Mehrkosten weiter geben könnten. Tatsache ist, dass diejenige die genug Geld haben, auch nicht mehr bezahlen wollen, wie die die es nicht können.

      6+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.