Bauer Willi
Kommentare 39

Faire Bananen – oder – der Kunde macht nicht mit

Am 25. April hatte ich über das Engagement von Lidl bezüglich fair gehandelter Bananen berichtet. Dieses Engagement geht aber nicht auf und so zieht Lidl die Konsequenzen.

Dazu ein Zitat aus von Klaus Gehrig, Chef der Schwarz-Gruppe, aus der FAZ: „Der Kunde kauft anders ein, als er redet“, sagte Gehrig. Mit der fairen Banane würde Lidl kaum Gewinne machen. Rund 90-Prozent des Umsatzes würde noch immer über die konventionelle Frucht erwirtschaftet.

Faire Bananen sollen aber weiterhin im Angebot bleiben.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/lidls-fair-gehandelte-banane-floppt-16192800.html

https://www.tag24.de/nachrichten/fairtrade-wollen-nicht-alle-kunden-lidl-muss-zurueckrudern-neckarsulm-1070444

https://www.stern.de/panorama/lidl-muss-bei-fairtrade-bananen-zurueckrudern-8715382.html

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39 Kommentare

  1. Monique sagt

    Guten Tag

    Es gibt ein Sprichwort: „Wir kennen von allem dessen Preis aber nicht seinen Wert.“

    Wir verkaufen seit 2014 das Fleisch unserer Tiere mehr und mehr direkt an den Konsumenten bzw. den KüchenchefIn des Haushaltes. Im Jahre 2019 wollen wir erreichen, dass wir alle unsere Tiere so verkaufen können und sind deshalb aktiv am Neukunden gewinnen. Ich schreibe aus der Schweiz und deshalb ist es für Deutsche Verhältnisse ein Minibetrieb – auf dem Papier wäre es ein fast 100% – Stellenbetrieb (0.9 SAK).

    Dieses Wochenende haben wir wieder zwei Tiere an die Kunden ausgeliefert – erfreulicherweise ca. 60-70% an Neukunden (dank unserern Informationsmassnahmen). Bei fast allen Neukunden war es wichtig, dass sie wusten, von wo das Tier kam, wo es aufwuchs und wer der Stallherr und Schlachter ist. Viele wollten auch den Lebenmittelhandel nicht mehr bei der Preisdrückerei ggü. den Bauern weiter unterstützen in dem sie im LEH weiter ihr Fleisch einkaufen. Die Alternative Metzgerei gibt es nicht mehr, weil es keine mehr hat in den Dörfern.

    Jetzt beginnen auch bestehende Kunden unser Fleisch weiter zu empfehlen weil sie einen Unterschied feststellen ggü. der LEH-Ware.

    In den kurzen Kundengesprächen durften wir erfahren, dass erfreulicherweise auch das Fleisch selber wieder mehr WERT bekommt. Die Freude am Planen, Zubereiten und dann genussvollen Essen nehmen zu. Strahlende Augen erzählen von den Gerichten… Das Essen wird wieder zum Festmahl. Fleisch kommt eher weniger oft in der Woche auf den Tisch.

    Wenn dieser Samen in noch mehr Haushalten wieder aufgeht – dann müssen wir nicht mehr von Fairtrade reden sondern kommen ins faire Handeln. Vom der anonymen Masse ins Bekannte.

    Ich selber kaufe extrem selten Bananen, weil ich diese Massenbananenhaltung und Verarbeitung absolut nicht gut heisse. Weiter verstehe ich nicht, wieso eine Frucht, die NICHT hier wächst am meisten konsumiert wird…

    Lidl wollte mit seinem Experiment nicht seinen Gesamtumsatz schwinden sehen. Deshalb hat er nach so kurzer Zeit die Reissleine gezogen und treibt eine neue Sau durchs (Medien-)Dorf bzw. macht eine neue Werbekampagne… Viele Konsumenten nehmen den angebotenen Ablass gerne an. Selber etwas nachdenen und handeln nimmt Zeit vom Smartphoneschauen weg…

    3+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Heute kosten die Bananen 1,09 Euro bei Lidl und ein Tütchen Bienenrettung bekommt jeder Kunde geschenkt.

      Muss man die Samen aussähen, oder ist man schon ein Bienenretter, wenn man das Päckchen in den Müll schmeißt?

      Fragen über Fragen?

      5+
  2. Schulzi sagt

    Also wer mich als Verbraucher von irgendwas überzeugen will, muss mehr tun, als irgendwo einen Aufkleber mit dem Namen „Bio“ raufzukleben. Und damit meine ich nicht mehr Marketing betreiben. Ich kaufe Bio-Fleisch und -Brot im kleinen Familienbetrieb um die Ecke, weil ich den Unterschied schmecke. Aber bei Bananen? Ich hab da wirklich alles ausprobiert, bis hin zu Demeter, die von allen Bananen am schlechtesten schmeckten, am schnellsten verdorben waren und am kleinsten waren, wenn ich ehrlich bin. Jetzt mag man mir vorwerfen, dass ich verwöhnt und faul wäre, aber ich hab’s echt versucht und bin an mir gescheitert …

    2+
    • bauerhans sagt

      „Ich kaufe Bio-Fleisch und -Brot im kleinen Familienbetrieb um die Ecke“

      wir kaufen fleisch beim metzger,weils noch einen hier gibt und brot von der grossbäckerei,weils bäcker bei uns nicht mehr gibt.

      3+
      • Inga sagt

        Ja bauerhans.
        dann habt ihr wohl den Bäcker nicht genügend unterstützt, oder?‘

        Schulzi macht es Vorbildlich, obwohl er
        den Zahn der Zeit
        auch nicht aufhalten kann.

        so werden sich die Verbraucher von den Produzenten immer weiter weg entfernen und immer weniger Ahnung von dieser Thematik haben.
        also haben die dann keine Recht mehr die Produzenten zu kritisieren, nur weil sie den Durchblick der Produktion verloren haben.

        Selber informieren ist hier die Devise.

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    • Inga sagt

      Weil man damit Leute zum eigenen Vorteil ausnutzen kann.

      Was hat es für einen Vorteil dann überall in den Billigläden billige T-shirts für 2,50 aus Bangladesch rumhängen?

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  3. Ehemaliger Landwirt sagt

    „“Kunde kauft anders ein, als er redet“,

    sagte Gehrig. Mit der fairen Banane würde Lidl kaum Gewinne machen. Rund 90-Prozent des Umsatzes würde noch immer über die konventionelle Frucht erwirtschaftet.““

    Herr Gehrig hat versäumt, mal in den Block von Bauer Willi zu schauen, da hätte er das alles lesen können.

    Wenn Lidls fair gehandelte Banane für 89 Cent nicht gekauft werden, was kosten eigentlich die anderen Bananen?

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  4. Moin aus Niedersachsen!

    Mit Marketingperspektive eine allgemeine Frage:
    Sind Verbraucher, die in Discountern wie Lidl einkaufen, die Zielgruppe für Bio?

    Kaufpsychologisch eine Frage:
    Wenn „bewußt einkaufen“ viel und billig heißt, wofür Discounter stehen, wenn steigende Miet- und Strompreise dazu zwingend, am anderem Ende zu sparen (vor allem Lebensmittel), wie kann man erwarten, daß dann Bioware gekauft wird?

    So ohne Führerschein war ich auch noch nie beim Autohändler *hinkender Vergleich Ende

    Zitat Rewe: „Vor allem jüngere Leute und Familien mit Kindern, aber auch höhere Einkommensgruppen lassen sich damit ansprechen.“

    Hinzu kommen weitere Überlegungen:

    Müßte Bio nicht günstiger sein als das Konventionelle (beispielsweise über Subventionen oder ähnliches als Anreiz)? Dabei soll die 2. Säule gerade reduziert werden meines Wissens?

    Solange man die Wahl läßt, wird man bei gleicher Qualität aus Verbrauchersicht nicht zum Günstigeren greifen, Kapitalismus läßt grüßen?

    Ist es nicht ein strategischer Fehler, wenn Erzeuger Bioware an Supermärkte und Discounter statt an Lebensmittelfachgeschäfte verkaufen, so genannte Konventionalisierung? Eigentlich kann man das unter der Kategorie „Greenwashing“ abhaken nach meiner Einschätzung.

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  5. Eckehard Niemann sagt

    Lieber Willi, Du behauptest in Deiner Überschrift: „Faire Bananen – oder Der Kunde macht nicht mit“. Diese Kritik sollte besser an Lidl gerichtet sein:

    FAZ vom 20.4.2019: „Lidl verkauft nur noch fair produzierte Bananen – trotzdem senkt der Discounter zu Ostern die Preise. Ein Fairtrade-Konkurrent meint: „Der Wert des Produktes wird zerstört.“ An Ostern gibt es bei Lidl Bananen im Angebot – zumindest, wenn es nach dem aktuellen Prospekt der Handelskette geht. Ein Kilogramm der tropischen Frucht kostet in dieser Woche nur 0,89 Euro. Der Preis gilt für fair produzierte Bananen, andere hat Lidl seit dem vergangenen Jahr ohnehin nicht mehr im Sortiment. Als einziger deutscher Lebensmittelhändler verkauft der Discounter ausschließlich fair gehandelte Bananen…“

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Ein Fairtrade-Konkurrent meint: „Der Wert des Produktes wird zerstört.“, genau dies ist meine Meinung,
      Was den Kunden signalisiert wird, ist: Bio geht auch billig. Das ist aber genau das falsche Signal: Bio-Bauern haben höhere Kosten.
      Der Discounter bringt diese Wertigkeit von Bio dem Kunden allerdings nicht näher.

      Mit dem Einstieg der Discounter gehen die kleinen BIO Betriebe unter und die erhoffte Agrarwende wird zur Lachnummer.

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      • Inga sagt

        Ich denke,
        Lidl hat das Angebot nur um die Osterzeit gemacht, um Kunden in den Laden zu ziehen, bzw. zum Einkauf anzuregen.
        So wie es die Supermärkte früher bei Fleisch gemacht haben.

        Billiges Fleisch hat Kunden angezogen, deswegen waren die Fleischabteilungen immer hinten im Markt angesiedelt, so dass man durch den ganzen Markt neben den anderen Artikel zu betrachten.

        Lidl macht es eben genauso mit guten Bananen zum Schleuderpreis.

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  6. fingerphilosoph sagt

    Spiegelneuronen spiegeln die Haltung des Gegenübers. Man versetzt sich mit Hilfe von Spiegelneuronen in die Lage des Anderen und übernimmt dessen Sicht auf die Welt.

    Wenn also in einer Umfrage der Fragesteller mit der Haltung auftritt, dass es Sünde ist, KEINE fair gehandelten Bananen zu kaufen, spiegelt der Befragte dank seiner Spiegelneuronen diese Haltung dahingehend, dass nur fair gehandelte Bananen das Gegenteil von Sünde, also Tugend sind. So wirken Spiegelneuronen nun halt mal.

    Da der Mensch seit Jahrtausenden permanent auf Tugendhaftigkeit gedrillt wird, wird er weiterhin sagen, dass er selbstverständlich fair gehandelte Bananen kauft. Er will ja kein Sünder sein. Da der Befragte dank seiner Spiegelneuronen die Haltung seines Gegenübers spiegelt, glaubt er in diesem Moment auch felsenfest daran, dass er fortan nur noch fair gehandelte Bananen kaufen wird. Ist der Fragesteller dann mit seinem Mikrofon weitergezogen, wird der Befragte wieder er selbst und kauft die Bananen wie eh und je. Immerhin sind diese Bananen nicht in Plastik eingeschweißt wie die anderen. Also tut er auch was für die Umwelt.

    Analog wird der Befragte antworten, wenn er zu veganen Burgern oder Tierwohl oder was auch immer befragt wird.

    Man kann doch nicht einerseits Spiegelneuronen als Ursache menschlicher Empathiefähigkeit in höchsten Tönen den Himmel loben, um sie andererseits im Falle von fairen Bananen als Heuchelei zu diffamieren.

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  7. Willy Toft sagt

    Solange es immer noch eine billige Alternative gibt, wird dort auch hingelangt! Diese Heuchelei von angeblichen 90 % potentiellen Käufern für die faire Ware, wird an der Ladenkasse die Maske abgenommen. Wir erleben diese Verhaltensweisen schon ewig lange, eigentlich gab es noch nie andere Verhaltensmuster. Ob Tierwohl, Ohne Gentechnik, und nach besten Natur schonenden Produktionsbedingungen, es wird einfach nicht(gerecht) bezahlt! Der Druck aus dem negativen Mainstream wird permanent aufrecht erhalten, sodass wir auch noch ein schlechtes Gewissen eingetrichtert bekommen. Die CMA konnte für uns alle etwas Werbung in eigener Sache machen machen, aber dieses Instrument haben wir leider abgeschafft.

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    • Thomas Apfel sagt

      Die generische Werbung (z.B. CMA) wird durch die mediale Macht der Gegner der modernen Landwirtschaft ad absurdum geführt. Mag sein, dass ich das nicht richtig einschätzen kann, die Medienspezialisten sind ja von der Wirkung generischer Werbung überzeugt aber die leben ja auch davon. Wir zahlen im Obstbau einen (zugegeben kleinen) Beitrag je ha für generische Werbung. Das Ganze wird über den Gatenbauverband eingesammelt und organisiert. Ich kann nicht erkennen, dass das außer der Aufrechterhaltung des „Prinzips Hoffnung“ irgendwas bewirkt.

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    • bauerhans sagt

      „Die CMA konnte für uns alle etwas Werbung in eigener Sache machen“

      was die cma früher gemacht hatte,war unterhaltung und selbstdarstellung,aber keine werbung.

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      • Christian Bothe sagt

        Sehe ich nicht so!Die CMA war für mich als Klossteigproduzent mit eigener Fa.eine gute Sache und hat sehr viel Aufklärung in Sachen Kartoffeln geleistet.So etwas bräuchten wir wieder.

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        • Christian Bothe sagt

          Ergänzend dazu noch: ich konnte das CMA Logo auf der Verpackung nutzen, wenn ich die Qualitätsprüfungen erfüllt hatte (Gold-Silber-Bronzemedallie) analog DLG. Dadurch konnte ich Einlistungen im LEH(Globus,Rewe)vereinfachen ohne großen Obolus…Kurioserweise zum heutigen Thema passend habe ich für Globus auch einen FAIR Klossteig produziert als Handelsmarke…Die CMA als solche fehlt einfach als Marketingorganisation und Gegenspieler zu dem vielen Grünen Unsinn von NGOs.

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      • Paulus sagt

        Bauerhans, ich erinnere mich ganz gerne an die ehemalige CMA. Deren Verbraucherinformationen waren nicht schlecht, unabhängig davon, dass man für einige (allerdings wenige) Broschüren erst mal eine Gebühr in Form von Briefmarken einsenden musste.
        Man hätte diese quasi halbstaatliche und zugegeben etwas verschnarchte Institution nur rechtzeitig völlig anders aufstellen müssen. Liquidiert wurde sie nach meiner Kenntnis aufgrund nicht lösbarer Konflikte zwischen den Gesellschaftern und weil
        die Finanzierung wohl nicht mit irgendwelchen Gesetzen in Einklang zu bringen war.
        Wie dem auch sei, etwas Ähnliches oder Vergleichbares fehlt mir schon.

        Heute tuten derart viele Vertreter von Einzelinteressen in so viele Hörner, dass es mich als einfacher Verbraucher schon gar nicht mehr interessiert. Streng genommen und übertrieben gesagt, müsste man bei jedem Einkauf ein Handbuch mitführen um allein die ganzen Label und Siegel und wer weiß was alles zu unterscheiden und deuten zu können. Nur ein Beispiel für Schwachsinn: bei abgepacktem Fleisch gibt es jetzt wohl diese farbliche Kennzeichnung von wegen Haltung und so. 5m weiter an der Metzgertheke fand ich die nicht. Da müsste ich dann erst mal fragen: is dat jezz rot, bleu, jelboranje oder jrüün, lieb Mädchen? Für Würste und Schinken gilt dies eh nicht und unsere geschätzte Ministerin Julia Klöckner will in 2020 sogar noch einen draufsetzen und hat eine weitere Kennzeichnung angekündigt.
        Es ist Bullshit und nach meiner Auffassung allein dem Druck irgendwelcher NGOs geschuldet. Mit zwingend einzuhaltenden Standards das Tierwohl betreffend und einer schlagkräftigen Marketingorganisation, im ursprünglichen Sinn der CMA hätte man diese Irritationen vermeiden können.
        Viel Spaß beim Einkaufen.

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    • Inga sagt

      Aber wenn die CMA diese Aufgabe wieder aufnehmen würde, wer sollte sie finanzieren?
      Die Bauern?
      Oder der Staat oder gar EU …

      zu Förderung der Umwelt und Gesundheit,
      und Regionalentwicklung!

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  8. Obstbäuerin sagt

    Inzwischen bin ich vom Glauben abgefallen, dass fair noch die gleiche Bedeutung hat wie früher.

    1+
  9. Hans-Peter Recktenwald sagt

    wenn all diese „siegel“ und versprechungen nicht immer wieder selbst ihre glaubhaftigkeit infrage gestellt hätten oder sie in ihrer eifersüchtig konkurrierenden vielfalt nicht von vornherein verhindert hätten, könnte man überlegen, den Ratschlägen zu folgen.
    so bleibt nur noch das einzige Argument, das mittlerweile überhaupt noch in der werbung herangezogen wird: der preis. weitere entscheidungskriterien liegen entweder unter der wahrnehmungsschwelle oder erfordern den sachverstand, wie er nur in einer vollzeittätigkeit zu erwerben ist. ein anmaßendes ansinnen. folge: man kapituliert, hat schlechtes gewissen, aber kauft das, was den zweifel am wenigsten nährt.
    „fair“ – wer ist fair in unserer gesellschaft? aber ausgerechnet irgendwelchen krämern soll man das glauben? pustekuchen! das ist wie politik: sie begreifen es nicht.

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  10. Ferkelhebamme sagt

    Beim Fleisch das selbe ernüchternde Ergebnis! Tierwohl bleibt liegen, die Kaufentscheidung wird zwischen Daumen und Zeigefinger getroffen. Und niemand kann sich mehr herausreden, denn Tierwohl ist klar und deutlich gekennzeichnet! Eine Banane bleibt halt eine Banane, auch wenn Fairtrade draufsteht, und ein Schnitzel bleibt ein Schnitzel, auch wenn es vorher an der frischen Luft herumlief. Warum sollte der Kunde nur für’s Gewissen mehr bezahlen?
    Für einen viel beschrieenen Markt in Einhorn-Regenbogenwunderland kann ich nicht produzieren, das hier ist die Realität.
    In Holland haben 150 Aktivisten einen Sauenstall gestürmt, um auf die vermeintliche Tierquälerei aufmerksam zu machen und werden dafür beklatscht. Ich habe eigentlich keine Lust mehr, für diese Pseudo-Moralgesellschaft Lebensmittel zu produzieren. Eine frustrierte Ferkelhebamme

    38+
      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Wenn man ständig hört, wie angeblich die Tiere gequält werden und noch nie einen Stall von innen gesehen hat, wird darauf abfahren hauptsächlich weibliche Jugendliche und Frauen.

        Meine 4 Nichten, auch unser jüngster Sohn waren alle mal zeitweise Vegetarier, davon ist nichts übriggeblieben. Deshalb, die Beyond Meat wird bald von den Tatsachen eingeholt, weil der Handel sehr gering ist und nur ein Analyst diese Aktie als positiv einschätzt.

        1+
        • Gephard sagt

          Oh ja, diese ganzen Ex-Vegetarier. Ein gerne genommenes Argument. Nur total an der Sache vorbei.

          Ich könnte jetzt im Gegenzug irgendwelche Bekannte aufzählen, die genau nach so einem Stallbesuch zu Vegetariern wurden oder sogar nach Ferien auf einem idyllisch hergerichteten Urlaubsbauernhof.

          Zum eigentlichen Thema: hat jemand tatsächlich erwartet, dass es Lidl ernsthaft um Fairness geht? Das Ladenkonzept basiert auf purem Kapitalismus, daran ändert selbst Bioland nichts.

          3+
          • bauerhans sagt

            „Das Ladenkonzept basiert auf purem Kapitalismus“

            wir alle leben im kapitalismus,wo der billigste gewinnt.
            obwohl die mehrheit verbal dagegen ist,ändert sich nix.

            3+
          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Echt,
            sind da welche nach einem einem Stallbesuch zu Vegetariern geworden?
            Sicherlich haben die gemeint dass die Rinder auf einem Wollteppich liegen wie deren Fiffi. Die Ställe die ich schon gesehen habe, haben dafür gesorgt, dass ich weiterhin Fleisch mit Genuss essen werde.

            Haben sie es richtig gelesen, die 4 Nichten und unser Sohn essen alle wieder Fleisch und Wurst.

            Beim letzten Abschnitt haben sie Recht, es geht nicht um Fairness oder Tierwohl, es geht nur um das Geschäft.

            1+
    • Altbauer Jochen sagt

      Fair zu sein bedeutet doch immer ,zuerst darauf achten
      dem anderen kein Unrecht zuzufügen.
      Das heißt, sich selbst auch mal zurücknehmen bei den
      eigenen Wünschen, Ansprüchen, Forderungen.
      (An)-Forderungen an die Landwirtschaft sind Ansprüche
      die gestellt werden ohne die eigene Fairness zu
      strapazieren indem man bereit wäre diese bei Erfüllung
      zu honorieren.
      Flapsig gesagt-alles Banane!

      6+
      • Inga sagt

        Genau so ist es, Altbauer Jochen.
        Wenn man beim Einkauf ist, sind die Gedanken im stillen Kämmerlein, und im stillen Kämmerlein lässt wohl die Fairniss nach.

        1+
    • Paulus sagt

      Hallo Ferkelhebamme,
      was die Schnitzel betrifft, hier nur ein kleines Beispiel: Grillsaison vor 2 oder 3 Jahren, später Samstag-Nachmittag. Nachdem sich zum Grillabend noch zusätzliche Gäste angesagt hatten, bat ich meine Frau auf ihrem Rückweg aus Köln noch Grilladen einzukaufen. Ein Reweladen war so gut wie ausverkauft und sie erreichte kurz vor Ladenschluss noch eine Bio-Metzgerei, die lag auf dem Weg.
      Schweine-Nackensteaks waren dort noch reichlich vorhanden, das kg zu 38, nochwas €.
      Das war nicht in der ärmsten Gegend, ganz im Gegenteil, aber auch dort wachsen die Bäume nicht in Himmel.
      Als Verbraucher fragt man sich schon, ob 0,5 m² mehr Platz pro Schwein einen Preisunterschied von ca. 30 €/kg rechtfertigt. Dabei gehe ich davon aus, dass weder deine Konvi-Schweine, noch die vom Bauerhans schlechter gefüttert werden als irgendwelche Bioschweine.

      Um noch kurz auf den Beitrag von Gephard einzugehen. Das Verbraucherverhalten ist widersprüchlich und da schließe ich mich der Ehrlichkeit halber nicht aus.
      Nachdem ich mal Einblick in einen Putenmaststall, kurz vor dem Schlachttermin hatte, ist Putenfleisch für uns tabu. Eine französische Foie gras oder eine Pâté de foie gras indes, die wohl tatsächlich nur unter gewissen Qualen zustande kommen, genießen wir durchaus.
      Jetzt werfe einer den ersten Stein.

      0
      • Ferkelhebamme sagt

        Paulus, es geht nicht um Luxus-Bio-Fleisch für 30€/kg mehr, sondern um mehr Tierwohl (mehr Platz,Beschäftigung,Rauhfutter…) für 30 Cent!

        3+
        • Paulus sagt

          Ferkelhebamme, genau dafür würden ganz sicher nicht nur meine Frau und ich auch deutlich mehr als lächerliche 30 ct/kg bezahlen. Wenn nur sichergestellt wäre, dass dieses Geld auch bei den entsprechenden Schweinebauern ankommt. Dazwischen stehen nur leider die Schlacht- und Lebensmittelkonzerne. Als Verbraucher bleibt einem doch nur die Wahl zwischen billig und extrem teuer. Es sei denn man bestellt, z.B. über Vertriebskanäle a la Mörixmann. Ist aber nun mal nicht jedermanns Sache.

          Jetzt weiß ich gar nicht ob man bei dieser ganzen political correctness und dem Gendergedöns überhaupt noch Kuh- oder Schweinebauer sagen darf. Als gebürtiger Westfale stelle ich mich ganz einfach mal dumm.

          1+
          • Ferkelhebamme sagt

            Genau deshalb hat der Handel dieses Label entwickelt: verschiedene Haltungsformen, die nebeneinander im Regal liegen, für den Kunden auf einen Blick erkennbar. Einfacher und bequemer geht es nicht. Die Schlachtkonzerne haben ihre Vertragsbauern, die die jeweiligen Bedingungen erfüllen und dafür Aufschläge auf den Basispreis bekommen. Also: das Geld kommt an. Diese Verträge sind allerdings zeitlich eng begrenzt, d.h. ordert der Handel das Tierwohlfleisch nicht mehr, weil es ein Ladenhüter ist, werden die Verträge auch nicht verlängert und der Landwirt bekommt nur noch den Basispreis. Ein hohes Risiko für hohe Investitionen.
            Die Westfälin hält nix von dem ganzen Gender-Quatsch 😉

            2+
      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Sendebeginn 23 Uhr 45 !

        Eine Zeit wo die Meisten ihre Nachtruhe genießen.

        0
  11. Ch. Schwalbe sagt

    Hallo,
    ich versteh die Argumentation von Lidl nicht!
    Wenn nur fair Trade Bananen angeboten werden, so wie Lidl ursprünglich versprochen hat … wie soll dann der Verbraucher andere Bananen bei Lidl kaufen?
    Ich vermute der Werbeeffekt, der eine Gewinnsteigerung für Lidl einfahren sollte, ist nicht eingetreten.
    Die bisherige soziale Einstellung, Kleinbauern gegenüber, von Seiten Handelsketten im Lebensmittelbereich, nährt meine Vermutung.

    Danke Bauer Willi, für deine Informationen.

    Schwalbe

    3+

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