Bauer Willi
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Belastbare Zahlen – und neue Fragen

In der Diskussion um die Forderungen des Bauernverbandes spricht Ministerin Klöckner davon, belastbare Daten abzuwarten. Das ist gut und richtig.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/landwirtschaftsministerin-kloeckner-laesst-bundeshilfen-fuer-bauern-pruefen-15718157.html

Deshalb möchte ich ihr diese belastbaren Daten heute liefern. In meiner Genossenschaft in der Köln-Aachener Bucht ist, bis auf einige Flächen in der Eifel, die Ernte beendet. Unter normalen Verhältnissen würde die Ernte jetzt beginnen.

Meine Genossenschaft erfasst alle Getreidearten und Raps.  Alles zusammen waren dies im Schnitt der Jahre 2009 bis 2015 knapp 200.000 t. Unter “Sonstiges” sind Kulturen wie Dinkel, Hafer, Braugerste, Roggen, Triticale, Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen zusammengefasst, weil diese nur einen kleinen Teil an der Gesamtmenge ausmachen. Kartoffeln, Zuckerrüben, Mais, Gemüse wie zum Beispiel Möhren oder Buschbohnen sind in dieser Statistik nicht erfasst, machen aber auch einen wesentlichen Anteil des Anbaus in der Köln-Aachener Bucht, dem Haupterfassungsgebiet meiner Genossenschaft aus.

Die Interpretation der Zahlen ist relativ einfach. Die Jahre 2016 bis 2018 liegen unter dem Durchschnitt der sieben Jahre davor. 2016 war ein extrem nasses Jahr, was auf den schweren Lößböden zu Ertragsausfällen durch Nässe führte. 2017 kam die Trockenheit schon früh, was zu einer verfrühten Abreife führte. Ähnlich auch 2018, wo die Trockenheit aber etwas später einsetzte und die Ertragseinbußen bei Weizen nicht ganz so krass ausfielen wie im Vorjahr. Der in 2017 noch rechtzeitig einsetzende Regen führte zu einer sehr guten Ernte bei Zuckerrüben und teilweise auch bei Kartoffeln und Mais. Dementsprechend niedrig waren die Erzeugerpreise in 2017. Derzeit (Anfang August 2018) steigen die Preise für von der Dürre betroffenen Kulturen an.

Ich lebe auf meinem Hof in der Köln-Aachener Bucht im “Gelobten Land”, wo die allermeisten Böden eine enorme Speicherfähigkeit für Wasser haben und von Natur aus durch die Lößböden sehr fruchtbar sind. Aber auch bei meiner Genossenschaft fehlen 2018 – gegenüber dem langjährigen Durchschnitt – gut 30.000 t vermarktbare Ware, die die Landwirte nicht geerntet haben. In Regionen, die von der Natur nicht so gesegnet sind wie wir, sind die Ertragsausfälle sicher größer.

Noch einmal: dies sind endgültige Zahlen und keine Spekulationen. Sie sollen zur Versachlichung der Debatte beitragen. 2018 ist ein schlechtes Jahr, aber 2017 war schlechter. Darüber hat aber damals niemand berichtet. (Und wenn ich damals gejammert habe, dann hat das nur meine Frau gehört und sonst niemand.)

Man kann es nicht oft genug sagen: Wenn es nicht in Kürze ergiebig regnet, kommt “das dicke Ende” erst noch. Eben bei Gemüse, Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais. Von daher ist die Diskussion um staatliche Hilfen in der Tat verfrüht. Hier kann Frau Klöckner nur zugestimmt werden.

Was jetzt auch schnellstens geklärt werden muss, sind ganz praktische Fragen, die für mich als Bauer von Bedeutung sind.

  • Was passiert mit dem Greening, wenn Zwischenfrüchte wegen der Trockenheit keine Chance haben?
  • Wo bleibt der organische Dünger, der normalerweise zu den Zwischenfrüchten gegeben würde?
  • Darf der Aufwuchs der Greening-Pflanzen, wenn sie dann keimen, als Futter verwendet werden?
  • Und sollten wir Ackerbauer dann nicht sogar Futterpflanzen als Greening aussäen, um den Viehhaltern solidarisch unter die Arme greifen zu können?

Wir brauchen Antworten. Schnell. Die Zeit drängt. Spätestens Ende August müssen wir Bauern Bescheid wissen. Was wir nicht brauchen, sind Formulare…

Euer Bauer Willi

 

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55 Kommentare

  1. Der Brandenburgbauer sagt

    Moin, wollen wir nicht entlich wieder zu mehr Sachlichkeit im Blog zurückkehren???
    Einige Beiträge sind an Beleidigungen gegenüber dem etwas anders denkenden schlicht gesagt sehr frech.Sind das schon die ersten Anzeichen des” Klimawandels in den Köpfen”.
    Wo bleibt die gegenseitige Achtung, wir waren schon einmal auf einem kritisch, freundlicherem Niveau.

  2. Hans-Günter Felser sagt

    Lieber Landwirt – mach’s doch selbst!
    Tretet mal eurem Verband, der euch doch nur beliebig und auslieferbar macht in den Allerwertesten, geht mal ran an die Molkereien, die euch knechten und zeigt denen, was ihr von deren Angeboten und “Engagements” haltet!
    Nicht “der Verbraucher” (der Drecksdepp, der Saudepperte) ist am Milchpreis schuld, kriegt das doch mal in eure Bauernbirne!
    Mach´s dir selbst!
    Vermarktet besser, als es die Schmierwürstchen in euren Verbänden machen, jagt sie weg, mit Pauken und Trompeten.
    Das sind die, die euch verraten und verkaufen!
    Kommt weg von eurem Konsumentenhass – das ist ein billig geschürtes Feindbild.
    Macht´s selbst! Holt euch ECHTE Interessensvertreter ins Boot und keine beliebigen Resteverwerter und Selbstversorger!

    Was ist aus Raiffeisen und dem Genossenschaftsgedanken geworden? Ihr habt zugeschaut, wie es versaut wurde! Warum? Habt ihr keinen Verstand?

    Macht es wieder wett!
    – Jagt die ehrlosen, schweinischen Verräter aus ihren hochdotierten Ämtern!

    Los jetzt! Macht es. Macht es selbst!

    Ihr verdient einen besseren Lohn für eure Arbeit!

    Und schiebt nicht immer euren Hass auf “den Verbraucher”, den “Drecks-Konsumenten”!

    Denkt mal selbst!

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Dass die Hitze dermaßen zuschlagen kann, hätte ich früher nie zu Träumen gewagt.

      • Hans-Günter Felser sagt

        an “Ehemaliger L.”: Gehen Sie sich doch noch lieber was mit Brennesseln abkloppen.

  3. Paulus sagt

    >>Wenn es nicht in Kürze ergiebig regnet, kommt „das dicke Ende“ erst noch.<<
    Daran besteht wohl kein Zweifel, das verstehe selbst ich.
    Was mir nicht so ganz einleuchtet, ist die Aussage eines stellvertretenden Ortslandwirtes in der Rheinischen Post.
    „Auch für die Rübenernte sieht es alles andere als gut aus. Je mehr Sonne, desto weniger Wasser und umso konzentrierter der Zuckergehalt, was der Qualität nicht im Geringsten förderlich ist.“
    Wenn der Zuckergehalt steigt, muss das mit meinem laienhaften Verständnis doch nicht unbedingt als negativ anzusehen sein, oder sehe ich das jetzt völlig falsch?
    Ich möchte es nur verstehen und Fragen sind hier ja gestattet.

    • Bauer Willi sagt

      Das ist schlicht und ergreifend Blödsinn. Geerntet wird Zucker pro Hektar, egal ob mit viel Rüben mit niedrigem Zuckergehalt oder wenig Rüben mit hohem Zuckergehalt. Das müsste jeder verstehen. Noch besser ist viel Rüben mit hohem Zuckergehalt, so wie im letzten Jahr 🙂 Auch logisch, oder?
      Ab einem bestimmten Zuckergehalt wird es allerdings schwierig, den Zucker in der Rübe auch in der Fabrik herauszubekommen. Hat was mit dem Wassergehalt in den Zellen zu tun. Genaueres könnte Dir ein Inschenör sagen, ich bin ja nur Bauer.
      Zur Entschuldigung: Der befragte Bauer ist stellvertretender Ortslandwirt….
      Bauer Willi

  4. Friedrich sagt

    Die Politik muß , wenn sie nun keine Geldentscheidungen trifft , erst einmal viele behindernde Gesetze außer Kraft setzen , damit innerhalb der Landwirtschaft die Marktkräfte für Schadensminimierung getroffen werden können. Ich fahre ja z.B. heute die
    Gülle oder Gärsubstrat auf das Land , weiß aber nicht ob ich ende August überhaupt Gründünger als Greeningfläche wegen der Trockenheit aussäen kann. Genauso verhält sich das auf den abgeernteten Maisflächen mit dem Nachbau . Jetzt zeigt sich , daß die vielen Verbotsgesetze die Verluste in der Landwirtschaft noch erhöhen. Wetter läßt sich eben mit Gesetzen nicht beeinflußen , aber das ist unseren Verwaltungsbeamten nicht klar zu machen.
    Diese Leute und die Politiker sollten sich lieber vor Ort einmal kundig machen, denn wenn nichts kommt , kommt Papier, aber von Papier können die Kühe und die Biogasanlagen nicht leben.

  5. weil der verbraucher und die handelspartner der bauern nicht bereit sind, einen angemessenen fairen preis zu bezahlen, und weil die eu-subventionen in milliardenhöhe die falschen betriebe erhalten, soll jetzt wieder mal der staat, also der steuerzahler, den dummen bauern helfen. ein politisches „weiter-so“ und das pauschale handaufhalten von lobbyverbänden ist wenig hilfreich, eher schädlich. die milliardengelder, die in die landwirtschaft fliessen, sollten in zukunft nur noch an nachhaltig arbeitende betriebe gehen. gezielt unterstützt werden sollten nur klimafreundliche und ökologischere betriebe.
    https://campogeno.wordpress.com/2018/08/01/deutschlands-bauern-zu-dumm/

    • Der Brandenburgbauer sagt

      geno, wer sind in Deinen Augen denn die falschen Betriebe ,die die EU.-Subventionen in Milliarden Höhe erhalten?

      • Georg Summerer sagt

        Das habe ich mir auch schon gedacht Obstbäuerin. Jede Diskussion mit Geno und seinen Anhängern dürfte leider sinnlos sein.
        Übrigens hier im Inntal und Chiemgau sind Grünlanderträge und Mähdrusch bis jetzt gut bis sehr gut ausgefallen. Doch jetzt brauchen auch wir etwas Wasser von oben, sonst sind unsere Wiesen auch braun.
        Der 4. Schnitt ist siliert, der Mais 3,5 bis 4 m hoch (sowas haben wir teilweise noch nie gesehen) und in unseren Streuobstanlagen eine gewaltige Obsternte.
        Allerdings fürchten alle dass dieser Bruthitze ein Hagelunwetter folgt und dann ist er vorbei der Traum!

        • Obstbäuerin sagt

          Hallo Georg, auch wir haben vollen Behang aber langsam bekommen die äußeren Früchte Sonnenbrand und werden faulen. Allerdings rechnen wir mit sehr schlechten Erlösen, weil Polen eine große Ernte auf den Bäumen hat und den Preis sehr weit nach unten drücken wird.

        • Der Brandenburgbauer sagt

          Moin, wo Du Recht hast hast Du Recht. Trotz all Deiner Befürchtungen, was da kommen könnte, ist das bei Euch im Vergleich zu hier das Paradies .

          • Georg Summerer sagt

            Ich beneide euch dort oben nicht um eure Situation, durch meine Verwandschaft weiß ich wie es da jetzt ausschaut.
            Unsere Äpfel, Birnen und Zwetschgen werden übrigens überwiegend zu Saft und Schnaps verarbeitet. Es ist im Grunde wie immer: hat du kein Obst will ein jeder bei uns Bauern kaufen, weil es wo anders auch kaum eines gibt, auserdem ists im Laden ja so teuer; hast du Obst hat jeder eins und du musst die schönsten Früchte auch in die Kelterei bringen.

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Wer andere Menschen als “Dumm” bezeichnet, hat selbst nicht die Fähigkeit die Intelligenz anderer Menschen zu beurteilen.

      Die Symptome der Dummheit gehören zu den angenehmsten aller Krankheiten, solange man nichts davon merkt, wenn über einen selbst gelästert wird. Beispiele für akute Dummheit sind Politiker, TV-Moderatoren oder auch ganz allgemein dahergelaufene Dumme. Allgemein geltend kann man sagen, dass alle Dummen nicht merken, dass sie dumm sind, da ihnen der nötige Verstand fehlt – ein Symptom der Dummheit – um überhaupt darüber nachzudenken.

      Symptomatisch für Dumme ist deren Selbstbild als intelligente und tatkräftige Menschen. Das resultiert häufig aus Geistesblitzen im dummen Gehirn. Ideenfragmente werden von den Betroffenen stets als Ausdruck überlegener Geisteskraft interpretiert, die vorbildliche und schnelle wie einfache Lösungen eines komplexen Sachverhalts liefern, gepaart mit dem Drang, sie schnell und rücksichtslos umzusetzen. Gerade dann offenbart sich die Inkohärenz des Denkens im allenfalls mäßig leistungsfähigen Gehirn des Dummen (Volumensverschiebung vom Cortex zum Hirnstamm). Flach- und Beschränktheit des Denkens eines dummen Menschen, sorgen dann in aller Regel für Mensch wie Umwelt zu verheerende Ergebnisse. Der unvermeidliche Schaden dummen Handelns ist jedoch stets bei Dritten oder den Umständen zu suchen. Der Dumme selbst ist in seiner Eigenwahrnehmung niemals an etwas Schuld. Gerne schmückt sich der von Hauptblödigkeit Betroffene aber mit den Verdiensten anderer. Das stellt für den Dummen keinerlei Widerspruch dar, er begreift es vielmehr auf dubiose Weise als Qualifikation.

      • Hans-Günter Felser sagt

        an “Ehemaliger L.” Sie schreiben, u.a. “Symptomatisch für Dumme ist deren Selbstbild als intelligente und tatkräftige Menschen. Das resultiert häufig aus Geistesblitzen im dummen Gehirn. Ideenfragmente werden von den Betroffenen stets als Ausdruck überlegener Geisteskraft interpretiert, die vorbildliche und schnelle wie einfache Lösungen eines komplexen Sachverhalts liefern, gepaart mit dem Drang, sie schnell und rücksichtslos umzusetzen. Gerade dann offenbart sich die Inkohärenz des Denkens im allenfalls mäßig leistungsfähigen Gehirn des Dummen (Volumensverschiebung vom Cortex zum Hirnstamm). Flach- und Beschränktheit des Denkens eines dummen Menschen, sorgen dann in aller Regel für Mensch wie Umwelt zu verheerende Ergebnisse……”

        Plagiiert, ohne Quellenangabe, aber beifallheischend hier präsentiert…

        Wie dumm und dreist, gar kriminell ist das denn? Fremder Leute Gedankenarbeit und -früchte als eigenes Werk auszugeben, Daumen-hochs kassierend sich im erstohlenen Ruhm zu besaufen…. Ärmlich-erbärmlich…
        Zum Fremdschämen bestens geeignet, denn Sie vermögen es nicht.
        Ist aber exemplarisch…

        Hier Ihre Quelle:
        https://www.stupidedia.org/stupi/Dummheit

  6. Oberländer sagt

    Lieber Willi
    Du hast die richtigen Fragen gestellt,
    Beantworten will die wohl kein Politiker, und schon gar nicht vor
    dem Spätherbst (29.10.2018).
    Was uns Landwirten wohl am besten und zuverlässigsten hilft ist
    Solidarität unter einander und kollegiales Handeln .

    Bei unseren Politikern und Verbandsfunktionären sehe ich größten
    Teils nur Profilierungssucht und Kompetenzmangel .

    Für eine völlig Legitime vorgezogene Auszahlung der EU Gelder
    hat Frau Klöckner zu wenig ” Arsch in der Hose “.

    Von Markteingriffen sollte sie auch tunlichst die Finger lassen
    denn das taugt in aller Regel auch nichts.

    Ach ja und noch eines denke ich würde uns Landwirten sehr
    helfen . Wenn die vielen selbsternannten Fachleute der linksversüfften Ökobande endlich ihre dummen Mäuler halten
    würde.

    Wir müssen uns selbst helfen die Politik lässt uns in der Sonne verbrennen.

    • bauerhans sagt

      “Solidarität unter einander und kollegiales Handeln”

      oh man!
      rief gestern einer aufgeregt an,dass zwei führende leute des verbandes das land gepachtet hätten,was er wegen streit mit dem verpächter hätte liegenlassen müssen.

    • Der Brandenburgbauer sagt

      @Oberländer, “Was uns Landwirten wohl am besten und zuverlässigsten hilft ist Solidarität unter einander und kollegiales Handel”. Hier hast Du meine volle zustimmung, doch ich habe da auch starke Zweifel. Wenn es in der Vergangenheit den Landwirten oft mal schlecht ging,
      dachte ich so für mich warum sind wir uns nicht einig und rufen zu einem Streik auf?
      Doch die Tatsachen lehren, in unserem Berufstand ist Solidät ein Fremdwort. Einige werden den Ausspruch ” wenn Dein starker Arm es will stehen alle Räder still” sicher kennen.
      Bei uns Landwirten gibt es leider keinen starken Arm, nur viele kleine zerbrechliche Ärmchen.All zu große Interessenunterschiede verhinder ein gemeisames Handeln, und die unzählichen Verbände bringen es nich fertig mit einer einheitlichen Sprache zu sprechen. Im Gegenteil, sie zerreiben sich untereinander selbst.

      • Paulus sagt

        @Brandenburgbauer,
        wie ich hier schon mal schilderte bekommen eure französischen Kollegen das mit dem starken Arm scheinbar besser hin. Sehr konsequent, aber auf eine durchaus sympathische Art und Weise. Die haben sich anlässlich einer Blockade vorher überlegt wen sie mitnehmen wollen und es sehr geschickt, man könnte auch sagen publikumswirksam, angestellt.
        Ein Teil der deutschen Bauern ist scheinbar etwas schwach belichtet und fährt anlässlich der Grünen Woche mit Treckern hinter den herangekarrten Demonstrationsnomaden her, die genau Euch den Garaus machen wollen. RTL hätte das Ganze nicht besser inszenieren können.
        Jetzt verstehe noch einer die Bauern.

        • Der Brandenburgbauer sagt

          Moin, zu Deiner Meinung habe ich nichts hinzuzufügen. Eventuell haben meine Kollegen in Frankreich auch eine andere Mendalität,sind kämpferischer nicht so ängstlich.
          Als wir vor einigen Jahren bei Müllermilch in Leppersdorf den Betrieb lahm gelegt haben wurden wir mit satten 650.000,00€ bestrafft.

        • Ehemaliger Landwirt sagt

          @ Paulus
          Wenn die französischen Winzer ein Tankzug spanischen minderwertigen Wein in den Gulli laufen lassen, dann Ermittelt die Polizei so lange bis sie den Täter NICHT findet, bei uns wäre das ein Fall für eine Sonderermittlungsgruppe.

          ( Solch eine Köstlichkeit darf man den deutschen Volk nicht vorenthalten 😉 )

    • Hans-Günter Felser sagt

      an Oberländer – Sie schreiben: “Für eine völlig Legitime vorgezogene Auszahlung der EU Gelder hat Frau Klöckner zu wenig “ Arsch in der Hose” und
      “Von Markteingriffen sollte sie auch tunlichst die Finger lassen denn das taugt in aller Regel auch nichts. ”

      Können Sie mir das als Voll-Laie und Verbrauchertrottel, nebenbei Steuerzahler, der “endlich das Maul halten soll” mal erklären:
      Was sind denn Subventionen und die schon berühmt gewordene “Dürre-Milliarde” an die Landwirtschaft anderes als Markteingriffe?

      Wie ich es schon festgestellt habe: Es soll schnell mal wieder ein schöner Geld-Topf bereitgestellt, aber dann die “dummen Mäuler gehalten” werden.
      Schämen Sie sich nicht selbst wegen dieser Denkweise? Ist Ihr Ehrgefühl so verroht und im tiefsten Keller?
      Sie betteln nicht, sondern sie fordern unverschämt- der Angebettelte soll liefern und sein “dummes Maul halten” – Ich bin dennoch nicht überrascht, wenn Sie das denken… -Man kennt ja seine Pappenheimer, Oberländer und Gülle-Gerds. Die haben zuweil ein frisches, leicht gewebtes Gemüt und gehen mit ihrer seichtfröhlichen zuspruchheischenden Meinung damit sogar, unverblümt und unbeschwert von Anstand und besserer Belehrung, gerne im Internet Gassi.

      • Schmeckt gut sagt

        Was ist “Die Agrarwende”, die extrem hohen Subventionen für Biobetriebe (die ich respektiere und die auch die Zuschüsse dringend benötigen), die über den Auflagen für imporierte Agrargüter liegenden, europäischen Anforderungen …? Keine Markteingriffe? Nein? Okay sie sind Marktverwerfungen! Darauf können wir uns aber sicherlich nicht einigen 😉 Nur, dass die europäischen Bauern zwar alle Auflagen bis ins kleinste Detail erfüllen müssen, der LEH aber billige Drittlandsimporte schamlos ausnutzt, wird immer unterschlagen. Das Angebot im Discount sagt dann: Herkunft – Deutschland, Polen, Ukraine. Der Verbraucher greift zu, obwohl das Produkt nicht aus der EU kommt. Nach ihrem, immer wieder nervenden Gebrabbel, dürfen wir Bauern diese offensichtlichen Markteingriffe nicht kritisieren? Schämen sie sich!!!! Übrigens: ihre persönlichen Angriffe finde ich unterirdisch und für sie persönlich peinlich.

        • Der Brandenburgbauer sagt

          Moin Schmeckt gut, die Aussage kann ich nur unterstützen.
          Auf Willi,s Startseite steht unter der Rubrik Spielregeln folgender Eintrag,
          ” Bitte seid nett zueinander. Bitte seid freundlich und rücksichtsvoll, Ihr dürft gerne kritisch sein und kritische Fragen stellen, jeder bitte in einer konstruktiven Art und Weise. Selbstdarstellungen sind nicht erwünscht”.
          An den Codex sollten wir uns halten. Danke

  7. Brötchen sagt

    wenn wir die 2000 m2 pro kopf zu grunde legen kommst du pro ha auf den Faktor 5. also ginge der Ertrag pro Kopf durch 5. das wären bei 70 dt/ha 140 kg.

  8. fingerphilosoph sagt

    Der 5-Jahres-Durchschnitt für Weizen beträgt nach meinen Zahlen 47,9 Mio. Tonnen. Für 2018 wird eine Erntemenge von 36 Mio. Tonnen erwartet.

    Wenn ich 36 Mio. Tonnen Weizen auf 81 Millionen Bundesbürger umrechne, komme ich auf 444 kg Weizen pro Bundesbürger im Jahr. Das sind mehr als 1,2 kg pro Tag. Da frage ich mich jetzt schon, was der Bundesbürger mit soviel Weizen anfängt. Und wohlgemerkt, das ist ja nur Weizen. Da gibt es dann ja noch all die anderen Getreide, Kartoffeln, Rüben, Bohnen, Gemüse, Ölsaaten, Obst und Fleisch. Und wenn ich mich auf den Feldern umschaue, sehe ich sowieso fast nur Mais, während mein persönlicher Maisverbrauch sich doch ziemlich sehr in Grenzen hält.

    Wenn Weizen und Mais größtenteils als Viehfutter verwendet wird, frage ich mich, warum dann jährlich noch 4-5 Millionen Tonnen Soja importiert werden müssen. Und ging hier nicht mal die Diskussion, das man Weizen besser verstromen soll, weil der Bauer dann mehr Gewinn damit macht?

    Ich frage mich angesichts solcher Zahlen schon, ob sich die Verantwortlichen nicht mal tatsächlich mit dem Thema “landwirtschaftliche Überproduktion” befassen müssten. Gibt es irgendwo eine Statistik, wo die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in Deutschland auf Pro-Kopf-Bevölkerung umgerechnet werden? Und wie es bei solchen Zahlen bloß zu einem Selbstversorgungsgrad von insgesamt 88% kommt?

    Was Schweine betrifft, ist mir das hier mit den holländischen Ferkeln schon erklärt worden. Aber auch da würde ich gern wissen, warum der deutsche Bauer es nicht bei den 40 Millionen deutschen Ferkeln belässt und stattdessen noch 13 Millionen holländische aufzieht?

    Wäre es nicht sinnvoll, in einem Land nur so viele Tiere aufzuziehen, wie vom Grasland und dem, was der Mensch nicht verwerten kann, ernährt werden können?

    Und bitte jetzt nicht mit der Ernährung der Weltbevölkerung argumentieren. Was diese Ernte 2018 betrifft, ist die Gefährdung der Welternährung hier nicht ein einziges Mal zur Sprache gekommen, es geht ausschließlich darum, dass die Höfe Einbußen erleiden und mancher deutsche Bauernhof gefährdet ist. An die Weltbevölkerung denkt in diesen Tagen offenbar niemand.

    • JAW sagt

      Mit dem Wort “Überproduktion” implizieren Sie, dass immer automatisch in der Natur das wächst, was der Mensch/ das Tier braucht.
      Nicht jeder Weizen ist als Rohstoff für Mehl für Brot geeignet, obwohl alles in “Tonne” gerechnet wird. Wir brauchen also in D ca 8.Mio. Tonne Weizen für Brot und auch da wiederum unterschiedliche Qualitäten für Brot, Pizza, Kuchen, Nudeln, etc.
      Plus Futterweizen…… etc.

    • Christian sagt

      Da hast du dich aber glaube ich bei deiner Recherche verlesen. Mit 36 Mio. Tonnen ist die gesamte Erntemenge von Getreide gemeint (also nicht alleine der Weizen)
      Weizen macht zwar den größten Anteil aus, der aber auch nicht zu 100% die Qualitäten für Brotgetreide aufweist. Also verringert sich die von dir angegebene Menge von 444 kg Weizen pro Kopf und Jahr doch um einiges. Und wir kommen deiner Zahl des Selbstversorgungsgrades, zumindest was das Getreide betrifft, von 88% etwas näher.

    • Sandra Harms sagt

      Fingerphillosoph
      von den 36 mio tonnen weizen, musst du gehörig was abziehen,denn nicht jeder weizen ist backweizen und geht in die lebensmittel… stichwort fallzall,eiweis usw. zum anderen ist von vorn herein nicht jeder weizen als lebensmittel angebaut,sprich man bau futter weizen an,der hat normalerweiser mehr ertrag als backweizen…. zum thema soja, soja ist im futter der eiweis lieferant nummer 1. kannst du ja auch mal an dir selbst testen, wie dein körper reagiert wenn du alles was viel eiweis enthält mal längere zeit weglässt, ich geh jede wette ein das sich dein körper recht schnell zu wort meldet mit heishunger auf bestimmte dinge die eiweis in größeren mengen enthalten, kommst du dem dann nicht nach, wird sich den körper mit fehlendem antrieb,müdigkeit usw melden. zu gut deutsch eiweis muss sein, nicht nur bei dir, sondern auch die nutztiere brauchen das, was läge da näher, als die reste der sojaöl produktion zu verfüttern, denn da ist jede menge eiweis drin und das auch noch gut verfügbar für die tiere.
      zum thema schweine, das man ferkel aus holland,dänemark usw kauft und hier groß zieht hat 2 gründe, a können die ferkel billiger auf die welt bringen denn immer mehr auflagen, angefangen beim emissionschutz übern arbeitsschutz, baurecht,tierwohl, bürokratie usw usw. machen es eben möglich das trotz transport kosten ein ferkel aus holland oder dänemark eben billiger ist als ein deutsches. das ist der grund für die ferkel importe. zum thema warum belassen wirs dann nicht bei unseren eigenen ferkeln und kommt mir nicht mit weltbevölkerung, auch das thema hatten wir schon x mal, und es hat sich noch immer nichts auf seiten der verbraucher geändert das man ein schwein ganz verwertet, es werden noch immer schnitzel,kotelett,schinken und filet bevorzugt gegkauft und verspeisst, aber um kopf,pfötchen usw da macht der verbraucher einen riesen bogen drum… und das wird eportiert, gleiches übrigens auch beim geflügel, stichwort unendelteile… auch das thema hatten ja schon x mal… thema selbstversorgungs grad, dabei hast du völlig ausser acht gelassen das es dinge gibt die hier nicht wachsen, bananen,zitrusfrüchte etc…. auch sonstige importe wie rohrzucker zählen da mit rein.

      • bauerhans sagt

        “….können die ferkel billiger auf die welt bringen”

        NEIN,die können grosse einheitliche partien anbieten.

    • Brötchen sagt

      fingerphilosoph ja es stimmt es wird nur ein geringer Teil Getreide für die menschl. Ernährung gebraucht.

      was das Soja betrifft, schon vor 100 Jahren im Kaiserreich würde Getreide aus den USA importiert, da gab es aber auch noch ostpreussen, da wurde viel Getreide produziert. zum Soja. Bsp Jungtiere brauchen in der Ration ca. 20 % Protein. sehr guter Weizen hat ca. 14 % schlechter Roggen hat 9 %. als heimischer eiweissträger steht eigentlich nur Erbsen mit 22 % Eiweiss zur Verfügung. also müsste man über 75 % Erbsen bei Jungtieren verfüttern. Erbsen gibt es dieses Jahr schlecht. de
      früher auch schon im Kaiserrreich war die Ration für Schweine Gerste, Weizen und fischmehl und kalk. fischmehl hat einen proteingehalt von ca. 70 % und Soja hat 44%. rein aus verwertungsrechnischer Sicht ist es sinnvoll proteinfuttermittel mit hohem proteingehalt einzusetzen, umso mehr Getreide kann man verwerten! man kann auch mit niedrigere proteingehalt füttern, dann sinkt die Leistung erheblich und du braucht wesentlich mehr Futter je kg Fleisch. das kann bis auf das doppelte anwachsen. typische proteinfuttermittel sind noch magermilch und tiermehl. für d. reicht die ackerfläche zur Versorgung nicht aus: jeder Einwohner hat nur 2000 m2 Ackerland. für bb habe ich mal kalkuliert produziert man ca. 340 kg Getreide pro Kopf, der Mensch braucht 120 kg pro Kopf. bleiben 200 kg zur Veredelung und das würde gerade etwa für ein schwein reichen. normal braucht man ca. 260 bis 280 kg dabei ist dann eben auch das Soja. faustzahl um 1 kg Fischmehl/ tiermehl zu ersetzen brauchst du 1,4 kg Soja und mehr als 2 kg Erbsen oder lupinen.

      zu den Ferkel, wir haben eine selbstversorgung von 100 % . Holland und Dänemark haben vor 20 Jahren noch mastschwein nach d. exportiert, da hatte d. einen selbstversorgungsgrad von 80 %. die haben sich aus umweltschutzgründen und aus Kostengründen auf Ferkel spezialisiert.

      weidehaltung Schaf und rind ist nicht wirtschaftlich in d. !!!

      die pro Kopf Statistik beim Ministerium mal gucken. da gab es mal was. aber da wirst du wenig finden, das steht nirgendwo im Fokus. zu ostzeiten war das ständig Thema, weil die DDR abgeschottet war und da war das überlebenswichtig. heute kannst du für Geld alles kaufen! die DDR Mark war nicht Convertible!

      fischmehl wird nur noch sehr wenig eingesetzt und Tiermehl ist verboten.

      • fingerphilosoph sagt

        Die 36 Mio. Tonnen ist Getreide insgesamt: das stimmt. Da habe ich mich verguckt. Ich habe mich auch gefragt, ob bei den 36 Mio. Tonnen das Stroh mit dabei ist: das ist aber offenbar nicht der Fall.
        Über den Unterschied zwischen Brot- und Futterweizen ist hier schon gesprochen worden, deshalb habe ich ja den Schluss gezogen, dass das meiste Getreide Tierfutter sein muss.

        Bauer Willi ging nicht von 2000 qm, sondern bloß von 1650 qm Ackerfläche inklusive Grasland pro Bundesbürger aus. Ich habs so in Erinnerung, dass man da ein Schaf und/oder ein paar Hühner halten könnte. Zur Aufzucht eines Schweins müssten sich mehrere zusammentun. Meine erste Frage ist, ob verantwortungsvolle LW nicht so aussehen müsste, dass eben gar nicht mehr Fleisch produziert wird, als das Land hergibt. Die Deutschen haben dann halt das Pech, in einem sehr stark besiedelten Land zu leben und deshalb weniger Fleisch zu bekommen als ein Lettländer, ein Amerikaner oder ein Russe. Das wäre dann auch ein Anreiz, über Bevölkerungsdichte nachzudenken.

        Ich denke schon länger drüber nach, ob es tatsächlich sinnvoll ist, in Proteinen, Kohlehydraten, Fetten, Vitaminen, Mineralstoffen etc. zu kalkulieren, was die Ernährung sowohl von Mensch wie Tier angeht. Das verleitet dazu, Grasfresser wie Kühe mit Fischmehl zu füttern, und wenn ich es recht weiß, wird eben das als Ursache für BSE diskutiert. Die Kuh ist an sich ein Grasfresser, und da frage ich mich eben schon, ob es der Kuh nicht am angemessensten ist, sie auch mit Gras oder Heu zu füttern und eben nicht in Proteinen zu denken. Wenn der Bauer nur in Proteinen etc. denkt, dann fördert er damit die weitere Industrialisierung der Ernährung. Es wird ja schon ernstlich drüber nachgedacht, Nahrungsmitteln bei Im- und Exporten das Wasser zu entziehen, das später dann im jeweiligen Land wieder zugeführt wird, um Transportkosten zu sparen, weil das meiste in Lebensmitteln ja eben Wasser ist. Das heißt, Lebensmittel wie auch Tierfutter sind dann überwiegend in Pulver- oder Pillenform erhältlich. Da könnt ihr mich gern mal wieder auslachen, aber für mich funktioniert “Vercyborgisierung”, also die Verschmelzung von Mensch und Maschine genau so. Durch die Darstellung der Lebensmittel als Proteine, Kohlenhydrate etc. verliert der Mensch den Bezug zur Ernährung, wie er in der Vergangenheit schon den Bezug zur Natur verloren hat.
        Damit will ich sagen, wenn die grasgefütterte Kuh weniger Fleisch abwirft, dann bleibt die Zahl von 4 Kühen pro 100 Einwohner ja trotzdem erhalten, bloß das Schlachtgewicht ändert sich.

        Komparative Kostenvorteile: guter Witz. Wenn das so wäre, dann wäre der deutsche Bauer auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig, was er aber nicht ist. Deshalb wird er ja mit Subventionen gepampert. Und darüber wird ja hier auf diesem Blog endlos gejammert.
        Der Bauer kann nicht einerseits nach Protektionismus für seine Erzeugnisse schreien, und andererseits in Überproduktion machen, um den Überschuss zu exportieren.
        Gehört zwar nicht ganz hierher, aber trotzdem: an dem Überschuss an Nitrat muss ja trotz ständig gegenteiliger Behauptungen was dran sein, wenn an der Ostsee wegen Blaualgen und Quallen jetzt Badeverbot herrscht, oder?

        Kann es nicht also sein, dass Deutschland mit 81 Millionen bereits überbevölkert ist und die Bevölkerungszahl von 81 Millionen die Bauern dazu verleitet, zu viele Nutztiere auf zu kleinem Raum zu halten? Dass die Bauern zu sehr den Verbraucher und zu wenig die natürlichen Gegebenheiten beachten? Wäre es nicht an den Bauern zu sagen: sorry, mehr geht nicht, oder wenn, dann eben nur auf Kosten der Substanz? Ist es verantwortungsvolles Wirtschaften, wenn der Bauer stattdessen sagt, dass er alles kann, wenn es ihm nur ordentlich bezahlt wird?

        • Brötchen sagt

          bloss kurz Philosoph! Du kannst in der modernen lw nicht einfach mal ein Tier irgendwie füttern. das ist wie im Ackerbau, du hast einen rel. hohen Aufwand, um die ganze Sache in Gang zu bekommen, ansonsten produziert du gigantische Defizite. soll heissen du brauchst einen recht hohen mindestertrag je ha Ertrag Getreide oder das mastrind muss entsprechend schwer sein, sonst bekommst du das nicht verkauft bzw. Du entsorgst das. unsere heutige Wirtschaft ist nur in sehr engen Spielräumen möglich. selbst entsorgung ist teuer. alles andere ist Liebhaberei. wenn du das wirklich begreifen willst, geh mal in einen Betrieb und mach da mal eine Woche praktikum.

        • Fingerphilosoph, deine Argumente stehen Sinnbildlich für unsere übersättigte Gesellschaft. Anders kann ich mir eine solche eingefahrene Meinung nicht erklären. Heile Welt vor der eigenen Haustüre und wenn man Hunger hat geht man halt zum Supermarkt und kauft sich etwas zu Essen. Ich hoffe für dich (eigentlich für uns alle), dass es nie mehr zu Krisenzeiten kommen wird, in denen man froh ist überhaupt etwas auf dem Teller zu haben. Jedoch wäre es für Menschen wie dich wahrscheinlich der einzige Weg den Wert der Landwirtschaft in Deutschland wieder in den Vordergrund zu bringen. Dann werden dir wahrscheinlich deine Forderungen zur Extensivierung leid tun und man nicht mehr auf Importe zurückgreifen kann.
          Auch dein Ansatz zur Bevölkerungsdichte erschließt sich mir nicht. Bist du allen Ernstes der Meinung, Deutschland sei überbevölkert und alleine das ist der Grund für die “Überproduktion”?
          Ich kann dir dazu ein gutes Buch empfehlen ISBN 978-3-8006-3764-5. Vielleicht gelingt es dir dann Zusammenhänge richtig zu erkennen und zu deuten 🙂

        • Der Brandenburgbauer sagt

          fingerphilosopf,bei Deinen Kommentaren frage ich mich immer wieder, ist er so naiv oder stellt er sich nur so dumm.

          • fingerphilosoph sagt

            Ich möchte schon gern verstehen, was mir erzählt wird. Beispielsweise war die Getreideproduktion im Jahr 2016 in Deutschland dreimal so hoch wie 1960. Wozu braucht man bei nicht mal 10 Millionen mehr Einwohnern dreimal so viel Getreide, wenn 1960 niemand gehungert hat? Doch wohl, um Tiere damit zu füttern. Komischerweise haben die Menschen um 1960 herum aber genauso viel Fleisch gegessen wie heute, eher sogar mehr. Da kommen daraufhin jetzt die Vorwürfe von Seiten der Bauern, dass die Verbraucher bloß noch Schnitzel essen. Aber geradesogut kann man den Bauern vorwerfen, dass sie bloß noch Schnitzel liefern. Wozu ist der Bauer denn da? Dem Land nicht mehr abzutrotzen, als gut für das Land ist, oder unvernünftige Verbraucherwünsche zu erfüllen? Müsste nicht gerade der Bauer “die Stimme” der Vernunft bzw. der Natur sein und sagen, “Leute, so geht das” nicht statt brav Filetstückchen zu liefern? Wieso hört man so was bloß von NGOs und niemals von Bauern, die stattdessen sagen, sie können alles, wenn man es ihnen bezahlt? Kann ich mich auf jemanden verlassen, der letztendlich nichts anderes sagt, als dass er für Geld alles macht?

            Wenn Brötchen mir vorrechnet, dass einem Bundesbürger etwa 2000 qm landwirtschaftliche Nutzfläche zur Verfügung stehen, dann ist das für einen Selbstversorger ja offenbar zu wenig Fläche. Oder man muss es schon ziemlich geschickt anstellen, um mit 2000 qm das ganze Jahr über satt zu werden. Und sich womöglich noch ausgewogen zu ernähren.

            Was heißt das jetzt anderes, als dass wir zu viele Menschen im Land sind? Deutschland hat 231 Einwohner pro qkm, Frankreich 106, Amerika 33, Russland 8. Das heißt, einem Franzosen stehen doppelt so viele qm für Selbstversorgung zur Verfügung wie einem Deutschen und einem Amerikaner 7x soviel. Wollt ihr mir sagen, dass es in Bezug auf Naturschutz, Nitrat etc. keinen Unterschied macht, ob 82 oder 41 Millionen von derselben Landgröße ernährt werden?

            Sokrates hat das übrigens auch so gemacht, den Leuten einfach Fragen gestellt. Wenn sie ihn dann blöd angemacht haben, wusste er, dass er ins Schwarze getroffen hatte.

            • Obstbäuerin sagt

              Ich glaube, Fingerphilosoph, 1960 hatten noch sehr viele Privathaushalte Schweine, Ziegen, Enten, Hühner und Kaninchen ohne zum Berufsstand der Bauern zu gehören. Und nicht nur zur Selbstversorgung – auch zum Verkauf. Heute ist das eher die Ausnahme. Deutschland liegt in einem landwirtschaftlichen Gunstgebiet (die Dürre ist ja erst mal die Ausnahme) und in solchen Gebieten sind die Erträge höher und eigentlich auch sicherer.

            • Fingerphilosoph
              In der Tat gibt es einen Zusammenhang zwischen der Intensität der Flächenauslastung und der Menge an verfügbarem Land. Das lässt sich ganz einfach durch Kosten-Nutzen-Analysen durchrechnen, denn je mehr ich vom Faktor Boden habe, desto weniger Mehrwert habe ich von hohen Düngegaben oder mehr PSM-Aufwand. In diesem Fall habe ich einen höheren Nutzen durch größere Maschinen durch höhere Schlagkraft. Der erreichbare Mehrwert pro Hektar ist vernachlässigbar durch die hohe Anzahl der Hektare. Das gilt aber eigentlich nur bei sehr hohen Hektarzahlen (siehe Russland u.a. mit Betrieben jenseits der 10.000 Hektare und mehr).
              ABER ACHTUNG: der Nutzen ist zwar auch durch Düngemittel und PSM gegeben, es sind aber nur zwei Stellschrauben an denen ein Betrieb drehen kann und die Maschinen stellen in diesem Fall die günstigere Alternative dar.
              Anders stellt sich das in Deutschland dar, in denen der Durchschnittsbetrieb knappe 60 ha groß ist (auch hier weiß ich, dass es regional sehr große Unterschiede gibt) Hier lässt sich der Mehrertrag pro Fläche durch Züchtung, PSM, Düngung realisieren.

              Deine Rechnung von Einwohner pro Fläche kann ich schon soweit nachvollziehen, aber woher holst du den Zusammenhang mit der Einwohnerdichte und Biodiversität? Deiner Annahme nach, müsste diese ja um X Einheiten steigen für jede wegfallende Einheit an Einwohnerdichte. Woher nimmst du die Annahme, dass es um die Biodiversität in den USA, Russland und Frankreich besser gestellt ist als bei uns in Deutschland?
              Eine Antwort darauf würde mich wirklich interessieren 🙂

            • Mark sagt

              1960 war die Anbaufläche für Weizen viel niedriger als heute. Weizen diente damals überwiegend der menschlichen Ernährung, aufgrund der größeren Viehbestände wurde damals viel mehr Futterfläche benötigt, zumal auch der ertragstarke Maisanbau noch nicht verbreitet war. Zunehmender Maisanbau und rückläufige Tierhaltung setzten Fläche frei, die dann für Weizen verwendet werden konnte. Dies führte dann zu steigenden Exportvolumina bei Weizen, 1960 kein nennenswerter Export, 1990 bereits ca. 7 Mio to und 2016 17 Mio to. Nach dem Krieg wurde den Bauern eingetrichtert, soviel als nur möglich zu produzieren. Der Staat subventionerte Stallbauten, Preise und Produktionsberatung. Allerdings nicht ohne Hintergedanken, das Essen für die Bevölkerung musste schnell billiger werden, nur so konnte das Wirtschaftswunder gelingen. Heute werden von der Gesellschaft plötzlich andere Prioritäten gesetzt, weil die Leute satt sind. Einige Prioritäten haben ihre Berechtigung, andere nicht. Die Bauern wurden jedenfalls von ihren Verbänden und Beratern bis heute weiter nach “vorne gepeitscht”, die DLG spielt dabei eine ganz üble Rolle, waren diese doch jahrzehnte lang die “Vollgaser” und forderten bis vor kurzem noch eine Veredlungsoffensive, so hängen sie heute ihr Fähnchen in den Wind, geben das Unschuldslamm und lassen die Bauern im Regen stehen!

            • Paulus sagt

              Dieser Sokrates, von dem ich übrigens kein einziges schriftliches Werk kenne, galt nach meiner Wahrnehmung, bereits zu meiner Zeit an einem altsprachlichen Gymnasium der Benediktiner als verlogener Hund, der sich allein durch Fragestellung und anschließender überheblicher Aussagen über den Pöbel erhob. Eine gewisse Aussage die diesem Herrn zugeordnet wird, sollten die Philosophen vielleicht mal beherzigen.
              Eine größere Anzahl gebildeter Mitmenschen kann ich jetzt beim besten Willen nicht gegen mich aufbringen.

            • Der Brandenburgbauer sagt

              Moin, ich denke mal, Dich macht keiner blöd an. Wir versuchen alle das beste, um es Dir zu erklären. Mein Fazit, Du willst nur provozieren, und Dein so unerschöpfliches Wissen uns Landwirten gegen über unter die Nase halten. Nach dem Motto Ihr dummen Landwirte Ihr habt doch keine Ahnung wie die Welt wirklich erschaffen wurde.

            • Brötchen sagt

              Fingerphilosoph es ist schon richtig, wenn du alles hinterfragt. man könnte die LW auch anders ausrichten, das hat aber alles Konsequenzen. Frage ruhig, es nur manchmal etwas mühsam, wenn es soviel Stränge gibt und man nie etwas zuende diskutieren kann.

              Grüsse!

              @obstbäuerin stimmt zu ostzeiten wurden 30 % der Schweine nebenbei in Haushalten gehalten! Das war bis in die 80 ziger so.

            • fingerphilosoph sagt

              @ c
              Es ging ja um die hypothetische Annahme von Brötchen, dass jeder Bürger dieses Landes sich auf 2000 qm selbst versorgt. Für diesen Fall behaupte ich, dass Amerikaner und Russen mehr Fleisch essen können, weil denen mehr Fläche zur Verfügung steht. Die Amerikaner stehen ob ihres hohen Fleischkonsums ja gern mal unter Beschuss von Naturschützern, aber die können es sich aufgrund der deutlich geringeren Einwohnerdichte auch leisten, mehr Fleisch zu essen als Inder, Vietnamesen oder Deutsche, ohne dass es Nitrat- und sonstige Probleme gibt.

              “Biodiversität” ist ein mehrdeutiges Schlagwort der grünen Szene. Zum einen bedeutet es natürlich vorkommende Artenvielfalt, zum anderen abwechlungsreich gestalteter Anbau, wobei es so ist, dass jede Art von Anbau, egal ob BIO oder konventionell die natürliche Artenvielfalt deutlich reduziert und die Unterschiede dabei gar nicht soooo groß ist, wie nun ständig getan wird. Es ist schon mal verdächtig, wenn ein Begriff zwei derart verschiedene Bedeutungsfelder hat, die einander fast sogar widersprechen.
              In der Natur selbst kommt es auf die Interaktion von Arten an, auf funktionierende Netzwerke und Kreisläufe. In der sibirischen Taiga gibt es deutlich weniger Arten als im subtropischen Regenwald, deshalb ist die Taiga aber nicht “krank”.
              Bei dem Schlagwort “Biodiversität” geht es nicht um Natur, wie sie ist, sondern um Naturkulisse. Natur soll so aussehen, wie der grüne Stadtbewohner sie sich vorstellt. Da ist bpsw. die ganze Zeit vom Insektensterben die Rede, aber offenbar gehören Mücken und Zecken nicht dazu, denn parallel zu Artikeln vom Insektensterben finden sich derzeit welche, dass und wie man am besten gegen Stechmücken und Zecken vorgeht, die halt nicht in die gewünschte Kulisse passen.

              Das Problem besteht darin, dass die konventionelle Landwirtschaft Bilder erzeugt, mit denen sich der moderne Stadtbewohner nicht mehr identifizieren will. Der Stadtbewohner will Ästhetik um sich herum, und das kann die Landwirtschaft nur sehr bedingt bieten, am ehesten eben noch mit Biohof-Idylle. Deshalb soll die konventionelle Landwirtschaft aus dem Blickfeld verschwinden und durch Naturpark-Idylle oder Blumenwiesen ersetzt werden. Im Grunde will der Stadtbewohner die Vorteile der konventionellen LW ohne ihre Nachteile. Es handelt sich da um einen Typus Mensch, der von ALLEM nur das BESTE will, ohne Nachteile, ohne Konsequenzen für ihn. Hinter dieser angeblich umwelt- und naturfreundlichen Haltung verbirgt sich deshalb, genau genommen, eine viel größere Maßlosigkeit und Gier als diejenige nach bloß Schnitzel und Filet, und was macht Bauer: er lässt sich wieder drauf ein und glaubt, dass ihm Blumenwiesen nun den Hals retten.
              Der Bauer versichert nun dem Stadtbewohner, dass es machbar ist, von allem immer nur das Beste zu wollen und keinerlei Nachteile in Kauf nehmen zu müssen, solange es bezahlt wird. Das halte ich für einen grandiosen Trugschluss.
              Ich für meinen Teil finde es besser, diese Maßlosigkeit der Grünen beim Namen zu nennen, die Nachteile der LW aber ebenso und dafür eintreten, dass Pelzwaschen ohne Nassmachen
              eine Illusion ist, die letztendlich alles kaputtmacht.

              @ Mark
              Die Weizenproduktion betrug in den vergangen Jahren in Deutschland nach meinen Unterlagen zwischen 22 und 25 Mio. Tonnen. Wieviel davon exportiert wurde, weiß ich nicht, aber 17 Mio. Tonnen kommt mir sehr hoch vor. Wieviel Importweizen steht dem dagegen?

              @ Obstbäuerin
              Verstädterung heißt nicht nur, dass die Menschen in die Städte ziehen, sondern auch, dass diejenigen, die auf dem Land wohnen bleiben, die städtische Lebensweise übernehmen. Deshalb ist es zuerst unmodern, dann durch Gesetze unmöglich geworden, dass sich jede Familie ein paar Tiere hält und selber schlachtet. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist heute durch die Supermärkte zwar bequem, aber deutlich weniger robust als damals. Einen Zusammenbruch wie bspw. den der Sowjetunion würde unsere moderne westliche Gesellschaft nicht überstehen. Das gäbe hier noch ein weit größeres Desaster. Das ahnen viele und versuchen deshalb, jedwede Krise mit allen Mitteln – sogar Bankenrettungen, Rettungsschirmen und Targetschwindel – zu verhindern, auch wenn die Eiertänze immer größer und hektischer werden.

              @ Rest
              Selbstverständlich will ich provozieren, und es freut mich, wenn mir das gelingt 🙂

      • lakqs sagt

        “Jungtiere brauchen in der Ration ca. 20 % Protein. sehr guter Weizen hat ca. 14 % schlechter Roggen hat 9 %. als heimischer eiweissträger steht eigentlich nur Erbsen mit 22 % Eiweiss zur Verfügung. also müsste man über 75 % Erbsen bei Jungtieren verfüttern. Erbsen gibt es dieses Jahr schlecht.”

        Eine Alternative bietet Hopfen in Pelletform mit rund 16% Protein.

    • Mark sagt

      @ f…ph
      Schon mal was von komparativen Kostenvorteilen gehört? Jedes Land produziert das, was es am besten kann. Der internationale Güteraustausch sorgt dann dafür, das alle einen maximalen Wohlfahrtsgewinn haben. So ist es zumindest in der Theorie. Die Frage, die sich stellt, ist, soll dies auch in der Landwirtschaft gelten oder nicht? Und wenn nein, warum nicht?

      • Brötchen sagt

        Mark die Frage ist berechtigt und die hatten wir oft. es ist vielen aber nicht klar, wie die Zusammenhänge sind, vor allem die Grünen tappen völlig im Dunkeln.

        • bauerhans sagt

          “….vor allem die Grünen tappen völlig im Dunkeln.”

          NEIN,die verfolgen ihre ideologie.

          • Brötchen sagt

            das auch. …..mein Vater hat damals mal gesagt zu ostzeiten, ganz schlimm ist es, wenn dumme macht bekommen. Bsp auf arte kommt gerade eine Doku über lysenko! der war dumm und das ist ein typisches Bsp.

    • Brötchen sagt

      guck mal unter bmel-statistik.de/ernaehrung-fischerei….da sind auch exceltabellen

      für Weizen steht da 134%

  9. Mr Tom sagt

    Willi, wo denkst Du hin?
    Wir haben Urlaubszeit – hast Du doch bei Deinem Versuch bemerkt, bei den Bioverbänden wegen des Futters anzufragen.
    Unbürokratische Wege würden Arbeitsplätze kosten.
    Was muss die Dürre auch ausgerechnet im Sommer kommen.

    • Bauer Willi sagt

      Stimmt. Die Dürre im Winter und alle wären auf ihren Plätzen…:-)
      Bauer Willi

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