Bauer Willi
Kommentare 73

Bauernhöfe statt Agrarfabriken…

…wünschen sich viele Menschen. 1.500 Milchkühe wird so mancher für „Massentierhaltung“ halten.

Wenn der Betrieb dann noch einem Nicht-Landwirt und Eigentümer einer großen Kette gehört, 4.000 ha bewirtschaftet, eine eigene Biogas-Anlage hat und mit „attraktiven Pachtpreisen“ winkt, aber gerne auch Flächen kaufen möchte *, dürfte das Bild vollständig sein: „So was darf man nicht unterstützen“. Dann schauen Sie mal hier:

https://www.hofgut-eichigt.de/

Ändert sich die Sichtweise, wenn es sich um einen Bioland-Betrieb handelt? Und der Eigentümer des „Bauernhofes“ auch Eigentümer der Bio-Supermarktkette Dennree ist?

Setzt sich hier nicht jetzt auch im Bio-Bereich ein Trend fort, der in der traditionellen Landwirtschaft längst eingezogen ist? Wie seht ihr das?

Bauer Willi

*https://www.hofgut-eichigt.de/das-hofgut/landkauf-und-verpachtung/

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73 Kommentare

  1. firedragon sagt

    Hallo Brötchen,

    wir hatten uns hier am 28.10.19 über den Weingang der Kühe des Hofgut Eichigt „unterhalten“. Ich hatte geschrieben, dass ich dort nachfragen möchte, habe ich am darauf folgenden Tag auch per mail gemacht und heute folgende Antwort von Frau Adler erhalten. Die ich Dir hier ohne Kürzung wiedergebe.

    „Anrede …
    entschuldigen Sie unsere späte Antwort, bedingt durch Urlaub.
    Vielen Dank für Ihre Rückfrage zu unserer Weidehaltung. Wir haben in der Weidesaison zwei Weidemelkstandorte für unsere 1.500 Milchkühe, sodass jedes Tier täglich stundenweise Weidezugang erhält. Bei besonders heißen Sommertagn sind die Kühe dann eher in den Nachtstunden auf der Weide. Bei weiteren Fragen können Sie sich gerne an uns wenden.“

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    • firedragon sagt

      Weingang wäre toll gewesen, nein, wir hatten uns über den Weidegang unterhalten.
      Und natürlich …Sommertagen.
      ‚tschuldige , so was Blödes aber auch, wenn die Tastatur ein Eigenleben entwickelt.

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  2. Luke sagt

    Guten Tag zusammen,

    der Kuh ist „wahrscheinlich“ lieber in einer Gruppe mit 150 weiteren auch auf die Weide zu können, als angebunden oder auf Spaltenböden im Stall mit 15 Kühen zu stehen. Und auch das da weitere Gruppen in Nachbarställen stehen stört die Kuh vielleicht weniger als wir glauben. Aber leider nur „wahrscheinlich“ – denn fragen kann Mann/Frau die Kuh ja nicht. Und wenn bekommt man keine Antwort…

    Jede ökologisch gehaltene Kuh mehr – mit allen Vorteilen auch beim Tierwohl – ist ein Schritt in die richtige Richtung.

    ZUR FLÄCHENGEBUNDENEN LANDWIRTSCHAFT!

    Man kann eben nur soviel Vieh halten wie es im Verhältnis zur bewirtschafteten Fläche SINNVOLL ist!
    Soviel Vieh wie sich auch Futter auf der eigenen Fläche mit den natürlichen Ressourcen erzeugen läßt.

    Das Projekt ist beispielhaft wenn es um:
    – Platz für Kühe (künftig auch mit Hörnern)
    – Zugang zur Weide
    – ammengebundene Aufzucht
    – künftige Aufzucht der Bullen
    – Fruchtfolge
    – Naturschutz
    – und Forschung
    oder ähnliches geht.

    Und ja, ein Bestandteil ist hierbei auch Größe und Produktivität der zur Verfügung stehenden Menschen, Tiere, Maschinen…

    Und wenn man dem Eigentümer – einem Bio-Überzeugungstäter seit 45 Jahren – jetzt vorhalten möchte das er einen modernen Milchviehbetrieb , biologisch an zwei Standorten bewirtschaftet DER DIE PASSENDE GRÖßE ZUM EIGENEN MILCHBEDARF hat, dann ist das schon etwas fragwürdig.

    Und glaubt mir – DER STALL DER VORHER in Eichigt stand verdiente die Bezeichnung Agrarfabrik (im Sinne deiner industriellen Produktion).

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    • Bauer Willi sagt

      Hallo Luke
      Die Überschrift stammt nicht von mir. Sie ist der Slogan der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Bisher hat sich aber noch niemand von der AbL an der Diskussion beteiligt, obwohl sie häufiger hier kommentieren.

      Der Begriff „Agrarfabrik“ wird auch häufig von einer bestimmten Partei und von NGO´s, die dieser Partei nahestehen, genutzt.

      Und deshalb habe ich das Thema hier gebracht. Die Bio-Landwirtschaft hat halt mittlerweile gleiche Strukturen wie die traditionelle Landwirtschaft. Das ist weder gut noch schlecht. Es ist einfach so. Die beiden Produktionsweisen nähern sich immer mehr einander an.

      Alle von Ihnen angesprochenen Punkte sind in der traditionellen Landwirtschaft genau so zu finden. Und nicht alle sind auch auf Bio-Höfen zu finden.

      Wie 1.500 Kühe aber alle Weidegang praktizieren können, ist mir nicht klar.

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      • firedragon sagt

        …“Wie 1.500 Kühe .. alle Weidegang praktizieren…“

        Möglicherweise im „Schichtdienst“ ?

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        • Brötchen sagt

          firedragon, die müssen ja nicht an einem Standort stehen.
          Mit geringerer Leistung ist das eher möglich. Jerseys z.B. haben mehr Inhaltsstoffe und dadurch eine geringere Leistung. Man kann sich da schon Szenarien vorstellen (Randbedingungen ändern), einfach ist es trotzdem nicht, aber nicht unmöglich.
          Hängt von den Randbdingungen ab.
          Wenn der Kunde was will und gut zahlt, kann ich mir sehr viel vorstellen.
          Man kann auch die Futterflächen beregnen, hat es alles schon gegeben.

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          • firedragon sagt

            Hallo Brötchen,
            dieser Hof hier hat Holsteinkühe.
            Ich kenne den Hof nicht.
            Ich verstehe das Geschriebene so:
            wenn je 100 Tiere in einer Gruppe gehalten werden, dann gehen die als Gruppe auf die Weiden und das möglicherweise im Stundenrythmus.
            Für mich ist es tatsächlich auch schwer vorstellbar, dass 1.500 Kühe gleichzeitig auf den Weiden sind.

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            • Brötchen sagt

              Bei uns gibt es einen, der hat 400 mit Vollweide, aber keine Holstein.
              Eine 10000 literkuh geht mit Weide nicht, jedenfalls wäre die Weide nur ein spaziergangangebot. Die kuh muss ständig fressen und das würde mit den langen wegen kollidieren. Brodowin hat glaube ich auch ein paar hundert Kühe und ist Demeter

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              • firedragon sagt

                Brötchen,
                ich glaub‘ ich frag‘ da einfach mal bei Gelegenheit an.
                Ist eh immer besser mit jemanden zu reden, als über jemanden.

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                • Brötchen sagt

                  Das Ergebnis würde mich interessieren. Also 400 geht definitiv.
                  Ich habe selbst auf einem Betrieb gelernt mit DSN mit festen weidemelkständen. Glaube die hatten insgesamt auch so 400. Dort wird heute noch recht viel Weide gemacht, vor allem die Jungrinder. Wir hatten glaube ich damals so 5000 bis 6000 l. Im Winter waren die im Stall direkt am Betrieb und zwischendurch wurden im Herbst noch Zwischenfrüchte beweidet. Das war damals überall üblich. Als Kind habe ich mit meinem Vater Jungrinder uumgetrieben mit Pferden über 6 km. So ungefähr bestimmt 50 Stück. Jungrinder waren da immer auf der Weide solange es ging, teilweise auch mit einer grossen Pferdeherde zusammen.

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                • firedragon sagt

                  Brötchen,
                  das hört sich nach harter (idyllischer) Arbeit an.
                  Hier bei uns gibt es so große zusammenhängende Weideflächen gar nicht.
                  Hast Du heute auch noch Rindviehcher?

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                • Brötchen sagt

                  Ich habe seit dem nichts mehr mit Rindern zu tun. Ich verfolge das aber noch sehr aufmerksam. Ich muss bloß immer grinsen wenn die süddeutschen Kollegen mit ihren 5 Kühen auf die Kacke hauen. Bei uns gibt es viel Weide. Zu ostzeiten war Ackergras auch in der Fruchtfolge und wurde wegen Humusaufbau gemacht, ist heute wieder in der diskussion. Wir hatten zu ostzeiten viel mehr Leute und alles war etwas ruhiger.

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                • Ehemaliger Landwirt sagt

                  @Brötchen

                  Im Süden ist man nicht so Reich wie im Osten. Da ist man schon mit 5 Kühen zufrieden.

                  Diese Milchviehhaltung gibt es sicher noch, aber die Betriebsinhaber in meiner Gegend verdienen ihr Geld bei Daimler, Schaeffler oder Bosch.

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                • firedragon sagt

                  Brötchen, Ehemaliger Landwirt,

                  bei 5 Kühen bleibt wahrlich nichts hängen.
                  Es ist im Verhältnis (zu 500 Kühen) viel Arbeit, da sich die Maschinen nicht rechnen und man mehr Handarbeit hat, es macht trotzt allem Freude und eigentlich ist Landwirtschaft ein Kreislauf.

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                • Brötchen sagt

                  5 Kühe ist Hobby und kein Betrieb, in meinen Augen!

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                • firedragon sagt

                  Ja Brötchen das ist Hobby, wir haben aber schon einen Betrieb von dem wir leben. Nur eben nicht von den Viehchern 😉

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                • Brötchen sagt

                  Firedragon jetzt mal abseits der blödelei. Die Gefahr ist, wenn man das nicht so deutlich sagt, aussenstehende denken, man kann davon leben. Bei den tollen Fernsehbeiträgen, die ich auch gern sehe, wird das nie erwähnt. Einige von den Konsumenten schlagen ja auch hier auf.

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                • firedragon sagt

                  Brötchen, Du hast recht.
                  An anderer Stelle habe ich das auch sehr deutlich zu verstehen gegeben.
                  Und trotzdem… auch ein ganz normaler Austausch gehört zu einem Dialog, auch mit gelegentlicher Blödelei.
                  Es darf jeder wissen, dass wir ganz normale Menschen sind.
                  Wegen der Kühe und deren Weidegang, da frag ich trotzdem mal nach. Dir noch einen schönen Abend.

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                • Ehemaliger Landwirt sagt

                  @ Brötchen & firedragon

                  Wenn nur 1 Euro jährlich über bleibt,
                  dann ist es ein landwirtschaftlicher Betrieb.

                  Würde er stattdessen an den Brückentagen nach Mallorca fliegen, würde das viel Geld kosten, dann lieber am Sonntag Kühe melken. 😉

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              • bauerhans sagt

                um 1970 rum hatten hier viele betriebe um 15 kühe in anbindehaltung auf stroh,mit weidegang und melkstand im sommer.
                steckrüben nach gerste und treber waren das winterfutter der kühe.
                im kuhstall wurden dann schweine gemästet,desweiteren wurden von den altenteilern ein paar sauen (6-10)gehalten und ferkel an mäster verkauft,ein mäster hier kaufte ferkel von 10 sauenhaltern.
                auf den betrieben wurden kartoffeln zur direktvermarktung angebaut.
                von november bis märz ging der ausserlandw. arbeiten.

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                • Brötchen sagt

                  sowas gab 81 nicht mehr als ich gelernt habe. Glaube wir hatten in einer Reihe ca. 25 Kühe im Weidemelkstand. Das waren Doppelreihen mit Futtertisch und davon zwei Flügel. Weidemelkanlagen (Fest) gab es mehrere verteilt.
                  Vom eigentlichem Stall ca. 5 km entfernt im Grünlandgebiet. Die Jungrinder waren noch weiter auch im Weidegebiet mit den Stuten zusammen. Ich war in allen Bereichen, Schafe waren es ca. 500, er hatte allein 10 Böcke. Sauenzuchtanlage mit 1000 Plätzen. Glaube weniger als 200 Kühe hatte niemand.
                  Privat waren Kühe nicht üblich, höchstens Bullen.

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                • Brötchen sagt

                  Melkanlage war Rohrmelk. Wir haben die zwei Reihen mit zwei Mann gemolken, plus füttern. Füttern hieß einen Hänger mit Luzerne oder Maishäcksel per Hand verteilen auf dem Futtertisch und eine Schippe Kraftfutter. Einer war immer auf der Koppel, bauen. Das war geteilte Schicht, von 4 bis 7 und 14 bis 17 Uhr.

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          • Es muß ja Weidefläche für 1.500 Kühe da sein!
            am besten hinterm Hof oder wo anders, Wieviel ha brauchen die?
            alle paar Tage neue dazu?

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            • Brötchen sagt

              Inga du bist ja ein Blitzmerker! 😜

              Nehmen wir an, eine kuh kann 2 km laufen ohne daß es zuviel wird.
              Wenn ich mich auf die schnelle nicht verrechnet habe, hàttest du, wenn du einen Kreis mit einem Radius von 2 km ziehst= 1200 ha. Ein Halbkreis wäre 600 ha. Der erwähnte Betrieb hat etwa einen Halbkreis mit Grünland dahinter was ungefähr ca. 500 ha entspricht.
              Du musst auf alle Fälle kräftig zu füttern.

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              • bauerhans sagt

                „höchstens Bullen.“

                Werner aus Dedeleben hatte mir damals erklärt,wie die Taxifahrer aus Berlin,der Trabimotor,die Dachpfannen und die Bullen zusammenhingen.
                es wurde alles gegeneinander getauscht und auch mit „chipsen“ bezahlt,wichtig waren die verbindungen in die haupstadt,die über den rinderbraten liefen.

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    • Ruth sagt

      Bio hat nichts mit Tierwohl zu tun. Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Auf einem modernen konventionellen Betrieb geht es den Tieren oft sogar besser als auf so manchem Biobetrieb. Die Bauern mit Almbetrieb in Österreich sind zum Grossteil nicht Bio…

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  3. Gephard sagt

    Vielen Bio-Apologeten ist durchaus bewusst, dass sich die problematischen Strukturen der konventionellen Landwirtschaft in der wachsenden Biobranche nur anders geartet wiederholen. Von Bürgern gegründete Einkaufsgenossenschaften setzen sich deshalb nicht selten explizit von den großen Bioketten ab. Auf der Argumente-Liste steht zum Beispiel die recht dürftige Bezahlung der Mitarbeiter, ein Produktsortiment vorwiegend auf niedrigem EU-Bio-Niveau, Preiskämpfe wie die Discounter, Erdbeeren im Winter, Unterstützung von Mogelpackunganbietern, Intransparenz, Regional-Lügen (z.B. Ananas-Snacks aus Niedersachsen!), asoziales Verhalten (Bettler stören das Image und müssen weg) …

    Wer glaubt, Biosupermärkte setzen sich für eine bessere Welt ein, ist reichlich naiv. Es geht um Geld, mehr nicht. Natürlich gibt es dennoch Filialleiter mit Rückrat, die zum Beispiel Erbeeren im Winter auslisten. Aber stimmen die Zahlen nicht, wird er langfristig weichen oder eben nachgeben müssen.

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  4. Elisabeth Ertl sagt

    Hab mir anlässlich der bevorstehenden Wahl in Österreich die Parteiprogramme in Bezug auf Landwirtschaft angeschaut. Das einzige detaillierte Programm haben bis jetzt die liberalen NEOS vorgestellt. Ich bin nicht mit allem einverstanden, aber man hat trotzdem den Eindruck, dass die sich ernsthaft etwas überlegt haben, wie man die Erwartungen der gesellschaftlichen Mehrheit und die Möglichkeiten der Landwirtschaft irgendwie unter einen Hut bekommen könnte, jedenfalls unter den speziellen österreichischen Bedingungen: https://www.neos.eu/_Resources/Persistent/a3b9f4c59e4620b313e4df8fb9073145a2815a45/LANDWIRTSCHAFT-.pdf

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    • Thomas Apfel sagt

      Ich kann aus der Liberalen folgenden Ansatz erkennen:

      1. Mehr Wertschöpfung durch Diversifizierung. Dieser Idee folgen für Ostdeutschland die Analysen von Prof. Klüter von der UNI Greifswald. Da wird so getan, als könnte man in Regionen, die Großstadt- und Tourismus-fern sind die spezialisierten großen Primärerzeuger wieder in kleine diversifizierte Betriebe rückumwandeln und damit die Wertschöpfung je ha anheben. Fataler Trugschluss, wenn das Umfeld nicht passt, Burgenland und Steiermark bieten sicher mehr Möglichkeiten zur Diversifizierung als andere Gegenden. Es ist auch ein Trugschluss, wenn man sich einbildet man könne wesentliche Marktanteile vom zentralisierten LEH (Bio- wie Konviwaren) zurückholen.
      Ein Plastikverbot könnte im SB-Bereich kurzfristig Verwirrung stiften, mehr nicht.

      2. Kappung und Ökologisierung. Hier ist dem Mainstream folgend bei anderen abgeschrieben worden.

      3. Bildung und Beratung: Gemäß dem Wirtschaftsliberalen Credo wird so getan, als wenn staatlich organisierte Beratung sich nur in eingelaufenen Bahnen bewegt und Privatisierung hier die Rettung wäre. Da kann ich nur raten die vorhandenen Strukturen zu erhalten. Wir versuchen gerade mühsam die durch wirtschaftsliberale Privatisierungspolitik der Vergangenheit fast völlig zerschlagene Offizialberatung wieder aufzubauen.

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      • bauerhans sagt

        „….fast völlig zerschlagene Offizialberatung wieder aufzubauen.“

        hier gibts die spezialberater der LWK,die kostenpflichtig ein konzept zur problemlösung erarbeiten,ansonsten privatberater.
        kostenlose telefonische pflanzenschutzberatung ist hier sehr ausgedünnt,allerdings frage ich bei der Kammer Hannover,die eine sehr hervorragende beratung anbieten.

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  5. Bernhard Treffler sagt

    Ich habe vor 4 Jahren dem Ökolandbau Adieu gesagt, nachdem ich erfolglos gegen die Einführung von Liefermengenzuschlägen im Ökomilchsektor gekämpft habe. Ich musste mit ansehen wie die Bioverbände die Biobauern an die Molkerei „verkauft“ hat! Leider waren die Biobauern an dieser Entwicklung zum großen Teil mit schuldig, weil Biomilch 2014 händeringend gesucht war und Zugeständnisse an die Molkerei absolut unnötig waren.
    Heute bin ich froh über diese Entscheidung, weil mir dieser Schritt, produktionstechnisch einen „Quantensprung“ ermöglicht hat! Als Biobauer denkst du ja immer, du machst alles richtig, also stellst du dir manche Fragen überhaupt nicht mehr. Ein riesen Fehler!

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  6. Altbauer Jochen sagt

    Auch in unserer Region (nördl. SH) gibt es „große“ ?
    Milchviehbetriebe mit 400 – 800 oder mehr Kühen.
    Wer genügend Mitarbeiter hat bekommt es auf die Reihe.
    Wo das nicht der Fall ist, sieht es nicht immer schön aus !
    Aber die Rotation von Osteuropäern als Melker geht von einem
    Betrieb zum andern.
    Wer viele Kühe hält braucht zuverlässige, verantwortungsbewusste
    Mitarbeiter. -Viel Glück beim suchen der Nadel im Heuhaufen.

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  7. Christian Bothe sagt

    Ist doch eine interessante Entwicklung für einen Biobetrieb mit über 300 SB-Märkten in Deutschland und zeigt ganz klar wo die Reise auch in diesem Sektor hingeht. Gelistet im LEH sind Bioprodukte nichts weiter wie eine Produktlinie nur mit „ökologischem Touch“ wie andere Produkte auch. Dennree ist ein Unternehmen mit über einer Milliarde Umsatz und somit führend in Deutschland.Das man dazu eine industrielle Primärproduktion benötigt,ist sonnenklar um Rohwaren in ausreichender Menge und Qualität dem Handel bereitzustellen. Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Jeder sollte sich mal das food und non-food Sortiment im Markt anschauen und man wird staunen,von wo es überall herkommt und was es so alles gibt..Ein Fazit dieser Entwicklung ist,das es zur Ökonomie eines solchen Unternehmens analog zum konventionellen Betrieb es keine Alternativen gibt. Übrigens gab es dazu in den letzten DLG-Mitteilungen auch eine Bewertung von Dennree und seinen Mitbewerbern.

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  8. Obstbäuerin sagt

    Interessant ist auch die Verteilung der Biomärkte des Großunternehmens. Sieht man sich die Karte an, soll der Eindruck erweckt werden, dass eine flächendeckende Verteilung über ganz Deutschland vorhanden ist. Entzerrt man die Karte – entsteht sofort ein anderes Bild. In Ostdeutschland ist das Unternehmen nur mit wenigen Filialen vertreten (außer Berlin) und ausschließlich in den Hochburgen der Grünen-Wähler in den Großstädten oder Touristen-Zentren. In kleineren Städten, wie Weimar oder Jena sind ebenfalls die Grünen-Wähler eine starke Kraft. Im Norden und Osten der neuen Bundesländer findet sich nur eine einzige Filiale in der Nähe von Rostock. Da fragt man sich doch, sind die Menschen in den großen Städten klüger oder haben sie einfach mehr Geld. Sind sie zu weit von einer Lebenserfahrung mit ländlicher Umgebung entfernt oder wissen sie einfach mehr als der Praktiker?
    Der missionarische Anspruch des Bio-Großunternehmens erstreckt sich flächendeckend hört aber in der Praxis exakt dort auf, wo der Umsatz keinen Gewinn mehr abwirft

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  9. Ui, da kommt vieles zusammen.

    „Massentierhaltung“ oder „größer ist bestimmt schlechter“:
    Ein Vater kann sich rührend um fünf Kinder kümmern, der andere mag schon mit einem überfordert sein, die Masse sagt nichs über die Qualität aus.
    Hier wurde ein über 3.000 Hektar großer Betrieb vom WWF ausgezeichnet,:
    https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Landwirt-aus-Marlow-vom-WWF-geehrt,landwirt268.html

    Fremdinvestoren:
    Beispiel Günther Fielmann, der Optiker. Hat sich eingekauft in die Landwirtschaft, den Hof Lütjensee (PLZ 22952) auf Bio aufgebaut und kassierte 2017 655.000 € Subventionen:
    https://www.agrar-fischerei-zahlungen.de/Suche

    Bodenspekulation mit Ackerland:
    Wird sogar von Wirtschaftsmagazinen empfohlen unter Begriffen wie Agrar-Investment, Zitat (da Willi ja Zuckerrüben anbaut): „Zuckerrüben sind anspruchsvoll, der beste Löß-Boden ist gerade gut genug. Entsprechend teuer sind Rübenäcker: bis zu 80.000 Euro je Hektar, doppelt so viel, wie im Schnitt in Nordrhein-Westfalen für Agrarland bezahlt wird.“
    https://www.wiwo.de/finanzen/boerse/agrar-investment-geld-verdienen-auf-dem-acker/13937130.html

    Konventionalisierungsdruck im Bio-Bereich:
    Bio hat den Fehler gemacht, in die Supermärkte zu gehen, könnte man sagen. Hier schließen Fachgeschäfte, weil der Supermarkt bequemerweise viele der Bioprodukte auch anbietet und Kunden dann alles dort besorgen. Aber durch den Lebensmitteleinzelhandel kommen wieder die finanziellen Daumenschrauben ins Spiel. Nur durch Spezialisierung und Größe (kommt bekannt vor, oder?) kann dann noch der Kostendruck aufgefangen werden, so hat Bio keine Zukunft.
    „Gut für die Kühe, schlecht für die Bauern“, hier ein Artikel in der TAZ zu einer Deenre-Farm:
    https://taz.de/Dennree-Farm-im-Bioland-Verband/!5584282

    Bio allgemein:
    Es ist ein willkürlich festgelegter Standard. Keine fairen Erzeugerpreise, Kükenschreddern, Nicht-Einbeziehung wesentlich wassersparender Konzepte wie Aquaponik/Hydroponik (Urban Farming), zu leichter Labelbetrug und ähnliches mehr zeigen, daß es eher ein Feigenblatt für das weiterso der bisherigen Landwirtschaft des immer mehr, immer billiger ist. Zitat REWE-Manager Heim: „Vor allem jüngere Leute und Familien mit Kindern, aber auch höhere Einkommensgruppen lassen sich damit ansprechen. All das sind interessante Zielgruppen.“ Damit ist klar, was Bio bedeutet: Der Handel verspricht sich mehr Knete, und damit haben auch Bio-Landwirte auf mehr Knete gehofft. Aber da die Politik dem Handel und auch Verarbeitern nicht auf die Finger schaut und haut … nun ja …

    Die Kette Alnatura läßt nicht mal einen Betriebsrat zu, so viel auch zur Frage sozialer Gerechtigkeit: https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2019-04/biosupermaerkte-dennree-alnatura-betriebsrat-arbeitgeber-lebensmitteleinzelhandel

    Der Einkäuer einer norddeutschen Mosterei hat mir die Info gegeben, daß er auf der Suche nach Früchten für Säfte wie Multivitaminsaft Bio-Obst aus Italien angeboten bekommen hätte. Also besser gesagt konventionelles Obst, welches der Anbieter über Tschechien auf Bio umlabeln lassen hätte können, bevor es nach Deutschland käme.

    Von Kaufkraft etc., die man für Bio dann haben müßte, ganz zu schweigen. Das ist eher was von der Kategorie Ablaßhandel, wenn sich das nur 5% der Verbraucher leisten (können und wollen).

    Bio – in der Form wie aktuell – ist nicht die Zukunft, eher eine Hinhaltetaktik. Ich sehe eher die Druck durch Politik, Verarbeiter und Handel hin zu immer weniger, immer größeren Betrieben, gern auch in Händen von Steinhoff, Rethmann, Bonduelle und Co. Denn größer heißt niedrigere Produktionskosten oder höhere Rabatte im Einkauf. Essen soll ja schön billig sein, sonst bräuchten die Menschen ja noch höhere Löhne, wäre ja doof für den Export unserer Autos …

    Ich selbst kaufe Bio, jedoch der Schwerpunkt liegt auf saisonal und regional, sprich Hofkiste vom Bio-Hof. Wobei wir hier rund 500 € monatlich für Lebensmittel ausgeben, und Fleisch, Alkohol oder Kaffee sind nicht mal dabei. Das kann sich nicht jeder leisten!

    P.S.: Es geht noch schlimmer: Die aktuelle Wirtschaftspolitik führt dazu, daß Bäckereien und Fleischereien ebenfalls aufgeben müssen, Supermärkte ihre eigenen Backshops etc. outsourcen wollen oder am liebsten Selbstbedienungsbäckereien hätten, und auch Gastronomen müssen zunehmend aufgeben. Kaufkraft weg, also Essen billig – der riesige Niedriglohnsektor Deutschland kann keine fairen Erzeugerpreise tolerieren.

    6+
            • Obstbäuerin sagt

              Das ist ja gar nicht so kompliziert, wie ich dachte, Ehemaliger. Es müssen mindestens drei Gründungsmitglieder sein und der Name sollte sich grundlegend von anderen Parteien unterscheiden. Schwieriger wird es mit der Aufstellung des Programms, da haben die Niederländer erst mal die Wiederherstellung eines objektiven Blicks auf die Landwirtschaft im Auge.

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              • Brötchen sagt

                Ja einen Verein betreue ich, du musst nur eine Satzung aufstellen, den Verein beim Notar anmelden und das war’s.
                Du hast auch wenn du Wirtschaftsbetrieb hast , recht grosse Freibeträge. glaube 40 Tsd euro. Wir haben Gemeinnützigkeit.

                Auf Wikipedia steht, du kannst auch kleiner als Wählergemeinschaft anfangen und gucken, ob sich das entwickelt.

                Beim Verein musst du jedes Jahr eine Mitgliederversammlung machen und Vorstandswahlen.

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              • bauerhans sagt

                „Es müssen mindestens drei Gründungsmitglieder sein“

                ich hatte auch mit einem verein zu tun,der aus 3 leuten bestand.
                die kunst war,2 auf meine seite zu ziehen.

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    • bauerhans sagt

      „geizistgeil“ ist das stichwort in D,in allen bereichen!
      der niedriglohnsektor resultiert aus den vielen nicht qualifizierten arbeitssuchenden und unserem hohen sozialstandard,arbeit lohnt sich für viele nicht!
      fachgeschäfte in D sind tot,es lebe Amazon.

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      • Inga sagt

        „Geiz ist geil“
        ruiniert unsere ganze Umwelt.

        Unsere Großeltern würden uns was erzählen, wenn die ds wüssten!

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        • bauerhans sagt

          meine grosseltern sind gesellschaftlichen verpflichtungen nachgegangen,die mussten ja auch nicht selbst arbeiten,hatten aber auch nie den wirtschaftlichen überblick über den betrieb.

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    • Elisabeth Ertl sagt

      Sie wissen aber schon, Herr Suhr, dass der WWF hauptsächlich von anonymen privaten Großspendern finanziert wird, und dass man dessen Bewertungen unter diesem Gesichtspunkt sehen muss.

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  10. Ralf sagt

    Ein großer Betrieb kann sehr wohl tierart gerecht und nach guter fachlicher Praxis handeln. Das Management muss es nur wollen, verstehen und kontrollieren. Die Mitarbeiter in großen Betrieben haben sogar mehr Zeit für die Tiere oder ein Stück Land als der Einzelkämpfer der seine Tiere UND seinen Acker UND die Buchhaltung pflegen muss.

    Nur, dass ein Betrieb einem großen Investor gehört heißt doch nicht, dass die Mitarbeiter auf dem Betrieb nicht mit Herz und Seele ihre Arbeit machen. Ich habe zu viele kleine Betriebe gesehen, die sich nicht entwickeln können oder wollen, die heute noch mit dem technologischem Stand von vor 40 Jahre arbeiten. Die Diskussionen um Anbindehaltung – wo möglich mit Schwanzfütterung – ist genau dafür ein Beispiel.

    4+
    • Elisabeth Ertl sagt

      Nur dass die großen Investoren dazu neigen, aus den Mitarbeitern Sklaven zu machen und das mit dem Preisdruck rechtfertigen – siehe Südeuropas Gemüsebetriebe.

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      • Thomas Apfel sagt

        Der oben beschriebene Betrieb liegt im „Dreikönigseck“ Böhmen, Bayern und Sachsen unmittelbar an der Tschechischen Grenze. Wie hier bei uns an der polnischen Grenze findet man sicher auch dort auf Grund der immer noch recht großen Lohnunterschiede selbst für deutschen Mindestlohn ausreichend motivierte Arbeitskräfte aus dem Nachbarland. Hier bei uns arbeiten gerade in den Betrieben mit Tierhaltung zu 80 % polnische Angestellte, das wird dort ähnlich sein.

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      • Brötchen sagt

        Das ist so pauschal nicht richtig, wie haben auch ab und an polnische Aushilfen, die Arbeiten gut, schnell und zuverlässig. Ohne die ginge bei uns einiges nicht. Wir haben auch mit denen gebaut. Bezahlt werden die normal, wie bei uns.

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  11. Kirsten Wosnitza sagt

    Gute Frage Willi! Dazu muss geklärt werden was unter industrieller Landwirtschaft zu verstehen ist.
    Auch wenn es für den Eigentümer Sinn macht handelt es sich hier um einen Investor und ein integriertes Modell. Da von bäuerlicher Landwirtschaft zu sprechen halte ich für schwierig.

    Andererseits
    Wer soll all die Betriebe im Osten übernehmen wenn sie zum Verkauf stehen?

    Das ist eines der großen Probleme des Wachstums. Am Ende ist ein weiterführen durch den typischen Bauern nicht mehr möglich.

    Was ist industriell?

    Hoher Spezialisierungsgrad
    Geld wird aus Betrieb und Region gezogen
    Kein Denken in Generationen
    Sehr hoher gv Besatz

    Da gibt es sicherlich noch mehr

    Mich würde interessieren wie regelmäßig die melkenden Kühe auf die Weide gehen und Zb die Kriterien des weide Labels einhalten konnten

    2+
    • Thomas Apfel sagt

      Der GVE Besatz liegt bei den Großen Betrieben im Osten selten über 0,8 (was für die Bodenfruchtbarkeit günstig wäre). In Brandenburg sind es nur 0,4 GVE. Die hohen GVE Besätze sind eher in Niedersachsen, NRW und Bayern bei den bäuerlichen Betrieben zu finden. Der Betrieb im Beitrag liegt auch nur bei 0,45 GVE/ha. Entgegen allen Forderungen nach weniger Viehdichte bräuchte der Osten eher wieder mehr Veredlung um die Betriebe wirtschaftlich stabiler zu kriegen.

      4+
    • Bauer Willi sagt

      @Kirsten
      Die Formulierung „industrielle Landwirtschaft“ stammt ja nun nicht von mir. Er wurde ja „erfunden“, um eine bestimmte Wirtschaftsweise zu diskreditieren. Ein Berufskollege von mir baut 21 Kräuter an. Mittlerweile auf 300 ha. Ist das industriell? Es ist übrigens ein reines Familienunternehmen. Die Mutter macht die Buchhaltung, die zwei Söhne kümmern sich um Anbau und Vertrieb, der Vater ist der Chef und „hat den Überblick“. Hoher Spezialisierungsgrad, Gelb bleibt in der Region, Denken in Generationen, kein Vieh.

      Wer wird die Betriebe übernehmen? Das Problem stellt sich nicht nur im Osten. Hier im Kreis werden die kleinen Betriebe von den großen Betrieben übernommen. „Große“ Ackerbaubetriebe sind 200 ha groß, die pachten dann dazu. Das sind aber alles typische Bauern.

      1500 Kühe und Weidehaltung kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Alleine wegen der Entfernungen. Aber das kann auch an meinem mangelnden Vorstellungsvermögen liegen….

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      • Elisabeth Ertl sagt

        Genau das ist das Problem. Ein Bio-Züchter mit bald 500 Rindern in unserer Gegend, wo es nur lauter tischtuchgroße Weideflächen gibt, karrt sein Viehzeug ununterbrochen in der ganzen Gegend herum, im Sommer 50 km hinauf in die Alpen auf irgendwelche Almen. Der Sinn erschließt sich mir auch nicht.

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      • Brötchen sagt

        Ich hatte das schon oft als bsp. angebracht, bei uns gibt es einen Betrieb mit 400 Kühen Jersey der geht voll auf Weide. Ich habe selber auf einem Betrieb gelernt der hatte zu ostzeiten auch ca. 400 Kühe,im Sommer waren wir immer im weidemelkstand, das waren kleine gebäude wo gefüttert und gemolken würde.
        Das Problem heute beim wiedegang ist die Lage des melkstandes, weil sonst die Kühe zu weit laufen müssen.
        1000 Kühe mit Weide geht sicherlich auch, wenn man mit kleinen Gebäuden für den weidemelkstand arbeitet. Damals hatten wir genug Leute zum melken. Heute kannst du das nur mit Technik machen die effektiv arbeitet. Wenn du die nicht auslastest, ist das nicht wirtschaftlich.
        Rein von der Weide her ist das bestimmt machbar.
        Es gibt ja auch mobile weidemelkstände. Wie gesagt meines Erachtens ist die Effektivität des melkens.
        Anderseits die mähtechnik ist heute sehr schlagkräftig. Man kann das Futter auch mähen und gibt dann nur Weide, die nicht ganz den Futterbedarf deckt. Der Rest wird über den mähschnitt gefüttert.
        So ähnlich haben wir das zu ostzeiten auch gemacht. In den weidemelkständen wurde beim melken zugefüttert, je nachdem was da war. Luzerne und Grünmais.

        Der oben genannte Betrieb liegt in einem Grünlandbereich und liegt Recht günstig so das die kühe max. 2 km laufen müssen. Jerseys haben nicht so eine hohe Milchleistung aber Höhe Fettgehalte, kann sein die müssen nicht ganz so viel fressen, wie eine 10000 l kuh. Bei uns im Bauernblatt war mal ein Artikel, wo aufgezeigt würde, das kleinere Kühe mit geringerer Leistung eventuell doch für spezielle Bedingungen effektiver sein können.

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        • bauerhans sagt

          „Damals hatten wir genug Leute zum melken.“

          der betrieb in Seelow hatte um 1800 kühe und schon vor 1989 polnische melker.

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          • Thomas Apfel sagt

            Auch wir hatten vor 1989 polnische Erntehelfer. Außerdem wurde die öffentliche Verwaltung immer für 4 Wochen in den Ernteeinsatz delegiert. Die Meisten von denen empfanden das als willkommenen Abwechslung.
            Interessant sind in Seelow die „Simonschen Anlagen“ um das „Schweizerhaus“.
            Hugo Simon war ein bekannter Berliner Bankier, der aus den Hungererfahrungen im Rahmen des 1. Weltkrieges einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb aufgebaut hat, mit dem Ziel zu zeigen, wie mit den damals modernsten Methoden in Viehzucht, Ackerbau und Gartenbau höchstmögliche Erträge erzielen kann. Von der Idee her war das ein Großbetrieb mit 40.000 – 80,000
            Stück Federvieh, Mustergärtnereien für Gemüseanbau und Obstanbau,
            200 Stück Milchvieh und modernen Ställen mit mehreren hundert Schweinen.
            Also schon so ähnlich wie der oben beschriebene Betrieb, oder Fielmann usw.: mit viel externem Geld „zeigen wie es gehen kann“. Aber aus der Erfahrung von Versorgungsnot mit einer ganz anderen Intention als die heutigen Beispiele.

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  12. Thomas Apfel sagt

    Dieser Betrieb ist ähnlich zu sehen wie der Bio-Betrieb des Klosters Plankstetten. Er ist werbeträchtiger Teil eines großen Handelsgeflechts und kann von dort aus quersubventioniert werden. Muß er aber wahrscheinlich nicht, da das südliche Sächsische Vogtland fruchtbar und Niederschlagsreich ist. Ansonsten denke ich, dass bei genügend hohen Preisen und gesichertem Absatz auch 1.800 Rinder vernünftig und artgerecht gehalten werden können, in beiden Systemen. Biogas heißt natürlich auch Gärreste und Gülleausbringung (ist ja nicht per se schlecht). Nitratprobleme gab und gibt es in der Gegend kaum.
    Wirtschaftlich ist das Ganze auch in Anbetracht der Fördermittel interessant. Als Konv. Betrieb waren es rund 1.200.000 € pro Jahr, jetzt sind es rund 2.000.000 € pro Jahr, bei GAP-Umgestaltung nach Oppermann und Lakner (NABU,BUND,Grüne) 4.600.000 bis 5.400.000 € jährlich (je nach Lesart).
    Nach TAUBE wäre es ja vor allem sinnvoll Ökolandbau in Gebieten mit Nitratproblemen wegen hohem Grundwasserstand und durchlässigen Böden voranzutreiben (Schleswig Holsteiner Sandergebiete). Genau dort findet wegen der ohne Mineraldüngung extrem geringen Ertragserwartung diese Entwicklung eben nicht statt, sondern erfolgreich nur in den fruchtbaren Landstrichen unseres Landes (warum sollte es auch anders sein). Das Geschwafel von Nachhaltigkeit und die tatsächliche Entwicklung klaffen auch hier weit auseinander.

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  13. bauerhans sagt

    hier gibts einen obstbaubetrieb,der konsequent gewachsen ist,weil er auf ausländische mitarbeiter zurückgreifen konnte und kann,früher türken,heute osteuropäer.
    nur wenige einheimische sind dort tätig,meist aushilfen.
    verkauft wird über einen vertrag mit einer grossen lebensmittelkette,einiges über den hofladen und auch die obstgenossenschaft,ein lukratives staatlich finanziertes absatzprogramm rundet die sache ab.
    durch spezielle staatliche förderung von lager und logistik konnte der betrieb sich wirtschaftlich weiter festigen.
    pachtflächen zu bekommen,ist kein problem für den betrieb.
    es wird bio und konvi gewirtschaftet.

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  14. Elisabeth Ertl sagt

    Dieser ganze Realitätsverlust der Politik macht mir Angst. Da handelt man ein Mercosur-Abkommen aus, wo die Lateinamerikaner uns doppelt so viel Rindfleisch liefern sollen wie bisher, aber bitteschön, Herr Bolsonaro, nicht aus dem Regenwald! Kann sich so ein europäischer Politiker eigentlich noch vorstellen, dass viele zusätzliche Rinder nicht dort grasen können, wo schon andere grasen? Wo haben sie sich vorgestellt, dass diese Viecher unterkommen werden? Auf der Copacabana?

    7+
  15. Elisabeth Ertl sagt

    Abgesehen davon, dass die EU das Glyphosat-Totalverbot in Österreich bereits gekippt hat, man das nur vor der Wahl dem Volk noch nicht mitteilen darf: man wollte mit dem Verbot gewissermaßen ja alle Landwirte zwingen, bio zu wirtschaften, und das wäre dann nur mit Riesenbetrieben möglich, denn Bioware, die teurer ist als Konvi kauft ja dann die breite Masse nicht, da braucht man Betriebe, die bio genauso billig herstellen können wie Konvi. Was sonst?

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    • Bauer Willi sagt

      Bisher hat sich weder die AbL noch Herr Niemann geäußert. Dabei ist die Überschrift doch eine Steilvorlage. Ich verstehe es nicht…

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