Bauer Willi
Kommentare 80

Weltmarktpreis für alle

Der Handel mit agrarischen Rohstoffen orientiert sich in der Regel am Weltmarktpreis. Das ist, nach dem Wegfall der letzten Quoten auch bei Milch und Zucker, jetzt in allen Bereichen so. In allen Bereichen? Nein, nur bei Agrarrohstoffen, und zwar

  • unabhängig davon, wie die Kaufkraft im jeweiligen Land ist,
  • unabhängig davon, welche Lohn- und Lohnnebenkosten dort normal sind
  • unabhängig von den Sozialstandards (Kranken-, Rentenversicherung)
  • unabhängig welche Umweltstandards im jeweiligen Land gelten
  • unabhängig von den Steuergesetzen

Ein Englisch-Lehrer leistet in allen Ländern dieser Erde das Gleiche: Er bringt seinen Mitmenschen die englische Sprache bei, egal ob er das in Deutschland oder Indien macht.

Wie wäre es, wenn alle Englisch-Lehrer nach dem Weltmarktpreis entlohnt würden? Und wie könnte man den ermitteln?

Ich bin gespannt auf eure Kommentare. Und ich kann mir schon denken, was jetzt kommt… 😉

Euer Bauer Willi

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80 Kommentare

  1. Friedrich sagt

    Der Fehler liegt darin , daß der Lehrer nach deutschem Standard und der Bauer nach Weltmarktpreis bezahlt wird,wir aber mit deutschem Standard produzieren müßen.. Da ist das Problem. Da stellt sich doch die Frage wer hier denn die Subventionen erhält ? Jedenfalls nicht der Bauer !!
    Auch wenn ich mir die Arbeitszeiten für ein vergleichbares Einkommen ansehe , ist doch ganz klar , daß hier der Lehrer nicht annnähernd mitkommt , auch in der Unterrichtszeit nicht. Von den Ferien und dem Freizeitbereich wollen wir auch nicht sprechen. Hier kann jeder sehen , daß der Standort Deutschland für die Weltmarktpreise zu teuer ist. Nur durch Fleiß, Wissen und Technologie ist hier überhaupt noch zu Wirtschaften. Wenn wir im unteren Viertel der Wirtschaftlichkeit arbeiten würden , wie die Lehrer im Pisavergleich , dann könnte hier kein Bauer mehr wirtschaften. Es wird uns immer vorgeworfen auf die Märkte zu reagieren , aber wie soll man das in der Urproduktion machen mit Vorlaufzeiten die ein bis zwei Jahre dauern (vom Decken der Sau bis zum verkauften Mastschwein oder vom Kalb bis zur Milchkuh). Anfang des Jahres war Vegan aktuell mit starken Wachstumsraten. Seid September brechen für diese Produkte die Absatzmärkte ein. So läuft das immer. Der Landwirt stellt sich um und wenn er mit der Produktion soweit ist, ist der Markt schon wieder wo anders. Also fast keine Chance. In vielen Bereichen sind wir Weltspitze , aber hier wird uns das negativ ausgelegt. Auch wenn es um die Klimabilanz geht sind wir weit vorne , aber es wird rumgemäkelt , keiner ist besser. Die Nitratlüge ist genauso (siehe Archiv April 2016) . Man macht uns schlecht , um die eigenen Fehler nicht zugeben zu müßen. Komisch auch , daß die VW-Fahrer keinen Schadenersatz bekommen für die falschen Angaben des Herstellers. Da hält unsere Bananenrepublik fest zusammen, siehe Hoeness. Alles muß billig sein , damit hier ordentlich umweltmäßig gesündigt werden kann und jeder sein Schnäppchen macht. Einsparen sollen immer nur die Anderen !

    • Anwalt der Tiere sagt

      Bauern haben viel mit Lehrern gemeinsam. Man hört sie immer jammern (wobei es letztere vielfach auch ironisch tun, mit Grüßen aus dem Urlaubsparadies).

  2. Anwalt der Tiere sagt

    Mir egal, ich nehme eh den Weizen. Englisch-Lehrer sind zwar nicht alle so schlau wie Schweine, aber auch fühlende Lebewesen.

  3. Ottmar Ilchmann sagt

    Interessanter als den Vergleich von Lehrergehältern finde ich den Vergleich von Bezügen von Agrarökonomen in Deutschland und in Indien. (Gibt´s in Indien überhaupt Agrarökonomen?) Gerade deutsche Agrarökonomen erzählen doch deutschen Bauern gerne, dass sie auf dem Weltmarkt mit ihren Produkten erfolgreich sein müssen! Natürlich zu Weltmarktpreisen.

    • Schmeckt gut sagt

      Ottmar es gib verschiedene Typen von Weltmarktpreisen. Solche die völlig uninteressant sind (die meinen Sie sicherlich und da kann ich voll zustimmen), aber es gibt auch Preise, wo speziell die deutsche Qualität nicht so einfach austauschbar ist und sehr interessante Preise erzielt ( diese meinen sie offensichtlich nicht). Es ist eben sehr viel komplexer, als es in der medialen Darstellung rüberkommt. Beispiel gefällig: Schweinefleisch 4xD für China. Und jetzt kommt der deutsche Markt. Hier arbeiten alle Teilnehmer auf der Einkäuferseite (auch die Politik, denn die will billige Lebensmittel) daran, alles zu tun, um alle bäuerlichen Erzeugnisse austauschbar (=billiger) zu machen. Auch ein Beispiel gefällig? LEH-eigene Handelsmarken, die meiner Meinung nach sehr dazu beitragen, deutsche Frischeprodukte kaputtzupreisen. Wir sind dann einfach austauschbar – im Weltmarkt.

      • Ottmar Ilchmann sagt

        Ich stimme Ihnen durchaus zu; niemand hat etwas gegen Exporte von hochwertigen Qualitätsprodukten zu Preisen, von denen auch die Bauern ihr Auskommen haben! Das Problem sind Weltmarktexporte von billigen, austauschbaren Massenprodukten auf dem Rücken der Produzenten. Davon profitieren nur unsere sogenannten “Partner in der Wertschöpfungskette”. Beispiel sind die Exporte von Milchpulver in der jüngsten Milchkrise. Wenn die Molkereien den Rohstoff für 20 Cent von ihren Lieferanten bekommen, lassen sich leicht Marktanteile erobern. Solche Exporte ruinieren die deutschen Landwirte! Außer bei Lebensmitteln versucht Deutschland übrigens in keinem anderen Wirtschaftsbereich Kostenführerschaft bei billiger Massenware zu erlangen.

  4. Ich seh das so sagt

    Der Kommafehler ist ja nun geklärt.
    Willi hat vermutlich diese Seite zuerst eigentlich nur vorgesehen als seinen persönlichen Wunschzettel ans Christkind.

    Zwei Aspekte sind in der Aufstellung aber doch auch noch interessant:
    a) Die wechselseitige Parität:
    Ein indischer Lehrer kann mit 40% eines Monatslohns 1000 kg Brotweizen erstehen (mal ungeachtet der Tatsache, daß er ein ganzes Jahr (!) hindurch, soviel für die Versorgung seiner Familie wohl bei Weitem nicht benötigen wird). Im Gegenzug kann ein indischer Bauer mit ca. 2500 kg Brotweizen einen Lehrer 1 Monat lang bezahlen.

    Ein deutscher Lehrer kann mit 4% seines Monatslohns dieselbe Menge Brotweizen erstehen – und sagt dem Bauern, daß ihm das viel zu teuer ist. Gleichzeitig bräuchte der Bauer fast 25.000 kg Brotweizen um den Lehrer 1 Monat bezahlen zu können – und hört den Lehrer sagen, daß er (der Lehrer) eigentlich sowieso viel zu wenig verdient.

    b) Die Subvention des Berufsstandes:
    Durch die Transparenzdatenbank kann ja jedermann nachsehen, welche Subventionen (alle anderen offiziellen Bezeichnungen interessieren keinen, weil sie für Außenstehende sowieso nur nach Beschönigungen klingen) jeder Bauer namentlich und mit Adresse bekommt.

    Man stelle sich vor, jeder Lehrer würde mit Namen und Adresse einsehbar und müsse sich vor jedem seiner Schüler (oder deren Eltern) täglich rechtfertigen und vorhalten lassen, er bekäme ja ohnehin vom Staat jährlich fast 39.000 € Subvention (Errechnet aus (3600-360)x12).
    Die gängigen Zusatzbemerkungen/Vorwürfe (wofür eigentlich, fürs Nichtstun, fürs Herumstehen, fürs Ferienmachen, für die schlechteren PISA-Ergebnisse gegenüber dem indischen Lehrer etc.) seien nur der Vollständigkeit halber angeführt, wegen der sich daraus ergebenden Motivation.

      • Ich seh das so sagt

        Huch, das wären dann ja schon über 46.000 € Subvention !!!!!
        [(3600×14)-(360×12)], da ich einfach mal annehme, daß man in Indien kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld bekommt.

  5. Friedhelm Weber sagt

    Hat sich in den Weizenprei ein Kommafehler eingeschlichen, oder ist der Dollarkurs dermaßen abgestürzt?

  6. Nach dem nächsten Währungsschnitt wird das Lohnniveau hierzulande dem indischen etwas näher sein…. Aber das ist auch kein wirklicher Trost, oder? Die meisten Gehaltsempfänger werden erst bei eigenem Wohlstandsverlust begreifen, was Weltmarkt und Globalisierung bedeuten. Demnächst in diesem Theater.

    • Sabine sagt

      Die indische “Währungsreform” ist eine seit Wochen andauernde Katastrophe gerade für die Tagelöhner und kleinen Bauern, die so gut wie keinen Zugang zu Banken haben. Die stehen Tag und Nacht an, um ihre handvoll alter Scheine, oft ihre Lebensersparnisse, zu tauschen, die es einfach nicht in ausreichender Menge gibt. Lebensmittelläden schließen, weil sie weder Kunden haben noch die Möglichkeit neue Ware zu ordern. Kleine Handwerksbetriebe können ihre Arbeiter nicht bezahlen….. eine Chaos, dass man sich hier nur schwer vorstellen kann.
      Würden in Deutschland über Nacht die Geldscheine alle abgeschafft, hätten wir nicht halb so ein Theater, denn hier hat jeder ein Konto, gerade Firmen arbeiten weitestgehend bargeldlos und man bunkert höchtstens Schwarzgeld. Indien sieht das anders aus, dass ist eine Bargeld-Gesellschaft wo mehr als 80% des Geldverkehrs über Bargeld läuft. Daher schwankt die Wirtschaft schon wenn die beiden größten Scheine “getauscht” werden.

  7. bauerhans sagt

    lehrer in D werden sehr gut bezahlt(hab welche in der familie)und haben oft “ne grosse klappe”,wenns um “bauern und subventionen” geht.
    ich halte dann dagegen,dass viele im “öffentlichen dienst”endlich mal die leistung erbringen sollten,für die sie bezahlt werden!
    dafür bin ich natürlich nicht so gut angesehen.

  8. Sandra Harms sagt

    ich hab den fehler gefunden Willi !
    Der englisch lehrer in deutschland wird nicht mit $ bezahlt sondern mit € ….

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